Treibgut aus dem Netz

Netzfunde von Montag, dem 24. September 2012

Bei Balken und Splitter gibt es einen interessanten Artikel über unaufgeklärte Aufklärer. Die dortige Analogie, daß ein aufgeklärter Mensch nicht fordert, daß ein rechter Gewalttäter ebenfalls zusammengeschlagen werden soll, sondern in einem fairen und ordentlichen Gerichtsverfahren verurteilt überzeugt. Analogie wozu? Achja, sollte cih schreiben: Zu Michael Schmidt Salomons Forderung, respektlos gegen religiöse Gefühle zu sein, da Respektlose keinen Respekt verdient hätten. Ich denke, der Autor hat schon recht wenn er meint, dann müßte man den Schlägernazi auch zusammenschlagen, statt ihn vor Gericht zu stellen. Das wäre dann aber recht unaufgeklärt…

Zwei Petitionen möchte ich bewerben. Zum einen die Petition zur Aufhebung der GEMA Vermutung, zum anderen die Petition zur Ablehnung des Leistungsschtzrechtes.

Thomas Knüwer schreibt zur Kampagne gegen die Piratenpartei und in Oregon kann man schon für den Besitz von Büchern (sic!) Schwierigkeiten mit der Poizei bekommen (und zwar inklusive Rammbock zur Öffnung der Tür, Blendgranaten und Sturmgewehren).

Die Altkatholiken haben demnächst Synode in Mainz, und getwittert wird da wohl auch.

Antje Schrupp schreibt vom Subjekt in der Geschichtsforschung und stellt die Frage, ob man das eigene Verhältnis zum Forschungsgegenstand nicht nur offenlegen und als Hindernis ansehen, sondern vielmehr annehmen und als Chance begreifen sollte. Interessante Idee.

Ein anderer Artikel von Antje Schrupp befaßt sich mit Simone Weils Einstellung zu Meinungs- und Pressefreiheit. Wenn ich es richtig verstehe, ist sie für eine Einschränkung der Pressefreiheit zm Schutz der Meinungsfreiheit, weil große Organe die freie Meinunsgbildung eben beeinträchtigen und manipulieren (alleine die vier Buchstaben BILD dürften Erklärung geng sein, was gemeint ist). Der Gedanke, daß mit größerer Reichweite strengere Einschränkungen dessen, was geschrieben und gesagt werden darf, per Gesetz festgeschrieben werden, halte ich für mindestens bedenkenswert. Wobei mir die praktische Umsetzung nicht ganz klar ist. Nehmen wir das Mohammed-Video. Das hatte wohl eine recht geringe Reichweite, bis irgendwelche salafistischen Spinner es per Fernsehen ausgestrahlt haben. Plötzlich war die Reichweite enorm, und es leuchtet auch sofort ein, daß eine Einschränkung der Verbreitung in diesem einen Fall hilfreich wäre, schon alleine wegen der Todesopfer weltweit.

Carina hat über den neuen Bluttest auf Trisomie 21 gebloggt. Das Besondere ist, daß sie selbst Trisomie 21 hat und wohl besser über das Leben damit Bescheid weiß, als diejenigen von uns, die es nicht haben.

Chris Hebner hat einen sehr berührenden Artikel über ein furchtbares Ereignis geschrieben.

Von Thomas habe ich erfahren, daß das Leben von Bettina Wulff nun wohl verfilmt werden soll. Das läßt hoffen. Vielleicht gibt es über mich ja auch bald nen Film. So könnte ich doch noch Millionär werden 😉

Außerdem schreibt Thomas über „religiöse Gefühle“ und Ameleo hat über das Beten geschrieben.

Bei Frischfischen wurde ich auf den Blog vom Landpfarrer aufmerksam. Eine weitere mögliche Quelle für zukünftige Netzfunde.

Die OP-Tisch Pilotin hat einen genialen Einfall: Weg mit den Paralympics, her mit der Olympiade für alle. Das wäre doch echt mal Inklusion! Wieso sollten Schwerstmehrfachnormale ihre eigenen Spiele haben?

Peter hat ein paar interessante Gedanken zum „biblischen Befund“.

Melissa hat sich wieder gemeldet mit Gedanken zu einfachen und schweren Wegen, und wie ihre fundamentalistische Erziehung sie früher beeinflusst hatte.

Und dann sind da noch die Themen der letzten Tage: Der Papyrs mit Jesus und seiner Frau, dazu gibt es hier, hier, hier und hier etwas zu lesen. Und auch zum Mohammed Video gibt es ein paar Artikel. Und dann hat noch jemand den Trailer des antireligiösen Haß-Videos auf seinen Blog genommen.

Zuletzt bleibt noch ein Artikel über Julia Schramm.

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Servergate

Es gibt ja nicht wenige Menschen die sagen würden, Deutschland sei ein Rechtsstaat. Und verglichen mit anderen Ländern, etwa Rußland oder Belarus, haben wir ja auch viele Freiheiten. So können wir etwa öffentlich sagen, was wir von Merkel halten. Wir haben sogar eine freie Presse, die diese Äußerungen dann ohne große Angst vor Repression veröffentlichen kann. Eigentlich ne gute Sache.

Eigentlich. Denn eigentlich geht damit auch eine gewisse Verantwortung einher. Eigentlich hätte die Presse selbst ein Interesse daran, Angriffe auf den Rechtsstaat zu melden, bekannt zu machen, so daß breiter öffentlicher Druck entstehen kann, der solche Angriffe für die Zukunft verhindert.

Gestern hat die Staatsanwaltschaft in Darmstadt mal eben die Server der Piratenpartei vom Netz genommen. Es ging um ein Rechtshilfeersuchen aus Frankreich, weil wie es aussieht auf den Piratenpads DDOS Angriffe auf ne französische Energiekonzernseite abgesprochen wurden.

Nun muß man wissen, daß diese Piratenpads öffentlich zugänglich sind. Wie beispielsweise googlemail. Man stelle sich vor: Bin Laden, als er noch lebte, hätte eine E-Mail Adresse bei google angemeldet und von dort ne Mail an Ahmadinedschad geschrieben. Daraufhin hätte man dann google den Stecker gezogen. Nicht nur googlemail, sondern sämtliche Dienste von google für 8 Stunden vom Internet genommen, denn man hat nicht etwa nur die betroffenen Piratenpads offline genommen, sondern alle Dienste auf den entsprechenden Servern.

Natürlich hinkt der Vergleich, denn es war keine Terrorabsprache internationalen Rangs, es war nicht Gefahr im Verzug, es ging um einen DDOS Angriff auf ne französische Internetseite und zwar von einem Konzern, der nicht wie google, amazon oder ebay in erster Linie auf das Netz angewiesen ist, um Geld zu machen.

Es handelte sich auch nicht um einen Konzern, der zum Liedtragenden der Polizeiaktion wurde, sondern um eine Partei, genauer um die Mitgliederstärkste nicht im Bundestag vertretene Partei.

Nicht genug, daß hier eine Partei in ihrer Arbeit behindert wurde, was an sich schon verfassungsrechtlich bedenklich ist, es fand auch noch in der heißen Phase eines Wahlkampfes statt: Am Sonntag wird in Bremen gewählt, und das Wahlrecht haben schon 16-jährige. Heißt soviel wie: Die Piraten haben ernsthafte Chancen, gewählt zu werden.

Dazu kommt, daß die Piraten ihre Server nicht nur benutzen um schöne Bilder ihrer Kandidaten unters Volk zu bringen, sondern sie nutzen sie auch für die Kommunikation untereinander. Die gesamte Parteiarbeit läuft zum Großteil über die Server. Man stelle sich vor ein Terrorist hätte auf CDU Briefpapier nen Bekennerbrief geschrieben, und die Polizei schließt darafhin sämtliche Büros der Partei, die Parteizentrale in Berlin und nimmt den Politikern Papier und Stifte weg.

Der Vergleich mag lustig klingen, aber genau das ist es, was passiert ist. Es ist schlimmer, als wenn google komplett offline gestellt wird wegen einer Mail von Bin Laden an Ahmadinedschad, weil es sich ume ien Partei handelt und nicht nur um ein Unternehmen ohne Verfassungsrang, und es ist besonder schlimm wenn man bedenkt, daß es keinerlei Not gab, so zu handeln, noch daß irgendwelche Spuren hätten gefunden werden können: Die Server schreiben nicht mit, wer beim Piratenpad etwas einstellt.

Und die Medien, die eigentlich Angriffe af unsere Rechtsordnng berichten sollten? Die bringen hier nd da was in ihren Onlineausgaben, aber im Print, wo eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden kann, liest man nichts.

Die Zeiten der Spiegelaffäre, wo es auf einen Eingriff der Staatsmacht in die Freiheitsrechte zu einem großen Aufschrei in der Öffentlichkeit kam, sind wohl vorbei. Vielleicht müssen auch erst wieder Redaktionen geschlossen in den Knast wandern, bevor man sich rührt.

Hier noch ein Video vom stellvertretenden Vorsitzenden der Piraten:

https://www.youtube.com/watch?v=KGf_-EaepZM&feature=player_embedded

Update Ich war wohl falsch informiert. Laut Schockwellenreiter hat der Angriff auf das französische Unternehmen gar nicht stattgefunden.

Update II Bei Wolfgang Dudda hab ich jetzt gelesen, daß auch das Ersuchen aus Frankreich (noch) nicht vorlag. Das kriegt jetzt nen ganz üblen Geschmack, wenn die Aktion noch vor dem Wochenende durchgezogen werden sollte, ohne auf das französische Dokument zu warten…