kirche, Kirche & Web 2.0

Neid

… daß ich nicht dabei sein konnte. Aber nicht so viel, vor allem Interesse daran, was da jetzt rumkommt. Also so an Ideen. Mir kam auch eine, mehr dazu weiter unten.

Um was geht’s? Natürlich um das Barcamp Kirche 2.0 am letzten Wochenende. Um jetzt nicht wie der Blinde von der Farbe zu sprechen über ein Treffen, zu dem ich nicht hingekommen bin, hier einfach mal ne Liste mit Beiträgen zum Thema:

Wahrscheinlich gibt es inzwischen schon wieder einige neue Berichte, die ich noch nicht gesehen habe. Wie immer gilt, ich schreib sie gerne noch rein, wenn ich se find oder mir jemand was sagt.

Nachdem ich das alles gelesen habe, und eigentlich auch schon vorher, kommen mir so einige Gedanken, die ich jetzt ganz unsortiert mitteilen will.

Sakramente

Heiko Kuschel hat in seinem Blogartikel geschrieben, daß Sakramente im Twittergottesdienst nicht gehen. Ich hatte mir da schon einmal ähnliche Gedanken gemacht, aber damals schon zumindest für das Abendmahl eingeschränkt. Und inzwischen stellt sich mir die Frage etwas deutlicher:

Was spricht dagegen, wenn jeder Brot und Wein zur Hand hat, der Segen via Twitter gesprochen wird, und man dann gleichzeitig, freilich ohne einander zu sehen, erst Brot ißt, dann Wein trinkt?

Ich bin mir ehrlich gesagt unsicher, hab auch meine Vorbehalte, kann sie aber nicht wirklich in Worte fassen, so daß ich mich frage, ob es wirklich einen Grund gibt.

Bei der Taufe bin ich freilich ebenfalls der Meinung, daß das nicht über’s Netz geht. Schon alleine, weil man über’s Netz kein Wasser übertragen kann…

Lobpreis

Vor gar nicht langer Zeit hab ich mich ja zu youtube und Verkündigung geäußert. Nun drängt sich mir immer mehr af: Twitter ist DAS Medium für Lobpreis. Seit meinem ersten Artikel zum Thema Gottesdienst und Internet hab ich mich immer wieder nach dem Gemeindegesang gefragt, und ob das überhapt geht über das Netz. Irgendwie stell ich es mir komisch vor, vorm Rechner zu sitzen und Ein feste Burg zu schmettern.

Aber wenn man das Ganze elementarisiert, dann kommt man vom Gemeindegesang schnell zu dem Wörtchen Lobpreis. Und das geht auch ohne Gesang, das geht auch zum Beispiel per Text. Und das Tolle dabei ist, solche Texte können recht kurz sein. Psalm 117 paßt beispielsweise komplett in einen Tweet.

Fürbitten

Ehrlich gesagt ich gehör zu den Leuten, die sich nie trauen, freie Fürbitten zu sprechen. Muß ich mir wohl noch angewöhnen, bis das Studium um ist. Wie dem auch sei, gibt es viele Menschen, die das können. Und mit der Anonymität des Netzes fällt vielleicht auch ein wenig die Scheu davor, im Mittelpunkt zu stehen.

Daher denke ich, daß Fürbitten ebenfalls, und zwar vor allem in der freien Form, wunderbar zu twitter passen können. Fürbitten können auch oft sehr kurz und prägnant formuliert werden, so könnten dann mehrere Menschen über Twitter an der entsprechenden Stelle im Gottesdienst ihre Fürbitt-Tweets absenden, die dann von der Gemeinde auf der Twitterwand verfolgt werden können.

Fragmentarisieren?

Bei all den Möglichkeiten drängt sich mir jetzt ein Gedanke auf: So gut die einzelnen Elemente für die einzelnen Bedürfnisse geeignet sein sollten, ist es sinnvoll und pragmatisch, sie zu einem Gottesdienst zu integrieren? Wenn ich jetzt meinen Computer anmache und merke, da läuft grad ein Gottesdinest auf Twitter, und ich will nen Lobpreis oder ne Fürbitte formlieren, kann es passieren, daß der Gottesdienst bis ich den Tweet abgesetzt hab, schon weiter ist. Und der Tweet stört dann einfach, weil er am falschen Platz ist. Auch dauert es je nach Internetverbindung eine Weile, falls die Predigt bei yotube als Video vorliegt, bis alle Teilnehmer dahin umgeschaltet haben, oder bis das Video geladen hat. Ich kenn einige Gegenden, da kann man das mit dem Video sowieso gleich ganz vergessen, da gibt es noch kein DSL.

Aber wer sagt denn, daß ein Gottesdienst immer aus Lobpreis, Gebet, Predigt etc bestehen muß? Predigten kann man auch so lesen, in Büchern oder im Netz, wo es Archive gibt. Man kann auch so beten, oder Gott preisen (auch wenn es selten vorkommen sollte).

Mein Gedanke geht weg vom Paradigma des Sonntagsgottesdienstes, hin zu Frömmigkeitsformen. Per twitter kann man im stillen Kämmerlein beten, und trotzdem Teil der weltweiten Kirche sein. Man kann, wenn man die Zeit dafür hat, sich eine Predigt ansehen, anhören oder lesen. Und auch wenn nicht eine geschlossene Gruppe gemeinsam zu einem Zeitpunkt vorm Computer sitzt und das Gleiche tut, kann Gemeinschaft entstehen, oder englisch: community.

Community

Nehmen wir das Paradigma der Predigt aufm Blog. Ein Prediger schreibt seine Predigt und stellt sie af sienen Blog, für alle Welt zu lesen. Und unter Umständen dauert es nicht lange, bis sich die ersten Kommentatoren melden. Hier ist die Gelegenheit gegeben, die Themen der Predigt mit Interessierten zu besprechen, und meist kommt doch eine gehaltvollere Rückmeldung als „schöne Predigt, Herr Pfarrer“, die zwar lieb gemeint ist, aber unter mständen mehr über das soziale Ranking des Pfarrers im Dorf als über die Qualität der Predigt sagt.

Oft ist es so, daß sich um einen Blog eine gewisse Gruppe von Menschen sammelt, die da immer mal wieder lesen, und auch kommentieren. So ist man offene Gemeinschaft im Austausch über den Glauben.

Ähnlich ist es möglich bei youtube- Videos oder ähnlichen Videoportalen: Auch hier kann kommentiert werden, auch hier können sich Gemeinschaften um einen Channel bilden.

Problem dabei sind Spammer und Trolle, und man wird unter Umständen Wege entwickeln müssen, seine Gemeinschaft vor ihnen zu schützen.

Auch bei Fürbitten oder Lobpreis kann Gemeinschaft entstehen, wenn auch vielleicht viel diffuser als beim Predigtblog oder youtube Channel:

Denkbar wäre vielleicht, daß man einen Hashtag etabliert je für Fürbitten und Lobpreis. Man könnte für jeden eine Twitterwall errichten, und so Kontakt zur Gemeinschaft bekommen. Etwa, indem man sich die Fürbittenwand ansieht, und für sich allein im Kämmerchen mitbetet. Oder einfach seine eigene Fürbitte absendet in der Gewißheit, Mitbeter zu finden. Ebenso beim Lobpreis kann man mitlesen, oder auch selbst mitmachen oder beides. Idealiter wären die Hashtags international verbreitet und es käme zur ewigen Fürbitte und ewigem Lobpreis in allen möglichen Sprachen, aber einheitlichen Hashtags. Das wäre doch einmal etwas für die Ökumene!

3 thoughts on “Neid

  1. Danke für die Zusammenstellung die Kommentare!

    Kurze Anmerkung an den Sakramenten: Ich denke, reformatorisch ist es zentral, dass die Sakramente biblisch gebotene, leibhafte Zeichen des „extra nos“ sind. Dass das bei der Taufe nicht funktioniert, ist schnell einleuchtend, aber auch wenn ich mir das Brot/den Wein selbst gebe, ist diese „Funktion“ des Sakraments nicht mehr gewahrt. Deswegen: Sakramente sind nur in leibhafter Gemeinschaft sinnvoll.

  2. aber auch wenn ich mir das Brot/den Wein selbst gebe, ist diese „Funktion“ des Sakraments nicht mehr gewahrt

    Stimmt, das leuchtet ein. Jedenfalls ist das extra nos nicht so deutlich, wenn ich auf die Einsetzunsworte warte. Also immer mindestens z zweit vorm Rechner sitzen… Wobei: Das wär dann ja ein Abendmahl für sich (und gibt ach wieder den Ärger, daß vielleicht kein Ordinierter dabei ist). Aber es ist durchaus ein Punkt, der mein schlechtes Bauchgefühl erklärt.

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