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Text zu Johannes 6, 1-14 (Speisung der 5000)

1 Danach fuhr Jesus weg über das Galiläische Meer, das auch See von Tiberias heißt.
2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus aber ging auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.
4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.
5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?
6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte.
7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder ein wenig bekomme.
8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:
9 Es ist ein Kind hier, das hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist das für so viele?
10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.
11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, soviel sie wollten.
12 Als sie aber satt waren, sprach er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.
13 Da sammelten sie und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.
14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Als Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein.
Auch für Jesus gilt: alles hat seine Zeit. Es gibt Zeiten der Nähe zu Menschen und Zeiten des Rückzugs. So zieht er sich zu Beginn mit seinen Jüngern zurück. Es ist die zeit des Passafestes, des Gedenkens an den durch Gott ermglichten Exodus und die Zeit, Gemeinschaft zu pflegen.
Jesus sieht, dass ihm viele gefolgt sind und beginnt mit der Pflege der Gemeinschaft. Zum Test, erfahren wir, fragt er Phillipus, wo sie Brot kaufen können. Der Test dient nicht dazu, Phillipus bloßzustellen, er soll ihm Gelegenheit zum Lernen geben. Phillipus reagiert menschlich-pragmatisch: Jesus will Essen kaufen, da muss geguckt werden, was an Geld da ist. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es wird nicht reichen. Der BLick aufs eigene Vermögen offenbart zunächst materielle Beschränktheit. Phillipus traut Jesus offenbar auch nicht zu, daran etwas zu ändern und zeigt so den menschlichen Mangel an Vertrauen zu jesus, offenbart weitere menschliche Beschränktheit.
Dann meldet sich Andereas zu Wort. Er hat sich anscheinend umgesehen, zumindest weist er Jesus auf einen Jungen mit Brot und Fischen hin. Doch auch er stellt fest, dass es nicht reichen wird und offenbart menschliche Beschränktheit, menschliche Grenzen. Doch er zeigt einen Lösungsansatz, den Jungen. Zunächst werden also menschliche Grenzen gezeigt, dann ein Lösungsansatz. Und dann folgt die Lehre für Phillipus, Andreas und uns: Öffnen wir die Augen, erkennen Lösungsansätze und bringen sie vor Jesus. Er wird mehr daraus machen, als wir es uns träumen lassen. Die Jünger sind nicht allein, es gibt andere menschen mit Gaben, mit denen Jesus wirken kann.
Zunächst lässt Jesus die Menge sich an einem Ort mit viel Gras lagern. Schlägt man nun einen Bogen zum anfangs erwähnten Passafest, fällt verschiedenes auf: Beim Passafest Gedenken an einen Aufbruch aus Sklaverei und Mangel, zunächst der Gang in die eigentlich zum Überleben großer Menschenmengen ungeeignete Wüste, hier Ankunft in einem Grasland, das Nahrung für alle bietet und in das das Volk eingeladen wird. Beim Passafest wird an Gottes Handeln an den Menschen gedacht, hier und jetzt handelt Jesus, d.h. Gott, wieder an den Menschen. Er gibt Nahrung und Lager, d.h. Ruhe.
Und als alle satt sind, lässt Jesus die Reste der Nahrung, des Guten für die Menschen, einsammeln, damit nichts umkommt. Er gibt das Gute für die Menschen nicht dem Verderben preis, sondern bewahrt es für die Zukunft.
Die Menge reagiert darauf, indem sie ihn zum König machen will. Damit würde er aber dem Kreuz ausweichen und so der Möglichkeit, den Menschen nicht nur einmal Brot zu geben, sondern Brot des Lebens für immer zu sein. Deshalb muss er den Menschen in diesem Moment ausweichen. Denn er will uns Menschen durch ihn, das Brot des Lebens, aus der Sklaverei der Schuld befreien und mit uns ein ewiges Fest feiern – allen menschlichen Grenzen zum Trotz.

2 thoughts on “Text zu Johannes 6, 1-14 (Speisung der 5000)

  1. Ich bin ein wenig skeptisch, inwieweit Grasland für Menschen Nahrung bietet… Also mein Geschmack wär Gras jetzt nicht, aber vielleicht waren es ja Raucher… 😉
    Wobei auf symbolischer Ebene diese Differenz: Wüste – Gras durchaus Sinn machen könnte. Man müßte eroieren, inwieweit da kulturell zwischen Grasland und Wüste differenziert wird. Es gibt ja ach auf dem Sinai Vieherden. Allerdings ist dort der Bewuchs durchaus spärlicher als am See Genezareth…

  2. Naja, mit der Nahrung meinte ich jetzt auch nicht das Gras, sondern vielmehr Brote&Fische, die dann dort verteilt wurden.

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