Netzfunde

Ite, missa est

Bei Kirchengeschichten ist ein Artikel erschienen gegen die Sarrazinisierung öffentlicher Religions- und Kirchendiskurse. Absolut lesenswert!

Was mich vor allem anspricht ist die Erkenntnis am Schluß, daß „don’t feed the trolls“ Mist ist, weil die Trolle dann die Meinungshoheit haben. Man muß sie statt dessen widerlegen und ihnen widersprechen. Immer wieder. Das rechtfertigt ein wenig mein vieles Kommentieren in Foren und auf Blogs, deshalb hör ich sowas gerne… 😉

Netzfunde

Eine Herausforderung für die Progressiven

Lana hat nach ihrer Enttäuschung über die World Vision Geschichte einen wunderbaren Artikel geschrieben. Es geht um Fortschrittlichkeit und Gemeinschaft. Eine Spitzenaussage lautet in etwa:

Eine Sache ist nicht schlecht, weil sie den Fortschritt verhindert, sondern weil sie die Gemeinschaft verhindert.

Leider ist der Artikel auf Englisch und ich habe im Moment nicht die Zeit, den in einer einigermaßen adequaten Qualität zu übersetzen. Aber er ist unbedingt lesenswert, denn er bietet nach meiner Meinung einen Mittelweg zwischen Progressivismus, der nur auf den Fortschritt (Gegner würden sagen: den Zeitgeist) abzielt und dem Konservativismus, der nur auf Althergebrachtes (Gegner würden hinzufügen: und Rückständiges) setzt.

Lana stellt fest, daß beide in etwa das gleiche Problemdarstellen, mit unterschiedlichen Vorzeichen. Als Alternative schlägt sie vor, sich statt dessen an der Gemeinschaft zu orientieren. Gut ist, was Gemeinschaft schafft, schlecht ist, was Gemeinschaft verhindert.

Also los, lest den Artikel. Mich würde auch interessieren, was Ihr davon haltet…

Netzfunde

Netzfunde, Montag, 6. Januar 2014

Den Anfang macht heute Morgen Guyton. Der hat sich des Themas „gay marriage“ angenommen und einen Vergleich zur Forderung „Frauen an den Herd“ gezogen. Ganz interessant, und Recht hat er auch. Früher sagte man, die Bibel fordere, daß Frauen zu Hause bleiben und die Kinder erziehen. Heute fordert das keiner mehr, weil das Einkommen der Frau gebraucht wird. Ginge es wirklich um die Bibel und wären deren „Wahrheiten“ ewig… naja, Ihr versteht was er meint. Und mit der Homoehe könnte es genauso sein, warten wir mal 30 Jahre ab.

In Bremen kommt ne Solaranlage auf ein Kirchendach. An sich nichts besonderes, das passiert öfter mal, nicht nur in Bremen (zumindest so lange der Denkmalschutz mitspielt). In dem Fall handelt es sich aber um das „Projekt des Monats“ der Aktion „Kirche im Aufbruch“. Daher gibt es auch einen Artikel bei der EKD darüber. Das Besondere hier ist wohl, daß es sich nicht um ein Kircheneigenes Projekt handelt, sondern alle möglichen Leute mitmachen können, die Kirche lediglich das Dach und einen Teil der Finanzierung beisteuert und das Ganze dann ein Renditeprojekt für diejenigen wird, die sich beteiligen. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und die Rendite kommt allen zu Gute. Solange es der Kirche nur darum geht, sich einzubringen beim Klimawandel und nicht alles selbst zu kontrollieren, ist das sicherlich ein interessantes Projekt.

Es gibt eine neue Handreichung zum Thema Kirchenasyl von den Landeskirchen Rheinland, Lippe und Westfalen sowie der Diakonie der drei Landeskirchen. Das ganze heißt „Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt…“ und ist kann hier heruntergeladen werden. Hier gibt es noch ein Interview mit Kirchenrat Nikodemus zur Handreichung.

Antje Schrupp ärgert sich über die Werbung eines Frankfurter Museums. Ob man den „lüsternen männlichen Blick“ tatsächlich als solchen ansehen muß, da bin ich etwas skeptisch, und was die Telefonnummer der Venus von Willendorf angeht: Ich weiß ja nicht, welchen Zweck solche Figurinen damals hatten (echt nicht, ich kenn mich da nicht aus!), aber für meinen Laienverstand ist durchaus denkbar, daß Sex da durchaus auch eine Rolle gepielt haben kann. Wie bei heutigen Callgirls. Falls ich da richtig liegen sollte, würde es sich in beiden Fällen um eine Objektivierung des weiblichen Körpers handeln (was IMHO abzulehnen wäre). Dann wäre die Parallelisierung allerdings nicht falsch. Falsch wäre dann eher eine Verbrämung dessen als „Kunst“. Wer weiß, wie Museen der Zukunft mit heutigen Pornozeitschriften umgehen werden… allerdings kann es durchaus sein, daß ich hier komplett falsch liege. Man berichtige mich.

Thomas hat seine Gedanken zur diesjährigen Jahreslosung aufgeschrieben. Andere haben wohl – nach seinen Worten – eher Probleme mit ihr, er mag sie. Und ich kann auch irgendwie nachvollziehen, wieso und was er meint mit der „Gottesgeburt in der Seele“.

Zu guter Letzt: Gerd Häfner hat nen kurzen Text geschrieben, wieso die Heiligen Drei Könige „heilig“ und „Könige“ genannt werden und woher die Dreizahl kommt. Steht zwar so nicht in der Bibel, ist aber auch alles nicht ganz unbiblisch.

Netzfunde

Netzfunde, 8. Dezember 2013

Wahlen gibt es erst mal keine, der Ausgang der letzten ist ja immer noch nicht ganz klar, aber ähnlich wie der Wahl-o-mat gibt es jetzt einen Cred-o-mat, und zwar beim Bayrischen Rundfunk aufm woran-glauben Blog. Allerdings ist das kein Tool zur Auswahlhilfe eines Glaubens, sondern dient eher der Vergegenwärtigung dessen, was man glaubt. Es gibt ja keinen Menschen, der gar nicht glauben würde, auch wenn es immer wieder Leute gibt, die meinen, sie könnten ihre Kinder „neutral“ aufziehen, damit die sich dann später „frei entscheiden“ könnten.

Heute hab ichs im Evangelischen Kirchenboten (Druckerzeugnis, daher kein Link diesmal) gelesen und fand es recht krass, wenn auch erfrischen. Michael Diener, der Präses des Gnaudauer Gemeinschaftsverbandes und ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz hat dem pro Medienmagazin ein Interview gegeben. Das Interview hab ich nicht gelesen, das ist hinter einer Paywall, aber was ich in der Berichtserstattung darüber gelesen habe bzw was man bei youtube zu sehen bekommt… er hat sehr deutliche Worte gefunden. So warf er den Evangelikalen vor, eine Sündenhierarchie aufgebaut zu haben, bei der Fragen der Sexualität wichtiger seien als die Frage etwa nach den Flüchtlingen und ihrer Not. Das Interview gibt es in Ausschnitten bei youtube.
Ich bin selbst kein Evangelikaler, aber da sehe ich einen, der nach meinem Empfinden wichtige Probleme anspricht, die ich mit der evangelikalen Bewegung habe.

Eine andere Sache, die vor allem Evangelikalen, so mein Empfinden, wichtig ist, ist die Satisfaktionstheorie. Also die Theorie, daß Gott-Vater Seinen Sohn totschlagen mußte, um den Menschen ihre Sünden vergeben zu können, weil Er sonst Seine Ehre zu verletzt wäre, als daß Er vergeben könnte. Wer hier öfter liest weiß, daß ich damit auch meine Probleme hab. Ist halt ne recht späte Erfindung aus dem Hochmittelalter (genau: Thomas von Aquin). Peter hat sich dazu nun auch zu Wort gemeldet. Ich neige ja der von Aulen vorgeschlagenen Christus Victor Theorie zu, und letztens hab ich etwas über Abaelard gelesen das hörte sich auch ganz vernünftig an.Früher hoffte ich mal, Im Studium die Zeit zu finden, solche Fragen für mich zu klären. Es kam nicht dazu und wird es auch nicht mehr. Vielleicht später mal…

In Amerika gibt es ja so nen Slogan: Put the „Christ“ back in Christmas“, zu deutsch in etwa: Bringt Christus wieder ins Christfest. Es geht dabei wohl vor allem um „Probleme“ wie die Schreibweise Xmas, die wohl als säkular verstanden wird, wobei es sich bei dem X durchaus um ein Rho handeln könnte, also den Anfangsbuchstaben des Griechischen Christos, was dem deutschen CH entspricht, naja…
und dann gibt es ja auch das Problem mit „Happy Holidays“ was ja auch verschweigt, was wir diese Tage feiern – ganz böse. Wie kann man nur! Die Warrioress hat das ganze mal ziemlich treffend kommentiert:

How about putting Christ back in Christian?

Zu deutsch etwa:

Wie wärs, Christus zurückzubringen ins Christsein?

Die Stoßrichtung ähnelt vielleicht der Michael Dieners. Als Fazit steht bei der Warrioress: Wir haben den Kampf um Weihnachten in dem Moment verloren, als wir überzeugt waren, daß es ums Habenwollen geht.

Dann geraten nämlich diejenigen außer Sichtweite, die nichts haben. Die sind dann ja wie wir, wollen auch nur, und sind nicht besonders zu berücksichtigen…

Und noch zwei Artikel hab ich zu Armut und Reichtum, und zwar vom Tall Skinny Kiwi. Vorwürfen wie der, daß Arme Leute nur den ganzen Tag auf der faulen Haut lägenbegegnet er mit diesem Artikel, in dem er aus seinem Leben erzählt, das er in selbstgewählter relativer Armut führt.

In diesem Artikel schreibt er nochmal allgemein von Stereotypen.

Und dann ist ja Mandela gestorben. Bei der SZ gibt es nen interessanten Artikel zum Internet auf Halbmast. Demnach ist immer auch ein bißchen Selbstdarstellung bei den ganzen Tweets und Statusmeldungen bei Facebook et al, in denen es um den Tod bekannter Persönlichkeiten geht. Ich frag mich, ob das schlimm sein muß. Irgendwie betrifft der Tod ja auch einen selbst, auch wenn man denjenigen nicht kannte, er kann durchaus als Vorbild dienen und so auf einen wirken.

Nick Baines nimmt das zur Kenntnis und äußert die Hoffnung, daß die Leute Mandela nicht nur verehren, sondern ihm nachfolgen.

Und Markus Eichler hat auf seinem Blog nen Text aus der Bild-Zeitung, wo es um 7 Botschaften Mandelas geht, die bleiben werden. Ich bin skeptisch, ob die alle bleiben, ist wohl eher fromme Hoffnung. Wenn sein Einsatz für Versöhnung nach so viel Haß und Gewalt in Erinnerung bleibt (und hier und da vielleicht auch nachgeahmt wird), ist schon viel – sehr viel gewonnen.

Netzfunde

Netzfunde vom Freitag, den 18. Oktober 2013

Ja, es sind die Netzfunde vom Freitag, trotzdem erscheinen sie Samstag, weil am Freitag gab es ja schon einen Artikel und am Samstag bin ich nicht da…

Also los geht’s…

Ich hatte vor kurzem ja über Lampedusa und die Flüchtlinge geschrieben. Auf evangelisch.de gibt es ein Interview mit Thorsten Leiser, theologischer Referent für Menschenrechte und Migration des Kirchenamts der EKD. Der hat viel mehr Ahnung als ich und benennt auch klar, wo sich etwas ändern muß.

Theodred hat einen Artikel geschrieben über die Kirchensteuer und die angebliche brandmordschatzende Aneignung der Kirchenvermögen durch die Kirchen, weshalb ja Staatsleistungen und Kirchensteuer eigentlich abgeschafft gehören, nach Meinung besonders „kritischer“ Geister… wer sich informiert und wirklich nachdenkt, kommt vielleicht zu anderen Ansichten.

Daß die Kirchen auch manchmal ganz konkret der Gemeinschaft helfen und nicht nur Geld abgreifen, wie man immer öfter gesagt kriegt, kann man bei evangelisch.de nachlesen. In Sachsen-Anhalt haben die dortigen Landeskirchen beschlossen, insgesamt 2 Millionen Euro an das Land zu zahlen, damit dieses seine Schulden los wird, aufgeteilt auf mehrere Jahre. Und das ausgerechnet in einem Bundesland, in dem die Mehrheit der Bewohner keiner Kirche angehören. Ob man das in nichtkirchlichen Medien hören wird? Man wird sehen.

Und noch was hab ich zum Thema Kirche und Finanzen: Just Wondering schreibt über den Limburger Bischof und wieso der vom Prunkfaktor her ein eher kleines Licht ist im internationalen Vergleich, und zum Glück noch für eine vergleichsweise gute Theologie steht (hier leg ich auf das „vergleichsweise“ Wert!). Aber Tebartz-van Elst kann ich auch als Christ ansehen, während ich da bei den Protagonisten des prosperity gospel ziemliche Schwierigkeiten hab.

Weg von der Kirche, hin zu den alltäglichen Problemen. Etwa jugendliche Gewalttäter. Was hilft wohl mehr? Den Jugendlichen zu sagen, daß Gewalt keien Lösung ist, oder ihnen zu erklären, wie sie als Opfer von Gewalt überlegen können, mit nem Messer in der Seite oder ner Schußwunde in der Brust. Bei idealist.org gibt es nen Artikel über einen Erste-Hilfe-Kurs der anderen Art. Sicher ist es besser, wenn es gar nicht erst zur Gewalt kommt. Aber wenn es doch zur Gewalt kommt, ist es besser, man weiß, wie man hilft.

Idealist.org ist übrigens eine Webseite, die offene Stellen bei Freiwilligendiensten weltweit anzeigt. Da gibt es ja heutzutage ne Menge, und viele findet man dort. Unter anderem auch nen Artikel, der einige Möglichkeiten zusammenfasst. Und wenn man eine Stelle gefunden hat, für die man sich bewerben will, gibt es auch gleich noch Bewerberinfos dazu.

Ach, einmal Kirche hab ich noch: Und zwar in Pirmasens, dort werden Kirchenpräsident Christian Schad und sein persönlicher Referent Alexander Ebel (der hier) am 30. Oktober um 19 Uhr zu den Zukunftsvisionen der Kirche, und zwar on- und offline referieren. In der Johanneskirche am Exerzierplatz. Und davon gibt es dann einen Live-Videostream im Netz sowie die Möglichkeit, selbst Kommentare zu hinterlassen bzw sich über Twitter zum Thema auszutauschen und so. Aber lest selbst.

Netzfunde

Project Unbreakable – Vorsicht, kann triggern

Warnung:
Da es in dem vorgestellten Projekt um Vergewaltigungsopfer geht, besteht die Gefahr, daß das Lesen oder Ansehen des Nachfolgenden triggern kann.
Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Dieses Video stellt Project Unbreakable vor.

Ich bin die Tage beim Surfen drauf gestoßen und hab ne Weile gebraucht zu verstehen, um was es geht. Heute stieß ich dann beim genaueren Nachsehen auf obiges Video und den folgenden Text auf der dazugehörigen Spendenseite:

The mission of Project Unbreakable is to increase awareness of the issues surrounding sexual assault and encourage the act of healing through art. Since the project’s conception in October 2011, it has featured over two thousand images of sexual assault survivors holding posters with quotes from their attackers.

Es geht also darum, den Opfern von Vergewaltigungen die Möglichkeit zu geben, zu Wort zu kommen, und was man da so liest, kann durchaus verstörend sein. Meist sind nur Zitate der Täter während der Vergewaltigung auf den Schildern zu lesen. Manchmal gibt es auch weitere Informationen, wie die Opfer im Nachhinein noch als Lügner, selbst schuld etc hingestellt wurden, wie gesagt, verstörend. Und es geht darum, nicht weiter zu schweigen, wie die Täter es oft forderten und das Thema Vergewaltigung aus dem Tabubereich zu holen. Im Video ist davon die Rede, daß jede dritte Frau und jeder fünfte Mann in seinem Leben Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Wenn das so stimmt, ist das erschreckend und jenseits dessen, was ich für möglich hielt, wobei die Statistik offenkundig aus dem USA kommt, und womöglich sind die Dinge dort schlimmer als hier, aber vielleicht auch nicht.

Jedenfalls bin ich, nachdem ich mir das Ganze nochmal angesehen habe, zu der Ansicht gelangt, daß es sich bei dem Projekt um eine durchaus positive Sache handelt, und deshalb hab ich es hier vorgestellt.

Netzfunde

Martin Luther King Comic

Und noch ein Netzfund aus dem kulturellen Bereich: Martin Luther King Jr. in Comicbuchform. Gefunden hab ichs bei History Kicks Ass. Beim Drüberschauen hab ich etwas den Eindruck gewonnen, daß vielleicht ein wenig hagiographisiert wurde, aber grob wird die Geschichte vom Montgomery Bus Boycott jedoch zutreffend erzählt, soweit ich das vom Drübergucken beurteilen kann.

Leider auf Englisch, aber wohl nicht verwunderlich.

Downloadlink für die pdf

Netzfunde

Netzfunde für Mittwoch, den 21. August 2013

Das Examen kommt näher, und auch die kirchliche Trauung. Daß wir dabei keine Fotografen haben wollen, da sind meine Frau und ich uns einig. Also, was den Gottesdienst betrifft. Danach, sicher. Ganz ohne Bilder ist ja doof. Aber es ist heutzutage halt wirklich ein Problem, daß bald jeder ein Smartphone hat und damit alles mögliche knipst, teilweise ohne Rücksicht auf andere. Und das tun halt manchmal auch Leute, die man sonst recht gern hat. Wie ich nun bei Heiko Kuschel gelernt habe, nennt man solche Leute „Uncle Bob“. Und sie stören nicht nur und verpassen die Chance, selbst den Gottesdienst zu genießen. Nein, sie machen im Zweifel auch dem Profifotograf das Arbeiten unmöglich. Aber den wird es bei uns ja auch nicht geben. Nur nen ganz normalen Traugottesdienst, wie früher, als noch nicht jeder nen Fotoapparat hatte.

Ralpe ist im Moment in den USA und schreibt auch einiges darüber. So hat er zum Beispiel einen Artikel gerebloggt (nennt man das so?) in dem es darum geht, daß viele evangelikale Jugendliche in den USA sich Katholizismus, Luthertum oder Anglikanischen Hochkirche zuwenden. War mir nicht bewußt. Man kann lesen, daß es daran hängt, daß sich die Jugendlichen in der Kirche ihrer Eltern nicht wohlfühlen, mit all den Bands und so weiter. So wie die Eltern sich eben in den traditionellen Kirchen nicht wohlfühlten.

Interessant finde ich nun eine weitere Beobachtung: Dort, wo evangelikale Gemeinden Wert legen auf eine intellektuell vertretbare Theologie und nicht nur auf Gefühle setzen, bleiben die Jugendlichen.

Mailin schreibt selten, aber wenn sie schreibt, ist es in der Regel gut. Jetzt hat sie sogar zwei Artikel kurz hintereinander veröffentlicht, beide sehr lesenswert.

Im ersten Artikel geht es um das bedingungslose Grundeinkommen, das Lukasevangelium (speziell Lk 22,17) und die Almosen. Arme, so schreibt sie in Rückgriff auf das Johannesevangelium, haben wir immer unter uns. Also wird es immer nötig sein, Almosen zu geben, und das tun wir auch. Aber das BGE wird von vielen abgelehnt. Aber man hat ja was Analoges in den USA: Man spendet viel Geld für alles mögliche, aber ein Sozialsystem? Um Gottes Willen, das wäre ja das Ende!

Im zweiten Artikel geht es darum, was gefährlicher ist, das Innere oder das Äußere. Sie behandelt die Thematik anhand des Verbots von Hakenkreuzen und Hitlergruß. Schlimm ist ja nicht das Hakenkreuz, schlimm ist all das, was in dem System passierte, das sich das Hakenkreuz zum Symbol ausgewählt hatte. Indem wir uns nun auf Äußerlichkeiten konzentrieren, wie Hakenkreuz und Hitlergruß, und das verbieten, besteht die Gefahr, daß wir übersehen, was die Menschen dazu bringt, bei solchen Systemen mitzumachen. Mailin hat Recht wenn sie schreibt, daß wir nicht wissen, was unsere Enkel einmal über uns sagen werden.

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McComb, Mississippi

Die 60er Jahre waren unter anderem die Zeit der US Bürgerrechtsbewegung. Diese hatte schon lange vorher angefangen. Anfang des letzten Jahrhunderts wurde die NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) gegründet, die seither versuchte, vor allem durch Gerichtsverfahren nach und nach die institutionalisierten Benachteiligungen für Menschen dunkler Hautfarbe in den USA (nicht nur im Süden!) zu überwinden. Heute noch bekannt sein dürfte etwa der Montgomery Bus Boycott in den Jahren 1955 und 1956, durch den Martin Luther King Jr. bekannt wurde. In diesem Zusammenhang wurde eine neue Organisation gegründet, die Southern Christian Leader’s Conference (SCLC), die versuchte, die Ungerechtigkeit nicht mehr nur im Gerichtssaal zu bekämpfen, sondern die Gerichtsurteile mit gewaltfreien Aktionen auch zur Geltung zu bringen. Verschiedenen Jugendorganisationen waren die Pfarrer von der SCLC zu vorsichtig, weshalb sich die SNCC (Student Nonviolent Coordination Committee) gründete.

Es gab während der 60er viele gewaltfreie Aktionen. Eine größere Aktion war der Freedom Summer, zu dem viele Freiwillige nach Mississippi fuhren, um dort mitzuhelfen, die Rassentrennung zu überwinden. Unter anderem gab es Schulprojekte für farbige Kinder und dergleichen.

Bei History Kicks Ass (guter Blog!) fand ich nun den Hinweis auf ein interessantes Dokument:

Eine Auflistung der Gewalt gegen den Freedom Summer in einer einzigen Kleinstadt in der Zeit von Juni bis September 1964. McComb hat laut Wikipedia heute etwas mehr als 13.000 Einwohner, damals dürfte es kleiner gewesen sein. Trotzdem wurden etliche Bomben und auch Brände gelegt (unter anderem wurden Kirchen niedergebrannt, und das vom sich „christlich“ nennenden Ku Klux Klan).

Ich hab 23 Tage mit Gewalt gezählt. Und das war nicht immer nur eine Gewalttag an einem Tag. Wir machen uns heute glaub ich keine Vorstellung davon, was damals geschehen ist.