Eingehen auf Suchbegriffe

Wofür lohnt es sich Soldaten ins Ausland zu schicken?

… so eine Suchanfrage, durch die jemand auf meinen Blog kam. So gefragt würde ich sagen: Für gar nichts!

Denn einen Lohn, also Profit, aus dem Einsatz der Soldaten zu ziehen, der notwendigerweise mit deren Tod rechnen muß (auch wenn dies mit allen Mitteln zu vermeiden gesucht wird – es sind immer noch Soldaten!), ist ein abscheulicher Gedanke.

Wo um des Profits Willen Militär zum Einsatz kommt, werden aus Soldaten Söldner, deren Leben auf den Wert festgesetzt wird, der als Lohn erwartet wird.

Denkt man so, dann ist ab einem gewissen Preis der Einsatz der Soldaten Söldner nicht mehr gerechtfertigt, und man zieht ab, um nicht einen größeren Verlust zu realisieren. Das Denken ist ein Ökonomisches, der Mensch, der da eventuell stirbt, zählt nicht.

Deshalb war die Empörung über den zurückgetretenen Bundespräsidenten Köhler gerechtfertigt, als dieser über den Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung der Handelswege nachdachte. Das würde die Bundeswehr zum Werksschutz der Wirtschaft degradieren.

Damit man mich richtig versteht: Mir ist durchaus bewußt, daß von freien Handelswegen unser Wohlstand abhängt. Die Frage die ich stelle ist lediglich: Wieviel Wohlstand ist ein Soldatenleben wert? Und wenn zwei nicht aus dem Einsatz zurückkommen? Eine Antwort muß zynich sein!

Der Einsatz militärischer Macht ist dann gerechtfertigt, wenn damit höhere Werte durchgesetzt werden und das nur dann, wenn es sich tatsächlich um einen höheren Wert handelt. Was unter einem solchen höheren Wert zu verstehen ist, ist wieder Gegenstand einer weiteren Diskussion, wobei es zu bedenken gilt, daß die Definition solcher Werte demokratisch und freiheitlich geschehen muß, wenn sie tragen soll. Ansonsten besteht sehr schnell die Gefahr, daß es sich nicht um höhere Werte handelt, sondern eine Gruppe ihre Profitinteressen gegen den Rest durchsetzt, und dabei ist es nicht von Belang, wie groß diese Gruppe ist. Wenn die Mehrheit in der Gesellschaft für einen Angriffskrieg zur Sicherung der Ölversorgung stimmt, wird daraus kein höherer Wert, und die Söldner werden nicht zu Soldaten.

Natürlich stellt sich die Frage, ob es sich nun bei den Einsätzen der Bundeswehr um höhere Werte handelt, oder um Profiterzielung. So kann man sagen, der höhere Wert „nie wieder Auschwitz“ stehe hinter dem Einsatz im Kosovo, man könnte auch behaupten es geht um Machtinteressen und Einflußsphären auf dem Balkan.

Ähnliche Überlegungen kann man anstellen bei Bosnien, Afghanistan, dem Horn von Afrika, Osttimor, Kongo, Somalia… Mir geht es nicht darum, zu entscheiden, in welchem Fall es sich um was handelt, darüber liese sich in jedem Fall gut und lange diskutieren, wahrscheinlich oft ohne Ergebnis. Mir geht es darum einen Anhalt anzubieten für die Beantwortung der Frage, wann sich die Entsendung von Soldaten „lohnt“.

Man könnte nun behaupten: Militäreinsätze seien in jedem Fall profitorientiert und höhere Werte existierten an sich nicht. Dies würe doch dann auch bedeuten, daß man gegenüber Diktaturen nicht sagen könnte, sie seien Unrecht, da man mit den höhren Werten auf der positiven Seite auch das Unrecht auf der negativen Seite negiert hat, alles wäre demnach gleich gut oder schlecht.

Sagt man nun, es gebe die höheren Werte zwar, aber die seien es nicht wert, dafür Menschenleben zu opfern, so kommt man wieder ins Profitdenken und muß sich fragen, welcher Wert wie viele Menschenleben „kosten“ darf.

Höhere Werte in diesem Sinne müssen absolut gesetzt werden, sonst sind sie keine, und lassen Kosten-Nutzen Rechnungen zu, die, wie oben schon gesagt, notwendig zynisch werden.

Die Frage ist also nicht, wofür es sich lohnt, Soldaten ins Ausland zu schicken, sondern, ob es irgendetwas gibt, das wir als Gesellschaft für so wertvoll erachten, daß wir in dem Fall keine Kompromisse eingehen und im letzten Schritt (ultima ratio) auch zur Waffengewalt greifen. Denn ist ein Kompromiss möglich, so ist dieser immer der Gewalt vorzuziehen.

Martin Dutzmann, der evangelische Militärbischof , geht davon aus, daß es solche höheren Werte gibt, oder zumindest geben kann. Allerdings hält er auch eine Diskussion in der Gesellschaft darüber für nötig (wobei allein Mehrheitsabstimmungen nicht tragen), wie er beim Gespräch auf dem Kirchentag in München sagte.

Die Diskussion hat kaum begonnen, eher gibt es eine Diskussion um die „Kosten“ der Einsätze in Euro und Menschenleben. Vielleicht liegt es an der Durchökonomisierung der Gesellschaft, daß alles seinen Preis hat. Gut finden muß man das noch lange nicht.

Eingehen auf Suchbegriffe

Inwiefern machen die 10 Gebote die Menschen frei?

Der Titel ist eine Suchanfrage, durch die vor ein paar Tagen jemand auf den Blog hier kam und die Frage hat mich ach angesprochen, also wieso nicht nen kleinen Text draus schreiben?

Die 10 Gebote stehen in der Bibel an zwei Stellen, in leicht abgewandelter Form, und zwar bei 2. Mose 20 und bei 5. Mose 5, leicht zu merken, und sie werden den Israeliten zu dem Zeitpunkt gegeben, als diese aus Ägypten ausgezogen sind, aus dem „Diensthaus“ wo sie als „Knechte“ lebten.

Es geht also im Kontext der 10 Gebote schon ziemlich direkt um die Freiheit, und diese wird ach immer wieder thematisiert beim Durchzug durch die Wüste. Denn es kommt immer wieder die Frage auf, ob man nicht lieber nach Ägypten zurückkehren sollte, an die „Fleischtöpfe“, anstatt in der Wüste umzukommen. Nach „Freiheit oder Tod“, dem Schlachtruf vieler linker Befreiungsgruppen, war den Israeliten nicht, der Tod sollte unter allen Umständen verhindert werden – verständlich.

In dieser Situation gab Gott die 10 Gebote. Die durch die Wüste ziehenden Israeliten, die gerade der ägyptischen Militärmacht entkommen war, hatte noch keine Verfassung, keine Gesellschaftsstruktur, die ihnen in der neu gewonnenen Freiheit Sicherheit geben und das Zusammenleben ermöglichen konnte.

Ohne eine solche Struktur, eine neue Struktur, muß die neue Gesellschaft der nun freien Israeliten auseinanderbrechen. Es wäre keine Gemeinschaft gewesen, sondern nur eine lose zusammengewürfelte Menschenansammlung, durch nichts miteinander verbunden, ohne gemeinsame Identität. Ohne eine Struktur wäre jeder seiner Wege gezogen, hätte gemacht, was er allein für richtig erachtet hätte, und hätte dabei wohl die Sicherheit gewählt. Lieber ein Knecht in Ägypten als ein freies Skelett in der Wüste.

Bisher hatte die Idee der Freiheit für den Auszug und die ersten Strapazen genügt, und Moses als Anführer, der erst einmal die Richtung vorgab, sich nun aber bewähren mußte angesichts der Strapazen der Freiheit. Es war zwar die Rede von einem Land, wo Milch und Honig fließen, doch man kann noch nachempfinden, wenn man hete in den Sinai und die angrenzenden Wüstengebiete fährt, daß davon nicht viel zu sehen war.

Die 10 Gebote nun stellten eine Grundordnung dar für das Volk. Sie regelte das Zsammenleben, stellte die Grundlage für die Freiheit dar, indem sie Identität schuf und statt einem neuen Pharao nun Gott an die erste Stelle stellte. Solange der Pharao oder ein anderer König Gewalt über die Menschen hatte, solange der König begehren konnte, was er wollte (des nächsten Ochs, Esel, Haus und auch Frau und Kinder), gab es keine Freiheit. Erst durch die Etablierung Gottes als König (und nicht des Königs als Gott wie in Ägypten), war Freiheit möglich.

So setzten die 10 Gebote als erstes den Garanten der Freiheit fest, nämlich Gott. Ihm und keinem anderen ist Verehrung zu erweisen. Erweist man sie anderen Göttern anderer Völker, so macht man sich von diesen abhängig und kommt wieder in die Unfreiheit. Erweist man sie keinem Gott (damals wohl eher nicht zu erwarten), so ist man auf sich selbst und die eigenen subjektiven Ansichten zurückgeworfen, auch nicht anders als ganz ohne Grundordnung wie die 10 Gebote. Ohne äußere Sicherheit führt der Weg über kurz oder lang zurück an die sicheren Fleischtöpfe in Ägypten, weil die Freiheit dann doch nicht den Magen füllt.

Nachdem der Garant der Freiheit feststeht, schreiben die 10 Gebote dann fest, wie das Handeln in dieser Freiheit aussehen soll: Ruhetag gewähren (auch dem Ochsen und Esel, interessant vielleicht für Tierethiker), Eltern ehren (zum Beispiel indem man sie im Alter versorgt, so gibt man den eigenen Kindern ein Beispiel und lebt selbst auch lange) sowie nicht morden, stehlen (inklusive der Frau des Nächsten -> Ehebruch) und auch kein falsches Zeugnis abgeben (man denke sich, wie wichtig die Ächtung von Meineiden ist! Man kann es überall dort sehen, wo Denunziantentum gefördert wird und wurde: all dies sind keine Orte, an denen man besonders frei wäre), zu guter letzt nicht einmal ein Begehren nach dem Eigentum des Nächsten hegen (ja, es ist frauenfeindlich, daß hier die Frau als Eigentum des Mannes aufgeführt wird, so war die Gesellschaft damals). Denn was folgt auf das Begehren? Das Erlangen, oder zumindest der Versuch davon. Viele Werbefachleute verdienen ihr Geld damit, unser Begehren zu steigern, ob nach Mobiltelefonen, Autos oder Klamotten des einen bestimmten Herstellers. Die Werbestrategen zielen darauf ab, unsere Freiheit einzgrenzen, um ihre Produkte besser zu verkaufen. Lassen wir es zu, unseres nächsten Haus zu begehren (es geht um genau dieses aus und nicht m ein baugleiches, das am Ende der Straße zum Verkauf steht), dann macht uns auch das abhängig davon, und nser Denken richtet sich darafhin aus, das Haus zu erlangen (oder vielleicht doch dasjenige am Ende der Straße?). Die 10 Gebote gehen also neben der äußeren Freiheit auch noch auf die innere Freiheit ein.

Im Laufe der Geschichte kam und kommt es immer wieder dazu, daß Freiheiten beschnitten werden und wurden, auch im Namen des Gottes, der eigentlich der Garant für Freiheit sein soll. So kann man in 1. Sam 8 nachlesen, wie nun die Israeliten in eine neue Unfreiheit kommen, indem sie nach einem König verlangen. Doch durch das Festhalten am Garanten für die Freiheit ist auch diese immer wieder erreicht worden, nebst anderer Freiheiten, die wir heute in Europa wie selbstverständlich genießen.

Eingehen auf Suchbegriffe

Versuch einer Interpretation

Ich hab jetzt einmal eine neue Kategorie angelegt: „Eingehen auf Suchbegriffe“. WordPress zeigt mir an, über welche Suchbegriffe Leute auf diese Seite gekommen sind und ich hab mir gedacht: Wenn die das hier suchen, wieso nicht versuchen, ob ich dazu was sagen kann.

Logischerweise beziehen sich die meisten Suchbegriffe auf Luthers Lied „Ein feste Burg“. Deshalb hab ich auch den Link zum entsprechenden Wikipedia Artikel angelegt, fall jemand nur den Text sucht.

Was aber meist mit dem Liedtitel kombiniert wird sind Begriffe wie „Interpretation“ oder „Zusammenfassung“. Nun, zusammenfassen werde ich es nicht, das Lied ist nicht sehr lang, aber ich hab gedacht: Warum nicht einmal an einer Interpretation versuchen? Dazu muß ich sagen: Ich war in Deutsch in der Schule nie wirklich gut, wer also hier seine Hausaufgaben abschreiben will könnte ne schlechte Note riskieren. Andererseits: Welches Schulfach behandelt eine Interpretation dieses Liedes, wenn nicht der Religionsunterricht, und Hausaufgaben im Religionsunterricht sind doch recht selten…

Fangen wir mit der ersten Strophe an:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,

auf Erd ist nicht seinsgleichen.

In dieser Strophe werden zwei Mächte beschrieben: Einerseits Gott, andererseits der altböse Feind, der Teufel. Gott ist dem Sänger des Liedes eine Burg, die ihn schützt, aber nicht nur das: Er ist auch die Waffe, oder gleich mehrere Waffen, mit denen sich der Sänger zur Wehr setzen kann.

Der Teufel wird auch mit militärischen Begriffen in Zusammenhang gebracht. Jedoch ist er nicht, wie Gott, eine Burg oder eine (oder mehrere) Waffe(n), sondern er hat, verfügt über eine Rüstung, was nicht nur wie bei einer Ritterrüstung defensiv, also verteidigend, zu verstehen ist, sondern auch Angriffswaffen einschließt.

In der ersten Strophe steht also die Rüstung des Teufels gegen die Burg, Wehr und Waffen des Liedsängers, der Teufel selbst gegen den Sänger, dessen Verteidigung Gott ist.

Diese Not, der Angriff des Teufels, ist es, aus der Gott frei hilft, indem er dem Sänger Burg, Wehr und Waffen ist. Bei Wikipedia werden zwei konkrete Ereignisse genannt, die Luther speziell gemeint haben könnte mit der Not: Einerseits die Pest, andererseits das türkische Heer, das zu der Zeit das deutsche Reich bedrohte und um die Verfassungszeit des Liedes erstmals Wien belagerte. Unabhängig davon, ob Luther eine konkrete Gefahr und Not vor Augen hatte bei Abfassung des Liedes, kann man es doch auf alle möglichen Gefahren und Nöte beziehen. Immer ist es der Teufel, der den Menschen angreift oder anficht, wie man lutherdeutsch sagen würde, und Gott ist derjenige, der aus der Not hilft, indem Er dem Bedrängten Burg und Waffen ist, und das tut Gott frei, ohne eine Gegenleistung vorauszusetzen wie etwa Opfer, Gebete oder dergleichen, ganz im Gegensatz zur damals (und heute?) verbreiteten Vorstellung, daß Gott erst gnädig gestimmt werden müßte, bevor Er etwas für die Menschen tut. Das wird in schöner Regelmäßigkeit ja heute noch den Gläubigen vorgeworfen, daß sie Angst vor Gott hätten und deshalb in die Kirche rennen würden. Hier sieht man, daß auch schon in alten Kirchenliedern anders gesprochen wird, hierher würde auch der schon abgedroschene Spruch „Gott liebt Dich“ passen, denn Liebe stellt keine Vorbedingungen.

Über die Rüstung des Teufels wird noch gesagt, sie bestünde aus Macht und ist. Die Vorstellung ist, daß seit dem Sündenfall der Teufel die Welt regiert und über äußere Macht verfügen kann. Wo die Menschen dem Teufel widerstehen wendet er List an, um seinen Willen zu bekommen und seine Macht zu bewahren.

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.

Dem kann alle menschliche Macht nichts entgegenstellen, wie der erste Vers der weiten Strophe feststellt. Der Teufel ist mächtiger als der Mensch, seiner List ist der Mensch nicht gewachsen.

Der Krieg zwischen dem Menschen und dem Teufel, der in der ersten Strophe begann, wird nun fortgesetzt. Allerdings kämpft nicht der Mensch selbst. Der sitzt sicher in der Burg, die ihm Gott ist. Statt dessen kämpft „der rechte Mann“, Jesus Christus. Jetzt wird es etwas komplex: Gott ist dem Menschen die Burg, die ihn schützt (Strophe 1) und hat denjenigen erkoren (ausgewählt), der für uns Menschen gegen den Teufel streitet. Dieser Streiter ist Jesus Christus, über den wiederum gesagt wird, er sei der Herr Zebaoth (in moderneren Bibeln auch Herr der Heerscharen genannt) und kein anderer Gott. Es sind also alle eins:

Gott, der Herr der Heerscharen (eine von vielen Beschreibungen für Gott in der Bibel, die durch Gebrauch des militärischen Begriffs Seine Macht betont), die Burg, Jesus Christus.

Luther benutzt hier verschiedene Begriffe, um verschiedene Seiten Gottes zu beschreiben. Und natürlich gehört auch Christus dazu, denn für Luther gilt die Trinitätslehre, nach der Gott ein Gott ist, aber drei personae (lat. für Masken, Theaterrollen) hat.

Im Krieg Teufel gegen Mensch bietet Gott also dem Menschen ohne Gegenleistung Schutz, kämpft gleichzeitig selbst als Jesus Christus gegen den Teufel, und behält das Feld, gewinnt also den Kampf.

Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Nachdem das festgestellt ist, wird der Liedsänger übermütig. Erst noch von nur einem Teufel bedrängt, fürchtet er sich nun vor einer ganzen Horde Teufel nicht mehr. Der Fürst der Welt, der Teufel, kann sich nur noch sauer stellen, aber nichts mehr tun, weil er gerichtet ist von Gott, er hat den Kampf verloren, weil er gegen Gott nicht gewinnen kann.

Auf welches „Wörtlein“ Luther anspielt, ist mir nicht ganz klar. Es könnte eine Anspielung sein auf Mt 8,7f:

Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.

Die Krankheit des Knechtes des Hauptmanns wäre dann der Angriff des Teufels. Es kann aber auch sein, daß Luther das Wörtlein „Christus“ meinte, weil Christus derjenige ist, der am Kreuz den Sieg über den Teufel errungen hat. Denn indem sich Jesus ans Kreuz schlagen lies und sich vom Teufel, in dessen Machtbereich, der Welt, Er sich aufhielt, Ihn ermorden lies, verwirkte der Teufel seine Macht, denn die Macht des Teufels war gegründet auf die menschliche Gerechtigkeit, nach der jeder das bekommt, das er nach seinen Taten verdient. Da jeder Mensch nach dem Sündenfall Sünder war, hat jeder Mensch den Tod verdient. Dem Teufel reichte es aber nicht, die Menschen zu verderben und die Macht auf der Erde zu haben. Er wollte auch die Macht über Gott erlangen und selbst Gott werden. Deshalb nutzte er seine Macht auf der Welt, um Jesus, der ja nach der Trinitätslehre Gott war, unter seine Kontrolle zu bringen. Nachdem er das nicht durch einen Handel erreichen konnte, nutzte er seine Macht, um Jesus, und damit Gott zu töten und in der Unterwelt unter seiner Kontrolle zu haben. Da Jesus aber ohne Sünde war, hatte der Teufel sich selbst nicht mehr an die menschliche Gerechtigkeit gehalten, und somit seine Macht verwirkt, er war damit gefällt.

Das Wort sie sollen lassen stahn und kein’ Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib:
laß fahren dahin, sie haben’s kein’ Gewinn,
das Reich muß uns doch bleiben.

In der letzten Strophe geht Luther auf die Bibel ein, die er hier das Wort nennt. Eine Kritik der Reformatoren gegen die damalige Kirchenleitung (so richtig in protestantisch und katholisch getrennt waren sie da ja noch nicht) war, daß von den Päpsten und Bischöfen nicht mehr gelehrt würde, was in der Bibel steht, und statt dessen irgendwelche Traditionen gepflegt würden, die so nicht mit der Bibel in Einklang zu bringen seien. Das Feld geht vom Klosterleben über die Heiligenverehrung bis zum Ablaßhandel. Dem stellte Luther und die Reformation die Bibel entgegen, es sollte nur noch gelten, was in der Bibel steht. Inzwischen wurde dieser Ansatz weiterentwickelt (oder pervertiert, je nachdem) durch die Lehre von der Verbalinspiration, die die Bibel zu einem papiernen Papst macht und somit dem Menschen wieder suggeriert, er könne über Gott bestimmen und ihn gar an einer Hundeleine herumführen oder in die Tasche stecken.

Der Dank, den „sie“ nicht zum Wort haben sollen bezieht sich meiner Meinung nach auf die Heiligenverehrung, in der allerlei Heiligen gedankt wird für ihr Eingreifen und ihre Hilfe, wobei doch nach protestantischem Verständnis immer Gott eingreift und hilft und kein Toter helfen kann.

Der Liedsänger drückt noch einmal seine Gewißheit aus, daß Gott bei den Menschen immer mit Geist und Gaben auf dem Plan ist, uns also nichts fehlen wird.

Dann geht er darauf ein, daß uns eben doch manchmal Menschen und Dinge, gar das Leben genommen werden. „Sie“ nehmen „Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib“ und es stimmt ja, daß wir auch nach Christi Auferstehung, die ja schon ne Weile her ist, immer noch Leid erfahren. Der Sänger läßt sich hiervon nicht beeindrucken und meint nur: Wer auch immer Dir Ehre, Leben, Vermögen oder die Familie nimmt (und wenn das jemand tut, so steckt wie hinter jedem Übel immer der Teufel), dann kann man dies getrost hingeben, weil derjenige, der einem dieses nimmt, keinen Gewinn davon haben wird (darauf, wie das Kind es wohl sieht wenn der Vater es getrost zuläßt, das ein Dahergelaufener es einfach entführt, geht der Sänger nicht ein). Das wichtige nämlich, das Reich, gemeint ist das Reich Gottes, bleibt dem Menschen doch, selbst wenn er sein Leben verliert, weil Gott eben den Teufel und damit den Tod überwunden hat. Der Tod hat nicht das letzte Wort, am Ende kommt die Auferstehung. Gott wird uns aus Liebe in Sein Reich aufnehmen, nichts von Wichtigkeit wäre endgültig verloren, alles wiedergewonnen.

Update: Ich hab’s scheinbar bei google recht hoch gebracht mit den Suchworten „ein feste burg interpretation“. Daher möchte ich auf den Artikel zum Lied von Michael Fischer im Liederlexikon hinweisen, ich fand den ganz interessant, dort gibt es auch eine Literaturliste:

http://www.liederlexikon.de/lieder/ein_feste_burg_ist_unser_gott/