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Quid est libertas?

Quid est libertas – Potestas vivendi, ut velis.

Cicero

Was ist die Freiheit? – Die Möglichkeit/Kraft zu leben, wie Du willst. So soll Cicero geschrieben haben. Angeregt durch eine Frage im Forum der Piratenpartei, möchte ich mir hier Gedanken dazu machen, wie Freiheit zu definieren ist. Entweder ich verlink das dann im Forum, oder poste den Text da rein, mal sehen.

Zwei Grundzüge der Freiheit

Es scheint mir, als gebe es zwei verschiedene Grundzüge der Freiheit: „Freiheit von“ und „Freiheit zu“. Wenn Dieter Bohlen jemanden als „talentfrei“ bezeichnet, meint dies eine „Freiheit von“, während es bei der Meinungsfreiheit m eine „Freiheit zu“ handelt. Diese beiden Freiheiten stehen im Widerspruch zueinander, sobald man den Bereich des Individuums verlässt und die Gesellschaft als Ganze betrachtet. Sie stehen in einer Spannung zueinander, die nicht gelöst werden kann. Vielleicht gibt es deshalb so viele Freiheitskämpfer in der Geschichte, vielleicht gab es deshalb nie eine Zeit, in der sich alle Menschen als frei empfunden haben.

Freiheit von

Frei zu sein von etwas impliziert auch immer, daß ich diese Freiheit mir von anderen gewährt werden muß. Ich kann es mir nicht selbst gewähren. Die einzige Möglichkeit darauf Einfluß zu nehmen, ist den jeweils anderen oder die anderen zu überzeugen, mir die Freiheit zu gewähren. Auch kann ich versuchen, Druck anzuwenden. So wird die Freiheit von Folter etwa dadurch erreicht, daß die Staatsorgane sich an die Gesetze halten welche in Deutschland das Folterverbot festschreiben. So lange dies gesellschaftlicher Konsens ist, wird es auch immer wieder vor Gerichten durchsetzbar sein. Das Volk hat quasi die Rolle des Wächters über die Stellen, die Folter anwenden könnten. Es gibt den Konsens unter den Menschen – auch den Staatsdienern – daß Folter falsch ist. Und wenn doch einer aus der Reihe tanzt, gibt es das Druckmittel der per Gericht verhängten Strafe. Diktaturen können gegen diese Freiheit ankämpfen, indem sie zu einer Entsolidarisierung in der Bevölkerung beitragen: Man spielt verschiedene Gruppen gegeneinander aus, in der Geschichte gibt es viele Beispiele zu studieren. Beseitigt man den Konsens, so wird auch die Durchsetzung der Strafe für Mißachtung einer Freiheit von schwierig wenn nicht unmöglich. Dazu baut die Diktatur dann eigene Druckmittel aus, bildet einen eigenen Konsens aus und sorgt so für die Basis der eigenen Macht. Dies zeigt dann ach die negative Seite einer Freiheit von: So kann dann eine Freiheit von Verfolgung bei Folter, oder eine Freiheit der Gesellschaft von Dissidenten gefordert werden. Aus dieser Perspektive steht die Freiheit von der Toleranz gegenüber. Wobei hier Toleranz eben auch zwei Seiten hat: Sie kann Toleranz des (Staats-) Terrors bedeuten, aber auch Toleranz anderer Meinungen. Wenn ich politisch mißliebige Menschen frei reden lasse, dann zeugt dies von einer gewissen Toleranz, ich bin aber von ihnen nicht mehr frei. Das führt mich zur

Freiheit zu

Die Freiheit zu ist quasi das Gegenstück zur Freiheit von. Wenn ich Redefreiheit habe, dann hat der andere keine Freiheit von meiner Rede (manche mögen behaupten ich rede nur Unsinn und belästige so die Leute nur). Die Freiheit zu ist jedoch keine Freiheit, die man mir gewähren müßte. Ich kann sie mir einfach nehmen. Keiner kann mich hindern, mich auf den Marktplatz zu stellen und meine Meinung über Merkel zu äußern. In der Theorie könnte mich auch keiner hindern, in Pjöngjang über Kim Il Sung zu reden (vorausgesetzt ich käme dahin und spräche koreanisch). Nur muß ich die Konsequenzen auf mich nehmen, und die werden in Pjöngjang um einiges härter ausfallen als hier aufm Marktplatz.

Trotzdem bleibt es bei dem Grundmuster: Freiheit von ist gewährte Freiheit, Freiheit zu ist genommene Freiheit. Und hierher kommt auch die Spannung, von der ich oben schrieb. Denn was einer sich nimmt, muß nicht unbedingt  von anderen gewährt worden sein, es muß also zum Konflikt kommen zwischen denen, die sich erregen über das „was der sich rausnimmt“ und demjenigen, der seine Freiheit dazu ausübt. Und das zeigt, daß auch die Freiheit zu, wie etwa die Freiheit zur Meinungsäußerung, nicht nur positiv ist. Da nimmt sich vielleicht einer die Freiheit, zu stehlen, womit dem anderen die Freiheit von Dieben genommen wird. Diktatoren nehmen sich die Freiheit zur Folter und nehmen dem Volk (oder zmindest Teilen des Volks) die Freiheit von Folter.

Dies alles zeigt, daß das, was wir als Freiheit bezeichnen, schnell in Unfreiheit umschlagen kann, denn wo jeder Freiheit von eine Freiheit zu gegenübersteht, wird am Ende einer seine Freiheit aufgeben müssen. Etwa in Bayern, wo nun per Volksentscheid die Freiheit von Zigarettenqualm als höher eingeschätzt wurde als die Freiheit zum Rauchen. Beide Seiten argumentieren mit ihrer Freiheit, und die unterlegene Seite nun ach mit der Gängelung oder Freiheitsbeschneidung durch den Staat (wobei ja der Staat nicht viel tun konnte, aber das bei Seite).

Am Ende kommt es also nicht darauf an, was Freiheit ist (da die verschiedenen Freiheiten einander ausschließen), sondern auf den gesellschaftlichen Konsens, auf die Werte einer Gesellschaft. Und diese werden sehr individuell gefasst und vertreten, so daß gesellschaftsweit akzeptierte Werte lange brachen, um sich durchzusetzen. Bis es soweit gekommen ist, herrscht eine gewisse Unsicherheit. Aber das ist nun ein anderes Thema.

Inwieweit dieses Nachdenken über den Begriff der Freiheit nun ein Umdenken gegenüber meinem Artikel Demokratie oder Freiheit verlangt, kann ich noch nicht sagen. Mir scheint aber, der Freiheitsbegriff ist dadurch als Leitbegriff für eine positive Gesellschaftordnung ein Stück weit ausgeschieden. Die Demokratie damals schon. Bleibt die Frage, was bleibt. Für Vorschläge in den Kommentaren bin ich sehr dankbar.

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