Das Wort zum Tag

Dienstag, den 15. September 2015

Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

1. Mose, 12,4

Abram zog aus, um in ein fernes Land zu ziehen, wo seine Nachkommen leben sollten, ein Land, das ihm zum Erbe gegeben werden sollte. Und wir wissen, wie die Geschchte weiterging: Es kam so: Abram wurde Vater großer Völker dem Fleische nach, und von noch mehr Menschen dem Geiste nach.

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

Hebr 11,8

Er wußte nicht, was gescheen würde, er ging einfach drauf los, alles was er hatte, war sein Glaube, war die Hoffnung, daß Gott ihn nicht hängen läßt.

Abram war nicht arm. Wir erfahren zum Beispiel, daß er Knechte hatte, daß er Herden hatte, die er von Lots seines Neffen Herden trennte. Er war ein reicher Mann aus dem heutigen Irak, der über das heutige Syrien in das heutige Israel zog und zeitweise bis nach Ägypten und Libanon kam.

Auch heute sind viele Menschen auf dem Weg. Viele stammen aus der Gegend, aus der auch Arbam stammte: Irak und Syrien. Manche kommen auch aus ganz anderen Gegenden. Und vielen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie gar nicht arm seien, weil sie sich Zugtickets, Schlepper und Handys leisten können. Aber sie alle haben wie Abram keine Sicherheit, dort anzukommen, wo sie hinwollen. Sie haben nur ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, vielleicht auf Gott, daß alles irgendwie gutgehen wird. Daß sie nicht umkommen auf dem Weg übers Meer oder in den Fahrzeugen der Schlepper.

Abram und seine Nachfahren nahmen schließlich das Land ein, die Urbevölkerung wurde nach dem Bericht der Bibel vertrieben oder ermordet, nachdem die Familie bzw. das spätere Volk Israel eine weitere Migrationsbewegung nach Ägypten und von dort zurück vollzogen hatte. Viele Menschen hierzulande haben Angst, daß uns das gleiche Schicksal bevorsteht, wie auch der Urbevölkerung Kanaans, daß wir oder zumindest unsere Kultur umkommen werden.

Doch eins sollte man dabei bedenken: Nach dem Bericht der Bibel fanden die Kanaanäer ihr Ende, weil sie gottlos waren. Heute würde man vielleicht unmenschlich sagen.

In Am 9,7 wird klar, Gott gab auch anderen Völkern neue Länder:

Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Mohren?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?

Er bevorzugt die Israeliten auch nicht sonderlich, auch anderen hat Er in der Hinsicht geholfen. Und ich glaube, Er bevorzugt auch uns nicht. Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, die Nächstenliebe zu leben, die Er uns aufgetregen hat, wieso sollte unsere Gesellschaft, unsere Kultur dann überleben? Welche Daseinsberechtigung hat ein unbarmherziges Volk?

Menschen sind unterwegs zu uns, und wir müssen damit umgehen. Wenn Gott sie schickt, werden wir sie nicht stoppen können, wenn sie sich nur auf ihre menschlichen Kräfte verlassen, droht uns keine Gefahr.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ übersetzt Luther in Jes 7,9, wo das Ende des Nordreiches prophezeit wird, weil sie sich abwenden und in den Krieg gegen das Südreich ziehen. Sie glaubten nicht und sie blieben nicht, sondern wurden von Assyrien erobert und ins Exil geführt.

Also laßt uns im Glauben bleiben, indem wir Nächstenliebe praktizieren, gerade auch gegenüber den Fremden, die bei uns Schutz suchen.

Denen fällt übrigens durchaus auf, daß die Deutschen helfen wollen, während die richen Araber am Golf ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen. „Überwindet das Böse mit Gutem“, sagte Christus, und das ist es, was passiert. Wenn jemand, der sonst Allahu akbar ruft merkt, daß er bei seinen Glaubensbrüdern nur Verfolgung (ISIS) oder Ablehnung (Golfstaaten) zu erwarten hat, während die verhaßten Christen ihm mit Liebe begegnen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er irgendwann „Halleluja“ singt.

Aber ob er nun konvertiert oder nicht, unser Auftrag bleibt der gleiche: Nächstenliebe, ohne Hintergedanken, ohne ungefragte Missionsversuche!

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 13.3.2014: Genesis 1,3

Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

Ich sitze grade in einer Bibliothek und gucke raus auf eine sonnenbeschienene Wiese und die blühenden Sträucher, was für ein schöner Anblick 🙂 Und dabei kommt mir eins meiner Lieblingslieder in den Sinn:

Morgenglanz der Ewigkeit,

Licht vom unerschaffenem Lichte.

Schick uns diese Morgenzeit

deine Strahlen zu Gesichte

und vertreib durch deine Macht

unsere Nacht.

Ich wünsche euch einen schönen Tag mit viel Sonne im Herzen!

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 22.9.2013

Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun.

(Ex. 20, 9.10)

Über dieses Gebot kann man sicher eine Menge sagen. Mir ist grade ein Gedanke besonders wichtig geworden: Weil Gott geruht hat, sollen auch wir ruhen. Das ganz bewusste Ausruhen an genau diesem Tag ist nicht nur eine Gelegenheit zum Durchatmen. Er kann uns unsere Gottesebenbildlichkeit ganz besonders vor Augen führen.

Das Wort zum Tag

Telegramm von Malcolm X

Bei History Kicks Ass hab ich wieder mal ein interessantes Fundstück gefunden: Ein Telegramm von Malcolm X an Martin Luther King vom 30. Juni 1964.

King war zu dieser Zeit in St. Augustine, Florida, wo er beim St. Augustine Movement mithalf, die Rassentrennung in der Schule zu überwinden. Dabei kam es zu Gewalt von Seiter weißer Segregationalisten. In dieser Situation schrieb Malcolm X, der von der Gewaltfreiheit wenig hielt, folgende Worte:

We have been witnessing with great concern the vicious attacks of the white races against our poor defenseless people there in St. Augustine. If the federal government will not send troops to your aid, just say the word and we will immediately dispatch some of our brothers there to organize self defense units among our people and the Ku Klux Klan will then receive a taste of its own medicine. The day of turning the other check to those brute beasts is over.
The Organization of Afro-American Unity
Malcolm-X Chairman Theresa Hotel Harlem NY

Wir waren mit großer Sorge Zeugen der bösartigen Attacken der weißen Rassen gegen unsere armen, wehrlosen Leute dort in St. Augustine. Falls die Bundesregierung keine Truppen zu Eurer Hilfe schicken wird, sagt nur ein Wort und wir werden sofort einige unserer Brüder dorthin schicken, um Selbstverteidigungseinheiten zu organisieren und der Ku Klux Klan wird seine eigene Medizin schmecken. Der Tag, an dem wir diesen brutalen Bestien die andere Wange hinhalten ist vorbei.
Die Organisation der Afro-Amerikanischen Einheit
Malcomlm-X Vorsitzender Theresa Hotel Harlem NY

Das Ganze erinnert mich ein wenig an Matthäus 26,53. Dort geht es um die Gefangennahme Jesu im Garten Getsemaneh. Dabei ergriff Petrus sein Schwert und schlug einem der Leute des Hohepriesters ein Ohr ab. Jesus ermahnt ihn daraufhin, das Schwert wegzustecken und fügt an:

Oder meinst du, ich könnte meinen Vater nicht bitten, dass er mir sogleich mehr als zwölf Legionen Engel schickte?

Malcolm X war sicher nicht Gott und die Brüder die er schicken wollte keine Engel, aber Jesus griff in der Not nicht auf die Option der Gewalt zurück, sondern lieferte sich der Gewalt Seiner Gegner aus. Und überwand damit die Hölle.

Ebenso griff King nicht auf die Gewalt zurück, die Malcolm X ihm anbot. Auch er und die ganze Bewegung ließ die Gewalt über sich ergehen, was zu immer weiteren Berichten in den Medien führte und die Rassisten nach und nach unmöglich machte. Das führte zwar nicht zur Überwindung der Hölle, aber es wurden neue Gesetze erlassen, die die Situation der Afroamerikaner weiter verbessern sollten. Hätte er zur Gewalt gegriffen, hätte er seine eigenen Forderungen ebenso entwertet wie die Rassisten ihre Forderungen. Liebe überwindet den Haß, nicht umgekehrt!

Aber Liebe tut weh!

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 31. März 2013

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4

Die Engel sprachen zu den Frauen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Lukas 24,5-6

Ostern, endlich! Das Fest der Auferstehung! Wenn wir uns an Karfreitag erinnern, dann stand dort die Verzweiflung im Mittelpunkt, das Zusammenbrechen einer Welt und das daraus sich entwickelnde Chaos. Die Tageslosung sprach davon Gottes Angesicht zu suchen, und das Angesicht Gottes war das des Gefolterten und bald toten Jesus von Nazareth.

Der Tod Jesu am Kreuz schließlich war der Schlußpunkt, spätestens hier endet nach menschlichen Maßstäben alle Hoffnung, die man vieleicht noch auf Ihn gesetzt hatte. Nach menschlichem Ermessen war dort Schluß, die Hoffnung zu Ende, und jeder war zuerst sich selbst der Nächste.

Doch Karfreitag ist nicht die ganze Wahrheit. Das menschliche Ermessen ist nicht alles. Christus ist auferstanden, das Undenkbare geschehen. Er hat den Tod bezwungen, hat die Hoffnung gerettet.

Die heutige Tageslosung spricht davon, daß Gottes Wahrheit, nicht die menschliche, die Karfreitag alle Hoffnung verlieren muß, Schirm und Schild ist.

Wenn Christus auferstanden ist, dann besteht Hoffnung, auch in der hoffnungslosesten Situation. Wenn Er durch den Tod hindurch gehen konnte, so kann Er uns auch hindurch führen, so kann auch für uns noch Hoffnung bestehen, wo nach menschlichem Ermessen alle Hoffnung zu Ende ist.

Der Lehrtext weist darauf hin, wie die Rede von der Wahrheit zu verstehen ist. Wahrheit ist: Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten, Er ist auferstanden.

Ostern ist ein Fest des Triumphes, der großen, ja größten Freude. Ostern ist der Tag, an dem Gott den Tod besiegte, an dem Gott die Hoffnungslosigkeit besiegte. Dieses Ereignis gibt uns Christen Hoffnung auch dort, wo eigentlich keine Hoffnung mehr sein kann. Und diese Hoffnung gibt Kraft aus der Freiheit erwächst.

Wir müssen auf Weltliches nicht mehr so viel Rücksicht nehmen, eigentlich gar nicht mehr. Was immer uns widerfahren mag, was immer uns drohen mag, was kann uns schon passieren? Im schlimmsten Fall müssen wir sterben. Und dann stehen wir wieder auf.

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg? Sünde, Tod und Teufel habe mit Ostern endgültig verloren, haben endgültig ihre Macht über die Menschen verloren, haben kein Argument mehr für die Angst, durch die sie Macht ausüben.

Denn der Herr ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Freitag, den 29. März 2013

Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.
Psalm 27,8

Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!
Johannes 19,5

Es ist Karfreitag, Todestag des Herrn, und die Tageslosung handelt davon, des Herrn Antlitz zu suchen. Und der Lehrtext weist auf das Antlitz hin: Das eines geschundenen und gedemütigten Menschen.

Denn spätestens seit Mel Gibsons „Passion“ wissen wir, was vor der Dornenkrone kam: Die Züchtigung, die Folter. Gibson stellte es sehr explizit dar, wofür er stark kritisiert wurde. Im Johannesevangelium steht denn auch nur kurz, daß Jesus gegeißelt wurde (Joh 19,1) und daß die Soldaten ihn verhöhnten und schlugen (Joh 19,3). Man kann es fast überlesen. Ich habe über die Jahre gelernt, Gibsons Film dafür wertzuschätzen, zu zeigen, was man sonst schnell überliest: Das körperliche Leid, das Jesus in diesen Stunden widerfuhr.

Der Psalmbeter des 27. Psalms erhofft sich von Gott Rettung, Hilfe, Schutz. Deshalb will er das Antlitz Gottes suchen. Was wird er denken, wenn sich Gott ihm offenbart als Jesus, als der geschlagene, blutüberströmte Mann, der kurz vor der Hinrichtung am Kreuz steht? Für den es noch weniger Hoffnung gibt als für den Psalmbeter selbst?

Enttäuscht wird er sein. Und enttäuscht waren auch die Jünger.

Jesus war überwunden. Er war tot. Es bestand für Ihn keine Hoffnung, und auch anderen konnte Er keine Hoffnung mehr geben. Wer immer sich zu der Zeit an Gott gewandt hat in der Not, hätte er Gott gesehen, wär er in Verzweiflung gefallen: Gott ist tot. Damit ist kein Schutz, keine Hilfe mehr zu erwarten, muß jeder danach sehen, wo er bleibt.

Damit ist das Chaos ausgebrochen, halten nur noch gesellschaftliche Konventionen einen Rest Ordnung aufrecht, so lange, bis die ersten vor den Konventionen nicht mehr zurückschrecken.

Chaos, Unordnung. Recht des Stärkeren.

Nach all den Ereignissen des Karfreitags lautet die Moral von der Geschicht: Sei einer der Stärkeren, wenn Du bestehen willst.

So steht dann jeder gegen jeden. Chaos.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Dienstag, den 26. März 2013

Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke!
Daniel 2,20

Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
1. Korinther 1,20

Gott hat die Weisheit zur Torheit gemacht. Erinnert mich im Moment an den Start des Blogs. Alles vorbereitet, Artikel vorgeschrieben für den Blogstart im Urlaub, terminlich abgepasst auf den Blogtitel, und dann die Überraschung: Wo ich dachte, weise vorgebaut zu haben, am Ende alles nur Torheit. Die geplanten Artikel wurden einfach nicht veröffentlicht. Noch im Urlaub sah ich es, konnte aber mit Smartphone und mäßiger Internetverbindung nicht gerade viel machen.

Wie immer weise oder stark ich mich gewähnt habe, ein, zwei kleine Details können alles zum Einsturtz bringen. Alles bedenekn kann kein Mensch. Alles bedenken kann nur Gott, und daher kann nur Er wirklich weise genannt werden. Alle anderen Größen werden verglichen mit Ihm klein, und wer immer auch meint, ohne (oder gar gegen) Ihn irgend etwas ausrichten zu können, spielt eigentlich Roulette. Es kann gut gehen, es kann aber auch schief gehen, so gut man sich auch vorbereitet.

Was Gott anpackt, geht aber niemals schief, und wenn wir auch nicht wissen können, was genau Er im Sinn hat, so können wir doch darauf vertrauen, daß es uns zum Besten dient, denn Gott liebt uns.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Montag, den 25. März 2013

Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden.
Psalm 16,6

Was ihr auch tut, tut es mit Leib und Seele, so als wäre es für den Herrn und nicht für Menschen, im Wissen, dass ihr dafür vom Herrn das Erbe empfangen werdet. Dient Christus, dem Herrn!
Kolosser 3,23-24

Land losen wär doch einmal eine Alternative zum Kauf. Einfach bei ner Tombola für ne Hand voll Euros ein paar Lose besorgt, und dann gewinnen. Nichts tun, und ne nette Geldanlage bekommen.

So ist es wohl nicht ganz gemeint. Land war zur Zeit der Abfassung des 16. Psalms in erster Linie keine Geldanlage, sondern Mittel, um zu leben. Auf dem Land baute man Nahrungsmittel an. Keine Nahrungsmittel, kein Abendessen, und Frühstück und Mittagessen fielen dann wohl auch eher Mau aus, ganz zu schweigen vom Kaffeetisch nachmittags. Es sei denn man hatte Geld, aber das mußte man ja auch erst mal erwerben.

Dem Beter fiel das Los auf gutes Land, Land von dem er gut leben konnte, und das ihm – hoppla, das erklärt vielleicht einiges – zum Erbteil geworden ist. Das heißt, er hat es geerbt. Das Los war kein wirkliches Los, sondern eher Zufall. Zufällig wurde er in eine Familie geboren, deren Landbesitz nicht nur trockene, steinige Wüste umfasst, sondern auch brauchbares, gutes Land. Er hat also Glück gehabt und freut sich darüber.

Der Lehrtext spricht von einem anderen Erbe. Und zu ganz anderen Menschen. Hier geht es nicht um Landbesitzer, die angesprochen werden, sondern unter anderem um Sklaven, die aufgefordert werden, ihre Arbeit nicht nur zu verrichten, sondern so zu verrichten, als arbeiteten sie für Gott. Der Lohn dafür soll dann ein ominöses Erbe sein.

Ich muß sagen, mich ärgert dieser Text. Es ärgert mich zu lesen, daß hier werkgerechtes Denken propagiert wird. Wenn Du das und das tust, dann kriegst Du einen Lohn. Von Gottes freier Gnade ist da nicht viel zu hören. Erst die Arbeit, dann der Lohn. Oder anders: Keine Arbeit, kein Lohn. Wer nicht spurt geht leer aus.

Nein. Er geht nicht leer aus, wir müssen nur einen Vers weiter lesen:

Denn wer unrecht tut, der wird empfangen, was er unrecht getan hat

Es geht also nicht um eine wie auch immer geartete Hölle in die man kommt, wenn man die geforderte Arbeit nicht verrichtet. Die Rede vom Erbe deutet also wohl nicht auf den Himmel hin, dessen Gegenteil dann wohl die Hölle wäre. Wer Unrecht tut wird das auch empfangen. What goes around, comes around. Man erntet, was man sät.

Die Gefahr in der Hölle zu landen haben wir also vorerst gebannt, nun stellt sich die Frage, ob was uns Losung und Lehrtext sagen wollen. Die Verbindung ist der Erbteil, der im Psalm als günstiger Zufall in Form von Land beim Psalmbeter landet.

Im Kolosserbrief ist das Erbe ein Erbe von Gott. Man bekommt es, wenn man als Sklave sich nicht auflehnt, sondern seine Arbeit verrichtet, als täte man sie nicht für seinen Besitzer, sondern für Gott selbst. Und das Gegenteil des Erbes, wenn man nicht so handelt ist, daß man das empfängt, das man tut.

Womöglich ist gemeint, daß gutes Verhalten als Sklave auch irgendwann den Besitzer dazu bringen wird, einen besser zu behandeln. Wobei ich daran zweifeln würde, daß das so sein muß, und die Bibel ist an anderer Stelle auch realistischer, was die Rolle von Sklaven angeht. Niemand wird dafür gelobt, daß er seine Arbeit tut. Aber man kann darauf gehen, daß man die Folgen zu spüren bekommt, wenn man seine Arbeit nicht macht. Ist das Erbe, von dem die Rede ist, daß man als Sklave seine Ruhe hat und nicht ganz so oft geschlagen wird?

Der vorangehende Vers lautet:

Ihr Sklaven, seid gehorsam in allen Dingen euren irdischen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern in Einfalt des Herzens und in der Furcht des Herrn.

Es geht also gerade nicht darum, dem Besitzer zu gefallen, indem man sich den Anschein gibt, ganz brav und gehorsam zu sein, und irgendwie auch seine Arbeit hinkriegt, sondern indem man seine Arbeit als seine Berufung wirklich annimmt, daß man sich als genau dahin gestellt versteht, wo Gott einen haben will. Und daß man in diesem Bewußtsein dann seine Arbeit verrichtet. Nicht, um seinem Besitzer zu gefallen, der spielt dabei keine Rolle.

Das Erbteil ist vielleicht wirklich der Himmel. Und die Alternative? Nun, wenn man als Sklave nicht tut wie geheißen, dann kann man die Konsequenz vielleicht wirklich auch als Hölle ansehen. Von Schlägen als Strafe bis zum Tod ist eigentlich alles drin. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Während der Psalmbeter sagt, er habe ein gutes Stück Land erhalten, weil er glücklich war, besitzt der Sklave nicht einmal sich selbst, und soll trotzdem die Füße stillhalten.

Ihm blieb vielleicht wirklich nicht viel übrig, außer auf Gott zu vertrauen. Ein gewisser Onesimus, Sklave des Philemon, hatte dieses geforderte Vertrauen wohl auch nicht. Trotzdem ist die Alternative nicht besser. Also Füße stillhalten und durch, und darauf hoffen, daß Gott einem dereinst ein besseres Dasein verschaffen wird?

Mir ist das etwas wenig, wenn ich ehrlich bin. Jetzt kann man sagen, daß man daran erkennt, daß der Kolosserbrief eben kein echter Paulusbrief ist und daher auch keine ganz so tolle Theologie hat, aber er steht immerhin in der Bibel.

Weiter vorne ist die Rede davon, daß man als Christ alle negativen Gefühle und Verhaltensweisen ablegen soll und sich an Liebe und Vergebung orientieren.

Das würde sich dann auch auf die Besitzer beziehen. Auch diesen müßte man vergeben. Egal was sie tun. Und man wäre aufgefordert, sie zu lieben.

Wie viel schwieriger ist es doch hier, an das Erbteil zu kommen, als es für den Psalmbeter war, der einfach Glück hatte. Beides kommt von Gott, und es ist nach menschlichem Ermessen ungerecht. Die Welt ist ungerecht. Auch wenn innerhalb der Gemeinde Nationalität oder sozialer Status nicht zählt, wie Vers 11 betont:

Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Sklave, Freier, sondern alles und in allen Christus.

Im „echten“ Leben kann das anders ausgesehen haben. Und Sklaven, deren Besitzer kein Christ war oder sich einfach nicht an die Forderungen hielt, hatten Pech, so wie der Psalmbeter Glück hatte.

Ich bin der Ansicht, daß alleine schon die ganzen Forderungen schon in dem Moment überflüssig und Fehl am Platz sind, wo sie ausgesprochen werden. Wer zu Christus gefunden hat, ist in der Regel derart voll von Freude, daß er bald zerplatzt. Ihm muß man eigentlich nicht mehr sagen, daß er vergeben und Liebe walten lassen soll, weil Gott ihn zuerst geliebt hat und er das begriffen hat.

Womöglich versucht der Autor des Kolosserbriefes, ob es nun Paulus war oder nicht, an diese ersten Gefühle der Erlösten zu erinnern, um eine Erkaltung des Glaubens zu verhindern. Es ist schon schwer zu lieben und zu vergeben, wenn es Schläge als Ausgleich gibt. Auch wenn dereinst alles mal besser werden soll.

Womöglich ist das Ziel des Briefautors auch, daß die Sklaven durch ihr Verhalten ihre Besitzer dazu bringen, selbst auch Christen zu werden, die dann ihre Sklaven nicht mehr als Sklaven behandeln sollten, jedenfalls nach dem Kolosserbrief, und der Philemonbrief deutet ja in die gleiche Richtung.

Es wäre schön, wenn der Brief hier eindeutiger wäre, mehr erklären würde. Tut er aber nicht.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 24. März 2013

Ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum.
Psalm 119,14

Der Gott des Friedens mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Hebräer 13,20.21

Mit Mahnungen ist es eine Sache. Spätestens bei der dritten wird es ernst, fängt es an Geld zu kosten. Tja, man soll halt nicht bestellen, was man sich nicht leisten kann.

Trotzdem: Manchmal muß man sich vielleicht durchwinden, daß man vielleicht alle Mahnungen so lange laufen läßt, bis man genug Geld zusammen hat. Der Weg, den die Mahnungen zeigen ist dann mtunter sehr verworren, kostet Kraft und Konzentration, damit man auch keinen Termin verpasst. Jedenfalls ist solch ein Weg nicht angenehm, sondern steinig und schwer.

Hinnehmbar kann all diese Anstrengung sein, wenn man selbst sie zu verantworten hat. Wenn man vielleicht seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit falsch eingeschätzt hat und nun die Konsequenzen tragen muß.

Weniger hinnehmbar wird es, wenn man selbst nichts dazu kann. Wenn es darum geht, das zum Leben notwendige zu bezahlen. Wenn an unverschuldet seine Arbeit verloren und keine neue mehr gefunden hat, und sich nun so durchwurschteln muß, bis ein neuer Job greifbar wird. Trotzdem nimmt man es meist zähneknirschend hin. Das Leben kostet Geld, so ist es nun einmal. Ändern können wir wenig.

Ne ganz andere Sache ist es aber, wenn man mit Mahnungen konfrontiert wird, die keinen Bezug zum eigenen Leben aufweisen. Wenn einfach jemand auftritt, und irgendwelche Dinge verlangt, ohne dafür eine juristisch bindende Grundlage vorweisen zu können.

Das muß sich nicht auf finanzielle Fragen beziehen. Als ich als Teenager die Haare lang wachsen ließ, gab es im unmittelbaren Familienumfeld durchaus Leute, die etwas mehr Gesellschaftskonformität bei der Wahl meiner Frisur verlangten. Ja, wir hatte damals die 90er, ich red hier nicht von den 60ern oder 70ern (der Konflikt war auch nicht groß, aber vorhanden).

Wie auch immer, wir lassen uns nicht gerne eine Schuld einreden, wo wir nicht verantwortlich sind.

Jetzt schreibt aber der Psalmbeter von Psalm 119, daß er sich freut. Über einen „Weg der Mahnungen“. Und wer der Mahner ist, dürfte klar sein: Kein geringerer als Gott höchst selbst.

Nur: Welches Recht hätte Gott, an uns Mahnungen zu richten? Welche Verpflichtungen hätten wir gegen Gott, welche Verantwortung gegenüber Ihm? Wenn man von Ihm nichts erbeten hat? Wenn man vielleicht nicht mal an Ihn glaubt?

Wieso sollten Seine Mahnungen ein Gewinn sein, wieso sollte man sich darüber freuen, wenn Er einem nur noch einen kleinen Weg freiläßt, der vielleicht gerade so steinig und schwer ist wie der oben genannte eines Arbeitslosen durch den Mahnungsdschungel seiner Lebenshaltungskosten?

Im Lehrtext ist dann plötzlich die Rede davon, daß Gott Tüchtigkeit zum Tun des Guten verleihen soll. Das ist schon eher etwas Positives. Wer steht nicht gerne als jemand da, der Gutes tut? Sich darüber zu freuen ist jedenfalls nachvollziehbarer, als sich über Mahnungen oder Genörgel zu freuen.

Im Lehrtext steht aber noch etwas: Erstens wird das Tun des Guten mit Gottes Willen identifiziert, und zweitens ist die Rede davon, daß in uns etwas geschaffen werden soll, was Ihm, also Gott, gefällt.

Jetzt läßt sich trefflich spekulieren, was da gemeint sein könnte. Womöglich ist das, was da geschaffen werden soll die Voraussetzung dafür, daß wir zum guten Tun tüchtig werden (und die Voraussetzung dafür, Gottes Willen zu tun).

Nach Meinung der Herrnhuter Losungsverantwortlichen hat das Ganze dann noch mit den Mahnungen und der Freude darüber zu tun.

Eine mögliche Deutung hab ich schon angedeutet:

Gott will, daß wir Gutes tun. Er hat drei Wege, uns dazu zu bewegen: Er kann uns erstens zum Guten ermahnen, dann kann Er in uns etwas schaffen, das dahin führt und letztlich kann Er uns zum Guten tüchtig machen.

Womöglich sind diese drei Wege alle eigentlich zielich das Gleiche: Er macht uns tüchtig indem Er in uns etwas schafft. Beides kommt übrigens durch Jesus Christus, was meiner Meinung nach auf den Glauben an Jesus Christus verweisen könnte. Und dadurch nehmen wir die Mahnungen vielleicht erst an, bzw vielleicht nehmen wir sie ab dann auch erst wahr.

Tüchtig zum Guten sind wir dann, wenn wir Seine Mahnungen hören oder wahrnehmen können. Woher sollten wir vorher wissen, was Gut ist?

Ich höre schon den Einpruch: Gottes Forderungen in welcher Form auch immer dienen zuerst und vor allem der Machtsicherung und -erhaltung einer religiösen Elite, und der Mensch weiß selbst gut genug, was gut ist und was nicht.

Dem ersten Einspruch stimme ich zu. Wenn immer jemand von Gottes Forderungen spricht oder sprach gilt es genau hinzuhören und zu überlegen, was dahinter steckt. In vielen wenn nicht den meisten Fällen geht es tatsächlich um die Durchsetzung von Machtansprüchen bei Inanspruchnahme göttlicher Autorität. Wenn aber Gott tatsächlich existiert und tatsächlich Forderungen an uns hat, oder meinetwegen auch nur Vorschläge zum Lebenswandel, dann sollte man sich überlegen, ob nicht in einzelnen Fällen tatsächlich Gottes Ansichten formuliert werden.

Diese Unterscheidung zu treffen, so bin ich überzeugt, geht nicht ohne den Heiligen Geist. Nebenbemerkung: Das ist dann womöglich auch der Grund dafür, daß nicht gläubige Menschen hier stets absolut sagen (müssen), daß es IMMER um Machterhalt etc geht. Die andere Option, daß tatsächlich Gott dahinter steckt, ist nur möglich, wenn man an Gott glaubt.

Der andere Punkt mit dem Wissen um das Gute ist so eine Sache. Ich stimme zu, daß wir alle eine gewisse Ahnung davon haben, was gut ist und was nicht. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, daß man hin und wieder in Zwickmühlen kommt, wo man nicht weiß, wie man sich entscheiden soll. So ganz scheinen wir den Dreh nicht rauszuhaben. Und ich glaube auch, daß kein Regelwerk der Welt uns für jeden Fall klare Anweisungen geben kann. So ein Legalismus ist auch gar nicht notwendig, wenn man darauf vertrauen kann, daß der Heilige Geist einen führt. Oder wenn man darauf vertrauen kann, daß Gott eine Fehlentscheidung vergeben wird. Die atheistische Alternative wäre, sich einfach für die Variante zu entscheiden, die einem subjekitv grad besser dünkt. Bei einer Fehlentscheidung haben alle Gewissensbisse. In dem Fall haben Christen keinen objektiven Vorteil gegenüber Atheisten. Aber sie wissen um eine höhere Instanz, auf die sie hoffen können, und die ihnen per Mahnungen (oder Vorschlägen) den Weg weist.

Wie schon gesagt sind solche Mahnungen (zumindest nach meinr Meinung) nicht kodifizierbar, sondern nur mit Hilfe des Heiligen Geistes aus einem Text herauszulesen. Ansonsten sind sie mindestens mißverständlich.

Werden sie aber im Heiligen Geist verstanden, dann zeigen sie einen Weg für den Lebenswandel auf, sie machen einen tüchtig, diesen Weg zu gehen, der darin besteht, das Gute zu tun, das mit Gottes Willen identisch ist. Und darüber kann man sich tatsächlich freuen wie über großen Reichtum.

Nicht, wie manch einer mutmaßen mag, weil man sonst in die Hölle käme, wenn man von dem Weg abwiche, sondern weil es eine Freude ist, wenn man Gutes tun kann, weil es erfüllend ist, dem Leben einen Sinn gibt.

Dies ist freilich nur für gläubige Menschen nachvollziehbar. Nichtgläubige werden lieber ihren eigenen Vorstellungen von Gut und Böse folgen, ihre eigenen Wege gehen und womöglich jede von Gläubigen behauptete Führung mit Unterwürfigkeit und unfreiem Denken oder mit Unterdrückung und Machtmißbrauch in Verbindung bringen. Vielleicht muß es so sein, zumindest, bis der Heilige Geist auch zu ihnen spricht.