Allgemein

Unbildung und Haß

Ich hab ja meinen Facebook Account vor Jahren schon abgemeldet, deshalb krieg ich sowas immer mit einiger Verzögerung mit:

Offenbar ist (oder war) gerade ein Shitstorm am Laufen gegen einen angeblich „islamischen“ Adventskalender:

Das Bild hab ich von mimikama.at übernommen, es entstammt einem öffentlichen Facebook Status

Kurze Berichte über den Shitstorm gibt es zum Beispiel hier und hier. Der Vorwurf ist, daß es sich bei dem Gebäude auf dem Bild um eine Moschee handle und Lindt damit Teil einer Verschwörung ist, die uns alle islamisieren will, oder so ähnlich…

Eigentlich müßte man ja drüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Das fällt so in etwa in die gleiche Kategorie wie die Leute, die sich über christliche Lieder auf Weihnachtsmärkten aufregen („jetzt müssen die Christen sich noch Weihnachten unter den Nagel reißen“).

Ich wollte mich zuerst auch aufregen, aber aus solchen Kommentaren spricht die blanke Unbildung. Denn Weihnachten ist ein christliches Fest (auch wenn der Termin, der sich letztendlich durchsetzte im Gegensatz zum ursprünglichen 6. Januar auf dem Termin eines alten heidnischen Festes liegt), und das Christentum ist ursprünglich eine orientalische Religion – lange schon bevor ein gewisser Mohammed das Licht der Welt erblickte! Und immer noch gibt es Millionen Christen im Orient.

Was also ist es, das auf dem Bild so islamisch anmutet? Die Kamele der drei Weisen links? Die gehören zum Standard-Bildrepertoire bei der Darstellun der Weisen aus dem Morgenland, auch wenn die Kamele in der Bibel hier nicht extra erwähnt werden. Allerdings gibt es viele biblische Stellen, ian denen Kamele vorkommen, sie gehören also durchaus in die Lebenswelt des damaligen christlichen Orients und über die Bibel in die Lebenswelt heutiger Christen.

Oder ist die angebliche Moschee das zentrale Problem? Wieso ist das eine Moschee? Wegen der Farben und Muster? Wer das denkt, dem empfehle ich, sich dieses Bild der Geburtsgrotte in der Geburtskirche in Bethlehem anzusehen:

Dirk D. [CC BY-SA 3.0], von Wikimedia Commons
Vor allem wende man den Blick auf den roten Vorhang mit den goldenen Verzierungen links. Das ist doch dem Adventskalender recht ähnlich. Und hier handelt es sich um eine der wichtigsten Kirchen der Christnheit!

Also ist die Kuppel das Problem? Auch die kommt bei Kirchen häufiger vor:

Beim Petersdom in Rom:

Giacomo della Porta [Public domain]
Beim Berliner Dom:

Thomas Wolf, www.foto-tw.de, Berliner Dom vor Sonnenuntergang, CC BY-SA 3.0 DE

Beim Speyrer Kaiserdom:

Kai Scherrer [CC0], von Wikimedia Commons
Beim Dom von Helsinki:

© Hans Hillewaert / CC BY-SA 4.0

Bei der Potsdamer St. Nikolaikirche:

Karstenknuth at German Wikipedia [Attribution], from Wikimedia Commons
Und bei der Hagia Sophia in Istanbul, der ehemaligen Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und religiösen Mittelpunkt der Orthodoxie:

Dennis Jarvis from Halifax, Canada [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Man sieht also, Kuppeln sind kein Stück weit islamisch, auch die Türme, die man an dem Gebäude auf dem Adventskalender sehen kann, finden ihre Entsprechungen bei einigen der aufgeführten Kirchengebäude (die lediglich eine winzige Auswahl darstellen können).

Es findet sich zwar kein Kreuz auf der Kuppel des Adventskalenders, aber eben auch kein Halbmond als islamisches Zeichen. Der Halbmond am Himmel, neben dem Stern von Bethlehem zu sehen, ist eher als genau das, ein Halbmond ohne Symbolcharakter, anzusehen.

Ein Facebook Kommentar sprang mir besonders ins Auge:

Werbung für eine archaische Gesellschaftsordnung „ISLAM“, in der Frauen gesteinigt werden, wenn sie angeblich fremd gegangen sind

Der Islam ist keine archaische Gesellschaftordnung, sondern eine Weltreligion. Ja, es werden in islamischen Ländern Menschen gesteinigt, auch Frauen wegen Ehebruch, aber das ist das Problem dieser Gesellschaften (und aus diesen Gründen nehmen wir auch Menschen aus diesen Gesellschaften auf, wenn sie vor den dortien Zuständen fliehen – ich höre die Pegidisten schon rufen: Ehebruch ist kein Asylgrund), aber weil die Gesellschaften archaisch sind, muß es die Religion (also der Islam) ja nicht sein. Denn genauso wie es in der Sharia die Forderung nach Steinigung von Ehebrecherinnen gibt, gibt es ähnliche Forderungen in der christlichen Bibel:

3. Mose 20,20f:

Ist’s aber die Wahrheit, dass das Mädchen nicht mehr Jungfrau war, so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Hause Hurerei getrieben hat; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun.

3. Mose 20,22:

Wenn jemand dabei ergriffen wird, dass er einer Frau beiwohnt, die einen Ehemann hat, so sollen sie beide sterben, der Mann und die Frau, der er beigewohnt hat; so sollst du das Böse aus Israel wegtun.

3. Mose 20,23f:

Wenn eine Jungfrau verlobt ist und ein Mann trifft sie innerhalb der Stadt und wohnt ihr bei, so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, dass sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrien hat, obwohl sie doch in der Stadt war, den Mann, weil er seines Nächsten Braut geschändet hat; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun.

Wir sollten also aufpassen, wem wir welche Vorwürfe machen, zumal laut Wikipedia der Koran die Steinigung nicht kennt und die Steinigung in den Hadithen auf die Tora, also die 5 Bücher Mose zurückgeführt wird. Man kann also beim Thema Steinigung kaum dem Islam einen Vorwurf machen ohne den Vorwurf gegen das Christentum zu wenden, und wenn wir uns dann noch einmal vergegenwärtigen, was ein Adventskalender ist und wo der religiös herkommt, macht so eine Aussage erst Recht keinen Sinn.

Freilich gibt es heutzutage Steinigungen in islamischen Ländern im Gegensatz etwa zu christlichen Ländern oder Israel, aber das ist weniger eine Frage der Religion, denn nicht alle Muslime steinigen oder heißen die Steinigung gar gut. Es ist auch keine Frage der religiösen Texte oder Traditionen, denn Steinigungen kommen in der Hinsicht bei allen drei abrahamitischen Religionen vor. Es ist eine Frage der Auslegung und Anwendung der religiösen Quellen, es ist eine Frage, inwieweit Fundamentalismus eine Rolle spielt und inwieweit reflektiertere Methoden der Auslegung rezipiert werden.

Momentan ist der Fundamentalismus im Islam sehr verbreitet, aber auch im Christentum und im Judentum greift er um sich. Und Fundamentalismus bedeutet, nichts lernen, nichts begreifen zu wollen, weil man meint, alles schon begriffen zu haben, weil man meint, Texte 1:1 ins heute übertragen zu können. Fundamentalismus ist in meiner Wahrnehmung die Folge religiöser Unbildung. Und tatsächlich kommt christlicher Fundamentalismus prominent in den USA vor, wo es keinen Religionsunterricht in den Schulen gibt. In Frankreich gibt es den auch nicht, und auch dort zeigten sich fundamentalistische Tendenzen in den Demos gegen die Einführung der Homoehe (auch wenn die Sache komplizierter ist).

In Deutschland haben wir das Glück, daß es, mit Ausnahme der DDR, für die Mehrheitsreligion immer Religionsunterricht an staatlichen Schulen gegeben hat, daß es bei uns also eine gewisse Grundbildung in religiösen Dingen gibt und der Fundamentalismus nicht ganz so stark um sich greifen kann wie in anderen Ländern.

Das gilt aber (noch) nicht für die Minderheitenreligion Islam, weshalb Muslime ihre religiöse Bildung meist nicht von universitär (aus)gebildeten Vertretern ihrer Relgion erhalten, sondern von irgendwelchen Leuten im Hinterhof. Oftmals reicht es auch da nur zum Fundamentalismus.

Leider bricht auch die religiöse Bildung allgemein weg, weshalb es dann auch zu solchen Fehlleistungen kommen kann, wie die Beurteilung des Lindt Adventskalenders als „islamisch“. Womöglich spielt auch eine Rolle, daß Pegida aus Dresden kommt und Ostdeutschland für Jahrzehnte keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen hatte.

Jedenfalls denke ich, daß all dies zeigt, wie wichtig es ist, den Religionsunterricht hochzuhalten und auch möglichst schnell auch für unsere muslimischen Mitbürger einzuführen, um solche und andere fundamentalistische Fehlannahmen zu unterbinden.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 1. Dezember 2012

Nun geht das knapp dreiwöchige Warten auf den 24.12.2012 also auf die Zielgrade. An diesem Blog wird das nicht unbemerkt vorbeigehen. Es wird einen Adventskalender geben. Was er beinhalten wird, könnt ihr euch denken, wenn ihr meine bisherigen Beiträge kennt. Und dieser Adventskalender ist auch deshalb etwas anders als andere, weil IHR diese Türchen mitgestalten könnt! Ich fände es nämlich klasse, wenn ihr mal von den Erfahrungen, die ihr mit den Fragen so gemacht habt, schreibt 🙂

Los geht’s!

1.  Türchen

Jonathan ging hin zu David und stärkte sein Vertrauen auf Gott (1. Samuel 23, 16)

Und der Lehrtext:

Ermahnt euch untereinander und einer erbaue den anderen (1. Thess 5, 11)

David und Jonathan waren enge Freunde, sie vertrauten einander bedingungslos und konnten einander so im Vertrauen, im Glauben stärken.

Wem vertraue ich so sehr, dass er mein Vertrauen in Gott stärken kann? Wann wurde mein Vertrauen in Gott zuletzt gestärkt?

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Kultur & Advent

Ich bin im Moment etwas unkreativ, was eigene Artikel angeht. Deshalb möchte ich die inhaltsleere Zeit überbrücken mit dem Hinweis auf mehrere (genau 3)… nun, kulturelle Projekte, allesamt von den Musikpiraten und zwei davon mit Bezug zum Advent.

Als erstes wäre da das CC-Weihnachtsliederbuch. Aus der Not, daß Kindergärten von der GEMA für Kopien von Weihnachtsliederblättern zur Kasse gebeten werden, haben die Musikpiraten eine Tugend gemacht, indem sie für 26 Advents- und Weihnachtslieder, die frei (CC-Lizenz) kopiert werden dürfen (weil alt genug), die Notenblätter zusammengestellt haben und nun zum freien Download anbieten. Wer sich also fragt, wie er in seinem Kindergarten Geld sparen kann: Das wäre eine Möglichkeit.

Das nächste Projekt ist der CC Adventskalender. Jeden Tag ein anderes (Weihnachts-)Lied. Türchen öffnen und anhören. Auch hier: CC-Lizenzen. Inklusive Downloadlink für das jeweilige Stück, wenn ich das richtig sehe (bei geöffnetem Fensterchen).

Ein bißchen weniger Weihnachtlich vielleicht, dafür immer noch musikalisch und CC-lizenziert: Der Sampler zum Free Music Contest 2010. Ein ganzer Sampler voller kostenlos legal zu beziehender Musik.

Ja, es wird wohl Weihnachten, bei so vielen Geschenken 😉