Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Letzten

Dies ist der letzte Teil der Reihe „Schwule Pfarrer“ (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil, 4. Teil).

Alles wesentliche ist bereits gesagt, hier soll es sich um eine Zusammenfassung der Ergebnisse handeln. Dazu noch ein kleiner Ausblick, was all das nun eigentlich bedeutet.

Der Artikel, der zu dieser Reihe geführt hat, „argumentierte“ grob so, daß Pfarrer besondere Verantwortung haben, daß Gott sexuelle Sünden besonders hasse, daß (praktizierte) Homosexualität eine solche Sünde ist und daß deshalb (praktizierende) Homosexuelle niemals Pfarrer werden dürften, weil sie der Verantwortung nicht gerecht werden würden und so das Evangelium verfälschten.

Die Verantwortung der Pfarrer

Im zweiten Artikel der Reihe sahen wir, daß Pfarrr tatsächlich eine besondere Verantwortung haben in der Ausübung ihres Amtes. Ihre Verantwortung liegt darin, daß sie Gottes Willen nicht verfälschen dürfen. Also keine billige Gnade, um mit Bonhoeffers Worten zu sprechen. Damit ist gemeint, daß sie nicht sagen dürfen, daß es kein Problem sei, wenn jemand etwas Schlechtes tut. Etwas Schechtes muß etwas Schechtes bleiben. Der Täter ist von Gott angenommen, nicht die Tat, und dadurch hat der Täter auch die moralische Verpflichtung sich anzustrengen, die Tat nicht zu wiederholen. Er muß ein Einsehen in die Schlechtheit der Tat haben.

Würde ein Pfarrer Schlechtes tun, also etwas, das Gottes Willen widerspricht, und würde er daran festhalten, daß dies nicht schlecht wäre, dann wäre er ein schlechtes Vorbild und würde seiner Verantwortung nicht gerecht.

Das bedeutet aber nicht, daß man von einem Pfarrer erwarten soll, daß dieser nie etwas Falsches täte. Dann müßten die Kanzeln leer bleiben. Jeder Mensch macht Fehler, auch ein Pfarrer ist davor nicht gefeit. Wichtig ist hier, wie er mit seinen Fehlern umgeht, ob er sie so wie Wulff dann einräumt, wenn nix anderes mehr geht, oder ob er sie wie Käßmann eingesteht, Buße tut und die Konsequenzen zieht.

Nicht die Konsequenzen zu ziehen, bzw. den Fehler kleinzureden oder zu relativieren, das schadet dem Amt, und der Verkündigung des Evangeliums. Denn es begründet eine Doppelmoral, in der der Pfarrer für sich Dinge rausnimmt, die für andere nicht gelten.

Sexuelle Sünden

Im dritten Teil sahen ir, daß es so etwas wie sexuelle Sünden eigentlich gar nicht gibt. Jedenfalls spielen sie keine große Rolle. Was eine Rolle spielt, eine große Rolle sogar, ist der Götzendienst, also die Verehrung eines anderen Gottes, eines anderen Ideals, als Gott selbst. Solche Götzendienste werden dann häufig mit sexuellen Vokabeln umschrieben.

Das schlimme am Götzendienst ist immer, daß man damit nicht Gott folgt, sondern menschengemachten Größen, seien es Holzbilder, die mit Gold überzogen sind, oder Ideologien wie der Kommunismus. Der Mensch hängt sich dabei immer an seine eigene Macht, vertraut auf das Selbstgemachte, und nicht auf Gott.

Beispielsweise, wenn er, also der Mensch, dem Zeitgeist anhängt. Dann ist alles gut, was zu dieser Zeit bzw. in dieser Kultur als gut gilt. Die Kultur ist geprägt vom Menschen, der sich seine Gedanken dazu machte. So ist in den USA etwa die Todesstrafe gut, in Europa wird sie als schlecht angesehen. Gleiches könnte man mit zig Beispielen durchspielen. Was in einer Kultur gut ist, muß in einer anderen Kultur nicht auch gut sein. Der Zeitgeist, die Kultur, funktioniert nur schlecht als dauerhafter Maßstab. Und daß es schlecht ist, anderen nach unserer Kultur beibiegen zu wollen, was gut ist und was nicht, wissen wir spätestens, seit wir den Kolonialismus kritisch reflektiert haben.

Das darf man nun nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlecht, eine Kultur zu haben. Jeder Mensch hat eine Kultur und lebt in mindestens einer Kultur. Aber es ist kritisch zu sehen, wenn man unreflektiert an einer Kultur festhält und sie quasi als das Evangelium ausgibt. Das Evangelium ist keine Kultur, auch wenn es Kulturen seit 2 Jahrtausenden positiv beeinflußt. Und keine Kultur setzt das Evangelium perfekt um, denn jede Kultur ist menschengemacht und somit zeitlich, also fehleranfällig. An der Kultur, dem Zeitgeist festzuhalten ist somit nichts anderes, als an Menschlichem festzuhalten, als Götzendienst zu treiben.

Und ein solcher Zeitgeist ist die Sache mit der Beziehung der Sünde auf die Sexualität: die Leibfeindlichkeit. Die Bibe ist nicht so leibfeindlich, wie es viele Christen heute sind. Die Bibel macht sich keine Gedanken darüber, ob auch jeder brav nur Sex zur Fortpflanzung hat, ob auch jeder die Lust zu meinden sucht. Die Bibel vergötzt die Lust auch nicht, aber sie sieht sie als zum normalen Leben gehörig an. Sie ist nicht per se schlecht. Sex ist nicht per se schlecht. Zärtlichkeit ist nicht per se schlecht. Wie diese Gedanken ins Christentum gekommen sind – ich würde mal vorschtig vermuten, die Gnosis hat damit etas zu tun – kann ich nicht sagen. Ich bin mir aber recht sicher, daß es mit dem Evangelium von Jesus Christus nichts zu tun hat, wer mit wem ins Bett geht. Denn das Evangelium sagt, daß Gott den Sünder annimmt. Durchaus nicht die Sünde, aber den Sünder. Und es verlangt vom Sünder die Nächsten-, Feindes- und Gottesliebe. Jesus sagt, die Nächsten- und die Gottesliebe sei das ganze Gesetz und die Propheten. Demnach müßte sich alles daraus ableiten. Ich kann verstehen, wie sich das Götzendienstverbot darauf ableitet. Ich kann verstehen, wie sich der Ehebruch daraus ableitet, wie Diebstahl- und Mordverbot. Wie aber das Vorbot einer bestimmten Art der Sexualität, dei auf Augenhöhe geschieht, daraus abgeleitet werden sollte, erschließt sich mir nicht. Und keiner der Anti-Schwulen-Christen, die ich bisher traf, konnte diesen Zusammenhang herstellen.

Diese ganze Ablehnung bestimmter Arten gleichberechtigter Beziehungen sehe ich daher ganz in der Nähe des Götzendienstes. Hier wird versucht, eine Ordnung aufrecht zu erhalten, die doch selbst vom Menschen gemacht ist, die Kultur ist, und eben nicht identisch it dem Evangelium, und die deshal vor dem Evangelium zurückweicen müßte, wenn sie eine christliche Kultur wäre.

Homosexuelle Praktiken

Wir sahen im vierten Teil, daß es nur zwei Bibelstellen gibt, die für die Beurteilug der Homosexualität in Frage kommen, und daß es sich im einen Fall um eine rhetorische Figur handelt (in der es im Hintergrund wohl auch nicht um gleichberechtigte homosexuelle Beziehungen handelt) und im anderen Fall um eine ganz dunkle Formulierung, die so heute icht mehr entschlüsselt werden kann, und die nicht zwingend gegen homosexuelle Praktiken gerichtet sein muß. Sie gilt außerdem für Israel, das ins Land Kanaan einzieht, und nach dem Apostelkonzil dezidiert nicht für Heidenchristen wie uns.

Ob praktizierte Homosexualität ein Problem für Gott ist, muß also stark angezweifelt werden. Jedenfalls stärker, als das Verbot, Schweinefleisch zu essen oder milchige und fleischige Speisen zu mischen.

Vielmehr sieht alles danach aus, daß eine in Liebe geführte homosexuelle Beziehung, die von gegenseitiger Liebe und Verantwortung getragen ist, genauso wenig ein Problem ist, wie eine gleiche heterosexuelle Beziehung.

Schluß

Es gibt also keinen Grund, schwul Pfarrer für ungeeignet zu halten. Ungeeignet sind selbstherrliche Pfarrer, ohne Liebe, ohne Demut, ohne Reue. Pfarrer die alles schon wissen und daher auf Gott verzichten können, weil Er ihnen eh nix Neues mehr sagen kann. Ungeeignet sind Götzendiener-Pfarrer, die sich auf menschlichen Zeitgeist stützen und an ihm stärker festhalten als am Evangelium, denen das es-war-schon-immer-so wichtiger ist als der Mensch, dem sie eigentlich Nächsteniebe erweisen sollten.

Wenn es einen schwulen Pfarrer gibt, auf den all das zutrifft, dann stimme ich dem zu, daß er nicht geeignet ist für das Pfarramt. Aber das liegt dann nicht an seiner sexuellen Orientierung.

Sollte es aber wirklich so sein, daß ich die Bibel falsch interpretiere, und daß schwule Pfarrer wirklich ein Problem sind, dann ist das Problem eigentlich viel größer. Denn dann stelen die Kirchen aktuell Pfarrer ein, die ungeeignet sind. Dann ist die Auswahl der Bewerber vielleicht prinzipiell ungeeignet. Dann gibt es womöglich auch zig andere Pfarrer, die als Heterosexuelle ungeeignet sind. Die Kritiker sollten sich also nicht so ehr auf die Schwulen unter den Ungeeigneten einschießen, sondern analysieren und herausarbeiten, wie man geeignete Pfarrer ermitteln kann. Und dabei sollte nicht auf die Sexualität geachtet werden, denn der richtige Galube ist von der Sexualität unabhängig. Jedenfalls wird das ständig behauptet, wenn gesagt wird, daß ein nicht praktizierender Homosexueller kein Problem wäre.

Gesellschaft

Dann halt doch noch etwas zum bisherigen Bundespräsidenten

Eigentlich ist ja alles gesagt: Ins Amt gehievt als Merkels Kandidat, der wohl einerseits Verbündeter sein sollte, andererseits ihr so innerparteilich nicht mehr gefährlich werden konnte, Privatkredite, Urlaub bei Freunden, Flugmeilen etc etc.

Und vorher immer schön in der Bunten et. al. inklusive Spekulationen über die Tätowierungen von Gattin Nr. 2.

Tausendmal aufgewärmt, tausendmal wiedergekäut, und inzwischen etwas langweilig. Deshalb wollte ich eigentlich auch nichts zu ihm schreiben. Eigentlich.

Doch ich hab mal ein bißchen in den älteren Artikeln hier im Blog geblättert und stieß auf einen anderen Rücktritt. Wie Wulff zu Ministerpräsidentenzeiten hatte auch diese Rücktreterin ihren Wirkungsort in Hannover (hmm, der Schröder hat seine 2. Amtszeit ja ach nicht ganz zu Ende bringen können. Hat Hannover einen karriereschädigenden Einfluß?). Nur war bei ihr das Problem, daß sie bei Freunden übernachtet hätte oder an günstige Kredite gekommen wär, sondern daß sie besoffen Auto fuhr.

Damals hatte ich schon gemutmaßt, daß sie nicht weg sein wird vom Fenster. Und auch wenn es ruhiger um sie geworden ist, ist sie doch nicht ganz verschwunden. Beim Kirchentag ist ihre Popularität ungebrochen, und ach wenn sie immer wieder bei Interviews auf ihre Alkoholfahrt angesprochen wird, kann sie auch nach dieser die Zustände in Afghanistan kritisieren, um mal ein Beispiel zu nennen.

Indem sie Konsequenzen gezogen hat aus ihrem Fehler, hat sie sich die Glaubwürdigkeit erhalten.

Und nun Wulff. Er hatte ja als Kanzlerpräsident von Anfang an einen schweren Stand, was Glaubwürdigkeit anging. Er setzte einen sehr positiven Akzent, das mit dem Islam, der zu Deutschland gehöre, aber dann kam erst mal jede Menge Boulevard, abgerundet duch die ganzen Affären, die ihn jetzt zu Fall brachten.

Und beim Rücktritt? Kein Wort der Schuldeingeständnis. Er fühlt sich im Recht. Gut, wird man sagen, ein Schuldeingeständnis könnte vielleicht juristisch relevant sein, immerhin ist er jetzt seine Immunität los. Was ihm da droht dürfte ne Nummer größer sein als das, was Käßmann drohte (ich vermute mal Führerscheinentzug, weiß da jemand mehr?). Ich rechne mal mit Strafzahlungen (oder sollte wirklich Gefängnis drohen?). Trotzdem bleibt das Bild, daß hier jemand, als es nicht mehr anders ging, das preisgegeben hat, was er nicht mehr halten konnte. Mehr nicht. Weil er dran hängt.

Eigentlich (schon wieder!) wollte ich viel stärker auf die Buße hinaus in dem Artikel. Nun soll sie wenigstens am Schluß eingebracht werden. Buße bedeutet, von einem falschen Weg, den man eingeschlagen hat, umzukehren. Von vorne zu beginnen. Man muß Erreichtes fahrenlassen. Man hat vielleicht schon eine lange Strecke hinter sich gebracht auf diesem Weg, deshalb ärgert es, wenn man nun ganz zurück muß. All die Anstrengung umsonst. Hier ist kein Weiterkommen.

Allerdings muß man einsehen, daß der Weg falsch war. Anders gibt es keine Buße, keine Umkehr. Man geht lieber querfeldein, als daß man zurückgeht. Hofft, irgendwo wieder auf einen besseren Weg zu treffen, so daß nicht alle Anstrengung umsonst war. Lieber kurz eine erhöhte Anstrengung, als all die Errungenschaften, die man auf dem falschen Weg erworben hat, fahren zu lassen.

Es ist anstrengend, zurück zu gehen und neu anzufangen. Es ist sicherlich ein Stück weit auch demütigend, wenn einem nun alle Welt seine Fehler vorhält (allerdings ist Demut auch nicht per se schlecht). Aber wenn man sich nicht im Geäst verirren will, ist es der beste Weg, den man gehen kann.

Käßmann ging zurück und fing ne an. Wulff sucht noch nach der verpassten Abzweigung und geht nur soweit zurück, wie er unbedingt muß. So scheint es mir. Und ich halte es für fraglich, ob Wulff noch einmal irgendwo eine Rolle spielen wird.

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Merkel und der Papst

Auf dem Blasphemieblog (wo sich auch ne Diskussion entwickelt hat) wird auf einen offenen Brief der Giordano Bruno Stiftung (GBS) an Bundeskanzlerin Merkel hingewiesen.

Es folgen Briefauszüge samt Kommentierung meinerseits:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
am 22. September 2011 werden Sie von Papst Benedikt XVI. zu einem Gespräch am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin empfangen. Normalerweise achten wir nicht penibel auf das Protokoll, aber die Wahl dieses Ortes hat uns doch befremdet: Denn seit wann empfängt der Gast die Gastgeberin?! Der Vorgang erinnert uns fatal an jene düsteren Zeiten, als weltliche Herrscher dem „Stellvertreter Christi“ ihre Aufwartung machen mussten, um politisch nicht unter die Räder zu geraten. Dass dem Papst eine solche Assoziation angenehm sein mag, können wir uns denken, aber warum sollten Sie die Würde Ihres Amtes beschädigen, indem Sie einem solch durchsichtigen Machtmanöver auf den Leim gehen?

Die GBS nimmt Anstoß daran, daß der Papst Merkel empfängt und fragt, wer Gastgeber und wer Gastgeberin sei? Nun, hätte sich die GBS die Mühe gemacht, nachzudenken, so wäre ihr aufgegangen, daß der Ort des Treffens der Sitz der Bischofskonferenz ist. Wie kann da die evangelische Merkel Gastgeberin sein?

Oder höre ich aus den Worten der GBS eine Kritik daran, daß das Treffen bei der Bischofskonferenz stattfindet und nicht im Kanzleramt, wo andere Staatschefs empfangen werden?

Was die Machtfrage und die Würde des Amtes angeht meine ich mich zu erinnern, daß die Kanzlerin auch schon Unternehmer besuchte und nicht nur empfing. War auch dies eine Beschädigung des Amtes? Was ist dann aber das Idealbild eines Bundeskanzlers für die GBS? Ein Kanzler, der im Kanzleramt residiert und sich nicht dort weg bewegt, sondern alle und jeden zu sich kommen läßt. Mich würde das viel eher an vergangene Zeiten erinnern, als alles dem Willen der Landesfürsten zu folgen hatte…

Führen Sie sich in diesem Zusammenhang bitte vor Augen, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen der Politik des Vatikans kritisch, wenn nicht sogar ablehnend gegenübersteht.

Als ob der Papst kein Deutsch verstünde und sich nicht deutscher Medien bedienen könnte. Was ich mich allerdings frage ist, welche Politik die GBS meint. Und woher sie die Gewissheit nimmt, für „die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen“ sprechen zu können. Ich meine mich zu erinnern, daß die Kanzlerin im Gegensatz zur GBS demokratisch legitimiert ist und daher wohl eher für die in Deutschland lebenden Menschen sprechen kann als die GBS.

Wahren Sie daher beim Treffen mit Benedikt XVI. die gebührende Distanz und vermeiden Sie
es, ihn als „Heiligen Vater“ anzusprechen!

Ich frage mich, ob die GBS auch Distanz fordert bei einem Treffen mit Obama und von der Kanzlerin fordert, sie sole diesen nicht Mr. President oder Herr Präsident nennen, da dies die Distanz vermissen liese, da ihr Präsident ja Wulff sei. Oder ist es der GBS nicht bewußt, daß „Heiliger Vater“ ein Titel des Papstes ist? Was die GBS nicht sagt ist, wie der Papst denn sonst anzusprechen sei, wo er doch „Herr Ratzinger“ genausowenig ist wie Willy Brandt „Herr Frahm“ war, die Anrede mit „Benedikt“ noch viel eher die Distanz vermissen läßt und auch das Wort „Papst“ nichts anderes als „Vater“ bedeutet. Womöglich ist es der Mangel an Alternativen der die GBS dazu bewogen hat, keinen Vorschlag für die Anrede zu machen.

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie im Gespräch mit dem Papst den Standpunkt einer offenen, demokratischen Gesellschaft vertreten und von dieser Warte aus die Menschenrechtsverletzungen der Katholischen Kirche in aller gebotenen Deutlichkeit kritisieren.

Was soll sie denn sonst vertreten? Und was unterstellt die GBS dem ebenfalls deutschen und in einer offenen, demokratischen Gesellschaft aufgewachsenen Papst für einen Standpunkt?

Es ist von Menschenrechtsverletzungen der „katholischen Kirche“ die Rede. Das wirft die Frage auf, was damit gemeint sein soll. Die Antwort folgt auf dem Fuß, da sie aufgezählt werden.

Fordern Sie den Papst zu einer lückenlosen Aufklärung der von Priestern und Ordensleuten begangenen Verbrechen an Heim- und Internatskindern auf!

Aha. Mißbrauchsskandal. Hier wurden elementare Menschenrechte aufs gröbste verletzt. Durch die Kirche? Das könnte man lediglich sagen, wenn die Täter in ihren Straftaten nach den Regeln und Gesetzen der Kirche gehandelt hätten. Das wage ich zu bezweifeln, bis mir das Gegenteil bewiesen wird, nämlich daß die Katholische Kirche den Kindesmißbrauch fordert. Bis dahin bin ich der Überzeugung, daß von Menschenrechtsverletzungen in der katholischen Kirche die Rede sein kann, ebenso wie von Menschenrechtsverletzungen etwa in Schulen oder in der Jugendarbeit. Es würde aber keiner auf die Idee kommen, von Menschenrechtsverletzungen der Jugendarbeit zu sprechen, wenn es in der Jugendarbeit zu Mißbrauch kommt.

Hierzu müssen nicht nur die Bistümer und Orden ihre Archive öffnen, auch der Vatikan, bei dem ein Großteil der kircheninternen Verfahren aufliefen, muss bereit sein, Einblick in die entsprechenden Dokumente zu geben!

Es hilft den Ermittlungsbehörden sicherlich, wenn die Bistümer und der Vatikan ihre Archive öffnen. Allerdings stellt sich dabei ach die Frage, inwieweit die Dokumente auch Inhalte enthalten, die die Ermittlungsbehörden nichts angehen. Mir ist zum Beispiel nicht bewußt, inwieweit für die Dokumente das Seelsorgegeheimnis gilt, das ja auch der deutsche Staat schützt. Sicherlich ist es jedoch nicht verkehrt, die Möglichkeit einer engeren Zusammenarbeit anzusprechen. Ob eine Formulierung der Art „sie müssen“ zum Ziel führt, ist jedoch schon aus psychologischen Gründen fraglich. Für den Bereich der deutschen Bistümer kann die Kanzlerin per Gesetz agieren, so sie die nötigen Mehrheiten findet und nicht die Verfassung bricht. Für den Vatikan muß sie jedoch anerkennen, daß es sich dabei um einen souveränen Staat handelt, der erst einmal gar nichts muß, genausowenig wie Rußland oder China.

Machen Sie dem Papst unmissverständlich klar, dass die europäischen Antidiskriminierungsvorschriften auch für kirchliche Betriebe in Deutschland gelten müssen!

Auch hier: Keine Menschenrechtsverletzungen. Die Antidiskriminierungsvorschriften gelten für die europäischen Staaten, die allesamt den Austritt aus einer Religion, auch der katholischen Kirche erlauben und ermöglichen. Niemand ist gezwungen, in der Kirche zu sein, und niemand ist gezwungen, für die Kirche zu arbeiten.

Darüber hinas ist der Papst hier deutlich dr falsche Ansprechpartner, weil es sich hier um deutsche Gesetze handelt, die der Papst nicht ändern kann. Merkel könnte allerdings selbst versuchen, die nötigen Mehrheiten im Bundestag zu bekommen und Gesetzesänderungen herbeiführen. Womöglich will sie das nicht (dafür gibt es ja auch gute Gründe). Den Papst aber damit zu konfrontieren ist so, als bitte man Putin, sich für Mindestlöhne in Deutschland einzusetzen. Sicherlich hat der Papst Einfluß auf die Bichöfe, so daß diese unter Umständen dafür sorgen, daß die rechtlichen Möglichkeiten nicht ausgeschöpt werden, die die krichlichen Betriebe haben (ich geh mal davon aus, daß da die Bischöfe Einfluß nehmen können), rein rechtlich ändert sich dann aber an der Möglichkeit nichts. Ich verstehe nicht, wieso die GBS so demokratievergessen ist, daß sie dem Papst mehr Einfluß af die deutschen Gesetze zuspricht als der Kanzlerin.

Machen Sie dem Papst klar, dass eine derartige weltanschauliche Diskriminierung nicht ins 21. Jahrhundert gehört.

Ich frage mich, wieso hier die Zeit als Argument gelten soll. Waren Diskriminierungen u anderen Zeiten okay? Nein? Werden sie irgendwann in Ordnung sein? Nein? Warum bleibt die GBS dann niht dabei Gründe als Argumente anzuführen, statt eine Zeitbedingtheit zu suggerieren?

Es widerspricht entschieden den Prinzipien des modernen Rechtsstaats, dass Menschen faktisch zur Kirchenmitgliedschaft gezwungen werden, bloß weil sie der Arbeitslosigkeit entgehen wollen!

Niemand wird gezwungen, in gerade diesen Betrieben zu arbeiten. Insofern sehe ich den Widerspruch zum Rechtsstaat nicht. Widerspricht es auch dem Rechtsstaat, wenn die CDU Sarrazin keinen Job gibt, damit dieser der Arbeitslosigkeit entgehen kann?

Wie dem auch sei, bei dieser Frage geht es jedenfalls nicht um Menschenrechte.

Überzeugen Sie Benedikt XVI. davon, dass es eine Geschmacklosigkeit sondergleichen wäre, wenn ausgerechnet er als „deutscher Papst“ die Seligsprechung von Pius XII. vornehmen würde! […] Erklären Sie dem Papst, dass Sie statt der Seligsprechung eines Steigbügelhalters des Faschismus ein klares Schuldbekenntnis der Katholischen Kirche erwarten!

Zuerst die Frage nach den Menschenrechten: Werden Menschenrechte verletzt, wenn der Papst Pius XII selig spricht? Ich denke nicht. Ob dieser nun ein guter oder schlechter Mensch war, ist eine andere Frage. Die Seligsprechung ist kein nach den Kriterien einer atheistisch-humanistischen Ethik orientierter Preis. Sie hat ihre eigenen Regeln, die von den jeweiligen Institutionen der Kirche angewendet werden und am Ende steht die Seligsprechung. Was würde die GBS sagen, wenn jemand die Vergabe des Physiknobelpreises kritisieren würde, weil der Preisträger eine fragwürdige Ethik vertritt?

Was den „Steigbügelhalter des Faschismus“ angeht, da sollen sich Historiker drum streiten. Die Art der Aussage an sich jedenfalls läßt vermuten, daß es sich hierbei um die hauseigene Meinung der GBS handelt.

Erarbeiten Sie mit dem Papst ein Konzept zur Aufhebung der Privilegien, die sich die Kirche vor allem in vor- und antidemokratischen Zeiten gesichert hat!

Hier wäre der Ansprechpartner (wieder einmal) der Bundestag, im Zweifel noch die deutschen Bischöfe. Wieso sollte sich der Papst so stark in die Geschäfte einzelner deutscher Diözesen einmischen? Es kommt doch auch keiner auf die Idee, mit Ban Ki Moon die Gemeindeordnungen der Gemeinden im Taunuskreis zu besprechen.

So ist es allein dem Naziregime zu verdanken, dass auf der Lohnsteuerkarte die Konfessionszugehörigkeit eingetragen wurde, was noch heute den automatischen Einzug der Kirchensteuer ermöglicht.

Der Eintrag ist eine Oberflächlichkeit, die sich leicht per Gesetz abschaffen liese. Steuern könnten trotzdem erhoben werden. Diese sind auch keine Privilegien der katholischen Bistümer, sondern sind humanistischen Gruppierungen genauso zugänglich wie den Zeugen Jehovas.

unter diesen Bedingungen wäre es kirchlichen Betrieben kaum mehr möglich, die bislang geförderte Diskriminierung von Anders- bzw. Nichtgläubigen fortzuführen.

Das ist natürlich absoluter Quatsch. Die Betriebe würden den Nachweis der Kirchenmitgliedschaft fordern, auszustellen vom zuständigen Pfarramt. Die „Diskriminierung“ würde damit nicht im geringsten tangiert. Diese Diskriminierung basiert allerdings auf den Zusagen des gleichen Grundgesetzes, das die GBS andernorts hochhält:

Diese Regelung […] steht in krassem Widerspruch zum Grundgesetz, das in Artikel 140 besagt…

Grundgesetz nur, wenn es den eigenen Zielen dient? Muß man sich Sorgen um die Verfassungstreue der GBS machen?

Nicht zuletzt sorgte der zivilisatorische Einbruch des Nazi-Regimes auch dafür, dass die bereits in der Weimarer Verfassung verankerte Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen niemals realisiert wurde.

Wenn ich mich recht entsinne zeigten die Kirchen Gesprächsbereitschaft, als das Thema vor längerem auftauchte (Sommerloch letztes Jahr?). Das Ganze scheitert bis heute daran, daß die Politik nicht zur Ablösung bereit ist. Auch da wäre der Ansprechpartner wieder die Bundeskanzlerin bzw. die Ministerpräsidenten und die jeweiligen Parlamente, nicht der Papst.

Auch bei den angeblichen Privilegien sehe ich nicht, wo Menschenrechte verletzt würden. Die GBS führt dies auch nicht aus.

Machen Sie dem Papst klar, dass er seine unzeitgemäße, verantwortungslose Sexualpolitik aufgeben sollte! Damit meinen wir nicht nur, dass der Vatikan selbstverständlich die sexuellen Selbstbestimmungsrechte des Individuums anerkennen muss, wenn er in ethischer Hinsicht ernstgenommen werden will. Es geht vor allem auch um die Frage der Empfängnisverhütung und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Erklären Sie dem Papst, dass seine Positionen angesichts von Überbevölkerung und Aidsepidemien objektiv unverantwortlich sind.

„Zeitgemäß“ kann kein Kriterium sein, lediglich Verantwortungslosigkeit könnte man dem Papst (und auch der katholischen Kirche) vorwerfen. Die GBS geht davon aus schon die Wahrheit diesbezüglich zu verkünden, ohne zu argumentieren. Ich bin da etwas anderer Meinung als die GBS, und der Papst wie die übrigen Bischöfe haben nochmal eine andere Meinung.

Wie dem auch sei sind drei Dinge festzuhalten:

  1. Wieso sollte sich die Kanzlerin einmischen in die katholische Sexualethik? Sie ist weder katholische Theologin, nicht mal Katholikin. Die katholische Sexualethik ist eine Angelegenheit der Katholiken.
  2. Niemand wird zu einer Kirchenmitgliedschaft gezwungen. Somit ist auch die Einhaltung der römischen Sexualethik durch keinen Zwang gekennzeichnet. Viele Katholiken halten sich ihrerseits nicht an die Regelungen, manche haben Sex vor der Ehe, andere verhüten mit Pille oder Kondom und bleiben trotzdem Mitglieder der Kirche. Eine Kausalität zwischen HIV Epidemie und römischer Sexualethik zu behaupten ist damit höchst zweifelhaft.
  3. Da kein Zwang in Bezug auf die Sexualethik ausgeübt wird, da die Kirchenmitgliedschaft freiwillig ist, kann auch nicht von Menschenrechtsverletzungen die Rede sein.

jedoch ein Mann, der Abermillionen von Menschen weltweit zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Todesfolge anstiftet

Und genau das tut der Papst nicht. Sex gehört nach der katholischen Lehre in die Ehe, und nur dorthin. Und innerhalb der Ehe ist die Benutzung eines Kondoms erlaubt, falls ein Partner HIV positiv ist. Die GBS betreibt üble Nachrede.

Dass die Vatikanstadt heute als „souveräner Staat“ gilt, verdankt die Kirche neben der (selbstverständlich gefälschten) „Konstantinischen Schenkung“ in erster Linie den Lateranverträgen mit dem faschistischen Diktator Benito Mussolini.

Die Frage nach der Unabhängigkeit des Vatikan ist nicht die Angelegenheit der deutschen Bundeskanzlerin oder des deutschen Staates, sondern wenn überhaupt dann eine Frage, die zwischen Italien und dem Vatikan zu klären ist. Mir sind keine Ansprüche seitens Italien auf den Vatikan bekannt.

Anders wäre es natürlich, falls die GBS die Meinung vertritt, Deutschland sollte (warum auch immer) Anspruch auf Vermögen und Territorium des Vatikan stellen. Dies ist jedoch, soweit ich es sehe, nicht der Fall.

Als Völkerrechtssubjekt hat der Heilige Stuhl den Rang eines permanenten Beobachters in der UN und kann dort aktiv in Debatten eingreifen, was eine nicht zu rechtfertigende Bevorzugung der Katholischen Kirche gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen bedeutet.

Sicherlich kann man das in Frage stellen. Allerdings wäre Ansprechpartner in diesem Fall nicht Frau Merkel, sondern erst einmal die UN Mitglieder insgesamt. Falls es dort keine derartigen Forderungen gibt, stellt sich die Frage, wieso gerade Deutschland sich damit hervortun sollte, so ganz ohne Not. Aus dem Vatikan kamen häufig Aufrufe zum Frieden. Diese durch die Aberkennung des Völkerrechtsstatus zu schwächen kann auch nicht im Sinne der Vereinten Nationen sein. Meine Meinung ist, daß solch ein historisch gewachsener Status nicht ohne Not abgeschafft werden sollte, zumal kaum Anstoß daran genommen wird.

 Zudem verhindert die staatliche Souveränität der Vatikanstadt, dass illegale Machenschaften unter kirchlichem Deckmantel juristisch verfolgt werden können.

Den selben Effekt hätte die Abschaffung der Souveränität jedes anderen Staates. Kriminelle Strukturen gibt es überall, sie können kein Grund sein für die Abschaffung nationaler Souveränität.

scheiterte die Strafverfolgung allzu häufig daran, dass der Vatikan auf seine staatliche Souveränität pochte. Dies kann und darf nicht hingenommen werden! Die Katholische Kirche sollte die gleichen Rechte und Pflichten besitzen wie andere Nichtregierungsorganisationen auch.

Ein geschickter rhetorischer Trick, Dinge zusammenzuwerfen, die nicht zusammen gehören, und dann aus der Ungleichheit zu schließen, daß gleiche Rechte gelten müssen.

Die katholische Kirche ist eben nicht eine NGO. Es ist zuerst eine Kirche. Diese bildet sich in Institutionen ab, die verschiedene Rechtsgestalt haben. Unter anderen gehört dazu auch ein souveräner Staat mitten in Rom. Jede dieser Rechtsgestalten hat nun die ihr entsprechenden Rechte, und die sind eben nicht immer mit einer NGO identisch, weil es nicht immer eine NGO ist. Die Deutsche Bank ist auch „non government“, aber sie ist eben eine AG, deshalb unterliegt sie teils anderen Gesetzen als Greenpeace.

Aber kommen wir nicht vom Thema ab: Es geht um die Menschenrechtsverletzungen der katholischen Kirche. Und auch hier muß ich sagen: Die Souveränität eines Staates verletzt niemandes Menschenrecht.

Am Ende liest die GBS dann noch im Kaffeesatz:

Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes werden es auf Dauer nicht dulden, dass ihr Staat Jahr für Jahr Milliarden von Steuergeldern in eine Institution investiert, die nicht nur eine verheerende Geschichte zu verantworten hat, sondern auch in der Gegenwart alles tut, um gesellschaftlichen Fortschritt zu verhindern.

Den „gesellschaftlichen Fortschritt“ hat die GBS wohl gepachtet, der kann nur von ihr kommen. Ganz am Schluß wird dann auch angedeutet, wie dieser Fortschritt auszusehen hat.Natürlich spielen die GBS und ihre Ziele dabei eine zentrale Rolle:

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass das alte, patriarchale, autoritäre Denken, für das die Kirche wie kaum eine andere Organisation weltweit steht, überwunden wird! Denn nur so kann – hier in Deutschland wie auch in anderen Ländern der Welt – eine wahrhaft freie und humane Gesellschaft entstehen, die in der Lage ist, die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern.

 

Bei Licht betrachtet geht es aso einzig und allein um einen Aufruf, den Laizismus einzuführen. Dies aber unter falscher Flagge, um Aufmerksamkeit zu erheischen.

So geht es in keiner der Forderungen um Menschenrechte oder deren Verletzung. Einzig beim Thema Mißbrauchsskandal spielen Menschenrechte überhaupt eine Rolle. Diese wurden in der Tat verletzt, aber die GBS führt nicht aus, inwieweit die Kirche dafür verantwortlich zu machen wäre. Wahrscheinlich, weil sie es nicht kann.

Die (katholische) Kirche und das Reizwort Menschenrechtsverletzung dienen hierbei lediglich als Speck, mit dem Mäuse gefangen werden sollen. Die GBS offenbart dabei, daß sie nicht von einem reflektierten mündigen Menschen als Leser ausgeht, sondern von unreflektierten Lesern irgendwo knapp unter BILD Niveau.

Bundeskanzlerin und Papst sind in den meisen Fällen nicht Ansprechpartner für die Forderungen. Häufig ist es die Bundeskanzlerin allein (sowie ihre Regierung und der Bundestag), auch andere politische Ebenen sind involviert. Der Papst hat meist nur mittelbar bis weitläufig mit den Themen zu tun.

Allerdings erfüllt er neben dem Anlaßgeber (ohne Papstbesuch kein offener Brief) noch eine andere Funktion:

Die GBS fordert anfangs, daß die Menschenrechtsverletzungen der katholischen Kirche kritisiert werden. Der Papst steht für diese katholische Kirche. Wer sonst sollte etwas ändern können an Mißständen als er?

Dieses Denken ist so realistisch wie daß die Kanzlerin die lokalen Probleme einer Stadt lösen kann. Trotzdem ist es weit verbreitet, wie man etwa sieht, wenn Themen der Bundespolitik sich etwa auf Kommunalwahlen oder auch Landtagswahlen auswirken (umgekehrt scheint dies weniger der Fall zu sein).

Unter Voraussetzung dieses Denkens wird nun mit der katholischen Kirche eine Strohpuppe aufgebaut, auf die erst einmal die ganzen Probleme projiziert werden: Ohne katholische Kirche kein Mißbrauch, keine HIV Epidemie, keine Arbeitslosigkeit, alle fröhlich und vergnügt. Der Papst nun als unwilliger Helfer, der erst angeleihert werden muß durch die Kanzlerin (daß oftmals weder sie noch er der Ansprechpartner bei den Problemen sind, wird nicht erwähnt), und alles mit dem Ziel, einen Rahmen zu haben für eine Auflistung der Punkte, in der man die Kirche angreifen zu können meint. Am Ende dann, ganz kurz und schwammig, wird das neue Utopia beschrieben, oder besser nicht beschrieben, nur angedeutet. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Diese Strohpuppe samt Papst (das „alte, patriarchale, autoritäre Denken“) soll es da nicht mehr geben, statt dessen soll „eine wahrhaft freie und humane Gesellschaft entstehen“, wobei frei wohl „frei von unliebsamer Konkrrenz“ bedeutet und human für alles steht, was die GBS als gut befindet.

Damit leistet die GBS, ich habe es schon einmal gesgat, einem unreflektierten und unmündigen Denken Vorschub, das seinerseits ebenfalls patriarchale Züge hat. Patriarch ist dabei nicht mehr die Religion, sondern die GBS.