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Gedanken aus der Stille IV

Dieser Text bezieht sich auf Gen 18, 1-15

Bis zur Szene in Mamre ist ein langer Anlauf nötig. Am Ende des Anlaufs stellt sich die Szene in Mamre dann so dar: Abraham ist im Hain des Amoriters Mamre sesshaft geworden und mit ihm, Eschkol und Aner einen Bund eingegangen. Er ist schon so fest mit dem Hain Mamre verbunden, dass er als „Hebräer, der im Hain Mamres wohnt“ bezeichnet wird (Vgl. Gen 14, 13). Er verfügt schon über Wohlstand, wie aus Gen 14, 14 hervorgeht. Man darf wohl davon ausgehen, dass sich die Situation noch verbessert haben wird. Auch das Problem eines eigenen Erben ist gelöst – trotz Streitigkeiten zwischen Sara und Hagar wurde Abraham mit 86 Jahren Vater von Ismael. Doch in Gen 17, 15 ff dann die Ankündigung: Nicht Ismael soll der sein, mit dem Gott den Bund, den er mit Abraham schloss, fortführt. Sara, die schon in Kapitel 11 als unfruchtbar vorgestellt wird und von deren Unfruchtbarkeit jetzt schon aufgrund ihres Alters auszugehen ist, soll Mutter werden. Ismael soll es wohl ergehen, doch Bundespartner soll der leibliche Sohn Abrahams und Saras werden. Vor dieser Situation steht Abraham, als ihn in Gen 18 die drei Fremden begegnen.

Die Mittagszeit ist eine ungewöhnliche Zeit, um unterwegs zu sein. Damit auch ja nicht übersehen wird, wie ungewöhnlich das Auftauchen der Fremden ist, wird noch erwähnt, dass sie ausgerechnet zu der Zeit unterwegs sind, als es am heißesten ist. Abraham bietet den drei Fremden mehr als nur eine kurze Rast im Schatten an. Die Fußwaschung ist Zeichen dafür, dass er sie zu einem längeren Aufenthalt einlädt (vgl. Bedeutung der Fußwaschung). Die Vorbereitungen Abrahams für ein Essen überraschen daher nicht mehr. Dass es sich um drei Gäste handelt, mag seine Ursache in der Bedeutung der Zahl drei für Geschichten generell haben. Von dieser schon im Orient bekannten Zahlensym-bolik leben auch heutige Märchen, wenn z.B. nacheinander drei Söhne aufbrechen, um eine Aufgabe zu erfüllen und erst der dritte Erfolg hat. Führt man sich diese Bedeutung der Zahl drei vor Augen, ist klar, dass hier von Anfang an alles auf ein gutes Ende eingestellt wird: Abraham verhält sich freundlich und die Zahl der Gäste stimmt auch.

In das ruhige, geordnete Leben Abrahams und Saras treten also drei Männer – und mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei. Nicht nur, dass in aller Eile ein Gastmahl vorbereitet wird und Abraham – meiner Meinung nach – ziemlich hektisch hin und her eilt. Kaum ist er äußerlich zur Ruhe gekommen und sitzt wieder bei seinen Gästen, werfen diese seine Zu-kunftspläne durcheinander und einer wiederholt bereits Verkündetes: Sara wird binnen einen Jahres einen Sohn gebären. Die Worte sind an Abraham gerichtet, doch Sara hört sie im Zelt – und denkt sich ihren Teil. Sie, die alte Frau, die schon in jüngeren jahren unfruchtbar war, soll mit ihrem noch älteren Mann einen Sohn zeugen und gebären? Nein, das geht nicht, das sprengt ihre Vorstellungskraft. Sie lacht – doch ich habe Zweifel daran, dass es sich um ein fröhliches Lachen handelt.

Für sie muss diese Aussage wie blanker Hohn klingen, der wieder einmal Salz in die Wunde streut, dass sie kein Kind hat. Und doch stellt sie die Frage: „Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich alt bin?“ Aus der griechischen Übersetzung geht hervor, dass es sich dabei um ein Selbstgespräch handelt, vielleicht eine an Gott gerichtete Frage. Gott wiederum antwortet über Umwege – er leitet Saras Frage an Abraham weiter (Gen 18, 13) – und fragt ihn gleich noch, warum Sara gelacht habe. Kein Wunder, dass Sara erschrickt und abstreitet, gelacht zu haben. Dabei befindet sie sich mit Fragen und Lachen in der Gesellschaft Abrahams wieder. Auch er hat über Gottes Ankündigung gelacht und gefragt, wie das denn möglich sein soll (Gen 17, 17). Wenn also jemand für Saras Lachen und Fragen vollstes Verständnis haben müsste, dann doch Abraham. Doch ihr Schreck rührte wohl eher von der Frage her, die Gott stellt: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? In diesem Moment wird deutlich: Sara hat hier nicht Gott ein Frage gestellt. Gott Fragen stellen ist kein Problem, von Fragen an Gott berichtet die Abrahamsgeschichte mehrfach. Doch Sara hat hier – wie schon zuvor übrigens Abraham – die Macht Gottes, sein Wort und damit ihn selbst in Frage gestellt. Genau das wird ihr vermutlich bewusst, als sie die Frage hört: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Da vergeht ihr das Lachen so gründlich, dass sie leugnet, überhaupt gelacht zu haben. Eine größere Distanzierung zur Tat, als zu leugnen, sie begangen zu haben, ist kaum denkbar. Nur noch die Bitte um Vergebung könnte eine größere Distanzierung von der Tat sein. Doch die Bitte um Vergebung bleibt aus. Die Tat bleibt im Raum stehen: Es ist nicht so, du hast gelacht. Doch trotz der Schuld hält Gott an dem Gesagten fest.

Die Fremden, Gott selbst, haben wieder Bewegung in das Leben von Sara und Abraham gebracht. Abraham begleitet die Männer am nächsten Tag – mit seiner Sesshaftigkeit ist es erstmal  vorbei. Ihm und Sara ist ein gemeinsamer Sohn verheißen. Wo Gott spricht, geraten Dinge in Bewegung, die festgefügt scheinen. Alle sachlich durchaus begründeten Zweifel ändern nichts an der Dynamik des Wortes Gottes.

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Gedanken aus der Stille III

Gott beauftragt Mose in Ex 3 damit, Israel aus Ägypten herauszuführen. Diese Aufgabe erscheint Mose einige Nummern zu groß. Kein Wunder, wenn man sich sein bisheriges Leben vor Augen führt: Als Angehöriger eines Knechtvolkes geboren. Am Herrscherhof aufgewachsen. Dann als Verbrecher gesucht. Schließlich Viehhirte seines Schwiegervaters. Kein Wunder, dass Mose da fragt: Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe und Israel aus Ägypten herausführe? Dahinter steckt die Frage: Warum ausgerechnet ich? Du, Gott, kennst doch mein Leben. Du weißt doch, was ich für einen tiefen Absturz hinter mir habe – vom Königspalast zu Schafen in der Steppe. Reicht dir das denn nicht, um zu erkennen, dass ich völlig ungeeignet für diese Aufgabe bin? Warum bitteschön ausgerechnet ich??? Gottes Antwort ist kurz und knapp: „Weil ich mit dir sein werde“. Kein Blick mehr auf die Vergangenheit Moses. Kein Abwägen seiner Schwächen gegen seine Stärken. Allein die Tatsache, dass Gott mit ihm sein wird, ist Legitimation genug. Da mag Mose sich schon gefragt haben: Woher weiß ich, dass das stimmt? Woher weiß ich, dass du wirklich mit mir bist – und ich nicht grade nur einen Anfall von Sonnenstich und Größenwahn erleide? Diese Frage steht zwar nicht im Text, aber Mose ist ein hartnäckiger Fragensteller, und die weitere Rede Gottes zeigt, dass er mit dieser Frage zumindest rechnet, wenn er sagt: „Und das soll dir ein Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe“. Endlich, ein Zeichen wird angekündigt, etwas Handfestes – doch noch ehe sich Mose darüber freuen kann, die Ernüchterung: „Wenn du mein Volk aus Ägyptenland geführt hast, werdet ihr opfern auf diesem Berg“. Gott gibt eine Zusage für die Zukunft. Mose wird in der Zukunft erst erkennen, dass Gott ihn jetzt sendet. Gott spricht Mose auf Vergangenes, seine Herkunft an. Er spricht ihn in der Gegenwart an und sendet ihn in die Zukunft. Erst in der Zukunft wird sich Gegenwärtiges als richtig erweisen. Gottes Handeln umschließt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es braucht Neugier, sich auf Gottes Handeln einzulassen – Mose hat sie schon gezeigt, als er auf den brennenden Dornbusch zuging.

Mose fragt erst noch weiter, bringt Einwände hervor, warum er garnicht geeignet sei. Doch Gott hält an der Sendung fest. Schließlich übernimmt Mose die Aufgabe. Und nach längerer Auseinandersetzung zwischen Gott, Mose und Pharao verlassen die Israeliten schließlich tatsächlich Ägyptenland. Und nun wiederholt sich in anderen Maßstäben, was sich zuvor ereignet hat. Mose wurde der Weg zu Gott, zu einer Beziehung mit Gott durch den brennenden Dornenbusch gezeigt. In der Wüste nun wird Israel der Weg bei Nacht von Gott durch eine Feuersäule gezeigt. Gott lässt die Menschen nicht orientierungslos herumirren, sondern hilft bei der Orientierung. Gott führt das Volk durch die Wüse – gemeinsam mit Mose. Vorher hütete Mose die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro. Schafe und Ziegen sind eine interessante Mischung. Beides sind Herdentiere, doch während Schafe eher dem allgemeinen Herdendrang bzw Gruppendrang folgen, können Ziegen mitunter recht eigenwillig und stur sein – zumindest habe ich das so erlebt. Mose kennt sich also aus mit Gruppen und Eigenwilligkeit. Der Weg durch die Wüste zeigt, dass er dieses Wissen im Umgang mit dem grade aus Ägypten geführten Volk brauchen wird. Immer wieder hadert dieses Volk mit Gott und Mose. Sie sehnen sich sogar zurück nach Ägypten, als sie in der Wüste hungern. Mose hat sie zwar aus dem Land Ägypten geführt, doch mit Kopf, Herz und Magen kehren sie noch immer dorthin zurück, sobald Schwierig-keiten auftauchen. Sie sind noch nicht ganz befreit, noch nicht ganz aus Ägypten herausge-führt. Als sie schließlich nach Wasser dürsten, stellen sie Gottes Anwesenheit in Frage (Ex 17). Gott aber versorgt sie mit Wachteln, Manna und Wasser und führt ihnen auch durch einen siegreichen Kampf gegen Amalek vor Augen, dass er mit ihnen ist (Ex 16-17). Nach der Versorgung mit Nahrung und der Hilfe im Angesicht von Feinden kommen sie schließlich am Berg Gottes an (Ex 18). Jetzt folgt auch das Opfer, das Gott Mose als Zeichen angekündigt hat. Die Beziehung zwischen Israel und Gott bleibt nicht frei von Rückschlägen. Doch ab jetzt wird das Volk Israel nicht mehr wehmütig an die Fleischtöpfe Ägyptens zurückdenken. Jetzt erst ist das Volk Israel ganz aus Ägypten herausgeführt. Und am vollzogenen Opfer erkennt Mose nun im Rückblick: Gott hat seine Zusage, mit ihm zu sein, eingehalten. Er, Mose, war tatsächlich von Gott gesandt, das Volk Israel aus Ägypten herauszuführen – diese Aufgabe hat er nun erfüllt.

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Gedanken aus der Stille II

Berufung und Folgen: Gott, Mose und Israel, 1. Teil

Da dieser Text etwas umfangreicher ist, werde ich ihn in mehreren Teilen hier veröffentlichen.

Mose führt zu Beginn von Kapitel 3 ein ganz normales Leben. Einst als Flüchtling aus Ägypten gekommen, hat er eine neue Bleibe bei der Familie Jitros gefunden und hütet dessen Schafe und Ziegen. Nichts deutet auf besondere Ereignisse hin – bis er den brennenden Dornbusch sieht. Nun brennt auch Mose – vor Neugier. Der Busch brennt und verbrennt doch nicht. Mose beschließt, sich das genauer anzusehen – und wird von Gott angesprochen. Der Wille Gottes, auf sich aufmerksam zu machen und die Neugier Moses bewirkten das Zusammentreffen von Gott und Mose. Es ist der Beginn einer ganz besonderen Gottesbeziehung.

Für Gott ist bereits klar, was er vorhat – er wird es Mose später sagen. Doch Gott spricht nicht sofort zu Mose. Erst weckt er seine Neugier, macht ihn gierig für etwas Neues – und damit offen für etwas Neues. Erst als diese Gier, dieses Verlangen nach etwas Neuem geweckt ist, spricht Gott ihn an – mit etwas Altem, Vertrautem: Seinem Namen. Mose nähert sich dem Busch und wird mit seinem Namen angesprochen. Es kommt zu einer langsamen Annäherung zwischen Gott und Mose: Erst wurde Neugier geweckt, jetzt wird mit Vertrautem angesprochen. Eine ganz behutsame Annäherung findet da statt. Jetzt kann sich Gott der ganzen Aufmerksamkeit Mose sicher sein. Mose antwortet auf den Ruf Gottes: „Hier bin ich“. Volle Aufmerksamkeit – und Gott setzt eine Grenze. Kein „Höre die Worte des HERRN“, sondern „Tritt nicht herzu“ sind die nächsten Worte. Keine sehr ermutigende Fortführung des noch jungen Gesprächs. Und doch notwendig. Denn Mose kommt ja, um den Dornbusch anzusehen. Er will ergründen, was es damit auf sich hat. Im Dornbusch aber zeigt sich der Bote Gottes – Mose will unwissentlich etwas ergründen, was göttlichen Ursprungs ist, aus göttlichen Sphären stammt. Das aber würde Moses Kraft übersteigen und an „göttlicher Sphäre“ rütteln. Da muss zum Schutze Moses eine Grenze gezogen werden, deshalb die Aufforderung: „Tritt nicht herzu“, versuche nicht, göttliches Wesen zu ergründen. Auch die Aufforderung, die Schuhe auszuziehen, weil der Boden heiliges, d.h. Land Gottes, ist, markiert eine Grenze. Sich in fremden Häusern die Schuhe auszuziehen war damals mehr als der Versuch, keinen Dreck ins Haus zu tragen. Es bedeutete auch: Ich erkenne an, dass ich hier Gast bin und jemand anderes der Hausherr. Indem Mose – wenn auch unwissentlich – heiliges Land mit Schuhen betrat, focht er die Hausherrschaft Gottes an. Gott aber verzichtet auf Strafe. Er verlangt nur, dass Mose jetzt seine Stellung anerkennt und zum Zeichen dessen die Schuhe auszieht. Dann erfährt Mose, wer diese Forderung stellt: Der Gott seines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Das ist nicht nur die Vorstellung Gottes. Zugleich wird unwiderruflich von Gott festgestellt: „Mose, der Ort, an dem du lange Jahre aufgewochsen wbist, ist nicht dein Herkunftsort. Du gehörst zum Volk der Hebräer, nicht an den Hof des Pharaos. Dein Platz ist bei den hebräischen Knechten, die den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs verehren“. Mose wird hier nicht nur mit Gott, sondern zugleich auch mit seiner Herkunft und Vergangenheit konfrontiert. Die letzte Konfrontation mit seiner Herkunft hatte einen Toten und die Flucht aus Ägypten zur Folge (Ex 2). Kein Wunder, dass er sich fürchtet, Gott anzusehen. Da ist nicht nur Ehrfurcht gegenüber Gott im Spiel, sondern möglicherweise auch die Furcht, von Gott zur Rechenschaft gezogen zu werden. Doch es kommt anders. Gott erweist sich als der, der sich vom Leid der Knechte, von Israel, ebenso ergriffen zeigt wie einst Mose. Gott verheißt Mose und Israel Leben in Fülle. Von harter Arbeit in Knechtschaft zum Leben in Freiheit und Fülle.  Vielleicht wurde Mose deshalb ausgesucht. Auch er hat sich vom Leid der Knechtschaft anrühren lassen (Ex 2, 11-12). Er kennt beides: Leben in Luxus und Freiheit durch sein Leben am Hofe Pharaos und Leben mit harter Arbeit als Viehhirte Jitros, was zwar eine andere Form der Knechtschaft ist als die Israels in Ägypten, aber auch Knechtschaft. Er kennt den Geschmack der Freiheit ebenso wie den Geschmack der Knechtschaft. Am Hofe Pharaos aufgewachsen hat er Luxusleben kennengelernt – und durch seinen Einsatz für einen hebräischen Knecht wieder verloren. Nun lebt er das arbeitsreiche Leben eines Viehhirten. Bestimmt auch kein leichtes Leben, doch er scheint sich ganz gut darin eingerichtet zu haben. Jetzt soll er dieses Leben wieder verlassen – wiederum für die hebräischen Knechte, die doch auch sein Volk sind, zu denen er gehört. Dieses Volk soll er in die Freiheit führen.

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Christopher Hitchens und seine 10 Gebote

Im Freitag vom 5.4. gab es nen Artikel zu den 10 Geboten, also eigentlich geht es da um ne Neufassung von verschiedenen Leuten. Am Ende gibt es dann noch einmal 10 ganz neue Gebote von Christopher Hitchens, die mich dann doch zur Kommentierung herausfordern.

Die Hitchens’schen Geboten lauten wie folgt:

1. Veurteile Menschen nie aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe

2. Betrachte Menschen nie als dein Eigentum

3. Verachte jene, die in sexuellen Beziehungen Gewalt anwenden oder mit Gewalt drohen

4. Bedecke dein Gesicht und weine, wenn du es wagst, einem Kind Leid zuzufügen

5. Verurteile Menschen nicht aufgrund ihrer angeborenen Natur – warum sollte Gott so viele Homo­sexuelle erschaffen, bloß um sie anschließend leiden zu lassen?

6. Wisse, dass auch du ein Tier bist und damit abhängig von der Natur – denke und verhalte dich entsprechend

7. Glaube nicht, du könntest einem Urteil entgehen, bloß weil du Leute mit falschen Versprechen statt mit einem Messer bedrohst

8. Schalte das verdammte Mobiltelefon aus — du ahnst nicht, wie unwichtig dein Anruf für uns ist

9. Verurteile alle Fundamentalisten und Kreuzritter, denn sie sind kriminelle Psychopathen mit hässlichen Wahnvorstellungen

10. Sei bereit, jeden Gott und jede Religion zu verleugnen, dessen Gebote den obigen widersprechen

Zuerst einmal zum Positiven: Hitchens hat einige Gebote, denen ich durchaus zustimmen kann. Es sind dies die Gebote 1, 2, 4, und 5.

Zu den anderen Geboten will ich kurz notieren, wieso ich nicht zustimmen kann:

Gebot 3:

Ich halte nichts davon, Menschen zu verachten. Ich verachte Taten. Aufgrund meiner Religion bin ich jedoch angehalten, alle Menschen, inklusive meiner Feinde, zu lieben. Dies bedeutet nicht, daß ich ihre Taten relativieren muß, gewiß nicht. Aber ich trenne Person von Handlung, und bin damit frei, die Person, die sich von ihrem Handeln distanziert, anzunehmen. Vorher schon bin ich frei, solchen Menschen trotz allem auch Gutes zu tun. Nicht als Belohnung für Verbrechen, sondern als Motivation, sich selbst zu reflektieren und eigenes Handeln zu kritisieren. Ich meine das geht leichter, wenn man trotz allem Annahme erfährt. Verachtung führt nur zu Verhärtung und Verstockung. Man kann sich zwar toll fühlen, weil man ja klar zeigt, was man von „solchen Menschen“ hält, aber zur Lösung des Problems trägt man damit nicht bei. Verachtung ist eine Form von Haß, und Haß ist eine Sackgasse.

Gebot 6:

Freilich bin ich ein Tier, biologisch betrachtet, ach wenn es eine lange Tradition gibt, Unterschiede zwischen dem Menschen und anderen Tieren herauszustellen. Auch bin ich in gewisser Form von der Natur abhängig. Ich kann nicht fliegen, die Schwerkraft gilt auch für mich, und dergleichen mehr. Aber ich bin vor allem anhängig von Gott, der mich schuf und beschützt und lenkt (auch wenn ich oft genug ausreiße). Abhängig von der Natur bin ich nur insofern diese von Gott als Rahmen gesetzt ist. Hier geht mir Hitchens nicht weit genug. Genauso könnte er ein anderes Mittelding betonen. Ich bin auch abhängig von Lebensmitteln, von Atemluft oder von gewissen Geldmitteln, die mir den Zugang dazu ermöglichen…

Gebot 7:

Hier hat Hitchens ungewollt recht, denn Gott wird uns alle richten. Aber das meint er wohl nicht. Was diese Welt angeht: Da werden manche nicht mal gerichtet, obwohl sie Menschen mit Messern bedrohen. Insofern ist es eine falsche Versprechung, die Hitchens hier macht. Ob man verurteilt wird, hängt oft von den Machtverhältnissen ab. Und die führen manchmal dazu, daß man sogar ohne Messer und ohne falsche Versprechungen verurteilt wird.

Gebot 8:

Kann ich nicht ernst nehmen.

Gebot 9:

Hier gilt analog, was ich bei Gebot 3 geschrieben habe. Außerdem finde ich es anmaßend, wenn Hitchens sich hier über andere Menschen stellt und sie pauschal als „Psychopathen“ tituliert.

Gebot 10:

Ich bin ja selbst nicht mit allen Geboten einverstanden. Also verleugne ich auf dieser Basis auch niemanden.

Darüber hinaus erscheint mir diese Ansammlung als eine ad hoc Liste mit 10 Punkten, die Hitchens gerade einmal eingefallen sind. Ich lese nichts vom Verbot zu lügen, ich lese nichts von einem Tötungsverbot, aber statt dessen zweimal den Aufruf zum Haß gegen bestimmte „böse“ Menschen und die Forderung bedingunsloser Nachfolge, die sonst in atheistischen Kreisen dem Gott der Bibel ja gerade angelasett werden.

Hitchens‘ 10 Gebote sind nicht einmal eine geistreiche Entgegnung, haben nicht einmal eine durchdachte Struktur, die den 10 Geboten der Bibel nahe kommen könnten, und vermissen jede innere Stringenz und Gesamtkonzept. Man kann sie durch beliebige andere willkürliche Forderungen ersetzen, ohne daß der Gesamttext groß Schaden nimmt.

Vor diesem Hintergrund wundere ich mich, wieso dieser Hitchens so ne große Nummer war. Seine 10 Gebote müssen da ein gewaltiger Ausreißer nach unten gewesen sein.

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Gedanken aus der Stille I

Nach zwei Wochen bin ich jetzt von einem Taizéaufenthalt zurück. Ich hatte dort wieder eine wundervolle Zeit und war endlich mal wieder eine Woche im Schweigen. Da man im Schweigen viel Zeit zum Nachdenken hat, sind dabei einige Texte rausgekommen, die ich nicht einfach in einer Schublade verschwinden lassen möchte. Der erste befasst sich mit der Passionsgeschichte bei Lukas (Lk 22-23), insbesondere mit den Worten Jesu am Kreuz (Lk 23, 33 ff)

Kreuzigung und Tod Jesu erhalten bei Lukas durch das Schweigen und die Worte Jesu am Kreuz ihren ganz eigenen Charakter. Dreimal spricht Jesus am Kreuz bei Lukas, jeder Ausspruch beleuchtet einen neuen Teil seines Leidens und Sterbens. Die ersten Worte Jesu am Kreuz, während er gekreuzigt wird, sind: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Auch in den Stunden seines Todes stellt Jesus seine Beziehung zu Gott nicht in Frage. Auch als ihm schon Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt werden, beginnt er sein Gebet mit „Vater“.
Die folgende Bitte um Vergebung zeigt: Gott nimmt das Leiden Jesu keineswegs ungerührt hin. Es ist nötig, dass Jesus um Vergebung für die bittet, die ihn kreuzigen. Die Soldaten, die Jesus kreuzigen, können sich nicht darauf berufen, ihre Pflicht getan zu haben. Sie werden schuldig – wie alle Menschen. Und weil sie schuldig werden wie alle Menschern reicht auch die Bitte Jesu um Vergebung weiter als nur bis an den Rand von Golgatha. Ich glaube, Jesus bittet am Kreuz nicht nur für die, die ihn gerade an Kreuz nageln. Er bittet für alle, die ihn ans Kreuz gebracht haben durch ihre Schuld – er bittet auch für uns. Der Christus, den Lukas hier schildert, ist der bittende Christus: Er bittet Gott um Vergebung für die Soldaten, für die Menschheit, für uns.
Als Jesus dann am Kreuz hängt, verspotten ihn die Obersten des Volkes,  die Soldaten und einer derer, die mit ihm hingerichtet wurden.
Den Anfang machen die Obersten: „Er hat anderen geholfen, er helfe sich selbst, ist er der Christus, der Auserwählte“. Die Versuchung, der Jesus am Beginn seines irdischen Wirkens ausgesetzt war, wiederholt sich am Ende. Hieß es in der Wüste: „Bist du Gottes Sohn, so sprich zu den Steinen, dass sie Brot werden“, d.h. helfe dir doch selbst, wende dein Hungerleiden ab (Lk 4, 3), so heißt es nun: helfe dir doch selbst, wende dein Todesleiden ab, wenn du der Messias bist. Jesus schweigt.
Die zweite Versuchung: In der Wüste bietet der Teufel Jesus weltliche Macht an, wenn er vor ihm niederfalle (Vgl. Lk 4, 5 ff). Bei den Soldaten heißt es: „Bist du der Juden König, so hilf dir selber“ (Lk 23, 37). Los, erweise doch, dass du ein Herrscher bist. Zeige deine Macht. Jesus schweigt.
Die dritte Versuchung: Der Teufel führt Jesus auf die Tempelzinne in Jerusalem. Wirf dich hinab, dir kann doch nichts passieren (Lk 4, 9). Einer derer, die mit ihm gekreuzigt werden, spricht zu ihm: „Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns“. Los Jesus, erweise deine Macht über Leben und Tod. Wirf dich von der Zinne oder steige vom Kreuz – zeige doch, dass dein Leben unter Gottes Schutz steht. Jesus schweigt. Anders als in der Wüste gibt er auf keine der neuen Versuchungen eine Antwort. Es ist alles gesagt. Ein schweigsamer Jesus gegenüber den Anfechtungen.
Dann spricht der andere Verbrecher. Er weist den ersten zurecht und stellt die Unschuld Jesu fest. Hier ist ein Blick in die Szene der Festnahme bei Lukas aufschlussreich. Jesus gebietet auch bei Matthäus und Johannes der Gewalt, die von seinen Jüngern ausgeht, Einhalt (Mt 26, 47 ff. Joh 18, 1-10)Er heilt jedoch nur bei Lukas das Ohr des verwundeten Knechtes. Er erweist sich als derjenige, der Gewalt so sehr ablehnt, dass er nicht einmal ihre Folgen am Körper eines Feindes duldet und erweist sich so als völlig unschuldig an jeder Gewalt. Grade vor diesem Hintergrund ist die Feststellung des Verbrechers bemerkenswert, denn auch sie wird nur von Lukas überliefert. Dann bittet der Verbrecher: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst“. Der Verbrecher ist angesichts der eigenen Schuld machtlos. Hände und Füße sind festgenagelt oder gebunden, der Leib von der Geißelung geschunden. Er kann rein gar nichts mehr tun – außer das Wort an Jesus zu richten und ihm zu vertrauen. Es ist keine Bitte darum, aus der gegenwärtigen Lage erläst zu werden, der Blick ist schon auf die Zukunft gerichtet. Es fehlen die Worte, noch auf die eigene Schuld zu sprechen zu kommen. Keine Versuche, sich noch zu rechtfertigen. Nicht einmal eine eindeutig formulierte Bitte um Vergebung kommt ihm über die Lippen. Da ist nur pure Sehnsucht danach und Hoffnung darauf, von Jesus nicht vergessen zu werden. Das Leben mag er verlieren, seine  Hoffnung und seine Sehnsucht sind auf Jesus gerichtet. Und jetzt, im Angesicht der auf ihn gerichteten Sehnsucht und Hoffnung bricht Jesus sein Schweigen: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“. Jesus löscht den glimmenden Docht der Sehnsucht und Hoffnung nicht aus, er nährt ihn. Er hört hinter den Worten eine nicht ausgesprochene Bitte um Vergebung – und gewährt sie. Die Vergebung bedeutet nicht, dass der Verbrecher auf Erden keine Verantwortung für seine Tat übernehmen muss, doch sie trennt ihn nicht von Gott.
Doch auch in der Lebenssituation gibt Jesus Hoffnung. Ein Grund für die Kreuzigung war, dass sich das Sterben tagelang hinziehen konnte. Es war ein langes, qualvolles Sterben unter Muskelkrämpfen und schließlich dem Tod durch Ersticken. Indem Jesus sagt: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ stellt er in Aussicht: Dein Leiden ist zeitlich begrenzt. Du wirst nicht mehrere Tage sterben, sondern noch heute. Für jemanden, der mit einem tagelangem Todeskampf rechnen muss, ist das in Anbetracht seiner Lage eine durchaus hoffnungsvolle Perspektive.
Das Gebet „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst“ hat für den Verbrecher Hoffnung zur Folge – für die leidgefüllte Gegenwart und die Zukunft nach dem Tod. Im Angesicht unserer Schuld sind wir nicht mächtiger als der Verbrecher. Wir können zwar Hände und Füße bewegen. Doch wir können weder unsere Schuld wegstoßen noch vor ihr weglaufen. Doch wenn uns angesichts unserer Schuld alle Worte fehlen, können wir mit dem Verbrecher beten: „Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst“. Er hat dem Verbrecher am Kreuz vergeben, wir können darauf vertrauen, dass er auch uns vergibt. Der Christus am Kreuz bei Lukas ist der gnädige Christus.
Am Ende des Leidens stehen bei Lukas die Worte: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“. Wie der Anfang, so steht auch das Ende des Kreuzestodes im Lichte der Beziehung Jesu zu Gott. Wie er Gott am Beginn der Kreuzigung mit Vater ansprach, so tut er es auch im Augenblick seines Todes. Doch dieses Mal geht es allein um Jesus und Gott. Waren zu Beginn die, die ihn ans Kreuz schlugen und wir Inhalt seiner Worte, ist er es jetzt selbst. Er befiehlt seinen Geist in die Hände seines Vaters. Im Augenblick seines Todes ist er sich der Beziehung zu Gott gewiss. Kein Wort mehr an seine Feinde, allein Gott ist es, der jetzt zählt.Andere mögen ihn auf Befehl von Pilatus gekreuzigt haben, doch nun ist er es, der befiehlt: seinen Geist in die Hände des Vaters. Im Sterben zeigt er völlige Souveränität. Auch der sterbende und leidende Christus ist der souveräne Christus.
Das ist der Christus am Kreuz bei Lukas:
Er bittet um Vergebung.
Er schweigt gegenüber der Versuchung.
Er hört auf das Gebet des Verbrechers und vergibt.
Er ist souverän bis in den Tod.

Das ist der Christus, der uns durch sein Sterben und seine Auferstehung vom Tod erläst hat und denen, die an ihn glauben, sagt: „Amen, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

glaube, kirche

Was bringt mir das?

Ostern! In diesen Tagen werden auch die Kritiker von Kirche und Glauben aktiv, und schreiben etwa auf, wie sie das alles so sehen. Und ich will das gar nicht groß kritisieren (obwohl ich schon mehrfach schrieb, daß man das alles auch anders verstehen kann). Solche Kritik ist wichtig, um uns Kirchengliedern und Gläubigen zu zeigen, wie gut wir unseren Glauben nach außen darstellen.

Und wenn ich mir das so durchlese: Nicht gut.

Klar kann man jetzt meckern über polemische Vereinfachung und Konzentration auf gewisse amerikanische Strömungen bei der Kritik, auf einseitige Wahrnehmung etc etc etc. Geschenkt.

Statt dessen, finde ich, sollte man dem das Eigene entgegenstellen.

Der verlinkte Artikel geht ja sehr von der Frage „Was bringt mir das?“ aus. Wieso sollte ich an Gott glauben, wenn…?

Der Glaube an Gott wird so zum Wellness-Tool. Wenn es mir mit besser geht, wieso dann nicht? Wenn es mir ohne genausogut geht, wieso damit befassen?

Wieso damit befassen?

Darin könnte ein Knackpunkt liegen. Das setzt voraus, daß man zum Glauben als Glaubender ein distanziertes Verhältnis hat, sich damit befaßt, ohne daß es einen erfaßt. Aber wie soll das gehen?

Sicher kann ein Erfaßter sich auch mit dem Glauben, der ihn erfaßt hat, befassen. Ebenso kann man auch als nicht Erfaßter sich mit dem Glauben befassen, aber es ist ebe nicht das Gleiche!

So wie jemand, der nur distanziert-sachlich über seinen Fußballverein spricht und denkt, schwerlich als „Fan“ durchgeht. Gleichwohl müssen Fragen beantwortbar sein. Der Glaube kann kein widersinniges System stützen, wie in der oben verlinkten Kritik. Das mit ihm verbundene System muß mindestens so viel Sinn ergeben, wie alle konkurrierenden Systeme. Jemand der sieht, daß in einem bestimmten Verein objektiv sehr guter Fußball gespielt wird, kann dies anerkennen, auch ohne selbst zum Fan zu werden. Etwa, weil er sich mehr für Synchronschwimmen interessiert, was auch nicht verwerflich ist.

Aber der ergleich hinkt, denn beim Glauben geht es nicht nur um einen persönlichen Geschmack. Glaube an Gott, zumindest der christliche Glaube, erhebt den Anspruch – meiner Meinung nach zu Recht – die Wahrheit zum Inhalt zu haben.

Glaube hat etwas mit Wahrheit zu tun, etwas mit der Überzeugung von einer Wahrheit. Man ist davon überzeugt, daß das, was man da glaubt, an den man da glaubt, wahr ist.

Insofern ist die Frage nach dem Nutzen vielleicht etwas zu kurz gegriffen. Die eigentliche Frage ist: Stimmt es, oder stimmt es nicht?

Aber wie findet man so etwas raus? Und um was geht es eigentlich genau? Was ist der Inhalt, der wahr oder unwahr ist? Schöpfungsgeschite im Sinne der Kreation? Anzahl und Namen der Söhne Israels? Korrektes Feiern der Liturgie nach Agende? Genaue Kenntnis aller Dogmen und Konzilsbeschlüsse sowie unkritisches Für-wahr-halten derselben? Ich meine – ich hoffe – er Glaube läßt sich konkretisieren auf wenige Punkte, aus welchen sich dann alles andere ableitet. Oder auch nicht, dann sollte man drüber reden.

Einen ersten Schritt bei der Fassung dieser Konkretion des Inhalts des Glaubens will ich hier versuchen. Es soll um Freiheit und Unterordnung gehen.

Freiheit wird von vielen wenn nicht allen Menschen angestrebt. Dem entspricht auf den ersten Blick, daß die Unterordnung unter einen Gott für viele Glaubenskritiker einer der Hauptgründe gegen den Glauben ist. Gibt man damit nicht seine Freiheit auf? Wird man nicht zum unkritisch-dummen Nachbeter der ewig selben Pseudowahrheiten, die nebenher als Vorwand benutzt wurden, um viele weitere Menschen in Unfreiheit zu halten?

Der Vorwurf ist historisch sicherlich nicht unberechtigt. Es gab und gibt Menschen, die sich auf Dogmen zurückziehen, die diese als wahr betrachten ohne sie begründen zu können, abgesehen etwa von Autoritätsargumenten.

Aber der Vorwurf ist gleichzeitig auch unwahr, da es zu allen Zeiten Menschen gab, die gleichzeitig äußerst fromm waren und trotzdem den eigenen Gauben kritisch hinterfragten, ehrlich nach Begründungen suchten und gerade nicht auf die Nutzbarmachung von Dogmen zur Unterdrückung anderer schielten.

Trotzdem ordneten sie sich unter. Unter Gott, wie sie Ihn verstanden, und wie sie es für vernünftig hielten.

Andere Menschen halten anderes für vernünftig, und hier wird die Sache schwierig. Denn nach welchen Kriterien sollte man ermessen, wer sich jetzt der Wahrheit unterordnet?

Aber zuerst eine andere Sache: Der Wahrheit unterordnen! Wäre eine Unterordnung in diesem Fall auch eine Aufgabe der Selbständigkeit? EIn Freiheitsverlust? Da größte zu vermeidende Übel?

Ich meine, eine Unterordnung unter die Regeln der Wahrheit bedeutet nicht Knechtschaft, vielmehr wird von allen Menschen angestrebt, den Regeln der Wahrheit zu folgen. Damit könnte man auf die Idee kommen, daß die Unterordnung unter die Wahrheit Freiheit bedeutet. Unterordnung wäre also nicht in jedem Fall schecht.

Ich gehe sogar soweit, daß es hier die größte Freiheit gibt und daß jede Freiheit (auch die eingeschränkten Varianten) immer auch einer gewissen Ordnung (und damit Unterordnung, und sei es unter den eigenen egoistischen Willen) bedarf. Die Ordnung gibt den Rahmen vor, in dem man frei handeln kann. Ohne solche Ordnung, kann einem jede mögliche Freiheit bestritten werden. Manche Ordnungen geben einem mehr Freiheit, andere Ordnungen weniger.

Wir haben nun also verschiedene Systeme im Vergleich: Die einen ordnen sich Gott unter, andere anderen Idealen, vom säkularen Humanismus über all die verschiedenen Religionen bis hin zu menschenverachtenden Systemen und persönlichem Egoismus, die Freiheit nur für einige wenige bereit halten (und diese dann wiederum unfrei machen, weil sie an ihrer Macht hängen und dadurch unfrei werden in ihrem Handeln: Was die Macht mindert liegt außerhalb der Möglichkeiten).

Die Frage, was wahr ist, entspricht also wohl der Frage, unter wen oder was man sich unterordnen muß, um die größtmögliche Freiheit zu erfahren.

Dies halte ich für eine Kernfrage, die, falls überzeugend beantwortet, dem entsprechenden System viel Zustimmung bringen würde.

Ich meine weiter, daß es im Christentum um nichts anderes geht als um eben diese größte Freiheit:

Zentral im Christentum sind Karfreitag und Ostern, also Tod und Auferstehung Jesu. Versteht an diese nicht so, wie in der oben verlinkten Kritik, sondern eher im Rahmen der ebenfalls verlinkten alternativen Betrachtungsweise, dann hat das Ganze viel mit Freiheit zu tun. In Kürze kann man es so fassen:

Der Teufel hält die Welt gefangen und versucht über alles die Kontrolle zu bekommen, sich alles unterzuordnen. Den Teufel kann man hier als Chiffre für all das bezeichnen, was man als böse ansieht (man kann es sicher auch objektiver fassen aber für den Anfang reicht diese subjektive Sichtweise). Gegenspieler ist Gott, der die Welt befreien möchte.

Der Teufel geht auf folgende Weise vor: Er bringt den Menschen (jeden einzeln) dazu, etwas zu tun, das Unrecht ist. Dann benutzt er dies gegen den Menschen, um ihn immer tiefer in unrechten Taten zu verwickeln, indem er die erste Tat zu decken versucht. Ziel ist es, den Menschen zu isolieren, ihm keine Entwicklungsmöglichkeit zum Guten hin zu geben und ihn im Netz aus Unrecht und Lüge, das er um sich gesponnen hat zu ersticken. Dabei setze dann die einen Menschen auch die anderen unter Druck, in einer gewissen unrechten Weise zu handeln. Ziel des Teufels bleibt die Kontrolle. Wer stirbt, kommt ebenfalls in seinen Machtbereich, den Tod, die Hölle.

Gott kann nicht viel machen. Schließlich wird er Mensch, und gleich fängt der Teufel an und verucht, Ihn zum Bösen zu verleiten. Gott-als-Mensch (Jesus) läßt sich jedoch nicht darauf ein, also setzt der Teufen Ihn durch andere unter Druck, bis hin zu Seiner Ermordung. Denn so käme Gott-als-Mensch ebenfalls in den Tod ud wäre unter des Teufels Gewalt. Sowohl die Toten als auch die lebend-isolierten sind im Grunde ohne Beziehung und damit tot.

Doch der Einsatz Gottes für die Menschen befreit diese aus Tod und Hölle. Gott ist größer als der Teufel, das Gute größer als das Böse, und so werden Beziehungen wieder möglich. Gott besiegt Tod und Teufel und überwindet damit die Hölle.

Damit eröffnet Gott neue Möglichkeiten für diejenigen, die schon ziemlich verstrickt sind in ihr eigenes Unrechttun. Sie kriegen wieder Hoffnung, weil Gott in Seinem Tun quasi sagt: Das Unrecht das Ihr tut, rechne ich Euch nicht an (wiewol es trotzdem Unrecht bleibt!), gehet hin und sündigt fortan nicht mehr.

Er befreit die Menschen aus den Verstrickungen der Hölle, indem Er sie annimmt, sie liebt, trotz aller Taten, mit denen der Teufel sie zu kontrollieren sucht. Damit ist die Macht des Teufels gebrochen, oder etwas weniger mystisch ausgedrückt: Die Macht, die unsere unrechten Taten über uns haben.

Und das halte ich für eine unglaublich befreiende Wahrheit. Denn es erlaubt einem, alles zu tun, was einen Gut dünkt (≠wozu man gerade Lust hat) und hält einen nicht in äußeren Zwängen gefangen, wie das Tun unrechter Taten. Während man untergeordnet unter Gott sowohl Gutes als auch Böses tun kann, ist man bei anderen Unterordnungen in Sachzwängen gefangen und damit in seinem Handeln auf die Sachzwänge eingeschränkt.

Wenn jetzt jemand meint, daß auch er nicht von Sachzwängen eingeschränkt sei und eben so eine Freiheit habe, wie der sich Gott unterordnende Christ, dann habe ich zweierlei dazu zu sagen:

  1. Ich freue mich aufrichtig für Dich, und daß Du diese Freiheit erlebst.
  2. Womöglich sind wir beide näher beieinander als es den Anschein hat.

Übrigens würde ich für mich nicht in Anspruch nehmen, mich gar nicht mehr durch Sachzwänge beeinflussen zu lassen. Daher bedarf ich immer wieder der Vergebung Gottes. Dieser kann ich jedoch gewiß sein, und so kann ich es immer wieder aufs Neue versuchen, ohne Sachzwänge zu leben und nur noch Gutes zu tun. Dies zu erreichen ist mein sehnliches Ziel.

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

glaube

Text zu Johannes 6, 1-14 (Speisung der 5000)

1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt.
2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.
4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.
5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?
6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte.
7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme.
8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:
9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?
10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten.
12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.
13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.
14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.
Auch für Jesus gilt: alles hat seine Zeit. Es gibt Zeiten der Nähe zu Menschen und Zeiten des Rückzugs. So zieht er sich zu Beginn mit seinen Jüngern zurück. Es ist die zeit des Passafestes, des Gedenkens an den durch Gott ermglichten Exodus und die Zeit, Gemeinschaft zu pflegen.
Jesus sieht, dass ihm viele gefolgt sind und beginnt mit der Pflege der Gemeinschaft. Zum Test, erfahren wir, fragt er Phillipus, wo sie Brot kaufen können. Der Test dient nicht dazu, Phillipus bloßzustellen, er soll ihm Gelegenheit zum Lernen geben. Phillipus reagiert menschlich-pragmatisch: Jesus will Essen kaufen, da muss geguckt werden, was an Geld da ist. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es wird nicht reichen. Der BLick aufs eigene Vermögen offenbart zunächst materielle Beschränktheit. Phillipus traut Jesus offenbar auch nicht zu, daran etwas zu ändern und zeigt so den menschlichen Mangel an Vertrauen zu jesus, offenbart weitere menschliche Beschränktheit.
Dann meldet sich Andereas zu Wort. Er hat sich anscheinend umgesehen, zumindest weist er Jesus auf einen Jungen mit Brot und Fischen hin. Doch auch er stellt fest, dass es nicht reichen wird und offenbart menschliche Beschränktheit, menschliche Grenzen. Doch er zeigt einen Lösungsansatz, den Jungen. Zunächst werden also menschliche Grenzen gezeigt, dann ein Lösungsansatz. Und dann folgt die Lehre für Phillipus, Andreas und uns: Öffnen wir die Augen, erkennen Lösungsansätze und bringen sie vor Jesus. Er wird mehr daraus machen, als wir es uns träumen lassen. Die Jünger sind nicht allein, es gibt andere menschen mit Gaben, mit denen Jesus wirken kann.
Zunächst lässt Jesus die Menge sich an einem Ort mit viel Gras lagern. Schlägt man nun einen Bogen zum anfangs erwähnten Passafest, fällt verschiedenes auf: Beim Passafest Gedenken an einen Aufbruch aus Sklaverei und Mangel, zunächst der Gang in die eigentlich zum Überleben großer Menschenmengen ungeeignete Wüste, hier Ankunft in einem Grasland, das Nahrung für alle bietet und in das das Volk eingeladen wird. Beim Passafest wird an Gottes Handeln an den Menschen gedacht, hier und jetzt handelt Jesus, d.h. Gott, wieder an den Menschen. Er gibt Nahrung und Lager, d.h. Ruhe.
Und als alle satt sind, lässt Jesus die Reste der Nahrung, des Guten für die Menschen, einsammeln, damit nichts umkommt. Er gibt das Gute für die Menschen nicht dem Verderben preis, sondern bewahrt es für die Zukunft.
Die Menge reagiert darauf, indem sie ihn zum König machen will. Damit würde er aber dem Kreuz ausweichen und so der Möglichkeit, den Menschen nicht nur einmal Brot zu geben, sondern Brot des Lebens für immer zu sein. Deshalb muss er den Menschen in diesem Moment ausweichen. Denn er will uns Menschen durch ihn, das Brot des Lebens, aus der Sklaverei der Schuld befreien und mit uns ein ewiges Fest feiern – allen menschlichen Grenzen zum Trotz.
glaube

Umkehr am Baum – Eine Geschichte zu Lukas 19, 1-10

Über mir rauscht das Blätterdach. Ich habe einen guten Überblick. Meine Hände sind Geldstücke, nicht Baumrinde gewohnt und protestieren aufgeschürft gegen die ungewohnte Belastung. Auch meine Kleider waren der Kletterei nicht gewachsen, sie sind verdreckt und zerknittert. Da drückt ein Ast in meinen Rücken. Ganz vorsichtig jetzt. Glück gehabt, fast hätte ich den Halt verloren! Jetzt sitze ich wieder sicher, aber unbequemer als vorher. Die Menge unter mir wird unruhig. „Ich seh‘ ihn“ kräht eine Kinderstimme. Hat man mich etwa bemerkt? Ich spähe durch eine Lücke im gründen Blickschutz. Nein, niemand blickt hoch, alle recken die Hälse und versuchen, das Ende der Straße zu sehen. Dort erscheint Jesus. Ich strecke den Kopf durch die Blätter. Da unten achtet eh‘ keiner auf mich, so kann ich Jesus besser sehen. Seine Jünger bahnen ihm einen Weg durch die Menge, die mich mit Geschimpfe und Ellenbogen daran hindern wollte, ihn zu sehen. Nun sehe ich ihn doch und genieße trotz unbequemer Haltung meinen Triumph. Aber – was macht Jesus denn da? Er verlässt den Kreis seiner Jünger. Was hat er vor? Er wird doch nicht…? Er wird. Er kommt direkt auf meine Blätterfestung zu! Zeit zum Rückzug! Zu spät. Kaum bin ich wieder im Geäst verschwunden, höre ich schon seine Stimme. „Zachäus“ Woher kennt der meinen Namen – und warum ruft er mich vor allen Leuten? Geh doch weiter, es gucken bestimmt schon alle. Ich spüre die Blicke der Menge wie Pfeile Richtung Baumkrone fliegen und drücke mich dichter an den Stamm. Nun geh doch endlich! Er bleibt. „Komm schnell herunter“. Zu dieser Meute, die mich, wenn ich Glück habe, nur haßerfüllt anstarren wird? Zu dieser Meute, die nur darauf wartet, dass er mir die Meinung sagt – mit Sicherheit keine gute?Ohne mich. Irgendwann werden sie schon aufhören zu warten. Es ist warm, der Baum ist hoch, hier kriegt mich erstmal nur ein Wunder runter. „Denn in deinem Haus muss ich heute zu Gast sein“. Was? Keine Vorwürfe? Kein Ärger? Vorsichtig linse ich durch die Blätter. Jesus blickt hoch. Die anderen Gesichter fließen über vor Hass und Ablehnung. Er jedoch steht da und sieht mich freundlich an. Schnell steige ich hinunter, gerne nehme ich ihn bei mir auf!

Über mir rauscht das Blätterdach. Ich stehe eingezwängt in der Menschenmenge. Links der Schuster von nebenan, rechts der Schneider. Ich habe meinen Webrahmen kurz verlassen. Schließlich hat man nicht alle Tage Gelegenheit, Jesus zu sehen. Mein Sohn zupft an meinem Hosenbein. „Papa, siehst du ihn schon?“ fragt er mich bestimmt schon zum 10. Mal. „Nein, ich sehe ihn noch nicht“. Keine halbe Minute später zupft er wieder an meiner Hose. Ich schmuznele in mich hinein. Geduld ist auch nicht meine Stärke. Ich hebe ihn hoch und setze ihn auf meine Schultern. Er jauchst vor Freude. Der Kleine hat von meinen Schultern aus die bessere Sicht. Jetzt zupfe ich. „Siehst du ihn schon?“ „Nein, aber da raschelt was im Baum“. Sicher irgendein Vogel. Die Menge wird unruhig. “ Ich seh‘ ihn“ kräht jetzt mein Sohn von meinen Schultern. Die Leute recken die Hälse, um einen Blick auf Jesus zu werfen. Jetzt sehe ich ihn auch. Seine Jünger bahnen ihm einen Weg durch die Menge. Da beginnt Jesus, sich selbst durch die Menge hindurch einen Weg zu schaffen. Er kommt direkt auf uns zu! Da höre ich es wieder im Baum rascheln, blicke hoch  und sehe gerade noch einen Kopf zwischen den Blättern verschwinden. Wer das wohl war? Jesus kommt näher – und geht an uns vorbei auf den Baum zu. Etwas enttäuscht wende ich mich kurz ab. Für einen Moment hoffte ich, er käme zu mir. Als ich wieder zu Jesus gucke, blickt er zur Baumkrone empor. “ Zachäus“ ruft er. Die giftigen Blicke der anderen bohren sich mit meinem gemeinsam in die Blätter. Ausgerechnet Zachäus, dieser Betrüger sitzt also da oben. Da haben alle unsere Ellenboggen doch nichts gebracht. „Komm schnell herunter!“ Wenn er das macht, wird’s unangenehm. Als Verbündeter der Römer muss er zwar keine ernsthafte Gefahr für Leib und Leben befürchten, doch die Blicke der anderen verheißen dennoch nichts Gutes. Es ist still unterm Baum, alle starren nach oben. “ Denn in deinem Haus muss ich heute zu Gast sein“. Jetzt richten sich alle Blicke auf Jesus. Oben raschelt es erneut, dann klettert Zachäus unter dem freundlichen Blick Jesu langsam vom Baum. Sie schicken sich an, gemeinsam weg zu gehen. Nun bricht empörtes Geraune los “ Bei einem Sünder ist er eingekehrt!“ Da tritt Zachäus vor Jesus, anscheinend will er etwas sagen. Bestimmt will er sich über uns beklagen. Doch was erwartet er denn? Dass wir es kommentarlos hinnehmen, dass Jesus bei ihm, dem Betrüger und Handlanger der Römer, einkehrt? Auch die anderen merken, dass Zachäus Jesus etwas zu sagen hat. An ihren Ge-sichtern sehe ich, dass auch sie mit nichts Gutem rechnen. Was soll von Zachäus schon Gutes kommen? Doch merkwürdig – statt ihn niederzuschreien, verstummen alle. Es ist so still, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Alle hören, was Zachäus sagt: „Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Statt Freudentaumel stehen wir alle vom Donner gerührt. Die Feindseligkeit weicht allmählich, zurück bleibt nur leichte Skepsis. Ob er das auch einhält? Doch die Blicke, die sich auf Zachäus richten, sind nun schon wesentlich friedlicher. Dann erhebt Jesus die Stimme: “ Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn.“ Nicht nur ihm ist Heil widerfahren. Wenn Zachäus seinen Worten Taten folgen lässt, wird es vielen Menschen besser gehen. Doch Jesus ist noch nicht fertig: „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Schlagartig wird mir klar: Zachäus wurde nicht etwa ausgesucht, weil er so große Verdienste hatte, sondern grade wegen seiner Schuld suchte Jesus ihn auf, um ihn zur Umkehr zu bewegen. Wir hatten Zachäus voller Zorn jahrelang verstoßen – er hat ihn angenommen. Und seine Annahme hat in wenigen Minuten mehr bewirkt als unser jahre-langer Zorn. Vielleicht wäre vieles leichter gewesen, wenn wir ihn nicht verstoßen hätten. Nachdenklich kehre ich mit meinem Sohn auf den Schultern zurück an meinen Webstuhl.

Gesellschaft, glaube, kirche, Religion

Bloß nichts falsch machen

Der Glaube an Gott ist etwas Gutes, etwas Schönes. Er gibt Kraft und Hoffnung, gerade auch in schwierigen Situationen. Jedenfalls geht es mir meist so.

Anderen Menschen nicht unbedingt. Gerade habe ich wieder von so einem Fall gehört, mit jemandem drüber geredet. Glaube an Gott kann auch weh tun. Beziehungsweise, das, was dann noch nachkommt.

Als ich vor über 10 Jahren im Kibbutz war, war da auch ein etwa 40 jähriger Finne namens Jorma. Jorma war ein lieber Kerl, man konnte sich gut mit ihm unterhalten, auch wenn er etwas strange war. Das alles galt, so lange er nüchtern war. Das war er aber nicht immer. Jorma war Alkoholiker. Und er war ein Schrank von einem Mann. Er konnte echt Angst machen, und es gab Gerüchte, daß er vorher in der Fremdenlegion gewesen wäre. Ausgebildet zum Töten.

Wie dem auch sei, Jorma war Christ. Er glaubte an Jesus Christus, wenn er auch mir ganz unbekannte Prediger immer wieder nannte. Ein paar Koreaner, die auch im Kibbutz waren, kannten die Prediger sogar. Ich weiß nicht, in welcher Tradition die staden. Ich schätze mal ganz vorsichtig, es handelt sich um einen pfingstlerischen Hintergrund, aber egal.

Ich verstand mich ganz gut mit besagten Koreanern, tue das immer noch. Sporadisch haben wir noch Kontakt. Aber eine Äußerung gab mir zu denken. Einer der Koreaner sagte einmal, Jorma könne kein Christ sein, eben weil er Alkoholiker ist.

Dabei tranken sie selbst auch Alkohol. Nicht so viel, aber sie standen auch nicht abseits, wenn wir feierten (und was gibt es im Kibbutz nach Feierabend sonst noch zu tun?).

Ich fand das damals schon irgendwie komisch, habe es auch all die Jahre immer wieder durchdacht. Da wird quai ein Anspruch an die Person gestellt, bevor sie wirklich und ganz und vollständig als Bruder im Glauben anerkannt wird.

Ja, Jorma war schwach, was den Alkohol anging. Und er konnte wirre Geschichten erzählen. Er muß auch eine sehr schwere Kindheit gehabt haben, aber das wurde nie ganz klar, aufgrund der Wirrheit seiner Geschichten. Man wußte nie genau, was jetzt echt war und was nicht.

Aber trotz alledem bekannte er sich zu Christus. Christus, der die Schwachen, die Sünder annahm. Christus, der nicht auf die Person achtete.

Und dann gab es Anhänger eben dieses Christus, die die Latte höher hängten: Bekenntnis zu Christus schön und gut. Aber wie sieht es denn mit dem Lebenswandel aus? Hat denn die Sucht noch Macht über den Sünder? Ja, na dann kann es ja kein echter Christ sein.

Jorma hatte einmal den Entschluß gefasst, nichts mhr zu trinken. Und ich fand das echt großartig. Leider habenir alle (ich auch) ihn nicht besonders unterstützt, sondern saßen mit unserem Alkohol bei ihm. Er trank Orangensaft. Wir, das beinhaltet auch die Koreaner.

Wir haben es ihm nicht leich gemacht, den besseren Weg zu gehen. Eine Sache, die ich mir heute noch vorwerfe. Ich war Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Aber ich sah das Verhalten auch danach noch oft, gerade in Kirchengemeinden oder sonstlichen christlichen Gruppen. Wer nicht einem gewissen Bild entspricht, wird als Bruder nicht anerkannt. Bunte Haare, Jeans im Gottesdienst, all das kann dazu führen, daß Menschen, die Gott suchen, abgestoßen werden. Und zwar von denen, die über sich sagen, sie seien Anhänger dieses Gottes.

En anderer Freund von mir hat einige Gemeinden durch. Er ist als Pfarrerssohn zuHause aufs Übelste vermöbelt worden, wenn er nciht spurte. Kontakte zu anderen Kindern im Dorf waren nciht gerne gesehen. Der Vater war Antikommunist – und Pfarrer in der DDR. Alles jenseits des Gartentors war der Feind.

Besagter Freund hat also sozusagen „einen Schlag weg“. Er leidet furchtbar. Und er sucht in seinem Umfeld nach Menschen, die ihn einfach annehmen, wie er ist. Mit all seinen Problemen und Fehlern (der Umgang mit ihm ist wirklich nicht immer einfach, er weiß das auch). Früher ging er in verschiedene Gemeinden, suchte dort Anschluß. Und der wurde ihm widerstrebend gegeben. Oberflächlich. Bis er sagte, daß er nicht glaube, daß Noah wirklich so alt wurde, wie es in der Bibel steht. Und er flog raus aus der Gemeinde.

Ich glaube, wir verdunkeln oft das Evangelium, indem wir von anderen verlangen, so zu sein wie wir. Jesus interessierte sich nicht dafür, wie andere aussahen oder was sie sonst so taten. Er ging auf die Sünder zu, nahm sie als Menschen an, trotz aller Fehler.

Wie sollen Menschen denn das Evangelium erfahren, wenn sie von vorne herein abgewiesen werden? Wenn sie erst „perfekt“ sein sollen (natürlich nur nach menschlichem Ermessen)?

Und inwieweit entspricht es dem Evangelium, wenn sich die Schwachen an de Starken anpassen müssen? Was sol das, wenn man dem Schwachen, dem Suchenden, erst einmal sagt, er solle stark werden, dann würde man ihm auch die Quelle der Stärke vermitteln?

Welcher Starke braucht denn eine Kraftquelle? Wenn er stark ist, hat er eine Quelle, wie weit sie auch immer trägt. Ein Starker wird nicht fragen. Wer fragt, das sind die Schwachen, die haben aber nicht die Kraft, sich den kulturellen Gepflogenheiten Anderer immer anzupassen. Auch nicht, falls es wirklich so ist, daß diese Gepflogenheiten ihnen selbst gut tun würden, etwa „kein Alkoholmißbrauch“.

Wenn es dann um Dinge geht, wie Anzug tragen, Krawatte tragen, Haare richtig gescheitelt haben, um in der Gemeinde angenommen zu werden, dann wird noch offensichtlicher, daß es hier nicht um Christus geht, sondern um einen Götzendienst. Man ehrt den Gott des anständigen Auftretens. Und der hat mit dem Gott, der den Sünder annimmt, und für ihn ans Kreuz geht, nichts zu tun.

Der, der ans Kreuz geht, gibt seinen Anhängern Stärke. Er dient ihnen.

Der, der anständiges Auftreten einfordert,  in welcher Art auch immer, der verlangt von seinen Anhängern Stärke, nimmt sie ihnen also. Er läßt sich dienen.

Freilich gibt es immer auch Menschen die Schwach sind, und andere so nicht annehmen können, wie diese sind. In dem Fall muß sich immer der Stärkere anpassen, Liebe geben. Denn Liebe baut auf, Liebe gibt dem anderen die Kraft, auch ein Stück weit auf andere zuzugehen, und sich soweit anzupassen, daß Gemeinschaft einfacher möglich wird.

Und je mehr Gemeinschaft, je mehr Liebe, desto mehr wird der Gott am Kreuz verehrt, und nicht der Abgott des Anstandes.

glaube

Römer 7 und die Sünden

Rainer Braendlein hat in einem Kommentar zum zweiten Artikel der Schwule Pfarrer Reihe bzw in einem eigenen Blogpost (beide Texte sind identisch, soweit ich das sehe) sich mit der Frage befasst, ob Paulus denn „in Sünde gelebt“ habe.

Ausgangspunkt war eine Formulierung im genannten zweiten Schwule Pfarrer Artikel:

Muß man mit der Übernahme eines Amtes quasi zum Übermensch werden, der nie mehr sündigt? Dazu Paulus:

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Paulus ging nicht davon aus, daß er, als Apostel, nur Gutes tun könnte. Und trotzdem predigte er, und ich will meinen nicht mit wenig Erfolg. Wir dürfen also von unseren Pfarrern auch nicht erwarten, daß sie immer alles richtig tun.

Meine These war nun, daß es sich hier um eine Aussage Pauli handelt, die sich auf sein Leben zur Zeit der Verfassung des Briefes bezieht, Rainer Braendlein will es als Rückblende auf das frühere Leben verstehen.

Nun sind nach meiner Lektüre der Erwiderung Rainer Braendleins in seinem Artikel sowie dem wiederholten Lesen der gesamten Auseinandersetzung meiner Meinung nach 3 Dinge festzhalten:

  1. Es handelt sich wohl um ein Mißverständnis. Denn Rainer Braendlein zielt in seinem Artikel vor allem darauf ab, daß Paulus nicht „in Sünde gelebt“ habe. Man müßte vielleicht nochmal genau klären, was damit gemeint sein soll. Meine Absicht war es jedoch nie zu sagen, Paulus sei als Apostel verloren gewesen. Ich spreche mich auch nicht für eine billige Gnade aus. Was ich in meinem Artikel sage ist, daß man von einem Pfarrer nicht verlangen darf, perfekt zu sein. Man darf aber schon von ihm erwarten, daß er die Sünde zu vermeiden sucht. Ich denke hier hat mich Rainer Braendlein nicht ganz verstanden und ich ihn auch nicht, aber eigentlich haben wir die gleiche Ansicht.
  2. Meine ich nicht, daß der fragliche Abschnitt ein verlorenes, unerlöstes Leben (so verstehe ich das „Leben in Sünde“, bin mir aber nicht sicher) bedeten muß. Denn was sagt Paulus? Er sagt, daß in seinem Fleisch das Böse wohnt, und er es auch tut, obwohl er nicht will. Nach meinem Verständnis ist das aber nichts anderes als das, was Rainer Braendlein schreibt:

    Röm 7, 25 ist nicht etwa so gemeint, daß Paulus in Sünde gelebt hätte, sondern er meint, daß er bedauerlichesweise einen Leib mit sich herumschleppen muß, der völlig der Sünde unterworfen ist.

    Paulus hatte bedauerlicherweise, wie wir alle, den Leib aus Fleisch, weil der Geistleib eben erst kommt. Und wie wir auch mußte er kämpfen. Aber ebenso wie auch wir, hat er Anteil an der Gnade Gottes. Daß heißt, auch wenn das Fleisch einmal gewinnt (und wenn wir ehrlich sind, tut es das oft genug, wie fromm wir auch sind und wie ernsthaft wir unseren Weg mit dem Herrn auch gehen), dürfen wir trotzdem Buße tun und auf Gnade hoffen (hier würde nun Luthers „sündige tapfer“ passen). Das gilt für Paulus wie für uns.

  3. Ich denke, genau davon spricht Paulus hier. Er schreibt in Kapitel 6 erst von der Taufe, dann in Kapitel 7 erst von der Freiheit vom Gesetz und kommt dann daz den Menschen unter dem Gesetz zu beschreiben. Und da unterscheidet sich erst einmal nicht viel zwischen Christen und Nichtchristen. Paulus stellt die Situation dar, wie sie ist: Das Fleisch ist schwach, und das Gesetz zeigt an, was eigentlich gut ist, treibt dabei aber umso mehr zum Sündigen an. Paulus betont, daß er (und damit ach jeder andere Mensch) das Gute tun will aber trotzdem das Böse tut und kommt schließlich zu der Formulierung (V24):

    Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?

    Das ist erst einmal die Situation des Nichtchristen. Aber eben auch die Situation des getauften Christen, wie wir dann im Folgenden sehen (V25):

    Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

    Denn der Nichtchrist dient nicht mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, das tut der Christ. Denn Er lobt erst Gott und sagt danach, daß er nun, also nach der Bekehrung, dem Gemüt (im Griechischen steht νοῦς, also ist das Denken gemeint, keine Emotion) nach dem Gesetz Gottes dient und dem Fleisch, also dem Körper nach dem Gesetz der Sünde. In Kapitel 8 schreibt Paulus dann, daß durch den Geist die Taten des Fleisches kontrolliert werden können also der νοῦς, der Verstand, der Gott folgt, herrscht über den Körper, der der Sünde folgt. Da sind wir wieder einer Meinung.

Doch halte ich weiterhin daran fest, daß Menschen bei allem Wollen nicht immer auch ein Können haben. Es geht hier nicht um „ein Fehler und Du bist raus“. Wenn ein Mensch von seinem Körper überwunden wird, kann er über den Weg der Buße bzw. Reue (μετανοῖα; vgl. 2. Kor 7,9f; 12, 21; 2. Ti 2, 25f) wieder dahin kommen, daß der Gott folgende Verstand wieder das Ruder übernimmt. Und das sollte man jedem Menschen zugestehen, denn kein Mensch wird von der Bekehrung bis zum Tod alles richtig machen und ganz ohne Buße auskommen.