Das Wort zum Tag

Dienstag, den 15. September 2015

Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

1. Mose, 12,4

Abram zog aus, um in ein fernes Land zu ziehen, wo seine Nachkommen leben sollten, ein Land, das ihm zum Erbe gegeben werden sollte. Und wir wissen, wie die Geschchte weiterging: Es kam so: Abram wurde Vater großer Völker dem Fleische nach, und von noch mehr Menschen dem Geiste nach.

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

Hebr 11,8

Er wußte nicht, was gescheen würde, er ging einfach drauf los, alles was er hatte, war sein Glaube, war die Hoffnung, daß Gott ihn nicht hängen läßt.

Abram war nicht arm. Wir erfahren zum Beispiel, daß er Knechte hatte, daß er Herden hatte, die er von Lots seines Neffen Herden trennte. Er war ein reicher Mann aus dem heutigen Irak, der über das heutige Syrien in das heutige Israel zog und zeitweise bis nach Ägypten und Libanon kam.

Auch heute sind viele Menschen auf dem Weg. Viele stammen aus der Gegend, aus der auch Arbam stammte: Irak und Syrien. Manche kommen auch aus ganz anderen Gegenden. Und vielen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie gar nicht arm seien, weil sie sich Zugtickets, Schlepper und Handys leisten können. Aber sie alle haben wie Abram keine Sicherheit, dort anzukommen, wo sie hinwollen. Sie haben nur ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, vielleicht auf Gott, daß alles irgendwie gutgehen wird. Daß sie nicht umkommen auf dem Weg übers Meer oder in den Fahrzeugen der Schlepper.

Abram und seine Nachfahren nahmen schließlich das Land ein, die Urbevölkerung wurde nach dem Bericht der Bibel vertrieben oder ermordet, nachdem die Familie bzw. das spätere Volk Israel eine weitere Migrationsbewegung nach Ägypten und von dort zurück vollzogen hatte. Viele Menschen hierzulande haben Angst, daß uns das gleiche Schicksal bevorsteht, wie auch der Urbevölkerung Kanaans, daß wir oder zumindest unsere Kultur umkommen werden.

Doch eins sollte man dabei bedenken: Nach dem Bericht der Bibel fanden die Kanaanäer ihr Ende, weil sie gottlos waren. Heute würde man vielleicht unmenschlich sagen.

In Am 9,7 wird klar, Gott gab auch anderen Völkern neue Länder:

Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Mohren?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?

Er bevorzugt die Israeliten auch nicht sonderlich, auch anderen hat Er in der Hinsicht geholfen. Und ich glaube, Er bevorzugt auch uns nicht. Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, die Nächstenliebe zu leben, die Er uns aufgetregen hat, wieso sollte unsere Gesellschaft, unsere Kultur dann überleben? Welche Daseinsberechtigung hat ein unbarmherziges Volk?

Menschen sind unterwegs zu uns, und wir müssen damit umgehen. Wenn Gott sie schickt, werden wir sie nicht stoppen können, wenn sie sich nur auf ihre menschlichen Kräfte verlassen, droht uns keine Gefahr.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ übersetzt Luther in Jes 7,9, wo das Ende des Nordreiches prophezeit wird, weil sie sich abwenden und in den Krieg gegen das Südreich ziehen. Sie glaubten nicht und sie blieben nicht, sondern wurden von Assyrien erobert und ins Exil geführt.

Also laßt uns im Glauben bleiben, indem wir Nächstenliebe praktizieren, gerade auch gegenüber den Fremden, die bei uns Schutz suchen.

Denen fällt übrigens durchaus auf, daß die Deutschen helfen wollen, während die richen Araber am Golf ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen. „Überwindet das Böse mit Gutem“, sagte Christus, und das ist es, was passiert. Wenn jemand, der sonst Allahu akbar ruft merkt, daß er bei seinen Glaubensbrüdern nur Verfolgung (ISIS) oder Ablehnung (Golfstaaten) zu erwarten hat, während die verhaßten Christen ihm mit Liebe begegnen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er irgendwann „Halleluja“ singt.

Aber ob er nun konvertiert oder nicht, unser Auftrag bleibt der gleiche: Nächstenliebe, ohne Hintergedanken, ohne ungefragte Missionsversuche!

Allgemein

Josef der Träumer

Wie ich ja schon schrieb, war eine Tagung, die ich letztens besucht habe, teilweise etwas ermüdend. Hier ist ein weiterer Text, den ich während eines Vortrages geschrieben habe.

Die Kindheit Jesu wäre laut Matthäusevangelium anders verlaufen, wenn Josef nicht geträumt hätte. Josef wird in einem Traum darüber informiert, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger ist und aufgefordert, sie zur Frau zu nehmen. Ohne diesen Traum hätte Josef sich von Maria getrennt. Heimlich zwar, und ohne sie in Schande bringen zu wollen, doch Maria wäre vielleicht dennoch zu einer alleinerziehenden Mutter geworden, oder zumindest zu einer Mutter, die mehr als andere auf die Hilfe der Verwandschaft angewiesen gewesen wäre. Das wäre sicher kein leichter Start ins Leben geworden. Josef wird im Traum zur Flucht nach Ägypten aufgefordert. Der erzwungene Gang nach Ägypten rettet und hält die Verheißung am Leben. Schließlich kehrt Josef wiederum nach einem Traum aus Ägypten zurück.

Ein Josef, der träumt und durch dessen Träume die Verheißung Gottes am Laufen gehalten wird – schon im Buch Genesis begegnet dieses Motiv. Auch dort träumt ein Josef – und es sind seine Träume, die ihn erst nach Ägypten und später an den Hof des Pharaos führen. Er erhält nicht nur das ägyptische Volk, sondern auch das Volk Gottes am Leben, sodass die Verheißung Gottes weiter geht. Ich glaube, dass die Leser des Matthäusevangeliums die Geschichte des träumenden Josefs aus Genesis sehr genau vor Augen und Ohren gehabt haben. Mit der Ausgestaltung der Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu und den Träumen Josefs verbindet Matthäus einmal mehr das Evangelium Jesu Christi schon zu Beginn deutlich mit dem TaNaCh.

Allgemein

Krieg der Religionen?

Daß in Ägypten Kirchen und Klöster in Flammen aufgingen,nachdem die Regierung gegen die Anhänger Mursis vorgegangen ist, hab ich schon geschrieben.

Beim Herrn Alipius hab ich jetzt gelesen, daß womöglich noch viel mehr Kirchen gebrannt hätten, wenn nicht Muslime (!) sich den Muslimbrüdern in den Weg gestellt hätten!

Danke an die mutigen Ägypter, so hab ich Euch aus der Zeit der Proteste gegen Mubarak in Erinnerung!

Laßt uns beten, daß die Gewalt bald aufhört und Ägypten in eine freiheitlich-demokratische Zukunft geht! Und bis es soweit ist, laßt uns noch mehr beten für die Opfer der Gewalt.

Politik

Demokratie ohne Rechtsstaatlichkeit

Wohin demokratische Wahlen führen, wenn die Rechtsstaatlichkeit im Volk nicht verankert ist, kann man an verschiedenen Beispielen weltweit beobachten. So wird durch Wahlen vielerorts lediglich entschieden, wer in Zukunft den Ton angibt, wobei das Tonangeben sich nicht zwingend in rechtsstaatlichen Bahnen bewegen muß. Als Beispiele fallen mir grad Gaza und Ägypten ein, wobei ich mir auch bei den westlichen Staaten Gedanken mache über die Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit, ob durch den ständigen Verweis auf die Terrorgefahr oder die Angstmacherei vor dem Islam.

In Ägypten hat man weniger Angst vor der Terrorgefahr oder dem Islam. Das heißt: Wenn man Muslim ist. Ist man Christ, sieht die Sache schon wieder anders aus.

Denn nachdem das Militär die demokratisch gewählte und eher diktatorisch als rechtsstaatlich agierende Muslimbrüder-Partei abgesetzt und die Proteste der Muslimbrüderanhänger niedergeschlagen hat, sind diese nun losgezogen und haben nicht etwa wie die freiheitlich-demokratische Minderheit, die Mubarak absetzte, weiter Druck auf die Militärregierung ausgeübt, nein, diese ach so gläubigen Menschen (es scheinen mir eher Heuchler zu sein) suchten sich einen schwächeren Gegner: Die Christen Ägyptens. Merke: Wenn das Militär zu stark ist, dann mach ich halt wen anders platt.

Daß diese Leute die Mehrheit der Ägypter davon überzeugen konnten, sie zu wählen, spricht nicht für eine rechtsstaatliche Kultur in dem Land. Aber woher sollte die auch kommen? Nach Jahrzehnten der Diktatur?

Auch bezeichnend ist, daß die Militärregierung zwar die Demonstrationen zerschlagen konnte (unter der Inkaufnahme vieler Todesopfer), aber nicht in der Lage war, die Kirchen und Klöster des Landes zu schützen.

Nur: Was kann man tun? Daß wir nicht wissen, wie man Demokratien erschafft, kann man in Afghanistan und Irak besichtigen. Oder war dort das Ziel nicht auch einmal Nation-building? Wie bringt man ein Land dazu, demokratisch zu werden? Vieleicht müßten wir Missionare schicken, keine kirchlichen Missionare, sondern politische Missionare für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Da das aber alles Geld kostet, bleibt dies wohl an den Idealisten hierzuland hängen. Gibt es solche „Misisonsgesellschaften“ überhaupt?

Gesellschaft

Verantwortung

Ask not, what your country can do for you,ask what you can do for your country.

John Fitzgerald Kennedy
35. US-Präsident

Ich habe diesen Artikel ja schonmal angekündigt. Jetzt ist er dran. Damals schrieb ich, daß die Verantwortung die Grenze für die Toleranz bildet. Jeder Mensch toleriert nur das, was er verantworten kann. In einem älteren Artikel zitierte ich einen alten Lehrer von mir, der – IMHO zu Recht – die Verantwortung als Maßstab für die Freiheit nannte. Freiheit ist nur insofern gut, als daß eine ebenso große Verantwortung damit einhergeht.

Hier soll es nun um die Verantwortung gehen, und wie sie mit Freiheit und Toleranz interagiert.

Beim Nachdenken über diesen Artikel fiel mir auf, daß überall, wo von Freiheit die Rede ist, auch von Verantwortung gesprochen werden kann: Luther übernahm die Verantwortung für seine Ansichten und sein Handeln vor Gott und sprach damit der damaligen Kirchenhierarchie ab, bestimmte Dinge für ihn zu entscheiden. Die Eigenverantwortung vor Gott brachte ihn quasi dazu, Papst und Kaiser zu widersprechen, und das durchzuhalten.

Spätere Freiheitsbestrebungen kann man durchaus so verstehen, daß die Völker, die gegen ihre Monarchen aufbegehrten, die Verantwortung für ihre Staatsordnung selbst übernehmen wollten. Man versuchte so gesehen also, den Monarchen von seiner Verantwortung für das Land zu entbinden. In den meisten Fällen wohl aus dem Grund, weil die Monarchen ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden, sondern in die eigene Tasche wirtschafteten.

Kant weist mit seiner Definition der Aufklärung in eine ähnliche Richtung:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Er beschreibt die Unmündigkeit als Unvermögen, sich ohne Leitung durch andere des Verstandes zu bedienen. Man könnte wohl auch sagen: Man ist unmündig, wenn man nicht in der Lage ist, Verantwortung für sich, sein Denken und seine Taten zu übernehmen. Wenn Aufklärung die Freiheit des Menschen zum Ziel hat, dann gehört dazu auch, selbst Verantwortung zu übernehmen. Man könnte provokant formulieren:

Du willst Freiheit? Dann übernimm Verantwortung!

Doch bei Kant kann man auch eine andere Alternative raushören. Es ist nämlich durchaus die Möglichkeit gegeben, daß der Mensch keine Verantwortung übernimmt. Kant spricht einerseits von den Mutlosen, als auch vom Mangel an Verstand. Wer keinen Verstand hat, kann sich dessen nicht bedienen. Und wer, wieso auch immer, den Mut dazu nicht hat, ebenso.

Ich stelle mir die Frage, was mit solchen Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft passiert? Einer Gesellschaft, die die Freiheit voraussetzt, und damit auch die Verantwortung? Muß es nicht zu Problemen kommen, wenn Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, diese trotz allem aufgehalst bekommen? Muß es die Option geben, Freiheit (und damit auch Verantwortung) abzulehnen?

Ich meine, man kann niemandem Freiheit verordnen, denn dazu müßte derjenige auch die entsprechende Verantwortung übernehmen (können). Darin sehe ich auch einen Hauptgrund, wieso das mit dem Nationbuilding nach westlichem Muster sowohl im Irak als auch in Afghanistan schief gelaufen ist. Und auch in Ägypten spielt es wohl eine Rolle. Daneben gibt es noch die militärische Komponente, die in diesem Artikel zu kurz kommt. Denn Verantwortung zu übernehmen ist die eine Sache, sie zugesprochen zu bekommen eine andere.

Ich meine, man kann nur einzelnen Menschen anbieten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und sind es genug, die dies für sich entschieden haben, werden sie auch auf dem einen oder anderen Weg danach streben, die damit verbundenen Freiheiten in der Gesellschaft zu etablieren.

Je mehr ich drüber nachdenke ärgern mich diese absoluten Positionen: Entweder freie Gesellschaft oder Abhängigkeit vom Regime. Zumal es ja Menschen gibt, die durchaus in Abhängigkeit leben (müssen), weil sie keine Verantwortung übernehmen (können). Ich denke hier vor allem an Kinder (in verschiedenen Abstufungen nach Alter und Entwicklung), geistige Behinderungen und Komapatienten.

Als ich meine Examensarbeit schrieb, fiel mir auf, daß staatliches Bevormundungsdenken früher zu Kaisers Zeiten wohl auch im Sinne einer Fürsorge verstanden wurde. Man war der Ansicht, die Obrigkeit müsse die Verantwortung für das Volk (oder bestimmte Teile desselben) übernehmen. Ich konnte dem, bei aller Ablehnung, auch einen positiven Aspekt abgewinnen. Nämlich, daß niemand sich selbst überlassen werden sollte. Welch Unterschied zu heutigen Konservativen (ist die SPD auch konservativ?), die eigentlich liberal denkend den Menschen eine Eigenverantwortlichkeit verordnen wollen, weil der Staat seiner Verantwortung, die Renten zu zahlen, nicht nachkommen kann oder will.

Um nochmal zu den Freiheitsbestrebungen der Aufklärungszeit zurückzukommen: Die ergeben ja nur da Sinn, wo der Monarch die ihm verliehene Verantwortung mißbraucht. Der gute König sorgt für seine Untertanen. Tut er das nicht, hat er kein Recht mehr auf sein Amt, das in der Verantwortung begründet sein soll, nicht in der Selbstbereicherung. Da der Mensch die Selbstbereicherung mehr liebt als die Verantwortung, ist die Monarchie wie alle anderen absoluten Regierungsformen abzulehnen.

Übrigens: Meine Examensarbeit schrieb ich über Adolf Stoecker, der wohl auf ähnlichen Gedanken fußend sogar die Sozialdemokraten (wohlgemerkt die des 19. Jhd.) als Liberale bezeichnete.

Den Gegenpol zu diesen „Liberalen“ bildete dann etwa kirchliche Fürsorgearbeit, die sich der Menschen annahm, die Angenommenen dann aber auch bevormundete. Zum Glück sind wir heute davon weg. Naja, im Idealfall wenigstens.

Wo auf der einen Seite die Bevormundung das Problem ist, steht auf der anderen Seite die Überforderung.

Denn ohne selbst Verantwortung zu übernehmen ist man auch nicht frei. Man wird dann, je nach Kontext zum Stimmvieh oder zur Konsummasse. Umgekehrt gipfelt Verantwortung zu übernehmen, ohne die dazu nötige Freiheit zu haben, in Bevormundung und Unterdrückung.

Und während das erstere durchaus ein Problem unserer Gesellschaft ist (Stimmvieh läßt sich wunderbar von Meinungsführern dirigieren), ist das letzte eher ein Problem repressiver Staaten. Dieses Problem wurde historisch oft durch Freiheitskriege oder Revolutionen gelöst.

Ich frage mich, ob es eine Möglichkeit geben kann, daß Bürger Verantwortung (und damit bestimmte Freiheiten) abgeben können, indem sie sagen: „Ich kann das nicht, soll sich wer drum kümmern, der sich auskennt.“ Dann müßten sie mit den Konsequenzen leben. Es stellt sich wieder das Problem der Bevormundung. Mir scheint, daß sowohl die repräsentative Demokratie (nur wer sich aufstellen läßt kann gestalten, wenn er gewählt wird, reine Wähler nicht) als auch die Liquid Democracy Versuche sind, das Problem zu lösen. Ne direkte Demokratie scheint mir dagegen wieder in Richtung Aufdrängung einer womöglich nicht gewollten Freiheit zu gehen, aber das ist nur ein erster Eindruck.

Nachdem nun das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung weitgehend dargestellt ist, wie war das nochmal mit der Toleranz?

Dazu nochmal zu den Fürsten. Die tolerierten ja in ihrer Mehrheit nicht die Freiheitsbestrebungen ihrer Untertanen, unabhängig davon, ob diese nun Verantwortung übernahmen oder nicht.

Und das mußten die Fürsten selbst verantworten. Manche wanderten dafür auch auf die Guillotine. Heißt das nun, daß man Nazis marschieren lassen soll, weil sie sonst gewalttätig wären?

Nun ja, die Frage muß sich jeder selbst beantworten. Eine eindeutige ethische Antwort wird es wohl nicht geben. Wenn zwei Parteien für sich sowohl Verantwortung übernehmen als auch die damit verbundene Freiheit ausleben, kann dies zu ziemlichen Konflikten führen. Denn während die meisten Leute wohl davor zurückschrecken würden, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß bürgerliche Freiheiten wie das Versammlungsverbot ausgehölt werden, interessieren sich andere gar nicht für solche Freiheiten, ja heißen deren Aushöhlung vielleicht gut.

Es ist auch nur ne Scheinlösung, daß man die Freiheit der anderen respektieren soll und die eigene Freiheit an der Freiheit der anderen aufhört. Wenn ein Kind mit dem Feuer spielt, greife ich ein. Wenn derjenige, der (auch im übertragenen Sinn) mit dem Feuer spielt, dann denke ich, sollte ich auch eingreifen, seine Freiheit einschränken und die Verantwortung dafür übernehmen. Bonhoeffer beteiligte sich an der Planung eines Hitlerattentats. Er war sich dessen bewußt, daß das, was er tat, eigentlich falsch war, und tat es trotzdem, weil das andere falscher gewesen wäre. Er trug die Konsequenzen. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg aufgehängt. Angeblich war der Lärm der Front schon zu hören.

glaube

Gedanken aus der Stille III

Gott beauftragt Mose in Ex 3 damit, Israel aus Ägypten herauszuführen. Diese Aufgabe erscheint Mose einige Nummern zu groß. Kein Wunder, wenn man sich sein bisheriges Leben vor Augen führt: Als Angehöriger eines Knechtvolkes geboren. Am Herrscherhof aufgewachsen. Dann als Verbrecher gesucht. Schließlich Viehhirte seines Schwiegervaters. Kein Wunder, dass Mose da fragt: Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe und Israel aus Ägypten herausführe? Dahinter steckt die Frage: Warum ausgerechnet ich? Du, Gott, kennst doch mein Leben. Du weißt doch, was ich für einen tiefen Absturz hinter mir habe – vom Königspalast zu Schafen in der Steppe. Reicht dir das denn nicht, um zu erkennen, dass ich völlig ungeeignet für diese Aufgabe bin? Warum bitteschön ausgerechnet ich??? Gottes Antwort ist kurz und knapp: „Weil ich mit dir sein werde“. Kein Blick mehr auf die Vergangenheit Moses. Kein Abwägen seiner Schwächen gegen seine Stärken. Allein die Tatsache, dass Gott mit ihm sein wird, ist Legitimation genug. Da mag Mose sich schon gefragt haben: Woher weiß ich, dass das stimmt? Woher weiß ich, dass du wirklich mit mir bist – und ich nicht grade nur einen Anfall von Sonnenstich und Größenwahn erleide? Diese Frage steht zwar nicht im Text, aber Mose ist ein hartnäckiger Fragensteller, und die weitere Rede Gottes zeigt, dass er mit dieser Frage zumindest rechnet, wenn er sagt: „Und das soll dir ein Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe“. Endlich, ein Zeichen wird angekündigt, etwas Handfestes – doch noch ehe sich Mose darüber freuen kann, die Ernüchterung: „Wenn du mein Volk aus Ägyptenland geführt hast, werdet ihr opfern auf diesem Berg“. Gott gibt eine Zusage für die Zukunft. Mose wird in der Zukunft erst erkennen, dass Gott ihn jetzt sendet. Gott spricht Mose auf Vergangenes, seine Herkunft an. Er spricht ihn in der Gegenwart an und sendet ihn in die Zukunft. Erst in der Zukunft wird sich Gegenwärtiges als richtig erweisen. Gottes Handeln umschließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es braucht Neugier, sich auf Gottes Handeln einzulassen – Mose hat sie schon gezeigt, als er auf den brennenden Dornbusch zuging.

Mose fragt erst noch weiter, bringt Einwände hervor, warum er garnicht geeignet sei. Doch Gott hält an der Sendung fest. Schließlich übernimmt Mose die Aufgabe. Und nach längerer Auseinandersetzung zwischen Gott, Mose und Pharao verlassen die Israeliten schließlich tatsächlich Ägyptenland. Und nun wiederholt sich in anderen Maßstäben, was sich zuvor ereignet hat. Mose wurde der Weg zu Gott, zu einer Beziehung mit Gott durch den brennenden Dornenbusch gezeigt. In der Wüste nun wird Israel der Weg bei Nacht von Gott durch eine Feuersäule gezeigt. Gott lässt die Menschen nicht orientierungslos herumirren, sondern hilft bei der Orientierung. Gott führt das Volk durch die Wüse – gemeinsam mit Mose. Vorher hütete Mose die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro. Schafe und Ziegen sind eine interessante Mischung. Beides sind Herdentiere, doch während Schafe eher dem allgemeinen Herdendrang bzw Gruppendrang folgen, können Ziegen mitunter recht eigenwillig und stur sein – zumindest habe ich das so erlebt. Mose kennt sich also aus mit Gruppen und Eigenwilligkeit. Der Weg durch die Wüste zeigt, dass er dieses Wissen im Umgang mit dem grade aus Ägypten geführten Volk brauchen wird. Immer wieder hadert dieses Volk mit Gott und Mose. Sie sehnen sich sogar zurück nach Ägypten, als sie in der Wüste hungern. Mose hat sie zwar aus dem Land Ägypten geführt, doch mit Kopf, Herz und Magen kehren sie noch immer dorthin zurück, sobald Schwierig-keiten auftauchen. Sie sind noch nicht ganz befreit, noch nicht ganz aus Ägypten herausge-führt. Als sie schließlich nach Wasser dürsten, stellen sie Gottes Anwesenheit in Frage (Ex 17). Gott aber versorgt sie mit Wachteln, Manna und Wasser und führt ihnen auch durch einen siegreichen Kampf gegen Amalek vor Augen, dass er mit ihnen ist (Ex 16-17). Nach der Versorgung mit Nahrung und der Hilfe im Angesicht von Feinden kommen sie schließlich am Berg Gottes an (Ex 18). Jetzt folgt auch das Opfer, das Gott Mose als Zeichen angekündigt hat. Die Beziehung zwischen Israel und Gott bleibt nicht frei von Rückschlägen. Doch ab jetzt wird das Volk Israel nicht mehr wehmütig an die Fleischtöpfe Ägyptens zurückdenken. Jetzt erst ist das Volk Israel ganz aus Ägypten herausgeführt. Und am vollzogenen Opfer erkennt Mose nun im Rückblick: Gott hat seine Zusage, mit ihm zu sein, eingehalten. Er, Mose, war tatsächlich von Gott gesandt, das Volk Israel aus Ägypten herauszuführen – diese Aufgabe hat er nun erfüllt.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 28.03.2012 (Jes 30, 21)

Wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abweichen wollt, werden deine Ohren den Ruf hinter dir vernehmen: »Dies ist der Weg, den gehet!«

Das Königreich Juda im ausgehenden 8. Jhd. v. Chr. Vom Großreichs Davids, falls es das je gegeben hat, ist nicht mehr viel übrig. Das Nachbarreich Israel wurde 722 von den Assyrern endgültig erobert, und um Juda und seine Hauptstadt Jerusalem steht es ebenfalls nicht gut: Während die Assyrer grob das Gebiet des heutigen Iraks, Syriens, des Libanons und Teile Israels und Jordaniens beherrschen, besteht das Königreich Juda aus nicht viel mehr als der Umgebung Jersalems. Die Lage ist aussichtslos.

Will man den Assyrern etwas entgegensetzen, so braucht man Verbündete. Doch alle, die in Frage kämen, wurden von Assyrien schon unterworfen. Alle – außer Ägypten.

Ägypten ist eine Großmacht. Ähnlich wie die wechselnden Reiche des Zeistromlandes sind sie eine Größe, die man in Nahost einkalkulieren muß. Selbst heute noch. Und auch heute noch kennen wir den Reflex, bei (militärischer) Bedrohung nach der Hilfe von ausländischem Militär zu rufen. So riefen die Libyer nach der NATO und der Scheich von Bahrain nach den Saudis.

Für die Realpolitiker in Jerusalem steht eines fest. Wenn irgendwie Hilfe gegen Assyrien möglich ist, dann liegt die in Ägypten. Nur Ägypten wäre in der Lage, eine Militärmacht aufzustellen, die den Assyrern die Stirn bieten könnte. Freilich hätte man dann das Problem mit einem starken Ägypten, so wie jetzt mit einem starken Assyrien, doch man könnte sich vielleicht durch eine Schaukelpolitik einen Freiraum schaffen, so daß die Einschränkungen nicht zu groß würden.

Doch Gott ist kein Realo, Er ist eher Fundi:

Weh den abtrünnigen Söhnen, spricht der HERR, die ohne mich Pläne fassen und ohne meinen Geist Bündnisse eingehen, um eine Sünde auf die andere zu häufen, die hinabziehen nach Ägypten und befragen meinen Mund nicht, um sich zu stärken mit der Macht des Pharao und sich zu bergen im Schatten Ägyptens!

So lauten die ersten Verse des 30. Kapitels bei Jesaja. Im Gegensatz zu den Realpolitikern wird die Lage bei Jasaja anders gedeutet. Sicher, die Assyrer bedrängen Jerusalem. Aber das ist nicht so, weil Jerusalem zu wenige Verbündete und selbst zu wenig Militär hätte. Das Auftreten der Assyrer ist eine Strafe Gottes. Ursache ist der Verhalten der Judäer:

So geh nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für immer und ewig.

Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, sondern sagen zu den Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!«, und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schaut, was das Herz begehrt! Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!«

Die Judäer scheren sich nicht mehr groß um Gott, den „Heiligen Israels“. Die Propheten nerven sie. Sie wollen nicht hören, was diese zu sagen haben, lieber wollen sie hören, was ihnen angenehm ist. Das ist das Problem, nicht die Stärke der Assyrer, die ist nur Folge. Das Nordreich Israel war zu Grunde gegangen, dort hatte man auf Propheten wie Amos nicht gehört, die die sozialen Ungerechtigkeiten anprangerten.

So nun auch in Juda und Jerusalem. Die Mächtigen dünken sich weise und suchen vor allem, ihre Macht zu erhalten. Deshalb wenden sie sich nach Ägypten. Und zwar ohne den Gott zu befragen, der durch seine Propheten schon seit längerem ansagen läßt, was schief läuft. Allerdings sind diese Ansagen der Propheten unangenehm. Es müßte sich so viel ändern, daß man doch lieber sieht, ob man nicht mit dem alten System, es selbst zu versuchen, weiterkommt. Also wendet man sich nach Ägypten. Und häuft damit eine weitere Sünde auf. Nachdem man die Prophetenworte verworfen hat, wendet man sich an eine ausländische Macht, statt an den eigenen Gott.

Und was läßt der nun Seinen Propheten sagen?

Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er’s hört.

Die Realpolitiker müssen nur umkehren, sich nur Gott zuwenden, dann wird Er sie retten. Und dann kommt der Losungstext:

Deine Ohren werden hinter dir das Wort hören: »Dies ist der Weg; den geht! Sonst weder zur Rechten noch zur Linken!«

Und ihr werdet entweihen eure übersilberten Götzen und die goldenen Hüllen eurer Bilder und werdet sie wegwerfen wie Unrat und zu ihnen sagen: Hinaus! Und er wird deinem Samen, den du auf den Acker gesät hast, Regen geben und dir Brot geben vom Ertrag des Ackers in voller Genüge. Und dein Vieh wird zu der Zeit weiden auf weiter Aue. Die Rinder und Esel, die auf dem Felde ackern, werden gesalzenes gemengtes Futter fressen, das geworfelt ist mit Schaufel und Wurfgabel.

Es ist eine Heilszusage. Wenn Juda sich Gott wieder zuwendet, wird Er es retten. Er wird wieder den Weg vorgeben, und niemand wird von der rechten Bahn abweichen.

Es kam auch wirklich so weit, daß die Assyrer Jerusalem belagert haben. Eingenommen haben sie es nicht. In Kapitel 37 des Jesajabuches lesen wir, wie König Hiskia von Juda sich an Gott wendet, der daraufhin seinen Engel schickt, und das Heer des assyrischen Großkönigs Sanherib schlägt.

Zur Belagerung von Jerusalem sind übrigens auch Darstellungen der Assyrer erhalten, die zwar behaupten, Hiskia geschlagen zu haben (kein einziger Herrscher im Nahen Osten hat nach seinen Angaben je einen Krieg verloren, das ist wie bei den Wahlanalysen der Parteien), aber es fehlen die üblichen Beschreibungen der Zerstörng und Ermordung des Königshauses.

Im letzten Jahr hat das ZDF, wie ich gerade sehe, eine Terra X Sendung zum Thema ausgestrahlt, die immer noch abrufbar ist.

Allgemein

Free like an Egyptian

Now for decades the Egyptians live under a dictatorship

Mubarak is the man o-eh-o who’s ruling the land and his might is big

he’s sending police to those guys who want to be free or dare to talk

they’re tortured and killed o-eh-o so no one dares hoping he could be free

 

And anger’s growing in the hearts of the people

eh-o-eh-o-eh-o-eh-o

tought to be an Egyptian

 

now one fine day a dictator’s kicked out country – I speak of Tunesia

Egypt’s hearts flow over o-eh-o with hope and desire to be free at last

they go out on the street demand their rights and stay there despite murder ’n police attacks

whole world is watching o-eh-o the Brave standing up for liberty

 

And Muslims, Christians, Jews and Atheists stand together

e-oh-eh-o-eh-o-eh-o

rise like an Egyptian

 

The regime is broke, Mubarak leaves it’s over, freedom prevailed at last

and the foreign lands o-eh-o stood aside this is the victory of Egyptians

they’d suffered hard, stand through fear and been accused of all kind of things

but thugs and violence o-eh-o couldn’t keep Egypt away from her destiny

 

and all the peoples round the world wish that they as well could be

e-oh-eh-o-eh-o-eh-o

free like an Egyptian

 

The protests in Egypt inspired me trying to write those lines, I had The Bangles‘ „Walk like an Egyptian“ in mind. I am not a poet, so this means something when the things happening inspire me to at least retext a pop song.

God bless the Egyptian Revolution!