Netzfunde

Netzfunde Mittwoch, den 30. März 2016

Wir hatten schon lange keine Netzfunde mehr, ich hatte auch insgesamt wenig Zeit. So ein Vikariat ist schon fordernd.

Nun hab ich aber ein paar Tage Urlaub (was bitter nötig war) und bin beim Surfen heute über zwei Dinge gestolpert, die ich einfach mal festhalten will:

Das erste wäre ein Ausschnitt aus der NDR Talkshow. Bernhard Hoecker erklärt darin, wie die Flüchtlinge Deutschland überfluten und wie gefährlich das ist.

Das andere ist ein Interview der Stuttgarter Zeitung mit Professor Jürgen Moltmann, und ich kann nicht umhin, einige seiner Statements, die mir aus der Seele sprechen, zu zitieren.

Zum Kampf gegen Daesh sagt er:

Der IS ist in den Köpfen und in den Herzen von Menschen entstanden und kann auch nur in den Köpfen und Herzen von Menschen bekämpft werden. Es arbeiten viele Christen und Muslime in Deutschland und anderswo daran, dass junge Menschen nicht auf falsche Heilsversprechen reinfallen. Das ist der einzige Weg, den ich sehe.

Das erklärt vielleicht, wieso Käßmann doch Recht hat, wenn sie Terroristen mit Beten und Liebe begegnen will.

Auf die Frage, ob es im Sorgen bereite, daß derzeit so viele Muslime nach Deutschland kämen, antwortet Moltmann:

Christus ist nicht gegen die Muslime, sondern für sie gestorben. Das muss die Haltung von gläubigen Christen gegenüber den Muslimen prägen.

Zur Frage, ob er keine Angst habe, daß sich die Menschheit vernichte:

Angst ist eine Vorwegnahme des Terrors, Hoffnung ist eine Vorwegnahme der Freude. Ich bevorzuge die Hoffnung. Die Angst vor einem wie auch immer gearteten Weltuntergang lähmt uns, nichts befördert einen Weltuntergang so sehr wie die Angst vor ihm. Man muss die Angst in sich überwinden, und das geht nur über die Kraft der Hoffnung. […] Nichts zu hoffen bedeutet nicht zu leben.

Genug der Vorrede, hier der Link zum Interview.

Commenting Media

Kindergarten, Kirche, Geld

In Esslingen überlegt die Kirche, Kindergärten an die Stadt abzugeben. Das ist natürlich ein tolles Thema für die Krakeeleatheisten vom Atheist Media Blog. Natürlich wird wieder nur ein Medienprodukt zitiert, die Einschätzung des Ganzen überläßt man dem Kommentarbereich.

Nun hab ich aufgrund der im verlinkten Artikel gefundenen Angaben (und weiteren im Netz recherchierten Angaben) dort auch mal wieder nen Kommentar geschrieben, den ich hier zitieren will, weil dort wahrscheinlich eh keine zivilisierte Diskussion dazu möglich ist. Außerdem lesen hier eher Leute mit (hoffe ich zumindest), die vielleicht klären können, wieso die Beispielrechnung nicht paßt (falls ich mich nicht verrechnet habe), zumal das Thema Geld und Kirche ja grad beim Blog der Pfälzer Kirche dran war (und in den Kommentaren auch ein Betrag genannt wurde, den die Kirche allein pro Kindergartengruppe zahlt, der deutlich über dem liegt, was aus dem Artikel zu Esslingen hervorgeht). Also, wenn jemand etwas Erhellendes beitragen kann, her damit. Und hier kommt die Kopie des Kommentars:

17.000€ sind nichts nichts. Oder hast Du so viel, daß das für Dich in den Bereich der Peanuts fällt? Was hier eingespart wird, sind ja lediglich diejenigen Kindergartenplätze, die über den evangelischen Bedarf mitbetrieben werden. Das heißt die Kirche hat hier nicht nur den Staat, sondern auch die Nichtlandeskirchler unterstützt, indem sie aus eigener Tasche Kindergartenplätze mitfinanziert hat, die für ihre Mitgleider nicht benötigt wurden. Das soll jetzt zurückgefahren werden. Was nicht zurückgefahren wird sind die 17.000€ für die eigenen Kinder, die ohne die Kirche die Allgemeinheit allein zahlen müßte, also der Staat.
Und die 17.000 € sind nur die Zuschüsse aus dem Landeskirchenamt. Ob darüber hinaus die Gemeinde oder der Kirchenkreis Gelder aufbringt, steht da nicht.
Wenn die 17.000 das Geld für 20 Gruppen im Jahr sind und der Staat 91% (wie im Artikel angegeben) davon trägt und die 17.000 die restlichen 9% sind, dann kostet eine Gruppe pro Jahr 9444,44€ (oder hab ich mich verrechnet?).
Wenn ich jetzt pro Erzieher die 1200€ brutto im Monat nehme, die hier als Einstiegsgehalt für Erzieher genommen wird, dann sind das bei einem Erzieher pro Gruppe im Jahr alleine schon 14.400 Euro pro Gruppe! Und das beim niedrigsten angegebenen Einsteigsgehalt, nur einem Erzieher pro Gruppe (der dann weder Urlaub hat noch krank werden darf). Und davon sind dann noch keine Heizkosten, keine Bastelunterlagen, rein gar nichts bezahlt. Außer dem Erziehergehalt. Und der Arbeitgeberteil der Sozialversicherung ist da auch noch nicht drauf.
Wenn man sich jetzt die Entgeltordnung der Stadt Esslingen ansieht (hier), dann sieht man, daß für die Eltern im ungünstigsten Fall nochmal 146€ pro Kind im Monat anfallen (ab 2014, aber nehmen wir ruhig die Zahlen).
Wenn wir uns jetzt den Betreuungsschlüssel für Kindergärten im Land Baden Württemberg ansehen (hier) dann steht da beim Landkreis Esslingen für Kinder von 2 bis 8 Jahren 8 Kinder pro Betreuer. Nehmen wir also an, wir haben eine Gruppe, die nur einen Betreuer hat und aus lauter 2 jährigen Kindern besteht und deshalb in die Gruppe von 8 Kindern pro Betreuer fällt, bei den Preisen von nächstem Jahr, und nehmen wir ruhig 10 Kinder pro Gruppe an, weil die Kirche ja angeblich ihre Mitarbeiter so ausbeutet etc, dann kommen nochmal 1460 € zu den Gruppenkosten von 9444,44€ dazu, macht 10.904,44€, die pro Gruppe und Jahr zur Verfügug stehen. Da sind wir immer noch nicht beim Jahresgehalt der Erzieherin für diese Gruppe!

Dazu bräuchte man dann schon 34 Kinder für die eine Betreuerin (und dann wär immer noch nichts bezahlt außer die Betreuerin, die allein mit 34 Kindern wäre, keinen Urlaub hätte, nie krank würde, und auch schwarz arbeiten müßte, weil die Sozialleistungen der Arbeitgeberseite fehlen auch).

Wollte man von 8 Kindern ausgehen in der Gruppe, und den Lohn der Erzieherin anpassen, dann müßte man auf 884,37€ pro Monat runter. Und wie gesagt, inklusive aller Kosten, nicht nur dem Lohn, der am Ende für die Erzieherin rausspringt. Und es wären immer noch keine Bastelunterlagen, keine Spielsachen, kein gar nix bezahlt, nur die Erzieherin der Gruppe (ja nicht mal die Gebäudekosten: Heizung, Strom, Wartung…). Und diese hätte weder Urlaub noch könnte sie krank werden.

Falls ich da jetzt keinen Rechenfehler drin hab, was immer passieren kann (aber Ihr werdet mich drauf stoßen), dann erscheint mir das Ganze doch sehr unrealistisch (auch wenn man der Kirche große Bösartigkeit vorwirft, wie Ihr es gerne tut). Ergo gehe ich davon aus, daß die Zahlen entweder nicht stimmen oder zumindest irgendwelche Zahlungen nicht genannt wurden.

Nichtsdestoweniger fließen jährlich 17.000 € von der Kirche an eine Aufgabe, die normal dem Staat obliegt. Um diesen Betrag mindestens entlastet die Kirche den Staat tatsächlich!