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Christentum und AfD

Christentum und AfD, wer ist hier der "echte" Christ? Das Bild zeigt einen Anhänger der "Deutschen Christen" und einen Anhänger der Liste "Evangelium und Kirche" mit umgehängten Wahlplakaten
Kirchenratswahlen Berlin 1933

Auf Twitter äußere ich mich öfters dahingehend, daß weder Mitgliedschaft noch Sympathie mit der sogenannten AfD mit dem christlichen Glauben vereinbar sind. Heute nun wurde mir auf zweierlei Weise widersprochen. Einmal von einem mutmaßlichen AfD Sympathisanten, der meinte, Christentum bedeute vor allem, andere auszugrenzen und das würde bei der Aussage ja auch wunderbar auf mich zutreffen. Dann warf er mir vor, auf die no true scotsman fallacy reinzufallen. Dazu möchte ich zuerst ein paar Worte verlieren.

Dann möchte ich mich mit dem zweiten Einwand beschäftigen, die auf große sowohl personelle wie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen sogenannter AfD und Christen hinwies. Ich versuchte zuerst, auf Twitter in die Debatte einzusteigen, aber das Format war dann doch zu eng. Daher versuche ich nun hier, meine Ansicht zu der Thematik etwas breiter auszuformulieren, als dies auf Twitter möglich ist.

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Commenting Media, Glaube, Theologie

Fliegendes Suizidkommando

Fliegendes  Suizidkommando? Nein, der Erlöser beim Erlösungswerk!
Uoaei1 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Das fliegende Suizidkommando und Karfreitag

Wer kennt ihn nicht: Monty Pythons „Das Leben des Brian“? Der Film enthält jede Menge Anspielungen auf alles Mögliche. Zum Beispiel spielt die Konkurrenz zwischen der Volksfront von Judäa und der Judäischen Volksfront (und diverser anderer im Film genannter Gruppen) auf die Kämpfe verschiedener Befreiungsbewegungen untereinander – anstatt gegen den erklärten Feind – an. Und dann gibt es bei der Judäischen Volksfront noch ein „Fliegendes Suizidkommando“. Heute im Gottesdienst kam ich darauf, daß es sich da um eine Anspielung auf Jesu Kreuzestod handelt:

Es wird gestorben, vorgeblich zur Befreiung Anderer, aber irgendwie stellt sich die Befreiung nicht spürbar ein.

Oder anders gesagt: Jesu Tod hat nichts gebracht.

Jesus und das fliegende Suizidkommando

Dem stimme ich so natürlich nicht zu: Jesu Kreuzestod hat durchaus Befreiung gebracht. Beim fliegenden Suizidkommando ist das freilich anders: Brian bleibt am Kreuz und es bleibt ihm nichts als eine Hymne auf das Leben im Hier und Jetzt zu singen. Auch recht traurig, wenn an bedenkt, daß in Brians Hier und Jetzt das Leben zum Ende kommt.

Aber wo ist der Unterschied zwischen Christi Handeln und dem „Anschlag“ des fliegenden Suizidkommandos?

Judäische Volksfront

Soweit es aus dem Film erkennbar ist, liegt das Ziel der Judäischen Volksfront darin, Judäa von der römischen Besatzung zu befreien. So weit, so normal. Die Unfreiheit besteht hier in der Fremdbestimmung durch eine ausländische oder als ausländisch empfundene Macht. Also kein großer Unterschied etwa zur katalanischen oder schottischen Unabhängigkeitsbewegung. Unterstellt man, daß die Judäische Volksfront wohl auch vor Waffengewalt nicht zurückschreckt, dann sind die Vergleichspunkte wohl eher ETA, PKK, PLO oder Irgun.

Jesus Christus

Jesus geht es in Seinem Befreiungswerk jedoch nicht um solche äußere, nationale Freiheit. Als Er zum König gemacht werden soll, entzieht Er sich, im Verhör mit Pilatus sagt Er, Sein Reich sei nicht von dieser Welt. Es geht Ihm nicht um weltliche Befreiung.

Befreit wird der Mensch durch Jesus nicht von einer fremden Macht. Diese Perspektive scheint Jesus gar nicht zu interessieren. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“. Und auch seine ersten Nachfolger waren da durchaus zurückhaltend. Grad von Paulus kennen wir die Forderung, der Obrigkeit untertan zu sein, auch spricht er sich nicht gegen die Sklaverei aus oder die Unterordnung der Frau unter den Mann – jedenfalls nicht direkt.

Denn der Befreiungsakt geschieht an einer ganz anderen Front. Sie löst ein ganz anderes Problem als daß der weltlichen Unterdrückung. Das Problem ist das Problem der Sünde. Christus befreit uns nicht von einem weltlichen Tyrannen, sondern von der Sünde.

Sünde? Echt jetzt?

Aber mal ehrlich, abseits vom innersten Kreis der Kerngemeinde und vielleicht noch studierten Theologen, wer versteht sich heute als Sünder? Wer versteht überhaupt, was Sünde ist? Eine böse Tat? Eine Tafel Schokolade in der Fastenzeit? Tanzen am Karfreitag?

Ich hatte hier schon einmal meinen Religionslehrer im Gymnasium erwähnt. Er erklärte uns das mit der Sünde immer mal wieder mit folgendem Bild: Freiheit und Verantwortung müssen sich die Waage halten. Nehmen wir uns irgendwann mehr Freiheit, als wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, entspricht die Diskrepanz zwischen beiden der Sünde.

Freiheit!

Wenn wir jetzt mal die Religion bei Seite lassen, so sollte doch leicht ein Konsens herzustellen sein, daß es von Übel ist, wenn sich jemand alle möglichen Freiheiten rausnimmt, ohne die entsprechende Verantwortung zu übernehmen: Alkohol trinken und trotzdem Auto fahren, Sex ohne Gummi und die Frau schwanger sitzen lassen, Daten sammeln und nicht sicher speichern… Es gibt viele Beispiele, die man aufzählen könnte.

Wo ich Freiheit auslebe, kann das immer auch Auswirkungen auf andere haben. Und für diese Auswirkungen habe ich die Verantwortung. Übernehme ich die nicht, sorge ich mich nicht um die Konsequenzen meines Handelns, dann entsteht Leid. Aus der Sünde, also dem Verweigern von Verantwortung, entsteht Leid. Und zwar in ganz verschiedener Weise. Das Leid, das durch das verantwortungslose, alkoholisierte Führen eines Kraftfahrzeugs entsteht ist anders als das Leid, das entsteht, wenn sich jemand schmieren läßt oder jemand Drogen mißbraucht.

Verantwortung!

Jahrelang fragte ich mich, wie es nun ist, wenn ich mehr Verantwortung als Freiheit übernehme – oder sollte ich sagen: übernehmen will?

Letzte Woche sprach ich mit einem Kollegen über das Altern. Irgendwann ging es darum, ob es besser sei, früher zu sterben, bevor man unter Demenz leidet oder allgemein zum Pflegefall wird. Wir kamen darauf, inwieweit man sich in einer solchen Situation vielleicht als „useless“ (wir sprechen meist Englisch im Büro), also unnütz, verstehen würde.

Ich stellte es in Frage, Menschen nach ihrer Nützlichkeit zu kategorisieren. Darauf meinte mein Kollege, das sei trauriger Weise das Paradigma, unter dem wir alle leben.

Und da fiel der Groschen bei mir: Auch das ist Sünde. Die Verantwortung für etwas übernehmen zu wollen, was nicht in unserer Freiheit steht, ist Sünde, also führt zu Leid!

Nützlichkeit

Ob etwas „nützlich“ ist beurteilt man daran, wie gut man es benutzen kann, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Und hier sieht man auch schon das Problem, wenn man dies auf Menschen anwendet: Man macht Menschen zu einem Objekt, zu Dingen, die gebraucht werden für bestimmte Zwecke. Man verweigert die Achtung ihres eigentlichen Wesens, daß sie als Menschen nicht zu irgend einem Zweck da sind, sondern einen Selbstzweck haben. Keiner darf Menschen besitzen oder sonst über sie verfügen. Das ist Konsens einer freien und demokratischen Gesellschaft,und der Gedanke liegt auch hier im christlichen Denken zu Grunde.

Die Menschen sind untereinander Brüder und Schwestern und ihr Umgang miteinander soll sich an der Liebe orientieren. Wenn jemand einen Menschen beurteilen kann, dann höchstens Gott, denn Er hat den Menschen gemacht und kennt sich aus.

So lange es um die Beurteilung anderer geht, sind wir noch beim ersten Beispiel: Wenn sich jemand mehr Freiheit raus nimmt als er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Zum Beispiel Menschen aburteilen und dann sich selbst überlassen, ohne ihnen eine Perspektive zu geben.

Wenn ich aber das Ganze auf mich selbst anwende, wenn ich also nach meiner eigenen Nützlichkeit frage, kommen wir in den anderen Bereich. Ich versuche, mehr Verantwortung zu übernehmen als ich Freiheit habe. Immer noch unternehme ich den Versuch, Gottes Platz einzunehmen. Ich versuche, etwas zu tun, was Ihm obliegt und auch Er nur wirklich kann. Was weiß ich denn im Vergleich? Wie fundiert kann mein Urteil denn sein?

Leid

Und auch hier entsteht Leid. Ich weiß, wovon ich rede, ich kämpfe manchmal auch mit Depression. Ich weiß nicht, was ich anderen bedeute, und maße mir ein Urteil über meine Nützlichkeit an. Ich weiß nicht, welche Auswirkung mein Dasein hat und maße mir an, ein Urteil darüber fällen zu können.

Ich bin alt, bettlägrig und empfinde mich nur noch als Last für meine Kinder und Angeörigen.Oder ich habe Angst vor so einer Situation. Also beschließe ich, lieber jung zu sterben. Oder jünger, wenn ich es noch selbst in der Hand habe. Auch das verursacht Leid. Am offensichtlichsten bei den Hinterbliebenen. Aber auch sonst. Wie viele Begegnungen haben wir in unserem Leben, wie beeinflussen wir einander, ohne es zu wissen?

Oder bei mir: Vielleicht will ich gar nicht sterben, aber meine, meinen Nächsten nicht zur Last fallen zu sollen.

Eine Sache beim Leid ist richtig fies: Es pflanzt sich fort. Leide ich, so bin ich dadurch so mit mir beschäftigt, daß ich weniger auf andere achten kann, und füge ihnen auch Leid zu. Man wird dünnhäutiger, explodiert leichter. Oder man sinnt schlicht nach Rache, will es anderen doppelt heimzahlen. Und andere Menschen wissen natürlich darum, gehen mir aus dem Weg, wenn wir gereizt bin. So läßt man sich durch die Situation, durch die Spannung, die Leid erzeugt, gefangen nehmen. Man paßt sein Tun an, verliert Freiheit.

Leid pflanzt sich fort und multipliziert sich. Das ist die Konsequenz der Sünde, so funktioniert sie.

Befreiung, oder christliche gesprochen: Erlösung

Wie paßt jetzt Jesus da rein? Im Gegensatz zum fliegenden Suizidkommando? Nun, zuerst einmal starb Jesus wegen unserer Sünde. Menschen nahmen sich mehr Freiheit, als sie verantworten wollten. Unterjochten ien Land, arrangierten sich mit den Machthabern etc etc. Am Ende war es so weit, daß man in Jesus einen Aufrührer sah, nur weil Er offen sagte, was Sache war und weil Ihm viele Menschen zuliefen.

Jesus, der den Eliten Angst machte

Solche Menschenansammlungen mußten die Römer ja skeptisch ansehen. Sie wußten ja um das Leid, daß sie der Bevölkerung zugefügt hatten und hatten auch schon einige Erfahrung mit Aufrührern. Sie hatten Angst, waren durch ihre eigene Sünde gefangen genommen worden. Das ließe sich jetzt für alle möglichen Gruppen durchführen, von der gesellschaftlichen Elite bis hin zu den echten Aufrührern, denen es freilich suspekt vorkommen mußte, daß Jesus nicht zu den Waffen rief. Und dann gibt es ja auch das Problem der Rivalität zwischen der Judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa…

Was tat Jesus also? Er ließ sich ans Kreuz schlagen. Obwohl Er Alternativen gehabt hätte. Oder lassen wir die Engelslegionen bei Seite und betrachten es weltlich: Da wäre es immer noch vernünftiger gewesen, die Anhänger zu den Waffen zu rufen. Es gibt ja die Deutung, daß es Judas Ischariot genau darum ging. Außerdem wurde Jesus ja mehrfach verhört: Vorm Sanhedrin, vor Pilatus und auch vor Herodes Antipas. Mit ein bißchen Verhandlungsgeschick wäre Er da vielleicht auch rausgekommen aus der Sache.

Aber Er hätte sich auch der Logik der Sünde unterworfen. Er hätte die Verantwortung für Sein Tun nicht übernommen. Wäre es Ihm um Sein Leben gegangen, wäre Er womöglich nie in die Situation gekommen. Aber es ging Ihm um mehr. Also tat Er, was Er für nötig hielt, und nicht was opportun war. Er ging zu den Menschen, den Zöllnern, Sündern, und behandelte sie wie Menschen, heilte hier und da und stiftete Gemeinschaft.

Er unterwarf sich aber der Logik der Sünde nicht. Er kuschte nicht, Er unterließ nicht, was Er für richtig hielt. Und Er nahm die Konsequenz auf sich, ohne Widerstand. Er verteidigte sich nicht in den Verhören, und ging ans Kreuz. Litt unsre Not, starb unsern Tod.

Unser Tod

Unser Tod, weil wir Menschen es sind, deren Sünde dazu führte, daß Er am Kreuz enden mußte. Weil die Menschen in ihrer Sündhaftigkeit Angst bekamen. Also schlugen sie drauf, bevor sie vielleicht selbst Opfer werden konnten.

Aber was geschah dann? Jesus wehrte sich nicht. Hatte man sich geirrt? Wieso wehrte Er sich nicht? Selbst wenn Er zu Unrecht verurteilt wurde, hätte Er sich doch gegen die Todesstrafe wehren müssen?

Und dann stand Er wieder auf. Tod wo ist Dein Stachel, Hölle, wo Dein Sieg? Er durchbracht die Logik der Sünde. Er ließ sich nicht gefangen nehmen. Er scherte sich nicht um Opportunitäten, und Er schreckte nicht davor zurück, die Verantwortung dafür zu übernehmen, was Er tat. Daher mußte Er sich auch nicht entschuldigen.

Das ewige Leben

Bis hierher war es vielleicht für atheistische Leser noch in Teilen nachvollziehbar. Sobald wir aber zur Auferstehung kommen,geht es nicht mehr ohne Glauben. Das aufrechte Leben Jesu, der Tod und die Wiederauferstehung, nehmen dem, der daranglaubt, die Angst – zumindest ein Stück weit – kein menschlicher Glaube ist perfekt,deshalb bleiben wir auch alle Sünder.

Die Sünde besteht weiter, Menschen nehmen sich mehr Freiheit, als sie Verantwortung übernehmen – oder sie versuchen mehr Verantwortung zu übernehmen, als sie Freiheit haben. Und sie erzeugen damit Leid. Wer aber an die Auferstehung glaubt, weiß auch, daß das Leid zeitlich begrenzt ist. Er schränkt sich vielelicht ein, wo er Leid erfährt, besteht nicht auf allen Freiheiten, um in der aktuellen  Schwäche weniger Verantwortung tragen zu müssen. Er wird frei von der Sünde in dem Sinne, daß sie ihn nicht mehr beherrscht, wenn er sie auch nie ganz los wird.

Diese Freiheit ist viel tiefgreifender als die Freiheit, für die all die Freiheitsbewegungen kämpfen.Sie ist grundlegend und verändert die Welt. Es mag sein, daß der Gedanke einer Gleichberechtigung der Frau nicht explizit in der Bibel steht, aber er entstand in einer biblisch geprägen Kultur, und die ersten Schritte gingen früh los. Die Bibel lehnt auch die Sklaverei an sich nicht ab, trotzdem waren es Christen, die sich nachhaltig und mit Erfolg für die Abschaffung der Sklaverei einsetzen, und zwar aus religiösen Motiven. Wenn man sucht kann man viele weitere Aspekte finden. So entspricht die Gleichheit aller vor Gott der Gleichheit aller vor dem Gesetz – das haben wir auch noch nicht so lange.

Jesu Tod führt letztlich zur Freiheit – im Gegensatz zum Tod des fliegenden Suizidkommandos. Und der Weg geht weiter.

EKD, Gesellschaft, Glaube, Kirche, Theologie

It’s the catechesis, stupid

ein Tropfen führt zu konzentrischen Kreisen im Wasser
Mikkel Houmøller [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

So viele Probleme!

Jana ist Freikirchlerin. Darauf wird in jedem Beitrag verwiesen, also muß das irgendwie wichtig sein. Vielleicht geht es darum, sich von ihr gleich mal implizit zu distanzieren?

Geredet hat wie es aussieht keiner mit ihr, seit vor einem guten Monat der Streß los ging. Also keiner von Seiten der EKD, deren Zugpferd sie ja sein sollte für eine Präsenz auf Youtube. Immerhin 200.000 € soll sich die EKD das kosten gelassen haben. Für ne professionelle Produktion sicherlich angemessen, aber trotzdem keine Peanuts, die EKD ist ja nicht die Deutsche Bank.

Der Hintergrund

Achso: Für alle, die nicht auf dem Laufenden sind. Die EKD hat sich überlegt, auf Youtube präsent sein zu wollen und deshalb ein Projekt gestartet. Hanno Terbuyken von evangelisch.de hat auf seinem Blog confessio digitalis ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, wie und warum es dazu kam.

Jedenfalls wurde Jana Highholder diejenige welche die EKD auf Youtube repräsentieren sollte, trotz ihrer Zugehörigkeit zu einer Freikirche – was ja an sich ein positives Zeichen sein kann.

Nun hat Jana aber am Weltfrauentag von Unterordnung der Frau gesprochen, wenn auch (?) nur auf sich selbst bezogen. Das hat die genannten Wellen geschlagen.

Reden über den Glauben

Ich hab mich ja schon bei Hannos Artikel gewundert. Der schreibt nämlich:

Unter den YouTubern, die die Agenturen mit eingebracht haben, war sie aber diejenige mit der besten Bildschirmpräsenz und der klarsten eigenen Glaubens-Ansage.

Die Hervorhebung ist von mir. Und im Ernst: Wundert das wen? Die Freikirchler (und die Konservativen innerhalb der Landeskirchen) sind doch grad diejenigen, die am ehesten klare Aussagen überhaupt treffen können! Da ist alles (oder zumindest vieles) ganz klar vorgegeben. Jemand,d er seine Ansichten nicht so klar hat wäre wahrscheinlich mainstreamiger rübergekommen.

Kirchengeschichten dazu:

Konkrete Sprache fällt im protestantischen Mainstream sehr schnell unter den Verdacht der Freikirchlerei – kein Wunder, dass dieses Milieu so gut wie keine Menschen hervorbringt, die willens oder in der Lage sind, öffentlich über ihren Glauben zu sprechen.

Ich frage mich ja, ob das so sein muß. Der Autor von Kirchengeschichten (sorry, ich wußte Deinen Namen mal aber ich hab den nirgends mehr gefunden) sieht den Grund hierfür, daß die Landeskirchen die Mitglieder nicht verschrecken wollen.

Aber kann es das sein? Lieber nix sagen, bevor man aneckt? Lieber schwammig als konkret, bevor man Mitglieder verliert? Ist es nicht möglich – immerhin sind wir, die Gläubigen, doch ein Leib – daß wir im Einzelnen abweichende Ansichten haben und trotzdem gemeinsam glauben?

Jetzt mal ins Unreine gesprochen: Wenn Jana so ein Frauenbild hat und sich damit wohl fühlt, soll sie meinetwegen damit glücklich werden. Solange sie nicht von anderen verlangt, das auch so zu sehen…

Marketing und Verkündigung

Aber hier kommt dann wieder das allgemeine Problem: Die EKD wollte ja durch eine Person sich selbst darstellen. So kann das nur schief gehen. Aber wie hätte es klappen können? Indem eine Redaktion alle Aussagen weichspült und genau aufpasst, was Jana in jedem Video sagt? Das wär dann wohl recht unauthentisch geworden. Und das merkt man normal auch.

Ich erinnere mich noch an Beff-Man, der kritisch über die Kirche schreiben wollte, aber halt auf nem Kirchenblog – was dann deutlich weniger ätzend wurde als erhofft…

Mein Eindruck aus meiner zugegeben geringen Praxis (nach dem Vikariat war ja Schluß) ist, daß Jugendliche durchaus Fragen zum Glauben haben, durchaus interessiert sind. Man muß sich halt die Zeit nehmen und die Anstrengung auf sich nehmen, mit ihnen darüber zu reden. Katechese sagte man früher.

Da geschah das per Druckbetankung im Konfi-Unterricht. Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Zu viel Zwang. Aber wenn Fragen sind, muß ein Pfarrer nach meiner Meinung (ja, ich hab leicht reden) da sein, Rede und Antwort stehen.

Bei der immer weiter steigenden Arbeitsbelastung ist das freilich kaum drin. Und ich befürchte, das Problem ist eher hier zu verorten.

Und dann wird der ganze Unsinn deutlich, der da gerade läuft. Mir stellt sich das so dar:

Die EKD wollte mit ner coolen jungen Erwachsenen ihre Marke stärken. Quasi wie Coca Cola darstellen will, daß ihre Erfrischungsgetränke cool sind, damit sie gekauft werden.

Nur: Was verkauft die EKD? Eben, nichts. Und deshalb ist das ganze Konstrukt schief, und deshalb kann das so gar nicht funktionieren.

Und die Zukunft?

Was funktioniert ist, daß Personen, die über ihren je privaten eigenen Glauben reden, andere damit zum Weiterdenken anstoßen – im Guten wie im Schlechten. Aber das muß schon eigene Überzeugung sein, kein redaktionsgefolterter PR Text.

So gesehen war es richtig, daß Jana die Möglichkeit hatte zu sagen, was sie sagte.

Das Problem war halt nur, daß die EKD sich auf eine Person konzentriert hat. Das Problem ist ein Stück weit vielleicht auch, daß Menschen sich über die Ansichten anderer Menschen empören. Und das Problem ist, daß Jana (bisher?) die einzige Stimme war, die mit Segen der EKD von ihrem Glauben auf Youtube erzählte.

Begreift man das Ganze aber nicht als Markenkernstärkung, sondern als das was es ist: Reden vom Glauben – und setzt man die eigene Jugend in die Lage, über den eigenen Glauben zu reden, und greift man dann noch Wolfgangs Netzwerk-Idee aufgreift, dann könnte das echt ein Projekt mit einer gewissen Breitenwirkung werden.

Und das führt dann vielleicht wieder zu Fragen bei Jugendlichen, also weiteren Katechesegelegenheiten… und irgendwie denk ich jetzt grad an das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“…

Ihr versteht, was ich meine 😉

Spaß mit Arch Linux, Technik

Install JDK on Arch Linux – manually

I suppose the number of readers here that do use Arch Linux and do programming in Java is rather close to zero, but anyway I want to write this down for my own reference, so why not do it in English so others can benefit from it.

I recently bought an online course on Java developing because, well, I’d like to (re-)learn the language and I enjoy coding every now and then.

I did want to use the javafx classes, though, and that’s where the problems began: It started with code not compiling and the compiler complaining about the javafx classes not being there. I quickly found out that the javafx classes were a seperate package in the OpenJDK distribution.

So I figured I install the extra package and all is fine. Well, it wasn’t. I found out that there are javafx classes for version 8, but not for the actual version 10 of OpenJDK.

So I thought I downgrade to version 8, but then I read that Openjdk does not (yet) implement all of Java, that is, the JDK of Oracle would have the language complete, but OpenJDK wouldn’t.

So I thought: Why not drop OpenJDK all togehter and switch to the original. It’s not fully open source, yes, but heck, I wanted the whole thing and the recent thing, although I knew I would hardly ever need any features that are only in version 10 but not 8 and or only in Oracle’s JDK but not in OpenJDK’s.

So I looked at the AUR and found a recent package of Oracle’s JDK. Which I tried to install but didn’t work. I don’t want to go into detail, but it seemed that there was a version update from 10.0.2 to 10.0.3 and the link didn’t work any more.

So I downloaded the recent JDK from Oracle’s website and searched the internet for advice, what to do with it. I found Shahriar Shovon’s fine article on how to install Oracle JDK 10 on Arch Linux. For obvious reasons I chose the manual install.

That worked. And I could write my first small Java code samples with an editor and compile on the command line.

Then I wanted an IDE. Whether you install IntelliJ or Eclipse on Arch Linux, it will install a JDK alongside with it; OpenJDK.

So there I was, with an IDE, Oracle’s JDK in a custom directory (/opt) and OpenJDK 8 installed through pacman. And well, there was some conflicting. So I deleted the shell script I created when installing Oracle’s JDK manually under /etc/profile.d/ and turned Oracle’s JDK into dead data on the hard drive. I had OpenJDK 8, and I added openjfx8 and could have been content. But I wasn’t.

There must be some way to get the manually installed Java version integrate into Arch. And it was. For archlinux-java, the helper script for the selection of the default JDK to recognize any Java JDK, it must be installed under /usr/lib/jvm/  with a cetain directory name pattern, as I learned here.

So I renamed Oracle’s JDK directory into java-10-oracle  and moved it to usr/lib/jvm/ , and running archlinux-java status  suddenly listed Oracle’s JDK among the available JDKs.

archlinux-java set java-10-oracle  then set it to the system default, and all is fine now.

Whenever there is a new JDK coming out, all I need to do is download it, unpack it under /usr/lib/jvm/  and set it to default with archlinux-java . Pretty straight forward and I do not have to hassle with incorrect download links in the AUR.

Gesellschaft, Politik, Staat & Politik

Aus gegebenem Anlaß

Enver Şimşek
Abdurrahim Özüdoğru
Süleyman Taşköprü
Habil Kılıç
Mehmet Turgut
İsmail Yaşar
Theodoros Boulgarides
Mehmet Kubaşık
Halit Yozgat
Michèle Kiesewetter

Zehn Namen.

Zehn Mordopfer.

Opfer einer Haßideologie, die vor noch nicht langer Zeit Europa in Schutt und Asche legte.

Opfer einer Terrororganisation, die über ein Jahrzehnt agierte, ohne verfolgt zu werden.

Opfer einer Terrororganisation, deren Verstrickung mit staatlichen Institutionen weiterhin im Dunkeln bleibt.

Statt Aufarbeitung und Transparenz: Geschredderte Akten und Geheimhaltung für 120 Jahre.

Ein „lebenslänglich“ kann nicht über das Staatsversagen hinwegtäuschen. Das Versagen meines Staates, dessen Souverän ich mit rund 80 Millionen Mitbürgern bin.

Demnach ist es auch meine Schuld: Ich, wir alle können nicht still bleiben, wenn der Staat, für den wir die Verantwortung tragen, derart versagt. Wie wir unseren Laden in den Griff kriegen können, weiß ich nicht genau, aber es muß etwas geschehen!

Kein Vergessen!

Kein Schlußstrich!

Nie wieder!

Allgemein

Digitale Aufklärung

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne. Selbstverschuldet ist diese Bevormundung deshalb, weil diese nur aufgrund der Tatsache entsteht, dass dem Mensch der Mut und der Entschluss fehlt, statt der bevormundenden Software bereits vorhandene freie und frei verfügbare Software einzusetzen, die ihn eben nicht ausspioniert und steuert, sondern ihm selbst die Kontrolle über sein eigenes digitales Leben lässt.

Das Zitat stammt von Ulrich Berens von LUKi, genauer aus seinem Kommentar zu einem Artikel über den Katholikentag in Münster.

Es ist klar erkennbar, der Satz ist an Immanuel Kants Definition der Aufklärung angelehnt. Zur Vergegenwärtigung hier das Original von Kant:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Ich finde Ulrichs Gedanken einer digitalen Aufklärung gut, richtig gut. Es ist ein sinnvoller Gegenpol zu einer womöglich vor allem ökonomisch verstandenen „Digitalisierung“. Es geht also nicht darum, mit Hilfe des Digitalen Mehrwert zu schaffen, sondern darum, daß der Mensch als mündiges Subjekt auch in und mit der digitalen Welt mündig umgeht.

Daher einige Gedanken zu Ulrichs „Schnellentwurf“:

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Mich stört ein wenig, daß ein Schuldiger angeprangert werden muß und daß dieser Schuldige nicht in der eigenen Person gefunden wird, sondern extern: Wir sind die Guten Linuxer, da sind die bösen Monopolkonzerne.

Bei aller berechtigten Kritik an den Microsofts, Apples, Googles, Amazons und wie sie alle heißen: Wenn Aufklärung bedeutet, daß man selbst etwas tut, daß man selbst mündig wird, dann führen solche Schuldzuweisungen in die Irre.

Denn Microsoft kann nichts dazu, daß wir ihr Betriebssystem nutzen. Apple kann nichts dazu, daß wir ihre Smartphones nutzen. Freilich kommt ihnen das gelegen, aber die Entscheidung dazu treffen wir!

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Wir leben in einer (weitgehend?) aufgeklärten Gesellschaft, in der wir uns nicht bevormunden lassen müssen, wenn wir nicht wollen. Wenn wir dies zulassen, sind wir in gewissem Sinne unmündig, eben unaufgeklärt. Deshalb brauchen wir ja die digitale Aufklärung.

Das Problem liegt bei uns, was wir mit uns machen lassen, beziehungsweise was wir nicht tun. Deshalb würde ich lieber bei Kants „Unmündigkeit“ bleiben, weil so klarer bleibt, wo das grundsätzliche Problem sitzt (vor dem Computer) und wo die daraus folgenden Konsequenzen sitzen (in Redmond, Cupertino oder Mountain View).

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Kant sprach von „Ausgang“, und es mag an meinem Hörverstehen liegen, aber Kants Begriff erscheint mir eher prozessorientiert zu ein, während ein „Überwinden“ sich eher zielorientiert anhört: Man erreicht das Ziel und dann ist gut.

Nur denke ich, daß es sich tatsächlich um einen Prozess handeln muß, nur um einen Prozess handeln kann.

Linux aufgespielt ist schnell, aber damit ist man noch nicht viel weiter. Souveränität über das eigene System: Was installier ich, was nicht, was brauch ich, was ist zu viel? Wie werfe ich Software wieder runter? Wie wende ich E-Mail Verschlüsselung an, wie gehe ich mit den Schlüsseln um?

Man ist ja nie wirklich angekommen. Meine ersten Schritte mit freier Software waren das Installieren von Suse Linux und der Versuch, mit der dort vorhandenen Software meine Arbeit zu erledigen. Irgendwann stieg ich um auf Gentoo, machte mich ein wenig mit der Kommandzeile vertraut etc etc etc. Und ich bin noch weit davon entfernt, wirklich anhand des Codes nachvollziehen zu können, was ein Programm genau macht.

Insofern bin ich auch da unmündig. Und selbst die, die das können, können es nicht unbedingt auf Bitebene beim compilierten Code. Es könnte ja was mit dem Compiler nicht stimmen. Oder die Hardware macht nicht genau das, was man denkt.

Wirklich alles selbst machen, kann niemand. Und ich denke, es ist auch nicht nötig. Aber man sollte soweit als möglich abschätzen können, wo die Risiken sind und auf was oder wen man sich verläßt – und welche Motivation derjenige hat.

Daher denke ich: Laßt uns erst mal aufbrechen.

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Bei dem Punkt bin ich mir nicht ganz sicher. Klar, ich hab ja schon geschrieben: Das Problem sitzt vor dem Computer. Andererseits, wenn ich an die „Legacy-Aufklärung“ denke, ging es dabei darum, etwas zu nutzen, was jeder hat: Den Verstand. Es ging um kein Fachwissen im eigentlichen Sinn, es ging darum, nachzudenken, sich auf Argumente mehr zu verlassen als auf Autorität.

Bei der digitalen Aufklärung ist aber ein gewisses Fachwissen unabdingbar. Wenn ich es richtig verstehe, besteht die Aufklärung ja gerade im Aneignen und Anwenden dieses Fachwissens zu Software, Datenschutz etc.

Von Selbstverschuldung kann ich dann aber nur sprechen, wenn ich eine Pflicht zur Selbstbildung in IT Fragen postuliere. Ist meine Oma, die von Computern keinen Dunst hat und auch nicht haben will oder braucht für ihr tägliches Leben, „selbstverschuldet unmündig“? Wohl nicht mehr als ich es bin in Bezug auf die Bantu-Sprachen!

Sicher wird die IT für spätere Generationen als die meiner Oma (Jahrgang 1931) relevanter sein und ist es auch schon. Trotzdem scheint mir der Stempel „selbstverschuldet unmündig“ zu hart. „Selbstgewählt“ scheint mir, auch in Anbetracht unserer eigentlich aufgeklärten Gesellschaft, passender.

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Eine Folge meines Spezialvikariats ist, daß ich jedesmal zusammenzucke, wenn ich „Vernetzung“ höre, und es nicht um Stromkreisläufe oder Datennetze etc geht. Mein Mentor fragte immer: „Wie willst Du Menschen vernetzen? Wo haben die ihre Steckdose?“ Sein Punkt war, daß es zwischen Menschen Beziehungen gibt, aber keine Netzverbindungen. Ein Mensch ist etwas anderes als ein Node in einem wie auch immer gearteten Netzwerk.

Darüber hinaus meine ich auch hier wieder Inaktivität und Passivität zu erkennen. Wenn ich vernetzt (Partizip Perfekt Passiv) bin, hat jemand etwas mit mir getan. Ich bin aber ein mündiges Individuum als Mensch. Klar muß ich irgendwie beschreiben, daß es nur um solche Menschen geht, die „digital aktiv“ sind (und eben nicht um Menschen wie meine Oma), also nehm ich genau das: „digital aktive Menschen“.

Somit komme ich auf einen ersten eigenen Schnellversuch für den ersten Satz:

Digitale Aufklärung ist der Ausgang des digital aktiven Menschen aus seiner selbstgewählten digitalen Unmündigkeit.

In Analogie an Kant müßten jetzt zwei nähere Bestimmungen folgen, und zwar die der digitalen Unmündigkeit und die der Selbstgewähltheit. Ich schlage folgendes für die weitere Diskussion vor:

Digitale Unmündigkeit ist das Unvermögen, die Umstände seiner digitalen Aktivitäten zu gestalten.

Selbstgewählt ist diese digitale Unmündigkeit, wenn die Ursache nicht im Mangel an Mitteln zur Gestaltung der Umstände liegt, sondern es an Entschluß und Interesse mangelt, diese Umstände zu gestalten.

Unter Mittel fasse ich alles, was es so an Hilfsstellungen geben kann. Wie gesagt ist ja ein bestimmtes Fachwissen von Nöten, das man sich etwa durch das Lesen von Dokumentation, durch Nachfragen in Foren etc aneignen kann.

Ach ja, und ganz grundsätzlich braucht man freilich nen Computer und idealiter auch nen Internetzugang, um „mitspielen“ zu können. Wer keinen Rechner und kein Internet hat, ist nicht „selbstgewählt digital unmündig“!

Allgemein

Liedblätter et al.

Es geht tatsächlich einfacher. Damit hat sich der Artikel quasi erledigt.

Wahrscheinlich geht das auch einfacher, aber ich mach’s so bis ich ne bessere Lösung finde.

Ihr kennt doch alle die Liedblätter oder Ablaufblätter, die es bei festlichen Gottesdiensten oft gibt. Also an hohen Feiertagen, Trauungen, Konfirmation etc, wenn es sein kann, daß entweder viele Menschen in der Kirche sind, die sich recht selten dort hin verirren, oder die Liturgie oder die Lieder vom üblichen abweichen.

Bei meiner eigenen Hochzeit hab ich das noch so gemacht, daß ich in LibreOffice jede Seite für sich geschrieben hab und dann das Ganze per Copy und Paste in eine neue Datei gepackt habe, in der die A4 Seite quer war mit zwei Spalten, und zwar so sortiert, wie alles ausgedruckt werden sollte.

Ich mußte mir vorher also genau überlegen, was wohin kommt, wie das Ganze aus dem Drucker rauskommt etc.

Ich habe es gehaßt. So richtig! Vor allem schnell noch etwas einfügen war so leicht nicht möglich. Es war schlicht umständlich und unflexibel.

Also hab ich was getan, und das Resultat seht Ihr hier. Hier gibts übrigens den Quellcode.

Mit dieser kleinen Webapp kann ich jetzt die Liedblätter etc. einfach mit normalen Einstellungen (A4, hochkant) schreiben und speichern. Ich kann ohne mir groß einen Kopf um die Druckreihenfolge zu machen, schnell noch was ändern.

Und wenn ich so weit bin, geh ich in die Druckeinstellungen, wähle „2 Seiten pro Blatt“ und beim Duplexdruck das Heften an der kurzen Seite.

Darstellung Druckdialog, Reiter "Seitenlayout"
In LibreOffice findet sich unter dem Reiter „Seitenlayout“ im Druckdialog die Einstellung, wie viele Seiten pro Blatt benötigt werden. Wir wollen zwei „von links nach rechts“
Darstellung Druckdialog, Reiter "Allgemein", Hinweis auf Button "Eigenschaften"
Die Duplex-Einstellungen finden sich unter „Eigenschaften“ im Reiter „Allgemein“ des Druckdialogs.
Dialog Druckereigenschaften, Hinweis auf Option "Duplex"
Wir wollen den kurzen Rand, da sonst die Rückseite falsch herum gedruckt wird.

Was ich nun noch brauche, ist die Druckreihenfolge, in der die einzelnen Seiten gedruckt werden sollen. Hier kommt die Webapp ins Spiel:

Einfach oben die Gesamtseitenzahl eingeben und im unteren Textfeld kommt die Reihenfolge der Seiten heraus, die per Copy & Paste in den Druckdialog übernommen werden kann.

Außerdem kriege ich noch einen Hinweis, wie viele Leerseiten noch eingefügt werden müssen, denn wir brauchen ja als Seitenzahl ein Vielfaches von vier (pro A4 Seite zwei Seiten hinten und vorne).

Darstellung der Webapp mit Beispielwerten
Die Beispiel Broschüre hat 7 Seiten, ich brauche also noch irgendwo eine Leerseite, damit es aufgeht. Die Druckreihenfolge kann ich mit einem Klick in die Zwischenablage kopieren.
Darstellung Druckdialog, Reiter "Allgemein", Hinweis auf Dialogfeld zur Eingabe der zu druckenden Seiten
Per Copy & Paste einfach die Seitenreihenfolge einfügen und ausdrucken.

Was noch nicht geht (darauf brachte mich das Schreiben dieses Artikels), ist die Einstellung für Drucker, die nicht Duplex-fähig sind. Das wird dann wohl der nächste Schritt sein.

Netzfunde

Die Frumka

https://www.youtube.com/watch?v=8VXQXteHGyo&feature=youtu.be

Man lernt nie aus. Davon hatte ich noch nie gehört und ich wollte es jetzt einfach mal weiter verbreiten. Es gibt offenbar auch im Judentum eine Tradition der Vollverschleierung der Frau.

Der Name Frumka für die Kleidung leitet sich ab von „frum“ (jidd. „fromm“) und der afghanischen Burka. Zumindest der Name der Tracht scheint von daher eine eher moderne Sache zu sein.

Gesellschaft

„Entartete Kunst“, Burka im Kopf und Männerdiskriminierung

Ich bin ausdrücklich gegen jede Diskriminierung, die an Kulturgütern ausgeübt wird. Hier gebe ich ganz bewusst die Stichwörter der „entarteten Kunst“ und der „Bücherverbrennung“ unter dem Naziregime in Deutschland zu bedenken.

Charly fährt in seinem Artikel zur #metoo Debatte und dem Umfeld schweres Geschütz auf. Ist schon was her, daß er den schrieb, aber ich bin erst jetzt wieder auf seinem Blog gewesen.

Ich kenne Charly als bedachten und reflektierten Gesprächspartner und war etwas über den Artikel erschrocken. Er streift einige Gedanken, die ich zur Thematik hatte, aber geht in eine Richtung, die mir dann doch nicht behagt. Deshalb hier ne Auseinandersetzung damit nebst eigenen Gedanken.

Fangen wir mit dem obigen Zitat an:

Charly vergleicht Bücherverbrennung und die Bezeichnung „entartete Kunst“ mit dem Abhängen und Überstreichen von Kunst heute.

Ich meine, das ist etwas schräg. Leitender Gedanke bei den Bücherverbrennungen der Nazis war die Vernichtung kritischen Denkens. Das kann ich heute nicht erkennen. Das genannte Gemälde wurde abgehängt, nicht verbrannt. Das Gedicht wurde überstrichen, nicht verboten.

Was wir erleben ist IMHO weniger eine Gesinnungsdiktatur (Charly verwendet das Wort nicht!), sondern eher ein culture-shift.

Das Nachdenken über die Gesellschaft und die ihr inhärenten Machtstrukturen hat in den letzten Jahrzehnten Konjunktur. Das zeigt sich auch am immer stärker werdenden Wunsch, Frauen und Minderheiten gleichberechtigt zu behandeln.

Witze, die zu meiner Kinderzeit noch von kaum jemandem beanstandet wurden, sind heute nicht mehr salonfähig. Zu Recht! Ebenso sieht es aus mit Verhaltensweisen, die für einen Rainer Brüderle noch normal waren.

Freilich darf man sich über eins nicht wegtäuschen: Es wird ein altes Machtgefüge überwunden, aber das geschieht mitnichten durch ein machtfreies System. So eins kann es gar nicht geben, wenn man mich fragt. Natürlich werden im Neuen auch neue Machtstrukturen etabliert.

Das zeigt sich unter anderem in der Rechtsunsicherheit rund um den Geschlechtsverkehr. Früher waren die Hürden für eine Verurteilung von übergriffigen Männern vergleichsweise hoch. Sie wurden niedriger, was mit mehr Sicherheit für die Frauen und weniger Sicherheit für die Männer einhergeht (das ist jetzt stark vereinfacht, denn freilich gibt es auch die Vergewaltigung von Männern und auch hier heißt nein nein).

Charly schreibt davon, daß auch viele Frauen ihre Sexualität als Machtmittel einsetzen. Ich glaube, hier liegt ein Mißverständnis vor, denn was ich bisher erlebe ist nicht die Kritik daran, daß Männer ihre Sexualität einsetzen, sondern andere Macht, sei es körperliche Gewalt, sei es Ausnutzung anders gelagerter Machtstellungen gegenüber der Frau/dem Opfer – etwa wenn einer Produzent ist und die andere Schauspielerin.

In diesem Zusammenhang fand ich die Reaktion der Schauspielerinnen, mit schwarzen, eher bedeckenderen Kleidern aufzutreten interessant.

Man kritisiert im Westen gerne „den Islam“ für die Denke, man müsse die Frauen verhüllen, um sie vor der männlichen Begierde zu schützen.

Ich meine, hinter der Reaktion der Schauspielerinnen eine ähnliche Denke zu erkennen, was mich überraschte.

Nach meinem Verständnis sollten sich Schauspielerinnen und Muslimas kleiden können, wie SIE wollen, Rücksicht zu nehmen haben die Anderen. Solange das nicht funktioniert, haben wir ein Problem.

Manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, wenn alle nach der katholischen Morallehre leben würden wär alles viel einfacher. Ist aber nicht so, denn die katholische Morallehre setzt Dinge voraus, die so nicht gegeben sind. Das fängt bei der Binarität der Geschlechter an und endet dabei, daß auch alles Bewehren mit Sündenstrafen nicht davor schützt, daß der Mensch nun mal sündig ist. Sprich: Wenn er heiraten muß, um Sex zu haben und sich nicht scheiden lassen kann, dann ist mit Fremdgehen zu rechnen…

Ich schweife ab.

Wir befinden uns seit ein paar Jahrzehnten in einem enormen Kulturumbruch. Ich sehe nicht, wo wir einen Punkt erreicht hätten, der die Verhältnisse schon gedreht hätte, so daß es zu komplementären Unterdrückungen käme.

Sicher ist alles viel komplizierter. Das fängt beim Flirten an und hört auf wo es darum geht, alte Kunst zu bewerten.

Was das Flirten angeht, muß man vielleicht etwas mehr aufpassen, den anderen nicht zu überfahren. Das wär sicher auch schon früher für den jeweils anderen angenehm gewesen. Wenn es dann weiter Richtung Geschlechtsverkehr geht, wird es wahrscheinlich darauf rauslaufen, daß es hilfreich ist, erst ein Vertrauensverhältnis zueinander zu haben, so daß keiner bei nem Mißverständnis gleich von Machtmißbrauch ausgeht. Hört sich alles sehr konservativ an, ähnlich wie bei den Schauspielerinnen, die sich stärker bedecken.

Vielleicht zeigt das auch an, daß konservative Ansichten an sich selten einfach nur „rückständig“ sind, sondern bestimmte Probleme lösen, wo sich nicht alle an die Regeln halten.

Doch Regeln, die durchgesetzt werden, werden irgendwann zur Kultur. So wie wir heute uns keine Gedanken mehr beim Mülltrennen machen, weil wir das in den 80ern und 90ern als Gesellschaft lernten, werden wir auch das Flirten im Zeitalter der Geschlechtergerechtigkeit lernen.

Was die Kunst angeht, so ist diese an sich ja sowieso ständigem Wandel unterlegen. Charly bringt das Stichwort „entartete Kunst“. Damals haben die Nazis versucht, Kunst, die ihren Idealen nicht entsprach, zu diskreditieren. Sie übten dabei nicht wenig Druck aus, aus ihrer politischen Machtposition heraus.

Ähnliches kann ich heute nicht erkennen – mal abgesehen von einigen Äußerungen bei der AfD, wo man eine bestimmte Kulturpolitik forcieren will. Beim Abhängen des Gemäldes und beim Überstreichen des Gedichts geht es um eine gesellschaftliche Entwicklung. Das gehört in eine Reihe mit der Umbenennung von Kasernen, Straßennamen und Hochschulen. Alte Ideal veralten, neue kommen auf.

Damals, als John William Waterhouse das Gemälde Hylas und die Nymphen malte, gab es auch mehr oder weniger klare Ansichten, was Kunst ist und was nicht. Hätte er den Geschlechtsakt gemalt, erregierte Glieder etc, dann wär das wohl damals schon gar nicht als Kunst anerkannt worden, sondern als Porno abgetan. Jetzt wandelt sich das Gesellschaftliche Verständnis davon, was geduldet wird und was nicht – und dementsprechend werden die Ausstellungen bestückt.

Das Gemälde bleibt in der Sammlung, soweit ich das verstehe, es wird weiterhin Gegenstand von fachlichem Diskurs etc sein können und als Quelle zur Verfüng stehen – ebenso wie die ganze Nazikunst, die es ja auch noch irgendwo gibt, die jedoch nicht die ästhetischen (und politischen) Vorstellungen der Mehrheitsgesellschft treffen.

Die mentale Burka, die Charly beschreibt, scheint mir nichts anderes zu sein als das, was man traditionell als die Grenzen des Anstandes verstund. Freilich verändern sich diese Grenzen im Moment stark, so daß es für uns Männer, die wir in der Vergangenheit zu Lasten der Frauen größere Freiheiten hatten, einer Einschränkung der Freiheit gleichkommt, was gerade passiert.

So wie die Monarchen in ihrer Freiheit beschränkt wurden, als die Gleichheit aller vor dem Gesetz eingeführt wurde. Man denke an die Windmühle neben Sanssoucis!

Es ist eine Sache, ob jemand beim „Umwerben der Geschlechter“ ungeschickt ist, eine andere ob er Grenzen überschreitet. Andererseits: Wer ungeschickt beim Autofahren ist, fährt vielleicht mal in ne Radarfalle – und zahlt.

Es ist gut möglich, daß die Grenze zwischen Ungeschicklichkeit und Grenzüberschreitung noch ne ganze Weile nachjustiert wird. Die Gesellschaft befindet sich wie gesagt im Umbruch.

Grundsätzlich aber ist die Richtung zu weniger Sexismus gut, und kann schwerlich mit guten Argumenten kritisiert werden.

Commenting Media

Duisburg

Lieber Franz Josef Wagner,

eins kann ich Dir versprechen: Wir SPD Mitglieder wollen nicht über das Schicksal von 82 Millionen bestimmen, nur über das Schicksal unserer Partei.

Sie mag etwa so viele Mitglieder haben wie Duisburg Einwohner, aber ich glaube, wir wachsen im Moment schneller.

Die Duisburger bestimmen über das Schicksal ihrer Stadt, und daran ist nichts verkehrt. So ist es in einer Demokratie.

Und wie in Duisburg ist es auch bei uns. Wir bestimmen über unser Schicksal selbst.

Du hast Recht, wir sind nicht das Volk. Das Volk hat am 26 September den Bundestag gewählt, und unsere Abstimmung wird – egal wie sie ausgeht – an der Zusammensetzung des Bundestages nicht das Geringste ändern.

Deine Stimme vom September wird nicht ungültig.

Die Abgeordneten des Bundestages werden auch nach der Mitgliederbefragung die Gleichen sein.

Du sprichst unsere Träume an. Wir träumen von Gerechtigkeit. Der Traum ist wohl so alt wie die Menschheit. Eine Utopie?

Vor 300 Jahren waren die Menschenrechte eine Utopie.

Vor 200 Jahren waren Arbeiterrechte eine Utopie.

Vor 100 Jahren war ein friedlich geeintes Europa eine Utopie.

Laß uns gemeinsam träumen und entdecken, was morgen eine Utopie gewesen sein wird!

Glück auf!

Ihr Benjamin Koppe