Glaube

Entkehrung

Da lese ich mich so durch die Blogs, die ich abonniert habe, und bleibe beim „Der Sieger Blog“ hängen. Da geht es um „Entkehrung“. „Entkehrung“ meint hier das Gegenteil von Bekehrung, also sozusagen der Abfall vom Glauben. Dazu hat er auch ein Interview verlinkt, das wie ich meine unbedingt lesenswert ist.

Darin berichtet Tobias Faix von seinen Untersuchungen auf dem Gebiet der Entkehrungen, zu dem er auch ein Buch geschrieben hat (näheres dazu im Interview). Faix benennt bestimmte Gemeindestrukturen als möglichen Grund für Entkehrungen:

Wir haben festgestellt, dass es in Gemeinden Strukturen gibt, die Dekonversionen fördern.

Weiter führt er aus:

Man muss gemeinsam überlegen und darüber reden: Wie verstehen wir einzelne Aussagen der Bibel? Warum verstehe ich sie so? Was ist unverständlich? Es ist wichtig, dass es dafür Kommunikationsräume gibt. Wir sollten die Angst davor ablegen, dass der ganze Glaube einer Person zusammenfällt, wenn sie einen bestimmten Aspekt nicht glaubt. So etwas macht es schwierig, auch Zweifel zuzulassen und auszusprechen.

Beim „Sieger Blog“ schwebt dem Autor Viktor eine bestimmte Lösungsrichtung vor: Die Alten in den Gemeinden sollen sich nicht über die Formen beschweren, die den Jungen eher zusagen:

ich habe auch beobachtet wie die jungen Leute, wenn sie heranwachsen, die Gemeinde verlassen und vollkommen andere Wege einschlagen. Die ältere Geschwister sagen dann: “Wir beten dafür, dass Gott sie zurück holt.” Aber sie tun meistens nichts dafür. Im Gegenteil, sie meckern wenn die Musik im Gottesdienst zu laut ist oder das Programm nicht stimmt… Die Liste könnte man fortsetzen.

Außerdem spricht er davon, daß Mentoren benötigt werden

die sie ermutigen, mutig ihren Glauben im Alltag auszuleben und sich mehr mit dem Wort Gottes zu beschäftigen […] und ihnen nicht ihre Ideologie, Theologie oder ähnliche …logien aufzwingen.

Ich denke nicht, daß ein Programm in einer Gemeinde dazu führen, kann, den Glauben ganz aufzugeben. Man ärgert sich vielleicht über den Gottesdienst, über die Form, die einem nicht entspricht, aber das ist ein Konflikt mit Menschen, nicht mit Gott. Daher kann er meiner Meinung nach vielleicht zur Trennung von Menschen führen, man geht vielleicht in eine andere Gemeinde, die einem mehr entspricht, aber deshalb trennt man sich nicht von Gott. Und ein Gemeindewechsel ist keine Entkehrung, es sei denn, man hängt dem Glauben an, daß nur die eigene Gemeinde die Wahrheit erkannt hat.

Das ist übrigens auch ein interessanter Punkt bei dem Interview: Es wird nie gesagt, was genau mit Entkehrung gemeint ist. Was ist mit den Entkehrten? Sind sie jetzt Atheisten? Sind sie Agnostiker? Suchen sie eine neue Gemeinde?

Irgendwie bekomme ich vom Interview und noch mehr bei Viktor den Eindruck, daß es hier nicht um Menschen gibt, die zu einem eigenen festen Glauben an Gott gekommen sind, sondern um Menschen, die vielleicht Gott suchten, in eine Gemeinde kamen, die vielleicht ein oder zwei interessante Dinge über diesen Gott zu sagen hatte, aber deren Gott dann am Ende doch enttäuscht hat. Es ist immer gefährlich, solche Behauptungen aufzustellen, letztlich weiß ich es nicht und kein Mensch kann in eines anderen Menschen Herz sehen. Trotzdem möchte ich auf diese Möglichkeit hinweisen, denn es scheint mir viel dafür zu sprechen.

Wie gesagt wundert es mich, dass vor allem äußerliche Gründe genannt werden: Bei Viktor die Formen des Gottesdienstes und bei Faix, schon etwas tiefer gehend, die Akzeptanz eigener, abweichender Glaubensüberzeugungen. Aber auch bei Faix frage ich mich: Was, wenn eine Gemeinde mit den abweichenden Meinungen ein Problem hat und Druck ausübt. Gibt man deshalb den Glauben auf, oder ist es nicht auch eine Möglichkeit, eine Gemeinde zu suchen, die dem eigenen Glauben eher entspricht? Ist es nicht so, daß nur wenn man die Frömmigkeit der Gemeinde für die einzig gültige hält ein Bruch mit der Gemeinde auch ein Bruch mit Gott bedeutet? Ansonsten verläßt man die Gemeinde und bleibt Gott treu.

Und das wäre, falls ich richtig liege, auch ein Kritikpunkt in solchen Gemeinden: Da wird vielleicht nicht nur Gott verkündet, sondern die eigene Kultur, der eigene Zeitgeist. Und da hat Viktor dann auch Recht, wenn er nach Mentoren verlangt, die nicht die eigenen Ideologien verbreiten.

In den letzten Tagen kam ich über einen Artikel bei Lana Hope zu nem Artikel bei Laura Parker, in dem es um Mission und Kinder geht. Beide schreiben auf Englisch, also sind die Artikel womöglich nicht für alle lesbar. Es geht grob darum, wie Missionare in Südostasien (wo beide als Missionarinnen arbeiteten bzw. arbeiten) Essen und Schulunterricht als Gegenleistung für Predigthören etc anbieten. Vor allem die Kommentare bei Laura, wo ich ein wenig mitdiskutiert habe, brachten mir ein wenig mehr Einsicht.

Es war da zum Beispiel die Rede von Jugendprogrammen (diesmal in Amerika), die kurzfristige Erfolge brachten, aber auf lange Sicht kaum jemanden zum Glauben bringen konnten. Vor längerem, ich glaube auch bei Lana, laß ich von Gemeinden, wieder in Südostasien, die sprühten vor Aktivität, jede Menge neuer Gläubiger und alles, bis die Missionare gingen. Dann waren die Kirchen verlassen und die Gemeinden hörten auf, zu existieren.

Während der Diskussion bei Laura ging es mir erst darum zu sagen, daß man das Evangelium nicht verkaufen kann, also Brot für Evangelium hören wird kaum Gläubige machen. Dann kam auf einmal die Frage auf, ab wann man den Kindern denn von Jesus erzählen kann, die nach Brot fragen. Und in mir wuchs die Sicherheit, daß das der falsche Ansatz ist. Die Kinder werden von Jesus erfahren. Man kann ihnen auf Fragen antworten, aber eben keine vorgefertigten Vorlesungen zu Kreuz und Auferstehung, sondern eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Und in der Zwischenzeit, bis alle Fragen gestellt sind, hält man sich an das Liebesgebot: Die Hungrigen ernähren, die Nackten kleiden, solche Dinge.

Ansonsten wird man wahrscheinlich eher Konformität erzeugen, als echten, tiefgehenden Glauben. Die Menschen, egal ob Kinder in Südostasien oder Erwachsene hier, werden vielleicht so lange nach den Regeln der Gruppe handeln, wie sie davon Vorteile für sich erhoffen. Aber eben nicht, weil sie es als Wahrheit erkannt haben. Und sobald die Vorteile weg sind, werden sie auch aufhören mit der Konformität.

Konformität ist aber kein Glaube, sie ist oberflächlich, sieht wie Glaube aus. Vielleicht spricht man dann von „Entkehrung“, wenn ein Mensch der Gemeinde den Rücken kehrt. Weil er in dem Fall tatsächlich auch Gott den Rücken kehrt, jedenfalls dem Gott, der in der Gemeinde vermittelt wurde: Der, der Konformität.

Das bedeutet auch nicht, daß die in der Gemeinde tätigen Geschwister keinen echten Glauben hätten oder nicht ganz bei der Sache wären. Sie sind vielleicht zu sehr bei der Sache und vergessen, daß sie keinen Glauben erzeugen können, denn Glaube ist eine Gnade Gottes, die nur Gott gibt.

Was sie aber tun können, was wir alle tun können in den Gemeinden, ist Liebe üben. Nicht, um damit irgendwelche Taufzahlen zu erreichen, sondern weil die Liebe der Wahrheit entspricht, die Gott uns offenbart hat. Das geht dann in Richtung der Mentoren, die Viktor fordert, und es geht in Richtung des mündigen Glaubens, den Faix anmahnt. Und es macht ernst mit der Erkenntnis, daß alles in Gottes Hand liegt und wir keinen Menschen zum Glauben bringen können, sondern nur das, was unser Herr uns aufgetragen hat: Zu lieben. Die Geschwister, den Nächsten und auch den Feind.

Glaube

Gedanken zur Sturmstillung bei Matthäus

Gedanken zu Matthäus 8, 18-27

Das Gespräch vom Ernst der Nachfolge (Matt 8, 18-22) und die Sturmstillung (Matt 8, 23) sind als kompositorische Einheit zu betrachten und auszulegen.

Denn die Geschichte von der Sturmstillung beginnt bereits in V. 18: Hier erteilt Jesus den Auftrag, ans andere Ufer zu fahren, er ist der Einleitungsteil zu V. 23. In den Versen da-zwischen werden Gespräche von Jesus mit zwei Personen geschildert.

Zunächst zur Einleitung, dem Gespräch mit den zwei Personen. Es vermittelt Wichtiges darüber, was „Jesus nachfolgen“ bedeutet. Der erste, mit dem Jesus spricht, ist ein Schriftgelehrter, der ankündigt, Jesus überall hin folgen zu wollen. Jesus verwehrt es ihm nicht, lässt ihn aber auch nicht über die Folgen im Unklaren: Das, was selbst Tiere haben, einen dauerhaften Rückzugsort, wo sie Kraft schöpfen können, ist ihm und denen, die ihm nachfolgen, verwehrt.

Dem Schriftgelehrten wird kein behütetes, sorgenfreies Leben in Aussicht gestellt. Deutlich wird gesagt: Folgst du Jesus, verlässt du sichere Rückzugsorte auf Erden.

Die zweite Person, die Jesus anspricht, ist bereits ein Jünger. Er will Jesus jetzt nachfolgen und dazu auch seine Familie verlassen. Matthäus scheint hier von zwei Arten von Jüngern auszugehen: Die einen waren die „klassischen“ Jünger, wie z. B. die 12: Menschen, die das Wanderleben Jesu teilten, ihm körperlich nachfolgten.

Doch daneben hat es offenbar schon andere gegeben, die sesshaft bei ihren Familien lebten, aber schon als Jünger bezeichnet wurden. So-wohl Schriftgelehrter als auch Jünger teilen zum Zeitpunkt des Gesprächs das Wanderleben Jesu noch nicht. Dennoch gilt der eine schon als Jünger. Entscheidend dafür, ob man als Jünger Jesu gilt, ist also nicht, ob man das Wanderleben Jesu teilt. Die Art, wie sie Jesus anreden, gibt einen Hinweis darauf, worauf es nach dieser Erzählung beim Jüngersein ankommt. Der Schriftgelehrte spricht Jesus mit „Lehrer“ bzw. „Meister“ an, der Jünger dagegen mit „Herr“. Diese Anrede werden später auch die Jünger im Boot nutzen. Nicht der Aufenthaltsort entscheidet darüber, ob jemand Jünger ist, sondern ob er bereit ist, Jesus als Herrn anzuerkennen.

Doch dann kam der Punkt, an dem der Jünger sein Leben verändern wollte. Alles, was wir über ihn noch erfahren ist, dass sein Vater vor kurzem verstarb. Möglich, dass es genau diese Veränderung war, die dazu führte, dass er in Bezug auf sein Jüngerdasein etwas verändern wollte. Eine einzige Einschränkung macht er noch: Er will zuvor seinen Vater begraben, ehe er sein Leben radikal verändert. Jesus aber sagt: Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber folge mir nach. Diesen Jünger fordert Jesus also auf, sofort mit ihm zu kommen, nachdem er selbst – mit Einschränkung – zugesagt hat, mit ihm zu ziehen.

Hier sieht man einen deutlichen Unterschied zum Schriftgelehrten: Der kannte vielleicht die Lehren von Jesus, und war auch bereit, ihn als Lehrer anzunehmen, wie die Anrede „Meister“ zeigt. Doch in Bezug auf das Leben, das ihn erwartet, ist er offenkundig noch ahnungslos. Deshalb verwehrt Jesus ihm zwar nicht, ihm zu folgen, macht ihm aber deutlich, was die Konsequenzen sind.

Bei dem Jünger sieht das anders aus. Ihm muss offenbar nicht mehr gesagt werden, was ihn in der Zukunft an der Seite Jesu erwartet. Doch noch lässt er sich von seiner Ver-gangenheit bestimmen, statt voll und ganz auf Jesus zu setzen. Erst die Vergangenheit regeln – dann Jesus folgen. Doch Jesus sagt: Lass die Vergangenheit hinter dir. Folge mir nach.

Der Jünger wird sich bei seiner Familie nicht mehr sehen lassen können, wenn er seinen Vater unbestattet zurücklässt. Doch Jesus folgen kann eben auch heißen, Vertrautes endgültig hinter sich zu lassen. Der Jünger bekommt hier eine erste Ahnung davon, was es heißt, wenn Jesus sagt: „Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann“.

Nach der Aufforderung „Folge du mir, und lass die Toten ihre Toten begraben“ ist die Ein-leitung zur Sturmstillung beendet, der Hauptteil, die Sturmstillung beginnt.

Sie wird eingeleitet mit den Worten: „Und Jesus stieg in das Boot und seine Jünger folgten ihm“. Es wird hier also direkt an V. 18 angeknüpft. Das Gespräch zwischen Jesus, Schriftgelehrtem und Jünger umfasst auf Textebene nur einen kurzen Moment zwischen dem Befehl Jesu, ans andere Ufer zu fahren und dem Beginn der Umsetzung des Planes. Nichts spricht dafür, dass sich die Szenerie zwischen V. 18 und 23 verändert hat. Man kann also davon ausgehen, dass die beteiligten Personen noch die gleichen sind wie zuvor. Das bedeutet: Auch der Jünger, dem Jesus aufgetragen hat, ihm nachzufolgen, ist noch dort. Ich werde ihn im weiteren Text Unbekannter Petrus nennen.

Es wird mit keiner Silbe gesagt, dass der Unbekannte Petrus der Aufforderung Jesu nicht gefolgt wäre. Wenn sich an anderen Stellen Menschen von Jesus abwenden, wird dies auch festgehalten. Das alles spricht dafür, dass auch der Unbekannte Petrus ins Boot gestiegen ist. Er hat seinen Vater tatsächlich zurückgelassen und ist damit der Aufforderung Jesu nachgekommen. Die Sicherheit seiner Familie hat er verlassen und ist genau das Risiko eingegangen, das in V. 20 beschrieben wird: Er wird nun das Los Jesu teilen, anders als Fuchs und Vogel keinen festen Rückzugsort zu haben. So eine Entscheidung trifft man nicht ohne sehr großes Vertrauen in Jesus. Er ist uns hier ein Beispiel für großes Vertrauen in Jesus und große Leidenschaft für Jesus. Hierin gleicht er Petrus, der auch alles hinter sich ließ und Jesus leidenschaftlich folgte.

Mitten auf dem See kommt es zum Sturm, das Boot läuft voll Wasser – und Jesus liegt im Boot und schläft. Er, der kurz vorher noch sagte, er hat keinen Ort, wo er sein Haupt niederlegen kann, hat sein Haupt niedergelegt. Doch der vorige Vergleich mit Vögeln und Füchsen zeigte ja schon: Es ging bei den Worten nicht darum, dass er nie zur Ruhe kommt, sondern darum, dass er auf Erden keinen Platz hat, an den er dauerhaft zurückkehrt.

Die Jünger erfasst bei dem Sturm Angst. Obgleich einige erfahrene Fischer unter ihnen sind, bekommen sie das Boot nicht unter Kontrolle. Sie wecken Jesus und rufen: Herr, hilf uns, wir gehen unter! Alle haben Angst –  alle werden von Jesus anschließend als „Kleingläubige“ bezeichnet. Einschließlich Unbekannter Petrus. Auch er, der doch kurz zuvor noch als so ein leidenschaftlicher Jünger gezeichnet wird, sich durch so großen Glauben ausgezeichnet hat, wird „Kleingläubiger“ genannt. An ihm, dem Unbekannten Petrus, dem Namenlosen, wird gezeigt, dass das Leben eines Jüngers immer zwischen diesen beiden Polen stattfindet – leidenschaftliche Risikobereitschaft einerseits, furchtvolles Verzagen andererseits. Später wird dieselbe Spannung ebenso deutlich an Petrus gezeigt werden. Doch zuerst wird sie an diesem namenlosen Jünger gezeigt, den ich deshalb Unbekannter Petrus nenne.

Die Jünger bitten Jesus um Hilfe, als sie das Boot nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Der Unbekannte Petrus erfährt, kaum dass er mit dem Nachfolgen Ernst gemacht hat, was es bedeutet, bisherige Schutzräume zu verlassen. Es wird deutlich gemacht, dass Nachfolgen eben auch bedeuten kann, bisherige Schutzräume zu verlassen und dann unversehens in heftige Stürme zu geraten. In der Situation der Jünger auf dem Schiff wird erzählerisch ausgemalt, was vorher angekündigt wurde: Wer Jesus nachfolgt, ist nicht davor gefeit, in Stürme zu geraten. Einen Rückzugsort wie Fuchs und Vogel hat er nicht. Sein Rückzugsort ist Christus selbst, an den er sich wendet.

Die Antwort Jesu ist merkwürdig. Sie wecken ihn, zeigen doch gerade, dass sie ihm zutrauen, ihnen zu helfen – und er nennt sie kleingläubig. Vielleicht wird das etwas klarer, wenn man den Beginn des Kapitels liest. Geschildert wird die Heilung des Knechtes eines Hauptmannes. Der Hauptmann kommt zu Jesus, um ihn um Heilung für seinen Knecht zu bitten. Jesus will daraufhin das Haus des Hauptmannes aufsuchen, doch dieser glaubt fest daran, dass Jesus nicht selbst anwesend sein muss, sondern seinen Knecht durch ein Wort aus der Ferne heilen kann. Jesus ist beeindruckt vom Glauben dieses Mannes und heilt seinen Knecht.

Matthäus stellt hier zwei Situationen nebeneinander, in denen Jesus nach menschlichem Ermessen nichts für die Menschen tun kann – für den Knecht nicht, weil er noch nicht da ist, für die Jünger nicht, weil er ja schläft. Bei dem Hauptmann begegnet uns Vertrauen, das so grenzenlos ist, dass davon ausgegangen wird: Ein Wort Jesu genügt, selbst wenn er nicht vor Ort bei dem Kranken ist. Ganz anders im Boot: Wenn Jesus nicht wach, d. h. nicht ganz da ist, ist er machtlos und muss erst geweckt werden. Das könnte erklären, warum die Jünger hier als kleingläubig bezeichnet werden, obwohl sie ihm doch offenbar zutrauen, ihnen zu helfen.

Für den Unbekannten Petrus geht die Achterbahnfahrt in der Nachfolge weiter: Voller Leidenschaft ist er in die Nachfolge aufgebrochen, erfüllt von Vertrauen in Jesus, das ihm ermöglicht, alles hinter sich zu lassen. Doch auch dieser Jünger muss die Erfahrung machen, dass es im Glauben auf und ab geht, dass auf Zeiten größten Vertrauens auch Zeiten des Kleinglaubens folgen können.

Er macht jedoch auch die Erfahrung der Ansprache. Er spricht gemeinsam mit den anderen Jüngern Jesus an – und lässt sich von ihm ansprechen. Ganz ohne jedes Schön-reden stellt Jesus – auch wenn es eine Frage ist – den „Kleinglauben“ der Jünger fest. Das ist vermutlich keine schöne Erfahrung. Doch auf die Ansprache Jesu folgt der Beistand Jesu. Kommt es im Glaubensleben zu Zeiten der Angst, des Kleinglaubens, kann es uns wie dem Jünger gehen: Uns wird unser Kleinglaube auf den Kopf zugesagt – und der Beistand Jesu folgt auf dem Fuße. Eine ermutigende Aussicht, wie ich finde.

glaube

Gedanken aus der Stille IV

Dieser Text bezieht sich auf Gen 18, 1-15

Bis zur Szene in Mamre ist ein langer Anlauf nötig. Am Ende des Anlaufs stellt sich die Szene in Mamre dann so dar: Abraham ist im Hain des Amoriters Mamre sesshaft geworden und mit ihm, Eschkol und Aner einen Bund eingegangen. Er ist schon so fest mit dem Hain Mamre verbunden, dass er als „Hebräer, der im Hain Mamres wohnt“ bezeichnet wird (Vgl. Gen 14, 13). Er verfügt schon über Wohlstand, wie aus Gen 14, 14 hervorgeht. Man darf wohl davon ausgehen, dass sich die Situation noch verbessert haben wird. Auch das Problem eines eigenen Erben ist gelöst – trotz Streitigkeiten zwischen Sara und Hagar wurde Abraham mit 86 Jahren Vater von Ismael. Doch in Gen 17, 15 ff dann die Ankündigung: Nicht Ismael soll der sein, mit dem Gott den Bund, den er mit Abraham schloss, fortführt. Sara, die schon in Kapitel 11 als unfruchtbar vorgestellt wird und von deren Unfruchtbarkeit jetzt schon aufgrund ihres Alters auszugehen ist, soll Mutter werden. Ismael soll es wohl ergehen, doch Bundespartner soll der leibliche Sohn Abrahams und Saras werden. Vor dieser Situation steht Abraham, als ihn in Gen 18 die drei Fremden begegnen.

Die Mittagszeit ist eine ungewöhnliche Zeit, um unterwegs zu sein. Damit auch ja nicht übersehen wird, wie ungewöhnlich das Auftauchen der Fremden ist, wird noch erwähnt, dass sie ausgerechnet zu der Zeit unterwegs sind, als es am heißesten ist. Abraham bietet den drei Fremden mehr als nur eine kurze Rast im Schatten an. Die Fußwaschung ist Zeichen dafür, dass er sie zu einem längeren Aufenthalt einlädt (vgl. Bedeutung der Fußwaschung). Die Vorbereitungen Abrahams für ein Essen überraschen daher nicht mehr. Dass es sich um drei Gäste handelt, mag seine Ursache in der Bedeutung der Zahl drei für Geschichten generell haben. Von dieser schon im Orient bekannten Zahlensym-bolik leben auch heutige Märchen, wenn z.B. nacheinander drei Söhne aufbrechen, um eine Aufgabe zu erfüllen und erst der dritte Erfolg hat. Führt man sich diese Bedeutung der Zahl drei vor Augen, ist klar, dass hier von Anfang an alles auf ein gutes Ende eingestellt wird: Abraham verhält sich freundlich und die Zahl der Gäste stimmt auch.

In das ruhige, geordnete Leben Abrahams und Saras treten also drei Männer – und mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei. Nicht nur, dass in aller Eile ein Gastmahl vorbereitet wird und Abraham – meiner Meinung nach – ziemlich hektisch hin und her eilt. Kaum ist er äußerlich zur Ruhe gekommen und sitzt wieder bei seinen Gästen, werfen diese seine Zu-kunftspläne durcheinander und einer wiederholt bereits Verkündetes: Sara wird binnen einen Jahres einen Sohn gebären. Die Worte sind an Abraham gerichtet, doch Sara hört sie im Zelt – und denkt sich ihren Teil. Sie, die alte Frau, die schon in jüngeren jahren unfruchtbar war, soll mit ihrem noch älteren Mann einen Sohn zeugen und gebären? Nein, das geht nicht, das sprengt ihre Vorstellungskraft. Sie lacht – doch ich habe Zweifel daran, dass es sich um ein fröhliches Lachen handelt.

Für sie muss diese Aussage wie blanker Hohn klingen, der wieder einmal Salz in die Wunde streut, dass sie kein Kind hat. Und doch stellt sie die Frage: „Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich alt bin?“ Aus der griechischen Übersetzung geht hervor, dass es sich dabei um ein Selbstgespräch handelt, vielleicht eine an Gott gerichtete Frage. Gott wiederum antwortet über Umwege – er leitet Saras Frage an Abraham weiter (Gen 18, 13) – und fragt ihn gleich noch, warum Sara gelacht habe. Kein Wunder, dass Sara erschrickt und abstreitet, gelacht zu haben. Dabei befindet sie sich mit Fragen und Lachen in der Gesellschaft Abrahams wieder. Auch er hat über Gottes Ankündigung gelacht und gefragt, wie das denn möglich sein soll (Gen 17, 17). Wenn also jemand für Saras Lachen und Fragen vollstes Verständnis haben müsste, dann doch Abraham. Doch ihr Schreck rührte wohl eher von der Frage her, die Gott stellt: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? In diesem Moment wird deutlich: Sara hat hier nicht Gott ein Frage gestellt. Gott Fragen stellen ist kein Problem, von Fragen an Gott berichtet die Abrahamsgeschichte mehrfach. Doch Sara hat hier – wie schon zuvor übrigens Abraham – die Macht Gottes, sein Wort und damit ihn selbst in Frage gestellt. Genau das wird ihr vermutlich bewusst, als sie die Frage hört: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Da vergeht ihr das Lachen so gründlich, dass sie leugnet, überhaupt gelacht zu haben. Eine größere Distanzierung zur Tat, als zu leugnen, sie begangen zu haben, ist kaum denkbar. Nur noch die Bitte um Vergebung könnte eine größere Distanzierung von der Tat sein. Doch die Bitte um Vergebung bleibt aus. Die Tat bleibt im Raum stehen: Es ist nicht so, du hast gelacht. Doch trotz der Schuld hält Gott an dem Gesagten fest.

Die Fremden, Gott selbst, haben wieder Bewegung in das Leben von Sara und Abraham gebracht. Abraham begleitet die Männer am nächsten Tag – mit seiner Sesshaftigkeit ist es erstmal  vorbei. Ihm und Sara ist ein gemeinsamer Sohn verheißen. Wo Gott spricht, geraten Dinge in Bewegung, die festgefügt scheinen. Alle sachlich durchaus begründeten Zweifel ändern nichts an der Dynamik des Wortes Gottes.

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Faith or Doubt

Wer kennt diese lustigen, aber nicht so gemeinten, kleinen Comics von Jack Chick? Für alle, die es noch nicht kennen: Es handelt sich um Traktate in Comic Form, inzwischen auch in vielen Sprachen zu haben sind (schon aufm Kölner Kirchentag wurden deutsche Comics verteilt). Dabei bekommt so ziemlich jeder etwas ab, der nicht genau die Ansichten von eben jenem Jack Chick teilt: Protestanten, Katholiken, Freikirchler, Zeugen Jehovas, Mormonen, Muslime, Juden, Hindus etc. Ich denke es ist ziemlich schwer, ihm Einseitigkeit vorzuwerfen (interessant wäre ein Comic über die Westboro Baptist Church, aber die ist dann wohl doch zu klein).

Und wie es halt so ist bei solchen Traktaten, läuft es mehr oder weniger danach ab, daß man eben das Richtige tun muß, wenn man nicht ewig in der Hölle brennen will: Sünden bekennen und sein Leben Jesus übergeben. Tut er das nicht (so wie die Antagonisten der Comics), kommt es unweigerlich dazu, daß man vor Gottes Richterstuhl steht und dann geschockt erfahren muß, daß man von nun an und in Ewigkeit sein Dasein in der Hölle zubringen wird. Werkgerechtigkeit? Auf jeden Fall! Aber nicht, ohne genau das den Katholiken auch noch als Grund vorzuhalten, warum sie in die Hölle kommen.

Soviel zu den Chick Comics. Als ich nun nach längerer Zeit mal wieder auf die Homepage gesehen hab – ich gebs zu, ich nutz die Comics als das was sie sind: Comics, und lach drüber – war da ein Video, und darum soll es hier gehen:

http://www.youtube.com/watch?v=gbhj59j04G4&feature=player_embedded

Faith

Faith or Doubt ist das Motto, unter dem die ganze Sache steht. Faith steht für die King James Bible, eine alte englische Bibelübersetzung, die wie auch Lutherbibeln bis einschließlich der 1912er Revision auf dem Textus Receptus basiert.

Textus Receptus

Der Textus Receptus ist der Bibeltext der Tradition. Vereinfacht gesagt ist es so, daß der Bibeltext immer und immer wieder abgeschieben wurde, und dabei eben auch – Evangelikale werden das nicht gerne hören – Veränderungen vorgenommen wurden. Wenn ein Abschreiber zum Beispiel einen Schreibfehler entdeckt hat, hat er ihn vielleicht ausgebessert. Oder auch wenn es Grammatikfehler gab, manchmal wurde auch der Stil verbessert.

Manchmal waren die Abschreiber aber auch müde, haben Buchstaben verwechselt, Wörter und Zeilen doppelt geschrieben oder übersprungen. Das konnte dann von den nächsten Abschreibern wieder asgebessert werden, so daß es halt wieder einen Sinn ergibt.

Unnötig zu sagen, daß es dabei über die Jahrhunderte natürlich immer mehr Abweichngen entstanden, ach unter den einzelnen Handschriften. Dabei hat sich eine Tradition als ziemlich stark und weit verbreitet herausgestellt. Und diese Texttradition diente Erasms von Rotterdam als Grundlage für seine griechische Bibelausgabe 1516. Ab 1633 wurde diese Ausgabe als Textus Receptus bezeichnet. Wer keine Theologie studiert und es genauer wissen will, kann einiges schon bei Wikipedia lesen, wer sich darüber hinaus Bücher ansehen will, kann sich zum Beispiel die Einführung im NT Graece durchlesen, oder gleich Alands Der Text des Neuen Testaments. Und dann gibt es noch das Arbeitsbuch zum Neuen Testament von Conzelmann/Lindemann, da kriegt man dann auch gleich noch die anderen Schritte der historischen Kritik beigebracht.

Doubt

Doubt steht für all jene Bibelübersetzungen, die sich nicht am Textus Receptus orientieren, sondern per Textkritik möglichst nah an den ursprünglichen Text zu gelangen versuchen und diesen dann als Grundlage für die Übersetzng nehmen, und nicht den Textus Receptus.

Folglich steht auch keine Übersetzung zu 100% fest, es könnten ja immer neue Handschriften auftauchen, die zu ner neuen Textbasis führen. Das ist eigentlich kein Problem, wenn man die Bibel als (durchaus inspiriertes) Buch versteht. Ist die Bibel ein Buch, dann ist es erst einmal auch kein Problem, wenn verschiedene Übersetzungen gemacht werden für verschiedene Zielgruppen.

Ich studiere Theologie, und weil wir da nicht nr stur Dogmen auswendig lernen (eigentlich gar keine, es sei denn man faßt Griechisch-Stammformen als Dogmen auf, und so gesehen bin ich kein Dogmatiker ;)), les ich viele Dinge mit, wenn ich nen Bibeltext lese, die meine Oma nicht mitliest. Ganz einfach weil ich vielleicht schon etwas mehr über die sozialen Hintergründe zur Entstehungszeit der Texte gehört hab.

Dann ist die Frage, wie nah bleibt die Übersetzung am Text. Wenn sie wirklich ganz nahe am Text bleibt, dann wird es für deutsche (und englische und andere auch) Leser schnell unschön zu lesen. Das Griechische benutzt einfach viel mehr Partizipen, zum Beispiel. Dazu gibt es grammatikalische Strukturen, die kann man nicht 1:1 übersetzen. Insofern steht man immer (!) zwischen den Stühlen. Will man einen Bibeltext, der möglichst nah an den Ursprachen ist, oder will man, daß die Übersetzung auch verstanden wird?

Aus all diesen Gründen (und noch vielen weiteren) gibt es heute so viele verschiedene Bibelübersetzungen: Von der Volxbibel über die Einheitsübersetzung bis zur original Lutherbibel.

Wie gesagt: All das ist kein Problem, wenn man die Bibel als Buch versteht, wenn auch als inspiriertes Buch. Aber wie soll man sie denn sonst verstehen?

Der papierne Papst

Völlig anders sieht es aus, wenn man von der Bibel erwartet, einem alle Antworten zu liefern. Wenn sie zum Handbuch und Orakel für ein gottgefälliges Leben gemacht wird (am besten noch per Bibelstechen).

So verlangt man etwas von der Bibel, das sie nicht leisten kann oder sollte. Denn mal ehrlich: Wenn die Bibel alle Antworten liefert tritt sie dann nicht als Mittler zwischen uns und Gott, als Verkündigerin des göttlichen Willens, vielleicht gar noch als einzige? Wo bleibt Gott, wenn die Bibel seinen Platz zugewiesen bekommt? Und inwieweit sind allein as der Bibel abgeleitete Regeln die Regeln, die man selbst in die Bibel reingelesen hat? Gerade heute hab ich irgendwo gelesen:

Jesus sprach nie über Homosexualität. Es gibt 12 (?) Verse in der Bibel, die sich irgendwie mit dem Thema befassen, aber stark vom Kontext abhängen, und es gibt riesige Kontroversen darüber. Es gibt aber tausende Stellen zur Armut in der Bibel, und die nimmt keiner in den Fokus.

Ich denke, daß wer von der Bibel 100% richtige Antworten erwartet, damit er seinen gottgegebenen Verstand ausschalten und im Atopilot funktionieren kann, der macht etwas falsch. Er verweigert die Verantwortung, die ihm übertragen ist (ja, von Gott) nd versucht Gott loszuwerden, indem er immer genau macht, was gefordert ist. Ein ähnliches Verhalten kenn ich von der Bundeswehr:

Nicht auffallen!

Wer beim Bund immer gleich gemacht hat, was erwartet wurde, mußte sich nicht mehr als unbedingt nötig mit den Vorgesetzen aseinandersetzen, mußte nicht diskutieren und riskierte nichts. Beim Bund war dieses Verhalten erwünscht, aus mehreren Gründen (die ich zum Teil nachvollziehen kann). Aber sieht so die lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer und Erlöser aus? Das wäre furchtbar!

Falsche Alternativen

Überhaupt sind es falsche Alternativen, die hier aufgemacht werden: Auf der einen Seite der Glaube, der fest steht und nicht wackelt, auf der anderen Seite der Zweifel und die Gefahr, etwas falsch zu verstehen und in der Konseqenz dann in die Hölle zu kommen. Denn letztendlich geht es ja genau darum, daß die Macher der Seite einen Weg suchen, die Hölle sicher zu vermeiden. Sonst würde der Glaube reichen, und man brächte nicht noch die richtige Bibel etc, aber ich sagte ja schon: Werkgerechtigkeit.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Glaube und Zweifel zusammen gehören. Und Zweifel, oder altdeutsch: Anfechtung, ist auch nichts per se schlimmes. Der Glaube kann daran wachsen und für mich stellt es sich so dar, daß der Kern des Glaubens sich immer klarer darstellt.

Doch wenn Glaube und Zweifel auf einer Seite sind, was ist dann auf der anderen Seite? Ich meine es ist die Sicherheit, das Wissen. Wissen und Sicherheit sind das Gegenteil von glaubendem Zweifel und zweifelndem Glauben.

Sicherheit, daß man immer das richtige tut und Gott nicht ärgert. So wird das Wissen um das Richtige überlebensnotwendig. Wer nicht weiß, was Gott will, landet womöglich in der Hölle, weil er ohne dieses Wissen nicht tun kann, was Gott von ihm verlangt. Unter Umständen tut er genau das Falsche.

In seiner Angst klammert er sich an einen Text, den er für die göttliche Anleitung für alle Lebenslagen hält. So kann er Gott in die Tasche stecken und sich beruhigen. Denn er weiß, was in der Bibel steht und so weiß er auch, was Gott will. Man stelle sich das vor: Das ist wie wenn ein Soldat den Reibert mit dem Stuffz vertauscht, wenn wir schon beim Thema Bundeswehr waren.

Wer sich statt Gott auf die Bibel verlassen will, macht einerseits irgendwo einen Gegenstand zu seinem Gott, ob bewußt oder unbewußt. Und damit, weil er den Gegenstand ja kennt und beherrscht, er kennt ja seine Bibel, macht er sich selbst zm Gott.

Auf der anderen Seite ist da diese Angst, die aus alledem spricht: Angst vor der Hölle. Angst, daß Glaube allein nicht reicht, daß es ein echter, ein richtiger Glaube ist, ein perfekter Glaube. Daß man immer tut, was Gott will, um ja nicht mit der Hölle bestraft zu werden.

Als ob Christus nie am Kreuz gehangen hätte: Die Angst, ein Sünder zu sein. Die Angst, Gott etwas schuldig zu sein, auf Seine Gnade angewiesen zu sein.

Paradox

Es ist schon paradox: Gleichzeitig Selbstvergöttlichung und Angst vor der Strafe des wirklichen Gottes. Es ist aber auch menschlich, und ganz normal. Der Mensch ist ein Sünder und als solcher will er eben gena das nicht wahrhaben. Er will auf eigenen Beinen stehen, nur sich selbst verantwortlich sein und niemandem etwas schuldig bleiben, schon gar nicht einem starken Konkurrenten um den Gottestitel. Bleibt man dem wahren Gott etwas schuldig ist ja damit geklärt, wer wirklich Gott ist.

Darin liegt die Angst: Entgöttlichung des selbstvergöttlichten Menschen bedeutet eben auch Kontrollverlust des Menschen über die Situation, sein Leben. Er muß sich eingestehen, daß er nicht selbst für sein Wohl sorgen kann. Nicht in letzter Instanz. Das verunsichert, es macht Angst. Ohne Vertrauen in Gott ist es nicht auszuhalten. Vertrauen ist aber nicht Sicherheit. Vertrauen ist Glaube.