Kirche & Web 2.0

Gelesen werden und Internet-Evangelisation

Vor ein paar Tagen war noch einiges los, inzwischen ist es wieder etwas ruhig geworden hier aufm Blog. Durch regelmäßiges Veröffentlichen, so scheint es, kann man einen größeren Verkehr auf dem Blog generieren.

Diesen Gedanken dachte ich heute mittag, und noch einen dazu. Den Gedanken der Evangelisation.

Heute wollen ja alle Kirchen evangelisieren (oder missionieren, halt das, was der Muslim Dawa nennt – oder Einladung zum Glauben). Man will die Menschen mit der eigenen Botschaft erreichen. Und wenn ich mir ansehe, wie die erfolgreichsten Blogs auf wordpress.com gestrickt sind, dann deutet sich ein Muster an (wenn jemand bei blogspot oder ähnlichen Seiten ist kann er das vielleicht für den Bereich auch bestätigen):

  1. Erfolgreiche Blogs (also die unter Top Blogs gelisteten) veröffentlichen täglich, viele regelmäßig mehrere Artikel.
  2. Erfolgreiche Blogs tendieren dazu, ein Thema immer wieder zu bringen, eine Geschichte immer wieder zu erzählen. Als Beispiel fallen mir einerseits die antiislamischen Vertreter ein (oder allgemein rechtslastige Angebote, ich nenn jetzt keine mit Namen, die sind unter den Top Blogs verlinkt) oder auch der Atheist Media Blog, wo ich schon seit Jahren kommentiere. Diese Blogs haben ein klares Feindbild: Muslime bei den einen, Religiöse Menschen allgemein bei den anderen, und arbeiten sich an diesem Feindbild ab. Die einen, indem sie die Muslime und den Islam verteufeln, die anderen, indem sie zwischen sich-lustig-machen und Vertefeln hin un herschwenken.
    Auf der anderen Seite stehen die regelmäßigen Geschichten aus dem eigenen Leben, in letzter Zeit fiel mir hier zum Beispiel ein Artzblog und ein Lehrerblog auf. Auch hier ein klar umrissenes Gebiet, von dem geschrieben wird, allerdings ohne den agitatorischen Hintergrund anderer Blogs.

Was ließe sich daraus jetzt für eine kirchliche Internet-Evangelisation ableiten? Zuerst einmal, daß es nicht so einfach nebenher geht. Täglich neue Artikel zu bringen, und dann noch zum immer gleichen Thema, ohne langweilig zu werden, ist eine Herausforderung.

Dann aber vor allem, daß man sein eigenes Thema eingrenzen muß, bestimmen muß, was dazugehört und was nicht. Man muß die Botschaft, das Evangelium, in eine Form bringen, die auf immer neue Art kommunizierbar ist. Ich sehe hier Verbesserungsbedarf, denn Vieles erscheint zumindest mir schwammig. Da ich selbst zur Kirche gehöre, ergibt alles einen Sinn, aber ich sehe ehrlich gesagt immer noch nicht, wie man das Evangelium einigermaßen auf den Punkt bringen sollte, wenn man jetzt direkt danach gefragt wird, und zwar so, daß man nicht nur in prall gefüllten aber allgemein eher unverständlichen Begriffen spricht. Verständlich muß man schon sein.

Und dann muß man sich beschränken, denke ich. Gleichzeitig mehrere Themen darüber hinaus zu behandeln (Tagespolitik, Kirchenmusik, Kochrezepte) dürfte sich eher negativ auf die Reichweite auswirken. Da wäre dann wohl ein neuer Blog für jedes dieser Themen sinnvoll. Man kann ja eine Verlinkung in einer Blogroll bringen.

Ich sehe und weiß, daß ich all dies auf meinem Blog nicht tue, allerdings ist der Zweck dieses Blogs nicht die Internet-Evangelisation. Ich möchte mir hier lieber Gedanken machen und zur Diskussion stellen, so wie in diesem Artikel.

Und dann kommt mir noch eine Idee für eine Grundstrktur der Evangelisationsblog-Artikel: Verkündigung von Heil und Unheil. Hier kann man auf aktuelle Entwicklungen eingehen, was dann auch dazu führt, sich doch nicht nur wiederholen zu müssen und langweilig zu werden.

Fehlt nur noch der Katechismus, der die aktuellen Vorgänge mit dem Wort Gottes in Beziehung setzt. So ein Katechismus müßte wohl (ökumenisch?) noch geschireben werden, also ein Textstück, das das Evangelium auf den Punkt bringt und gleichzeitig Anknüpfungspunkte zum täglichen Leben und zu täglichen Problemen und Problemchen bietet, damit es genügend Stoff für eine regelmäßige Veröffentlichng gibt. Womöglich entsteht so etwas ähnliches drüben bei Eric Djebe, der hat nämlich einen Basisdiskurs Religion gestartet, auf dessen Ergebnisse ich gespannt bin und dessen zweiten Teil ich mir jetzt durchlesen werde.

9 thoughts on “Gelesen werden und Internet-Evangelisation

  1. Erst einmal: Danke für die freundliche Verlinkung. Zum Post hätte ich zwei Anmerkungen:
    – Das Thema der „Evangelisation“ ist mir persönlich suspekt, weil es eine top-down-Situation impliziert: Der eine (der Blogger), der weiß, was Sache ist und dies den anderen (den Besuchern) irgenwie nahe bringen muss. Tatsächlich ist aber doch heutzutage die erste Aufgabe, sich überhaupt erst mal selbst klar zu werden und dann natürlich auch, andere an diesem Prozess teilnehmen zu lassen. Das ist es, was ich in meinem Blog versuche.
    – Der Atheist Media Blog wird von 8 Personen betrieben (und bringt keine genuin eigenen Beiträge, sondern nur kommentierte Verlinkungen). Ein guter Blog mit einer täglichen Frequenz ist m.E. nur von einem Team zu schaffen.

  2. Zur Evangelisation: Ich schreibe ja durchaus davon, daß man sich erst einmal selbst klar werden muß, was Sache ist. Das stelle ich mir schon auch dialogisch vor (weshalb ich Ihren Blog auch so schätze). Ich denke aber auch, daß so Evangelisation, wie jede Werbung, drchaus top-down Struktur haben kann und muß. Wie sonst soll man jemandem von Gott erzählen, der bisher eher weniger mit ihm zu tun hatte?
    Was den Atheist Media Blog angeht: Der wurde in seiner ersten Version von einer Person betrieben (AMB). Frl. Kriese und die Heldin im Chaos (josephinechaos) sind soweit ich das sehe auch alleine und bringen eigene Beiträge, die sogar qualitativ weit über dem Niveau vom Atheist Media Blog stehen.
    Auch sage ich nicht, daß man einen wie auch immer gearteten Evangelisationsblog nicht im Team betreiben könnte. Wenn mehrere im Gespräch sich darüber klar werden, was Sache ist, dann kann dieser Kreis ja so einen Blog betreiben. Meinetwegen auch eine kirchliche Katechismus-Arbeitsgemeinschaft.

  3. Sehr guter Beitrag! Da liegt ein riesen Potential drin in der Internetavangelisation. Freue mich immer wieder wenn es Leute gibt, die das wirklich gut und effektiv machen. Wenn ich nicht zu viel Zeit im real-life zum evangelisieren brauchen würde, würde ich mal drüber nachdenken 😉

  4. Sache ist, in freiheitlich streitbarer Demokratie, was sachdienliche Information im Verständnis Hoheit EU, BRD, BGB, Menschenrechte, letzter Beschluss Bundesgesetzblatt ist. Dazu gehört Din-, Iso-, Eich-, Informationsfreiheitsgesetz, auch empirische Natur-,
    Geschichtswissenschaft.
    Was Heil ist bestimmt die Weltgesundheitsordnung, ggf. jeder selbst, solange keine gravierend Selbst-, Fremdschädigung ist. Und was Rettung ist, kannst du mit Ausbildung als Sanitäter lernen. Dein Hirn ist erlöst, wenn du unter der Erde liegst.
    Temperatur ist nicht Wärmestrom, freie Energie gibt es nicht. Hirnströme misst keiner virtuell.
    Mit anonyme, pseudographische Werke (§ 66 UrhG) ,staatliche Glaubensmissionspflicht, gibt es nicht.
    Zeugen die keine Geschehenszeugen sind, Bekenntnisse, die keine Geständnisse sind, Verbot sie als Irrtum zu bezeichnen, fehlende archäologische Beweise, Propaganda mit nicht greifbaren Person Gott, ist insbesondere virtuell sehr fragwürdig. Urheberrecht kann es dafür geben. Aber inhaltlich wird keine rechtliche Glaubhaftigkeit, Verbraucher-, Versicherungs-, Rechtsschutz., damit.
    Glaubenshelden tun besser Face to Face, wie der Samariter. Damit ist auch ordentliche Regelordnung erfüllt.

    Was Mensch weiß, braucht er nicht glauben. Wenn er nicht wissen kann oder nicht wissen will, hat er Verdacht, bzw. ein Vielleicht, drückt sich alternativ vor Arbeit und Verantwortung.
    Rechtsprechung obliegt ordentlichen Richtern.
    Kultusveranstaltungen gehören in privatrechtliche Räume, in Vereinbarung auf Treu und Glaube.

  5. Als Beispiel fallen mir einerseits die antiislamischen Vertreter ein (oder allgemein rechtslastige Angebote, ich nenn jetzt keine mit Namen, die sind unter den Top Blogs verlinkt) oder auch der Atheist Media Blog, wo ich schon seit Jahren kommentiere. Diese Blogs haben ein klares Feindbild: Muslime bei den einen, Religiöse Menschen allgemein bei den anderen, und arbeiten sich an diesem Feindbild ab.

    Also bitte, mit dem rechtsesoterischen Verschwörungsschwachsinn muss man den Atheist Media Blog ja nun wirklich nicht vergleichen. Ein klares Feindbild haben die Blasphemieblog-Artikel üblicherweise nicht. Die negativen Nachrichten über Gläubige bzw. entsprechende Institutionen haben diese fast ausnahmslos selbst verursacht.

    Warum das mit der Evangelisation online nicht so einfach ist?:
    Es gibt Widerspruch. Und dann in einer Diskussion die Existenz von etwas verteidigen zu müssen, was es nicht gibt, ist eine äußerst undankbare Aufgabe. Das erinnert mich an die Möchtegern-CDU/CSU/SPD-„Netzpolitiker“, die die völlig unbrauchbaren Positionen ihrer Parteien im Netz rechtfertigen müssen und dennoch irgendwie gut dastehen wollen.

  6. Ichglaubsnicht: Man muss den Atheist Media Blog nicht mit Verschwörungsschwachsinn vergleichen. Man muss nie etwas mit etwas anderem vergleichen. Es gibt aber durchaus Gründe, etwas miteinander zu vergleichen, z.B. wenn auffallend ähnliche Strukturen da sind. Und deshalb passt der Vergleich, der hier gezogen wurde, zu 100%.

  7. Die negativen Nachrichten über Gläubige bzw. entsprechende Institutionen haben diese fast ausnahmslos selbst verursacht.
    Da aber die positiven Nachrichten dort keinen Platz haben, bleib ich bei meiner Einschätzung.

    Und dann in einer Diskussion die Existenz von etwas verteidigen zu müssen, was es nicht gibt, ist eine äußerst undankbare Aufgabe.

    Durch ständiges Wiederholen wird es nicht richtiger.

    Das erinnert mich an die Möchtegern-CDU/CSU/SPD-”Netzpolitiker”, die die völlig unbrauchbaren Positionen ihrer Parteien im Netz rechtfertigen müssen und dennoch irgendwie gut dastehen wollen.

    Aufgabe der Evangelisation ist es nicht, Gott nachzuweisen, sondern Ihn bekannt zu machen. Unabhängig davon ist die Netzpolitik der Union natürlich mies. Aber das gleiche gilt weitestgehend von der Religionspolitik der Piraten, die weitgehend unkritisch Propaganda nach der Machart von gbs und hpd übernommen haben. Deshalb wähl ich doch eher Piraten als die Union (die sowieso nicht). Aber man sollte um die Begrenztheit der jeweiligen Reflektionsfähigkeit in den Parteien grob bescheid wissen. (btw: auch die Piraten haben Defizite in der Netzpolitik, so nehme ich bisher hauptsächlich wahr, was man alles nicht machen soll, aber wenig, was man denn machen könnte).

  8. Da aber die positiven Nachrichten dort keinen Platz haben, bleib ich bei meiner Einschätzung.

    Die Nachrichten sind mitunter durchaus positiv. Das heißt aber nicht, dass kein Potential für Kritik in den Kommentaren vorhanden wäre. Siehe z.B. im aktuell obersten Artikel „Lottogewinn macht gläubig“.

    Unabhängig davon ist die Netzpolitik der Union natürlich mies. Aber das gleiche gilt weitestgehend von der Religionspolitik der Piraten, die weitgehend unkritisch Propaganda nach der Machart von gbs und hpd übernommen haben.

    Also ich finds gut 😛
    Darum ging es mir aber nicht, ich wollte nur ein Beispiel dafür finden, dass jemand seine untauglichen Positionen im Netz vertreten muss, und dabei entsprechend mehr Gegenwind zu spüren bekommt als es früher offline der Fall war.

  9. Die Nachrichten sind mitunter durchaus positiv.

    In homöopathischen Dosen. Ja.

    und dabei entsprechend mehr Gegenwind zu spüren bekommt als es früher offline der Fall war.

    Das kann man nicht verallgemeinern. Ein Christ kriegt offline in Mekka immer noch mehr Gegenwind als aufm AMB. Und ein Pirat kriegt Online in nem FDP-Forum auch mehr Gegenwind als in diesen Berliner Kneipen, wo die sich angeblich alle rumtreiben 😉

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