Theologie

Internet-Meme für die Verkündigung – Gedanken

Letzte Woche formulierte ich die Idee, per Internet Memes zu verkündigen. Der Gedanke hat sich in meinem Kopf etwas weiter gesponnen und Formen angenommen.

Beim Durchsehen verschiedener Memes fiel mir noch einmal neu auf, daß es viele Memes mit Bezug zu Jesus/Religion/Christentum bereits gibt, und das wohl schon länger. Viele haben einen humoristischen Hintergrund, viele andere stellen (neo-)atheistische Kritik an Religion dar und manche haben einen Inhalt, der durchaus in Richtung Verkündigung geht – wobei hier oft von liberalerer (nach amerikanischer Terminologie) Seite Kritik an den Fundamentalisten und ihren Ansichten formuliert wird.

Tausende Religionen - ich hoffe Du hast richtig getippt Ein Beispiel (neu-)atheistischer Kritik daran, daß man (angeblich) nur gerettet wird, wenn man (von sich aus) die richtige Religion und den richtigen Gott erkennt
Tausende Religionen – ich hoffe Du hast richtig getippt
Ein Beispiel (neu-)atheistischer Kritik daran, daß man (angeblich) nur gerettet wird, wenn man (von sich aus) die richtige Religion und den richtigen Gott erkennt
Wenn Jesus wiederkommt, wo wird das sein? Vielleicht hier? (Mega-Church) Oder hier? (Pro Life Demo) Oder hier? (Suppenküche) Nah, es wird wohl kaum hier sein, richtig? Dürfte ich mit allem Respekt anmerken, vielleicht zuerst einen Blick in das Handbuch zu werfen, bevor man sich auf eine Antwort festlegt? Ein längeres Meme, das durchaus zur Verkündigung gezählt werden kann.
Wenn Jesus wiederkommt, wo wird das sein?
Vielleicht hier? (Mega-Church)
Oder hier? (Pro Life Demo)
Oder hier? (Suppenküche)
Nah, es wird wohl kaum hier sein, richtig?
Dürfte ich mit allem Respekt anmerken, vielleicht zuerst einen Blick in das Handbuch zu werfen, bevor man sich auf eine Antwort festlegt?
Ein längeres Meme, das durchaus zur Verkündigung gezählt werden kann.

Als ich die letzten Tage über Verkündigung mit Internet-Memes nachdachte, kamen mir vor allem zwei Image-Macros in den Sinn: Condescending Wonka und The Most Interesting Man in the World. Beide waren mir besonders präsent, also wollte ich überlegen, wie die Struktur dieser Image Macros für die Verkündigung genutzt werden kann.

Für diese beiden Image Macros bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie sich für Verkündigung nur bedingt eignen, und zwar aus folgendem Grund: Beide Image Macros funktionieren so, dass sie einen Punkt in einem Dialog darstellen. Man kann an zwei Gesprächspartner denken – das Gespräch muss nicht unbedingt von gegenseitigem Respekt und Anerkennung geprägt sein, deren einer im Verlauf des Gesprächs das sagt, was auf dem Willy Wonka Bild steht. Dieses Image Macro arbeitet mit Unterstellung, nämlich der Unterstellung, daß jemand, der eine bestimmte Eigenschaft hat, oder einer bestimmten Gruppe angehört, sich auf eine bestimmte Weise verhält (oder eben nicht):

Du bist 18 und schon verlobt? Du musst richtig erwachsen sein für dein Alter.
Du bist 18 und schon verlobt?
Du musst richtig erwachsen sein für dein Alter.
Oh, Du liebst Jesus aber haßt Religion? Du musst so viel schlauer und vorurteilsfreier sein als andere Christen.
Oh, Du liebst Jesus aber haßt Religion?
Du musst so viel schlauer und vorurteilsfreier sein als andere Christen.

Man kann auch vom Text abweichen, die Abwertung der Gruppe bleibt:

Oh, Du hast gerade Deinen Abschluß gemacht? Das ist toll. Ich hätte gerne einen Mocca Frappucino.
Oh, Du hast gerade Deinen Abschluß gemacht?
Das ist toll. Ich hätte gerne einen Mocca Frappucino.

Ich habe selbst zwei Versuche gemacht, bei denen ich versucht habe, dem abwertenden Muster auszuweichen, indem ich meine eigene Peer-Group oben einsetzte und den abwertenden Satz dann so negativ machte, daß es auf den Sprecher zurückfällt und eben nicht auf die angesprochene Person oder Peer-Group:

19upbh
Du glaubst also, jeder sei ein Sünder
Erzähl mir mehr darüber, Menschen nicht als gut oder böse zu klassifizieren, wie es sonst jeder tut
19tuos
Du glaubst also an „Liebe Deinen Feind“
Erzähl mir mehr darüber, wie Feigheit zu einer besseren Welt führt.

Das Problem ist: Ich unterstelle hier natürlich auch. Beim oberen unterstelle ich, daß jemand behaupten würde, die Welt in gute und böse Menschen einzuteilen sei normal und richtig. Beim zweiten unterstelle ich eine Ansicht, daß Feindesliebe dazu führt, den Feind nicht zu bekämpfen und daß das mit Feigheit identisch sei.

Ich mache also viele Unterstellungen und Vorannahmen und tue im Endeffekt genau das, was ich nicht wollte: Mich über eine andere Gruppe erheben, statt das Evangelium zu verkündigen.

Beim „Most Interesting Man“ ist es ähnlich: Man arbeitet mit Vorurteilen und Unterstellungen, um seine Position auf- und die des Gesprächspartners abzuwerten. Beim Herumspielen mit Meme-Generators kamen noch zwei andere Ergebnisse raus:

19tvmw
Christen
Warum seid Ihr nicht besser als andere? (mit schlechter Orthographie im Original)

Hier wird zwar auch eine Gruppe – die Christen – angesproche, auch mit einem Vorwurf, aber wenn man in Betracht stellt, daß sie ja gerade nicht schlimmer als andere sind, sondern nur nicht besser, ist es nicht ganz so wie bei den betrachteten Beispielen vorher. Aber was sagt dieses Bild aus? Für Verkündigung ist es etwas dünn für meinen Geschmack, es hat aber einen Punkt (ebenso wie die oben genannten Image Macros einen Punkt haben können). Als – möglicherweise augenzwinkernde – Antwort in einer Diskussion, indem man genau das vorgeworfen bekommt als Christ, könnte man so darauf hinweisen, daß es gar keinen Grund zum Meckern gibt, weil die Christen eben nicht schlimmer sind als andere.

19tvhr
Man bereut nicht einfach
seine Sünden.

Ebenso kann man dieses Image Macro (genau, es stammt aus Herr der Ringe – Man geht nicht einfach nach Mordor) im Verlauf eines Dialogs angebracht werden um den Punkt zu machen, daß das Bereuen der Sünden keine freie Entscheidung ist, sondern auch geglaubt werden muß. Man muß überzeugt sein.

Meine Vermutung ist, daß alle oder zumindest die meisten Internet Memes vor allem in solchen Gesprächen funktionieren: denn dort werden sie ja auch ursprünglich angewandt. Sie funktionieren, indem sie Aussagen der Gesprächspartner übereinander abbilden (Wonka, Interesting Man) oder auf einen speziellen Punkt der Diskussion (Y U NO, One does not simply) eingehen. Für sich selbst sagen sich selten bis kaum etwas aus, und wenn, dann ist es oft abwertend und für Verkündigung kaum geeignet.

Mit dieser Erkenntnis möchte ich erst einmal schließen, nicht ohne einen weiteren Versuche meinerseits. Diesmal wollte ich den ehtigen Losungstext (5. Mose 15, 10) umsetzen, und wieder geht es nicht ohne Anklage:

19xe13
Großzügigkeit
Du machst es falsch.
Theologie

Evangeliumsverkündigung und Islamfreundlichkeit

Ulrich Kasparick hat einen Artikel geschrieben, indem er idea für deren Handeln kritisiet und fordert, daß die EKD idea nicht weiter finanziell unterstützen soll.

Zu dem Artikel hat ein Kommentator „Wga“ folgendes geschrieben:

Als Christ erwarte ich nicht, dass die EKD einen interreligiösen Dialog macht, linke Positionen vertritt, sondern klar das Evangelium des Auferstandenen verkündet: CHRISTUS ALLEIN. Wie soll man da islamfreundlich sein? Der Islam ist eine antichristliche Religion, die mit Christus NICHTS gemeinsam hat. Die Erlösung erfolgt ausschließlich durch das was Jesus am Kreuz getan hat.

Ich muß Wga zugestehen, daß er oder sie im Konfirmationsunterricht aufgepasst hat: Die Erlösung erfolgt durch Christus, durch das, was Christus am Kreuz getan hat, nämlich die Welt geliebt und zwar so sehr, daß Er nicht zurückgeschlagen hat, sich nicht gewehrt hat, sondern lieber den Tod auf sich nahm als die Welt dafür zu bestrafen, daß sie Gott ermordete.

Allerdings kann man Wga denke ich ein wenig dafür kritisieren, das nicht ganz durchdacht zu haben, was Christus da gemacht hat und was daraus folgert. Als Seine Jünger sollen wir Ihm nämlich nachfolgen und unser Kreuz auch auf uns nehmen. Sprich: Wir sollen Liebe üben und nicht zurückschlagen. Das fällt schwer, das wissen wir alle, und wer meinen Blog länger liest weiß, daß ich auch oft austeile, daß ich auch über die Grenze zwischen Bekennen der Wahrheit (soweit man sie erkannt zu haben glaubt) und Angreifen der Gegenposition hinausschieße.

Aber ist ist halt auch so, daß Verkündigung des Evangeliums des Auferstandenen nicht nur bedeutet, andächtig aufs Kreuz zu schauen, sondern daß zur Verkündigung auch unser Tun dazugehört. Wir sollen nicht nur reden, wir sollen auch tun. Und jetzt „tut“ die EKD wie viele landeskirchliche und auch andere Gemeinden interreligiösen Dialog.

Wga fragt, wie man als Christ, der das Evangelium verkündigt, islamfreundlich sein kann. Nun, ich denke man kann nicht nur, man muß, wenn man verkündigen will, freundlich sein. Nicht nur den Muslimen gegenüber, sondern auch allen anderen Menschen gegenüber. Dialog und Islamfreundlichkeit bedeutet ja nicht, daß man die eigene Position verläßt. In einen Dialog kann man nur treten, wenn man die eigene Position kennt. Wenn man sie nicht kennt, muß man vorm Dialog freilich Angst haben, weil man ja nicht weiß, wieso man seine Position hat, so daß man auch plötzlich eine andere POsition bekommen könnte und Muslim werden könnte… es gibt sicher Menschen, denen das Angst macht.

Dialog bedeutet lediglich, daß man sich austauscht darüber, was der je andere glaubt. So daß man nicht auf BILD und idea angewiesen ist. Dann findet man vielleicht auch herraus, daß der Islam mitnichten antichristlich ist, sondern daß es im Islam unter den Muslimen eine ziemliche Hochachtung auch für den christlichen Glauben gibt. Das wird aus den Nachrichten freilich nicht klar, weil es dort immer um irgendwelche Spinner mit Sprengstoffgürteln geht. Man versetze sich einmal in die Lage eines Muslim, der keine Christen kennt und in den Nachrichten nur von Leuten wie Breivik hört, oder von Bush, der einen „Kreuzzug“ machen wollte und ein Land angriff, weil dort angeblich Massenvernichtungswaffen sein sollten, mit dem Ergebnis, daß heute alles noch viel schlimmer ist als unter Saddam. Und Bush meinte dann auch noch, Gott hätte ihm gesagt, das zu tun…

Dialog kann solche falschen Bilder vermeiden helfen und zum Frieden beitragen. Insofern ist der Dialog mit dem Islam und auch allen anderen Religionen genau das, was Wga fordert: Verkündigung des Evangeliums, indem nämlich gezeigt wird: Christen sind nicht gewalttätig, sie reden mit den Menschen und nehmen sie als Menschen wahr, nicht als Stereotypen.

Damit erlösen wir zwar nicht die Muslime, aber Erlösung kann sowieso nur durch Gott geschehen. Aber wir schließen Kontakte, vielleicht sogar Freundschaften, und falls sich irgend ein Muslim entscheiden sollte, zu konvertieren, hat man direkt chon den Kontakt und kann helfen. (umgekehrt natürlich genauso)

Wga schreibt weiter unten:

Was soll da an Gemeinsamkeiten möglich sein. Wer das propagiert hat den seligmachenden Glauben, den auch die Kirchenväter vekündet haben, verlassen.

Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Die Muslime kennen die meisten der biblischen Personen und ihre Geschichten. Natürlich haben sie keinen seligmachenden Glauben nach christlichem Verständnis, sie sind ja keine Christen. Aber man verläßt ja nicht den Glauben, wenn man ins Gespräch kommt. Gerade die Kirchenväter haben doch immer wieder das Gespräch zum heidnischen Umfeld gesucht, um eben das Christentum zu erklären. Nichts anderes tun Christen doch im interreligiösen Dialog. Und zum Erklären gehört auch das Zuhören, sonst ist es ja sinnlos. Ergo hat der, der den interregligiösen Dialog führt, den Glauben der Kirchenväter gerade nicht verlassen, sondern steht in dessen Tradition.

Allerdings wundert es mich, daß gerade ein Evangelikaler sich auf die Kirchenväter zu stützen versucht. War da nicht mal was mit allein die Schrift?

Ach, eins noch:

Die Evangelikalen sind auch die, die in Einheit mit allen Konfessionen und quer durch die Kirchengeschichte an der gemeinsamen Haltung gegenüber unbiblischer Lehren bezüglich Gender und Homosexualität festhalten. Die paar Liberalen, die da was ändern, können nicht sagen, dass sie kirchengeschichtlich in Einheit mit den Vätern und allen Konfessionen stehen, nicht mal mit den Leuten in ihren eigenen Konfessionen können sie da behaupten, sie hätten eine Einheit.

Luther hatte am Anfang auch keine Einheit. Mit (fast) niemandem. Ist die Rechtfertigung aus dem Glauben deshalb plötzlich falsch?

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 16.11.2012

Heute mal etwas aus Daniel:

„Ich verkünde die Zeichen und Wunder, die Gott der Höchste an mir getan hat“ (Dan 3, 32)

Der Text ist ein bisschen verkürzt, in anderen Übersetzungen heißt es z.B. „Es hat mir gefallen, die Zeichen und Wunder zu verkünden…“

Gesprochen werden diese Worte von König Nebukadnezar, nachdem drei Männer, die er in den Feuerofen hat werfen lassen, Dank Gottes Schutz unversehrt daraus hervorgingen und er dadurch die Größe Gottes erkannte.

Wie steht es mit meiner Bereitschaft, Gott zu verkünden? Mit wem habe ich zuletzt mal über Gott gesprochen?

 

Gesellschaft, kirche

Von Werken und Gemeindewachstum

Peter hat eine Erfahrung im Zusammenhang mit der Betriebswirtschaft in einem Artikel gebracht:

Ein Dozent berichtete vor kurzem, er habe in einem Seminar mit BWL-Studenten gefragt, was der Zweck eines Unternehmens sei. 90% antworteten “Geld verdienen”. Er sei versucht gewesen, “setzen, Sechs.” zu antworten, habe dann aber etwas behutsamer erklärt, dass Gewinne zwar zum Überleben des Unternehmens wichtig seien, aber eben kein Selbstzweck.

Das erinnert mich ein wenig an meine erste BWL Vorlesung, damals 2001, bei einem gewissen Herrn Pampel, der durchaus verschiedene Ziele eines Unternehmens aufzählte, dann aber alles unter „Gewinn machen“ subsumierte, da man alle weiteren Ziele über Geld erreichen könnte.

Dies war der einzige Satz, der von dem Pflicht-BWL, das ich als Student der Softwaresystemtechnik belegen mußte, hängen blieb (ich wrde mit dem Fach nicht besonders warm und meine Noten waren unterirdisch. Später belegte ich in Mainz als Theologiestudent noch einmal „VWL für Nichtökonomen“, das vom Dozenten nach meiner subjektiven Meinungbesser aufgebaut war nd mir mit einer 2 auch ne erheblich bessere Note bescherte, Wirtschaft an sich find ich schon spannend, aber naja…).

Jedenfalls hab ich mich oft über diese Engführung der Unternehmensziele geärgert, weil eben Gewinnmaximierung einigen Zielen zuwiderlaufen kann, auch wenn man sie dann nachträglich per Geldinvestition verfolgt. Wenn man so am Ende zu einem gewissen Ausgleich zwischen Gewinn und eigentlichem Ziel kommt, kann man froh sein, in den seltensten Fällen kommt man dem eigentlichen Ziel so viel näher, nach meiner Überzegung.

Genug WiWi-Gebashe! Peter bezieht das Ganze dann auf die Kirche, und zwar nicht auf die Kosten- nd Spardebatten, die in den Landeskirchen allenthalben toben (das wäre nochmal ein eigenes Thema!), sondern auf die Wachstumszentrierung, die es so häufig gibt.

Er setzt dem Streben nach vielen Mitgliedern (oder geretteten Seelen) das „suchet der Stadt bestes“ entgegen. Ebenso wenig wie Gewinnmaximierung alleiniger Zweck des Unternehmens ist, ist Mitgliederwachstum alleiniger Zweck der Kirche:

In dem Moment, wo sich irgendeine Organisation als Selbstzweck definiert, verhält sie sich ihrer Umgebung gegenüber parasitär. Denn selbst der gesündeste Organismus wächst nicht grenzenlos vor sich hin. Und wenn Zellen im Körper nichts anderes mehr im Sinn haben, als möglichst schnell zu wachsen, dann ist das ein Tumor.

Ich meine, Zweck der Kirche ist es, zu Verkünden, sicher, und für diejenigen, die angesprochen werden, auch Gemeinschaft zu sein. Aber eine Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen ist doch etwas kurz. Was soll man in der Gemeinschaft tun, außer mal so richtig gemeinschaftlich zu sein und noch mehr Gemeinschafter zu werben?

Ich meine, da kommt dann ganz schnell das Nächstenliebegebot zum Tragen. Wir sollen ja auch Salz der Erde sein. Das schlägt sich dann wohl in entsprechenden Taten (Werken) nieder. Diese sind vielleicht nicht nötig, um sich das Heil zu erwerben (als ob man als Mensch das selbst tn könnte!) und sich selbst zu retten, wohl aber werden gute Werke als Beleg des rechten Glaubens genannt (Glaube ohne Werke ist tot). Und ich meine, es ist durchaus zu kurz gegriffen, wenn man unter den Werken dann nur Evangelisierung versteht. Das hat dann auch ne recht schwache Außenwirkung. Wenn wir unseren Glauben bewerben, dann ist das nachvollziehbar, aber nur normal. Jeder wirbt für die eigene Gruppe, das eigene Produkt. Wenn sonst nichts (oder nicht viel) kommt, ist der Vorwurf bestimmter Atheisten schnell gemacht, daß es uns nur ums Geld ginge, das wir von Neumitgliedern abgreifen könnten.

Andersrum ist aber Handeln in Nächstenliebe ebenfalls gute Werbung und Provokation zum Nachfragen: Wieso tun die das? Damit hat man dann auch einen Anknüpfungspnkt zur Verkündigung. Vielleicht wächst man nicht so schnell, aber man hat einen Zweck, der außerhalb der Kirche selbst liegt. Das Salz ist nicht dazu da, salzig zu sein, sondern um andere Speisen zu würzen. Es hat keinen Selbstzweck.

Das Wachstum allerdings liegt nicht in unseren Händen. Die Bibel gibt uns auch nirgends den Auftrag, ne gewisse Wachstumsrate zu erfüllen, oder eine bestimmte Taufrate. Der Glaube, und damit der Wunsch zur Taufe und die Mitgliedschaft, kommen von Gott. Es liegt in Seiner Hand. In unserer Hand liegt es, zu sähen, also zu verkündigen und Liebe zu üben untereinander und zu allen. Vielleicht sollten wir, bevor wir uns um Gottes Job kümmern, unseren eigenen machen.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 26.03.2012 (Jer 1, 9)

Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

So spricht Gott zu Jeremia. Aber das ist nicht das erste, was Gott sagte. Die erste Rede Gottes an Jeremia steht in Vers 5:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Damit setzt quasi gleich die Handlung im Buch Jeremia ein. Alles vorher ist nur Titel und Datierung. Alles geht los mit der Stimme Gottes, die plötzlich ertönt. Und Jeremia hört das. Jeremia, ein junger Mann aus einer Priesterfamilie. Und das passiert einfach so: Jeremia, paß auf, Du bist jetzt Prophet. Keine Einladung zu nem Eignungstest, kein Bewerbungsgespräch, nichts. Gott interessiert sich auch nicht groß dafür, ob Jeremia der neue Job jetzt zeitlich grad passt, oder ob er doch was anderes vorhatte. Bamm, Berufun, und so isses.

Freilich, als richtiger Prophet gibt Jeremia erst einmal Widerworte:

Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

Jeremia will da raus. Prophet sein, das ist ein Full Time Job. Und Jeremia ist aus ner Priesterfamilie. Dem dürfte klar sein, daß das Prophetendasein nicht nur Honigschlecken ist. Der Einwand „zu jung“ war schnell zur Hand, vielleicht das erste, was ihm einfiel. Doch vor Gott entkommt man nicht, auch und gerade nicht als Prophet:

Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten

Das wär ja auch zu leicht gewesen! Gott insistiert. und gibt gleich bekannt, wie die „Geschäftsbeziehung“ in Zukunft laufen soll:

  1. Keine Widerworte
  2. Mobilität wird verlangt
  3. Verkündigung. Gut, das war vorauszusehen…

Vergütung? Nicht wirklich, aber ne Versicherng scheint inbegriffen zu sein. Und dann kommt es:

Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Das war dann wohl die Berufsausbildung. Und die läßt nichts Gutes ahnen: Da ist von Zerstören, Ausreißen und einreißen die Rede. Die Völker und Königreiche werden not amused sein. Es ist zwar auch noch die Rede vom Bauen und Pflanzen, das stimmt etwas versöhnlich, aber trotzdem. Angenehm wird die Sache nicht.

Und das zeigt sich schon am ersten Arbeitstag, Jeremia kann nämlich gleich anfangen. Erst gibt es noch ein Wortspiel mit nem „erwachenden Zweig“, der hier nicht weiter interessant ist, und dann kommt der Kessel:

Ich sehe einen siedenden Kessel überkochen von Norden her.

Jeremia hat seine „Ausbildung“, er ist schon mitten drin im Sehergeschäft. Vorerst sagt ihm Gott noch selbst, wie das zu interpretieren ist:

Von Norden her wird das Unheil losbrechen über alle, die im Lande wohnen. Denn siehe, ich will rufen alle Völker der Königreiche des Nordens, spricht der HERR, dass sie kommen sollen und ihre Throne setzen vor die Tore Jerusalems und rings um die Mauern her und vor alle Städte Judas. Und ich will mein Gericht über sie ergehen lassen um all ihrer Bosheit willen, dass sie mich verlassen und andern Göttern opfern und ihrer Hände Werk anbeten. So gürte nun deine Lenden und mache dich auf und predige ihnen alles, was ich dir gebiete. Erschrick nicht vor ihnen, auf dass ich dich nicht erschrecke vor ihnen! Denn ich will dich heute zur festen Stadt, zur eisernen Säule, zur ehernen Mauer machen im ganzen Lande wider die Könige Judas, wider seine Großen, wider seine Priester, wider das Volk des Landes, dass, wenn sie auch wider dich streiten, sie dir dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht der HERR, dass ich dich errette.

Was für ein erster Arbeitstag! Es geht also nicht nur um Ausreißen irgenwelcher Völker und Könige, es geht m Juda, um Jeremias Heimatland selbst. Und von Bauen und Pflanzen ist keine Rede mehr.

Wie fühlt man sich da wohl? Erschlagen? Kann ich mir denken! Und auch wenn Jeremia gehofft haben sollte, das ginge bald vorbei: Da wurde er enttäuscht. Jeremia sollte 40 Jahre lang als Prophet wirken. Er erlebte die Zerstörung Jersalems. Mit Rente war dann wohl auch nicht viel: Seine Spuren verlieren sich, nachdem er nach Ägypten verschleppt wurde.

Kein leichtes Leben. Kein schönes Leben. Keine Chance, zu entkommen. Statt dessen: Leid. Oder lateinisiert: Passion.

Es ist Passionszeit. Die Passion bezieht sich nicht auf Jeremia, sondern auf Jesus. Jesu Aufgabe war es nicht, Jahrzehnte lang zu prophezeien und dann in ein fremdes Land verschleppt zu werden. Er war als Kind in Ägypten, kam aber wieder heil nach Hause, nur um dann, ein paar Jahre später, in Jerusalem am Kreuz zu sterben, gefoltert und verspottet.

Er mußte es tun. Dazu war er da. Und auch Jeremia mußte tun, was er tat. Gott ließ ihm keine Wahl. Er hatten eine schwere Lebensaufgabe zu erfüllen.

Und er erfüllte sie. Und Gott errettete ihn.

kirche, Kirche & Web 2.0

Neid

… daß ich nicht dabei sein konnte. Aber nicht so viel, vor allem Interesse daran, was da jetzt rumkommt. Also so an Ideen. Mir kam auch eine, mehr dazu weiter unten.

Um was geht’s? Natürlich um das Barcamp Kirche 2.0 am letzten Wochenende. Um jetzt nicht wie der Blinde von der Farbe zu sprechen über ein Treffen, zu dem ich nicht hingekommen bin, hier einfach mal ne Liste mit Beiträgen zum Thema:

Wahrscheinlich gibt es inzwischen schon wieder einige neue Berichte, die ich noch nicht gesehen habe. Wie immer gilt, ich schreib sie gerne noch rein, wenn ich se find oder mir jemand was sagt.

Nachdem ich das alles gelesen habe, und eigentlich auch schon vorher, kommen mir so einige Gedanken, die ich jetzt ganz unsortiert mitteilen will.

Sakramente

Heiko Kuschel hat in seinem Blogartikel geschrieben, daß Sakramente im Twittergottesdienst nicht gehen. Ich hatte mir da schon einmal ähnliche Gedanken gemacht, aber damals schon zumindest für das Abendmahl eingeschränkt. Und inzwischen stellt sich mir die Frage etwas deutlicher:

Was spricht dagegen, wenn jeder Brot und Wein zur Hand hat, der Segen via Twitter gesprochen wird, und man dann gleichzeitig, freilich ohne einander zu sehen, erst Brot ißt, dann Wein trinkt?

Ich bin mir ehrlich gesagt unsicher, hab auch meine Vorbehalte, kann sie aber nicht wirklich in Worte fassen, so daß ich mich frage, ob es wirklich einen Grund gibt.

Bei der Taufe bin ich freilich ebenfalls der Meinung, daß das nicht über’s Netz geht. Schon alleine, weil man über’s Netz kein Wasser übertragen kann…

Lobpreis

Vor gar nicht langer Zeit hab ich mich ja zu youtube und Verkündigung geäußert. Nun drängt sich mir immer mehr af: Twitter ist DAS Medium für Lobpreis. Seit meinem ersten Artikel zum Thema Gottesdienst und Internet hab ich mich immer wieder nach dem Gemeindegesang gefragt, und ob das überhapt geht über das Netz. Irgendwie stell ich es mir komisch vor, vorm Rechner zu sitzen und Ein feste Burg zu schmettern.

Aber wenn man das Ganze elementarisiert, dann kommt man vom Gemeindegesang schnell zu dem Wörtchen Lobpreis. Und das geht auch ohne Gesang, das geht auch zum Beispiel per Text. Und das Tolle dabei ist, solche Texte können recht kurz sein. Psalm 117 paßt beispielsweise komplett in einen Tweet.

Fürbitten

Ehrlich gesagt ich gehör zu den Leuten, die sich nie trauen, freie Fürbitten zu sprechen. Muß ich mir wohl noch angewöhnen, bis das Studium um ist. Wie dem auch sei, gibt es viele Menschen, die das können. Und mit der Anonymität des Netzes fällt vielleicht auch ein wenig die Scheu davor, im Mittelpunkt zu stehen.

Daher denke ich, daß Fürbitten ebenfalls, und zwar vor allem in der freien Form, wunderbar zu twitter passen können. Fürbitten können auch oft sehr kurz und prägnant formuliert werden, so könnten dann mehrere Menschen über Twitter an der entsprechenden Stelle im Gottesdienst ihre Fürbitt-Tweets absenden, die dann von der Gemeinde auf der Twitterwand verfolgt werden können.

Fragmentarisieren?

Bei all den Möglichkeiten drängt sich mir jetzt ein Gedanke auf: So gut die einzelnen Elemente für die einzelnen Bedürfnisse geeignet sein sollten, ist es sinnvoll und pragmatisch, sie zu einem Gottesdienst zu integrieren? Wenn ich jetzt meinen Computer anmache und merke, da läuft grad ein Gottesdinest auf Twitter, und ich will nen Lobpreis oder ne Fürbitte formlieren, kann es passieren, daß der Gottesdienst bis ich den Tweet abgesetzt hab, schon weiter ist. Und der Tweet stört dann einfach, weil er am falschen Platz ist. Auch dauert es je nach Internetverbindung eine Weile, falls die Predigt bei yotube als Video vorliegt, bis alle Teilnehmer dahin umgeschaltet haben, oder bis das Video geladen hat. Ich kenn einige Gegenden, da kann man das mit dem Video sowieso gleich ganz vergessen, da gibt es noch kein DSL.

Aber wer sagt denn, daß ein Gottesdienst immer aus Lobpreis, Gebet, Predigt etc bestehen muß? Predigten kann man auch so lesen, in Büchern oder im Netz, wo es Archive gibt. Man kann auch so beten, oder Gott preisen (auch wenn es selten vorkommen sollte).

Mein Gedanke geht weg vom Paradigma des Sonntagsgottesdienstes, hin zu Frömmigkeitsformen. Per twitter kann man im stillen Kämmerlein beten, und trotzdem Teil der weltweiten Kirche sein. Man kann, wenn man die Zeit dafür hat, sich eine Predigt ansehen, anhören oder lesen. Und auch wenn nicht eine geschlossene Gruppe gemeinsam zu einem Zeitpunkt vorm Computer sitzt und das Gleiche tut, kann Gemeinschaft entstehen, oder englisch: community.

Community

Nehmen wir das Paradigma der Predigt aufm Blog. Ein Prediger schreibt seine Predigt und stellt sie af sienen Blog, für alle Welt zu lesen. Und unter Umständen dauert es nicht lange, bis sich die ersten Kommentatoren melden. Hier ist die Gelegenheit gegeben, die Themen der Predigt mit Interessierten zu besprechen, und meist kommt doch eine gehaltvollere Rückmeldung als „schöne Predigt, Herr Pfarrer“, die zwar lieb gemeint ist, aber unter mständen mehr über das soziale Ranking des Pfarrers im Dorf als über die Qualität der Predigt sagt.

Oft ist es so, daß sich um einen Blog eine gewisse Gruppe von Menschen sammelt, die da immer mal wieder lesen, und auch kommentieren. So ist man offene Gemeinschaft im Austausch über den Glauben.

Ähnlich ist es möglich bei youtube- Videos oder ähnlichen Videoportalen: Auch hier kann kommentiert werden, auch hier können sich Gemeinschaften um einen Channel bilden.

Problem dabei sind Spammer und Trolle, und man wird unter Umständen Wege entwickeln müssen, seine Gemeinschaft vor ihnen zu schützen.

Auch bei Fürbitten oder Lobpreis kann Gemeinschaft entstehen, wenn auch vielleicht viel diffuser als beim Predigtblog oder youtube Channel:

Denkbar wäre vielleicht, daß man einen Hashtag etabliert je für Fürbitten und Lobpreis. Man könnte für jeden eine Twitterwall errichten, und so Kontakt zur Gemeinschaft bekommen. Etwa, indem man sich die Fürbittenwand ansieht, und für sich allein im Kämmerchen mitbetet. Oder einfach seine eigene Fürbitte absendet in der Gewißheit, Mitbeter zu finden. Ebenso beim Lobpreis kann man mitlesen, oder auch selbst mitmachen oder beides. Idealiter wären die Hashtags international verbreitet und es käme zur ewigen Fürbitte und ewigem Lobpreis in allen möglichen Sprachen, aber einheitlichen Hashtags. Das wäre doch einmal etwas für die Ökumene!

kirche, Kirche & Web 2.0

Youtube und die Verkündigung

Youtube erreicht mehr Menschen als die Sonntagspredigt, titelt idea. Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, inwieweit die Rechnung stimmt – es gehen ja immer noch recht viele Menschen in die Kirche, und wenn das genannte youtube-Weihnachtsvideo in Konkurrenz treten muß zu den Weihnachtsgottesdiensten, könnte es tatsächlich eng werden mit dem Vorsprung in der Wirkweite – ist es doch eine interessante Frage, ob und wie sich videoportale für die Verkündigng nutzen lassen.

Der Vorteil gegenüber der Gottesdienstübertragung sonntags af dem ZDF oder dem Wort zum Sonntag der ARD und auch anderen Fernsehangeboten wäre, daß sich eigentlich jeder, der Zeit und Lust hat, sich dranzumachen, ein entsprechendes Video einstellen kann. Auch für ganz andere Zielgruppen als die entsprechenden Fernsehformate.

Auch die Funktion wäre eine etwas andere, zmindest anders als beim Fernsehgottesdienst, denn mir scheint, daß sich über youtube vor allem Verkündigung, also Predigt, realisieren ließe. Das kann dann in allen möglichen Formen stattfinden und muß nicht an die Kanzelrede in der Kirche erinnern, deren Paradigma ja auch beim Wort zum Sonntag zum Zuge kommt, wenn auch ohne Kanzel und teilweise sogar außerhalb des Studios. Verkündigung bei yotube kann auch aussehen wie eine Dokumentation von Guido Knopp über die Goldfische Hitlers, oder noch andere Formen annehmen.

Mehr als die Verkündigung kann yotube meines Erachtens nach nicht leisten, zumindest nicht diejenigen Gottesdienstteile wie Gebet, Lobpreis oder gar die Sakramente. Darüber hatte ich auch schon mehrmals geschrieben.

Allerdings sehe ich es durchaus so, daß eine Unterstützng der Verkündigng durch youtube eine gute Möglichkeit wäre, das Evangelium auch wieder außerhalb des kirchlichen Ghettos zu verbreiten. Vor allem zwingt youtube quasi dazu, sich an die alte Regel zu halten: „Man kann über alles predigen, nur nicht über 20 Minuten.“

Und noch einen Vorteil gäbe es: Im Gegensatz zur Sonntagspredigt gibt es bei youtube sehr schnell Rückmeldungen, die sich nicht auf ein „schöne Predigt Herr Pfarrer“ beschränken. Hier besteht viel eehr die Möglichkeit, über den Inhalt auch ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Jetzt brachen wir nur noch genügend technikaffine Pfarrer, die medienpädagogisch und handwerklich in der Lage sind, gute Videos zu produzieren und dann auch noch die Kommentare betreen können. Nach allem, was man so aus der pfarrämtlichen Alltagspraxis hört, gibt es dafür wohl eher weniger Freiräume…

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Die Ethik

Früher, als noch alles besser war und schwarzweiß, da stand die Dogmatik im Mittelpunkt des religiösen Interesses: Wer ist Christus? Wieso ist er gestorben? Was bringt mir das? etc etc…

Aus dieser Dogmatik, die durchaus in verschiedenen Zeiten und Konfessionen sehr unterschiedlich gefasst und akzentuiert wurde, hat man dann Regeln für das Miteinander, die Ethik, abgeleitet. So entstand aus den Dogmen, daß Gott gut ist und die Bibel seinen Willen ausdrückt die ethische Forderung, die biblischen Gebote zu halten. Platt ausgedrückt.

Weitere ethische Forderungen wurden weiterhin aus Bibel und Dogmatik abgeleitet, bzw wurden gewisse Praktiken zu rechtfertigen gesucht, unter anderem auch Sklaverei und Antisemitismus, auch wenn diese Rechtfertigungen bei genauem Hinsehen doch sehr hahnebüchen wirken (so spricht Paulus im Philemonbrief nicht gegen die Sklaverei, deutet sie aber derart um, daß nicht mehr viel davon übrigbleibt, und die ständige Betonung des Vorrangs der Juden lässt den Antisemitismus späterer Zeit doch sehr schlecht durch die Bibel begründet verstehen)…

Mit der Zeit kam es dazu, daß andere Grundlagen für die Ausbildung der Ethik gesucht und gefunden wurden. Die Vernunft, das Sittliche etwa, die in der Aufklärung behauptete Güte aller Menschen, wenn sie nur recht unterrichtet wären (das gäbe noch einmal einen Artikel für sich). Ausgehend von diesen Dogmen der Neuzeit hat man dann Schritt für Schritt die alten Dogmen und damit die christliche Religion hinter sich gelassen. So konnten die ersten Aufklärer vielleicht noch anerkennen, daß durch die Religion Sittlichkeit gelehrt wird, aber nach und nach setzte sich die Ansicht durch, zumindest bei einigen Menschen, daß die Kirche mit ihren Dogmen überflüssig sei.

Interessanterweise aber werden viele ethische Aussagen immer noch in weiten Teilen der Bevölkerung anerkannt. Am bekanntesten ist wohl die Bergpredigt, sie wird immer wieder ach von Nichtchristen hervorgehoben und gelobt.

Auch in anderen Gebieten wird immer wieder auf ethische Positionen der Kirche verwiesen, etwa bei bioethischen Diskussionen. So hat also, auch wenn die Dogmatik der Kirche als überholt und nicht mehr zeitgemäß gilt, die Ethik immer noch einen gewissen Stellenwert.

Mir stellt sich nun die Frage: Kann man auch ausgehend von der Ethik die Dogmatik rückerschließen? Die christliche Ethik scheint ja in vielen Punkten mit den Dogmen der Moderne zusammen zu gehen. Sie geht aber auch zusammen mit den alten Dogmen des Christentums, ist sie doch aus diesen entwickelt worden.

Eine Verkündigung müßte also in der Lage sein, ausgehend von einer allgemein anerkannten Ethik auf die Dogmatik des christlichen Glaubens zu sprechen zu kommen, und somit die Möglichkeit einer erneuten Würdigung alter Überzeugungen von Evangelium und Erlösung bieten können.

Ich frage mich: Gibt es das schon? Werden Predigten geschrieben und gehalten, die nicht die Bibel (und die darin enthaltene Lehre) auslegen und zu einer Umsetzung in der Ethik kommen, sondern die umgekehrt von einem allgemein als gut anerkannten ethischen Handeln (ob es sowas wirklich gibt, wäre eine weitere Frage) auf Bibel und Lehre zurückkommen, nicht um diese als wahr zu erweisen (denn einen strengen Beweis kann es nicht geben), aber doch um eine gewisse Plausibilität der biblischen Botschaft herauszuheben und ihre Relevanz.

Über die Möglichkeiten und Gefahren einer solchen Methode bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Vor allem ob und wie eine solche Predigt das Evangelium verkündigen könnte, statt nur die Schrift als lesenswert darzustellen, ist mir noch nicht ganz klar.

Aber vielleicht liest das hier der eine oder die andere und hat dazu eine Meinung, und es kommt zu einer Diskussion des Ganzen. Um Kommentare wird gebeten.