kirche

Rap den Heidelberger

Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

Dass ich mit Leib und Seele,
beides, im Leben und im Sterben,
nicht mein, sondern meines getreuen
Heilands Jesu Christi eigen bin,

der mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlt
und mich aus aller Gewalt des Teufels
erlöst hat und also bewahrt,
dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupt kann fallen,
ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.

Darum er mich auch durch seinen
Heiligen Geist
des ewigen Lebens versichert
und ihm forthin zu leben
von Herzen willig und bereit macht.

Frage 1 und Antwort des Heidelberger Katechismus

Vor langer langer Zeit war Heidelberg die Hauptstadt der Kurpfalz, eine der wichtigesten protestantischen Mächte im Reich. Wichtig wurde auch der dort geschriebene Katechismus, der Heidelberger Katechismus, der in den meisten reformierten Kirchen zu den Bekenntnisschriften zählt.

Nun habe ich gerade entdeckt, daß der Reformierte Bund einen Wettberwerb ausgeschrieben hat, einen Liederwettbewerb sozusagen. Denn dieses Jahr wird besagter Katechismus 450 Jahre alt.

Es winken bis zu 600€ als Preis, teilnehmen kann man mit einem bisher unveröffentlichten Rap. Einzusenden sind der Text als pdf sowie eine Audio- oder Videoaufnahme.

Ach ja, der Rap soll entweder einen Teil des Textes des Heidelberger enthalten, oder er soll sich darauf beziehen. Eine Kombination aus beidem ist ebenfalls möglich.

Vielleicht ist ja jemand unter den Lesern, der musikalisch kreativ ist 😉

Einsendeschluß ist der 1.10.2012

kirche, Kirche & Web 2.0

Handy statt Gesangbuch

Ich hab ja kein Smartphone. Das liegt wohl vor allem daran, was die Dinger so kosten, aber prinzipiell spielt wohl auch rein, daß ich nen Computer hab, und mit nem Telefon telefonieren will.

Infolge dessen hab ich mit diesen QR Codes nie viel anfangen können. Jetzt hab ich aber was gelesen, das mir sinnvoll erscheint (via).

Keith Handerson beschreibt da, wie seine Gemeinde die gane Liturgie per QR Code an die Kirchgänger ausliefert. Die können es mit dem Handy einscannen, und haben dann Liturgie, Liedtexte, was auch immer griffbereit.

Quasi sowas wie Gesangbuch 2.0. Wenn alle ein Smartphone oder ein Tabet haben, müssen sie kein Gesangbuch mehr in die Kirche mitnehmen. Auch die Kirchen müßten keine Gesangbücher mehr vorhalten (es entfiele auch das Suchen und Bändchenreinlegen für das nächste Lied). Und vor allem: Diese Liederzettel, die oft mit dem Gesangbuch ausgegeben werden (und die mich immer nerven, weil man zum Gottesdienst so viel in der Hand halten muß) würden wegfallen können. Nur noch das Handy, mehr nicht.

Freilich wird es noch dauern, bis alle Gemeindeglieder das Angebot nutzen können. Die ältere Generation wird sich keine Smartphones anschaffen. Trotzdem denke ich, heute ist der Zeitpunkt, in eine solche Technologie einzusteigen und damit rumzuexperimentieren. Schließlich haben wir noch genügend Gesangbücher als Backup. Und Liederzettel, ja, ich weiß.

Gesellschaft, glaube, kirche, Religion

Bloß nichts falsch machen

Der Glaube an Gott ist etwas Gutes, etwas Schönes. Er gibt Kraft und Hoffnung, gerade auch in schwierigen Situationen. Jedenfalls geht es mir meist so.

Anderen Menschen nicht unbedingt. Gerade habe ich wieder von so einem Fall gehört, mit jemandem drüber geredet. Glaube an Gott kann auch weh tun. Beziehungsweise, das, was dann noch nachkommt.

Als ich vor über 10 Jahren im Kibbutz war, war da auch ein etwa 40 jähriger Finne namens Jorma. Jorma war ein lieber Kerl, man konnte sich gut mit ihm unterhalten, auch wenn er etwas strange war. Das alles galt, so lange er nüchtern war. Das war er aber nicht immer. Jorma war Alkoholiker. Und er war ein Schrank von einem Mann. Er konnte echt Angst machen, und es gab Gerüchte, daß er vorher in der Fremdenlegion gewesen wäre. Ausgebildet zum Töten.

Wie dem auch sei, Jorma war Christ. Er glaubte an Jesus Christus, wenn er auch mir ganz unbekannte Prediger immer wieder nannte. Ein paar Koreaner, die auch im Kibbutz waren, kannten die Prediger sogar. Ich weiß nicht, in welcher Tradition die staden. Ich schätze mal ganz vorsichtig, es handelt sich um einen pfingstlerischen Hintergrund, aber egal.

Ich verstand mich ganz gut mit besagten Koreanern, tue das immer noch. Sporadisch haben wir noch Kontakt. Aber eine Äußerung gab mir zu denken. Einer der Koreaner sagte einmal, Jorma könne kein Christ sein, eben weil er Alkoholiker ist.

Dabei tranken sie selbst auch Alkohol. Nicht so viel, aber sie standen auch nicht abseits, wenn wir feierten (und was gibt es im Kibbutz nach Feierabend sonst noch zu tun?).

Ich fand das damals schon irgendwie komisch, habe es auch all die Jahre immer wieder durchdacht. Da wird quai ein Anspruch an die Person gestellt, bevor sie wirklich und ganz und vollständig als Bruder im Glauben anerkannt wird.

Ja, Jorma war schwach, was den Alkohol anging. Und er konnte wirre Geschichten erzählen. Er muß auch eine sehr schwere Kindheit gehabt haben, aber das wurde nie ganz klar, aufgrund der Wirrheit seiner Geschichten. Man wußte nie genau, was jetzt echt war und was nicht.

Aber trotz alledem bekannte er sich zu Christus. Christus, der die Schwachen, die Sünder annahm. Christus, der nicht auf die Person achtete.

Und dann gab es Anhänger eben dieses Christus, die die Latte höher hängten: Bekenntnis zu Christus schön und gut. Aber wie sieht es denn mit dem Lebenswandel aus? Hat denn die Sucht noch Macht über den Sünder? Ja, na dann kann es ja kein echter Christ sein.

Jorma hatte einmal den Entschluß gefasst, nichts mhr zu trinken. Und ich fand das echt großartig. Leider habenir alle (ich auch) ihn nicht besonders unterstützt, sondern saßen mit unserem Alkohol bei ihm. Er trank Orangensaft. Wir, das beinhaltet auch die Koreaner.

Wir haben es ihm nicht leich gemacht, den besseren Weg zu gehen. Eine Sache, die ich mir heute noch vorwerfe. Ich war Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Aber ich sah das Verhalten auch danach noch oft, gerade in Kirchengemeinden oder sonstlichen christlichen Gruppen. Wer nicht einem gewissen Bild entspricht, wird als Bruder nicht anerkannt. Bunte Haare, Jeans im Gottesdienst, all das kann dazu führen, daß Menschen, die Gott suchen, abgestoßen werden. Und zwar von denen, die über sich sagen, sie seien Anhänger dieses Gottes.

En anderer Freund von mir hat einige Gemeinden durch. Er ist als Pfarrerssohn zuHause aufs Übelste vermöbelt worden, wenn er nciht spurte. Kontakte zu anderen Kindern im Dorf waren nciht gerne gesehen. Der Vater war Antikommunist – und Pfarrer in der DDR. Alles jenseits des Gartentors war der Feind.

Besagter Freund hat also sozusagen „einen Schlag weg“. Er leidet furchtbar. Und er sucht in seinem Umfeld nach Menschen, die ihn einfach annehmen, wie er ist. Mit all seinen Problemen und Fehlern (der Umgang mit ihm ist wirklich nicht immer einfach, er weiß das auch). Früher ging er in verschiedene Gemeinden, suchte dort Anschluß. Und der wurde ihm widerstrebend gegeben. Oberflächlich. Bis er sagte, daß er nicht glaube, daß Noah wirklich so alt wurde, wie es in der Bibel steht. Und er flog raus aus der Gemeinde.

Ich glaube, wir verdunkeln oft das Evangelium, indem wir von anderen verlangen, so zu sein wie wir. Jesus interessierte sich nicht dafür, wie andere aussahen oder was sie sonst so taten. Er ging auf die Sünder zu, nahm sie als Menschen an, trotz aller Fehler.

Wie sollen Menschen denn das Evangelium erfahren, wenn sie von vorne herein abgewiesen werden? Wenn sie erst „perfekt“ sein sollen (natürlich nur nach menschlichem Ermessen)?

Und inwieweit entspricht es dem Evangelium, wenn sich die Schwachen an de Starken anpassen müssen? Was sol das, wenn man dem Schwachen, dem Suchenden, erst einmal sagt, er solle stark werden, dann würde man ihm auch die Quelle der Stärke vermitteln?

Welcher Starke braucht denn eine Kraftquelle? Wenn er stark ist, hat er eine Quelle, wie weit sie auch immer trägt. Ein Starker wird nicht fragen. Wer fragt, das sind die Schwachen, die haben aber nicht die Kraft, sich den kulturellen Gepflogenheiten Anderer immer anzupassen. Auch nicht, falls es wirklich so ist, daß diese Gepflogenheiten ihnen selbst gut tun würden, etwa „kein Alkoholmißbrauch“.

Wenn es dann um Dinge geht, wie Anzug tragen, Krawatte tragen, Haare richtig gescheitelt haben, um in der Gemeinde angenommen zu werden, dann wird noch offensichtlicher, daß es hier nicht um Christus geht, sondern um einen Götzendienst. Man ehrt den Gott des anständigen Auftretens. Und der hat mit dem Gott, der den Sünder annimmt, und für ihn ans Kreuz geht, nichts zu tun.

Der, der ans Kreuz geht, gibt seinen Anhängern Stärke. Er dient ihnen.

Der, der anständiges Auftreten einfordert,  in welcher Art auch immer, der verlangt von seinen Anhängern Stärke, nimmt sie ihnen also. Er läßt sich dienen.

Freilich gibt es immer auch Menschen die Schwach sind, und andere so nicht annehmen können, wie diese sind. In dem Fall muß sich immer der Stärkere anpassen, Liebe geben. Denn Liebe baut auf, Liebe gibt dem anderen die Kraft, auch ein Stück weit auf andere zuzugehen, und sich soweit anzupassen, daß Gemeinschaft einfacher möglich wird.

Und je mehr Gemeinschaft, je mehr Liebe, desto mehr wird der Gott am Kreuz verehrt, und nicht der Abgott des Anstandes.

Gebetsanliegen, glaube, kirche, Kirche & Web 2.0

Gebetsanliegen

Heute abend im Gottesdienst hatte ich eine Idee (ja, in Greifswald gibt es auch abends Gottesdienste). Es gibt doch Menschen, die ein Gebetsanliegen haben, und dieses auch vortragen, damit andere mit ihnen beten. Und es gibt Menschen, die gerne mit ihren Glaubensgeschwistern beten. Idealer Weise kommen die in der Gemeinde zusammen, das Gebetsanliegen kommt zur Sprache, und man betet gemeinsam.

Nun ist die Welt aber leider nicht ideal, und man traut sich vielleicht auch nicht immer, die Dinge, die einen im Innersten bedrücken, vor vielleicht halb fremden Menschen auszusprechen. Trotzdem würde man sich freuen und es wäre eine Stütze, wenn man wüßte, daß andere an einen denken und mit einem beten.

Deshalb möchte ich dieses Projekt starten und sehen, ob hier vielleicht Leute zusammenkommen, um füreinander zu beten, einander vielleicht auch besser kennenzulernen, ins Gespräch zu kommen, was auch immer geschehen mag.

Es ist zuerst einmal ein Angebot. Ich kann nicht abschätzen, ob der Bedarf da ist, oder ob man es vielleicht anders umsetzen sollte.

Die Sache läuft grob so:

Es gibt eine E-Mail Adresse (beter ät lavabit.com), an die man Gebetsanliegen schicken kann. Diese werden dann gesichtet (um sicherzugehen, daß niemand irgendwelche zwielichtigen Seiten anpreist und dergleichen) und anschließend veröffentlicht. Und zwar so anonym, wie sie sind. Das heißt: Die E-Mail Adresse wird nicht genannt, und der Text der Mail wird wie er ist wiedergegeben. So kann jeder entscheiden, wie viel er von sich preisgeben will.

Uns die Arbeit erleichtern kann man, indem man

[category Gebetsanliegen]

irgendwo im Text der Mail platziert, damit das auch an die richtige Stelle kommt. Alles Weitere steht hier. Die Gebetsanliegen (und diesen Artikel hier) findet man dann hier. Und natürlich gibt es zu den Gebetsanliegen auch einen extra RSS Feed.

Man darf dieses Angebot auch gerne weitersagen 😉 und wie gesagt: Verbesserungsvorschläge sind sehr willkommen.

kirche, Kirche & Web 2.0

Webfish und so

Bald wird wieder der Webfish verliehen. Was das ist und wer dahinter steht, liest man am Besten daselbst nach, weil mich das hier weniger interessiert.

Mir geht es darum, auf zwei nominierte Angebote hinzuweisen.

Das erste wär soziale-berufe.com

Dort hat man einen Überblick über die verschiednene Berufe im sozialen Bereich. Ganz nett gemacht und mit ganz vielen offiziellen Machern im Rücken. Das ist zwar nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, aber die Seite ist ganz übersichtlich gestaltet (im Gegensatz zu der von der EKD, die den Webfish ja vergibt) und lenkt den Fokus auf ein Berufefeld, das immer wichtiger wird.

Das zweite ist Lieder vom Glauben

Einfache Idee, schön umgesetzt. Das Wochenlied, jede Woche von einem Chor eingesungen, mit Video dazu. Für Freunde des Kirchengesangs. Eine einfache Idee, schön umgesetzt, ohne durch zu viele Extras und „weiteres“ zsätzlich punkten zu wollen. Das Projekt ist von der Württembergischen Kirche, die wird verlinkt, macht sich af der Seite aber nicht weiters breit.

glaube, kirche, Schwule Pfarrer???

Manchmal platzt mir der Arsch!

Entschuldigung für die Ausdrucksweise, aber es beschreibt den Vorgang nun mal ziemlich gut in seiner Stärke. Schon seit längerem kommentiere ich ja auf einem Blog für Atheistische Selbstvergewisserung mit und störe die Vergewisserung ein wenig, wo sie unbegründet ist. Jedenfalls hoffe ich das. Dabei geht es nicht ohne Aufreger ab. Beiderseits. Und immer wieder der Vorwurf, was „die Kirche“ nicht so alles täte.

Gerne immer wieder genommenes Beispiel (neben anderen): Die Stellung zur Homosexualität bzw. der Umgang mit Homosexuellen. Nun müßte ich schon ziemlich weltfremd sein, wenn ich behaupten würde, daß „die Kirche“ hier gar kein Problem hätte. Selbst wenn man die römische Kirche bei Seite läßt – ich bin kein Römer, deshalb misch ich mich da ungern ein – auch bei uns Protestanten gibt es da antischwule Tendenzen, und zwar nicht nur in den Freikirchen!

Ich hatte dazu ja schonmal was geschrieben. Macht nix, ist ja alles auch schon ne Weile her. Heute nun stieß ich auf einen Blog, der dem Thema „schwule Pfarrer“ ne eigene Seite gewidmet hat, die über das Menu zu erreichen ist.

Beim überfliegen des restlichen Blogs hatte ich den Eindruck, der Blogbetreiber mag in mancherlei Hinsicht eine andere Ansicht als ich haben, sein Glaube scheint ihm aber so ernst zu sein wie mir, und so kann sich vielleicht ein Austausch unter Geschwistern entwickeln, der nicht zu dem Arschplatzen führt wie im Gespräch mit einigen Atheisten.

Der Artikel ist sehr lang, und deshalb werde ich versuchen, Stück für Stück die Argumente entlang zu gehen und meine Meinung dazu schreiben, ohne groß auf die Bewertungen einzugehen, die da sonst noch stehen. Das wird mehrere Beiträge in Anspruch nehmen, da der Text sonst viel zu lange wird. Hier nun das erste Argument und die Auseinandersetzung mit den Grundlagen:

Für die christliche Kirche kann niemals entscheidend sein, was Staat oder Gesellschaft zu einem Thema sagen, sondern nur was die Hl. Schrift dazu sagt.

Dieser Punkt ist richtig. Oder nicht richtig, je nachdem, wie man ihn versteht. Was der Staat zu einem Thema sagt kann für die Kirche kein Kriterium sein. Wäre dies der Fall, so könnte der Staat die Kirche ersetzen. Der Staat wäre Verkündiger der Wahrheit, so wie man das etwa in den Ostblockstaaten erlebt hat.

Gleiches gilt für die Gesellschaft. Die Gesellschaft hat sowieso nie mit einer Stimme gesprochen, und am lautesten sind häufig die falschesten Stimmen, die leider auch am einfachsten formulierte Lösungen bieten, was viele Menschen dann unreflektiert wiederholen. Auch die Gesellschaft kann nicht Kriterium für die Kirche sein, sie ist fehlbar wie der Staat.

Wie ist es nun mit der Bibel? Kann sie ein Kriterium sein? „Ja“, höre ich es schon allenthalben rufen und möchte fast einstimmen: „Ja, denn die Bibel enthält Gottes Wort, an dem wir uns als Christen und als Kirche ausrichten sollen.“ Doch der Ruf bleibt mir im Halse stecken. Mit der Bibel wurden Kriege, Sklaverei, Kolonialismus, kurz, Unterdrückung in allerlei Gestalt gerechtfertigt.

Bevor ich also lauthals in den Ruf einstimme, muß ich mir überlegen: Wieso hat das geklappt? Wieso konnte die Bibel für Derartiges mißbraucht werden? Und ich muß mir in Erinnerung rufen: Auch ich bin ein Sünder und grundsätzlich ohne weiteres in der Lage, auch ohne es zu wollen, die Bibel falsch zu interpretieren und somit zu mißbrauchen, was dann unweigerlich Folgen haben wird, so wie auch die früheren Mißbräuche Folgen hatten.

Ich muß also fragen:

  1. Was war die Ursache für die Mißbräuche damals?
  2. Wie hätte damals ein Mißbrauch des Textes verhindert werden können?
  3. Wie wende ich diese Erkenntnis auf die heutige Situation an, um nicht den Fehler von damals zu wiederholen?

Fragt man nach den Ursachen für den damaligen Mißbrauch, so sind wohl zwei Dinge zu nennen:

  1. Ein von Bibel und Glauben unabhängiges Interesse am Mißbrauch.
  2. Das Herausreißen von Bibelversen aus dem Kontext, ohne das Ganze der Bibel zu betrachten.

Für die Verhinderung folgt dann, daß man sich zuerst seines Interesses gewahr geworden wäre. Wenn ich an der Sklaverei Geld verdiene, wenn ich auf Sklaven angewiesen bin, oder wenn ich auch nur aus welchen Gründen auch immer, Menschen anderer Hautfarbe als minderwertig ansehe, dann beeinflußt dies mein Bibellesen.

Wir können uns nun heute hinstellen und sagen: Jaha, wir sind ja aber modern, wir hängen ja nicht mehr solchen altmodischen Ansichten an. Und schon beruft man sich auf die Gesellschaft, die ja anfangs als Kriterium ausgeschlossen wurde.

Ich meine dagegen vielmehr: Solche Interessen, wie oben genannt, kommen von der Sünde, von der Trennung von Gott. Da wir alle ohne Unterschied Sünder sind, wäre es Hybris zu behaupten, wir könnten heute nichts mehr falsch machen. Die Gefahr, daß der Zeitgeist sich in unsere Bibelauslegung einschleicht, besteht also weiterhin. Zumindest für den Fall, daß wir keine unfehlbaren Nichtsünder sind. Wären wir perfekt, könnten wir solche unbewußten Eigeninteressen beim Auslegen der Bibel ausschließen.

Was kann uns dabei helfen? Nun, es würde schon helfen, wenn wir nicht einzelne Bibelverse betrachteten, sondern auch anderslautende Verse zu Rate zögen, und die bereits vorliegenden Verse im Kontext betrachteten. So hätten wir ein stärkeres Korrektiv aus der Bibel selbst.

Dabei müssen wir beachten, daß die Bibel geschrieben wurde zu einer Zeit, die der unsrigen nicht sehr ähnlich ist. Ach damals gab es einen Zeitgeist, und auch damals mußten die Leute damit umgehen. Es gibt nun die verschiedensten Vorstellungen, wer denn Autor der Bibel wäre: Gott höchstselbst, Autoren, die alles von Gott in die Hand diktiert bekamen, Autoren, die durch Gott wie auch immer inspiriert waren oder ganz einfache Menschen, deren Texte warum auch immer überliefert wurden.

Da wir die Frage stellen, an wen sich die Kirche halten muß, können wir für die Bibel zumindest ausgehen, daß sie irgend etwas mit dem Gott der Kirche zu tun hat, daß sie eine Autorität ist, wieso auch immer.

Was wir weiterhin annehmen müssen, ist, daß sie auch zu alten Zeiten verstanden wurde. Die Bibel wäre überflüssig gewesen, wenn ihr Text zwar vor 2000 Jahren und früher entstanden wäre, sie aber den Menschen damals nichts zu sagen gehabt hätte, sondern nur uns modernen Menschen heute.

Die Aussagen müssen also in der damaligen Kultur schon verständlich gewesen sein. Wollen wir also eine gewisse Sicherheit gewinnen beim Auslegen der Bibel, so kann es nicht verkehrt sein, zu sehen, wie der Text wohl in seiner Entstehungszeit gewirkt hat. Demjenigen, der Gott für den Autor hält, kann dies nicht zuwider sein, denn er geht von einem ewig gültigen Wort aus, das auch damals galt. Dem liberaleren Christen kann es Recht sein, weil dies die Methode der historischen Kritik ist, die er auch an der theologischen Fakultät lernt.

Wir haben uns also unterhalten über die eigenen Interessen, die einem nicht zwingend bewußt sein müssen, wir sprachen über die Beachtung der Verse im Kontext sowie die Berücksichtigung der ganzen Bibel, und wir sprachen darüber, die Texte möglichst im Verständnis der Entstehungszeit zu begreifen.

Hierbei kann es zu Auseinandersetzungen kommen, wann genau ein Text geschrieben wurde, also was genau der Kontext ist. Auf diese Fragen ist dann im Einzelnen einzugehen.

Wenn wir nun all dies bedacht haben, haben wir dann den Willen Gottes erfahren? Oder bedarf es noch eines Schrittes? Wenn wir nun herausgearbeitet haben, daß ein bestimmter Vers in einer bestimmten Situation so und so verstanden wurde, wissen wir dann, was wir heute zu tun haben? Oder wenn wir mehrere Verse haben, die in unterschiedliche Richtungen weisen?

Wir können es nicht sicher wissen, deshalb bedürfen wir weiterhin des Gebets, der Gemeinschaft der Kirche und des Austauschs untereinander, und des Hörens auf unser Gewissen.

Der Geist mag wehen, wo ER will, das ändert nichts daran, daß Er uns verheißen ist. Darauf will ich vertrauen. Und wer jetzt fragt: Wieso all das vorherige Bedenken, überprüfen und Bibel exegetisieren?  – dem sei mit Paulus (1. Thess 5, 21) gesagt:

 Prüft aber alles und das Gute behaltet.

Freilich kann man auch so beten und von Gott den Weg gewiesen kriegen. Dann brächte man aber nicht einmal die Bibel. Diese ganzen Überprüfungen dienen vor allem dem: Nicht die eigenen unbewußten Interessen (und damit den Zeitgeist) in die Auslegung der Bibel hineinbringen.

glaube, kirche, Religion

Die Teilnahme an der Eucharistie

Heute morgen hab ich es mal wieder geschafft, nach langer Zeit, zum Morgenlob zu gehen. Ist immer freitags, ist immer früh, ist in der KSG, aber ökumenisch in der Ausrichtung.

Und danach gibt es Frühstück und theologische Gespräche. Ich befürchte ja, daß der Kaplan manchmal vielleicht etwas genervt ist von meiner protestantischen Sichtweise, die ich offen vertrete, aber hey, es ist ne ökmenische Veranstaltung.

Heute morgen ging es mal wieder um die Eucharistie. Dabei betonte er, daß ja nicht nur Protestanten nicht hinkönnen, sondern auch allerlei Katholiken nach Lehre ihrer Kirche besser nicht zur Eucharistie gehen, um sie sich nicht zum Gericht einzunehmen. Ein Kommilitone betonte, daß früher die Teilnahme auch an die vorherige Beichte inklusive Bußübungen gebunden war, und daß dies eigentlich immer noch gelten würde.

Da dachte ich dann: Wie viel einfacher wäre die Ökumene, wenn das noch so wäre! Welcher Protestant würde noch zur römischen Eucharistie wollen, wenn die Beichte Voraussetzung ist? Und zwar auch für die Katholiken!

All die ganzen Streits über gemeinsames Abendmahl wären plötzlich von Tisch, der öffentliche Druck würde verschwinden, oder, was wahrscheinlicher ist, sich auf diesen Rückschritt konzentrieren, und etliche Priester und Bischöfe müßten sich mit noch etlicheren erbosten Gemeindegliedern rumschlagen – so jedenfalls die Befürchtng meiner katholischen Kommilitonen heute morgen. Aber das gemeinsame Abendmahl wäre erst mal aus dem Fokus der Öffentlichkeit.

Und ganz vielleicht würde ja dieser nachlassende Druck dafür sorgen, daß es dann irgendwann hinter verschlossenen Türen tatsächlich zu ner Einigung käme in der Sache, weil keiner das Gesicht verlieren muß.

Naja, man wird doch mal träumen dürfen.

glaube, kirche

Nous avons vu les pas de notre Dieu

Ich war ja in der Schule in Französisch nie besser als 5. In letzter Zeit merke ich jedoch oft, daß ich mehr verstehe als diese Note aussagt und da seitdem schon viel Wasser den Rhein runtergeflossen ist, hat sich ach meine Aversion gegen die Sprache inzwischen gelegt. Und so kann ich dann auch französisches Liedgut schätzen inzwischen.

Viele kennen vielleicht das Kirchenlid „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“. Im Evangelischen Gesangbuch (und damit meine ich DAS evangelische Gesangbuch, also das mit dem pfälzischen Regionalteil, den auch die Badener, Elsässer und Lothringer haben ;)) steht dieses Lied unter der Nmmer 665 im Regionalteil, und weil wir den gleichen Regionalteil wie Elsässer und Lothringer haben, ist das Lied auch auf französisch abgedruckt.

Und da ich in Mathe etwas besser war als in Französisch fiel mir sofort auf, daß 6≠3 ist und also die französische Version viel länger ist als die Deutsche. Und ich finde, auch schöner, gerade der Schluß mit der Zusage von Gottes wiederkehr:

1. Nous avons vu les pas de notre Dieu
Croiser les pas des hommes,
Nous avons vu brûler comme un grand feu
Pour la joie de tous les pauvres.

Ref: Reviendra t il marcher sur nos chemins,
Changer nos cœurs de pierre?
Reviendra t il semer au creux des mains
L’amour et la lumière?

2. Nous avons vu fleurir dans nos déserts
Les fleurs de la tendresse;
Nous avons vu briller sur l’univers
L’aube d’une paix nouvelle.

Refrain

3. Nous avons vu danser les malheureux
Comme aux jours de la fête,
Nous avons vu renaître au fond des yeux
L’espérance déjà morte.

Refrain

4. Nous avons vu le riche s’en aller
Le cœur et les mains vides,
Nous avons vu le pauvre se lever,
Le regard plein de lumière.

Refrain

5. Nous avons vu se rassasier de pain
Les affamés du monde,
Nous avons vu entrer pour le festin
Les mendiants de notre terre.

Refrain

6. Nous avons vu s’ouvrir les bras de Dieu
Devant le fils prodigue,
Nous avons vu jaillir du cœur de Dieu
La fontaine de la vie.

Ref: Il reviendra au terme du chemin
Nous prendre en sa lumière.
Il reviendra nous prendre par la main
Pour vivre auprès du Père.

Auch wenn ich in französisch nie gut war, reitet mich gerade der Übermut, und ich will einmal versuchen, ob ich eine Übersetzung zu Wege kriege. Ich hoffe auf fleißiges Korrigieren in den Kommentaren 😉 Und wenn jemand ganz motiviert ist, kann er die Übersetzng ja in eine Versform überführen oder sogar eine Melodie dazu schreiben (das kann ich nun überhapt nicht).

  1. Wir haben die Schritte unseres Gottes die Schritte der Menschen kreuzen gesehen.
    Wir haben für die Freude aller Armen wie ein großes Feuer brennen gesehen.Refrain:
    Wird er wiederkommen, marschieren auf unseren Wegen, unsere Herzen aus Stein verändern?
    Wird er wiederkommen, die Liebe und das Licht in unsere hohlen Hände säen?
  2. Wir haben die Blumen der Zärtlichkeit in unseren Wüsten blühen gesehen.
    Wir haben die Morgendämmerung eines neuen Friedens im Weltall funkeln gesehen.
  3. Wir haben die UNglücklichen wie am Tag des Festes tanzen gesehen.
    Wir haben im Hintergrund der Agen die schon tote Hoffnung ne erwachen gesehen.
  4. Wir haben den Reichen mit leeren Herz und Händen davongehen gesehen.
    Wir haben den Armen – den Blick voller Licht – sich erheben gesehen.
  5. Wir haben die Verhungernden der Welt von Brot satt werden gesehen.
    Wir haben die Bettler der Erde zm Festmahl eintreten gesehen.
  6. Wir haben die Arme Gottes sich vor dem verlorenen (treulosen) Sohn öffnen gesehen.
    Wir haben die Quelle des Lebsn aus dem Herzen Gottes entspringen gesehen.Refrain:
    Er wird am Ende des Weges wiederkommen, uns in sein Licht nehmen.
    Er wird wiederkommen, uns an der Hand nehmen, um beim Vater zu leben.

Und hier noch ein Video zm Karaoke singen.

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Katechismus

Ich weiß nicht mehr warum, jedenfalls gab ich heute morgen bei youtube mal den Suchbegriff „Erbsünde“ ein. Da kamen dann jede Menge Videos die gar nichts mit dem Thema zu tun haben, oder Videos von muslimischen Jugendlichen, die aus islamischer Sicht Kritik übten, oder sowas wie das:

http://www.youtube.com/watch?v=LsOxY4io1Hw

Und mich beschlich das Gefühl: Das muß doch anders darstellbar sein. Jetzt nicht nur auf die Erbsünde bezogen, sondern christliche Glaubensinhalte allgemein. So kam ich darauf, nach „Katechismus“ zu suchen. Die Suche war nicht viel ergiebiger.

Jetzt überlege ich, ob es denn möglich wäre, einen Katechismus überhaupt zu verfilmen. Erst dachte ich an den Pfälzer Katechismus von 1869 (da ich als Pfälzer weder reformiert noch lutherisch bin), aber der ist im Netz (weil mein Exemplar bzw das meiner Oma zu Hause liegt) irgendwie nicht zu finden, trotz des netten Hinweises von @Kirchturmpirat auf google Books. Da gibt es soweit ich sehe auch nur den Heidelberger Katechismus. Aber so schlecht ist der ja auch nicht.

Jetzt die Frage: Wie würde man es angehen, wenn man den veryoutuben wollte? Ginge das überhaupt? Oder läßt sich christliches Lehrgut nur derart verzerrt wie oben darstellen?

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Ewiger Lobpreis

Die Idee mit der Twitterwall hat mich nicht losgelassen. Für alle, die den gestrigen Artikel nicht gelesen haben kurz zusammengefasst:

Man denke sich einen Hashtag aus für Lobpreis, und mache den nach und nach in der weltweiten (twitternden) Christentheit bekannt. Wenn jetzt die Leute, wenn ihnen gerade danach ist, nen kurzen Lobpreistext mit dem entsprechenden Hashtag in Twitter eingeben, kann man über ne Twitterwall das Ganze als ewiger Lobpreis abbilden, sichtbar machen.

Das hätte womöglich auch ökumenische Auswirkungen. Im Loben Gottes dürfte es nicht zu zu viel Streit zwischen den Konfessionen kommen, ist ja kein Sakrament. Da wir Christen ziemlich zahlreich sind und rund um den Erdball verstreut, dürfte es durchaus möglich sein, einen ständigen Strom von kurzen Dankgebeten oder Hymnen zu erzeugen, ohne viel Organisation in der Art, Leute inezuteilen für gewisse Schichten. Die Idee ist vielmehr, das jeder lediglich wenn er grad bei twitter eingelogt ist und ihm nach Lobpreis ist, das dann tut. Bei entsprechender Bekanntheit dürfte das für den Gebetsstrom ausreichen, wie gesagt, wir sind ziemlich zahlreich.

Inzwischen stell ich mir Fragen zur praktischen Umsetzung. Eigentlich ist es nur eine Idee, die verbreitet werden und auf Gegenliebe treffen muß. Eine tatsächliche Homepage muß nicht nötig sein. Jeder kann sich selbst ne entsprechende Twitterwall bauen, es gibt da ja genügend kostenlose Möglichkeiten im Netz (mir ist noch nicht ganz klar, wie man sowas machen würde, wenn man es selbst bauen wollte, ich denke aber die Antwort ist in der Twitter API zu finden).

Was aber festgelegt werden muß, ist ein Hashtag. Ich hab mal nach #praise gesucht, das wird wohl im Angelsächsischen Raum jetzt schon häufig benutzt für kurze Lobpreistexte, auch #ptl für „Praise the Lord“ kommt recht häufig vor.

Ich denke, die beiden sind durchaus verwendbar. Gerade #ptl ist auch schön kurz. Stellt sich nun die Frage, wie man das Ganze bekannt macht. Dazu bräuchte man wahrscheinlich doch wieder eine Homepage mit Erklärung der Aktion in mehreren Sprachen und ner exemplarischen Twitterwall.

Dann stellt sich noch die Frage, inwieweit man andere Dineste einbeziehen kann: Kurznachrichten bei Facebook, Myspace, den verschiedenen VZ-Netzwerken, Wer-kennt-Wen und wie sie alle heißen. Dazu müßte man sich wohl selbst ne Seite bauen (und erst mal rausfinden, ob und wie das technisch machbar ist).

Der Artikel hier soll dazu dienen, die ganze Sache ienmal tiefer zu durchdenken. In der Hoffnung, daß hier der ein- oder andere mitliest und seine Meinung dazu sagt, zur Idee an sich, zu technischen Fragen oder was auch immer. Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, ne Sache ins Rollen zu bringen, die in etwa dem entspricht:

As o’er each continent and island
The dawn leads on another day,
The voice of prayer is never silent,
Nor dies the strain of praise away.

The sun that bids us rest is waking
Our brethren ’neath the western sky,
And hour by hour fresh lips are making
Thy wondrous doings heard on high.

PS: Das gleiche könnte man dann nochmal mit Fürbitten durchführen. Möglicher Hashtag wäre vielleicht #eleison.

UPDATE:

Nachdem ich jetzt bei tweetwally.com ne Wall mit dem Tag #ptl angelegt habe, hab ich das ganze auch mal auf Pageflakes abgebildet. Das Schöne bei tweetwally ist, man kann einen Text dazu schreiben, um das Ganze zu erklären (der ist mir inzwischen aber auch schon zu lange geraten, muß demnächst gekürzt werden) und man kriegt seine eigene Url, also die Subdomain kann man wählen. Auf Pageflakes hab ich das ganz einfach per iframe eingebunden. Wenn jemand sowas ähnliches machen will af seinem Blog oder sonstiger Seite, dann wäre hier etwas html:

<iframe frameborder="0" width="500" height="600" src="http://eternalpraise.tweetwally.com/embed" target="_blank" align="center" scrolling="Auto"></iframe>