Gesellschaft, Religion

Weihnachten wird unterm Baum entschieden

Vor ner Weile gab es ja mal Ärger zwischen nem Elektronikverkäufer und Kirchen. Damals ging es darum, ob denn nun Geiz geil sei oder doch eher abturnt. Wohl aus einem Gleichberechtigungsgedanken heraus ist dieses jahr ein anderer Elektronikverkäufer dran. Diesmal geht es darum, ob Weihnachten denn nun unterm Bam oder in der Krippe entscheiden wird.

Bisher hielt ich Weihnachten ja nicht für einen Wettbewerb. Ich erwartete gar keine Entscheidungen. Nn wrde ich eines besseren belehrt. Entschieden werden muß wohl irgend etwas. Aber was?

Den Elektronikern geht es vor allem darum, ihren Plunder zu verkaufen. Klar. Die Entscheidung ist hier, wer wie viel nd vor allem auch wie tolle Geschenke zu bieten hat. Hier bricht sich die Leistungsgesellschaft Bahn: Je größer, je besser je teurer desto gut.

Alles wird zum Wettbewerb, bei dem einer gewinnt und alle anderen unterliegen, Kriterium ist die finanzielle Leistungsfähigkeit und Cleverness, beim richtigen Geschenkelieferanten einzukaufen.

Weihnachten gelingt demnach, wenn man ein möglichst tolles Geschenk unter den Baum zu legen hat. Wenn man zeigen kann, wie großzügig man ist, wie viel man rangeschafft hat. Man muß etwas zu bieten haben.

Doch was ist beim Entscheid in der Krippe anders? Hier gewinnt wohl nur der, der noch begreift, um was es bei Weihnachten dogmatisch-theologisch geht? Geburt des Herrn, Beginn Seines Erlösungshandeln an der Welt. Gewinnt hier derjenige, der am andächtigsten „Stille Nacht“ zu singen vermag, aber bitte alle 6 Strophen?

Man hört ja oftmals davon, und erlebt es mitunter auch, daß die Entscheidungsschlacht um Weihnachten verloren wurde. Wenn es mal wieder Streit gab, weil alle unter Strom standen und einen möglichst perfekten Tag hinlegen wollten, und sich dann doch als Underperformer erwiesen haben. Die Entscheidung fiel zu gunsten der anderen aus, die eigene Leistung war nicht ausreichend – mene mene tekel.

Ich bin ja kein Freund der Leistungsgesellschaft, weil ich der Überzegung bin, daß ein Mensch nicht nach seinen Leistungen beurteilt werden kann oder soll. Ein Mensch ist Geschöpf und Bildnis Gottes, und damit schon per se beurteilt.

Deshalb versuche ich auch, wo es geht, mich dieser Leistungsmaschinerie zu entziehen, nicht mitzuspielen. Die Weihnachtsathmosphäre ist nicht durch eine wie auch immer geartete Performance zu erzielen, sie liegt nach meiner Meinung in den Gefühlen der Menschen begründet, der Liebe, die man in der Familie hoffentlich zeinander hat, wo das Fest gefeiert wird. Ob mit oder ohne Geschenke, ob mit oder ohne Kirchgang, ob mit oder ohne Krippe und Weihnachtsbaum.

Die Beziehungen sind entscheidend, aber die bringt man nicht mal eben ein paar Tage vorm Fest auf Vordermann. Die stellt man auch nicht durch teure Flachbildschirme und andere Geschenke her. Die lebt man das ganze Jahr hindurch, indem man vielleicht etwas weniger leistet, indem man aus der Tretmühle aussteigt und füreinander Zeit hat. Dann kann man immer noch etwas schönes schenken, wenn einem etwas einfällt und man es sich leisten kann und will. Aber dann sitzt man zusammen, vielleicht nach der Christmette, bei ein paar Plätzchen und ner Tasse Glühwein, und guckt auf dem alten Röhrenfernseh einen schönen Weihnachtsfilm wie „Stirb Langsam“ oder „Ist das Leben nicht schön?“, und freut sich an der Gemeinschaft.

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