EKD, Gesellschaft, Glaube, Kirche, Theologie

It’s the catechesis, stupid

ein Tropfen führt zu konzentrischen Kreisen im Wasser
Mikkel Houmøller [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

So viele Probleme!

Jana ist Freikirchlerin. Darauf wird in jedem Beitrag verwiesen, also muß das irgendwie wichtig sein. Vielleicht geht es darum, sich von ihr gleich mal implizit zu distanzieren?

Geredet hat wie es aussieht keiner mit ihr, seit vor einem guten Monat der Streß los ging. Also keiner von Seiten der EKD, deren Zugpferd sie ja sein sollte für eine Präsenz auf Youtube. Immerhin 200.000 € soll sich die EKD das kosten gelassen haben. Für ne professionelle Produktion sicherlich angemessen, aber trotzdem keine Peanuts, die EKD ist ja nicht die Deutsche Bank.

Der Hintergrund

Achso: Für alle, die nicht auf dem Laufenden sind. Die EKD hat sich überlegt, auf Youtube präsent sein zu wollen und deshalb ein Projekt gestartet. Hanno Terbuyken von evangelisch.de hat auf seinem Blog confessio digitalis ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, wie und warum es dazu kam.

Jedenfalls wurde Jana Highholder diejenige welche die EKD auf Youtube repräsentieren sollte, trotz ihrer Zugehörigkeit zu einer Freikirche – was ja an sich ein positives Zeichen sein kann.

Nun hat Jana aber am Weltfrauentag von Unterordnung der Frau gesprochen, wenn auch (?) nur auf sich selbst bezogen. Das hat die genannten Wellen geschlagen.

Reden über den Glauben

Ich hab mich ja schon bei Hannos Artikel gewundert. Der schreibt nämlich:

Unter den YouTubern, die die Agenturen mit eingebracht haben, war sie aber diejenige mit der besten Bildschirmpräsenz und der klarsten eigenen Glaubens-Ansage.

Die Hervorhebung ist von mir. Und im Ernst: Wundert das wen? Die Freikirchler (und die Konservativen innerhalb der Landeskirchen) sind doch grad diejenigen, die am ehesten klare Aussagen überhaupt treffen können! Da ist alles (oder zumindest vieles) ganz klar vorgegeben. Jemand,d er seine Ansichten nicht so klar hat wäre wahrscheinlich mainstreamiger rübergekommen.

Kirchengeschichten dazu:

Konkrete Sprache fällt im protestantischen Mainstream sehr schnell unter den Verdacht der Freikirchlerei – kein Wunder, dass dieses Milieu so gut wie keine Menschen hervorbringt, die willens oder in der Lage sind, öffentlich über ihren Glauben zu sprechen.

Ich frage mich ja, ob das so sein muß. Der Autor von Kirchengeschichten (sorry, ich wußte Deinen Namen mal aber ich hab den nirgends mehr gefunden) sieht den Grund hierfür, daß die Landeskirchen die Mitglieder nicht verschrecken wollen.

Aber kann es das sein? Lieber nix sagen, bevor man aneckt? Lieber schwammig als konkret, bevor man Mitglieder verliert? Ist es nicht möglich – immerhin sind wir, die Gläubigen, doch ein Leib – daß wir im Einzelnen abweichende Ansichten haben und trotzdem gemeinsam glauben?

Jetzt mal ins Unreine gesprochen: Wenn Jana so ein Frauenbild hat und sich damit wohl fühlt, soll sie meinetwegen damit glücklich werden. Solange sie nicht von anderen verlangt, das auch so zu sehen…

Marketing und Verkündigung

Aber hier kommt dann wieder das allgemeine Problem: Die EKD wollte ja durch eine Person sich selbst darstellen. So kann das nur schief gehen. Aber wie hätte es klappen können? Indem eine Redaktion alle Aussagen weichspült und genau aufpasst, was Jana in jedem Video sagt? Das wär dann wohl recht unauthentisch geworden. Und das merkt man normal auch.

Ich erinnere mich noch an Beff-Man, der kritisch über die Kirche schreiben wollte, aber halt auf nem Kirchenblog – was dann deutlich weniger ätzend wurde als erhofft…

Mein Eindruck aus meiner zugegeben geringen Praxis (nach dem Vikariat war ja Schluß) ist, daß Jugendliche durchaus Fragen zum Glauben haben, durchaus interessiert sind. Man muß sich halt die Zeit nehmen und die Anstrengung auf sich nehmen, mit ihnen darüber zu reden. Katechese sagte man früher.

Da geschah das per Druckbetankung im Konfi-Unterricht. Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Zu viel Zwang. Aber wenn Fragen sind, muß ein Pfarrer nach meiner Meinung (ja, ich hab leicht reden) da sein, Rede und Antwort stehen.

Bei der immer weiter steigenden Arbeitsbelastung ist das freilich kaum drin. Und ich befürchte, das Problem ist eher hier zu verorten.

Und dann wird der ganze Unsinn deutlich, der da gerade läuft. Mir stellt sich das so dar:

Die EKD wollte mit ner coolen jungen Erwachsenen ihre Marke stärken. Quasi wie Coca Cola darstellen will, daß ihre Erfrischungsgetränke cool sind, damit sie gekauft werden.

Nur: Was verkauft die EKD? Eben, nichts. Und deshalb ist das ganze Konstrukt schief, und deshalb kann das so gar nicht funktionieren.

Und die Zukunft?

Was funktioniert ist, daß Personen, die über ihren je privaten eigenen Glauben reden, andere damit zum Weiterdenken anstoßen – im Guten wie im Schlechten. Aber das muß schon eigene Überzeugung sein, kein redaktionsgefolterter PR Text.

So gesehen war es richtig, daß Jana die Möglichkeit hatte zu sagen, was sie sagte.

Das Problem war halt nur, daß die EKD sich auf eine Person konzentriert hat. Das Problem ist ein Stück weit vielleicht auch, daß Menschen sich über die Ansichten anderer Menschen empören. Und das Problem ist, daß Jana (bisher?) die einzige Stimme war, die mit Segen der EKD von ihrem Glauben auf Youtube erzählte.

Begreift man das Ganze aber nicht als Markenkernstärkung, sondern als das was es ist: Reden vom Glauben – und setzt man die eigene Jugend in die Lage, über den eigenen Glauben zu reden, und greift man dann noch Wolfgangs Netzwerk-Idee aufgreift, dann könnte das echt ein Projekt mit einer gewissen Breitenwirkung werden.

Und das führt dann vielleicht wieder zu Fragen bei Jugendlichen, also weiteren Katechesegelegenheiten… und irgendwie denk ich jetzt grad an das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“…

Ihr versteht, was ich meine 😉

Gesellschaft, Kirche

Gemeinsames Wort der Kirchen in Baden, in Elsass-Lothringen und in der Pfalz zum Wahljahr 2017

Die evangelischen Kirchen in Baden, Elsaß-Lothringen und der Pfalz haben anläßlich der diesjährigen Wahlen in Frankreich und Deutschland foögendes gemeinsames Wort veröffentlicht:

Aufruf: Die Gesellschaft im Wahlkampf nicht spalten

Ein neues Jahr beginnt und es ist für uns der Anlass all unseren Gemeindegliedern, sowie den Bürgerinnen und Bürger der Grenzregion ein friedvolles und behütetes Neues Jahr zu wünschen.

In diesem Jahr finden in unseren Ländern Wahlen statt, im Frühjahr ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich, im September die Bundestagswahl in Deutschland.

Wir bitten Sie: Nutzen Sie die demokratische Freiheit in unseren Ländern! Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch und gehen Sie wählen!

Als evangelische Christinnen und Christen gedenken wir in diesem Jahr der Reformationsgeschichte, die vor 500 Jahren auch in unserer Region am Oberrhein ihren Anfang nahm. Drei Grundelemente unseres Glaubens sind uns in der politischen Auseinandersetzung besonders wichtig:

  1. Jeder Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverlierbare Würde; sie hat in den Menschenrechten eine rechtlich fassbare Form gefunden. Wir widersprechen deshalb allen Versuchen, Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken oder sie auszugrenzen.
  2. Jesus Christus stellt sich an die Seite der Schwachen, der Armen und der Fremden. Wir wollen ihm auf diesem Weg folgen und setzen uns deshalb in unseren Ländern und gemeinsam in Europa für Humanität, Solidarität und Nächstenliebe ein. Wir sehen uns als Christinnen und Christen in einer besonderen Verantwortung, auch weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.
  3. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Wir betrachten die Vielfalt der regionalen, nationalen, kulturellen und religiösen Traditionen als Herausforderung und als Reichtum unserer Länder und Europas. Nach dem zweiten Weltkrieg haben Christinnen und Christen einen wesentlichen Beitrag zur Versöhnung unserer beiden Länder geleistet. Das verstehen wir heute angesichts neuer Herausforderungen zu Versöhnung und Integration als Gabe und Aufgabe zugleich: Wir suchen den Dialog, gerade auch mit anderen Religionen und Weltanschauungen, wir tragen bei zu einer Kultur der Aufmerksamkeit und warnen vor Konzepten der Abgrenzung und vor nationalen Alleingängen.

Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger, alle Parteien und Gruppen, die Gesellschaft im Wahlkampf nicht zu spalten, sondern sachlich und fair miteinander umzugehen. Wir wehren uns gegen alle Versuche, um politischer Macht willen, Vorurteile und Hass gegen einzelne Menschen oder Gruppen zu säen.

Wir wachsen nur gemeinsam im Dialog und im gegenseitigen Respekt.

Weitere Informationen hier. Dort findet sich auch der französische Text.

Gesellschaft, Glaube, Kirche, Religion

Wort des Bischofs

Ich bin sicherlich nicht immer einer Meinung mit den Vertretern der Kirche von Rom. Homosexualität, Wiederverheiratung, Frauenordinaion, Amtsverständnis – zu gewissen Teilen auch Abtreibung – sind einige der Themen, die ich grundlegend anders sehe.

In der Flüchtlingskrise allerdings sprechen mir der Papast und seine Bischöfe immer mehr aus der Seele. Hier ein Beispielvon einem Vertreter, bei dem ich vor nicht langer Zeit nicht erwartet hätte, daß wir so nahe beieinander stehen.

Wer wie ich lieber Texte liest statt Videos guckt, sei hierher verwiesen.

Kirche

Wachstum

Bei miteinander.at hab ich ein Interview gelesen in dem es um die Frage geht, was Gemeinden wachsen, und was sie schrumpfen läßt. Nun bin ich weder Österreicher noch römisch-katholisch, aber die Probleme scheinen die gleichen zu sein. Nach der Firmung, bei uns nach der Konfirmation, gibt es meistens einen Abriß und man sieht die Leute nicht mehr.

Mit viel Glück sieht man sie bei der Hochzeit wieder und kann den verlorenen Kontakt wieder aufnehmen, und wenn Kinder kommen und getauft werden sollen, vertiefen. Nur gibt es inzwischen immer weniger kirchliche Trauungen, und getauft werden auch nicht mehr alle Kinder.

Ich will jetzt gar nicht so sehr auf das Interview eingehen, nur zwei Dinge erwähnen, die mir auffielen:

  1. Man geht davon aus, wie fast überall, daß Erfolg quantitativ meßbar ist.
  2. Man geht nicht mehr davon aus, daß dies unmittelbar geschehen kann, sondern stellt in Rechnung, daß manch gute Statistik über schwerwiegendere Probleme in anderen Bereichen hinwegtäuschen können.

Man merkt es vielleicht schon an der Wortwahl: Ich denke, wir sollten Abschied nehmen von dem Gedanken, kirchlichen Erfolg quantitativ feststellen zu können. Da passiert so viel im Verborgenen und über eine lange Zeit, da gibt es so viele Einflüsse, die man gar nicht alle überschauen kann. Sich dabei immer auf Zahlen zu konzentrieren – welche auch immer – würde meines Erachtens nach zu viele Kräfte binden, die man sinnvoller einsetzen könnte.

Man denke allein an die angedachte Erhebung zur Einstellung der Gefirmten nach einem Jahr. Was für ein Overhead! Was für eine Bindung von Kosten und Personal! Ich denke, man sollte nicht mehr Daten erheben, sondern vielleicht sogar weniger.

Was sagen mir Eintritts- und Austrittszahlen? Diese korrelieren oft mit entsprechenden Schlagzeilen bezüglich der Kirche. Gibt es wirklich jemanden, der schon einmal fruchtbar irgendwelche Konsequenzen aus diesen Zahlen abgeleitet hätte?

Ich denke, wir sollten als Kirche uns darauf konzentrieren, was unser Auftrag ist. Unser Auftrag ist nicht, Zahlen zu generieren. Unser Auftrag ist nicht, eine gewisse Füllung der Kirchengebäude zu erreichen am Sonntag.

Unser Auftrag als Kirche ist: Verkündigung und Sakramentenverwaltung. Alles andere folgt daraus, und zwar quasi automatisch. Diakonie oder Caritassind natürlich unverzichtbar für die Kirche. Aber nicht, weil wir das tun müssen, sondern weil es sich ergibt aus dem, was wir eigentlich tun.

Wo dies nicht der Fall ist, fällt unsere Verkündigung womöglich auf unfruchtbaren Boden. Wo sie aber auf fruchtbaren Boden fällt, können wir Strukturen anbieten, innerhalb derer caritativ-diakonisch gearbeitet werden kann. Strukturen, innerhalb derer man Gemeinschaft haben kann, innerhalb derer man sich überlegt, wie man die Welt zum Besseren verändern kann, als Gemeinschaft der Heiligen.

Aber Grundlage ist Verkündigung und Sakramentenverwaltung. Botschaft und Gemeinschaft.

Kirche, Politik

Vorratsdatenspeicherung und Berufsgeheimnisträger

Vor ein paar Wochen hatte ich bei verschiedenen Ministerien angefragt, ob und inwieweit ich als Vikar – und damit Berufsgeheimnisträger – vorsorgen muß, um diejenigen, die sich an mich wenden, zu schützen. Jetzt kam die Antwort per Post:

Antwort-Ministerium-anon

Antwort-Ministerium2Ich muß mich also um nix kümmern, weil Berufsgeheimnisträger wie alle anderen abgehört überwacht werden. Es darf dann halt bloß nicht benutzt werden. Es sei denn, die wissen es grad nicht, daß ich Berufsgeheimnisträger bin. Dann dürfen sie es aber nicht im Prozess benutzen, wenn sie was rausfinden.

In einem Land, in dem mal eben ein Journalist wegen Landesverrats verfolgt wird, weil er unbequeme Dinge veröffentlicht, bin ich zuversichtlich, daß hier kein Mißbrauch betrieben wird.

Zumal das Beichtgeheimnis nach meinem Verständnis nicht nur Strafverfolgung unmöglich machen soll, sondern eben auch jegliche Kenntnis des Besprochenen (sowie des Faktums des Gespräches selbst) durch andere als die am Gespräch beteiligten Personen unterbinden soll. Es geht da ja meist nicht um strafrechtliche relevante Dinge, sondern um sozial relevante Dinge. Dem Betroffenen hilft es kein Stück, wenn er nicht strafrechtlich verfolgt wird, sein Geheimnis aber doch offenbar gemacht wird.

Jetzt geht es bei der Vorratsdatenpeicherung Speicherpflicht und Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten nicht um Inhalte, sondern „nur“ um Verbindungsdaten. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl zurück…

Kirche

Der Auftrag der Kirche

Max Melzer macht sich im Urlaub Gedanken darüber, was Kirche von der Wirtschaft lernen kann und brachte mich so auf einen Gedanken, wie man vielleicht den Auftrag der Kirche formulieren könnte und dabei, so meine Hoffnung, recht sauber zwischen Amtskirche und Kirche als Gemeinschaft der Heiligen (unabhängig von formaler Kirchenzugehörigkeit) unterschieden könnte.

Wie wäre es, wenn wir die Amtskirche weitgehend als Infrastrukturbereitstellungsbehörde verstünden? Die Institution Kirche stellt Gebäude, und Fachpersonal zur Verfügung. Dieses Fachpersonal hat bestimmte Aufträge, also bei Pfarrern Verkündigung, Seelsorge, Sakramentsverwaltung etc, bei Kantoren Orgelspiel, Chöre etc, bei Diakonen z.B. Jugendarbeit, Seniorenarbeit, Katechese…

Sicher wird der Einsatz dieses Fachpersonals durch Presbyterien und Bezirkssynoden jeweils genauer umrissen, manches machen sie sicher auch aus eigenem Spaß. Hier hat man dann schon sowas Ähnliches wie bei google, wo die Leute einfach mal kreativ werden sollen und das Ganze dann fürs Unternehmen übernommen wird. Ich würde sagen, bei Kirchens gab es das schon lange, bevor sowas wie google auch nur gedacht werden konnte. Pfarrer zum Beispiel haben sich schon immer mit ihren eigenen Interessen und Schwerpunkten eingebracht, und zwar über den normalen Dienstauftrag hinaus (es fallen ja keine Sonntagsgottesdienste aus, weil der Pfarrer einen Blog betreibt). Das gleiche gilt für andere Hauptamtliche. Das, was google in seine Unternehmenskultur aufnehmen will ist das, was Kirche eigentlich schon drinne hat: Die besondere Bindung an den Arbeitgeber. Weder Diakon noch Gemeindesekretärin noch Kantor noch Küster noch Pfarrer noch… ist nur ein Job, da ist man (so kenne ich es zumindest) mit dem Herzblut dabei. Als ich bei Daimler am Band stand war klar: Um 14:30 oder 23:00 fällt der Hammer (je nach Schicht), und zwar so ziemlich im wörtlichen Sinne. Ebenso bei meinem Praktikum auf dem Bau. Sicher gab es hier und da auch Identifikation mit dem Arbeitgeber, aber sicher nicht in der Art, wie bei der Kirche, denn im Industriebetrieb arbeite ich vor allem, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Bei der Kirche arbeitet man aber eher, weil man dahinter steht.

Bei der Kirche fällt der Hammer bei weitem nicht so häufig zu einem bestimmten Zeitpunkt, was dann auch mehr Verantwortung für die Vorgesetzten bedeutet (ich hab im kirchlichen Rahmen schon öfter gehört, daß Vorgesetzte zu ihren Mitarbeitern sagten: Wenn Du frei hast, hast Du frei, da arbeitest Du nicht. In der freien Wirtschaft kann ich mir das kaum oder höchstens sehr sehr selten vorstellen).

Soweit also zur Institution Kirche als Infrastruktur. Was ist mit der Kirche als Gemeinschaft der Heiligen?

Zuerst zum Begriff der Heiligen: Ich meine damit jeden Gläubigen. Man kann von außen schwer erkennen, wer jetzt genau dazugehört, weilman nicht in die Köpfe der Menschen schauen können. Wovon ich aber einfach einmal ausgehe ist, daß es gläubige Menschen gibt, die durch ihren Glauben angetrieben werden, sich in der Kirche für ihre Mitmenschen zu engagieren. Ob es sich dabei um Eheseminare handelt oder die Mitarbeit in der Jugendarbeit, der Frauenhilfe oder der Ausdruckstanzgruppe ist dabei völlig unerheblich.

Es sind Menschen, die nicht hauptamtlich in der Kirche arbeiten, die aber durch ihren christlichen Glauben angetrieben sind, sich einzubringen, etwas zu tun. Und hier, so schreibt Max, ist das Geld oft knapp und er hat Recht. Geld ist sowieso so ein Problem, nie ist genug da, vor allem nicht, um alle Notstände in der Welt zu lösen. Dazu müssen wir Prioritäten setzen und zwar sowohl, was die Infrastruktur angeht (wie viele Gebäude halten wir vor, wie viele Fachkräfte stellen wir ein) als auch was die Förderung einzelner Gruppen angeht (hin und wieder soll es da ja auch Zuschüsse geben).

Ich würde jetzt dafür plädieren, vor allem Infrastruktur zu bezahlen und vorzuhalten, je nach absehbarem Bedarf, so daß die Ehrenamtlichen nur hingehen und machen müssen. Wenn es einen Gemeinderaum gibt und jemand, der ein Paarseminar machen will, dann los.

Wo es mehr Infrastruktur gibt als Bedarf ist, könnte man fragen ob das so sein muß oder ob man nicht Infrastruktur abbauen will. Wo es weniger Infrastruktur als Bedarf da ist, muß man einerseits eine Auswahl treffen oder zu Kompromissen kommen, und man sollte dringen darüber nachdenken, die Infrastruktur auszubauen.

Das Schaffen von Freiräumen, das Max fordert, sehe ich daher vor allem im Bereich der Infrastruktur. Die stellt die Kirche zur Verfügung, das Engagement hängt aber von den Gläubigen ab.

Das ist alles nichts Neues. Trotzdem denke ich, zwischen Bereitstellung der Infrastruktur und der Inanspruchnahme derInfrastruktur zu unterscheiden, könnte dabei helfen, sich Problemen strukturierter zu nähern.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, wie genau das Fachpersonal eingeordnet werden sollte. Es ist Infrastruktur, sofern es verwaltet und organisiert, und es gehört zum Engagement, insofern es eigene Ideen umsetzt. Da stellt sich danna uch gerade beim Gottesdienst die Frage: Bringt sich der Pfarrer ein, wenn er predigt, oder stellt er Infrastruktur zur Verfügung?

Was meint Ihr?

Gesellschaft, Glaube, Kirche

Nachhilfe in Nächstenliebe?

Im aktuellen Kirchenboten steht ein Kommentar von Charlotte Lisador, der auch online zu lesen ist. Sie befasst sich damit, wie in sozialen Medien immer wieder Einzelfälle aufgegriffen werden, um angebliche Allgemeinheiten zu verkünden. Etwa straffällige Migranten, die dann als Alibi für latenten Faschismus Hiergeborener herhalten müssen.

Was mich angesprochen hat, war der letzte Absatz ihres Textes:

Glücklicherweise sind die meisten, die sich an dieser eigentlich sinnlosen Debatte beteiligen, vernünftige Menschen, die sich gegen solche hirnlosen Parolen auflehnen. Doch sollten sich vor allem auch die Kirchen, die sich auf die Fahnen schreiben, für Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit einzutreten, am öffentlichen Diskurs der sozialen Medien stärker beteiligen. Vielleicht wäre das eine passende Aufgabe für die evangelische Jugend, die mit Facebook, Twitter und Co. ­vertraut ist und sich solchen Themen unmittelbar nähern kann. Nachhilfe in Sachen Toleranz und Nächstenliebe würde einigen Facebook-Nutzern ­sicher nicht schaden.

Mir schwebt da immer vor, daß man Fakten sammelt und diese Spinner widerlegt. Allerdings sind die oft beratungsresistent, und Fakten müssen ja auch erst einmal als solche anerkannt werden. Um das zu verhindern, gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien, auf die man zurückgreifen kann.

Aber von Widerlegungen oder dergleichen schreibt Frau Lisador auch nichts. Sie schreibt von Nachhilfe in Sachen Nächstenliebe. Und die geht nicht rein intellektuell, vor allem da, wo es offenbar keine intelligiblen Gründe sind, die den Ausländerhaß (nein, es sind keine verständlichen Bedenken unbescholtener Bürger, was wir die letzten Tage erlebt haben) verursachen.

Man müßte es schaffen, gleichzeitig die eigene Ablehnung gegen die dummen Parolen klar zu machen, und den Menschen zuzuhören um herauszufinden, wieso sie so denken, wie sie denken. Meine Vermutung ist, daß ganz reale Ängste dahinter stecken. Und dann muß man wohl versuchen, diese Ängste zu bearbeiten, und gleichzeitig dafür sorgen, daß die Leute gegenüber den Flüchtlingen empathiefähig werden.

Das wäre in der Tat eine Monsteraugabe nicht nur für die Evangelische Jugend, sondern für die Kirche insgesamt, zumal viele der Hetzer oder zumindest der Mitläufer selbst Kirchenglieder sein dürften.

Was meint Ihr? Wie stellt man so etwas auf die Beine? Wo fängt man an, in welche Richtung soll es dann gehen? Wie findet man Mitstreiter? Wie vernetzt man sich?

Kirche, Religion, Theologie

Predigt zu Mt 25, 14-30; 9. Sonntag nach Trinitatis

Lesungen:

Jer 1, 4-10:

Und des HERRN Wort geschah zu mir:
Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.
Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.
Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Phil 3, 7-14:

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.
Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne
und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.1
Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden,
damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
Das Ziel
Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.
Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist,
und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Predigttext:

Mt 25, 14-30:

Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;
dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort.
Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu.
Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu.
Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen.
Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.
Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen.
Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!
Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast;
und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.
Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe?
Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.
Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat.
Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden.
Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Liebe Gemeinde,

vor einigen Tagen sah ich im Internet ein Bild von einem Monopoly Spielbrett. Unter dem Bild stand:

Ihr spielt Monopoly. Ein Spieler bekommt am Anfang alles außer der Turmstraße, außerdem dazu noch 95% von der Bank. Von Euch wird erwartet, mit dem, was übrig ist, zu gewinnen. Natürlich verliert Ihr sofort. Warum? Es muß an Eurer Faulheit liegen!

Derartige Äußerungen hört man in den letzten Jahren öfter. Seit vor einigen Jahren die Bank Lehman Brothers pleite ging folgt eine Krise auf die nächste. Viele Menschen verloren ihre Arbeit, und irgendwo muß ein Schuldiger auszumachen sein. Natürlich sind es „die da oben“. Die mit dem Geld, die Banker, das eine Prozent – wie sich die Occupy Bewegung ausdrückte – die sollen schuld sein an der allgemeinen Misere.

Und die Misere ist durchaus mit Händen zu greifen, die Durchökonomisierung unserer Gesellschaft führt zu Veränderungen. Veränderungen, die durchaus auch ihre negativen Seiten haben.

Zum Beispiel die Grünstädter Innenstadt: Immer mehr Geschäfte verschwinden. Viele Läden stehen leer. Als ich hier her zog dachte ich noch: So schlimm ist das doch gar nicht. Ich komme aus Klingenmünster, die nächste Stadt dort ist Bergzabern – und Bergzabern ist, was das Aussterben der Innenstadt angeht, nach meinem Empfinden Grünstadt um einiges voraus. Überhaupt, das Aussterben der Innenstädte hatte ich unter „ist halt so“ abgelegt.

Und was will man auch tun? So ist das Gesetz des Marktes: Wer zu teuer ist oder nur ein kleines Angebot hat, wird auf lange Sicht nicht bestehen können. Also versucht man, den Preis zu drücken. Man geht raus aus der Stadt mit den vergleichsweise kleinen Ladenflächen und den vergleichsweise hohen Mieten. Man zahlt den Angestellten weniger, soweit es geht, oder man lässt sie mehr arbeiten. Das führt natürlich dazu, daß die Angestellten selbst genauer auf den Preis schauen müssen, was wieder die Geschäfte in der Innenstadt benachteiligt, und so weiter. Ein Teufelskreis!

Und am Ende ist es dann so, daß man, wenn man ab einem gewissen Alter nicht mehr so gut zu Fuß ist, keine geringen Probleme bekommt, die grundlegende Versorgung mit Lebensmitteln selbst hinzubekommen. Der Weg in die Supermärkte ist weit, und die Hitze kommt im Sommer noch erschwerend hinzu.

Ein weiteres Beispiel wären die Altenheime – und wieder gehören die Alten mit zu den Leidtragenden. Auch hier muß wirtschaftlich gearbeitet werden, was dazu führt, daß die Pflegekräfte immer weniger Zeit haben, sich um die Menschen zu kümmern, die sie pflegen sollen. Bezahlt wird nur die Pflegeleistung, nicht das freundliche Wort, nicht die Sorge um den Menschen als Menschen.

Dieses System der Wirtschaftlichkeit hat uns mit seiner Radikalität in weiten Teilen gefangen genommen. Manchmal frage ich mich, ob man nicht sogar von einem Götzendienst sprechen könnte, bei dem alles dem Gewinn, dem Mammon geopfert wird, in der Hoffnung auf eine wirtschaftliche gesicherte Zukunft.

Dieser Götzendienst ist für manche, meist in anderen Ländern, sogar ein tödliches System. Der Kostendruck sorgt dafür, daß weder die Sicherheit der Arbeiter noch der Schutz der Umwelt und damit die Gesundheit der Bevölkerung beachtet werden. Diamanten und seltene Erden für unsere Elektronik schüren bewaffnete Konflikte.

Bei uns sind die Auswirkungen nicht ganz so schlimm, aber auf jeden Fall spürbar. Und wer sich nicht einfügt, der fliegt raus. Wer keine Leistung bringt, nicht mit schwimmt, nicht verwertbar ist, der fällt durch und muß sehen, wo er bleibt.

Und dann erzählt Jesus ein Gleichnis vom Himmelreich. Nun wissen wir aus anderen Geschichten, daß Jesus ein Freund der Zöllner war und die Zöllner, das war die Geldelite in der damaligen Gesellschaft. Wen wundert es da, daß Jesus sich hier im Predigttext auf die Seite der Reichen schlägt:

Zwei passen ins System, bringen Leistung, handeln, machen Gewinn und werden am Ende gelobt. Welche Geschäfte sie machten, erfahren wir nicht. Auf wessen Kosten die Geschäfte gingen, ob vielleicht jemand seine Arbeit, seine Existenz verlor… nichts! Es interessiert offenbar nicht: Wichtig ist der Gewinn. Wie bei uns. Und dafür gibt es Lob.

Und dann ist da der dritte Knecht. Er war schon von Anfang an benachteiligt, bekam das wenigste Startkapital. Er macht keinen Verlust. Er bringt das anvertraute Geld auch nicht durch. Er nimmt es um vergräbt es in der Erde, damit es sicher ist. Und er ist am Ende der Dumme, der von seinem Herrn gerügt wird und raus fliegt.

So soll das also auch im Himmelreich sein: Wer nicht genug leistet, der fliegt raus. So wie in unserem jetzigen Leben. Wer keine Früchte bringt, der wird abgehauen und ausgerissen.

Es ist ein Unterschied zwischen keine Leistung und nicht genug Leistung. Es ist ja nicht so, daß die Ladenbesitzer in den Innenstädten nicht arbeiten würden, keine Leistung bringen würden. Es reicht halt bloß oft nicht, um mit den Geschäften im Industriegebiet oder den Internetshops konkurrieren zu können.

Der Knecht hier ist aber nicht wie einer der Ladenbesitzer, der schweren Herzens das Geschäft aufgeben muß. Der Knecht hat es nicht einmal versucht.

Dabei weiß er, als Knecht – Sklave würden wir heute sagen – ist es seine Aufgabe, seinem Herrn zu dienen. Und wenn man in dem Fall Geld erhält, um es zu verwalten, dann hat man es zu investieren und zu vermehren, so wie der Herr es tun würde.

Der Knecht tut es nicht, bringt es nicht einmal zur Bank. Er tut so, als hätte er nichts damit zu tun. Als hätte er nichts mit dem Reichtum seines Herrn zu tun, als würde er nicht selbst von diesem Reichtum leben, denn als Sklave bekommt er keinen Lohn. Geht es dem Herrn schlecht, geht es den Sklaven noch schlechter. Geht es dem Herrn gut, dann geht es auch den Sklaven besser. Dem Knecht ist das egal. Er ißt zwar das Brot seines Herrn, nimmt das Gute mit, für das seine Mitknechte arbeiten, tut aber selbst keinen Handschlag dazu. Er spricht zu seinem Herrn noch in famoser Selbstüberhebung davon, daß er ihm „das seine“ gibt. Als ob das vergrabene Geld, und nur das, der Eigentum des Herrn wär. Wenn ich das so lese höre ich da ein „hier, das reicht für dich, mehr brauchst du nicht“ heraus.

Der Knecht hat sich vollkommen heraus genommen aus seinem Umfeld. Er jagt keinem Zielpreis nach wie Paulus es im Philipperbrief beschreibt – das haben wir in der Lesung ja gerade gehört – , er steckt sich nicht nach „dem da vorne“ aus.

Die beiden anderen Knechte stehen ebenso unter dem Schutz ihres Herrn. Sie nehmen das aber nicht zum Anlaß, nichts mehr zu tun, sondern kommen ihren Aufgaben nach. Sie sehen nicht nur auf ihre eigene Person, sondern begreifen sich als Teil eines Ganzen, einer Gemeinschaft, für die sie nach Kräften arbeiten.

Auffällig ist, daß die beiden guten Knechte je 100% Rendite machen. Der mit den 5 Zentnern erwirtschaftet weitere 5, ebenso erwirtschaftete der, der 2 Zentner erhielt weitere 2. Das Himmelreich ist eine Sache von ganz oder gar nicht. Wer sich einbringt, der wird offenbar auch erfolgreich sein, egal, wie sein Startguthaben aussah.

Das griechische Wort, das hier mit Zentner übersetzt wurde, lautet übrigens talentäs, und wenn Ihr jetzt an das deutsche Wort Talent denkt, seid Ihr genau richtig.

Altenpflegerinnen haben heutzutage kaum Zeit, sich über die nötigsten Bedürfnisse hinaus um ihre Klienten – so nennt man die Bewohner des Altenheims, auch ein Zeichen für die Durchökonomisierung der Gesellschaft – zu kümmern, aber sie schaffen es immer wieder, es trotzdem irgendwie zu tun, was natürlich auf ihre eigenen Kosten geht.

Und sicher gibt es auch einige Manager, die trotz Kostendruck und Konkurrenzkampf sich dafür einsetzen, daß die Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern – und auch bei uns – verbessert werden, wenn sie auch nur kleine Schritte machen können, wegen der Zwänge des Mammonsystems. Aber auch wenn sie kleine Schritte machen, weil sie nur wenige Talente bekommen haben, setzen sie diese doch ein für die Gesellschaft, für die Menschen, für die Kinder Gottes.

Jeremia schätzt sein Talent als Prophet als nicht sehr hoch ein. Er sei zu jung meint er, als er von Gott berufen wird. Letztlich läßt er sich überzeugen, aber stellt Euch vor, Jeremia hätte sein eines Talent auch einfach vergraben…

Gott hat uns mit vielen Talenten ausgestattet. Einer kann singen, der andere ist technisch begabt und wieder jemand anders kennt sich mit Handarbeit aus. Diese Talente sind uns nicht nur zum Zeitvertreib gegeben. Es sind unsere Silberzentner, mit denen wir wuchern können, zum Nutzen aller.

Und wenn wir das tun, wenn wir so wie die Knechte mit unseren Talenten zum Wohle der Gemeinschaft und im Sinne unseres Herren handeln, dann werden wir erfolgreich sein, dann werden wir die Fülle haben, dann sind wir wirklich reich, und der Mammon, der uns Reichtum nur vorgaukelt und uns in seinen Notwendigkeiten gefangen nimmt, kann einpacken.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Kirche, Kirche & Web 2.0

Predigtvorbesprechung?

Ich habs glaub ich schonmal geschrieben, ich bin inzwischen kein Student mehr, sondern im Vikariat. Und als Vikar lernt man das notwendige Handwerkszeug, das ein Pfarrer so braucht, dazu gehört auch das Predigen.

Im letzten Kurs im Predigerseminar kam das Gespräch auch auf Predigtvorgespräche. Also Treffen von Pfarrern während der Woche, die sich über den anstehenden Predigttext austauschen. Ich weiß nicht, ob es das in der Praxis heute noch so gibt, aber als wir uns im Kurs über unsere ersten Predigttexte ausgetauscht haben, empfand ich das als sehr hilfreich.

Meine Gedanke war, daß solche Gespräche vielleicht wegen der zeitlichen Auslastung der Pfarrer seltener geworden sein können. Dazu kommt, daß man vielleicht auch nicht mit allen Kollegen so gut „kann“, bei manchen stimmt die Chemie, bei anderen nicht. Und wenn diejenigen, die miteinander „können“ zu weit auseinander wohnen, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit für so ein Gespräch umso mehr.

Geht das denn nicht übers Internet? Das war mein nächster Gedanke. Ich vermute, ja. Die Frage ist aber: Wie?

Mir schwebt eine Art Portal vor, auf dem sich einerseits Pfarrer zum gemeinsamen Gespräch in privaten und öffentlichen Gruppen treffen können, um Ideen für die anstehende Sonntagspredigt auszutauschen.

Private Gruppen deshalb, weil Foren mit zu vielen Teilnehmern schnell unübersichtlich werden können und der Austausch für diejenigen mit weniger Zeit dadurcheinfach nicht mehr klappt.

Öffentliche Foren deshalb, weil ich denke, daß trotz aller Kleingruppen auch ein Austausch im Großen nochmal neue Ideen bringen kann.

Außerdem könnten Nichttheologen ihre Ansichten, Probleme oder Fragen zu den entsprechenden Perikopen vorbringen, entweder im öffentlichen Forum oder in einem extra Forum. So könnten Prediger, die Schwierigkeiten haben, sich in die Gemeinde hineinzuversetzen, eine weitere Hilfestellung bekommen.

Schlußendlich wäre auch die Möglichkeit, die fertigen Predigten zu veröffentlichen  sicher nicht verkehrt.

So in etwa denke ich mir das. Allerdings kenne ich keine Software, mit der sich das leicht umsetzen ließe. Man bräuchte wohl ein Mittelding zwischen Forum und Blog, vielleicht noch mit nem Wiki dabei, um all das zu erreichen.

Doch wenn die Grundstruktur erst einmal stünde, könnte man es leicht erweitern, etwa um alternative Perikopenreihen.

Was haltet Ihr von der Idee? Am Bedarf vorbei? Gut, aber schlecht umzusetzen? Besser doch alles per E-Mail? Oder kennt Ihr gar eine Software, mit der sich das leicht umsetzen ließe?

Glaube, Kirche, Religion, Theologie

Oh Osterhas‘, oh Osterhas‘, wie lang sind deine Ohren!

Hast Du Dich auch schon einml darüber gewundert? Es gibt jede Menge Kinderlieder zu Weihnachten, und man kann von vielen zumindest die erste Strophe auswendig mitsingen.

Jedenfalls geht mir das so. Ich bin seit Oktober als Vikr in der Grundschule und erlebe zum ersten Mal seit Jahren wieder viel bewußter die Vorweihnachtszeit. Im Studium war anderes wichtiger, der Alltagsstreß hatte mich, Weihnachten kam ganz plötzlich, nämlich wenn ich gegen den 24. nach Hause zu meinen Eltern fuhr, und war dann nach ein paar Tagen auch wieder um.

Das Vikariat ist nicht unbedingt unstressiger als das Studium, aber man ht von Berufs Wegen mehr mit Weihnachten zu tun. In der Grundschule basteln wir seit Ende November Weihnachtsschmuck und singen Weihnachtslieder.

Vor Jahren, ich war wohl selbst fast noch ein Kind, stellte ich mir die Frage schon einmal: Wieso gibt es so viele Weihnachtslieder, aber kein einziges Osterlied?

Raphael [Public domain], via Wikimedia Commons

Halt! werden einige sagen: Osterlieder gibt es doch! Man braucht nur ins Gesangbuch zu gucken. Das stimmt, aber die meine ich nicht. Mir geht es um Kinderlieder, und kein Kind singt „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Christ ist erstanden“ (Kinder singen auch selten „Macht hoch die Tür“ oder „Tochter Zion“).

Ich meine Lieder von der Art wie „Stille Nacht“ oder „Süßer die Glocken“ oder „Vom Himmel hoch“. Stimmt, manche davon sind unglaublich verkitscht und haben vielleicht mehr mit einem Harmoniesuchenden Bürgertum zu tun als mit der Geburt des Herrn der Welt, aber es gibt auch welche, die recht kitschlos daherkommen.

Bei Ostern gibt es das alles nicht, geschweige denn bei Pfingsten oder Karfreitag.

Liegt darin vielleicht der Grund, daß Weihnachten als so viel wichtiger als die eigentlich wichtigen christlichen Feste wahrgenommen wird? Hält man Karfreitag, Ostern udn Pfingten für zu kompliziert, um dafür Kinderlieder zu schreiben? Oder zu wichtig, als daß man sie Kinderreimen aussetzen wollte? Oder – im Falle von Karfreitag – für zu brutal?

Kann vielleicht in der Dichtung von geeigneten Oster- und Pfingstliedern eine missionarische Chance liegen?

Man müßte es vielleicht wirklich darauf ankommen lassen. Wenn ich nur eine Begabung auf dem Feld hätte, ich komm nur auf sowas:

…hurra, hurra, Jesus ist wieder da…

…erst wurd Er tot ins Grab gelegt, jetzt ist der Stein hinweggefegt…

…sie wollten Ihn besiegen, doch blieb Er nicht liegen, stand auf am dritten Tage, Jesus Christus der Starke…

…lies sich auslachen und bespucken, das konnte Ihn nicht jucken, ertrug Folter und Kerker, den Christus war stärker…

… die Schwachen verteilen Hiebe, doch viel stärker ist die Liebe…

Hat jemand von Euch weitergehende Ideen?