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Straßenmission

Der Zug fährt ne Stunde später, also ist noch Zeit für nen Schwank as meinem Leben (gerade passiert):

Pfingstlerin: Haben Sie Jesus Christus schon als Ihren persönlichen Herrn und Retter angenommen.

Ich: Ja, ich studier Theologie und werd Pfarrer.

Sie: Kennen Sie Johannes 3 Vers 3?

Ich: Nicht ausm Kopf…

Da hat sie schon ihre Bibel in der Hand und liest vor. Gut vorbereitet. Es geht um die Geschichte mit Nikodemus und darum, daß man aus Wasser und Geist ne geboren werden muß. Soweit kein Problem, ich lese auch Bibel, kenne die Stelle auch (auch wenn ich nicht auswendig weiß, wo sie genau steht, Johannes am Anfang hätt ich so ungefähr noch gewußt)…

Sie: Wasser bedeutet Wort Gottes.

Ich: Häh?!?!?!

Sie: Überall in der Bibel wo von Wasser die Rede ist, ist das Wort Gottes gemeint.

Ich: Nee, Wort Gottes steht offen da, Wasser meint hier die Taufe.

Sie: Das ist doch Quatsch…

Dann referiert sie über die Stelle, in der Jesus sich mit der Samaritanerin unterhält (sie wußte wo’s steht, ich bin zu faul nachzusehen und hab’s schon wieder vergessen, ich glaub aber Johannes weiter hinten) und weißt darauf hin, daß Jesus davon spricht, ihr Wasser zu geben nach dessen Genuß einem nie wieder dürstet. Das ist der Pfingstlerin Beleg für „Wasser heißt immer Wort Gottes“.

Ich meine daraufhin: Nene, hier ist das Evangelium gemeint.

Was soll ich sagen, sie wurde langsam säuerlich. Sie verstand nicht, daß das Evangelium etwas anderes ist, als das, was in der Bibel steht. Als ich von den 4 Versionen (ich hätte genauer „Fassungen“ sagen sollen, aber das hätt ach nicht geholfen) des Evangeliums in der Bibel sprach, war’s ganz aus: Sie sprach mir ab, wirklich gerettet zu sein und den Heiligen Geist zu haben nd dergleichen mehr. Aßerdem habe die Landeskirche die Botschaft ja verfälscht (wir können gern über Fehlentwicklungen reden, aber so pauschal ist das einfach dumm und anmaßend).

Was tut man also, wenn man nicht den ganzen Mittag Zeit hat zum Diskutieren? Ich hab ihr die Einladung in den Gottesdienst wieder in die Hand gedrückt, hab ihr Gottes Segen gewünscht und mich verabschiedet, mit ebenfalls angepisstem Ton.

Was bleibt zurück? Bei ihr wohl die Überzeugung, daß die Landeskirchler alle verloren sind und bei mir? Nun, daß ich bedeutend mehr Zeit brauch, um mich mit den Straßenmissionaren auseinandersetzen zu können. Und daß sie ein (verzeihung) beschissenes Missionskonzept haben. Also, liebe Straßenmissionare:

  1. Gebt Eurem Gegenüber die Chance, zu reagieren (kaum hatte ich die Einladung in der Hand ging’s auch schon los mit Johannes 3,3; ich wollt mir eigentlich erst die Einladung mal ansehen und dann mit ihr reden, weil den Sonntag bin ich nicht hier).
  2. Hört zu, was Euer Gegenüber sagt, und geht darauf ein (und zwar nicht mit allgemeinen Parolen, sondern erzählt von Eurem persönlichen Glauben, wie Ihr das seht. Zeugnis geben sagt man auch.)
  3. Überhaupt: Hört auf, festgefahrene Diskussionswege zu verfolgen. Mir war klar, die Dame war geschult darauf, mit Johannes 3,3 anzufangen und damit irgendwie nen Argumentationspfad zu beschreiten, der darauf hinausläuft, daß sie Recht hat. Da hat es natürlich gestört, daß ich den Weg nicht mitgehen wollte und NEIN sagte. Verlasst Euch nicht so sehr auf vorgefertigte Diskussionswege, redet frei von Eurem Glauben. Das ist gut genug, ja das ist besser und echter als alles andere. Sollen wir als Christen nicht sogar uns keine Gedanken machen, was wir sagen werden, sondern auf den Heiligen Geist vertrauen, der für uns spricht?

Ach wenn mir die Pfingstler in Bibelverständnis und Frömmigkeit sehr fern stehen, wir glauben doch alle an einen Gott, und sollten uns wie Geschwister begegnen. Ich hatte das Gefühl, als hielte sich die Dame für meine Lehrerin, die mir mal erklären müsse, wo das so ist.

Das will keiner! Ich find’s zwar irgendwo auch lustig und interessant, rein aus fachlichem Interesse, aber ich wage zu bezweifeln, daß Besserwisserei eine der Gaben des Heiligen Geistes ist…

Man soll ja immer was Positives sagen, wenn man Kritik übt: Ich find’s gut, daß die Leute ihre Zeit dafür einsetzen, anderen vom Glauben zu erzählen. Aber ein wenig weniger Verbissenheit und mehr Gottvertrauen brächte mehr Früchte. Zwingen kann man eh keinen.

10 thoughts on “Straßenmission

  1. Das ist doch nur wieder typisch für Christen, sie widersprechen sich selbst sogar in der Bibelauslegung.
    Warum soll eine sprechende Schlange in der Bibel wörtlich genommen werden, aber was Jesus sagt nur metaphorisch gemeint sein?

  2. Solche Links will ich hier nicht! Unterlaß das bitte in Zukunft.

    Und nein, ich widerspreche mir nicht bei der Bibelauslegung.

  3. in allen 3 Punkten gebe ich Dir recht.
    So mache ich es auch bei meiner Freiversammlung.
    Tut mir leid was Dir da wiederfahren ist.
    Gruß
    Peter

  4. @Benjamin Koppe
    kennst du die Berliner Erklärung?

    Das Gültige jeweiliger Glaubensvereine ist nicht mit Rechtsgültigkeit im Sinne der Rechtswissenschaft zu verwechseln.

    Urwort, Ursprache, Urtext gibt es nicht. Zeitmessung ist menschliche Erfindung. Die unterschiedlich kanonisierte, unterschiedliche übersetzte sogenannte Bibel hatte damals wie heute keine Geschehenszeugen, notarielle Beglaubigung.

    Begriff Evangelium war ursächlich Botschaft = Lehre wie Regen und Tau. Regen und Tau haben die Alten oft verwechselt.
    Tau hat in anderern Sprachen u. a die Bedeutung Mensch, Volk, usw. Vielleicht abwegig auch noch diese Verbindungen zu sehen. Vielleicht auch nicht. Mensch besteht immerhin zu ca. 60 % aus Wasser.

    Persönliche Herrn nehme ich nicht an. Ich bin im chineschisch Sternzeichen zweimal Hund. Da passt der eine auf den anderen auf 🙂
    Auch ich bin nicht immer ganz für voll zu nehmen. 🙂

    Neuanfang? Ursache?
    Helium ist aus Erdgas zu gewinnen. Lithium ist in Spurenelementen im Trinkwasser.

    Mein Retter
    heißt Fels (Peter) hat sogar Gehirn unter dem med. Felsenbein. Er heißt auch Erhebung auf feuchtem Grund. Der ist nicht nur Fiktion.
    Ich bin gemäß Personalausweis mit Übersetzung . aus dem pers. Tauperle, Blume, wohlgenährt und Got-T = gotisch (flüssiges, heißes) Eisen/Erz http://bit.ly/cMt2jKhebr. ere(t)z/are(t)z. = Erde/ Erz http://bit.ly/bI90Mk….letztlich Sternenstaub
    Got-T Fels wird mit Plattenbewegungen, Vulkane. Lava (GotTes Glutzorn) ist minderalstoffreich, bewirkt verbessertes Pflanzenwachstum.

    Fazit: Ich atme, esse, trinke, lebe GotT, aber ich glaube nicht an Got-T
    weil die Alten auf Unbelebtes ihren Willen projeziert haben, um damit andere zu delegieren.

    Ich wurde im Fruchtwasser getauft. Urin = untertauchen. Darin ist UV-Licht. Mein Gen hatten schon Neandertaler und Mammuts. Familiengeschichte spare ich jetzt. Ursprache weiß ich nicht. In vorhistorischer Zeit gab es keine Wege die mit Bitumen geteert waren.
    Genetisch bedingt sehe ich besser wie andere und habe blaues Blut. Mein Heiler ist blaues Licht. Das ist wenigstens medizinisch nachgewiesen. Bei mir wachsen Zellen immer von Unten nach Oben nach. Ist das bei Pfingstlern anders?

    Mein Motto:
    Nicht alles glauben, sondern alles prüfen (Spr 14,15, 1Thess 5,19-21)

    PS
    Staub fressende Schlangen gibt es wirklich nicht. Sprechend können sie auch nicht. Das ist Fabelei, Jägerlatein. Böse Zungen behaupten, dass die Schlange in Männerhosen sei. Staub müssen sie fressen wo wie in Urzeiten kein Klopapier ist. 🙂

  5. Nein, ich hab kein Problem damit, bei wikipedia nach der Berliner Erklärung zu suchen. Ich verstehe nicht, was Du sagen willst, wenn überhaupt etwas. Es schient, Du reihst einfach Worte aneinander, die Dir ästhetisch irgendwie zusprechen. Falls es dies trifft, laß Dich nicht stören, auch ne Art von Kunst. Falls D wirklich nen Inhelt rüberbringen willst: Werd deutlicher.

  6. @bundesbedenkentraeger,
    Deine Frage 31. Oktober 2010 um 07:38, war keine konkrete Frage. Folglich habe ich geraten und dich darauf hingewiesen konkrete Frage zu stellen. Jetzt teilst du mit, dass du nicht verstehst, stellst auch dazu keine konkrete Frage. Seltsam! Meinetwegen bleibt bei dem, was dir scheint.
    Es gehört dir. So wichtig ist es nun wirklich nicht.

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