Glaube

Sich selbst zu Markte tragen

Bei „Lumières dans la nuit“ lernt man nicht nur solch wunderbare Begriffe wie „Mitmöse“ als Pendant zum Mitglied, man wird auch hin und wieder auf neue Denkwege gebracht. So beim Mitmösenartikel.

Dort geht es um Prostitution und Selbstmarketing. Mich hat es dazu gebracht, nochmal zu überlegen, wieso Prostitution so oft als verwerflich angesehen wird, während die Erwerbsarbeit allgemein akzeptiert wird.

Es hat sicher auch mit der antiken Körperfeindlichkeit zu tun, die dann irgendwie wohl über Augustinus in die Kirche kam und dort ihr Unwesen trieb und in manchen Ecken noch treibt, aber ich denke, zumindest wir heute beziehen uns in der Ablehnung der Prostitution vor allem auf die Ausbeutung der Prostituierten. Verwerflich ist der damit zusammenhängende Menschenhandel, die Abhängigkeit der Prostituierten von Freiern und Zuhältern. Und dann kann man sich noch Gedanken drüber machen – meist kommt das dann aus religiösem Hintergrund – inwieweit Menschen, die sich freiwillig prostituieren, sich nicht auch nichts Gutes tun, inwieweit diese Arbeit an sich kaputt macht, auch wenn man sie freiwillig macht.

Und dann kommt Elias mit seinem Artikel und zieht die Parallele zum „normalen“ Erwerbsleben. Und ich muß sagen, da ist was dran. Sind diejenigen, die ihre Arbeitskraft zu Markte tragen nicht auch Gefangene? Gut, man muß wirklich Abstriche machen, was ihre Freiheiten angeht. Die wenigsten wurden entführt und in ein Land gebracht, dessen Sprache sie nicht sprechen, um eine Arbeit zu verrichten, die sie nicht tun wollen. Die meisten haben sich für den Job beworben. Trotzdem, auch wenn es bei der Fabrikarbeit keine Sklaverei mehr gibt: Von den Geschäftsführern werden sie genauo als Objekte behandelt, wie die Prostituierten, da helfen auch die Gewerkschaften nicht viel. Die sorgen nur dafür, daß der Preis für den Menschen recht hoch ist, indem sie sowas wie Monopole etablieren. Trotzdem bleiben die Arbeiter würdelos in der kapitalistischen Berechnung, sie werden nicht als Menschen wahrgenommen, sie existieren nicht um ihrer selbst Willen, sondern um des Profits Willen. Wo sie den Profit nicht mehren können, werden sie abgeschafft. Auf welche Weise auch immer, hauptsache sie sind weg und kosten nichts mehr.

Die Durchkapitalisierung unserer Gesellschaft, in der jeder nur noch insofern existenzberechtigt ist, als daß er Profit bringt (wem eigentlich?) ist inzwischen ja schon so weit, daß offen darüber gesprochen wird, ob man Kinder, die bestimmten Qualitätskriterien nicht entsprechen, nicht abtreiben müßte, weil, die kosten ja nur, bringen keinen Profit. Oder die Schwangerschaft und die Erziehung der Kinder entzieht die Eltern zu lange dem Marktgeschehen, bindet zu viel Produktionspotential. Man muß immer Marktkonformer werden, gestern abend, ich glaub bei Monitor, war die Rede davon, daß immer mehr Kinder mit immer mehr psychischen Erkrankungen gelabelt werden, weil sie irgendwelchen Kriterien nicht mehr entsprechen. Sie sind quasi nicht geeignet für den Produktionsbetrieb, kaputt, und müssen vom Psychodoc repariert werden, damit sie wieder volle Daseinsberechtigung haben, „echte“ Menschen sind. Auch hier: Menschen als Objekte. Als Mittel zum Zweck, nicht selbst Zweck.

So machen wir uns kaputt. Wir rennen einem Götzen nach. Dem Götzen des Marktes, dem Götzen der Entwicklung, des Fortschritts, der Machbarkeit. Der Mensch hat einem Zweck zu dienen. Tut er dies nicht, wird er als kaputt gelabelt. Paßt er sich bis zum Umfallen an, geht er über kurz oder lang wirklich kaputt. Aber hauptsache die Wirtschaft floriert, hauptsache der Götze ist gewogen, und straft nicht mit Finanzkrisen und Staatsbankrott. Zweck ist dem Götzendiener der Götze, die Menschen werden zu Mitteln zum Zweck.

Wie viel anders ist da Gott! Er verweist gleich auf den Mitmenschen. Nicht Gott ist Zweck, sondern der Nächste: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Liebet Eure Feinde, tut wohl denen, die Euch hassen. Damit wird jedem Menschen zugesprochen, selbst Zweck zu sein, und jeder Mensch, egal wer, wird auch als Selbstzweck deklariert. Da kann man dann nicht von Menschen als Objekten reden, und sie auch nicht so behandeln, ob Prostituierte, Arbeiter oder Sklaven. Da wird die Arbeit dann nicht zum Selbstzweck, dem die Menschen geopfert werden, sondern die Arbeit hat den Menschen zu dienen. Sie hat dafür zu sorgen, daß das produziert wird, was gerade gebaucht wird.

Vielleicht ist das fortschrittsfeindlich. Vielleicht hemmt das die Entwicklung, weil es ineffizient (noch so ein Unwort) ist. Aber wer sagt denn, daß immer neue Dinge entwickelt werden müßten, für die dann mit großen Werbekampagnen erst noch ein Bedürfnis geschaffen werden muß? Wer sagt, daß es gut ist, wenn wir diesem Mechanismus unsere Umwelt, unsere Mitmenschen und uns selbst opfern? Warum nicht danach fragen: Welches Ziel will ich erreichen, und dann sehen, wie man das finanziell hin kriegt, anstatt zu fragen, wie viel Geld man verdienen will (meist ist die Antwort hier auch recht trivial: mehr!), um dann zu sehen, wie viel Mensch udn Material man dem opfern kann?

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Vierten

Das ist der vierte Teil (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil) der Reihe zum glaubereal-Artikel über schwule Pfarrer.

Im ersten Teil ging es um Vorüberlegungen.

Im zweiten Teil stand im Mittelpunkt, in wie weit ein Pfarrer eine herausragende Position oder Verantwortung hat. Ergebnis war hier, daß der Pfarrer in der Tat eine höhere Verantwortng hat aufgrund seiner Position, daß er aber auch normaler Mensch ist, der wie alle anderen Fehler machen kann. Zu dieser Frage kam es dann noch zu einem weiteren Artikel über Paulus, als Spin-Off sozusagen.

Im dritten Teil stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gott zu „sexuellen Sünden“ steht. Ergebis war, daß zumindest die Andeutungen im glaubereal-Artikel sich weniger auf das Sexuelle der Sünden bezogen, sondern darauf, daß es sich um Götzendienste handelte. Der Götzendienst, also der Verstoß gegen das erste Gebot, ist seinerseits aber durchaus eine besonders schlimme Sünde, weil sie Grundlage aller anderen Sünden ist.

Nach all diesen Klärungen können wir uns nun dem Hauptthema zuwenden, der Homosexualität. Ich halte es für wichtig, zwei Ebenen hier auseinanderzuhalten.

  1. Die Frage, ob es eine Sünde ist, überhaupt homosexuell zu sein.
  2. Die Frage, ob es eine Sünde ist, homosexuelle Handlungen auszuführen
    a) in jedem Fall.
    b) wenn sie zum Spaß (also aus hedonistischen Gründen ohne Bindung) getan werden.
  3. Die Frage, ob nur bestimmte homosexuelle Handlungen sündig sind, andere jedoch nicht.

Ich denke Punkt 1 läßt sich relativ frei beantworten. Mir ist kein Bibeltext bekannt, noch irgend eine Kirche, die allein das Empfinden, also das sich hingezogen fühlen zu einer Person gleichen Geschlechts, als Sünde deklarieren würde. Die konservativsten Positionen die ich kenne, haben kein Problem damit, wenn der (oder die) homosexuell empfindende zölibatär lebt. Eine „Heilung“, wie sie mancherorts angeboten werden, richtet sich an diejenigen, die kein zölibatäres Leben führen können oder wollen.

Auch wichtig ist mir hier festzuhalten, daß die Liebe zwischen zwei Menschen nicht an ein Geschlecht gebunden ist. Als Jonathan stirbt, sagt David, seine Liebe hätte ihm mehr bedeutet als Frauenliebe (2. Sam 1, 26). Es ist also nichts Verkehrtes daran, als Mann einen Mann zu lieben. Selbst David tat das, ohne daß es kritisiert wurde (im Gegensatz zu seiner „Liebe“ zur Frau des Uria).

Ich halte diesen Punkt für wichtig, festzuhalten. Er führt nämlich weiter zu der Frage, wie eine Beziehung zwischen zwei Männern zu bezeichnen ist, die auf gegenseitiger Liebe aufbaut, aber nciht sexuell ist. Was wäre, wenn ein Pfarrer mit einem Mann zusammenwohnen würde, ihn lieben würde, aber eben jeder in seinem Bett schliefe?

Ich will diesen Gedanken nur ansprechen und jedem zm eigenen Überdenken empfehlen. Denn wenn an den homosexuellen Gefühlen nichts Falsches ist, wenn auch David, der ja als heterosexuell gelten muß (oder höchstens Bi, sonst würde ja die Szene mit Batseba nicht stattgefunden haben), die Liebe eines Mannes über die der Frauen schätzte, dann wäre gegen ein zölibatär zusammenlebendes Paar Männer (oder Frauen) im Pfarrhaus nichts einzuwenden.

Punkt 2 hat zwei Unterpunkte. Ich möchte doch zuerst einmal den Textbefund klären, af den die Ablehnung der Homosexalität aufgebaut wird. Im glaubereal-Artikel werden folgende Bibeltexte genannt:

  • 3. Mose 18, 22 & 20, 13 (beide Stellen sind ziemlich identisch)
  • Röm 1, 26-27

Und ich bin der Meinung, damit sind alle auch nur in Frage kommenden Stellen genannt. Alle Stellen, die sonst noch vorkommen, haben recht wenig mit Homosexualität zu tun. Bei der Geschichte von Sodom und Gomorrah wird immer wieder ein derartiger Zusammenhang hergestellt, weil die Menschen von Lot verlangten, die Boten rauszugeben, damit sie „erkannt“ würden. Nun bedeutet „erkennen“ ja bekanntlich durchaus „Sex haben“ im AT, es bedeutet aber eben auch erkennen. Und wenn da Unbekannte in eine Stadt kommen und bei einem Zugezogenen einkehren, dann kann es durchaus ein Interesse daran geben, diejenigen zu erkennen, also herauszufinden, um wen es sich handelt und ob es vielleicht feindliche Spione sind.

Auch werden oft Passagen aus den Briefen genannt, die sich gegen Knabenschänder und Lustknaben richten. Aber auch hier geht es um etwas anderes. Die Lustknaben waren junge Männer, die bei älteren Männern in die Schule gingen und etwa in Philosophie, aber ach Kampf unterrichtet wrden. Also alles was man damals so als junger Grieche zu wissen hatte. Die älteren Männer hatten so ihre Lustobjekte. Auch spielten Geschenke von den alten an die junge Männer eine gewisse Rolle. Es waren also Abhängigkeitsverhältnisse, es war Sex gegen Bezahlung, eigentlich Prostitution. Daß das in der Bibel verurteilt wird, hat mit Homosexualität nichts zu tun.

Allerdings gab es in der Antike auch kaum homosexuelle Beziehungen, wie wir sie heute haben. Also Beziehungen auf Augenhöhe, die in der Liebe zueinander gründen, und nicht in Geschenken, Unterricht oder Lustgewinn.

In Rom war es beispielsweise für einen freien Mann verpönt, eine homosexuelle Beziehung zu einem anderen Freien zu haben. Beziehungen zu Sklaven waren kein Problem.

Das führt uns zur Römerbriefstelle:

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen17 haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,
und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt, indem die Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.

Zuerst fällt einmal auf, daß der Text mit „deswegen“ beginnt. Eigentlich geht es los in V22: „Da sie sich für Weise hielten…“. Was wird also gesagt? Paulus schreibt, daß die Menschen Gott durchaus erkennen konnten, aber Gott den Schöpfer mit dem Geschöpf vertauscht haben und statt Gott nun lieber Bildnisse angebetet haben. Und darauf folgt dann, daß Gott sie straft, indem sie Mann mit Mann und Fra mit Frau Schande treiben läßt etc. Hier ist also die homosexuelle Handlung eine Strafe Gottes. Sie taten, was nciht recht ist (V 28) und waren voll von Ungerechtigkeit nd Schlechtigkeit etc… (V 29ff).

Wichtig scheint mir, das Wort Begierde zu sein, bzw. Leidenschaften. Ich frage mich, was hat Paulus vor Augen? Ich denke wieder an die Beziehungen zwischen dem jungen und dem alten Mann in der griechischen Welt. Möglicherweise standen Erzählungen über Sappho Pate für den Teil, wo es um die Frauen geht.

Und damit hat Palus in Rom sicherlich Erfolg, ist der Verkehr zwischen zwei Freien doch dort verpönt. Wie dem auch sei, Paulus setzt hier jedenfalls voraus, daß das, was beschrieben wird, negativ ist, nicht nach Gottes Willen. Er argumentiert damit, in Rom denkt man ähnlich wie im zeitgenössischen Judentum über homosexuelle Praktiken, also kann er auf Zustimmung hoffen.

Trotzdem geht es eben um Begierde, und nicht um den Sex in einer auf Dauer angelegten Beziehung. Es geht um Lustgewinn, und dieser ist als Grundlage für Sex eben auch bei Heterosexuellen nicht ausreichend. Für unser Problem trägt diese Stelle also recht wenig aus. Sie bestätigt uns, daß Sex aus reiner Begierde zwischen Gleichgeschlechtlichen verkehrt ist.

Ein wenig anders sieht es aus bei den Levitikusstellen:

Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

So steht es in Lev 18, 22. Krasser noch Lev 20, 13:

Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.

Es geht also darum, beim Manne zu liegen wie bei einer Frau. Festzuhalten ist zuerst einmal: Hier geht es um eine bestimmte Form des geschlechtlichen Verkehrs, der verboten wird. Es geht nicht um die Liebe zwischen zwei Männern oder zwischen zwei Frauen, die verboten werden soll. Das entspricht dem, was ich oben schon schrieb.

Die Frage stellt sich nun, was denn genau gemeint ist mit „beim Mann liegen wie bei einer Frau“? Im Hebräischen ist es dann noch unklarer, da ist nämlich davon die Rede, daß man nicht bei Männlichem liegen soll. Es ist also nicht die Rede von einem Mann, sondern von etwas Männlichem. Wieso diese Unterscheidung? Wieso steht da nicht zweimal Mann? Wieso einmal „Männliches“? Handelt es sich etwa um keinen richtigen Mann? Das muß dunkel bleiben.

Eine andere Frage taucht auf: „wie mit einer Frau“. Im Hebräischen (und auch in der griechischen Übersetzung) steht genauer „Bettlager der Frau“ oder auch „Geschlechtsverkehr der Frau“. Das Wort für Bettlager kann auch Geschlechtsverkehr heißen (wobei es mir scheint, als ob im Hebräischen die Bedeutung „Lager“ häufiger ist, im Griechischen die Bedeutung Geschlechtsverkehr). Wieso diese Beschreibung?

Eine weitere Frage taucht auf: In der Geschichte von Sodom und Gomorrah ist die Rede davon, daß die Männer der Stadt die Fremden „erkennen“ wollen. Wieso, wenn es um ein generelles Verbot de sexuellen Verkehrs mit Männern geht, wird dieser Begriff hier nicht gebraucht?

Auch an anderen Stellen, wo Mann und Frau Sex miteinander haben, ist die Rede vom Hinlegen. Aber nicht die besondere Betonungs des Bettlagers oder Geschlechtsverkehrs der Frau. So stellt sich mir die Frage, ob hier vielleicht auch gemeint sein könnte, daß man nicht im Ehebett mit einem Mann schlafen soll, also quasi die Frau betrügen mit einem Mann, und ihr damit die Chance auf ein Kind nehmen.

Was genau gemeint ist, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls sieht alles danach aus, als ob es sich um eine bestimmte Situation oder eine bestimmte Art des Verkehrs handelt. Nicht verboten wird die Liebe zwischen zwei Männern. Nicht verboten wird der Kontakt, soweit er nicht „Geschlchtsverkehr der Frau“ ist. Verboten ist alleine das, was unter diesen dunklen Begriff fällt, der nicht mit dem allgemeinen „erkennen“ ausgedrückt wird und ach nicht nur mit „beieinander liegen“. Will man die Bibel ernst nehmen, muß man diese Abweichungen ernst nehmen.

Sieht man sich den Kontext an, so geht es bei all den Fragen im Umfeld sowieso nicht um irgend eine Moral, sondern um die Reinheit. Die Völker, die vorher im Land waren, haben all das getan, und haben sich damit kultisch unrein gemacht. Das Land sollte aber rein sein, deshalb mußte auch das Volk, das einwanderte, also die Israeliten, rein sein. Es geht also um einen kultischen Kontext. Darauf weist auch der Begriff Greul hin.

Wer sich also an diese Gesetze hält, der muß logischerweise auch all die anderen Reinheitsgebote halten, denn das eine macht so unrein wie das andere. Dies steht aber widerm im Widerspruch zum NT, in dem gesagt wird, daß Heidenchristen, also wir alle, nicht an das Gesetz der Juden gebunden sind. Paulus hatte sogar Tischgemeinschaft mit den unreinen Heidenchristen, obwohl er selbst ein Judenchrist war.

Abschließend läßt sich also sagen, daß es Paulus im Römerbrief nicht darum geht, über die Homosexualität eine Aussage zu machen, sondern sie als Beispiel nahm für etwas (zumindest) zum damaligen Zeitpunkt bei ihm sowie den Adressaten als negativ Verstandenes. Darüber hinaus spricht er von Begierden und Leidenschaften, die auch bei heterosexuellen Menschen nicht Grund für Sex sein können, solange keine Übernahme von Verantwortung dazukommt.

Im AT gibt es eine Stelle, die in zwei Versen vorkommt, einmal noch mit einer Todesdrohung. Was mit der Formlierung gena gemeint ist muß für uns heute dunkel bleiben. Jedenfalls wird eine bestimmte Praxis genauer benannt, denn anders sind die speziellen Wörter kaum zu erklären.

Darüber hinaus geht es um Reinheit, also ein kultisches und nicht um ein moralisches Ideal. Wer daran festhält, muß am ganzen Gesetz festhalten. Uns Heidenchristen ist das jüdische Gesetz aber laut NT nicht auferlegt. Demnach haben diese Gesetze für uns keine Relevanz. Genasowenig wie Paulus es für sich als relevant erachtete, keinen Umgang mit den Heiden zu haben. Er hatte ihn, er aß mit ihnen, er kritisierte sogar Petrus, als der mal so mal so tat (Gal 2). Es handelt sich um ein Gebot für die Israeliten für das Land.

Für uns hier und heute, die wir Beziehungen von Homosexellen auf Augenhöhe kennen, richtet es nicht viel aus. Für Homosexuelle gilt wie für Heterosexuelle, daß eine sexuelle Beziehung in Verantwortung geführt sein muß. Das leitet sich aus der Nächstenliebe her. Spaß einfach so ist nicht zu haben, dabei bleibt immer jemand auf der Strecke auf lange Sicht. Liebe kann jedoch nicht verkehrt sein. Egal, wer nun wen liebt.

Das einzige, was man vielleicht mutmaßen könnte, wäre der Verbot bestimmter sexueller Handlungen (und dann auch nur für die, die das ganze Gesetz halten, inklusive Beschneidung und Schweinefleischverbot!). Es ist jedoch fraglich, welche Praxis gemeint ist und selbst wenn man es wüßte, würde wohl niemand auf die Idee kommen, Kameras im Schlafzimmer installieren zu wollen, um zu sehen, ob sich auch alle schön an das Verbot halten.

Und aus all den dargelegten Gründen seh ich kein Problem darin, wenn zwei Menschen, die einander lieben und füreinander Verantwortng übernehmen, Sex miteinander haben. Egal welchen Geschlechtes sie sind.