Kirche & Web 2.0

Es läßt mich ja nicht los…

… diese ganze Kirche und Internet Geschichte. Zu vier Ansätzen, vielleicht möglichen Projekten, möchte ich nochmal meinen Senf geben. Es sind dies

  • die von Alexander Ebel angeregte Neue Atheisten FAQ,
  • das angeregte freie Gesangbuch
    (irgendwie fänd ich Open Xangbuch als Projekttitel lustig, aber das ist vielleicht nur für Pfälzer sofort verständlich),
  • ein Gedanken zur Onlinegottesdiensttechnik,
  • schließlich möchte ich die Frage anreißen, ob und wie Real-Life Kircheninstitutionen im Netz vertreten sein müssen/sollen.

Atheisten-FAQ

Alexander Ebel hat seine Folien vom Vortrag zu den Neuen Atheisten online gestellt:

Auf Folie 8 schlägt er verschiedenes vor: Neben einem koordinierten apologetischen Handeln in der Social Media unter anderen auch ein Wiki oder eine FAQ mit den Klischees der Neuen Atheisten und einer Entgegnung darauf, die das Ganze ins rechte Licht rücken soll. Im Teil zwei seines Rückblicks auf das Barcamp spricht er auch von einem Buch.

Auch wenn das Buch gemeinsam geschrieben werden könnte denke ich doch, daß es nicht der primäre Präsentationsmodus sein sollte für die Entgegnung auf die Klischees.

Ich denke, daß hier eine Knappe aber präzise Darstellung besser geeignet wäre, zumindest zur Präsentation für ein größeres Punlikum. Wenige Menschen wollen gerne lange Texte durchlesen. Das muß jedoch nicht gegen ein Buch sprechen, das aus der Arbeit ebenso hervorgehen kann.

Eine derartige Homepage könnte auch unterstützend wirken bei einem koordinierten Handeln in der Social Media, man müßte nicht immer wieder das Gleiche erklären, sondern könnte zumindest für die plattesten Vorwürfe und Klischees auf die FAQ verweisen.

Möglicherweise könnte man es auch so einrichten, daß auf der Seite der FAQ die Möglichkeit zum Kommentieren gegeben ist. So kann man neue Vorwürfe und Klischees die dort auftauchen gleich mit aufnehmen. Es wäre darüber hinaus die Möglichkeit gegeben, überhaupt ins Gespräch zu kommen mit Menschen, die sich ne eigene Meinung bilden wollen.

Es gäbe dann natürlich die Frage, wer überhaupt zu den Autoren gehören soll, wie man gleichzeitig offen ist und für ne gewisse Qualität sorgt. Ich kann mir vorstellen, daß ein Autorenteam mit verschiedenen Frömmigkeitshintergründen bei der Apologie durchaus verschiedene Wege gehen würde.

Open Xangbuch

Im schon genannten Artikel von Alexander Ebel reißt er auch das Thema Copyright und Online-Gottesdienst an. Viele Liedtexte unterliegen dem Urheberschutz und es dürfte mindestens fraglich sein, inwieweit ihre Benutzung bei Internet-Gottesdiensten (wie auch immer diese gestaltet sein sollten) eine Urheberrechtsverletzung darstellen.

Alexander Ebel verweißt auf das Weihnachtsliederheft der Musikpiraten und regt an, wie auch bei der Offenen Bibel ne freie Variante des Gesangbuches zu schaffen, durch Sammlung und Neusetzung der schon gemeinfreien Lieder. Ein Problem stellt sicherlich dar, daß es durchaus nicht einfach ist zu entscheiden, in welcher Text- und Satzversion ein Lied nun frei ist oder nicht. Es gab ja auch bei alten Liedern über die Jahre immer wieder Veränderungen am Text und auch der Melodie. Hier müßte man sehr aufpassen, weshalb ich dafür plädieren würde, wenn sowas umgesetzt wird, bei jeder Ablieferung auch eine Angabe zu machen, warum man das Werk für allgemeinfrei hält. So könnte es nochmals überprüft werden.

Ansonsten wäre es vielleicht auch sinnvoll, Texte und Melodien (die ja oft von unterschiedlichen Autoren stammen) getrennt zu sammeln. So könnten auch Neudichtungen und -kompositionen mit aufgenommen werden. Bei Bonhoeffers „Von guten Mächten“ ist es zum Beipspiel so, daß in 4 Jahren der Text frei wird (wenn ich die 70 Jahre Regel richtig verstanden habe), die Musik ist jedoch jünger. Will man den Text also singen, braucht man eine neue Melodie, wenn man nicht auf geschützte Kompositionen zurückgreifen will oder kann…

Teamspeak-Gemeindegesang?

Jetzt mal angenommen, man hat ein gemeinfreies Gesangbuch und will nen Gottesdienst online feiern: Sitzt jeder singend vor seinem Rechner und das war’s? Oder gibt es die Möglichkeit, bzw wäre es sinnvoll, einander auch zu hören?

Auf dem Blog von Michael Blume les ich immer wieder davon, daß Religiosität und Musikalität korrelieren. Das macht auf jeden Fall für mich Sinn. Gottesdienst ganz ohne Musik kann ich mir schlecht vorstellen, die Frage ist nur: Ist es möglich und wenn ja: Wie?

Man bräuchte wohl einen gemeinsamen Audiokanal. Irgendwie kam ich dabei auf Teamspeak. Das ist ein Server, über den mehrere Menschen gleichzeitig übers Netz miteinander reden können (Gamer benutzen das beispielsweise beim Spielen in Teams, aber wahrscheinlich kennt sich da eh jeder besser aus als ich).

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, für wie viele Leute so ein Teamspeak Kanal ausgelegt ist oder sein kann: Was passiert, wenn man mal einen Online-Gottesdienst von sagen wir 30 Leuten haben, und die jetzt gemeinsam „Ein feste Burg“ (tolles Lied!) singen wollen.

Wahrscheinlich wird der Service ab einer bestimmten Anzahl an Teilnehmern in die Knie gehen. Ich befürchte, man wird nur eine sehr kleine Anzahl an Leuten zusammenkriegen können. Leider bin ich aus der IT schon zu lange weg (und hatte damals wenig Ahnung) um sagen zu können, ob eine verteilte Softwarearchitektur hier helfen könnte.

Ein weiteres Problem wären die Latenzzeiten, wobei die auch ganz extrem beim Kirchentag am Abschlußgottesdienst auftreten. Zumindest dort scheinen sie weniger ein Problem zu sein (auch wenn es irritiert, daß die vorne schneller mit dem Lied fertig sind).

Landeskirche bei Facebook etc.

Als Nichtteilnehmer ist das Thema aus meiner Sicht nur ein Randthema gewesen. Trotzdem will ich ein paar Worte dazu loswerden. Die Frage war, inwieweit Kirchengemeinden, Dekanate, die Landeskirche an sich etc sich bei Facebook oder sonstigen Diensten vernetzen soll.

Ich bin da etwas krass, mag sein, aber mein Ansatz wäre: Gar nicht nutzen!

Prämissen

Ich gehe dabei von folgendem aus: Wir, also jeder einzelne von uns zusammen mit den anderen, sind die Kirche. Die Ortsgemeinde, die Landeskirche, oder was auch immer so an Institution im Real Life existiert, ist nicht Kirche an sich, sondern eine Organisationsform von Kirche, eben für das Umfeld vor Ort.

Sie IST aber an sich nicht Kirche, jedenfalls nicht über ihre einzelnen Glieder hinaus. Wenn nun die einzelnen Kirchenglieder bei Facebook sind oder bei sonstigen sozialen Diensten, so kann es dort sicher auch zu organisatorischen Formen von Kirchesein kommen. Wieso auch nicht?

Was geht

Aber ich denke, das ist nichts, wo die verfaßte Landeskirche oder ihre Gemeinden etc. viel mit zu tun hätten. Sie können das Internet durchaus nutzen: Als Medium zur Kommunikation und Information. Etwa durch Zugänglichmachung von Arbeitsbereichen, Pressemeldungen und was es sonst noch so gibt auf Gemeinde- oder Landeskirchenseite. Es ist durchaus auch möglich, daß man sich des Internets bedient, um ein Feedback der Gemeindeglieder zu bestimmten Themen zu bekommen. Aber ich denke, dazu gibt es die jeweilige Internetpräsenz der jeweiligen Institution.

Die sozialen Netzwerke

In den sozialen Netzen, so scheint mir, geschieht Vernetzung von Menschen mit gleichen Interessen. Diese Vernetzung ist auf Augenhöhe, ein Landeskirchenprofil wäre also nicht das Dach unter dem alles geschieht, sondern ein gleichberechtigter Teilnehmer am Geschehen. Nur hat dieser Teilnehmer an sich keine Substanz, da er nicht echt ist, keine Person dahinter steht.

Natürlich gibt es eine Person, die zuständig ist für das Profil, die Freunde anklickt (nach welchen Kriterien eigentlich?) oder bestätigt. Aber zu welchem Zweck? Sie wird nicht mehr tun können, als das, was sie auch auf der normalen Internetpräsenz kann. Ja eigentlich kann sie bei Facebook viel weniger tun. Dagegen gehört ihr bei der eigenen Präsenz der Server selbst und sie wird nur durch die Technik begrenzt.

Jedenfalls wäre es nach meiner Meinung sinnvoller, wenn der betreffende landeskirchliche Mitarbeiter sich selbst in solchen Diensten vernetzt. Meinetwegen mit einem vom Privatprofil getrennten dienstlichen Profil. So kann er da dann teilnehmen, wenn er will, und auch sich selbst einbringen. Er müßte sich dann auch nicht als Vertreter der Kirche fühlen, sondern eben als Kirchenglied XY. Wie alle anderen auch.

Oder kurz: Landeskirchliche Einrichtungen sind – wie Facebook-Seiten – Struktur für kirchliches Leben im jeweiligen Umfeld. Und die Struktur wird durch die Kirchenglieder geschaffen. Im RL ist es die Landeskirche, in sozialen Onlinenetzen sind es andere Formen. Wobei natürlich die Landeskirchen weiterhin prägend bleiben. Kein Mensch lebt nur online. Aber wo es verständlich ist, daß ein Greifswalder nicht jeden Sonntag in nen Lörracher Gottesdienst geht, wegen der Entfernung, ist es nicht mehr ganz so begreiflich, warum dies noch eine Rolle spielen soll, wenn es um ein kirchliches Onlineangebot geht. Denn da ist der Weg nicht weiter als für jeden sonst auch.

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Ewiger Lobpreis

Die Idee mit der Twitterwall hat mich nicht losgelassen. Für alle, die den gestrigen Artikel nicht gelesen haben kurz zusammengefasst:

Man denke sich einen Hashtag aus für Lobpreis, und mache den nach und nach in der weltweiten (twitternden) Christentheit bekannt. Wenn jetzt die Leute, wenn ihnen gerade danach ist, nen kurzen Lobpreistext mit dem entsprechenden Hashtag in Twitter eingeben, kann man über ne Twitterwall das Ganze als ewiger Lobpreis abbilden, sichtbar machen.

Das hätte womöglich auch ökumenische Auswirkungen. Im Loben Gottes dürfte es nicht zu zu viel Streit zwischen den Konfessionen kommen, ist ja kein Sakrament. Da wir Christen ziemlich zahlreich sind und rund um den Erdball verstreut, dürfte es durchaus möglich sein, einen ständigen Strom von kurzen Dankgebeten oder Hymnen zu erzeugen, ohne viel Organisation in der Art, Leute inezuteilen für gewisse Schichten. Die Idee ist vielmehr, das jeder lediglich wenn er grad bei twitter eingelogt ist und ihm nach Lobpreis ist, das dann tut. Bei entsprechender Bekanntheit dürfte das für den Gebetsstrom ausreichen, wie gesagt, wir sind ziemlich zahlreich.

Inzwischen stell ich mir Fragen zur praktischen Umsetzung. Eigentlich ist es nur eine Idee, die verbreitet werden und auf Gegenliebe treffen muß. Eine tatsächliche Homepage muß nicht nötig sein. Jeder kann sich selbst ne entsprechende Twitterwall bauen, es gibt da ja genügend kostenlose Möglichkeiten im Netz (mir ist noch nicht ganz klar, wie man sowas machen würde, wenn man es selbst bauen wollte, ich denke aber die Antwort ist in der Twitter API zu finden).

Was aber festgelegt werden muß, ist ein Hashtag. Ich hab mal nach #praise gesucht, das wird wohl im Angelsächsischen Raum jetzt schon häufig benutzt für kurze Lobpreistexte, auch #ptl für „Praise the Lord“ kommt recht häufig vor.

Ich denke, die beiden sind durchaus verwendbar. Gerade #ptl ist auch schön kurz. Stellt sich nun die Frage, wie man das Ganze bekannt macht. Dazu bräuchte man wahrscheinlich doch wieder eine Homepage mit Erklärung der Aktion in mehreren Sprachen und ner exemplarischen Twitterwall.

Dann stellt sich noch die Frage, inwieweit man andere Dineste einbeziehen kann: Kurznachrichten bei Facebook, Myspace, den verschiedenen VZ-Netzwerken, Wer-kennt-Wen und wie sie alle heißen. Dazu müßte man sich wohl selbst ne Seite bauen (und erst mal rausfinden, ob und wie das technisch machbar ist).

Der Artikel hier soll dazu dienen, die ganze Sache ienmal tiefer zu durchdenken. In der Hoffnung, daß hier der ein- oder andere mitliest und seine Meinung dazu sagt, zur Idee an sich, zu technischen Fragen oder was auch immer. Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, ne Sache ins Rollen zu bringen, die in etwa dem entspricht:

As o’er each continent and island
The dawn leads on another day,
The voice of prayer is never silent,
Nor dies the strain of praise away.

The sun that bids us rest is waking
Our brethren ’neath the western sky,
And hour by hour fresh lips are making
Thy wondrous doings heard on high.

PS: Das gleiche könnte man dann nochmal mit Fürbitten durchführen. Möglicher Hashtag wäre vielleicht #eleison.

UPDATE:

Nachdem ich jetzt bei tweetwally.com ne Wall mit dem Tag #ptl angelegt habe, hab ich das ganze auch mal auf Pageflakes abgebildet. Das Schöne bei tweetwally ist, man kann einen Text dazu schreiben, um das Ganze zu erklären (der ist mir inzwischen aber auch schon zu lange geraten, muß demnächst gekürzt werden) und man kriegt seine eigene Url, also die Subdomain kann man wählen. Auf Pageflakes hab ich das ganz einfach per iframe eingebunden. Wenn jemand sowas ähnliches machen will af seinem Blog oder sonstiger Seite, dann wäre hier etwas html:

<iframe frameborder="0" width="500" height="600" src="http://eternalpraise.tweetwally.com/embed" target="_blank" align="center" scrolling="Auto"></iframe>

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Neid

… daß ich nicht dabei sein konnte. Aber nicht so viel, vor allem Interesse daran, was da jetzt rumkommt. Also so an Ideen. Mir kam auch eine, mehr dazu weiter unten.

Um was geht’s? Natürlich um das Barcamp Kirche 2.0 am letzten Wochenende. Um jetzt nicht wie der Blinde von der Farbe zu sprechen über ein Treffen, zu dem ich nicht hingekommen bin, hier einfach mal ne Liste mit Beiträgen zum Thema:

Wahrscheinlich gibt es inzwischen schon wieder einige neue Berichte, die ich noch nicht gesehen habe. Wie immer gilt, ich schreib sie gerne noch rein, wenn ich se find oder mir jemand was sagt.

Nachdem ich das alles gelesen habe, und eigentlich auch schon vorher, kommen mir so einige Gedanken, die ich jetzt ganz unsortiert mitteilen will.

Sakramente

Heiko Kuschel hat in seinem Blogartikel geschrieben, daß Sakramente im Twittergottesdienst nicht gehen. Ich hatte mir da schon einmal ähnliche Gedanken gemacht, aber damals schon zumindest für das Abendmahl eingeschränkt. Und inzwischen stellt sich mir die Frage etwas deutlicher:

Was spricht dagegen, wenn jeder Brot und Wein zur Hand hat, der Segen via Twitter gesprochen wird, und man dann gleichzeitig, freilich ohne einander zu sehen, erst Brot ißt, dann Wein trinkt?

Ich bin mir ehrlich gesagt unsicher, hab auch meine Vorbehalte, kann sie aber nicht wirklich in Worte fassen, so daß ich mich frage, ob es wirklich einen Grund gibt.

Bei der Taufe bin ich freilich ebenfalls der Meinung, daß das nicht über’s Netz geht. Schon alleine, weil man über’s Netz kein Wasser übertragen kann…

Lobpreis

Vor gar nicht langer Zeit hab ich mich ja zu youtube und Verkündigung geäußert. Nun drängt sich mir immer mehr af: Twitter ist DAS Medium für Lobpreis. Seit meinem ersten Artikel zum Thema Gottesdienst und Internet hab ich mich immer wieder nach dem Gemeindegesang gefragt, und ob das überhapt geht über das Netz. Irgendwie stell ich es mir komisch vor, vorm Rechner zu sitzen und Ein feste Burg zu schmettern.

Aber wenn man das Ganze elementarisiert, dann kommt man vom Gemeindegesang schnell zu dem Wörtchen Lobpreis. Und das geht auch ohne Gesang, das geht auch zum Beispiel per Text. Und das Tolle dabei ist, solche Texte können recht kurz sein. Psalm 117 paßt beispielsweise komplett in einen Tweet.

Fürbitten

Ehrlich gesagt ich gehör zu den Leuten, die sich nie trauen, freie Fürbitten zu sprechen. Muß ich mir wohl noch angewöhnen, bis das Studium um ist. Wie dem auch sei, gibt es viele Menschen, die das können. Und mit der Anonymität des Netzes fällt vielleicht auch ein wenig die Scheu davor, im Mittelpunkt zu stehen.

Daher denke ich, daß Fürbitten ebenfalls, und zwar vor allem in der freien Form, wunderbar zu twitter passen können. Fürbitten können auch oft sehr kurz und prägnant formuliert werden, so könnten dann mehrere Menschen über Twitter an der entsprechenden Stelle im Gottesdienst ihre Fürbitt-Tweets absenden, die dann von der Gemeinde auf der Twitterwand verfolgt werden können.

Fragmentarisieren?

Bei all den Möglichkeiten drängt sich mir jetzt ein Gedanke auf: So gut die einzelnen Elemente für die einzelnen Bedürfnisse geeignet sein sollten, ist es sinnvoll und pragmatisch, sie zu einem Gottesdienst zu integrieren? Wenn ich jetzt meinen Computer anmache und merke, da läuft grad ein Gottesdinest auf Twitter, und ich will nen Lobpreis oder ne Fürbitte formlieren, kann es passieren, daß der Gottesdienst bis ich den Tweet abgesetzt hab, schon weiter ist. Und der Tweet stört dann einfach, weil er am falschen Platz ist. Auch dauert es je nach Internetverbindung eine Weile, falls die Predigt bei yotube als Video vorliegt, bis alle Teilnehmer dahin umgeschaltet haben, oder bis das Video geladen hat. Ich kenn einige Gegenden, da kann man das mit dem Video sowieso gleich ganz vergessen, da gibt es noch kein DSL.

Aber wer sagt denn, daß ein Gottesdienst immer aus Lobpreis, Gebet, Predigt etc bestehen muß? Predigten kann man auch so lesen, in Büchern oder im Netz, wo es Archive gibt. Man kann auch so beten, oder Gott preisen (auch wenn es selten vorkommen sollte).

Mein Gedanke geht weg vom Paradigma des Sonntagsgottesdienstes, hin zu Frömmigkeitsformen. Per twitter kann man im stillen Kämmerlein beten, und trotzdem Teil der weltweiten Kirche sein. Man kann, wenn man die Zeit dafür hat, sich eine Predigt ansehen, anhören oder lesen. Und auch wenn nicht eine geschlossene Gruppe gemeinsam zu einem Zeitpunkt vorm Computer sitzt und das Gleiche tut, kann Gemeinschaft entstehen, oder englisch: community.

Community

Nehmen wir das Paradigma der Predigt aufm Blog. Ein Prediger schreibt seine Predigt und stellt sie af sienen Blog, für alle Welt zu lesen. Und unter Umständen dauert es nicht lange, bis sich die ersten Kommentatoren melden. Hier ist die Gelegenheit gegeben, die Themen der Predigt mit Interessierten zu besprechen, und meist kommt doch eine gehaltvollere Rückmeldung als „schöne Predigt, Herr Pfarrer“, die zwar lieb gemeint ist, aber unter mständen mehr über das soziale Ranking des Pfarrers im Dorf als über die Qualität der Predigt sagt.

Oft ist es so, daß sich um einen Blog eine gewisse Gruppe von Menschen sammelt, die da immer mal wieder lesen, und auch kommentieren. So ist man offene Gemeinschaft im Austausch über den Glauben.

Ähnlich ist es möglich bei youtube- Videos oder ähnlichen Videoportalen: Auch hier kann kommentiert werden, auch hier können sich Gemeinschaften um einen Channel bilden.

Problem dabei sind Spammer und Trolle, und man wird unter Umständen Wege entwickeln müssen, seine Gemeinschaft vor ihnen zu schützen.

Auch bei Fürbitten oder Lobpreis kann Gemeinschaft entstehen, wenn auch vielleicht viel diffuser als beim Predigtblog oder youtube Channel:

Denkbar wäre vielleicht, daß man einen Hashtag etabliert je für Fürbitten und Lobpreis. Man könnte für jeden eine Twitterwall errichten, und so Kontakt zur Gemeinschaft bekommen. Etwa, indem man sich die Fürbittenwand ansieht, und für sich allein im Kämmerchen mitbetet. Oder einfach seine eigene Fürbitte absendet in der Gewißheit, Mitbeter zu finden. Ebenso beim Lobpreis kann man mitlesen, oder auch selbst mitmachen oder beides. Idealiter wären die Hashtags international verbreitet und es käme zur ewigen Fürbitte und ewigem Lobpreis in allen möglichen Sprachen, aber einheitlichen Hashtags. Das wäre doch einmal etwas für die Ökumene!

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Youtube und die Verkündigung

Youtube erreicht mehr Menschen als die Sonntagspredigt, titelt idea. Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, inwieweit die Rechnung stimmt – es gehen ja immer noch recht viele Menschen in die Kirche, und wenn das genannte youtube-Weihnachtsvideo in Konkurrenz treten muß zu den Weihnachtsgottesdiensten, könnte es tatsächlich eng werden mit dem Vorsprung in der Wirkweite – ist es doch eine interessante Frage, ob und wie sich videoportale für die Verkündigng nutzen lassen.

Der Vorteil gegenüber der Gottesdienstübertragung sonntags af dem ZDF oder dem Wort zum Sonntag der ARD und auch anderen Fernsehangeboten wäre, daß sich eigentlich jeder, der Zeit und Lust hat, sich dranzumachen, ein entsprechendes Video einstellen kann. Auch für ganz andere Zielgruppen als die entsprechenden Fernsehformate.

Auch die Funktion wäre eine etwas andere, zmindest anders als beim Fernsehgottesdienst, denn mir scheint, daß sich über youtube vor allem Verkündigung, also Predigt, realisieren ließe. Das kann dann in allen möglichen Formen stattfinden und muß nicht an die Kanzelrede in der Kirche erinnern, deren Paradigma ja auch beim Wort zum Sonntag zum Zuge kommt, wenn auch ohne Kanzel und teilweise sogar außerhalb des Studios. Verkündigung bei yotube kann auch aussehen wie eine Dokumentation von Guido Knopp über die Goldfische Hitlers, oder noch andere Formen annehmen.

Mehr als die Verkündigung kann yotube meines Erachtens nach nicht leisten, zumindest nicht diejenigen Gottesdienstteile wie Gebet, Lobpreis oder gar die Sakramente. Darüber hatte ich auch schon mehrmals geschrieben.

Allerdings sehe ich es durchaus so, daß eine Unterstützng der Verkündigng durch youtube eine gute Möglichkeit wäre, das Evangelium auch wieder außerhalb des kirchlichen Ghettos zu verbreiten. Vor allem zwingt youtube quasi dazu, sich an die alte Regel zu halten: „Man kann über alles predigen, nur nicht über 20 Minuten.“

Und noch einen Vorteil gäbe es: Im Gegensatz zur Sonntagspredigt gibt es bei youtube sehr schnell Rückmeldungen, die sich nicht auf ein „schöne Predigt Herr Pfarrer“ beschränken. Hier besteht viel eehr die Möglichkeit, über den Inhalt auch ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Jetzt brachen wir nur noch genügend technikaffine Pfarrer, die medienpädagogisch und handwerklich in der Lage sind, gute Videos zu produzieren und dann auch noch die Kommentare betreen können. Nach allem, was man so aus der pfarrämtlichen Alltagspraxis hört, gibt es dafür wohl eher weniger Freiräume…

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Gottesdienste im Internet?

Ich hab ja schonmal was dazu geschrieben, schon fast ein Jahr her, und der Nachtwächter bei Lumières dans la nuit hatte sogar darauf reagiert und es entspann sich ne längere Diskussion, leider mehr um die Kirche und ihre Geschichte als m den Gottesdienst, aber okay.

Jedenfalls kam mir heute der Gedanke wieder an das Ganze, und ich hab da so fragmentehaft ein paar Dinge…

  • Zum Beispiel kann ich mir nicht vorstellen, Sakramente (also Taufe und Abendmahl, aber wenn ich katholisch wär könnt ich’s mir auch bei den zusätzlichen dort als Sakramente gewerteten Kasualien vorstellen) über’s Internet gespendet zu kriegen oder irgendwann zu spenden (wobei Abendmahl, jeder bringt sein eigen Brot, Einsetzungsworte über Twitter, wenn das in richtiger Gesinnung… aber bei der Taufe macht dann spätestens das Wasser Probleme!).
  • Gemeinsam singen hab ich ja schon im damaligen Artikel geschrieben, wär eher komisch. Aber singen hat ja auch was von Gotteslob, man könnte dabei sehen, ob und wie man eine Möglichkeit schaffen kann, gemeinsam als Gruppe an einem Kunstwerk zu arbeiten, etwa alle malen ein Bild zur Ehre Gottes, vielleicht schon nach gewissen Regeln (außer bei gewissen Pfingstkirchen herrscht ja auch beim Gotteslob eine gewisse Ordnung ;-)). Alternativ zum Bild könnten auch musikalische Elemente zum Zuge kommen, bei dem dynamisch Musik abgespielt wird, während alle bestimmte Töne, Instrumente etc aktivieren könnten… kann man sich das vorstellen, wie ich es mein?
  • Predigt wäre, wie auch schon der Nachtwächter den ganzen Gottesdienst definierte, wohl eher Einwegkommunikation, wobei ich mal in nem Film mit James Belushi und Dan Aykroyd gesehen hab, wie Gottesdienstbesucher bei ner Predigt nicht einfach ruhig zuhörten… aber das war Chicago in den späten 70ern…
  • Gebet und Glaubensbekenntnis ist dann wieder eher schwierig, macht ja jeder für sich alleine, es geht ja ach nicht um eigenes kreatives Einbringen dabei. Vielleicht läßt man diese Zeiten dann einfach frei, oder macht nenSprachkanal auf, damit man die anderen hören kann und Vater Unser etc gemeinsam gesprochen werden können (bei langsamen Verbindungen: gibt es jemanden, der ein Mittippen der Gebete für sinnvoll und/oder hilfreich erachten würde?).
  • Eine Ausnahme bei den Gebeten: Die Fürbitten könnten wieder individuell kommen aus der Gemeinde, gerne auch getippt. Hier sehe ich sogar das Plus der Anonymität im Internet: Es trauen sich vielleicht eher welche, auch was zu schreiben an Fürbitten. Ich fühl mich in solchen Situationen im real life immer etwas unwohl, in ner Andacht oder so wenn dann die Runde kommt wo jeder eine Bitte vortragen soll etc. Im Netz ging’s vielleicht besser.

Soweit meine Gedanken, sicher etwas fragmenthaft, aber mehr soll es auch nicht sein, vielleicht kommt der Rest dann nächstes Jahr 😀 Ich glaube nicht, daß ein solcher Gottesdienst den Sonntagsmorgengottesdienst absolut ersetzen kann, aber es wäre vielleicht, wenn gut gemacht, ein Zusatzangebot, was international laufen kann, zu verschiedenen Zeiten, und wo auch Kirchenferne mal reinsehen können… Ob, wie und was das wird, ist sowieso noch nicht ausgemacht. Aber vielleicht hinterlässt hier jemand seine Meinung dazu und es entwickelt sich wieder eine Diskussion.

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Web 3.0 oder wie feier ich Gottesdient im Internet?

Web 2.0 ist ja ne tolle Sache, so von wegen sozial und so. Man kann sich in sozialen Netzwerken mit Bekannten und Unbekannten vernetzen, Meinungen austauschen, Aktionen planen etc, man kann per Twitter oder RSS Feed immer auf dem Laufenden bleiben und somit einen Großteil seines sozialen Lebens ins Netz verlagern.

Schön und gut. Als Theologiestudent frag ich mich da natürlich auch: Wie kann die Kirche das nutzen, oder konkret ich später als Pfarrer, wenn ich denn übernommen werde…

Klar, man konnte schon bei Web 1.0 Predigten ins Netz stellen und in nem Forum oder einer Mailingliste dogmatische oder ethische Grundsätze diskutieren. Inzwischen hat man vielerlei Möglichkeiten, seine Meinung darzustellen: Per Blog, per youtube-Filmchen oder was es alles gibt. man kann sich mit den gängigen sozialen Netzen auch Leute suchen, die das vielleicht sogar interessant finden könnten. Aber all das bezieht sich doch nur auf Informationsaustausch. Ich sag meine Meinung, andere geben per Kommentar ihren Senf dazu, und vielleicht entwickelt sich sogar ne Diskussion und man geht mit einem Gewinn da raus. Oder es kommt zu nem Flamewar, dann ist der Gewinn wohl geringer…

Was mir fehlt ist vielleicht eher im emotionalen Bereich angesiedelt: Ich kann prima nen Gottesdienst ins Netz übertragen, so wie es im ZDF die Gottesdienstübertragungen gibt. Ich kann Menschen mit Informationen zuschmeißen, wenn ich mir die Zeit dazu nehme. Aber was bisher nicht geht ist: Gottesdienst MITeinander zu feiern über’s Netz.

Zum Beispiel solche Sachen wie gemeinsames Gebet oder Liedgesang. Beim Gebet mag es noch klappen: Der Pfarrer spricht etwas vor und die einzelnen Streamgucker beten mit. Das Gebet ist ja auch eher eine individuelle Sache. Aber spätestens beim gemeinsamen Gesang wird es dann komisch. Man stelle sich vor: Eine Anzahl X an Personen sitzt sonntags (oder wann auch immer) gemeinsam vorm Computer, aber jeder in seiner eigenen Ecke in Deutschland (oder vielleicht sogar der ganzen Welt) und brummt so vor sich hin. Gemeinschaftserlebnis ist anders. Und ich denke, das gehört irgendwie zum Gottesdienst dazu, daß man sich auch als Teil einer Gemeinschaft begreifen kann, die zusammen handelt. Vorm Computer handelt jeder für sich. Die Predigt versteht jeder für sich. Aber darüber hinaus?

Ich frage mich, ob es Techniken oder Ansätze gibt, auch das per Netz hinzukriegen, und es ist eine offene Frage, die vielleicht auch nicht nur für die Kirchen interessant sein könnte, sondern allgemein für Leute die an Kommunikation interessiert sind (Medienwissenschaftler anyone?). Vielleicht ist es auch gar nicht möglich, wer weiß. Ich möchte hiermit einfach einmal die Anfrage stellen und sehen, ob jemand gute Ansätze kennt, oder ob jemand einen Grund kennt, warum das nicht funktionieren kann.

Eins noch: Mir geht es hier erst einmal nur um die technische Machbarkeit. Davon unberührt bleibt zunächst, ob das gewollt sein kann. Probleme wie Vereinsamung, wenn Leute nur noch vor dem Rechner hocken und nicht wirkliche Gemeinschaft erfahren etc, können durchaus bestehen und wenn diese Technik gefunden werden sollte, müßte auch eine Diskussion in Gang kommen, unter welchen Umständen das gut ist, bzw. wo die Gefahren liegen und wie man damit umgehen kann.

Also, seid nicht scheu und kommentiert fleißig. Gute Nacht.