Netzfunde

Netzfunde, 8. Dezember 2013

Wahlen gibt es erst mal keine, der Ausgang der letzten ist ja immer noch nicht ganz klar, aber ähnlich wie der Wahl-o-mat gibt es jetzt einen Cred-o-mat, und zwar beim Bayrischen Rundfunk aufm woran-glauben Blog. Allerdings ist das kein Tool zur Auswahlhilfe eines Glaubens, sondern dient eher der Vergegenwärtigung dessen, was man glaubt. Es gibt ja keinen Menschen, der gar nicht glauben würde, auch wenn es immer wieder Leute gibt, die meinen, sie könnten ihre Kinder „neutral“ aufziehen, damit die sich dann später „frei entscheiden“ könnten.

Heute hab ichs im Evangelischen Kirchenboten (Druckerzeugnis, daher kein Link diesmal) gelesen und fand es recht krass, wenn auch erfrischen. Michael Diener, der Präses des Gnaudauer Gemeinschaftsverbandes und ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz hat dem pro Medienmagazin ein Interview gegeben. Das Interview hab ich nicht gelesen, das ist hinter einer Paywall, aber was ich in der Berichtserstattung darüber gelesen habe bzw was man bei youtube zu sehen bekommt… er hat sehr deutliche Worte gefunden. So warf er den Evangelikalen vor, eine Sündenhierarchie aufgebaut zu haben, bei der Fragen der Sexualität wichtiger seien als die Frage etwa nach den Flüchtlingen und ihrer Not. Das Interview gibt es in Ausschnitten bei youtube.
Ich bin selbst kein Evangelikaler, aber da sehe ich einen, der nach meinem Empfinden wichtige Probleme anspricht, die ich mit der evangelikalen Bewegung habe.

Eine andere Sache, die vor allem Evangelikalen, so mein Empfinden, wichtig ist, ist die Satisfaktionstheorie. Also die Theorie, daß Gott-Vater Seinen Sohn totschlagen mußte, um den Menschen ihre Sünden vergeben zu können, weil Er sonst Seine Ehre zu verletzt wäre, als daß Er vergeben könnte. Wer hier öfter liest weiß, daß ich damit auch meine Probleme hab. Ist halt ne recht späte Erfindung aus dem Hochmittelalter (genau: Thomas von Aquin). Peter hat sich dazu nun auch zu Wort gemeldet. Ich neige ja der von Aulen vorgeschlagenen Christus Victor Theorie zu, und letztens hab ich etwas über Abaelard gelesen das hörte sich auch ganz vernünftig an.Früher hoffte ich mal, Im Studium die Zeit zu finden, solche Fragen für mich zu klären. Es kam nicht dazu und wird es auch nicht mehr. Vielleicht später mal…

In Amerika gibt es ja so nen Slogan: Put the „Christ“ back in Christmas“, zu deutsch in etwa: Bringt Christus wieder ins Christfest. Es geht dabei wohl vor allem um „Probleme“ wie die Schreibweise Xmas, die wohl als säkular verstanden wird, wobei es sich bei dem X durchaus um ein Rho handeln könnte, also den Anfangsbuchstaben des Griechischen Christos, was dem deutschen CH entspricht, naja…
und dann gibt es ja auch das Problem mit „Happy Holidays“ was ja auch verschweigt, was wir diese Tage feiern – ganz böse. Wie kann man nur! Die Warrioress hat das ganze mal ziemlich treffend kommentiert:

How about putting Christ back in Christian?

Zu deutsch etwa:

Wie wärs, Christus zurückzubringen ins Christsein?

Die Stoßrichtung ähnelt vielleicht der Michael Dieners. Als Fazit steht bei der Warrioress: Wir haben den Kampf um Weihnachten in dem Moment verloren, als wir überzeugt waren, daß es ums Habenwollen geht.

Dann geraten nämlich diejenigen außer Sichtweite, die nichts haben. Die sind dann ja wie wir, wollen auch nur, und sind nicht besonders zu berücksichtigen…

Und noch zwei Artikel hab ich zu Armut und Reichtum, und zwar vom Tall Skinny Kiwi. Vorwürfen wie der, daß Arme Leute nur den ganzen Tag auf der faulen Haut lägenbegegnet er mit diesem Artikel, in dem er aus seinem Leben erzählt, das er in selbstgewählter relativer Armut führt.

In diesem Artikel schreibt er nochmal allgemein von Stereotypen.

Und dann ist ja Mandela gestorben. Bei der SZ gibt es nen interessanten Artikel zum Internet auf Halbmast. Demnach ist immer auch ein bißchen Selbstdarstellung bei den ganzen Tweets und Statusmeldungen bei Facebook et al, in denen es um den Tod bekannter Persönlichkeiten geht. Ich frag mich, ob das schlimm sein muß. Irgendwie betrifft der Tod ja auch einen selbst, auch wenn man denjenigen nicht kannte, er kann durchaus als Vorbild dienen und so auf einen wirken.

Nick Baines nimmt das zur Kenntnis und äußert die Hoffnung, daß die Leute Mandela nicht nur verehren, sondern ihm nachfolgen.

Und Markus Eichler hat auf seinem Blog nen Text aus der Bild-Zeitung, wo es um 7 Botschaften Mandelas geht, die bleiben werden. Ich bin skeptisch, ob die alle bleiben, ist wohl eher fromme Hoffnung. Wenn sein Einsatz für Versöhnung nach so viel Haß und Gewalt in Erinnerung bleibt (und hier und da vielleicht auch nachgeahmt wird), ist schon viel – sehr viel gewonnen.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Samstag, den 2. März 2013

Bei Schwergläubig kann man nachlesen, was man mit Gott so alles anstellen kann, und wieso das dann gottlos ist. Toller Text, wobei ich vielleicht am Ende etwas anders formuliert hätte. Ich bin der Meinung, daß derjenige, der mit Gott etwas macht, Gott also zum Objekt macht, Gott entgottet und sich selbst zum Gott aufschwingt, beziehungsweise dies versucht. Gehen kann das nicht, weil keiner die Macht hat, Gott zu entthronen, aber man kann so leben „als ob“, und muß dann wohl auch die Konsequenzen tragen, wenn was schief läuft.

Beim Herrn Alipius hab ich sowas gelesen, daß die katholischen Heime in Irland wohl nicht ganz dem üblen Bild entsprachen, das da scheinbar gemalt worden ist. Nun hab ich mich in diese ganze Geschichte überhaupt nicht eingelesen und möchte dazu auch gar nicht mehr scheiben, als diesen Hinweis für interessierte Leser. Allerdings möchte ich noch ein Wort zu der These verlieren, daß falsche Berichterstattung ja auch etwas Gutes haben könnte, nämlich daß bestimmte Themen öffentlich angesprochen werden. Scheint nach dem Motto zu funkionieren:

„Es ist Zeit für eine öffentliche Debatte zum latenten Antisemitismus in der Gesellschaft – oh, laßt uns doch mal schreiben, daß die Giordano-Bruno-Stiftung eine ganz miese antisemitische Vereinigung ist.“

Wär zwar falsch, aber hey, der Antisemitismus in der Gesellschaft könnte thematisiert werden. Geht natürlich auch mit anderen Themen: Piraten konsumieren Kinderpornos, Unionspolitiker fahren auch noch nach einer Maß Auto, NPD versteckt Abschiebekandidaten… Auch wenn öffentliche Debatten über Abschiebungen, alkoholisierte Autofahrer und Kinderpornographie (wohl besser: dokumentierter Kindesmißbrauch) nicht verkehrt sind, dürften wohl alle zustimmen, daß es nicht angehen kann, daß zu diesem Zweck einfach mal jemand an den Pranger gestellt wird. Und mal ganz ehrlich: Zu öffentlichen Debatten kommt es seltenst, meist doch eher zu Empörungswellen, Aufbrühen alter Vorurteile und Bestätigung unterkomplexer Weltbilder…

Noch so ein Kirchenthema: Bei GetReligion geht es darum, daß es für den Press Democrat in Santa Rosa ein ungeheuericher Vorgang ist, daß ein katholischer Bischof an katholischen Privatschulen katholische Lehre durchsetzen will. Sowas. Was kommt als nächstes? Wollen jüdische Geschäftsleute in ihren Geschäften vielleicht jüdische Bekleidungsvorschriften respektiert wissen? Ja, genau, wie man bei Sojourners nachlesen kann. Die Stadt New York ist übrigens der Auffassung, daß es sich hierbei um Menschenrechtsverletzungen handelt, wobei Kleiderordnungen in Edelrestaurants wohl in Ordnung gehen.

Johannes schreibt über die Summe wider die Heiden des Thomas von Aquin, und zwar genauer über die Frage, ob es zwei Götter geben kann. Ganz verstanden hab ich es nicht, interessant fand ich aber den Kommentar von Herrn Alipius. Thomas versteht das Böse wohl nicht als eigene, dem Guten gegenberstehende Entität, sondern fasst das Böse als Abwesenheit des Guten auf. Ich hatte das schonmal irgendwo gelesen, aber verstehe (noch) nicht ganz, wie man darauf kommen sollte, bzw warum es nicht auch einfach umgekehrt sein kann.

Bei Peter geht es um den Feminismus und seine Auswirkungen. Es gab da wohl in der zeit ein paar Artikel zum Thema. Was ich gut finde, auch wenn es schade ist, daß dies noch extra erwähnt werden muß (und ich habe den Eindruck, das muß es in der Tat) ist, daß eine erstrebenswerte Gesellschaft nicht so aussehen kann, daß statt Männern nun Frauen den Ton angeben, sondern daß die Gleichbehandlung von Männern und Frauen die erstrebenswerte Gesellschaft ausmacht. Deshalb halte ich den Begriff des Feminismus auch für schlecht. Gleichheit find ich irgendwie besser…

Ein anderes Thema aus dem Bereich Geschlechter und ihre Kategorisierung: In Amerika darf ein transsexuelles Kind (geboren als Junge, fühlt sich als Mädchen) in der Schule nicht die Toilette seines gefühlten Geschlechts benutzen. Ehrlich gesagt bin ich etwas ratlos, was ich davon halten soll, deshalb hier einfach nur der Hinweis darauf. Womöglich wären Unisex Toiletten wie bei den Piraten wirklich ne praktikable Lösung? Ich weiß es nicht.

Bei Remid gibt es ein Interview mit Erhard Gerstenberger, der bis 1997 in Marburg Professor für Altes Testament war, und zwar zum Thema Befreiungstheologie. Viel interessanter als das Interview finde ich den Hinweis auf den von der Giessener Elektronischen Bibliothek herausgegebenen Sammelband mit ausgewählten Aufsätzen Gerstenbergers. Das Ganze ist Open Access und kann also von jedem runtergeladen werden. Bei der GEB gibt es übrigens, wie ich rausgefunden habe, ne ganze Reihe an Open Access Dokumenten.

Und dann ist da noch der wöchentliche Artikel von „protestantisch pfälzisch profiliert“. Mechthild Werner schreibt über die Sonntagsruhe.