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Gedanken zum Rücktritt des Bischofs von Rom

Der Papst ist zurückgetreten. Das heißt er hat seinen Rücktritt angekündigt, für den 28. Februar, 20 Uhr. Bisher kam es nur einmal in der Geschichte vor, daß ein Papst zurückgetreten ist. Normal gibt es das nicht. Ratzingers Vorgänger bestand noch darauf, auch angesichts seiner schweren Krankheit nicht zurück zu treten. Ratzinger hat sich anders entschieden.

Aus der Rücktrittserklärung geht hervor, daß er sich nicht mehr in der Lage fühlt, das Amt auszuüben. Vorab gesagt: Ich sehe das wie der Herr Alipius: Diese Entscheidung verdient Respekt. Schon alleine, weil er sich gegen das Vorbild seines Vorgängers entscheidet und in eigener Verantwortung einen eigenen Weg geht.

Römischerseits glaubt man, daß der Papst von Konklave unter Einfluß des Heiligen Geistes gewählt wird. Es geht dabei nicht in erster Linie um Performance, deshalb denke ich, daß die Performance auch nicht Ausschlußkriterium sein muß, wenn das Alter zuschlägt. Johannes Paul II unterstrich dies durch seinen Leidensweg. Benedikt XVI wählt einen anderen Weg, und ja, er hat das Recht dazu und es zeugt durchaus auch von seinem Verantwortungsgefühl seiner Kirche gegenüber, daß er gewährleisten will, daß „der Laden läuft“.

Hätte es Johannes Paul II nicht gegeben, könnte man daraus den Schluß ziehen, daß ab einem gewissen Performanceverlust das Ausüben des Amtes nicht mehr möglich sei und sich Päpste in Zukunft bei Krankheit zum Rücktritt gezwungen sähen. In der Gesellschaft (und auch ein Stück weit in den Kirchen) ist solches Leistungsdenken, in der der Mensch über seine Leistung definiert wird, recht verbreitet und bestimmt weite Lebensbereiche.

Die Kirche von Rom hat nun zwei Paradigmen mit ihren letzten beiden Päpsten und kann somit in dem Zusammenhang für ein sowohl als auch stehen (sonst wird sie ja eher wahrgenommen als für sture Prinzipiendurchsetzung stehend). Ohne das Beispiel Johannes Pauls II könnte man auf die Idee kommen, die Leistungsfähigkeit gäbe den Ausschlag für die Befähigung zum römischen Bischofsamt oder das Bischofsamt überhaupt – und nicht der Heilige Geist. Ohne das Beispiel Benedikts XVI könnte man auf die Idee kommen, die Päpste hätten nicht die Freiheit, zu entscheiden, daß sie nicht mehr in der Lage sind, das Amt so auszuüben, wie sie es für richtig halten. Man könnte sogar auf die Idee komemn, Päpste seien zum öffentlichen Leiden wie Johannes Paul II verpflichtet.

Zukünftige Päpste können nun freier als Benedikt entscheiden, welchen Weg sie wählen. Bleibt noch, ihm für den bevorstehenden Ruhestand alles Gute und Gottes Segen zu wünschen.

Gesellschaft, kirche, Theologie

Die Pille danach

Ich wollte zu dem Thema ja eigentlich nichts mehr schreiben, aber diese Erklärung Bischof Meisners (via) wollte ich Euch dann doch nicht vorenthalten. Ein paar Auszüge:

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.

Bei der Verhinderung der Nidatin sieht es anders aus:

Dass das Abgehen befruchteter Eizellen auch ganz natürlicherweise ohne menschliches Zutun geschieht, berechtigt einen Menschen nicht dazu, diesen natürlichen Vorgang aktiv zu imitieren. Denn die Beendigung eines Menschenlebens durch die Natur nennt man ein Naturereignis. Dessen absichtliche Imitation nennt man Tötung.

Trotzdem gilt natürlich:

Die Ärzte in katholischen Einrichtungen sind aufgefordert, sich rückhaltlos der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen und sich dabei unter Berücksichtigung des neusten Stands der medizinischen Wissenschaft in ihrem ärztlichen Handeln an den oben genannten Prinzipien auszurichten.

Und ein Blick in die Geschichte:

Bisher wurde oft davon ausgegangen, dass die nidationshemmende Wirkung das zentrale Wirkprinzip der Präparate sei, die als „Pille danach“ bezeichnet werden. […] Das ist offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft. Die Kirche muss aber in ihren Einschätzungen die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer berücksichtigen. […] Die Kirche kann dazu nur die moralischen Prinzipien erklären. Der einzelne Arzt einer katholischen Einrichtung muss sich dann unter Voraussetzung dieser Prinzipien gewissenhaft kundig machen und so zu einer verantwortungsvollen Entscheidung kommen.

Und was ist mit den Enzykliken und sonstigen relevanten Texten:

Die Instruktion „Dignitatis personae“ der Kongregation für die Glaubenslehre vom 8. September 2008 nennt unter den „Interzeptiva“ „die so genannte ,Pille danach‘“, bezieht sich dann aber ausschließlich auf die nidationshemmende Intention […]

Zu betonen ist, dass sich die Erklärung des Erzbischofs von Köln auf die Situation einer Vergewaltigung bezieht und nicht auf die Situation in einer sakramentalen Ehe, die die Enzyklika „Humanae Vitae“ behandelt.

Und den Satz find ich interessant, weil das Beisiel vergewaltigter Nonnen in Diskussionen auch schon aufkam:

Entsprechend hatte auch schon die Glaubenskongregation die Einnahme von Antikonzeptiva durch Ordensschwestern in einer Weltgegend, in der sie Vergewaltigungen fürchten mussten, erlaubt. Es geht beim Thema Vergewaltigung nicht um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes, sondern um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung.

Ich hatte in einigen Diskussionen Vermutungen in die Richtung geäußert, die Meisner jetzt einzuschlagen scheint. Zu hoffen bleibt, daß diese Erklärung jetzt schnell Verbreitung findet, damit nicht wieder ein Opfer auf Hilfe verzichten muß, deshalb hab ich hier auch so ausführlich daraus zitiert.

Und nochmal was ganz anderes, was hier eigentlich gar nicht mehr herpasst, aber trotzdem zur römischen Welt gehört und ebenfalls oft die Gemüter erregt: Die katholische Heirat. Die könne wohl auch unter Berücksichtigung des Glaubens (bzw des Fehlens desselben) annuliert werden, überlegt der Papst. Das sind freilich noch fühe Überlegungen, aber daß sie überhaupt angestellt werden, ist doch schon einmal was.

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Die Friedwälder und die Kirche

Heute stand ein Artike in der Lokalzeitung über die Friedwälder. Ich hab ich aus Zeitmangel nur überflogen, das westentliche aber mitgekriegt, so meine ich. Wesentlich ist für mich im Moment die Stellung der Kirchen hierzu.

Es gibt da ja immer wieder Vorbehalte von kirchlicher Seite. Eine Rolle spielen dabei etwa andersreligiöse Einflüsse beim Entstehen dieser Art der Bestattung, ein anderes Problem scheint mir eher organisatorischer Natur zu sein.

Was die andersreligiösen Einflüsse angeht meine ich, kann man damit recht locker umgehen. Theologen waren zu allen Zeiten reich an Phantasie und Kreativität. So konnten etwa Mythen wie der Gilgamesch Epos für die Bibel umgearbeitet werden, und heraus kam Noah. Wieso sollte es für uns ein Problem sein, mit einem Waldfriedhof umzugehen? Und so war auch die Stellungnahme der hiesigen Landeskirche dergestalt, daß es prinzipiell mit Waldfriedhöfen kein Problem gebe, daß aber die Möglichkeit bestehen sollte, Namen der Verstorbenen am fraglichen Baum anzubringen, bzw. der Friedhof auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. Diese Kriterien dürfen nicht schwer zu erfüllen sein.

In der Stellungname wurde aber ein anderes Problem angesprochen. Welcher Pfarrer nimmt eigentlich eine Bestattung im Waldfriedhof vor? Noch verfügtnicht jede Gemeinde über einen solchen Friedhof. Die Popularität dieser Friedhöfe könnte durchaus dafür sorgen, daß die dortigen Gemeindepfarrer mit Anfragen zu Bestattungen überschüttet werden, und gar nicht mehr zu ihren restlichen Dienstverpflichtungen kommen. Andererseits dürfte es auch schwierig werden, dem Pfarrer am Wohnort des Verstorbenen beizubringen, daß er mal eben für ne Beerdigung 30 km ein Weg in die eine Richtung zum Waldfriedhof fahren soll, danach 30 km in die andere Richtung. Er hat ja auch ne Anwesenheitspflicht in seiner Gemeinde und ein Friedhof existiert dort normal auch, es gibt also keine Notwendigkeit, zu einem weit entfernten Waldfriedhof zu reisen, um dort zu beerdigen.

Andererseits gibt es natürlich auch gute Argumente für eine solche Bestattung, aus Sicht der Hinterbliebenen. Die Grabpflege entfällt, was in Zeiten hoher Mobilität in großes Plus ist. Trotzdem verfügt man über einen Ort, den man mit den Verstorbenen in Verbindung bringen kann. Man ist nicht – wie bei einer anonymen Bestattung – alleine zurück gelassen. Insofern entspricht ein Waldfriedhof durchaus dem heutigen Bedürfnis, sich nicht fest binden zu wollen aber trotzdem noch Möglichkeiten in der Hand zu haben.

Allein schon aus Marketinggründen wäre es für die Kirche nicht schlecht, eine Waldbestattung standardmäßig anbieten zu können. Außerdem – und das ist wichtiger – könnte sie dadurch auch einem Teil ihres Auftrages entsprechen, für die Menschen da zu sein.

Das Bedürfnis, unsere Toten „anständig“ zu bestatten, ein Grab zu haben, wo man sie besuchen kann, ist immer noch bei den Menschen vorhanden, und wird auch wohl nicht abnehmen.

Mir schwebt ein kirchlicher Waldfriedhof vor mit einem fest dort eingesetzten Pfarrer, der einerseits vor Ort ist und die Bestattungen besorgt, aber nicht auch wie der Gemeindepfarrer mit Seelsorge der Ortsgemeinde beschäftigt ist. Andererseits könnte dieser Pfarrer auch vor Ort am Friedhof ansprechbar sein für seelsorgerliche Probleme der Besucher, soweit er neben den Beerdigungen dazu die Zeit findet.

So könnte sich eine Chance ergeben für die Kirche, auf ganz neue Weise mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Die Hemmschwelle wäre vielleicht gar nicht so hoch, weil der Pfarrer nicht mit im Ort des Ratsuchenden wohnt, also fremd ist, und ein Gespräch recht anonym von Statten gehen kann. Natürlich kann so nur ein erster Kontakt entstehen, bevor ihn die Seelsorge überlastet wird der Friedhofspfarrer auf die Kollegen in den Gemeinden verweisen müssen.

Und ich sehe auch das Problem einer Beerdigungsindustrialisierung, in der persönliche Gestaltungen der Bestattung und der Trauerrede immer weniger berücksichtigt werden können, falls der Waldfriedhof populär werden sollte. Womöglich wäre ein zweiter Pfarrer nötig.

Trotzdem mutmaße ich, daß die Vorteile durchaus überwiegen könnten.

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Die Weiheämter und der Landesbischof

Bee fordert eine Entschuldigung. Da geht es noch m Alois Glück, das ist ne innerkatholische Geschichte, und das sollen sie unter sich klären.

Hängen blieb ich an folgender Aussage:

Schön finde ich auch, dass uns ein Landesbischof zu guter Letzt noch darüber belehren muss, dass es unbiblisch ist, wenn Frauen der Zugang zu Weiheämtern verweigert wird.

Mir geht es jetzt gar nicht darum, ob ein evangelischer Landesbischof sich in innerkatholische Belange einmischen soll oder nicht, mir geht es erst einmal nur um die Unterstellung, die sich andernorts nämlich etwas anders liest:

Eine Kirche, die für sich in Anspruch nimmt, sich in Lehre und Ordnung an den biblischen Texten zu orientieren, kann jedenfalls nicht auf Dauer Frauen von allen Ämtern der Kirche ausschließen

Unterschied bemerkt? Nein? Nun, Bee spricht von Weiheämtern, Fischer von Kirchenämtern. Kein Unterschied? Egal? Nun, das kommt darauf an. Geht jemand davon aus, daß ein Kirchenamt immer auch eine Weihe einbezieht, mag das stimmen. Sieht man sich aber an, wie Bee den Strang weiterdreht:

Hmm… also, so weit ich informiert bin, glauben Protestanten eh nicht daran, dass es just dieses Weiheamt gibt, wie kann es dann unbiblisch sein, es Frauen zu verweigern?
Ich mein, die Landeskirchen verweigern dieses Weiheamt doch jedem und jeder, oder?

Das Problem liegt nicht an der Weihe. Zumindest nicht für Protestanten, und sicher auch nicht für Fischer. Jedenfalls sagt er davon nichts (vielleicht kann jemand seine gesamte Rede im Wortlaut verlinken um das komplett abzusichern, weil ich hab nur die epd Meldung mit dem kurzen Zitat).

Wir Protestanten verweigern keine Weiheämter, weil es sie nicht gibt aus unserer Sicht. Bei uns ist jeder Priester, qua Taufe, deshalb verlaufen solche Ansätze eher im Sande:

Vielleicht sollte einer unserer Bischöfe beim nächsten evangelischen Kirchentag einfach mal in einem Interview erzählen für wie unbiblisch er es hält, dass die Protestanten ihren Männern so ein wichtiges Sakrament vorenthalten.

Es gibt genau zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl. Die SELK zählt noch die Beichte dazu, das ist aber innerhalb des Protestantismus (und auch des Luthertums) ne Minderheitenposition. Wie dem auch sei: Was es nicht gibt, kann nicht vorenthalten werden. Das Pfarramt gibt es jedoch – auch in der Kirche von Rom. Und das wird Frauen vorenthalten. Man kann sich ja darüber unterhalten, ob das okay ist oder nicht. Aber es ist erst einmal eine Tatsache, daß Frauen in der Kirche von Rom das Pfarramt vorenthalten wird, während alle Protestanten in ihrer jeweiligen Kirche vollen Zugang zu allen Sakramenten haben . und zwar jeweils as der je eigenen Sicht heraus.

Was nun das Biblische angeht: Wo steht da denn etwas von Weihe? Und wo steht, daß die Ämter auf Männer beschränkt sein sollen? Es ist die Rede vom Handauflegen, das gibt es aber auch schon bei der Taufe (zumindest bei uns).

Daher: Die Vergleiche mit dem Vorenthalten des Sakraments hinken nicht nur, sie stolpern, und die ganze Aufregung kommt alleine nur daher, weil etwas nicht so verstanden wird, wie es gesagt wird, sondern mit eigenen Ansichten vermischt wurde.

Nichts desto weniger frage ich mich, wieso der Chef der badischen Landeskirche sich jetzt unbedingt zur Zulassung von Frauen auf römischer Seite äußern mußte. Daß es da zu heftigen Reaktionen kommen mußte, war klar. Vielleicht hat er es ja wirklich gut gemeint mit den Glaubensbrüdern (die Schwestern treffen dort ja keine Entscheidungen), aber da wär ein rechtes Wort hinter den Kulissen wohl angebrachter gewesen. Dialog von Streitthemen in der Öffentlichkeit ist eher ne protestantische Tugend.

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Wieso nicht ein diakonischer Orden?

Orden ist vielleicht das falsche Wort, vielleicht auch eher Kommunität, aber wie man das Kind nennt ist ne Nebensache.

Ich hab mich vor längerem schonmal zu diakonischen Einrichtungen und Streikrecht, bzw überhaupt zur Frage nach der speziellen Rechtfertigung der Diakonie heute gefragt.

Schon aus diesen Artikeln dürfte hervorgehen, daß ich eine Diskrepanz sehe zwischen dem Soll und dem Ist. Einerseits ist es nicht einzusehen, daß für gleiche Arbeit verschiedene Bedingungen gelten, daß also Diakoniemitarbeiter im Gegensatz zu Mitarbeitern bei privaten Unternehmen etwa nicht streiken dürfen. Andererseits sehe ich durchaus, daß eine kirchliche Unternehmung hier vielleicht ganz andere Ziele hat als ein Privatunternehmen, dem es im Zweifel lediglich um den Profit geht. Auch sehe ich, wie kirchliche Einrichtungen unter finanziellen Druck geraten durch die private Konkurrenz, und immer mehr auf die Wirtschaftlichkeit und immer weniger auf die Menschlichkeit achten (können).

Im letzten Artikel schlug ich schon vor, daß die speziell christliche Arbeit vom Rest getrennt wird, also das spezifisch diakonische nicht mehr durch die Mitarbeiter erbracht wird, sondern durch andere Personengruppen. Dies würde dann dazu führen, daß die Mitarbeiter durchaus streiken könnten, ja die Diakonie könnte die ganzen Betriebe verkaufen und sich von dieser Belastung befreien.

Nun ist die Frage, wie soll das speziell christliche in der Pflege, in Kindergärten und sonstigen bisher diakonischen Einrichtungen gewahrt bleiben können? Ein Aufruf zu ehrenamtlicher Arbeit wird es nicht richten können. Trotzdem wird man für’s erste am Ehrenamt nicht vorbeikommen. Etwas anderes gibt es nicht, und sobald Geld fließt entsteht wieder der Druck, sich für nen Job taufen lassen zu müssen.

Ich denke man braucht auch eine entsprechende Struktur, und eine ganz spezielle Verbindlichkeit, um diese Fomen von Ehrenamt zu fördern, damit nicht eine zu große Fluktuation entsteht. Und ich dachte an die Anfänge der Diakonie. Da gab es die Diakonissen, die sich zu vielerlei verpflichteten, inklusive Ehelosigkeit. Nun will ich nicht zu speziell diesen Verpflichtungen zurück, aber eine Verpflichtung scheint mir sinnvoll zu sein.

Es geht mir darum, zu einer Konstanz zu kommen. Verpflichtungen, die Einschrännkungen beinhalten, gehen für gewöhnlich damit einher, daß man sich genaue Gedanken macht, nicht überstürtzt einer Sache zusagt und sie dann wieder sein läßt. Ich will das gar nicht bewerten, ich würde mich selbst auch eher in die letzte Gruppe einordnen, für derart gestrickte Menschen ist Microvolunteering sicher ne gute Alternative, aber eben kein auf Dauer ausgerichteter Dienst.

Daher die Idee mit dem Orden, oder der Kommunität, oder wie man es auch nennen will. Um Mißverständnisse gleich auszuräumen will ich noch einmal betonen, was ich nicht meine:

Mir geht es nicht darum, irgendwelche ehelosen Gemeinschaften zu gründen. Solche gibt es schon in verschiedener Ausprägung, aber daß die Ehelosigkeit in diesem Fall von Nutzen sein muß, sehe ich nicht.

Mir geht es nicht darum, irgend einer Form von gemeinschaftlichem Leben zu etablieren. Auch da gibt es schon verschiedene, ich sehe jedoch nicht, wie ein Zusammenleben notwendig sein müßte, um die Aufgabe zu erledigen.

Mir geht es schlicht darum, daß Menschen, die sich auf lange Zeit verpflichten wollen, um etwa Menschen im Altenheim zu besuchen, die von ihren Pflegern kaum mehr als Menschen wahrgenommen werden können, weil die Pfleger durch Zeit- und Personaldruck von einem zum anderen Hetzen müssen, in einer Organisationsform zusammenfinden, die ihr Engagement würdigt udn schätzt, und sie dafür auch zurüstet.

Dabei ist das Altenheim nur ein mögliches Aufgabenfeld. Es wäre ein eigener Artikel, alle Felder diakonischer Arbeit darauf abzuklopfen, was davon auch von Externen erledigt werden kann. Hierunter könnte auch das ethische Beratungsgremium aus dem letzten Artikel fallen, obwohl ich dort von Bezahlung sprach. Daher bin ich mir noch nicht ganz im Klaren.

Noch eher unklar als klar schwebt mir eine Ordensgemeinschaft vor, die nicht so sehr durch gemeinsames Leben, sondern durch gemeinsames Arbeiten gekennzeichnet ist. Wobei die Arbeit durchaus auch unabhängig voneinander geschehen kann. Mir schwebt eine verbindliche Verpflichtung auf den Dienst vor, ob auf Zeit (eine bestimmte Jahreszahl) oder Lebenszeit. Mir schwebt vor, daß die Verpflichtung im kirchlichen Rahmen auch gewürdigt wird (Segnungsgottesdienst o.Ä., es geht schließlich um ureigens kirchliche Aufgaben, wie die Kranken besuchen). Außerdem schwebt mir als Gemeinschaftsaspekt einerseits entsprechende Schulungen vor, oder zumindest Gedankenaustausch zwischen den einzelnen Verpflichteten, andererseits so etwas wie Supervision. Dazu könnte eine gemeinsame Form von Spiritualität kommen, ein gemeinschaftliches Gebet, eine Bibelstunde, irgend etwas in dieser Art, was einerseits die Verpflichteten zrüstet für ihre Aufgabe, und andererseits ach Gemeinschaft unter ihnen stiftet, ohne daß ihnen ein Privatleben verunmöglicht wird.

Aus all diesen Überlegungen könnte man dann eine „Ordensregel“ ableiten, die vielleicht mit der Benediktsregel nicht mehr viel zu tun hat, die aber auch anderen Zwecken dient. Statt Armut, Keuschheit und Gehorsam könnte man Aufopferung, Dienst und Gemeinschaft stellen. Halt eine Regel, die festschreibt, daß der Verpflichtete sich einerseits fest verpflichtet, seinen Dienst zu tun, ihn andererseits aber auch verpflichtet, sich zurüsten zu lassen, also nicht aus eigener Kraft versucht, etwas zu reißen (er gefährdet damit ja auch seinen Dienst, wenn er ins Burn-Out kommt), und nicht losgelöst von anderen agiert, sondern diese sowohl an seinen Erfahrngen teilhaben läßt wie auch sich von anderen helfen zu lassen.

Das halte ich grob für die zentralen Punkte. Ob es so etwas geben wird, ob das wirklich tragfähig ist, weiß ich natürlich nicht. Ich möchte es lediglich zur Diskussion stellen.

Und an alle die Atheisten, die jetzt sagen: Wir schaffen das auch ohne Gebet. Prima. Dann tut es. Die Erfahrung zeigt, daß die Diakonissen af mehr verzichteten, als nötig war. Aber sie haben mit ihrem Dienst etwas losgetreten, was heute staatlich abgesichert zum normalen Beruf geworden ist. Ihre Regeln waren vielleicht zu vorsichtig, aber besser so als andersrum. So sind vielleicht auch meine Gedanken etwas zu vorsichtig, aber wenn es sich in Zukunft auf schmalerer Basis als tragfähig erweist, wieso nicht?

Was ich nicht erwarte ist, daß so die Diakonie wirklich dazu übergeht und ihre Betriebe abstößt. Dafür ist es eine zu große Institution, die in Folge ihrer Größe auch zu träge für derart neue Gedanken ist. Außerdem umfasst sie noch ganz andere Arbeitsfelder, wie etwa die Beratungsstellen, wo eine Trennung von ebensogut säkular leistbarer Arbeit und christlicher Arbeit nicht zu erreichen ist, weil das Christliche hier kein Mehr, sondern ein Anders darstellt. Aber womöglich kann dann mittelfristig eine Einführung des Streikrechts und eine Abschaffung des Taufzwangs erfolgen bei gleichzeitiger Wahrung des christlichen Charakters durch die Verpflichteten.

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Taufe und Streikrecht

Beim Artikel zur muslimischen Erzieherin im protestantischen Kindergarten in Ludwigshafen kam es bei den Kommentaren dazu, daß das Problem angesprochen wurde, wenn Menschen sich taufen lassen, nur damit sie einen Job in der Kirche annehmen können.

Das Thema beschäftigt mich seit einer Weile immer mal wieder. Erstmals richtig bewußt wurde es mir bei einem Gastvortrag von Ekkehardt Thiesler von der KD Bank an der KiHo Bethel (2007 glaub ich, bin mir aber nicht mehr ganz sicher). Die KD Bank ist eine Kirchenbank, damit ist die Mitgliedschaft in einer ACK Kirche, und damit die Taufe, Voraussetzung für ein Beschäftigungsverhältnis. Jedenfalls war dies damals noch der Fall.

Und Thiesler erzählte auch davon, daß sich geeignete Bewerber dann halt noch taufen lassen, um die Stelle zu bekommen. Gerade im Osten käme dies oft vor, aufgrund der Kirchenferne weiter Teile der Bevölkerung dort.

Diese Situation ist natürlich unbefriedigend. Unbefriedigend für die Bank, die vielleicht ein paar ethische Standards einhält, aber ansonsten inhaltlich mehr mit anderen Banken als der Kirche zu tun hat (Prof. Erne fragte damals etwa nach, ob vor Sitzungen gebetet würde, was Thiesler verneinte), weil sie von Bewerbern die Kirchenmitgliedschaft verlangen muß, obwohl kein Grund dafür ersichtlich ist, unbefriedigend für die Bewerber, weil sie sich gezwungen sehen, ohne innere Überzeugung in eine Kirche einzutreten und im Zweifel Kirchensteuern zu zahlen, nur um den Job zu bekommen, und unbefriedigend für die Kirche, weil sie nun entscheiden muß, ob sie die Bewerber tauft, ob sie die Taufe verweigern kann, oder ob überhaupt eine Prüfung der Ernsthaftigkeit möglich ist.

Das gleiche Problem gibt es natürlich in allen kirchlichen Einrichtungen. Dazu kommen dann solche Probleme wie der „Dritte Weg“ bei den Lohnverhandlungen und dem Streikverbot für Kirchenangestellte.

Ich frage mich: Wieso nicht einfach alles lassen? Als Kirche.

Hört sich erst einmal übel an. Ist es vielleicht auch, trotzdem möchte ich den Gedanken etwas ausführen. Nehmen wir die Krankenpflege. Sie entwickelte sich stark unter den Bedingungen des Diakonissenwesens, hier bot Kirche Möglichkeiten, die es bei Vater Staat nicht gab, Hilfe für Bedürftige. Freilich war hier nicht nur die Kirche aktiv, aber sie spielte eine Rolle, wie sie auch heute noch viele Krankenhäuser betreibt.

Die Frage ist nun, was der Unterschied zwischen einem kirchlichen Krankenhaus und einem nichtkirchlichen Krankenhaus ist. Viel gibt es da nicht. Die andere Frage ist, wieso die Kirche sich hier engagiert. War Krankenpflege anfangs ein Gebiet, das vom Staat vernachlässigt wurde, ist es nun ein ganz normales Wirtschaftsfeld, das von einer Vielzahl von Betrieben bevölkert wird, darunter auch viele Private. Wieso also nicht zurückziehen aus der Geschichte, und dort handeln, wo keiner sonst handelt? So wie früher? Mehr Besuchsdienst, weniger professionelle Pflege, die vom „Markt“ erledigt werden kann. Dann können die Schwestern und Ärzte auch jeden x-beliebigen Glauben oder Unglauben haben und auch streiken (wobei ich durchaus auch welche kenn die sagen, sie würden nicht streiken, weil sich ja jemand um die Menschen kümmern muß). Gleiches könnte man bei der Bank machen: Da das Bankgeschäft eben normales Bankgeschäft ist, kann man auch Muslime, Atheisten und Hindus einstellen. Die ethische Ausrichtung könnte man durch ein weisungsbefugtes Gremium sicherstellen. Dann wären die eigentlichen Banker von der Kirche unabhängig, und doch drch das Gremium gebunden, das dann wiederum aus Kirchenethikern bestünde. Mehr Verbindung wäre IMHO nicht nötig, der Taufschein unerheblich.

Damit ginge auch einher, daß die Arbeiten, die von Getauften zu erledigen wären, etwa die Besuchsdienste, ehrenamtlich sein könnten, und so an sich nicht erstrebenswert für Menschen, die dies nicht freiwillig aus christlicher Nächstenliebe tun. Das Ethikgremium bei der Bank würde wohl von studierten (und promovierten?) Theologen besetzt, also nicht von Leuten, die sich „mal eben“ taufen lassen, um den Job zu bekommen.

Auch im Kindergarten könnte man die allgemeine Arbeit mit den Kindern von der religiösen Arbeit trennen, und so den religiösen Part ins Ehrenamt verfrachten. Dazu braucht es dann freilich kompetente Ehrenamtliche. Vielleicht könnten sich so auch neue Berufsgruppen entwickeln, wenn man den Ehrenamtlichen Aufwandsentschädigungen zahlt. Je mehr dies geschieht, desto mehr bekommt das Ganze dann wieder einen Jobstatus, und desto mehr werden auch Menschen in den Job drängen, die sich dann eben einmal taufen lassen, und desto mehr wird es zu einem Wirtschaftsfeld, was wiederum den Rückzug der Kirchen und die Konzentration auf das, was nicht getan wird, provoziert, was immer das dann sein mag.

Jedenfalls wäre dies eine Antwort auf die Frage, wieso die Kirche sich in Feldern engagiert, die auch von anderen in identischer Weise versorgt werden.

Gesellschaft, kirche

Von Werken und Gemeindewachstum

Peter hat eine Erfahrung im Zusammenhang mit der Betriebswirtschaft in einem Artikel gebracht:

Ein Dozent berichtete vor kurzem, er habe in einem Seminar mit BWL-Studenten gefragt, was der Zweck eines Unternehmens sei. 90% antworteten “Geld verdienen”. Er sei versucht gewesen, “setzen, Sechs.” zu antworten, habe dann aber etwas behutsamer erklärt, dass Gewinne zwar zum Überleben des Unternehmens wichtig seien, aber eben kein Selbstzweck.

Das erinnert mich ein wenig an meine erste BWL Vorlesung, damals 2001, bei einem gewissen Herrn Pampel, der durchaus verschiedene Ziele eines Unternehmens aufzählte, dann aber alles unter „Gewinn machen“ subsumierte, da man alle weiteren Ziele über Geld erreichen könnte.

Dies war der einzige Satz, der von dem Pflicht-BWL, das ich als Student der Softwaresystemtechnik belegen mußte, hängen blieb (ich wrde mit dem Fach nicht besonders warm und meine Noten waren unterirdisch. Später belegte ich in Mainz als Theologiestudent noch einmal „VWL für Nichtökonomen“, das vom Dozenten nach meiner subjektiven Meinungbesser aufgebaut war nd mir mit einer 2 auch ne erheblich bessere Note bescherte, Wirtschaft an sich find ich schon spannend, aber naja…).

Jedenfalls hab ich mich oft über diese Engführung der Unternehmensziele geärgert, weil eben Gewinnmaximierung einigen Zielen zuwiderlaufen kann, auch wenn man sie dann nachträglich per Geldinvestition verfolgt. Wenn man so am Ende zu einem gewissen Ausgleich zwischen Gewinn und eigentlichem Ziel kommt, kann man froh sein, in den seltensten Fällen kommt man dem eigentlichen Ziel so viel näher, nach meiner Überzegung.

Genug WiWi-Gebashe! Peter bezieht das Ganze dann auf die Kirche, und zwar nicht auf die Kosten- nd Spardebatten, die in den Landeskirchen allenthalben toben (das wäre nochmal ein eigenes Thema!), sondern auf die Wachstumszentrierung, die es so häufig gibt.

Er setzt dem Streben nach vielen Mitgliedern (oder geretteten Seelen) das „suchet der Stadt bestes“ entgegen. Ebenso wenig wie Gewinnmaximierung alleiniger Zweck des Unternehmens ist, ist Mitgliederwachstum alleiniger Zweck der Kirche:

In dem Moment, wo sich irgendeine Organisation als Selbstzweck definiert, verhält sie sich ihrer Umgebung gegenüber parasitär. Denn selbst der gesündeste Organismus wächst nicht grenzenlos vor sich hin. Und wenn Zellen im Körper nichts anderes mehr im Sinn haben, als möglichst schnell zu wachsen, dann ist das ein Tumor.

Ich meine, Zweck der Kirche ist es, zu Verkünden, sicher, und für diejenigen, die angesprochen werden, auch Gemeinschaft zu sein. Aber eine Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen ist doch etwas kurz. Was soll man in der Gemeinschaft tun, außer mal so richtig gemeinschaftlich zu sein und noch mehr Gemeinschafter zu werben?

Ich meine, da kommt dann ganz schnell das Nächstenliebegebot zum Tragen. Wir sollen ja auch Salz der Erde sein. Das schlägt sich dann wohl in entsprechenden Taten (Werken) nieder. Diese sind vielleicht nicht nötig, um sich das Heil zu erwerben (als ob man als Mensch das selbst tn könnte!) und sich selbst zu retten, wohl aber werden gute Werke als Beleg des rechten Glaubens genannt (Glaube ohne Werke ist tot). Und ich meine, es ist durchaus zu kurz gegriffen, wenn man unter den Werken dann nur Evangelisierung versteht. Das hat dann auch ne recht schwache Außenwirkung. Wenn wir unseren Glauben bewerben, dann ist das nachvollziehbar, aber nur normal. Jeder wirbt für die eigene Gruppe, das eigene Produkt. Wenn sonst nichts (oder nicht viel) kommt, ist der Vorwurf bestimmter Atheisten schnell gemacht, daß es uns nur ums Geld ginge, das wir von Neumitgliedern abgreifen könnten.

Andersrum ist aber Handeln in Nächstenliebe ebenfalls gute Werbung und Provokation zum Nachfragen: Wieso tun die das? Damit hat man dann auch einen Anknüpfungspnkt zur Verkündigung. Vielleicht wächst man nicht so schnell, aber man hat einen Zweck, der außerhalb der Kirche selbst liegt. Das Salz ist nicht dazu da, salzig zu sein, sondern um andere Speisen zu würzen. Es hat keinen Selbstzweck.

Das Wachstum allerdings liegt nicht in unseren Händen. Die Bibel gibt uns auch nirgends den Auftrag, ne gewisse Wachstumsrate zu erfüllen, oder eine bestimmte Taufrate. Der Glaube, und damit der Wunsch zur Taufe und die Mitgliedschaft, kommen von Gott. Es liegt in Seiner Hand. In unserer Hand liegt es, zu sähen, also zu verkündigen und Liebe zu üben untereinander und zu allen. Vielleicht sollten wir, bevor wir uns um Gottes Job kümmern, unseren eigenen machen.

glaube, kirche

Was bringt mir das?

Ostern! In diesen Tagen werden auch die Kritiker von Kirche und Glauben aktiv, und schreiben etwa auf, wie sie das alles so sehen. Und ich will das gar nicht groß kritisieren (obwohl ich schon mehrfach schrieb, daß man das alles auch anders verstehen kann). Solche Kritik ist wichtig, um uns Kirchengliedern und Gläubigen zu zeigen, wie gut wir unseren Glauben nach außen darstellen.

Und wenn ich mir das so durchlese: Nicht gut.

Klar kann man jetzt meckern über polemische Vereinfachung und Konzentration auf gewisse amerikanische Strömungen bei der Kritik, auf einseitige Wahrnehmung etc etc etc. Geschenkt.

Statt dessen, finde ich, sollte man dem das Eigene entgegenstellen.

Der verlinkte Artikel geht ja sehr von der Frage „Was bringt mir das?“ aus. Wieso sollte ich an Gott glauben, wenn…?

Der Glaube an Gott wird so zum Wellness-Tool. Wenn es mir mit besser geht, wieso dann nicht? Wenn es mir ohne genausogut geht, wieso damit befassen?

Wieso damit befassen?

Darin könnte ein Knackpunkt liegen. Das setzt voraus, daß man zum Glauben als Glaubender ein distanziertes Verhältnis hat, sich damit befaßt, ohne daß es einen erfaßt. Aber wie soll das gehen?

Sicher kann ein Erfaßter sich auch mit dem Glauben, der ihn erfaßt hat, befassen. Ebenso kann man auch als nicht Erfaßter sich mit dem Glauben befassen, aber es ist ebe nicht das Gleiche!

So wie jemand, der nur distanziert-sachlich über seinen Fußballverein spricht und denkt, schwerlich als „Fan“ durchgeht. Gleichwohl müssen Fragen beantwortbar sein. Der Glaube kann kein widersinniges System stützen, wie in der oben verlinkten Kritik. Das mit ihm verbundene System muß mindestens so viel Sinn ergeben, wie alle konkurrierenden Systeme. Jemand der sieht, daß in einem bestimmten Verein objektiv sehr guter Fußball gespielt wird, kann dies anerkennen, auch ohne selbst zum Fan zu werden. Etwa, weil er sich mehr für Synchronschwimmen interessiert, was auch nicht verwerflich ist.

Aber der ergleich hinkt, denn beim Glauben geht es nicht nur um einen persönlichen Geschmack. Glaube an Gott, zumindest der christliche Glaube, erhebt den Anspruch – meiner Meinung nach zu Recht – die Wahrheit zum Inhalt zu haben.

Glaube hat etwas mit Wahrheit zu tun, etwas mit der Überzeugung von einer Wahrheit. Man ist davon überzeugt, daß das, was man da glaubt, an den man da glaubt, wahr ist.

Insofern ist die Frage nach dem Nutzen vielleicht etwas zu kurz gegriffen. Die eigentliche Frage ist: Stimmt es, oder stimmt es nicht?

Aber wie findet man so etwas raus? Und um was geht es eigentlich genau? Was ist der Inhalt, der wahr oder unwahr ist? Schöpfungsgeschite im Sinne der Kreation? Anzahl und Namen der Söhne Israels? Korrektes Feiern der Liturgie nach Agende? Genaue Kenntnis aller Dogmen und Konzilsbeschlüsse sowie unkritisches Für-wahr-halten derselben? Ich meine – ich hoffe – er Glaube läßt sich konkretisieren auf wenige Punkte, aus welchen sich dann alles andere ableitet. Oder auch nicht, dann sollte man drüber reden.

Einen ersten Schritt bei der Fassung dieser Konkretion des Inhalts des Glaubens will ich hier versuchen. Es soll um Freiheit und Unterordnung gehen.

Freiheit wird von vielen wenn nicht allen Menschen angestrebt. Dem entspricht auf den ersten Blick, daß die Unterordnung unter einen Gott für viele Glaubenskritiker einer der Hauptgründe gegen den Glauben ist. Gibt man damit nicht seine Freiheit auf? Wird man nicht zum unkritisch-dummen Nachbeter der ewig selben Pseudowahrheiten, die nebenher als Vorwand benutzt wurden, um viele weitere Menschen in Unfreiheit zu halten?

Der Vorwurf ist historisch sicherlich nicht unberechtigt. Es gab und gibt Menschen, die sich auf Dogmen zurückziehen, die diese als wahr betrachten ohne sie begründen zu können, abgesehen etwa von Autoritätsargumenten.

Aber der Vorwurf ist gleichzeitig auch unwahr, da es zu allen Zeiten Menschen gab, die gleichzeitig äußerst fromm waren und trotzdem den eigenen Gauben kritisch hinterfragten, ehrlich nach Begründungen suchten und gerade nicht auf die Nutzbarmachung von Dogmen zur Unterdrückung anderer schielten.

Trotzdem ordneten sie sich unter. Unter Gott, wie sie Ihn verstanden, und wie sie es für vernünftig hielten.

Andere Menschen halten anderes für vernünftig, und hier wird die Sache schwierig. Denn nach welchen Kriterien sollte man ermessen, wer sich jetzt der Wahrheit unterordnet?

Aber zuerst eine andere Sache: Der Wahrheit unterordnen! Wäre eine Unterordnung in diesem Fall auch eine Aufgabe der Selbständigkeit? EIn Freiheitsverlust? Da größte zu vermeidende Übel?

Ich meine, eine Unterordnung unter die Regeln der Wahrheit bedeutet nicht Knechtschaft, vielmehr wird von allen Menschen angestrebt, den Regeln der Wahrheit zu folgen. Damit könnte man auf die Idee kommen, daß die Unterordnung unter die Wahrheit Freiheit bedeutet. Unterordnung wäre also nicht in jedem Fall schecht.

Ich gehe sogar soweit, daß es hier die größte Freiheit gibt und daß jede Freiheit (auch die eingeschränkten Varianten) immer auch einer gewissen Ordnung (und damit Unterordnung, und sei es unter den eigenen egoistischen Willen) bedarf. Die Ordnung gibt den Rahmen vor, in dem man frei handeln kann. Ohne solche Ordnung, kann einem jede mögliche Freiheit bestritten werden. Manche Ordnungen geben einem mehr Freiheit, andere Ordnungen weniger.

Wir haben nun also verschiedene Systeme im Vergleich: Die einen ordnen sich Gott unter, andere anderen Idealen, vom säkularen Humanismus über all die verschiedenen Religionen bis hin zu menschenverachtenden Systemen und persönlichem Egoismus, die Freiheit nur für einige wenige bereit halten (und diese dann wiederum unfrei machen, weil sie an ihrer Macht hängen und dadurch unfrei werden in ihrem Handeln: Was die Macht mindert liegt außerhalb der Möglichkeiten).

Die Frage, was wahr ist, entspricht also wohl der Frage, unter wen oder was man sich unterordnen muß, um die größtmögliche Freiheit zu erfahren.

Dies halte ich für eine Kernfrage, die, falls überzeugend beantwortet, dem entsprechenden System viel Zustimmung bringen würde.

Ich meine weiter, daß es im Christentum um nichts anderes geht als um eben diese größte Freiheit:

Zentral im Christentum sind Karfreitag und Ostern, also Tod und Auferstehung Jesu. Versteht an diese nicht so, wie in der oben verlinkten Kritik, sondern eher im Rahmen der ebenfalls verlinkten alternativen Betrachtungsweise, dann hat das Ganze viel mit Freiheit zu tun. In Kürze kann man es so fassen:

Der Teufel hält die Welt gefangen und versucht über alles die Kontrolle zu bekommen, sich alles unterzuordnen. Den Teufel kann man hier als Chiffre für all das bezeichnen, was man als böse ansieht (man kann es sicher auch objektiver fassen aber für den Anfang reicht diese subjektive Sichtweise). Gegenspieler ist Gott, der die Welt befreien möchte.

Der Teufel geht auf folgende Weise vor: Er bringt den Menschen (jeden einzeln) dazu, etwas zu tun, das Unrecht ist. Dann benutzt er dies gegen den Menschen, um ihn immer tiefer in unrechten Taten zu verwickeln, indem er die erste Tat zu decken versucht. Ziel ist es, den Menschen zu isolieren, ihm keine Entwicklungsmöglichkeit zum Guten hin zu geben und ihn im Netz aus Unrecht und Lüge, das er um sich gesponnen hat zu ersticken. Dabei setze dann die einen Menschen auch die anderen unter Druck, in einer gewissen unrechten Weise zu handeln. Ziel des Teufels bleibt die Kontrolle. Wer stirbt, kommt ebenfalls in seinen Machtbereich, den Tod, die Hölle.

Gott kann nicht viel machen. Schließlich wird er Mensch, und gleich fängt der Teufel an und verucht, Ihn zum Bösen zu verleiten. Gott-als-Mensch (Jesus) läßt sich jedoch nicht darauf ein, also setzt der Teufen Ihn durch andere unter Druck, bis hin zu Seiner Ermordung. Denn so käme Gott-als-Mensch ebenfalls in den Tod ud wäre unter des Teufels Gewalt. Sowohl die Toten als auch die lebend-isolierten sind im Grunde ohne Beziehung und damit tot.

Doch der Einsatz Gottes für die Menschen befreit diese aus Tod und Hölle. Gott ist größer als der Teufel, das Gute größer als das Böse, und so werden Beziehungen wieder möglich. Gott besiegt Tod und Teufel und überwindet damit die Hölle.

Damit eröffnet Gott neue Möglichkeiten für diejenigen, die schon ziemlich verstrickt sind in ihr eigenes Unrechttun. Sie kriegen wieder Hoffnung, weil Gott in Seinem Tun quasi sagt: Das Unrecht das Ihr tut, rechne ich Euch nicht an (wiewol es trotzdem Unrecht bleibt!), gehet hin und sündigt fortan nicht mehr.

Er befreit die Menschen aus den Verstrickungen der Hölle, indem Er sie annimmt, sie liebt, trotz aller Taten, mit denen der Teufel sie zu kontrollieren sucht. Damit ist die Macht des Teufels gebrochen, oder etwas weniger mystisch ausgedrückt: Die Macht, die unsere unrechten Taten über uns haben.

Und das halte ich für eine unglaublich befreiende Wahrheit. Denn es erlaubt einem, alles zu tun, was einen Gut dünkt (≠wozu man gerade Lust hat) und hält einen nicht in äußeren Zwängen gefangen, wie das Tun unrechter Taten. Während man untergeordnet unter Gott sowohl Gutes als auch Böses tun kann, ist man bei anderen Unterordnungen in Sachzwängen gefangen und damit in seinem Handeln auf die Sachzwänge eingeschränkt.

Wenn jetzt jemand meint, daß auch er nicht von Sachzwängen eingeschränkt sei und eben so eine Freiheit habe, wie der sich Gott unterordnende Christ, dann habe ich zweierlei dazu zu sagen:

  1. Ich freue mich aufrichtig für Dich, und daß Du diese Freiheit erlebst.
  2. Womöglich sind wir beide näher beieinander als es den Anschein hat.

Übrigens würde ich für mich nicht in Anspruch nehmen, mich gar nicht mehr durch Sachzwänge beeinflussen zu lassen. Daher bedarf ich immer wieder der Vergebung Gottes. Dieser kann ich jedoch gewiß sein, und so kann ich es immer wieder aufs Neue versuchen, ohne Sachzwänge zu leben und nur noch Gutes zu tun. Dies zu erreichen ist mein sehnliches Ziel.

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

kirche

Von Scheidung und Kindesmißbrauch

Gestern ging es in den Netzfunden ja schon um die geschiedenen Kindergärtnerin in Königswinter, die ihren Job im katholischen Kindergarten verlor. Heute nun lese ich bei Volker Schnitzler über das Glaubwürdigskeitsproblem der Katholischen Kirche, das auftritt, da Kindergärtnerinnen wegen einer Scheidung ihren Job verlieren, während Priester, die Kinder mißbracht haben, weiter im Dienst bleiben können.

Gut und wichtig finde ich, daß er hervorhebt, daß das Problem nicht ist, daß man mit den Priestern barmherzig ist, sondern ungleiche Maß:

Das Skandalöse ist dabei nicht der zugewandte und begleitende Umgang der Kirche mit Priestern, die sich an Kindern vergriffen haben, skandalös ist tatsächlich das ungleiche Maß, mit dem hier gemessen wird.

Also Nichtkatholik und Beobachter von außen meine ich, die Ursache liegt in der Verschiedenartigkeit der Vergehen: Während der Kindesmißbrauch ein zeitlich begrenzter Akt ist, den man im Nachhinein bereuen kann, ohne groß etwas tun zu müssen, geht es bei einer Trennung oder neuen Partnerschaft um einen anhaltenden Zustand.

Der Priester kann sagen „es tut mir Leid ich tu es nicht wieder“, kann sich meinetwegen dem Gerichtsverfahren stellen etc, aber er befindet sich nicht derart in einem sichtbaren Zustand der Trennung vom Ideal Roms. Der Geschiedene allerdings kann die Scheidung tausendmal bereuen, so lange er sie lebt, also vom alten Partner getrennt ist oder  gar mit einem neuen Partner zusammenlebt, negiert er seine „Verfehlung“ nicht in der Art, wie es der Priester mit einem einfachen „es tut mir Leid“ tun kann.

Das liegt weniger darin, daß ein Unterschied zwischen Priestern und anderen Katholiken gemacht würde, sondern ganz einfach in der Art der Verfehlung.

Um hier zu einem gleichen Maß zu kommen, könnte es hilfreich sein zu reflektieren, ob man die Scheidung anders interpretiert. Das Problem ist ja wie gesehen, daß die Verfhelung hier in dem Zustand der Trennung gesehen wird. Solange dieser Zstand anhält, ist das Problem nicht vom Tisch. Vielliecht sollte man sich dazu durchringen, nicht das getrennt sein als den Knackpunkt zu sehen, sondern den Akt der Trennung.

Verwerflich wäre dann nicht, daß man eien neuen Partner hat oder auch nur getrennt lebt, sondern daß man sich getrennt hat. Dieses Faktum kann man dann auch bereuen. Man kann auch für die Zukunft sich vornehmen, sich nie wieder von einem Partner zu trennen, so wie der Priester nach dem Bereuen sich ebenfalls vornehmen muß, keine Kinder mehr zu mißbrauchen.

Aber ebenso wie die Kinder nun mißbraucht sind, der Schaden angerichtet und nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist, so könnte man auch davon ausgehen, daß, obwohl der Mensch nicht scheiden soll, was Gott zusammengefügt hat, mit der Trennung der Schaden eben auch angerichtet ist, und der Schaden nicht im getrennt sein besteht.

Wenn ich es mir recht überlegen ist dies sogar recht unbarmherzig. Man verlangt, eine Beziehung zu leben, die kaputt ist. Man verlangt also vom Betroffenen, daß das, was geschehen ist, ungeschehen sein muß. Da könnte man von den Kinderschändern auch gleich verlangen, daß der Mißbrauch ungeschehen gemacht wird.

Beides geht nicht. Leben müssen wir mit unseren Fehlern. Man kann verlangen, daß Fehler bereut werde Aber niemand kann Geschehenes ungeschehen machen.

Doch wie gesagt: Ich gehöre nicht zur Kirche von Rom, und beobachte das Ganze nur von außen.