Religion

Zensus 2011

Es ist ja bald Volkszählung. Und in meiner Timeline bei twitter (@tonnerkiller) tachen immer mehr Verweise auf Möglichkeiten auf, wie man sich dagegen wehren könnte.

Jetzt dachte ich: Volkszählung? Da war doch was! Und in der Tat, die Bibel weiß Rat:

1 Und der Zorn des HERRN entbrannte abermals gegen Israel, und er reizte David gegen das Volk und sprach: Geh hin, zähle Israel und Juda! 2 Und der König sprach zu Joab und zu den Hauptleuten, die bei ihm waren: Geht umher in allen Stämmen Israels von Dan bis Beerscheba und zählt das Kriegsvolk, damit ich weiß, wie viel ihrer sind. 3 Joab sprach zu dem König: Der HERR, dein Gott, tue zu diesem Volk, wie es jetzt ist, noch hundertmal so viel hinzu, dass mein Herr, der König, seiner Augen Lust daran habe; aber warum verlangt es meinen Herrn, den König, solches zu tun? 4 Aber des Königs Wort stand fest gegen Joab und die Hauptleute des Heeres. So zog Joab mit den Hauptleuten des Heeres aus von dem König, um das Volk Israel zu zählen.

5 Und sie gingen über den Jordan und fingen an bei Aroër und bei der Stadt, die mitten im Bachtal liegt, nach Gad und nach Jaser zu 6 und kamen nach Gilead und zum Land der Hetiter nach Kadesch zu und darauf nach Dan, und von Dan wandten sie sich nach Sidon zu. 7 Dann kamen sie zu der festen Stadt Tyrus und allen Städten der Hiwiter und Kanaaniter und in das Südland Judas nach Beerscheba. 8 So durchzogen sie das ganze Land und kamen nach neun Monaten und zwanzig Tagen nach Jerusalem zurück. 9 Und Joab gab dem König die Summe des Volks an, das gezählt war. Und es waren in Israel achthunderttausend streitbare Männer, die das Schwert trugen, und in Juda fünfhunderttausend Mann.
10 Aber das Herz schlug David, nachdem das Volk gezählt war. Und David sprach zum HERRN: Ich habe schwer gesündigt, dass ich das getan habe. Und nun, HERR, nimm weg die Schuld deines Knechts; denn ich hab sehr töricht getan.
11 Und als David am Morgen aufstand, kam des HERRN Wort zu Gad, dem Propheten, Davids Seher: 12 Geh hin und rede mit David: So spricht der HERR: Dreierlei lege ich dir vor; erwähle dir eins davon, dass ich es dir tue. 13 Gad kam zu David und sagte es ihm an und sprach zu ihm: Willst du, dass drei Jahre lang Hungersnot in dein Land kommt oder dass du drei Monate vor deinen Widersachern fliehen musst und sie dich verfolgen oder dass drei Tage Pest in deinem Lande ist? So bedenke nun wohl, was ich antworten soll dem, der mich gesandt hat. 14 David sprach zu Gad: Es ist mir sehr angst, aber lass uns in die Hand des HERRN fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; ich will nicht in der Menschen Hand fallen. 15 Da ließ der HERR die Pest über Israel kommen vom Morgen an bis zur bestimmten Zeit, sodass von dem Volk starben von Dan bis Beerscheba siebzigtausend Mann.
So steht es im 24. Kapitel des 2. Samuelbuches. Wir lernen: Volkszählung böse. Sogar so schlimm, daß trotz Reue Davids eine Strafe sein muß, und zwar der Tod von 70.000 Menschen. Rechnet man es um auf die gezählten 1,3 Mio (500k in Israel und 500k in Juda), dann wären das etwa 5% der Bevölkerung. Geht man in Detschland von 80 Mio Menschen aus (nach dem Zensus wissen wir vielleicht genaueres), entsprechen 5% 4 Millionen Menschen. Das heißt, biblizistisch gedacht laufen wir Gefahr, 4 Millionen Mitmenschen an die Pest oder eine Hungersnot zu verlieren. Oder Merkel wird 3 Monate vor ihren Widersachern fliehen müssen. Wäre vielleicht für die breite Masse des Volkes noch hinnehmbar, aber schon der gute David ließ lieber andere leiden (jetzt mal ganz unreflektiert gesagt).
Jedoch kam schon im Umfeld der letzten, ursprünglich für 1981 geplanten Volkszählung dann auch das Ende für die Regierungszeit Schmidts. Sollte die Bibel doch Recht haben?
Jedenfalls meine ich, aus fundamentalistischer Sicht einen guten Grund gefnden zu haben, zum Wohle der Allgemeinheit, die Mitarbeit bei der Erfassung zu verweigern. Die entsprechende Bibelauslegung mag recht ungewöhnlich sein (wobei sie auch nicht viel anders funktioniert als die Auslegung, die Homosexualität zur Sünde machen soll und dergleichen fundamentalistische Auslegungen mehr), aber das hat zumindest bei der Zulassung des Schächtens für Muslime auch nicht gestört (es handelte sich um eine Minderheit, die es als notwendig ansah). Und dabei ist zu bedenken: Der Tierschutz steht im Grundgesetz, die Religionsfreiheit sowieso, der Zensus nicht!
Religion

Henryk M. Broder

Irgendwie les ich von dem immer nur Dinge über den Islam… Egal. Jedenfalls hat sich Henryk M. Broder in der Welt (via) zu Schavan geäußert, zum Islam und dazu, daß Religion Privatsache sei. Einige seiner Aussagen finde ich so haarsträubend, daß ich nicht umhin kann, mich dazu zu äußern.

Man kann als Christ die Unfehlbarkeit des Papstes anzweifeln und als Jude Jesus für den Erlöser halten. Man riskiert den Zorn der Schwiegereltern, aber nicht das eigene Leben. Aber ein Moslem, der nur die Frage stellt, ob der Koran von Gott geschrieben oder nur inspiriert wurde, hört auf ein echter Moslem zu sein.

Ich finde es geradezu überwältigend, mit welcher Vollmacht Broder hier entscheiden kann, wer Muslim ist und wer nicht. Der jeweilige Mensch mß gar nicht angehört werden. Broder selbst weiß es besser. Und genaer. Muslim ist, wer sich so verhält, wie Broder sich den Muslim vorstellt. Und wenn der Mslim plötzlich die Inspiration des Koran hinterfragt, dann ist es eben kein echter Schotte mehr. Ja, man wünscht sich, daß diese unfehlbare Einteilung der Welt in gut und böse falscher Muslim und echter Muslim au (nicht „à la“, Broder ist männlich) Broder auch einem selbst gelingen würde in anderen Feldern. Klar könnte man die Welt einteilen in gt und schlecht und müßte sich keine Gedanken mehr machen, ob nicht alles doch etwas komplizierter ist und Differenzierung nötig macht. Differenzierung ist für Gutmenschen, und dei sind der Untergang des Abendlandes.

Daher irritiert es auch, daß er wenig später von liberalen Muslims schreibt. Wer soll das denn sein? Hat man ihm hier von Seiten der Redaktion, um noch etwas political correctness reinzubringen, einen Begriff untergeschoben? Man weiß es nicht, es bleibt ein komischer Nachgeschmack…

<blockquote>Wenn in Ägypten eine Brücke gebaut werden soll, müssen Ingenieure eingeflogen werden. Und wenn ein in Saudi operiert werden muss, reist er nach München oder London, vorausgesetzt er hat das Geld.</blockquote>

Recht hat er. Wo hat man auch schon einen muslimischen Ingenieur oder Arzt gesehen? Sie haben einen muslimischen Hausarzt? Einen muslimischen Ingenieurs-Kollegen? Machen sie sich nichts vor! Oben haben wir ja gelesen, wie das ist mit den Muslimen, die sich nicht wie echte Muslime verhalten. Es sind keine! Konfrontieren Sie Ihren Hausarzt doch einmal mit der Wahrheit. Oder Ihren Kollegen. Wenn er Sie nicht sofort niederstreckt – eine Koransure auf den Lippen – dann ist es der Beweis dafür, daß es sich tatsächlich NICHT um einen waschechten Muslim handelt. Wird Ihnen statt dessen nur eine finstere Miene entgegegebracht oder böse Worte, so versucht er lediglich, den Schein aufrecht zu erhalten. Womöglich wird er von Al Qaeda dazu gezwungen, sich als Mslim auszugeben, weil er sonst selbst getötet wird, als Apostat. Lassen Sie sich bloß nicht hinter’s Licht führen!

<blockquote>Religion ist, wie Sex, Privatsache. Daheim können die Menschen machen, wozu sie Lust haben. Aber sie möchten bitte die Gardinen zuziehen. Denn zur Religionsfreiheit gehört auch das Recht, von religiösen Exerzitien der Anderen verschont zu werden. Das sollte eine so kluge Frau wie Annette Schavan eigentlich wissen.</blockquote>

Wie wir sehen macht Broder nciht dabei Halt uns darüber afzuklären, was ein echter Muslim ist und wie dieser sich verhält. Nein! Er erklärt ns ach, was Freiheit ist. Religionsfreiheit bedeutet, hinter geschlossenen Gardinen Gebete zu sprechen, solange sie nicht von Nachbarn gehört werden können. Unklar bleibt, ob die Nachbarn wissen dürfen, daß jetzt gerade Gebete gesprochen werden nebenan. Zur Sicherheit sollte man Broders Worte so interpretieren, daß nicht nr die Gardienen zu sind, sondern auch keiner weiß, daß da gerade etwas Religiöses läuft. Den Ausschlag zu geben dafür, daß jemand nur an etwas Religiöses denkt, schränkt schließlich dessen Freiheit von Religion ein.

Man kann es auch übertragen auf andere Freiheiten. Etwa die Meinungsfreiheit. Man äßere seine Meinung nur noch, wo sie niemand vernehmen kann, und am besten dann, wenn keiner damit rechnet. Am Besten wäre es natürlich, man hätte gar keine Meinung, jedenfalls keine eigene, um nicht andere damit in ihrer Freiheit einzuschränken.

Ein weiteres Gut ist die Reisefreiheit. Wäre es nicht schön, wenn der Nachbar endlich mal aufhören würde, Ihnen den teuren Karibikurlaub unter die Nase zu reiben? Was soll das? Sie haben schließlich ein Recht auf Freiheit. Und Reisefreiheit schließt ein, von Reisen anderer vershcont zu bleinen! Vielleicht sollte man doch wieder eine Mauer bauen, um die Freiheit der Bürger gewährleisten zu können?

Und wie ist es mit der Bewegungsfreiheit? Sie haben das Recht dazu! Wieso sollten Sie sich von den spastischen Tanzbewegungen des Sohnes Ihres Nachbarn weiter belästigen lassen? Die Bewegungsfreiheit ist Ihr gutes Recht, weisen Sie den Jungen darauf hin, daß Sie, sollte er auch nur ein Glied noch bewegen, sofort in Karlsruhe beim Verfassungsgericht Klage einreichen werden! Denn unsere Freiheiten sind schließlich durch das GG geschützt.

Ach ja. Da Sie Informationsfreiheit genießen, hör ich jetzt lieber auf.

glaube, Religion

Not perfect – but forgiven

Hin und wieder stolpert man über einen bisher unbekannten Blog. Und hin und wieder liest man dann auch ein bißchen. Und manchmal kommt es vor, daß man unter einem Artikel einen Kommentar findet, den man für bedenkenswert hält. So ging es mir heute.

Der Blog, um den es geht, heißt „überschaubare Relevanz„. Der entsprechende Artikel „Es muss nicht immer Deutsch sein„, und der Kommentar kam von madove.

Kurz gesagt geht es um einen Stoßstangenaufkleber mit dem Text „Not perfect but forgiven“. Bemerkenswert finde ich den Kommentar von madove deshalb, weil es einer der wenigen Belege dafür ist, daß Nichtchristen das christliche Konzept der Vergebung Gottes attraktiv finden. madove schreibt:

And still, I must admit that this is the part of Christian belief I find most appealing, because I do, honestly, feel this need.

Sie führt aus:

I do strongly suffer from the bad conscience for those of my actions that were imperfect, i.e. seriously against my moral convictions; and I would LOVE to believe there’s some guy whose forgiveness can really heal this.

Kurz auf deutsch zusammengefasst: Sie fühlt eine Notwendigkeit, Sie leidet unter dem schlechten Gewissen bei Taten die ihre moralischen Überzegungen widersprechen und würde gerne glauben, daß irgendwer in einer Art vergeben kann, daß diese Taten wirklich geheilt würden.

Doch sie glaubt es nicht, und ist froh darüber:

I am glad that I can’t (I am simply not able to believe in stuff I consider bullshit), because otherwise I think the function of bad conscience as MY controlling instance would fail.

Sie ist froh, daß sie es nicht glauben kann, weil sie meint, sonst würde das Gewissen ihr nicht mehr als Kontrollinstanz dienen können. Denn es wäre entweder geschwächt durch einen fröhlich vergebenden Gott (hier ist wohl die billige Gnade Bonhoeffers gemeint) oder externalisiert durch einen strafenden Gott:

Either it is weakened by a happily forgiving God, or externalized by a punishing one.

Sie zieht den Schluß, daß sie ihre persönliche Verantwortung abgeben würde, was sie nicht will:

In any case alienated from MY personal responsability. I would not want that.

Was ich nicht kann und tun will, ist jetzt den ultimativen Beweis zum Glauben geben. Das liegt nicht in meiner Macht und ich maße es mir nicht an. Es ist eine Sache zwischen madove und Gott. Was ich aber tun kann, ist aufzuzeigen, an welchem Punkt man auch in eine andere Richtung denken könnte, in der man dann keine Angst mehr vor Abgabe der Verantwortng haben muß. In der Tat lege ich großen Wert darauf, selbst für meine Taten verantwortlich zu sein. Und trotzdem glaube ich an Gott und erfreue mich der Vergebung. Aber zum Thema:

madove legt großen Wert auf ihr Gewissen als Kontrollinstanz. Daran ist nichts zu kritisieren. Es ist gut eine Kontrollinstanz zu haben und nicht alles zu relativieren. Nur muß Gnade nicht unbedingt bedeuten, daß die Kontrollinstanz ausgehebelt würde. Die Alternative, die madove sieht, ist Beliebigkeit (ein „happily forgiving God“ ist nichts als Beliebigkeit, mit einem solchen Gott wäre es nicht anders, als wenn es gar keinen Gott und keine moralischen Überzeugungen gäbe) oder eben der strafende Gott, der auch nichts anderes ist als ein schlechtes Gewissen, nur daß man das Gewissen nun „Gott“ nennt.

Das setzt voraus, daß Vergebung entweder gewährt wird und alles ist vergeben und vergessen, ohne daß man etwas gelernt hätte, oder die böse Tat hängt einem sein Leben lang nach, ohne daß man je darüber hinaus käme. Mir fehlt hier die Möglichkeit, daß man sich zwar der Falschheit der Tat bewußt ist, sie nicht schönfärbt oder damit zu entschuldigen versucht, daß es vielleicht schon lange her ist und Gras drüber gewachsen, man aber trotzdem weiterleben kann, ohne immer wieder daran erinnert zu werden.

Damit meine ich kein weiter so, sondern ein Anhalten, umdenken, Konsequenzen ziehen oder eine Lektion lernen, und dann weiterleben. Nicht, als ob nichts gewesen wäre, aber so, als ob man nicht mehr darauf festgenagelt wird.

Bonhoeffer unterscheidet in seinem Buch Nachfolge zwischen der billigen Gnade und der teuren Gnade. Kurz gesagt ist es so, daß die billige Gnade dem happily forgiving god entspricht, die teure Gnade aber nicht dem punishing god. Der punishing god sagt: Tu, was ich sage, dann bin ich gnädig, ansonsten wirst Du meine Blitze spüren. Dieses gnädig sein ist aber keine Gnade, es ist Verdienst. Beim punishing god verdient man sich seine Gnade, oder es gibt keine. Und beim happily forgiving god kriegt man die Gnade nachgeworfen, als Schleuderware. Und wenn man gleich bestellt, kriegt man noch diese wunderbare Erdnußschälmaschine dazu…

Die teure Gnade ist Gnade für den reuigen Sünder. Wo die billige Gnade die Sünde rechtfertigt und sagt: „Macht nix, daß Du Onkel Fritz totgeschlagen hast. Menschen sind nun mal nicht perfekt.“, rechtfertigt die teure Gnade den Sünder und verdammt die Sünde. Dazu ist es nötig, zwischen der Tat und dem Täter zu unterscheiden. Der Täter ist ein lebender Mensch, und kann sich ändern. Die Tat, zumal als Geschehene, ändert sich nicht. Sie ist und bleibt böse und ist als solche nicht zu rechtfertigen. Das gilt für den Sünder jedoch nicht. Er kann sich ändern, und er soll sich ändern. Er soll erkennen, daß er etwas schlimmes getan hat, und dazu ist das Gewissen gut und wichtig. Und das Gewissen soll weder externalisiert werden, noch soll es überfahren werden. Die Tat ist und bleibt schlecht und die Verantwortng trägt der Täter. Doch kann dem Täter doch vergeben werden, so er die Bosartigkeit seines Tuns einsieht und die Konseqenzen trägt und sich ändern will. Althergebracht spricht man von Reue und Buße, also innerer Umkehr. Mir geht es jetzt nicht um die strafrechtliche Relevanz (wobei ich dahin tendiere zu sagen, daß es dazu gehört, sich den Behörden zu stellen, wo man strafrechtlich Relevantes getan hat, bzw den Opfern gegenübertreten soll, aber das ist ne andere Fragestellung), sondern um die Perspektive für den Täter. Gnade wird ihm zuteil, so er umgekehrt ist, und von nun an nichts Böses mehr tun will. Ob er es dann schafft, ist eine andere Frage, relevant ist der feste Vorsatz. Freilich kann man den von außen nicht erkennen, aber der jeweilige Mensch weiß es, wie er es meint, und darum geht es.

Und das ist die teure Gnade. Man darf es jetzt nicht falsch verstehen, daß man sie sich teuer erarbeiten muß, das wäre ja wieder Verdienst. Sie gilt jedem Menschen, der ein Einsehen in seine Boshaftigkeit hat. Reue ist ja nicht Ergebnis einer Erarbeitung, sondern Ergebnis einer Einsicht, die man gewinnt, und nicht selbst erwirkt. Insofern ist auch die teure Gnade frei, aber da man sie nicht vor der Umkehr erhält, bleibt sie teuer und wertvoll. Und das ist die einzige Gnade, die Gott gibt. Die billige Gnade wird von dem Menschen zugesprochen und ist nicht gedeckt, also eine leere Hülse.

Das kann jetzt alles nicht bewirken, daß madove an den „bullshit“ glaubt, aber vielleicht erkennt sie neben dem happily forgiving und dem punishing god noch den anderen Gott, der den Sünder liebt und die Sünde haßt.

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Predigtnachbesprechung

Auf evangelisch.de stieß ich auf eine Predigt von Prof. Dr. Christoph Dinkel zur PID. Er lehrt an der Uni Kiel, ist Pfarrer in Stuttgart und Mitherausgeber bei online-predigten.de, wo man die Predigt auch als pdf runterladen kann.

Die Predigt ist sehr sachlich gehalten, Dinkel steht auf Seiten der Befürworter der PID. Er enthält sich fast jeglicher Polemik, was sehr sympathisch ist und es einem Gegner der PID wie mir einfacher macht, seine Argumente zu durchdenken, da ich mich nicht erst über unsinnige Angriffe aufrege. In der Tat fand ich nur eine ansatzweise polemische Formulierung:

Absurd an dieser Debatte ist, dass Föten, bei denen solche tödlich verlaufende Erbkrankheiten während der Schwangerschaft bemerkt werden, bis direkt vor der Geburt in Deutschland straflos abgetrieben werden können. Das geschieht zum Glück nur sehr selten, ist aber ethisch nun wirklich in hohem Maße bedenklich. Die Gegner der PID nehmen faktisch eher Spätabtreibungen in Kauf als dass sie die Untersuchung an einem achtzelligen Zellhaufen vornehmen lassen. Das verstehe wer will. Im Sinne der Ethik Jesu ist das in jedem Fall nicht.

Die Polemik ist, daß Dinkel unterstellt, man würde als PID Gegner die Spätabtreibung, die er als ethisch bedenklich beschreibt (und ich stimme ihm da zu), befürworten. Das ist Unsinn! Was noch größerer Unsinn ist, ist die Tatsache, daß Dinkel quasi die Straflosigkeit der Spätabtreibung als Argument für die PID benutzt, obwohl er die Spätabtreibung im gleichen Atemzug als bedenklich einstuft.

Unabhängig davon bin ich froh, einen so unafgeregten Text pro PID zu lesen. Ich möchte im Folgenden nun darstellen, wo aus meiner Sicht der Denkfehler liegt, und wieso ich an meiner gegensätzlichen Bewertung der PID festhalte.

Die Argumentationslinie Dinkels

Dinkels Argumentation setzt bei Jesus und seinem Verhältnis zur Prinzipienethik der Pharisäer an. Jesus hat Not gelindert und sich dabei recht wenig um prinzipielle Einwände der Pharisäer gekümmert, wie eta die Frage, ob am Sabbat Heilen erlaubt sei. Jesus sah die Not und linderte sie, unabhängig von den geltenden Konventionen.

Dieses Handeln überträgt Dinkel nun auf die PID Frage: Er stellt die Not der Eltern dem Prinzip gegenüber, daß jedes menschliche Leben geschützt werden müsse, auch das des nicht eingepflanzten Embryos. Die Gegner der PID halten demnach an einem Prinzip fest, so Dinkel, während sie die Not der Eltern aus den Augen verlieren.

Damit stünden dann die PID Gegner als die neuen Pharisäer da, und die Befürworter als diejenigen, die im Sinne Jesu argumentieren.

Dinkel hat Recht

Und Dinkel hat Recht. Es kann nicht sein, daß Menschen aus Prinzip Leid ertragen müssen. Es kann nicht sein, daß jemandem Leid aufgeladen wird, bloß um irgendwelchen Definitionen oder Regeln nachzukommen, das wäre in der Tat herzlos, und hätte recht wenig mit der Nachfolge Christi zu tun.

Prinzipien, feste Regeln, sind tot. Sie verändern sich nicht. Sie bewegen sich nicht. Sie gehen auf niemanden ein, betrachten nicht den Einzelfall. Sie sind statisch und tot. Es ist nicht gt, dem Tod zu folgen.

Auf der anderen Seite ist der lebendige Gott, der sich auf jedes Seiner Kinder, auf jede Situation einstellen kann und will, und so immer wieder neu hilft. Eben weil Gott lebendig ist, kann man nicht von Nachfolge sprechen, wenn man toten, statischen Prinzipien folgt, und das noch aus Prinzip, also aus eigener Statik, aus eigenem Tod.

Dinkel hat Unrecht

Doch das ist eben das Problem: Gott ist der, der lebendig ist. Für uns Menschen gilt das nur bedingt. Und ganz aus ist es, wenn es um die Gesetze geht, die wir Menschen uns geben in demokratischer Freiheit, um unser Zusammenleben zu regeln. Diese Gesetze sind notwendig bis zu einem gewissen Punkt statisch, und werden es immer bleiben. Die einzige Abhilfe wäre wohl, die Gesetze abzuschaffen und einem Menschen die Kompetenz zuzusprechen, im Einzelfall zu entscheiden. Es gibt tausend Gründe, warum das meist auf Dauer nicht gut geht, und alle haben mit der Fehlbarkeit des Menschen zu tun, daß er sündhaft ist und über kurz oder lang dem Bösen zuneigt, das ja gerade verhindert werden soll.

Dies ist aber gar nicht der Hauptpunkt, an dem Dinkel Unrecht hat. Für mich ist der Knackpunkt da, wo Dinkel die Not der Eltern damit beschreibt, daß sie keine Kinder haben, unter mständen schon welche verloren haben und welche bekommen wollen:

Hinter dem Wunsch nach der Anwendung von PID steckt immer eine große Not. In der Regel haben Eltern schon ein oder zwei Kinder durch eine schwere Krankheit verloren. Sie habe ihr Kind liebevoll begleitet, haben mit ihm gekämpft, gelitten und den Kampf verloren. Der Tod eines Kindes ist mit das Schlimmste, was einem Menschen widerfahren kann. Eltern die solches mitgemacht haben, wünschen sich nun noch ein Kind, das die Chance hat zu leben. Dazu sind sie bereit, die Tortur der künstlichen Befruchtung auf sich zu nehmen.

Ich frage mich, und ich bin mir bewußt, daß es hart klingt, ob die Not dieser Eltern wirklich darin besteht, keine Kinder haben zu können. Ich frage mich, ob die Not nicht der übersteigerte Wunsch ist, ein Kind zu haben, das überlebt. Ich frage mich, ob es wirklich eine Linderung der Not ist, wenn sie nun das Wunschkind bekommen, nach langem Leiden, oder ob die Not nicht doch weitergeht. Die Not, sich vom Kind abhängig zu machen, daß das Leben nur durch und mit dem Kind einen Sinn hat.

Es klingt hart, und es fällt mir nicht leicht, das zu schreiben. Aber wann ist die Not der Eltern zu Ende? Ich denke an einen Fall im weiteren Bekanntenkreis. Eine Familie, Einzelkind, die Eltern richten das ganze Leben auf das Kind aus (das übrigens ganz traditionell zu Stande kam). Und dann, kurz nachdem das Kind den Führerschein hatte: Unfall, Tod. Die Eltern fielenin ein schwarzes Loch.

Die Not, ein Kind zu haben, endet ja nicht mit der Geburt des Kindes. Dinkel nennt ja gerade Eltern, die schon Kinder hatten, die ihnen praktisch unter der Hand weggestorben sind, ohne daß sie etwas tun konnten. Die Not endet für diese Eltern in Dinkels Verstehen nicht. Sie wollen wieder ein Kind. Ein gesundes Kind. Vielleicht ein Kind, das seinen Zweck als Kind erfüllt? Nämlich in der Familie groß zu werden und den Eltern, Großeltern nd Frenden Freude zu schenken? Ich bin gerade Onkel geworden, ein Kind ist in der Tat eine Freude. Aber ist dies sein Zweck?

Der Zweck des Kindes

Alle Kinder sind gleich viel wert. Jedes Leben ist in Gott gehalten und hat seinen Wert aus Gott, und nicht aus der Lebensdauer, dem Schmerzsaldo oder der Freude, die es den Eltern oder sonstwem spendete. Ob das Kind nun mit offenem Rücken zur Welt kommt, oder gesund. Ob es einen Tag oder 100 Jahre alt wird, ob es viel Leid erfährt im Leben oder viel Glück: Alle Kinder sind von Gott geliebt und gewollt, und haben keinen anderen Zweck als den, da zu sein, und zwar so lange, wie sie eben da sind.

Die Not der Eltern besteht nicht darin, daß sie keine Kinder bekommen, jedenfalls nicht in erster Linie. Viel mehr ist es eine Not, sein Leben vom Vorhandensein eines Kindes – eines gesunden Kindes – abhängig zu machen. Hier tut in der Tat Hilfe Not, abseits von allen Prinzipien, hier sind wir als Christen gefordert, Not zu lindern. Doch nicht, indem wir Methoden wie die PID gutheißen, in der es letztlich darum geht, daß ein Produkt Kind geschaffen wird, das den Anforderungen genügen soll, die die bisherigen Kinder nicht erbrachten, und die dem Leid bei der Zeugung angemessen sind. Statt dessen sollten wir den Eltern beistehen, die vielleicht doch keine werden, und verschen ihnen Wege zu eröffnen, auch ohne Kinder ein erfülltes Leben zu leben.Lebensglück- und erfüllung ist nicht vom Vorhandensein von Kindern abhängig.

Verantwortung

Ich bin mir dessen bewußt, wie hart meine Worte sind, ich vermag es nicht weniger hart auszudrücken. Doch hoffe ich deutlich gemacht zu haben, daß es diesem PID Gegner nicht um eine prinzipielle Ablehnung geht, sondern eben auch um die Notsitation der Eltern, und um Hilfe.

Zum Kinderwunsch gehört eine Verantwortung, und die beinhaltet auch, sich möglichem Leid zu stellen. Alle Eltern können sich mit einem nicht gesunden Kind konfrontiert sehen. Alle Eltern können sich mit Schwierigkeiten bei der Gebrt konfrontiert sehen, die das Leben sowohl des Kindes als auch der mutter gefährden können.

Wer sich für ein Kind entscheidet, das kein Produkt ist, der wird sich mit der Gefahr abfinden müssen, daß auch alles schief gehen kann (und ich wünsche es niemandem!). Grenzt man die Möglichkeiten eines Mißlingens ein, nimmt man sich damit auch ein Stück weit den Segen, den ein Kind bedeutet, und macht es sich zu einem Produkt mit Qualitätsanforderungen. Ohne es zu wollen, und ohne so etwas gutzuheißen, würde man darauf angesprochen.

Fazit

Dinkel plädiert dafür, die Not zu lindern, in der sich Eltern befinden, die bisher kein gesundes Kind bekommen konnten. Doch nach meiner Meinng läßt sich Not nicht lindern, indem man sich um die Auswirkungen der Not, den unbedingten Kinderwunsch, kümmert und PID in gewissen Fällen prinzipiell zuläßt.

Statt dessen bin ich der Meinung, man sollte sich individuell den Menschen zuwenden, die unter ihrer Kinderlosigkeit leiden, mit ihnen einen Lebensweg ohne Kinder aufzeigen und ihnen beistehen, wenn sie sich für die künstliche Befrchtung entschieden haben und die Prozedur gerade durchstehen. Und auch danach, denn egal ob PID oder nicht: Die meisten künstlichen Befruchtungen sind nicht erfolgreich.

Wenn es aber dann zu einer Geburt kommt, wieso nicht am neuen Erdenbürger erfreuen, egal, wie lange und unter welchen Umständen er lebt? Als Kind Gottes ist er gewollt, und in jedem Fall ein Segen und nicht Produkt, das statischen Qualitätsmerkmalen entspricht.

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Drum prüfe, wer sich…

Die Onlineausgabe der österreichischen Krone Zeitung (entspricht in etwa der BILD) hat nen Artikel geschrieben über die Eröffngsrede des Papstes zum „Gerichtsjahr“. Wie man es von solch seriösen Medien erwartet kam es auch zu geringen Ungenauigkeiten (oder kennt der Papst das Kirchenrecht nicht), wenn da etwa steht:

Denn nicht nur in Bezug auf die Annulierungen rief er seine Mitarbeiter zu einer strengeren Handhabung auf. Schon bei der Spendung des Ehesakraments müsse gewissenhafter vorgegangen werden, meinte Benedikt XVI.

Nun ist es ja so, daß das Ehesakrament nicht vom Priester gespendet wird, sondern die Brautleute spenden es einander, aber man kann vom Artikelschreiber auch nicht verlangen, sich so gut in den katholischen Intera auszukennen, grad bei so seriösen Blättern wie der Krone. Jedenfalls läßt es Zweifel zu, ob denn alles genau so gemeint war, wie berichtet. Aber darum soll es gar nicht gehen.

Mir geht es vielmehr um die Rezeption des Artikels beim Blasphemieblog. Die Mahnung des Papstes, vor der Eheschließng genauer hinzusehen wird dort in den Kommentaren mit Mutmaßungen zu „Jungfräulichkeitstests“ und Ähnlichem in Verbindung gebracht. Es ist ja auch schon eine Anmaßung, wenn die Kirche die Heiratswilligen erst noch prüfen will.

Ist es das wirklich?

Zuerst muß einmal gesagt werden, daß kein Pfarrer gern den Trachtenverein spielt. Kein Pfarrer möchte, daß Kirche und Glabe als „netter feierlicher Rahmen“ betrachtet werden, das den Brautleuten sonst nichts bedeutet. Trauungen gehören zum Anstrangendsten, wenn ich dem glauben darf, was im Dienst befindliche Pfarrer mir sagten. Das muß nichts Schlechtes sein, die schönsten Dinge sind meist mit Anstrengung verbunden. Doch wenn es dann soweit kommt, daß an dem Tag alles perfekt sein muß und eine Spannung in der Luft liegt, die einem den Atem abschnürt, und dann noch der Fotograf sich nicht zurückhalten kann und dem Pfarrer seinen Job fast verunmöglicht, ist es vielleicht verständlich, daß der Pfarrer nicht nur mitsamt der Kirche den Statisten spielen will, der so tut als würde der kirchliche Aspekt der Geschichte den Brautleuten wirklich etwas bedeuten.

Insofern gibt es schon hier einen guten Grund für den Pfarrer zu prüfen, ob er der Geschichte zustimmen kann. Diese Prüfung wird jedoch in den weitas meisten Fällen positiv ausfallen und findet wohl auch eher unterbewußt statt. Im Grunde kann man schon davon ausgehen, daß die weitaus meisten Menschen, die sich wegen einer Trauung an den Pfarrer wenden, auch mit dem religiösen Aspekt etwas anfangen können, bei aller hektischen Planung jeder Sekunde (mit begleitender Fotodokumentation).

Ich komm aber vom Thema ab, denn darum wird es dem Papst wohl weniger gehen. Ich denke es geht vor allem darum, daß die Pfarrer sich auch mit dem Brautpaar befassen, bevor sie der Trauung zustimmen. So gibt es nicht ohne Grund das Tragespräch, wo sicher auch viele organisatorische Fragen geklärt werden und Liederwünsche etc erfragt werden, aber darüber hinaus stellt der Pfarrer durchaus auch persönliche Fragen.

Ich kann mich an einen Fall in der Familie erinnern, wo die Braut danach meinte, der Pfarrer sei sehr neugierig gewesen.

Hatte er sie nach schlüpfrigen Schlafzimmerdetails gefragt? Nein, er fragte, wie sie sich kennengelernt haben, was den einen am jeweils anderen begeistert, ob Kinder geplant sind, ob einer der beiden im Beruf zurückstecken wird, oder ob es andere Pläne gibt, ob sie genug Zeit füreinander haben etc.

Alles Fragen, die einerseits darauf abzielen, daß der Pfarrer in der Ansprache dann auch etwas über die Eheleute weiß (die er heute in der Regel ja nicht mehr kennt), die aber andererseits auch Fragen sind, die in einer Partnerschaft geklärt sein sollten, wie etwa der Kinderwunsch oder ob jemand zu Hause bleibt bei den Kindern etc. Der Pfarrer interessiert sich dabei weniger für die Antwort, vielmehr liegt es in seiner Verantwortung, diese Fragen, die vielleicht in der Beziehung noch nie zur Sprache kamen oder vermieden wurden, anzusprechen, damit sie auf dem Tisch sind und geklärt werden können, bevor daran später einmal die Ehe zerbricht. Manche Kirchen kennen zu diesem Zweck auch eigene Eheseminare, wo es dann auch um diese Themen geht (und oft auch um die Vermittlung von moralischen Vorstellngen etc).

Vor diesem Hintergrund ist meiner Meinung nach auch folgender Satz aus dem Krone Artikel zu verstehen:

Eine strenge Prüfung der Überzeugungen der Heiratswilligen könne verhindern, dass sie „aus emotionalen Impulsen oder oberflächlichen Gründen eine Verpflichtung eingehen, die sie anschließend nicht einhalten können“.

Wie der Pfarrer bei dem Gespräch vorgeht, liegt großteils an ihm, und so kann es bei einzelnen auch zu ganz krotesken Gesprächen kommnen, wie etwa hier.

Im Großen und Ganzen jedoch ist es eine gute Idee, zu prüfen, ob eine Ehe gelingen kann. Das tun die Eheleute in der Regel selbst schon, doch eine Unterstützng durch den Pfarrer, der ungeklärte Fragen aufwirft, kann sicher nicht schlecht sein.

Es geht darum Situationen wie die Folgende zu vermeiden:

In der Woche nach der Trauung klingelt es morgens zwischen 3 und 4 im Pfarrhaus, und vor der Tür steht der Bräutigam, in Tränen aufgelöst. Es hatte sich herausgestellt, daß, während er in der Frau die Liebe seines Lebens sah, sie die Sache eher locker nahm und lediglich heiratete, weil sie meinte, das müsse man auch einmal erlebt haben. So kam es dann auch dazu, daß der Mann die Frau in den Flitterwochen mit nem anderen im Bett erwischte. Die Ehe wurde nach kurzer Zeit geschieden und der Pfarrer lastet es sich an, daß er bei ein, zwei Dingen nicht nachgehakt hatte, im Gespräch.

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Shoib Assadullah

In Afghanistan ist wieder ein Muslim zum Christentum konvertiert. Eigentlich keine Meldung wert, in Detschland konvertieren immer wieder Christen zum Islam und mgekehrt, vielleicht auch Buddhisten zum Judentum etc. Sicherlich jeweils ein großer Schritt für die Betroffenen, aber wenn man deren persönliches Umfeld verläßt, kein Grund, weiter darüber nachzdenken.

Nun ist es in Afghanistan aber so, daß der Übertritt nicht mit einem Gang zum Amtsgericht o.Ä. (wie es in Deutschland genau funktioniert, siehe kirchenaustritt.de) erledigt wäre. Shoib Assadullah sitzt im Knast und es droht ihm die Todesstrafe wegen Abfall vom Islam. Retten könnte er sich durch Abschwören vom Christentum, es geht also tatsächlich um nichts anderes als darum, Druck auf den Neuchristen auszuüben, seine neue Religion wieder aufzugeben.

Nun ist in Afghanistan die Herrschaft der Taliban gestürzt worden, Assadullah wurde in Masar-i-Sharif festgenommen, dort wo deutsche Soldaten für die Freiheit garantieren (sollen). Die afghanische Regierung hat Verträge unterschrieben, die die freie Religionswahl und -ausübung garantieren.

Was dort also geschieht, ist nicht nur nach westlicher Auffassung ein Unding, sondern nach afghanischem Recht illegal. Und glaubt man den Äußerungen des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der sich auf den Koran beruft, so darf es auch nach dem Koran nicht zu Todesdrohungen kommen, weil es eben keinen Zwang im Glaben geben darf.

Leider scheint es sich hierbei um eine Minderheitenmeinung innerhalb des Islam zu handeln, wenn ich bei google „Shoib Assadullah“ eingebe, finde ich keine islamische Stellungsnahme zu den Vorgängen in Afghanisten, was ich schade finde (vielleicht hab ich auch die falschen Suchbegriffe). Vielleicht erhoffe ich mir auch zuviel, wenn ich denke daß die deutsche muslimische Gemeinde Einfluß ausüben könnte auf die afghanischen Stellen. Sie könnten wenigstens aus islamischer Sicht argumentieren, was wir Nichtmuslime nicht können.

Für Shoib Assadullah jedenfalls setzt sich nun die IGFM ein, bei idea gibt es neben einem Artikel zum Thema einen Musterbrief, den man an Präsident Karsai schicken kann, um auf eine Freilassung Assadullahs hinzuwirken.

Bleibt zu hoffen, daß Shoib Assadullah wie damals Abdul Rahman mit dem Leben davonkommt. Ideal wäre natürlich, daß sich in Afghanistan die Ansicht der deutschen Muslime durchsetzt, daß eine Konversion weg vom Islam nicht strafwürdig ist. Ich befürchte jedoch, daß dafür noch lange Überzeugungsarbeit nötig ist.

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Antwort an die Altbischöfe

Gestern haben die Altbischöfe Eduard Berger, Heinrich Hermanns, Jürgen Johannesdotter, Dr. Werner Leich, Dr. Gerhard Maier, Dr. Gerhard Müller, Dr. Theo Sorg und Dr. Ulrich Wilckens einen Offenen Brief an die Mitglieder der EKD Synode geschrieben mit der Bitte, die Begründung von §39 Pfarrdienstgesetz nicht mit dem Gesetzestext zu beschließen. Leider habe ich nirgends im Internet den Wortlaut der umstrittenen Begründung gefunden (danke evangelisch.de :(), jedoch ist es für mich auch nicht weiter wichtig.

Es geht im Großen und Ganzen, soviel geht as den zitierten Fragmenten und Erläuterungen hervor, um die Haltung der Kirche zu homosexuellen Partnerschaften bei Pfarrern. Mich interessiert hier mehr die theologisch-biblische Argumentation als die verwaltungstechnisch-juristische Umsetzung, denn ich studiere nicht Jura, sondern Theologie, deshalb möchte ich vor allem auf die theologische Argumentation der Bischöfe eingehen.

Ich habe mich in einem anderen Kontext (auch ein offener Brief, damals von Pfarrern an den Präses von Westfalen) schon einmal mit der Thematik befaßt, einige Argumente dürften relemäßigen Lesern (hab ich die überhaupt?) nicht fremd sein.

Die Altbischöfe steigen mit großen Worten in die Begründung ein:

Denn es geht dabei im Grunde um nichts Geringeres als um die Frage, ob evangelische Kirchen darauf bestehen, dass die Heilige Schrift die alleinige Grundlage für den Glauben und das Leben ihrer Mitglieder und für den Dienst und die Lebensführung ihrer ordinierten Pfarrerinnen und Pfarrer bleibt, oder ob eine Landeskirche nach der anderen eine Angleichung an die in der Gesellschaft üblich gewordenen Lebensformen für so wichtig halten, dass sie dafür die Orientierung an der Heiligen Schrift aufgeben bzw. aufweichen.

Dabei wird unterstellt, die Heilige Schrift würde eine Lebensführng in homosexeller Partnerschaft ablehnen oder verbieten und die Zulassung von homosexuellen Partnerschaften im Pfarrhaus sei somit allein aufgrund einer bibelwidrigen Anpassung an den Zeitgeist erstrebt. Wichtig ist es mir an diesem Punkt festzuhalten, daß die evangelische Kirche kein bischöfliches Lehramt kennt, was also bedeutet, daß man der Vorannahme der Altbischöfe nicht blind folgen darf, sondern sie überprüfen muß, denn das Lehramt tragen wir alle.

Die Unterzeichner des Briefs führen drei Bibelstellen als zentral an:

Röm 1, 26f:

Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.

1. Kor 6, 9f:

Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.

1. Tim 1, 10:

den Unzüchtigen, den Knabenschändern, den Menschenhändlern, den Lügnern, den Meineidigen und wenn noch etwas anderes der heilsamen Lehre zuwider ist,

Auf all diese Stellen bin ich im damaligen Artikel schon eingegangen. Interessant hier, daß keine Rede von den zwei Levitikusstellen die Rede ist, vielleicht sind die Bischöfe selbst zu sehr zeitgeistgesteuert, um sich hinter die dort geforderte Todesstrafe zu stellen? Denn bei ihren Verständnis der entsprechenden Stellen würde es dabei sicherlich auch um Homosexualität drehen, und dann wären sie durch die Bibel gebunden.

Die Altbischöfe nennen im Zusammenhang ihrer Begründung auch 1. Mose 1, 27f:

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Daraus leiten sie, wie ich sie verstehe ab, daß die natürliche Lebensweise die Lebensweise des Verkehrs von Mann und Frau ist. Provokativ könnte man fragen: Sind alleinstehende Menschen dann unnatürlich? Wie paßt das mit den Äußerungen des Paulus zusammen, daß es am besten wäre, alle wären wie er, nämlich ledig (1. Kor 7, 7)? Darin spricht Paulus davon, daß zwar nicht alle die Gabe haben, ledig zu bleiben, aber es doch gut wäre. Ist die von den Altbischöfen genannte natürliche Lebensweise vielleicht doch nicht so natürlich? Oder ist die Natürlichkeit vielleicht gar kein Kriterium? In Epheser 2,3 (kein authentischer Paulusbrief, aber immer noch Heilige Schift) ist die Rede davon, daß Menschen von Natur aus Kinder des Zorns waren. Und diese Menschen wurden gerettet, wohl gegen die Natur. Wieso also sollte die Natur ein Argument sein bei der Homosexualität?

Die Altbischöfe behaupten nun, daß zweierlei nicht möglich ist:

  1. Die Behauptung, es gehe nicht m verantwortungsvolle Homosexalität sondern Verkehr mit Lustknaben im Tempel.
  2. Die Behauptung, es handle sich um zeitgebundene Verbote wie das Predigtverbot für Frauen (1. Kor 14, 34f).

Die zweite Behauptung sei ausgeschlossen dadurch, daß nach 1. Tim 10 und 1. Kor 6 die Homosexellen vom Himmelreich ausgeschlossen wären, was anhand der Überprüfung des ersten Punktes noch gegenzuchecken ist. Doch bevor ich dazu komme muß ich noch einmal meiner Verwunderng Asdruck verleihen.

Hatten die Altbischöfe nicht weiter oben im Brief ihre Sorge ausgedrückt, die biblischen Normen werden verlassen zu Gunsten einer unbiblischen Anpassng an die moderne Gesellschaft? Wie können sie dann das Verbot der Frauenpredigt, wenn sie es denn so auffassen (ich kann nur ein Gebot darin erkennen, bei der Predigt nicht dazwischenzuquatschen) als zeitlich gebunden verstehen, das aufgrund der Nichtnennung bei 1. Kor 6 und 1. Tim 10 nicht gar so verbindlich ist? Sind die Altbischöfe gegen predigende Frauen? Dann sollen sie bekennen, was sie als Wahrheit erachten. Sind sie der Meinung, es handle sich um eine zeitgebundene Regulierung, dann bitte ich darum mir zu erklären, wie sie mit ihrem Bibelverständnis und der Hermenetik, die sie bei der Frage der Homosexualität an den Tag legen dazu kommen!

Nun zum ersten Punkt, der, wenn er fällt Punkt 2 gleich mitnimmt: Laut den Bischöfen schließt der Text in Röm 1 aus, daß bei 1. Kor 6 und 1. Tim 10 Tempelprostitution gemeint sei. Wenn ich mir die Texte ansehe, dann ist bei Röm 1 von Männern und Frauen die Rede, bei den anderen Stellen aber nur von Männern, nämlich Knabenschändern und Lustknaben. Es ist sehr fraglich, ob hier das gleiche gemeint sein kann wenn anderes geschrieben wird.

Alleine die Wortwahl läßt darauf schließen, daß es sich bei 1. Kor und 1. Tim um Abhängigkeitsbeziehungen handelt, in denen der Sex eine Rolle spielt. Knabenschänder sperren wir hete noch mit gutem Grund ein. Und auch bei Kindern und Jugendlichen, die sich prostituieren, verstehen wir dies nicht als Ausdruck ihrer sexuellen Selbstbestimmung, sondern als durch irgendwelche finanziellen oder sonstigen Zwänge begründet, die es abzstellen gilt, damit die Kinder Kinder sein können. Partnerschaftliche Homosexualität auf Augenhöhe unterscheidet sich davon in der Art, wie sich bezahlter Sex mit kleinen Mädchen von einer heterosexellen Partnerschaft auf Augenhöhe unterscheidet. Es fällt mir schwer nachzvollziehen, warum die Bischöfe das nicht sehen.

Zu Röm 1 sei noch einmal auf meinen anderen Artikel verwiesen. Damals schien es mir so, als seien dort eigentlich heterosexuelle Menschen gemeint. Eine andere Erklärung könnte sein, was man aus Therapien öfter hört: Ein Umfeld macht krank und führt dazu, daß einzelne Menschen krank werden, die für das Umfeld nicht verantwortlich sind. Ein Chemieunternehmen verpestet die Luft und die Anwohner, die nix dazu können, bekommen Asthma. Die Menschen verheren die Geschöpfe statt des Schöpfers und darafhin werden einige homosexuell, nicht aus Schuld, sondern als Symptom für die Sünde in der Welt. Die Auslebung der Homosexualität ist – so verstanden – auch keine Sünde.

Festzuhalten bleibt, daß Paulus an keiner Stelle dezidiert sagt: Homosexuelle Handlngen bringen einen in die Hölle. nd auch sonst in der Bibel steht das nicht.

In diesem Sinne kann ich die luthersche Warnung nur an die Altbischöfe zurückgeben: Das Wort sie sollen lassen stahn!

Zu guter Letzt möchte ich auch hervorheben, wo ich mit den Bischöfen übereinstimme: Die freie Gesellschaft muß nicht nur die Ansicht der Befürworter zulassen, sondern auch die der Gegner, beides möglichst ohne viel Polemik (ich hab versucht mich zurückzuhalten in meinem Artikel). Ich stimme den Altbischöfen zu, daß ein Ausschluß von der Ordination nicht bedeutet, man spreche die Menschenwürde ab. Viele Nichtchristen oder auch Angehörige anderer christlicher Konfessionen können nicht ordiniert werden in der evangelischen Kirche, ohne daß dies ihre Menschenwürde antastete.

Und dann hat der Brief noch eien Nachsatz, der so völlig aus allem rausfällt:

Im übrigen sollten Sie auch ernst nehmen, dass mit der Annahme dieses Pfarrdienstgesetzes im Sinne der „Begründung“ jeder Fortschritt zu ökumenischer Gemeinschaft mit der katholischen und den orthodoxen Kirchen sowie auch mit einigen lutherischen Kirchen in der Welt blockiert sein würde.

Ich unterstütze die Ökumene aus vollem Herzen, doch kann ein schwererer Stand in den Gesprächen kein Grund sein die eigene Ordnng zu ändern. Grund kann nur der Wille Gottes sein, den Er in der Heiligen Schrift und durch den Heiligen Geist offenbart.

Daher wundere ich mich über die Maßen, daß Bischöfe der lutherischen Kirche(n) überhaupt den Gedanken fassen können, der Konsens mit Rom und den orthodoxen Kirchen seien ein Argument für oder gegen eine Entscheidung, zmal sie sich in dem Brief schon so sehr auf die Bibel berufen haben. Man bedenke, wenn Luther den Konsens mit Rom über die Bibel gestellt hätte!

Religion

Islam gegen Terrorismus

Gerade hat mich über den Mailverteiler der hiesigen ESG ein Offener Brief des Zentrums für Islam in Europa München e.V. erreicht. Da ich an anderer Stelle schrieb, daß mich leider selten Nachrichten erreichen, wo Muslime zu Christen stehen, will ich hier mit gutem Beispiel vorangehen und den Brief zum Download anbieten.

Hier ein paar Höhepunkte (aus meiner Sicht):

Wir rufen denjenigen zu, die in Hass und Gewalt involviert sind, oder die
dazu neigen, solche Verbrechen zu verharmlosen anstatt sie in aller
Schonungslosigkeit beim Namen zu nennen:
Hört auf mit Eurem Tun und hört auf, Euch dabei auf Gott und auf unsere
Religion zu berufen! Terror ist niemals eine Lösung, aber immer eine
Sünde. Jeder Angriff auf eine Kirche – oder eine Synagoge – ist wie ein
Angriff auf eine Moschee: eine Sünde und ein Verbrechen.

Wer sich bei solchem Tun auf Gott und auf unsere Religion beruft, stellt sich
in Wahrheit gegen Gott und gegen den Islam. Deshalb rufen wir auch alle
Glaubensbrüder und -schwestern auf, keinesfalls aus falsch verstandener
Solidarität potentielle Täter zu schützen oder ihr Tun zu verharmlosen!

Hier gibt es den Brief als pdf zum Download.

Disclaimer: In der heutigen Welt ist man nie sicher davor, nicht irgendwo gegen irgendwelche Urheberrechte zu verstoßen. Ich verbreite den Brief hier mit der Absicht, den friedlichen Stimmen im Islam Gehör zu verschaffen (mit meinen geringen Möglichkeiten). Falls dies von den Urhebern des Briefes nicht gewünscht wird, bitte ich um Mitteilung statt Abmahnung.

EKD, kirche, Religion

Den Islam zurechtschneidern?

Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, was ich vom Vorsitzenden des Rates der EKD halten soll. Es geht um Nikolaus Schneider, der Hauptberuflich Präses der evangelischen Kirche im Rheinland ist.

Diese Woche hat er sich (wieder) zum Islam geäußert, und wurde vom Zentralrat der Muslime, einer der kleinen Splittergruppen, die Muslime in Deutschland vertreten, kritisiert. Und die Kritik ist verständlich, doch um was geht es?

Schneider meinte, der Islam trete „von Aufklärung nd Religionskritik kam irritiert in unserer Gesellschaft auf“. Das mag stimmen, gilt auch für bestimmte christliche Gruppierungen (meist jedoch nicht für Landeskirchler), braucht aber einen evangelischen Präses als Präses nicht zu interessieren. Vielleicht ärgert es ihn als Bürger, aber dieser Ärger ist der Tribut, den es zu zahlen gibt in einer freien Gesellschaft für die Freiheitsrechte auch der anderen. Wenn die Muslime sich ohne Aufklärung und Religionskritik wohler fühlen (falls das überhaupt stimmt), ist es ihr gutes Recht. Eine andere Sache wäre es, wenn Schneider eine bestimmte Position aufgreift und diese auf Grundlage islamischer Vorstellungen kritisiert, wenn er einem Muslim also aufzeigt, warum die Aufklärung etwa in Einklang mit dem Koran steht und Mohammed Religionskritiker war (falls es so gewesen sein sollte). Ansonsten können nur Muslime den Islam von innen verändern (in welche Richtung ach immer). Das ist dann aber nicht Sache Schneiders, sondern der Muslime.

So weist der Zentralrat der Muslime darauf hin, daß man es nicht gut findet, wenn jemand belehrend auftritt (wobei ich mich in dem Kontext wundere, daß nicht von Scheider die Rede ist, sondern von der evangelischen Kirche, die ja nicht mit Schneider identisch ist, sein Posten ist ja in keinster Weise mit dem des Papstes zu vergleichen, aber das nur nebenbei).

Auch kann ich der folgenden Aussage des Zentralrates nicht ganz folgen:

Niemandem steht es zu, eine Religion zu kritisieren und zu bewerten, ob sie eine Aufklärung nötig
hat oder nicht

Ich denke, es steht dem Anhänger der Religion sehr wohl zu. Ich kann als Christ innerhalb der Kirche und des Christentums durchaus kritisieren und bewerten, ob es ein zu viel oder zu wenig an Aufklärung gibt. Und zwar immer in dem Maße, wie ich mich den jewilig Kritisierten selbst zugehörig fühle. So kritisiere ich die Katholiken etwa bei ihrem Amtsverständnis, weil ich es biblisch und historisch nicht als begründet ansehe, aber ich kritisiere nicht den Zölibat, das ist Sache der katholischen Kirche und das sollten die unter sich ausmachen. Als Christ aber bin ich der Meinung, beim Amtsverständnis (etwa) mitreden zu können und zu dürfen.

So habe ich auch kein Problem damit, wenn Schneider als Mitglied unserer Gesellschaft andere Mitglieder auf den Grundlagen der Gesellschaft kritisiert, etwa wenn er sich zur Gefahr äußert, die von multinationalen Unternehmen für unsere demokratischen Strukturen ausgeht.

Daß der Islam „lauter und aggressiver“ auftritt mag stimmen, die Frage ist aber doch dann, warum man die Kirche nicht hört, bzw. nur hört, wenn es um Zwangsarbeit und Mißbrach geht, bzw. die Entschuldigungen nd Erklärngen daz etc…

Ja, der Islam missioniert in Deutschland, wie auch seit neuestem Atheisten aktiv Mission betreiben. Niemand hindert die Kirche, da auch mal wieder mitzuspielen und so spricht Schneider ach davon, „von der Heiligen Schrift inspirierte Lebenskonzepte zu vertreten“. Dazu gehört aber mehr, als immer wieder von Mission zu reden, irgendwas muß man auch tun, denn über Presseerklärungen und Reden af Synoden finden die wenigsten Menschen zu Christus.

Was mich etwas geärgert hat ist, daß Schneider meinte, ein akademischer Islam sei nötig. Ich mag ja auch die Idee von islamisch-theologischen Fakultäten an den Unis, am Besten auch da, wo es christliche Theologen gibt, um den Austausch zu fördern und einander besser kennen zu lernen. Was der Islam jedoch nötig hat, ist Sache des Islams und der Mslime, und wenn der Islam sich dadurch ins Abseits stellt, ist das auch Sache des Islams und der Muslime.

Eine islamische Aufklärung wird man nicht gezielt initiieren können, so wie ach die europäische Aufklärung nicht gezielt initiiert wurde, sondern sich ergab. Wenn es also irgendwanne einmal so weit kommt, daß die Muslime sich tatsächlich soweit organisieren, daß sie Islamisch-theologische Fakultäten erstellen und mitunterhalten können (niemand kann sie dazu verpflichten, Imame in Deutschland auszubilden und Religionsnterricht an den Schlen anzubieten), dann können sie auch selbst entscheiden, inwieweit dort die Aufklärung überhaupt behandelt wird. Sicher wäre es sinnvoll, um die Gesellschaft in Europa zu verstehen, aber wie gesagt: Niemand kann den Muslimen verbieten, nicht sinnvolle Dinge zu tun, und keiner sollte es ihnen afzwängen wollen. Auch die Kirchen haben viel nsinniges getan in ihrer Geschichte und würden Äßerungen von außen, was in der Kirche nötig wäre, zurückweisen, so wie Schneider auch die Mischreligion (mit Recht) zurückweist.

Recht geben muß ich Schneider, wenn er sich für die verfolgten Christen in islamischen Ländern ausspricht. Ertsens sind es Gläubensgeschwister, die in Alexandria umkamen (und im Irak und anderen Ländern), und zweitens wird von islamischer Seite immer wieder betont, der Islam sei eine Religion des Friedens und der Toleranz. In der Sitation die Muslime beim Wort zu nehmen, kann ihm keiner vorwerfen.

Leider hört man sehr wenig davon, daß Muslime etwa in der Türkei sich für Christen einsetzen, für ein Recht, Kirchen zu bauen und ihren Glauben zu lehren. Entweder es findet nicht statt oder wird in den Medien nicht gebracht, und das ist schade, in beiden Fällen. Herasragend finde ich in diesem Kontext eine Meldung wie die, daß Mslime in Ägypten dazu aufgerufen ahben die Weihnachtsmessen der Kopten zu besuchen, um die Solidarität zu zeigen und als menschliche Schutzschilde gegen mögliche weitere Attentate zu helfen. Ein bewundernswerter Mut!

Die innere Verfassung des Islams jedoch, und das ist mein eigentlicher Punkt, ist nicht Sache eines evangelischen Präses. Dieser kann lediglich anfragen bei Muslimen, oder diese beim Wort nehmen, er hat aber keine ungefragten Äußerungen darüber zu machen, was die Muslime brauchen und tun müssen. Die können tun was sie wollen und legal ist, so wie auch die Kirchen.

Kirche & Web 2.0, Religion

Gottesdienste im Internet?

Ich hab ja schonmal was dazu geschrieben, schon fast ein Jahr her, und der Nachtwächter bei Lumières dans la nuit hatte sogar darauf reagiert und es entspann sich ne längere Diskussion, leider mehr um die Kirche und ihre Geschichte als m den Gottesdienst, aber okay.

Jedenfalls kam mir heute der Gedanke wieder an das Ganze, und ich hab da so fragmentehaft ein paar Dinge…

  • Zum Beispiel kann ich mir nicht vorstellen, Sakramente (also Taufe und Abendmahl, aber wenn ich katholisch wär könnt ich’s mir auch bei den zusätzlichen dort als Sakramente gewerteten Kasualien vorstellen) über’s Internet gespendet zu kriegen oder irgendwann zu spenden (wobei Abendmahl, jeder bringt sein eigen Brot, Einsetzungsworte über Twitter, wenn das in richtiger Gesinnung… aber bei der Taufe macht dann spätestens das Wasser Probleme!).
  • Gemeinsam singen hab ich ja schon im damaligen Artikel geschrieben, wär eher komisch. Aber singen hat ja auch was von Gotteslob, man könnte dabei sehen, ob und wie man eine Möglichkeit schaffen kann, gemeinsam als Gruppe an einem Kunstwerk zu arbeiten, etwa alle malen ein Bild zur Ehre Gottes, vielleicht schon nach gewissen Regeln (außer bei gewissen Pfingstkirchen herrscht ja auch beim Gotteslob eine gewisse Ordnung ;-)). Alternativ zum Bild könnten auch musikalische Elemente zum Zuge kommen, bei dem dynamisch Musik abgespielt wird, während alle bestimmte Töne, Instrumente etc aktivieren könnten… kann man sich das vorstellen, wie ich es mein?
  • Predigt wäre, wie auch schon der Nachtwächter den ganzen Gottesdienst definierte, wohl eher Einwegkommunikation, wobei ich mal in nem Film mit James Belushi und Dan Aykroyd gesehen hab, wie Gottesdienstbesucher bei ner Predigt nicht einfach ruhig zuhörten… aber das war Chicago in den späten 70ern…
  • Gebet und Glaubensbekenntnis ist dann wieder eher schwierig, macht ja jeder für sich alleine, es geht ja ach nicht um eigenes kreatives Einbringen dabei. Vielleicht läßt man diese Zeiten dann einfach frei, oder macht nenSprachkanal auf, damit man die anderen hören kann und Vater Unser etc gemeinsam gesprochen werden können (bei langsamen Verbindungen: gibt es jemanden, der ein Mittippen der Gebete für sinnvoll und/oder hilfreich erachten würde?).
  • Eine Ausnahme bei den Gebeten: Die Fürbitten könnten wieder individuell kommen aus der Gemeinde, gerne auch getippt. Hier sehe ich sogar das Plus der Anonymität im Internet: Es trauen sich vielleicht eher welche, auch was zu schreiben an Fürbitten. Ich fühl mich in solchen Situationen im real life immer etwas unwohl, in ner Andacht oder so wenn dann die Runde kommt wo jeder eine Bitte vortragen soll etc. Im Netz ging’s vielleicht besser.

Soweit meine Gedanken, sicher etwas fragmenthaft, aber mehr soll es auch nicht sein, vielleicht kommt der Rest dann nächstes Jahr 😀 Ich glaube nicht, daß ein solcher Gottesdienst den Sonntagsmorgengottesdienst absolut ersetzen kann, aber es wäre vielleicht, wenn gut gemacht, ein Zusatzangebot, was international laufen kann, zu verschiedenen Zeiten, und wo auch Kirchenferne mal reinsehen können… Ob, wie und was das wird, ist sowieso noch nicht ausgemacht. Aber vielleicht hinterlässt hier jemand seine Meinung dazu und es entwickelt sich wieder eine Diskussion.