Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 29.02.2012 (Hiob 14, 1)

a)Der Mensch, vom Weibe geboren, b) lebt kurze Zeit c) und ist voll Unruhe

Wenn von einer Hiobsbotschaft gesprochen wird, ist schon klar, dass jetzt nichts Gutes kommen kann. Und das, was Hiob in den ersten Kapiteln widerfährt, wünscht man seinem ärgsten Feind nicht – oder sollte es zumindest nicht…

Hiob ist zunächst der Inbegriff des Erfolgs. Sein Haus, sein Reichtum, seine Familie – und vor allem: Seine Frömmigkeit. Alles ist in bester Ordnung. Er sorgt sogar vor für den Fall, dass seine Söhne gesündigt haben könnten (Hiob 1, 1-5). In einem Gespräch mit seinem Untergebenen Satan, der Rechenschaft ablegen muss, wo er war, erkundigt sich Gott auch danach, ob Satan auch auf Hiob geachtet habe. Hiob ist selbst in den Augen Gottes einzigartig in seiner Frömmigkeit (Vgl. Hiob 1, 8). Doch dann stellt Satan in Frage, dass Hiob auch so fromm wäre, wenn es ihm nicht so gut ginge – und erhält von Gott die Erlaubnis, Hiob zu prüfen. Und Satan prüft. Die Botschafter mit schlechten Nachrichten geben sich die Klinke in die Hand: Erst wird Hiobs Dienerschaft vernichtet, dann sein Vieh, dann seine Söhne. Aus dieser Häufung schlechter Nachrichten wurden dann die sprich-wörtlichen Hiobsbotschaften. Hiob aber trauert und betet: Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen, der Name des HERRN sei gelobt.

Und auch, als der Satan ihn mit „bösen Geschwüren von der Fußsohle bis auf seinen Scheitel“ schlägt (Hiob 2, 7) und seine Frau ihn auffordert, Gott abzuschwören und zu sterben, rückt Hiob nicht einen Fußbreit von seiner Treue zu Gott ab (Hiob 2, 9-10).

Dann kommen seine Freunde Elifas, Bildad und Zofar. Erst sitzen sie mit ihm beisammen, doch bald schon fangen sie an, mit ihm zu reden. Jeder hält ihm insgesamt drei Vorträge und auf jeden dieser Vorträge antwortet Hiob. Elifas beginnt, es folgen dann Bildad und Zofar. Hiob antwortet in den Kapiteln 12-14 auf die erste Rede Zofars, aus dieser Antwort stammt der Losungstext.

Da mich ja, wie gestern schon gesagt, die Aufforderung meines Hebräischdozenten geprägt hat, einer Lutherübersetzung nicht ungeprüft zu vertrauen (und ich schätze mal, er meinte auch andere Übersetzungen), habe ich auch hiervon eine eigene Übersetzung versucht:

a)Ein Mensch, geboren worden (von) einer Frau, b) ist kurzlebig c)und satt von Ungemach.

Ich glaube, keiner kann Hiob angesichts des Leidens, das ihm widerfahren ist, eine solche Antwort verdenken. Er spricht hier vom Menschen allgemein – und doch fließen auch seine eigenen Erfahrungen mit hinein. Dass Menschen von Frauen geboren werden – gut, das ist keine Einsicht, für die man, wie Hiob, viele Söhne und Töchter bekommen haben muss. Doch die Kürze des Lebens wurde Hiob grade selbst drastisch vor Augen geführt. Denn mit dem Tod seiner Kinder haben sicher weder die Kinder selbst noch er gerechnet. Die Übersetzung von V. 14,1c zeigt, dass verschiedene Übersetzungen ganz verschiedene Denkrichtungen ermöglichen.

Ich beginne mit meiner eigenen: „(Ein Mensch) ist satt von Ungemach“ Führt man sich vor Augen, was – im wahrsten Sinne des Wortes – für Hiobsbotschaften über ihn hereinge-brochen sind und wie krank er ist, wird deutlich, dass auch in diesem Versteil nicht nur vom Menschen allgemein gesprochen wird, sondern dass dieser Satz aus Hiobs eigener Erfahrung gespeist ist. Im Leben des Menschen gibt es Ungemach, gibt es Unglück, Krankheit, Tod. Und irgendwann ist es genug, man hat die Schnauze voll. In dieser Situation steckt Hiob. Er ist voller Hoffnungslosigkeit und erwartet nach dem Tod nichts mehr.

Das ist die eine Spur, die von meiner Übersetzung ausgeht. Als ich nur die Lutherübersetzung gelesen habe, kam mir ein anderer Gedanke. „und ist voller Unruhe“. Ich musste an ein Zitat von Augustin denken: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir“. Ja, in unserem Leben gibt es Ungemach, gibt es Unruhe. Das ist nicht nur uns, sondern erst recht Gott klar. Und genau deshalb hat sich Ostern ereignet. Deshalb ist Gott Mensch geworden, gestorben und auferstanden: Damit unser unruhiges Leben bei ihm Ruhe findet.

5 thoughts on “Tageslosung zum 29.02.2012 (Hiob 14, 1)

  1. Wie Sie wissen, halte ich das Buch Hiob für die eigentliche Gründungsurkunde des Monotheismus. Insofern sehe ich mich geradezu moralisch gezwungen, hier einen Kommentar abzugeben 🙂
    Ich finde die Spannung zwischen diesen beiden Polen – Unruhe und Ungemach – sehr interessant. Hiob selbst beklagt ja, dass er nicht einmal nachts Ruhe findet: Er hofft, dass er wenigstens im Schlaf sein Unglück vergessen kann, aber es verfolgt ihn bis in seine Träume hinein.
    Dabei muss ich an Matthias Claudius denken (der Mond ist aufgegangen) und die Strophe, wo es heißt „… als eine stille Kammer, wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt“.
    Manchmal kommt es mir so vor, als würden sich in solchen kleinen Formulierungen Fenster öffnen in eine vergangene Zeit, die angefüllt war vom „Seufzer der bedrängten Kreatur“, wo das Beste, was man hoffen konnte, das Vergessen im Schlaf war.

  2. Hm, bislang wusste ich nichts davon, dass Sie das Buch Hiob für die Gründungsurkunde des Monotheismus halten. Aber ich lerne ja gerne dazu. Ich habe ja jetzt fast ein schlechtes Gewissen, dass Sie sich „moralisch gezwungen“ sehen, hier einen Kommentar zu schreiben. Ich meine, ich freue mich natürlich darüber, aber Zwang jeglicher Form liegt mir eigentlich fern 😉

    Die Spannung Unruhe – Ungemach fand ich auch interessant, deshalb habe ich sie erwähnt. Ich habe noch nicht überprüft, ob der neue Gesenius (ich arbeite noch mit dem guten alten Gesenius in der 17. Auflage…) das auch so übersetzt. In Anbetracht Ihrer Ausführungen zu anderen Klagen Hiobs bin ich noch mehr davon überzeugt, dass wir beide Übersetzungen, Unruhe und Ungemach, im Hinterkopf haben sollten. Also: Danke für Ihren Kommentar, gerne mehr davon 🙂

  3. @bonifatz: Tut mir leid. Das liegt wohl daran, dass ich auf meinem eigenen Blog zur Zeit noch ziemlich allein mit BBT als Kommentator tummle (habe gerade erst angefangen). Und da wagt man an einen solchen Luxus gar nicht zu denken wie z.B. den einer festen Burg mit gleich zwei Kastellanen.

  4. Ach, kein Problem. Ich bin auch kein Kastellan, sondern mehr so eine Art „Burgflügelgestalter“, als Kastellan sehe ich immernoch den Bundesbedenkenträger. Ein schönes Wortspiel übrigens 😀

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