Allgemein

Wer ist stärker als Jesus Christus?

Ivanhoe!“ sagte der Cousin meiner Mutter im Kommunionsunterricht mit dem Brustton der Überzeugung – und hat sich gleich eine eingefangen. Es stellte sich raus, daß die gewünschte Antwort „Niemand“ lautete…

Von derartigen „pädagogischen“ Mitteln sind wir zum Glück (hoffentlich?) weg. Aber eine Frage bleibt: Ist Christus wirklich stärker? Kommt diese ganze Evangeliumsgeschichte mit diesem langhaarigen Hippie nicht etwas weicheierig rüber? (Wer nicht glaubt, daß sich die Frage stellt, lese hier über aktuelle Entwicklungen in den Vereinigten Staaten)

Immerhin redet Jesus die ganze Zeit von Dingen wie der anderen Wange hinhalten, Vergebung, Liebe, auch zu den Feinden etc etc etc. Alles recht harmonietriefend, aber das ist ja nicht für jeden was. Manch einer ist vielleicht so gestrickt, daß er von einem Vorbild mehr Särke, mehr Kraft, mehr Härte erwartet. Oder kurz: Mehr Testosteron. (ich will jetzt gar nicht über die Gründe philosophieren, wieso man sich solche Vorbilder wünscht, ob es mit persönlicher Unsicherheit zu tun hat oder wie auch immer, bewerten will ich das schon gar nicht, ich nehm einfach mal zur Kenntnis, daß es das gibt)

Nehmen wir mal ein Beispiel herausragenden Testosteronstrotzens, vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an Rocky Balboa. Nein, ich meine nicht den tausendsten Aufguß vor ein paar Jahren, ich meine die Figur in der Filmreihe (wobei sich da der letzte Teil auch nicht groß unterscheidet in dem, worauf ich hinauswill). Ein Beispiel:

Clubber Lang, gespielt von Mr. T. boxt gegen Rocky Balboa, gespielt von Sylvester Stallone. Und Rocky tut das, was er eigentlich immer tut: Er läßt sich so richtig vermöbeln, bis sein Gegner außer Puste ist, und nimmt den dann geschwächten Gegner auseinander.

Letzteres tut Jesus nicht. Aber auch zum ersteren gehört einiges. Vielleicht sogar mehr, denn damit knackt man den Gegner ja.

Wenn also jemand die andere Wange hinhält, dann braucht man dafür durchaus einiges an Kraft. Seht Euch das Video nochmal an. Rocky hält nicht nur die Wange, ein paar Mal hin.

Ginge ein Boxkampf nicht nur über 15 Runden, könnte er es vielleicht sogar so weit treiben, daß sein Gegner so fertig ist, daß ein Windstoß ihn umwerfen könnte. Das ist aus dramaturgischen Gründen aber schon schlecht für den Film. Im richtigen Leben, und damit bei Jesus, ist es aber durchaus eine Option. Immerhin machte Jesus so den Teufel platt.

Er steckte ein, immer noch mehr, verreckte elendiglich am Kreuz. Und was hat Er davon? Am Ende doch verloren, nicht wie Rocky.

Nein! Der Gewinner ist der, der am Ende noch steht. Das Ende, das ist nicht Karfreitag, das ist Ostern. Indem Jesus sich töten lies offenbarte Er die Ungerechtigkeit der Welt, die einen Unschuldigen ans Kreuz schlägt, aus allerlei Kalkül. Damit ist alle weltliche Reglementierung, wer als gut und wer als schlecht zu gelten hat, hinfällig. Offenkundig funktioniert sie nicht.

Unsere Gesetze sind letztendlich ungerechtfertigt, wenn es um das ewige Heil geht. Jesus wurde immerhin als Sünder, als Gotteslästerer hingerichtet. Und dann steht Er einfach wieder auf, läßt sich nicht auszählen. Am Ende steht Er, und unsere weltlichen Schubladen sind diskreditiert. Taugen letztendlich nichts.

Dazu mußte Er nicht zuschlagen. Was vielleicht dann doch diejenigen nicht ganz befriedigt, denen das „Testosteron“ lieber ist als die Harmonie. Er hat dadurch trotzdem all das zerschlagen, was uns unfrei macht. Es wäre wohl Sache der Kunst, das alles so darzustellen, daß die Testosteronfans etwas damit anfangen können. Jedenfalls ist eins klar: Ivanhoe ist tatsächlich nicht wirklich stärker als Jesus, denn wenn schon der Tod Ihn nicht so KO kriegte, daß Er nicht mehr aufsteht, was hätte Ivanhoe tun können?

Glaube

Liebe

Ey Lou Flynn macht coole Comics. Und trifft dabei die Dinge häufig wunderbar. Eines dieser tollen Comics seht Ihr oben (leider nicht mehr, abernach 6 Jahren kann sich einiges ändern).

Hier behauptet ein Mensch (lange Haare, womöglich auch eine Menschin), er würde seine Tiere lieben. Offenkundig handelt es sich um eine sehr komische Liebe, die nicht darin besteht, das Beste des Geliebten zu suchen, sondern darin, den oder die Geliebten bei sich, unter Kontrolle zu haben. Die Gegenwart der Geliebten ist es, die einem wohl tut, nicht deren Wohlergehen.

Ähnliche Gedanken hatte ich schon vor ner Weile, als ich „You and Me“ von Milow zum ersten Mal hörte (ich könnte jetzt das Lied bei youtube verlinken, aber der Link wird dann nicht lange funktionieren, weil youtube Videos, zumal von kommerzieller Musik oftmals gelöscht werden, also sucht selbst). Ein paar Textzeilen:

I sometimes wish you were a mermaid
I could raise you in the tub at home
We could take a swim together
On weekly daytrips to the bay

[…]

I wish you were a little bigger
Not just big but really really fat
Doors you would no longer fit through
In my bed you would have to stay

[…]

I wish you were a little slower
Not just slow but pa-pa-paralyzed
I could put you on a socket
And you could never run away

Zu deutsch etwa:

Manchmal wünschte ich, Du wärst eine Meerjungfrau,ich könnte Dich in der Badewanne zu Hause halten/aufziehen
wirkönnten zusammen schwimmen
bei wöchentlichen Tagesausflügen zur Bucht

[…]

Ich wünschte Du wärst ein wenig breiter
nicht nur breit, sondern richtig richtig fett
Du würdest nicht länger durch die Türen passen
Du müßtest in meinem Bett bleiben

[…]

Ich wünschte Du wärst ein wenig langsamer,nicht nur langsam, sondern gelähmt
ich könnte Dich auf einen Sockel stellen
und Du könntest nie weglaufen

Erschreckend, nicht? Finde ich zumindest. Was hier als Wunschvorstellung beschrieben wird, muß für die betreffende Person die Hölle sein, ebenso wie es für die „lieben Tiere“ im Comic in so engen Käfigen furchtbar sein muß, aber das Strichmännchen im Comic begreift das ebensowenig wie der Sänger des Liedes, der zwar nicht von Liebe spricht, diese aber impliziert (zumindest versteh ich das so).

Und diese Liebe ist eben keine, es ist etwas anderes, wie man es auch immer nennen mag. Liebe bedeutet, daß man selbst immer beim Geliebten sein will, im Lied und Comic geht es aber eher darum, daß der oder das Geliebte immer bei einem selbst sein soll. Während bei der LIebe die Einschränkung auf Seiten des Liebenden geschieht, er will nämlich nur noch an einem Ort sein, geschieht die Einschränkung in Comic und Lied beim Geliebten: Ich bewege mich frei, bin nicht eingeschränkt, aber der oder das Geliebte soll immer bei mir sein. Es ist das genaue Gegenteil.

Freilich ist es auch eine Einschränkung für den Geliebten, wenn man immer um ihn herumschawenzelt und sich quasi aufdrängt. Soweit trägt mein Beispiel nicht. Also könnte man vielleicht besser sagen: Liebe bedeutet, selbstlos zu sein, das zu tun, was der Geliebte sich wünscht. Im Zweifel auch, Leine zu ziehen. Liebe „bringt“ einem nix, sondern immer nur dem anderen. Liebende sind somit veritable „Opfer“: Sie sind die Schwächsten, weil sie, als Liebende, nur geben und nichts empfangen (es sei denn, sie werden wieder geliebt, aber dann sind sie eben auch Geliebte).

Sie sind aber auch die Stärksten, so lange sie lieben. Denn es macht ihnen nichts aus, nur zu geben, weil derjenige, der die Gaben empfängt, der Geliebte ist, dem man ja Gutes tun will.

Liebende scheinen also schwach und sind eigentlich stark. Zumindest, so lange sie lieben können, denn nicht wiedergeliebt zu werden, kann ganz schön an den Kräften zehren ud ist man nicht (mehr) strak genug, scheitert man. Die gute Nachricht ist: Die Kraft kann man nicht nur aus der Wiederliebe einer geliebten Person ziehen, sondern auch aus der Liebe anderer Personen. Und so ist es uns möglich, auch zu lieben, wo wir nicht geliebt werden und so anderen, bisher ungeliebten Menschen die Kraft zu geben, irgendwann selbst zu lieben. Dann brauchen sie vielleicht irgendwann auch keine Tierkäfige oder zu enge Türen mehr…

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. (1. Kor 13, 4-7)

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Dienstag, den 26. März 2013

Gelobet sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke!
Daniel 2,20

Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?
1. Korinther 1,20

Gott hat die Weisheit zur Torheit gemacht. Erinnert mich im Moment an den Start des Blogs. Alles vorbereitet, Artikel vorgeschrieben für den Blogstart im Urlaub, terminlich abgepasst auf den Blogtitel, und dann die Überraschung: Wo ich dachte, weise vorgebaut zu haben, am Ende alles nur Torheit. Die geplanten Artikel wurden einfach nicht veröffentlicht. Noch im Urlaub sah ich es, konnte aber mit Smartphone und mäßiger Internetverbindung nicht gerade viel machen.

Wie immer weise oder stark ich mich gewähnt habe, ein, zwei kleine Details können alles zum Einsturtz bringen. Alles bedenekn kann kein Mensch. Alles bedenken kann nur Gott, und daher kann nur Er wirklich weise genannt werden. Alle anderen Größen werden verglichen mit Ihm klein, und wer immer auch meint, ohne (oder gar gegen) Ihn irgend etwas ausrichten zu können, spielt eigentlich Roulette. Es kann gut gehen, es kann aber auch schief gehen, so gut man sich auch vorbereitet.

Was Gott anpackt, geht aber niemals schief, und wenn wir auch nicht wissen können, was genau Er im Sinn hat, so können wir doch darauf vertrauen, daß es uns zum Besten dient, denn Gott liebt uns.

Gesellschaft, glaube, kirche, Religion

Bloß nichts falsch machen

Der Glaube an Gott ist etwas Gutes, etwas Schönes. Er gibt Kraft und Hoffnung, gerade auch in schwierigen Situationen. Jedenfalls geht es mir meist so.

Anderen Menschen nicht unbedingt. Gerade habe ich wieder von so einem Fall gehört, mit jemandem drüber geredet. Glaube an Gott kann auch weh tun. Beziehungsweise, das, was dann noch nachkommt.

Als ich vor über 10 Jahren im Kibbutz war, war da auch ein etwa 40 jähriger Finne namens Jorma. Jorma war ein lieber Kerl, man konnte sich gut mit ihm unterhalten, auch wenn er etwas strange war. Das alles galt, so lange er nüchtern war. Das war er aber nicht immer. Jorma war Alkoholiker. Und er war ein Schrank von einem Mann. Er konnte echt Angst machen, und es gab Gerüchte, daß er vorher in der Fremdenlegion gewesen wäre. Ausgebildet zum Töten.

Wie dem auch sei, Jorma war Christ. Er glaubte an Jesus Christus, wenn er auch mir ganz unbekannte Prediger immer wieder nannte. Ein paar Koreaner, die auch im Kibbutz waren, kannten die Prediger sogar. Ich weiß nicht, in welcher Tradition die staden. Ich schätze mal ganz vorsichtig, es handelt sich um einen pfingstlerischen Hintergrund, aber egal.

Ich verstand mich ganz gut mit besagten Koreanern, tue das immer noch. Sporadisch haben wir noch Kontakt. Aber eine Äußerung gab mir zu denken. Einer der Koreaner sagte einmal, Jorma könne kein Christ sein, eben weil er Alkoholiker ist.

Dabei tranken sie selbst auch Alkohol. Nicht so viel, aber sie standen auch nicht abseits, wenn wir feierten (und was gibt es im Kibbutz nach Feierabend sonst noch zu tun?).

Ich fand das damals schon irgendwie komisch, habe es auch all die Jahre immer wieder durchdacht. Da wird quai ein Anspruch an die Person gestellt, bevor sie wirklich und ganz und vollständig als Bruder im Glauben anerkannt wird.

Ja, Jorma war schwach, was den Alkohol anging. Und er konnte wirre Geschichten erzählen. Er muß auch eine sehr schwere Kindheit gehabt haben, aber das wurde nie ganz klar, aufgrund der Wirrheit seiner Geschichten. Man wußte nie genau, was jetzt echt war und was nicht.

Aber trotz alledem bekannte er sich zu Christus. Christus, der die Schwachen, die Sünder annahm. Christus, der nicht auf die Person achtete.

Und dann gab es Anhänger eben dieses Christus, die die Latte höher hängten: Bekenntnis zu Christus schön und gut. Aber wie sieht es denn mit dem Lebenswandel aus? Hat denn die Sucht noch Macht über den Sünder? Ja, na dann kann es ja kein echter Christ sein.

Jorma hatte einmal den Entschluß gefasst, nichts mhr zu trinken. Und ich fand das echt großartig. Leider habenir alle (ich auch) ihn nicht besonders unterstützt, sondern saßen mit unserem Alkohol bei ihm. Er trank Orangensaft. Wir, das beinhaltet auch die Koreaner.

Wir haben es ihm nicht leich gemacht, den besseren Weg zu gehen. Eine Sache, die ich mir heute noch vorwerfe. Ich war Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Aber ich sah das Verhalten auch danach noch oft, gerade in Kirchengemeinden oder sonstlichen christlichen Gruppen. Wer nicht einem gewissen Bild entspricht, wird als Bruder nicht anerkannt. Bunte Haare, Jeans im Gottesdienst, all das kann dazu führen, daß Menschen, die Gott suchen, abgestoßen werden. Und zwar von denen, die über sich sagen, sie seien Anhänger dieses Gottes.

En anderer Freund von mir hat einige Gemeinden durch. Er ist als Pfarrerssohn zuHause aufs Übelste vermöbelt worden, wenn er nciht spurte. Kontakte zu anderen Kindern im Dorf waren nciht gerne gesehen. Der Vater war Antikommunist – und Pfarrer in der DDR. Alles jenseits des Gartentors war der Feind.

Besagter Freund hat also sozusagen „einen Schlag weg“. Er leidet furchtbar. Und er sucht in seinem Umfeld nach Menschen, die ihn einfach annehmen, wie er ist. Mit all seinen Problemen und Fehlern (der Umgang mit ihm ist wirklich nicht immer einfach, er weiß das auch). Früher ging er in verschiedene Gemeinden, suchte dort Anschluß. Und der wurde ihm widerstrebend gegeben. Oberflächlich. Bis er sagte, daß er nicht glaube, daß Noah wirklich so alt wurde, wie es in der Bibel steht. Und er flog raus aus der Gemeinde.

Ich glaube, wir verdunkeln oft das Evangelium, indem wir von anderen verlangen, so zu sein wie wir. Jesus interessierte sich nicht dafür, wie andere aussahen oder was sie sonst so taten. Er ging auf die Sünder zu, nahm sie als Menschen an, trotz aller Fehler.

Wie sollen Menschen denn das Evangelium erfahren, wenn sie von vorne herein abgewiesen werden? Wenn sie erst „perfekt“ sein sollen (natürlich nur nach menschlichem Ermessen)?

Und inwieweit entspricht es dem Evangelium, wenn sich die Schwachen an de Starken anpassen müssen? Was sol das, wenn man dem Schwachen, dem Suchenden, erst einmal sagt, er solle stark werden, dann würde man ihm auch die Quelle der Stärke vermitteln?

Welcher Starke braucht denn eine Kraftquelle? Wenn er stark ist, hat er eine Quelle, wie weit sie auch immer trägt. Ein Starker wird nicht fragen. Wer fragt, das sind die Schwachen, die haben aber nicht die Kraft, sich den kulturellen Gepflogenheiten Anderer immer anzupassen. Auch nicht, falls es wirklich so ist, daß diese Gepflogenheiten ihnen selbst gut tun würden, etwa „kein Alkoholmißbrauch“.

Wenn es dann um Dinge geht, wie Anzug tragen, Krawatte tragen, Haare richtig gescheitelt haben, um in der Gemeinde angenommen zu werden, dann wird noch offensichtlicher, daß es hier nicht um Christus geht, sondern um einen Götzendienst. Man ehrt den Gott des anständigen Auftretens. Und der hat mit dem Gott, der den Sünder annimmt, und für ihn ans Kreuz geht, nichts zu tun.

Der, der ans Kreuz geht, gibt seinen Anhängern Stärke. Er dient ihnen.

Der, der anständiges Auftreten einfordert,  in welcher Art auch immer, der verlangt von seinen Anhängern Stärke, nimmt sie ihnen also. Er läßt sich dienen.

Freilich gibt es immer auch Menschen die Schwach sind, und andere so nicht annehmen können, wie diese sind. In dem Fall muß sich immer der Stärkere anpassen, Liebe geben. Denn Liebe baut auf, Liebe gibt dem anderen die Kraft, auch ein Stück weit auf andere zuzugehen, und sich soweit anzupassen, daß Gemeinschaft einfacher möglich wird.

Und je mehr Gemeinschaft, je mehr Liebe, desto mehr wird der Gott am Kreuz verehrt, und nicht der Abgott des Anstandes.