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Lieber Gutmensch

lieber-gutmenschDieses Bild hab ich heute auf Twitter gesehen. Dazu einige Links:

Von Neonazis vergewaltigt
Neonazi muss in Haft
Nazi-Bestien vergewaltigen Opfer mit Besenstiel
NPD-Kandidiat wegen Vergewaltigung und Überfall verurteilt

Obdachloser bei Mügeln zu Tode getreten

Rollstuhlfahrer ausgeraubt

OSS diskutierte Anschlag auf Dresdner Frauenkirche
Brandanschlag auf Kirchenmitarbeiter
Katholische Kirche von Neonazis niedergebrannt

Gehört eine Nazi-Guillotine ins Museum?
Widerstandskämpfer von Nazis geköpft

Der Text in obigem Bild will suggerieren, daß die offene Gesellschaft der „Gutmenschen“ zu all diesen Verbrechen führen wird: Vergewaltigung, Raub, Mord. Die Links sollten belegen, daß wir keinerlei Flüchtlinge oder Migranten brauchen, um diese Verbrechen zu begehen, das wollen uns die – ja, wie nennt man sie? Schlechtmenschen? Angstmenschen? Rechte Hetzer? – wie auch immer man sie nennt, sie wollen uns weis machen.

Die Idee dahinter ist, das Ideal der offenen Gesellschaft fallen zu lassen und dem Vorurteil, der Ab- und Ausgrenzung Tür und Tor zu öffnen,sich von der Angst vor allem Fremden bestimmen zu lassen – während diejenigen, die die Angst verbreiten, selbst all diese Verbrechen begehen, für die sie die Migranten verantwortlich machen.

Deshalb möchte ich an der offenen Gesellschaft festhalten, egal wie oft sie mich als „Gutmenschen“ verhöhnen. Und auf diese Weise angesprochen, möchte ich antworten:

Ja, auch wenn Ihr und Euresgleichen mir und meinen Lieben all das angetan habt, hoffe und bete ich inständig, daß ich tolerant und offen bleibe und nicht wie jene werde, die diese Verbrechen begehen.

Denn, wenn man es mal genau betrachtet, ist doch das ganze rechte Gesocks kein bißchen besser als die Daesh Leute: Sie alle sind von Haß erfüllt und verbreiten Angst, um ihre Gewaltphantasien zu legitimieren.

Machen wir uns nicht gemein mit diesen Schlechtmenschen.

Netzfunde

Project Unbreakable – Vorsicht, kann triggern

Warnung:
Da es in dem vorgestellten Projekt um Vergewaltigungsopfer geht, besteht die Gefahr, daß das Lesen oder Ansehen des Nachfolgenden triggern kann.
Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Dieses Video stellt Project Unbreakable vor.

Ich bin die Tage beim Surfen drauf gestoßen und hab ne Weile gebraucht zu verstehen, um was es geht. Heute stieß ich dann beim genaueren Nachsehen auf obiges Video und den folgenden Text auf der dazugehörigen Spendenseite:

The mission of Project Unbreakable is to increase awareness of the issues surrounding sexual assault and encourage the act of healing through art. Since the project’s conception in October 2011, it has featured over two thousand images of sexual assault survivors holding posters with quotes from their attackers.

Es geht also darum, den Opfern von Vergewaltigungen die Möglichkeit zu geben, zu Wort zu kommen, und was man da so liest, kann durchaus verstörend sein. Meist sind nur Zitate der Täter während der Vergewaltigung auf den Schildern zu lesen. Manchmal gibt es auch weitere Informationen, wie die Opfer im Nachhinein noch als Lügner, selbst schuld etc hingestellt wurden, wie gesagt, verstörend. Und es geht darum, nicht weiter zu schweigen, wie die Täter es oft forderten und das Thema Vergewaltigung aus dem Tabubereich zu holen. Im Video ist davon die Rede, daß jede dritte Frau und jeder fünfte Mann in seinem Leben Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde. Wenn das so stimmt, ist das erschreckend und jenseits dessen, was ich für möglich hielt, wobei die Statistik offenkundig aus dem USA kommt, und womöglich sind die Dinge dort schlimmer als hier, aber vielleicht auch nicht.

Jedenfalls bin ich, nachdem ich mir das Ganze nochmal angesehen habe, zu der Ansicht gelangt, daß es sich bei dem Projekt um eine durchaus positive Sache handelt, und deshalb hab ich es hier vorgestellt.

Gesellschaft, kirche, Theologie

Die Pille danach

Ich wollte zu dem Thema ja eigentlich nichts mehr schreiben, aber diese Erklärung Bischof Meisners (via) wollte ich Euch dann doch nicht vorenthalten. Ein paar Auszüge:

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.

Bei der Verhinderung der Nidatin sieht es anders aus:

Dass das Abgehen befruchteter Eizellen auch ganz natürlicherweise ohne menschliches Zutun geschieht, berechtigt einen Menschen nicht dazu, diesen natürlichen Vorgang aktiv zu imitieren. Denn die Beendigung eines Menschenlebens durch die Natur nennt man ein Naturereignis. Dessen absichtliche Imitation nennt man Tötung.

Trotzdem gilt natürlich:

Die Ärzte in katholischen Einrichtungen sind aufgefordert, sich rückhaltlos der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen und sich dabei unter Berücksichtigung des neusten Stands der medizinischen Wissenschaft in ihrem ärztlichen Handeln an den oben genannten Prinzipien auszurichten.

Und ein Blick in die Geschichte:

Bisher wurde oft davon ausgegangen, dass die nidationshemmende Wirkung das zentrale Wirkprinzip der Präparate sei, die als „Pille danach“ bezeichnet werden. […] Das ist offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft. Die Kirche muss aber in ihren Einschätzungen die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer berücksichtigen. […] Die Kirche kann dazu nur die moralischen Prinzipien erklären. Der einzelne Arzt einer katholischen Einrichtung muss sich dann unter Voraussetzung dieser Prinzipien gewissenhaft kundig machen und so zu einer verantwortungsvollen Entscheidung kommen.

Und was ist mit den Enzykliken und sonstigen relevanten Texten:

Die Instruktion „Dignitatis personae“ der Kongregation für die Glaubenslehre vom 8. September 2008 nennt unter den „Interzeptiva“ „die so genannte ,Pille danach‘“, bezieht sich dann aber ausschließlich auf die nidationshemmende Intention […]

Zu betonen ist, dass sich die Erklärung des Erzbischofs von Köln auf die Situation einer Vergewaltigung bezieht und nicht auf die Situation in einer sakramentalen Ehe, die die Enzyklika „Humanae Vitae“ behandelt.

Und den Satz find ich interessant, weil das Beisiel vergewaltigter Nonnen in Diskussionen auch schon aufkam:

Entsprechend hatte auch schon die Glaubenskongregation die Einnahme von Antikonzeptiva durch Ordensschwestern in einer Weltgegend, in der sie Vergewaltigungen fürchten mussten, erlaubt. Es geht beim Thema Vergewaltigung nicht um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes, sondern um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung.

Ich hatte in einigen Diskussionen Vermutungen in die Richtung geäußert, die Meisner jetzt einzuschlagen scheint. Zu hoffen bleibt, daß diese Erklärung jetzt schnell Verbreitung findet, damit nicht wieder ein Opfer auf Hilfe verzichten muß, deshalb hab ich hier auch so ausführlich daraus zitiert.

Und nochmal was ganz anderes, was hier eigentlich gar nicht mehr herpasst, aber trotzdem zur römischen Welt gehört und ebenfalls oft die Gemüter erregt: Die katholische Heirat. Die könne wohl auch unter Berücksichtigung des Glaubens (bzw des Fehlens desselben) annuliert werden, überlegt der Papst. Das sind freilich noch fühe Überlegungen, aber daß sie überhaupt angestellt werden, ist doch schon einmal was.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Donnerstag, 24. Januar 2013

Antje schreibt von der „neuen Lust am Patriarchat“. Ich weiß nicht, ob ich ihr in allem so folgen kann, ich befasse mich jedoch auch nicht so ausgiebig mit Fragen des Feminismus. Allerdings stelle ich mir die Frage, wieso es gleich eine Rolle spielen muß, ob in einem Film Frauen nur Nebenrollen spielen. In meinem unreflektirten Medienkonsum hab ich es bei solchen Filmen einfach hingenommen, ohne da bewußt nach der Rollenverteilung gefragt zu haben. Vielleicht liegt das auch daran, daß ich ein Mann bin. Bei Rosamunde Pilcher und ähnlichen Produktionen kommt es mir aber oft so vor (ich gebe zu, ich folge bei den Filmen selten der Handlung sondern beschäftige mich meist nebenher mit anderem), als ob dort Männer recht flach dargestellt werden oder lediglich als Statisten dienen, jedenfalls diejenigen Männer, die in den Beziehungsgeschichten eine Rolle spielen. Villeicht ist es auch wirklich so, daß Frauen und Männer generell oder zumindest noch in teileise getrennten Welten leben, und je nach Perspektive das eine oder das andere hervortritt. Bei Kinderfilmen spielen Erwachsene ja auch oft eine Statistenrolle…

Joel schreibt über wörtliche und dynamische Bibelübersetzugen und kommt zu dem Schluß: Die Frage ist nicht unbedingt: „genau oder modern“? Manchmal ist die Frage auch: „ungenau und altmodisch“ oder „genauer und moderner“?

Selten werden bei Sojourner’s in einem Artikel so viele deutsche Theologen genannt, wie in Alessandro Speciales (der mann heißt wirklich so) Artikel zu einer möglichen speziellen Strukur in der Kirche von Rom zur Aufnahme Lutherischer Konvertiten. Auf der einen Seite ist es ja wirklich etwas ärgerlich: Protestantischerseits lädt man zur gemeinsamen Reformationsfeier ein, dafür wird dann in Rom ein Versuch unternommen (oder eher vorbereitet), Protestanten von ihrer Kirche abzuwerben. Da wird in konservativen Kreisen immer wieder betont, man dürfe um der Ökumene willen bloß keine Frauen ordinieren, oder Homosexuelle treuen und dann gibt Rom nicht viel auf ökumenische Rücksichten, und bringt sowas. Ich frage mich: Wieso nicht? Wenigstens ist es ehrlich. Ich jedenfalls habe den Eindruck, daß Rom unter Ökumene immer nur die eigene Struktur meinte und das Ziel ökumenischer Gespräche ist, daß wir Protestanten wie auch die Orthodoxen uns wieder in die Papsthierarchie einordnen sollen. Dann sind diese Sonderstrukturen, die es auch schon für Anglikaner und Orthodoxe gibt (die Vorderen dieser beiden Konfessionen sind darüber auch nicht gerade erbaut) doch nur ehrlich. Man darf sich dann nur in Rom nicht wundern, wenn dann protestantischerseits stärker betont wird, daß die Unterordnung unter die römische Hierarchie nicht Ziel der Ökumene sein kann. Unsereins sucht ja eher den gemeinsamen Glauben als die gemeinsame Hierarchie (ich weiß, das ist provokant formuliert, aber trotzdem auch ehrlich gemeint ;)). Wie dem auch sei, wer gehen will mag gehen, konnte er bisher schon und wird auch weiterhin geschehen, auch umgekehrt, und zwar unabhängig von den jeweiligen Strukturen.

Beim Herrn Alipius erläutern uns die Pimpfe, was „In God we trust“ wirklich bedeutet, wenn’s hart auf hart kommt.

Ebenfalls vom Herrn Alipius (der hat es hier her wo noch andere Quellen verlinkt sind) bin ich auf eine WDR Lokalzeit aufmerksam geworden, die meine Vermutungen bezüglich der Vorgänge in Köln weitestgehend bestätigt.

Wahrscheinlich wird das jetzt in den Medien die Runde nicht machen, aber wer liest auch schon gerne, daß die Katholiken doch keine Unmenschen sind?

Ich bin aber wieder in meiner Vermutung bestätigt, daß gloria.tv irgendwo in der gleichen Ecke wie kreuz.net anzusiedeln ist. Nee, im Ernst, das sollen die Katholiken unter sich ausmachen (meinetwegen mit den lutherischen Neukonvertiten noch dabei ;)), aber Denuniation geht gar nicht und Hilfeinfrastruktur zu blockieren, die sich eigentlich um wirkliche Notfälle kümmern soll, geht erst recht nicht. Aus gutem Grund verbietet man Kindern, aus Jux den Notruf zu wählen.

Wer sagt, es werden keine Gebete erhört? Von hier aus gute Besserung.

Und Melissa schreibt von Homeschooling, warum sie es ablehnt und Martin Luther King. Lesenswert.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Sonntag, den 20. Januar 2013

Fangen wir an mit ein wenig Politischer Korrektheit. Beim Herrn Alipius gibt es ein kleines Video dazu. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der ZDF Serie „Unser Lehrer Dr. Specht“. Weitere Videos zur Herkunft der Politischen Korrektheit un der Rlle der Frankfurter Schule dabei gibt es beim Geier. Die Videos machen auf mich nen sehr einseitigen Eindruck, man will durch das ständige Widerholen des „Marxismus“ wohl dem amerikanischen Publikum klar machen, daß es sich hier um ne gan böse Strömung handelt, aber wenn man es schafft davon zu abstrahieren kann man aus den Videos vielleicht den Gewinn ziehen, den Zusammenhang zwischen political correctness, Studentenrevolution der 60er und marxistischen Strömungen zu sehen. Mein erster Eindruck ist, daß es um die Befreiung des Menschen geht. Die ist ein Stück weit sicherlich in die Hose gegangen, weil andere Unfreiheiten entstanden, aber das könnte man seinerseits ja wieder kritisieren, idealerweise ohne in alte Muster zurückzufallen (denn hätten die getaugt, wär der Marxismus welcher Prägung auch immer wohl nicht aufgekommen).

Und dann gibt es noch einen Artikel von Antje Schrupp zur Benutzung des „N-Worts“ (es handelt sich um das Wort „Neger“)  in Kinderbüchern. Ich gehöre ja noch zu der Generation, die mit Liedern wie „10 kleine Negerlein“ aufgewachsen ist und bis ins Jugendalter (das war in den 90ern) das Wort Neger für einen neutralen Begriff für Menschen mit dunkler Hautfarbe hielt. Schon damals irritierte mich, wieso der Begriff auf einmal nicht mehr angebracht war und warum man heute möglichst umständlich von „Menschen mit dunkler Hautfarbe“ (wenn das überhaupt politisch korret ist) reden muß. Trotzdem halte ich mich weitgehend an die Konvention, man will ja nicht negativ auffallen.

Nichts desto trotz empfand ich es als erfrischen unverkrampft, als ich zur Zeit meiner Wehrdienstes erlebte, wie in der Buneswehr Begriffe wie „Volk“, „Führer“ und dergleichen ohne böse Hintergedanken oder Konnotationen benutzt wurden. Man überlies diese Begriffe nicht den Nazis, sondern benutzte sie selbst in ihrer eigentlichen Bedeutung weiter, nämlich „Volk“ im Sinne von „Bevölkerung“ und „Führer“ im Sinne von „Anführer“.Ich empfinde das als ehrlicher und praktikabler als nur noch in Umschreibungen mit Gender-Gap zu sprechen und zu schreiben (ja, solche Blogs gibt es auch).

Und weil wir grad beim Herrn Alipius waren: Der geht in einem anderen Artikel auf den Unterschied zwischen Haß und Haß ein, oder so ähnlich. Und in einem noch anderen Artikel beschreibt er, wieso er trotz allem Kirchenhaß und aller Kirchenkritik trotzdem gerne sienen Job, nein, seinen Beruf (von Berufung ;)) ausübt und dankbar dafür ist, das zu tun.

Nick Baines, anglikanischer Bischof von Bradford, England, schreibt über den Sudan und Südsudan wie auch über Joachim Gauck und daß Christen „von einem anderen Liedblatt singen“.

Bei Weihrausch und Gnadenvergiftung gibt es einen Artikel zur Einheit der Christen, bzw dem Fehlen derselben.

Bei Theopop gibt es nun auch sowas wie Netzfunde, wöchentlich, und auf den Bereich Internet und Religion begrenzt.

Der Morgenländer hat ein längeres – und sehr poetisch verfasstes – Zitat von Simone Weil über diejenige außerweltliche Wirklichkeit, die Grundlage des Guten ist.

Fehlt nur noch ne Stellungnache der „NPD – türkische Abteilung“ … 😀

Zu etwas Schönerem, poetischerem: Hao hat eine Predigt zur Gerechtigkeit, oder bessr zur Ungerechtigkeit Gottes geschrieben. Wirklich wunderbar. Wobei mir der Gedanke kam, daß das, was er die Gerechtigkeit Iustitias nennt, hier Gleichheit genannt wird und das, was Hao Gottes Ungerechtigkeit nennt, die Gerechtigkeit des verlinkten Artikels ist.

Und zum Abschluß nochwas zu der Sache mit der Vergewaltigten von Köln. In Frankfurter Rundschau und Kölner Stadtanzeiger (via) wird zur Sprache gebracht, daß es wohl schon Vortäuschungen von Notlagen gab, um in katholischen Kliniken an die Pille danach zu kommen, woraufhin dann bei der Kirchenleitung Anzeige erstattet wurde, weil die Pille wirklich ausgegeben wurde. Trotzdem meine ich, wie schon geschrieben, entgegen der Berichterstattung, daß die fraglichen Kliniken gar nicht helfen konnten, weil sie keine anonyme Spurensicherung vornehmen konnten.

Weitere Rätsel gibt der in der Rundschau genannte Fall auf, wo eine Vergewaltgte in eine Klinik ohne Gynäkologie geacht wurde und dort nicht geholfen bekam (wie auch, ohne entsprechende Fachleute?), aber wie es aussieht nicht einmal an eine andere Klinik verwiesen wurde, wo man hätte helfen können…

Gesellschaft

Kölner Vergewaltigung

Was genau passiert ist, weiß man wohl noch immer nicht. Mir erschließt es sich jedenfalls nicht unbedingt. Um was geht es?

Eine Frau wurde im Dezember bei einer Party mit K.O. Tropfen betäubt, mutmaßlich vergewaltigt und wurde von zwei katholischen Krankenhäusern in Köln abgewiesen (zuerst wohl hier berichtet). Und dann geht es auseinander. Von den Krankenhäusern scheint als Grund angegeben worden zu sein, daß zu der verlangten Untersuchugn zwingend gehöre, daß über die Pille danach aufgeklärt werde und ein Rezept ausgestellt werden müsse. Daß das in katholischen Krankenhäusern nicht möglich ist, sollte eigentlich klar sein.

Läge die Sache so, wäre die Schuld wohl beim Gesetzgeber zu suchen, der einer katholischen Klinik verbietet, katholische Klinik zu sein. Sie dann dafür zu bestrafen, daß sie es doch ist, wäre durchaus etwas heuchlerisch. Das stellte auch Geistbraus fest (via). Durchaus nicht unzutreffend auch, wie er die Berichterstattung darstellt, indem er sich die Szene ausmalt.

Nun sieht es aber eher so aus, daß die Gesetzeslage der katholischen Klinik gar nicht vorschreibt, die Pille danach zu verschreiben, und daß auch die Leitung kein Problem darin sieht, wenn in einem Beratungsgespräch über die Pille danach informiert wird. Jedenfalls liest es sich bei domradio so. Der domradio Text ist auch in anderer Hinsicht interessant: Während im General Anzeiger Bonn noch die Rede davon ist, daß es schon einmal zu Entlassungen gekommen sei betont Meiser gegenüber domradio, daß es zu keinen Entlassungen gekommen sei. Vielmehr sei, so gibt WDR „Krankenhausleitung und Kirche“ wieder, Fehler einzelner Ärzte.

Andernorts war von einem Mißverständnis die Rede. Jedenfalls wird der Fall von allen beteiligten bedauert.

Daß der Mensch immer Schuldige sucht, ist eigentlich recht normal, das kennt man. Daß in unserer heutigen Zeit gerade die Kirche, gerade die katholische Kirche und gerade eine Teilkirche wie das Bistum des in liberaleren Kreisen (und damit auch bei mir) recht unbeliebten Bischofs von Köln gerne als schuldig angenommen wird, ohne die Sache noch einmal zu reflektieren, ist schon weniger normal für eine angeblich aufgeklärte Gesellschaft.

Ich sehe jedenfalls mehrere Szenarien, wie es sich zugetragen haben könnte:

  1. Das Bistum, Meiser und überhaupt alle Beteiligten Katholiken lügen. Die Frau hätte behandelt werden können und müssen und es liegt an der puren Menschenfeindlichkeit aller Katholiken, daß dies verweigert wurde. An der Formulierung sollte man erkennen, für wie wahrscheinich ich das halte.
  2. Es gibt eine gesetzliche Regelung, die das Verschreiben der Pille danach vorschreibt, und die Kliniken haben deshalb die Behandlung verweigert. Diese Variante halte ich deshalb für fragwürdig, weil von der Bistumsleitung selbst bestätigt wurde, daß dies nicht der Fall sei. Damit nimmt sie dem Staat den Schwarzen Peter in dem Fall ab.
  3. Obwohl gesetzlich vorgeschrieben haben die fraglichen Ärzte, vielleicht aus Unwisenheit, vielleicht aus falschem vorauseilendem Gehorsam oder aus welchen Gründen auch immer, die Behandlung verweigert, ohne „Rückendeckung von oben“. Hierhin deutet die Erklärung des Bistums, wobei nicht Boshaftigkeit angenommen wird, sondern schlicht ein Mißverständnis.

Man kann nun sicherlich anmerken, daß es am Bistum liegt, verständliche und nicht unverständliche Handlungsanweisungen zu geben. Den Schuh muß auf jeden Fall mindestens einmal anprobieren, wer für die fragliche Richtlinie verantwortlich zeichnet. Es war von einer Ethikkommission die Rede. Interesant wäre auch, diese Richtlinie, die mutmaßlich mißverstanden wurde, einmal durchzulesen und sich selbst ein Bild zu machen. Ich habe den Pressesprecher der Kliniken angeschrieben, aber ich bin skeptisch, ob ich eine Antwort erhalten werde. Ebenfalls wäre interessant zu hören, was die betroffenen Ärzte zu dem Fall zu sagen haben.

Abschließend muß aber festgehalten werden, daß der ganze Vorgang furchtbar ist und sowas einfach nicht passieren darf. ebenfalls ist aber festzuhalten, daß dem Bistum oder gar dem Bischof kein Vorwurf zu machen ist, denn soweit ich es sehe wurde von dieser Stelle lediglich die Pille danach verboten, die die Frau aber nicht wünschte, sie hatte das Rezept ja schon.