Allgemein

Geldverteilungen

Heute morgen habe ich diesen Artikel gelesen und mich wieder mal über die Europapolitik bei den Flüchtlingen geärgert. Es werden in der Flüchtlingspolitik Milliarden in die Hand genommen. Finde ich ja prinzipiell gut. Doch schon die folgende Formulierung ließ mich aufhorchen: „Mit diesem Kraftakt wollen die EU-Staaten ihre gemeinsamen Außengrenzen besser sichern und schutzbedürftigen Menschen in Krisengebieten helfen.“ Nun kann man sicher darüber streiten, ob die Reihenfolge in einer Aufzählung Rückschlüsse auf die Wichtigkeit des Aufgezählten erlaubt. Ich fürchtete jedoch, dass in diesem Fall die Reihenfolge (1. Grenzen sichern, 2. schutzbedürftigen Menschen in Krisengebieten helfen) genau die Prioritätenreihenfolge wiedergab, die in der gegenwärtigen Europapolitik bestimmend ist. Die weitere Lektüre des Textes zeigte folgendes:

  • eine Milliarde Euro zusätzlich für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in Nachbarstaaten Syriens
  • Aufstockung der Flüchtlingshilfe für die Türkei für dieses und das kommende Jahr auf eine Milliarde Euro
  • 1,8 Milliarden Euro für afrikanische Länder

Insgesamt wird hier also von 3,8 Millionen gesprochen, unklar ist mir noch, zu welchem Betrag die eine Milliarde Euro für die Versorgung syrischer Flüchtlinge dazu kommen soll. Weiß jemand zufällig etwas über die Höhe des vorigen Betrags?

Unmittelbar nach dem Hinweis auf die 1,8 Millarden Euro dann eine interessante Detaillosigkeit hinsichtlich eines Geldbetrags: „Außerdem will die EU ihre Grenzschutzagentur Frontex stärken – auch dafür gibt es zusätzliches Geld. “  Warum wird hier keine genaue Zahl des Geldbetrags angegeben? So erhält nämlich nämlich diese Aussage „Laut EU-Kommission sollen die Gelder, die vor allem zur Flüchtlingshilfe eingesetzt werden, im Vergleich zum Jahresbeginn insgesamt auf 9,2 Milliarden Euro verdoppelt werden.“  einen – in meinen Augen – sehr bitteren Beigeschmack, zumindest, solange keine Zahlen geliefert werden, auf wieviel Milliarden sich die Unterstützung der syrischen Flüchtlinge im Ausland vor der zusätzlichen Milliarde belief.

Denn nur anhand der Zahlen in diesem Artikel ergibt sich, dass 3,8 Milliarden für Flüchtlinge bereitgestellt wurden. Zieht man diese 3,8 Milliarden von den insgesamt 9,2 Milliarden Euro ab, kommt man auf 5,4 Millionen Euro. Ist das nun der Betrag, den die EU-Politiker Frontex zugedacht haben? Sollte das der Fall sein, wird meine Skepsis hinsichtlich der Aufzählung (1. Grenzen sichern 2. Flüchtlingen helfen), die ich zu Anfang äußerte, voll und ganz bestätigt. Hat zufällig irgendjemand andere Zahlen, die mir zeigen, dass die EU-Politiker nicht der Abschottung vor Flüchtlingen Vorrang geben vor der Hilfe für Flüchtlinge? Denn sonst hat sich nur zu deutlich in diesem Artikel gezeigt, dass die EU-Politik gegenüber den Flüchtlingen stärker von menschenfeindlicher Abschottung als von Solidarität geprägt ist.

Allgemein

Solidarität

Ich habe grade diesen Artikel gelesen. Landesbischof Meister spricht sich dort in erfreulicher Schärfe dafür aus, gegen Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylbewerberheime vorzugehen. Das finde ich gut.

Außerdem schreibt er, dass Solidarität mit den Schwächsten für Christen etwas Elementares sei. Auch das findet meine vollste Zustimmung.

Er schreibt, dass Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, nicht unter das Asylrecht fallen. So weit, so (leider) richtig. Dann schreibt er, dass das nicht bedeute, dass sie hier nicht willkommen sind. Bis hierhin habe ich mich gefreut über eine (aus meiner Sicht) gute Stellungnahme.

Doch bei den folgenden Sätzen ist mir übel geworden….

Deutschland sei vielmehr auf qualifizierte und motivierte Menschen angewiesen. „Anders können wir den Fachkräftemangel in ganz vielen Branchen nicht annähernd auffangen“.

Ja, es stimmt, wir sind tatsächlich auf Menschen angewiesen. Doch Solidarität mit den Schwächsten kann doch wohl nicht so aussehen, das „Willkommen“ an die Leistungsfähigkeit der Flüchtlinge zu koppeln. Um es ganz deutlich zu sagen: grade diejenigen, die (noch?) nicht qualifiziert sind oder Fachkräfte sind, sind die Schwächsten. Wobei es mir schon wieder komisch vorkommt, jemanden, der genug Kraft für eine Flucht unter übelsten Bedingungen zu wagen, für schwach zu halten…. Aber ich vermute jetzt mal, es geht da um andere Schwäche…  Solidarität mit den Schwächsten, mit denen, die auf Hilfe für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind, zeigt sich nicht darin, dass wir darauf hinweisen, dass wir ja gute Arbeitskräfte brauchen. Solidarität mit den Schwächsten zeigt sich darin, sie aufzunehmen, obwohl sie diese Hilfe benötigen und obwohl sie nach dem asozialen Asylgesetz Deutschland kein Recht auf Asyl haben.

Kurz: Solidarität mit den Schwächsten darf nicht nach dem Vorteil fragen, den ihre Aufnahme bietet. Denn dann ist es keine Solidarität, sondern schlichtes Befolgen kapitalistischer Denkstrukturen.

Allgemein

Übersetzungsfreuden I

Derzeit übersetze ich grade einige Texte von Samuel Barnett, einem Sozialreformer und Theologen, für mein Studium. Auf ihn geht der Bereich in der Sozialen Arbeit zurück, der heute „Gemeinwesenarbeit“ genannt wird. Seine Texte sind wirklich spannend, hin und wieder werde ich jetzt mal einzelne Zitate hier veröffentlichen. Heute dieses:

„Zwei ehrliche Gegner werden kaum miteinander über neutrale Themen diskutieren, ohne etwas voneinander zu lernen, was Grundlage dafür wird, Verachtung durch Respekt zu ersetzen.“ (Samuel Barnett, Towards Sozial Reforms, S. 277, London 1897)

Im Original heißt es: „Two honest opponents will hardly discuss together on neutral subjects without learning of each other which will cause the substitution of respect for contempt“

Mal sehen, was noch so daraus wird 🙂

Allgemein

Sicherheit von Staaten – ein Weg, um Menschen los zu werden

Je länger ich mir den Scheiß angucke, der bei uns mit  Flüchtlingen durchgezogen wird, desto übler wird mir. Es scheint nur noch darum zu gehen, wie man wen am schnellsten wieder los wird. Ich finde es zum Kotzen, dass sogenannte christliche und soziale Parteien offenbar kaum was anderes zu tun haben, als dafür zu sorgen, dass sie möglichst viele Menschen möglichst schnell wieder los werden, vgl. hier. Länder für sicher zu erklären, weil sie auf dem Weg in die EU sind bzw. damit man es leichter hat, Menschen dorthin abzuschieben, nicht etwa, weil sie sicher sind, ist meiner Meinung nach ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich freue mich ja auf den Zeitpunkt, wenn die jetzt als „sicher“ eingestuften Länder in die EU kommen und ihre Einwohner von der Freizügigkeit innerhalb der EU Gebrauch machen. Bis dahin empfehle ich die Lektüre von Gregor v. Nyssa (330 – 394), bei dem man z. B. lesen kann: „Es ist keine Lösung, Menschen, die man nirgends haben will, weit weg zu schicken und sie, isoliert von allen anderen, mit dem Nötigsten zu versorgen. Eine derartige Einstellung zeugt weder von Barmherzigkeit noch von Mitleid. Auf diese Weise wollen wir sie nur in aller Freundlichkeit loswerden“. Ich vermute zwar, dass Gregor dies ursprünglich in Hinblick auf den Umgang mit sogenannten „Aussätzigen“ gesagt hat. Doch ich denke, die Aussage lässt sich auch auf heutige Flüchtlinge und das meiner Meinung nach asoziale Verhalten in der Politik gegenüber den Flüchtlingen übertragen. Und da ich ein Freund von Quellenangaben bin, hier meine Quelle: Albus, Michael: Taizé auf neuen Wegen, Gütersloh 2014, S. 19.).

Politik

Diverse Demos

Ich habe lange überlegt, ob ich auf eine Demonstration gegen Pegida gehen soll. Mir geht die (mindestens) latente Ausländerfeindlichkeit von Teilen dieser Spaziergänger gehörig gegen den Strich. Nicht weniger gegen den Strich geht es mir, wenn (wie in einer ZDF-Dokumentation gesehen) Menschen dafür sind, Ausländer auszuweisen mit dem Hinweis, sie hätten ja selbst kaum genug Geld, um über die Runden zu kommen. Es kotzt mich an, wenn Sozialneid oder meinetwegen auch Angst um die eigene Versorgung dazu führt, dass Menschen dermaßen kaltherzig werden. Denn eins darf man nicht vergessen: Die Menschen, die geflohen sind, können definitiv nichts für die Höhe der Sozialhilfe, die wurde schon lange, bevor die Flüchtlinge kamen, festgesetzt. Es stimmt meiner Meinung nach, dass die Sozialhilfe zu niedrig sind, um tatsächlich ein menschenwürdiges Leben mit Teilhabe an der Gesellschaft zu führen. Dies liegt jedoch an Fehlentscheidungen in der Politik. Flüchtlinge unter den Fehlentscheidungen der Politik leiden zu lassen finde ich einfach nur beschissen. Das waren für mich Gründe zur Anti-Pegida-Demonstration zu gehen. Ich habe diese Demo glücklicherweise als friedlich erlebt.

Was mich allerdings ebenso ankotzt wie die Kaltherzigkeit und latente Ausländerfeindlichkeit von (so wie ich das wahrnehme) weiten Teilen der Pegidabewegung ist Gewalt gegen diese Bewegung. Ich bin sehr dafür, dass man ihr mit friedlichen Demonstrationen die Abneigung gegen ihre Ansichten zeigt. Ich bin noch mehr dafür, dass man das Gespräch sucht, das habe ich vor einigen Tagen erst gemacht. Gut, die beiden älteren Damen im Café befanden sich grade nicht auf einer Pegida-Demonstration, doch ihre Meinungen gegenüber Asylbewerbern deckten sich mit denen von Pegida. Also, Gegendemonstrationen und Gespräche – jederzeit. Ich distanziere mich jedoch von Menschen, die eine genehmigte Demonstration mit Gewalt behinderten und so den Pegida-Sympathisanten die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung nahmen. So sehr ich die Inhalte von Pegida, wie ich sie bisher wahrgenommen habe, ablehne, muss ich für mich feststellen: Diejenigen, die andere Menschen an der ihnen verfassungsmäßig zustehenden Meinungsäußerung hindern (auch wenn mir die geäußerte Meinung nicht gefällt) sind in meinen Augen keinen Deut besser als die Pegidademonstranten. Beide gefährden meiner Meinung nach mit ihrem Verhalten die Menschenwürde und Freiheit des einzelnen. Bei beidem kriege ich Brechreiz.

Glaube

Einige Gedanken zur Jahreslosung

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“ (Rö 15, 7)
Diese Jahreslosung für 2015 führt mich zu der Frage, wie Christus uns angenommen hat, wie er Menschen annimmt. Ein Beispiel dafür steht im Johannesevangelium in der Begeg-nung mit der Ehebrecherin. Für die Menschen, die sie vor Jesus bringen, ist der Fall klar und die Steinigung unausweichlich. Sie fragen nicht, weil sie den Rat Jesu hören wollen, sondern weil sie hoffen, seinen Rat gegen ihn verwenden zu können.

Noch bevor Jesus ein Wort mit ihnen spricht, setzt er ein Zeichen. Ich stelle mir vor, dass die Frau in Erwartung der Steinigung vor ihm kauert, denn die Rechtslage ist ja eindeutig. Er aber bückt sich, malt in den Staub, begibt sich hinab zu ihr. Jeder Stein, der jetzt geworfen wird, kann jetzt auch ihn treffen. Ohne ein Wort gesagt zu haben schützt er die
Frau. Er nimmt sie als schutzbedürftigen Menschen an – und in Schutz. Die Annahme eines Menschen kann also bedeuten, sich stumm zu einem Menschen dazuzustellen, um ihn zu schützen.
Doch bei der stummen Annahme und dem Schutz bleibt es nicht. Jesus wendet sich denen zu, die der Frau und ihm Böses wollen. Er nimmt sie und ihre Frage ernst. Mit keinem Wort kritisiert er ihre böse Absicht, die hinter ihren Worten steht. Er schickt sie nicht weg. So nimmt er auch die an, die ihn nicht annehmen. Mit den Worten: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie“ stellt er die Schuld der Frau fest – und gibt die Verantwortung für die Steinigung an jeden einzelnen Zuhörer zurück. Keiner könnte später sagen, Jesus habe bedingungslos die Steinigung befürwortet. Auch so nimmt Jesus Menschen an: Er nimmt ihre Fragen ernst und nimmt ihnen die Entscheidung
für ihr Handeln nicht ab.

Doch ich glaube, er wusste genau, welche Folgen seine Worte haben würden: keiner war fähig, nach diesen Worten einen Stein zu werfen. Die Folge war das Leben der Frau. Menschen annehmen, wie Christus uns angenommen hat, kann also bedeuten, sich schützend an die Seite derer zu stellen, die bedroht sind – unabhängig davon, ob sie schuldig sind oder nicht. Es kann auch bedeuten, mit denen, die auf Gesetze pochen, so zu reden, dass neues Leben möglich wird. Es kann bedeuten, mit denen zu sprechen, die andere des Landes verweisen wollen, so zu sprechen, dass sie ihre Herzen weit werden, sie Ängste verlieren und einander annehmen können, wie Christus uns angenommen hat. Die Annahme Jesu hat natürlich noch viel mehr Facetten, genauso wie der Bibelvers. Doch die werden ein anderes Mal beleuchtet.

Theologie

Paradies und Macht…

Zwischen Vorlesung und Mensa ein kurzer Gedanke. Ich besuche grade ein Seminar zum Thema Macht. Nun grüble ich darüber nach, ob man die Vertreibung aus dem Paradies auch als eine Beschreibung von Machtausgleich verstehen könnte. Zunächst haben A&E Macht über den Tod im Paradies, sie können ihn mit Hilfe der Früchte vom Baum des Lebens umgehen. Sie haben jedoch keine Macht über das Wissen von Gut und Böse. Dann erlangen sie die Macht, Gut und Böse unterscheiden zu können – und verlieren daraufhin die Macht, dem Tod widerstehen zu können. Hier wird die Machtbegrenzung des Menschen deutlich. Weiß jemand, ob es in dieser Richtung schon eine Auslegung des Textes gibt?

Bilder

Geborgenheit I

 

 

 

 

 

 

 

Geborgenheit IIch habe mal ein bisschen mit älteren Drucken von mir rumexperimentiert und werde die nächsten Tage immer mal wieder einzelne Bilder posten. Entstanden sind sie ursprünglich als Tetrapackdruck. Vor einigen Tagen habe ich sie dann mal eingescannt und ein bisschen was in Paint ausprobiert. Ist mal was anderes als Texte 🙂

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 13.3.2014: Genesis 1,3

Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.

Ich sitze grade in einer Bibliothek und gucke raus auf eine sonnenbeschienene Wiese und die blühenden Sträucher, was für ein schöner Anblick 🙂 Und dabei kommt mir eins meiner Lieblingslieder in den Sinn:

Morgenglanz der Ewigkeit,

Licht vom unerschaffenem Lichte.

Schick uns diese Morgenzeit

deine Strahlen zu Gesichte

und vertreib durch deine Macht

unsere Nacht.

Ich wünsche euch einen schönen Tag mit viel Sonne im Herzen!