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Urlaub in Gaza

Wenn man bestimmten Artikeln bei der Achse des Guten glauben schenken will, dürfte dem nächsten Urlaub in Gaza nichts im Wege stehn: Hotels, Pools, Edelrestaurants, alles steht bereit. Nun frage ich mich, inwieweit das stimmen kann und komme nach ein bißchen Recherche zu dem Ergebnis, daß hier wohl bestimmte Informationen gezielt gestreut (via) werden.

Warum eigentlich? Wer die verlinkten Artikel aufmerksam gelesen hat, wird es sich schon denken: Es geht wohl um die Gaza Flotille (hier erfuhr ich zum ersten Mal davon), oder wie sie sich auch immer genau nennt, jene 8 Schiffe voll mit Aktivisten und Hilfsgütern, die den Hafen Gazas anlaufen wollen anstatt die Güter nach Israel zu liefern und von dort über Land nach Gaza zu schaffen. Dabei würden die israelischen Behörden dann wohl das Baumaterial zum Beispiel nicht ausliefern, mit dem die im Krieg zerstörten Häuser repariert werden könnten. Andererseits könnte man behaupten, es gehe um den Effekt, wenn die Schiffe von der Israelischen Marine aufgebracht werden. Gibt sicher tolle Bilder in den Abendnachrichten, allein: Ich hab in den Nachrichten im Fernsehen bisher noch nichts zu der Aktion gesehen.

Wie dem auch sei, ich befinde mich in einem Dilemma. Einerseits finde ich es abstoßend, wie Israel mit den Palästinensern umgeht. Es herrscht eine Haltung der starken Hand, und diese Hand verkrampft vor Angst immer mehr.

Auf der anderen Seite machen es mir aber auch die Palästinenser nicht leicht, denn die Haltung der Hamas finde ich mindestens genau so abstoßend wie die israelische Politik des Einsperrens, Aushungerns und Draufhauens. Nun ist es so, daß ich von israelisch-jüdischer Seite einige Stimmen hören kann, die die eigene Regierung kritisieren und die freie Durchfahrt der Schiffe verlangen. Von palästinensisch-muslimischer Seite höre ich davon bisher nichts, bzw es fiel mir noch nichts auf. Einzig von Pfarrern wie Jadallah Shihadeh aus Beit Jala kamen mir bisher Friedensaktivitäten zu Ohren, vielleicht höre ich in die falsche Richtung. Bisher jedoch ist mein Eindruck, daß es keinen großen Widerstand gegen die Scharfmacher in der palästinensischen Führung gibt (was auch durch den Bürgerkrieg zwischen Hamas und Fatah bedingt sein kann).

Und so bin ich mir immer noch nicht sicher, wie ich die ganze Sache einstufen soll. Als Propagandaveranstaltung, hinter der die Hamas steht (vor deren Wagen ich mich nicht spannen lassen will) und auf die Gutmenschen aus dem Westen reingefallen sind, oder ob es wirklich um eine Verbesserung der Lage geht und Propaganda nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Die EU hat derweil scheinbar zur Beendigung der Absperrung Gazas aufgerufen, was unabhängig vom Hintergedanken der Flotilla erst mal positiv ist.

Das grundlegende Problem wird dadurch aber nur offenkundiger werden, daß in beiden Gesellschaften die Scharfmacher an der Regierung sind und sich dadurch, daß sie sich immer tiefer in die Scheiße reinreiten, auch an der Regierung halten können.

Nun geht es mir wie jedesmal, wenn ich mir Gedanken zu Israel-Palästina mache und nachdenke, wie eine Lösung des Konfliktes aussehen könnte: Ich bin überfordert, verzweifelt und sehe kein Ende. Der Haß, so scheint es, hat beide Gesellschaften fest im Griff, und die Angst davor, der erste zu sein, der auf den Anderen zugeht. Denn dieser könnte sofort schießen, die Situation ausnutzen. Im Moment leiden vor allem die Palästinenser, wendet sich das Blatt, dann ist zu erwarten daß auch israelische Friedensaktivisten, die sich für die Palästinenser einsetzen, um ihr Leben fürchten müßten, denn die aufgestaute Wut bei den Palästinensern ist sicherlich groß. Trotzdem hoffe und bete ich, daß der Konflikt gelöst wird und es Frieden gibt, für beide Seiten, und zwar bald.

14 thoughts on “Urlaub in Gaza

  1. Wenn meine Infos stimmen, hat die israelische Navy heute vor Sonnenaufgang die unbewaffneten Hilfsschiffe angegriffen, es sollen 2 Menschen getötet und 3 verletzt worden sein. Schweigt Europa?

  2. Angegriffen – aha.
    Bei einem Überfall auf ein unbewaffnetes Schiff in internationalen Gewässern – selbst wenn das mit den Äxten (Feueräxte?) stimmt, war es Notwehr, und der Angreifer hat kein Recht auf die Verwendung scharfer Munition.

  3. Ha’aretz zitieren die IDF, daß die Aktivisten das Feuer eröffnet haben: http://durl.me/kxam

    Natürlich hat Israel kein Recht, die Schiffe zu kapern. Trotzdem ist es mindestens ungeschickt, wenn nicht dumm, wenn Menschen, die sich als Friedensaktivisten bezeichnen versuchen, Gewalt anzuwenden (zumal man davon ausgehen kann gegen gut ausgerüstete und ausgebildete Soldaten eh den Kürzeren zu ziehen).

    Das schadet nur dem eigenen Ziel. Somit machen sich die Friedensaktivisten für weite Teile der Bevölkerung unglaubwürdig. Daß Israel die Schiffe angreift war klar, das kam mit Ansage. Gerade deshalb müßten die Aktivisten eigentlich darauf gefasst gewesen sein, ohne Widerstand sich zu ergeben und damit das Unrecht Israels in diesem Fall aufzuzeigen. So haben sie, falls die Angaben zu den Angriffen seitens der Aktivisten stimmen, der IDF einen Grund gegeben. Im Kampf um die Öffentlichkeit ein schwerer Fehler, meiner Meinung nach. Und einen anderen Kampf können die Aktivisten gar nciht gewinnen, als en um die Öffentlichkeit.

  4. Ich gehe nicht davon aus, dass das mit den Schüssen der Passagiere stimmt. Es gab einen live-Stream, auch der Al-Jazeera-Korrespondent in Jerusalem sagt, es gab keine Waffen – überall auf diesem Schiff war Presse.
    Israel versucht, sich rauszulügen.

  5. Ist schon klar, aber selbst wenn das mit den Äxten stimmt… Die Frage, die mich derzeit beschäftigt: Wie könnte man in einer zukünftigen Aktion dafür sorgen, daß im Falle eines solchen Angriffs Klarheit besteht, ob nun die Messerattacken stattfanden oder nicht. Wie kann man absolute Transparenz herstellen und so Propaganda verhindern?

  6. Bei der Tagesschau heißt es nun, man könne auf Bildern sehen, daß die Passagiere tatsächlich die Soldaten angegriffen hätten:

    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video714028.html

    Schüsse von Seiten der Passagiere werden nicht bestätigt. Ich würde die Bilder gerne sehen, falls das echt so ist, haben die Passagiere der Sache wohl enorm geschadet, läßt an friedlichen Intentionen zweifeln (daß die IDF nicht friedlich sind stand ja von Anfang an fest, aber so können sie Gründe angeben für ihre Schüsse und das Tränengas).

  7. Na ja, aber so ganz wird da noch kein Schuh draus: ein Schiff fährt in internationalen Gewässern (unstrittig, kam auch von israelischer Seite). Es wird von Bewaffneten geentert – die Passagiere greifen sich, was rumliegt, und wehren diese ab, daraufhin schießen die Piraten.
    Wer ist da schuld?

  8. Mir geht es nicht darum, wer Schuld hat. Mir geht es darum, ob es sinnvoll ist, sich erst als Friedensaktivist zu bezeichnen und dann zu Gewalt zu greifen. Vielleicht ist mein Ansatz auch zu christlich: Rechte Backe – Linke Backe. Aber ich finde, nur so ist man als Friedesnaktivist wirklich überzeugend, wenn man die Courage hat, sich angreifen zu lassen, ohne zurückzuschlagen.

  9. Oh ja, ich habe eines dieser Bilder gesehen.
    Wann und wo aufgenommen? nicht zu klären, aber eines ist gewiss: Das Foto entstand am hellichten Tag mit vielen Fotografen im Hintergrund.

    Wie wäre es mit einem Video von der Party der Israelis zu Ehren des Angriffs auf die Flotte?
    http://www.liveleak.com/view?i=6a3_1275348204
    So feiert man abgeschlachtete Friedensaktivisten.

  10. Und das beweist jetzt was? Daß es dort Arschlöcher gibt? Wo nicht? Das Video hilft doch nur, Emotionen hochzukochen, sonst nichts. Was hat man davon, wenn man sich aufregt? Man wird im Zweifel von Hass und Wut mitgerissen, was dann zu antisemitischen Sprüchen führt, wie man sie dieser Tage auf Facebook lesen kann, und die Spirale geht weiter.
    Wer die Gewalt durchbrechen will, muß aufpassen, auf dieser Emotionswelle nicht mitzuschwimmen, sondern die Gewaltspirale zu durchbrechen. Das geht aber nur, indem man selbst Gewalt erleidet ohne Gegengewalt zu üben (das bezieht sich hierzuland vor allem auf Gewalt in der Sprache, zum Teil auch Anschläge wie vor einer Weile auf die Synagoge in Worms, trägt alles nur zur Gewaltspirale bei, ist keine Hilfe, auch wenn man sich mal kurz Luft verschafft hat).

  11. Sehr undifferenziert.
    Das letzte was ich täte wäre zu Facebook zu gehen.
    Von dort erwarte ich nichts was allein schon an der AGB liegt, die viele nicht verstehen.
    Es ist schon ein Unterschied ob ein Diktator mit maximal 20% Volk, die zu seinen Stiefelleckern gehören sich nicht darum schert wie es den 80% Volk geht, oder ob ein Volk feiert das die Menschen die sie täglich abschlachten, bestehlen und einsperren weiter ohne Nahrung, Medizin und Baumaterial leben muss.
    Man kann die Gewalt nicht durchbrechen wenn man ständig versucht jede Kritik von den Israelis fernzuhalten und mit dem Finger auf die Araber/Palästinenser/Hamas zeigt.

    Und wem hat unsere Kanzlerin schwer bewaffnete Atom-U-Boote geschenkt? Den Israelis, die an den Palästinensern einen Genozoid verüben oder den Palästinensern?

    Die einzigen die tatsächlich daran interessiert sind die Gewalt zu durchbrechen sind diejenigen die das Unrecht im sogenannten Nahost-Konflikt öffentlich machen, statt es unter den Teppich zu kehren, zu verharmlosen oder einseitig zu bewerten.

  12. Halte ich denn Kritik von Israel fern? Wäre mir nicht bewußt. Was ich aber nicht mache, ist eine unkritisch proisraelische Haltung einzunehmen.
    Ich denke sowieso, so lange man das Ganze vom Nationalistischen Standpunkt aus (also entweder Israel oder Palästina unterstützt) sieht, kommt man nicht weiter, sondern macht einfach nur auf einer bestimmten Seite im Konflikt mit.
    Mein Ziel ist es, beide Seiten zu kritisieren, wo dies geboten ist. Ich bin für das Volk, das Frieden will und nicht für die Führungen, die den Krieg gewinnen wollen. Wer gewinnen will ist gegen den Frieden.

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