Theologie

Predigt Ostermontag – 1. Kor 15, 12-20

Liebe Gemeinde,

an Ostern hat Christus den Tod überwunden. Der Teufel und seine Macht wurden gebrochen – entgültig. Seitdem befindet er sich auf dem Rückzug. Immer mehr Menschen glaubten an die Auferstehung.

Immer mehr Menschen wurden frei durch die Gewissheit: Was mir hier an Leid widerfährt, ist nicht das letzte Wort. Wir werden auferstehen.

Manchmal sagt man ja zu Kindern, wenn sie etwas für sie Unschönes erleben:

In ein paar Jahren lachst Du darüber.“

Als ich Kind war, fand ich diese Aussage furchtbar.

Es mochte zwar sein, daß sie stimmte – rückblickend war das zumindest in den meisten Fällen so – aber in dem Moment war ich im Leid, in dem Moment brauchte ich Trost, kein „Heile heile Gänsje“. Mein Leid als Kind war für mich echtes Leid, auch wenn die Erwachsenen schmunzelten. Und manchmal hätte ich mir gewünscht, ernster genommen zu werden in meinem Leid.

Deshalb widerstrebt es mir auch zu sagen:

Angesichts der Auferstehung, werden wir über unser heutiges Leid einmal lachen. Das wäre zynisch.

Wenn ich mein früheres Leid bedenke mag es stimmen – was hat mich damals als Kind und Jugendlicher nicht alles bedrückt, was habe ich mir Sorgen gemacht über Noten, die Versetzung… Liebeskummer… und tausend andere Dinge.

Und trotzdem, auch wenn wir später, wenn wir uns in Gottes Reich wiedersehen, nicht lachen werden: wir werden es ins Verhältnis zu unserem Glück dort setzen. Und dann wird es uns nicht mehr bedrücken, dann wird es überwunden sein.

Der Teufel ist besiegt, die Tod überwunden, und er befindet sich auf dem Rückzug. Aber er ist noch nicht ganz weg. Er versucht immer noch, unser Glück zu zerstören, unsere Freiheit einzuschränken, abzuschaffen. Er versucht, uns wieder gefangen zu nehmen, mit allerlei Leiderfahrungen, die er uns beifügt.

Gestern gab es wieder einen großen Sprengstoffanschlag in Pakistan. In einem Park in der Stadt Lahore ging eine Bombe hoch. Unter den dutzenden Todesopfern und hunderten Verletzten waren besonders viele Frauen und Kinder – und besonders viele Christen, die im Park das Osterfest feiern wollten. Wie jäh hat der Haß die Freude zerrissen!

Ziel des Anschlags war es, so habe ich gelesen, besondern viele Christen zu erwischen. Und spätestens diese Nachricht läßt den Zorn in mir kochen, auf diese elenden Terroristen, diese verdammten Menschenhasser, die ihre Ideologie durchzusetzen versuchen, indem sie unschuldige Familien terrorisieren und ermorden, die ein Freudenfest – das höchste Fest im Jahr – feiern wollen!

Was für ein Abgrund von Verachtung, Haß und Niedertracht!

Und ich bin froh, bevor ich in meiner Wut soweit gehe, den ganzen Islam verantwortlich zu machen, stellt sich mir eine Frage:

Was ist das für eine Ideologie?

Und wie ich so nachdenke, kommt mir die Antwort in den Sinn: Es ist die Ideologie von Sünde, Tod und Teufel. Die Besiegten konnten die Feier des Sieges nicht ertragen, und schlugen zu.

Die Ideologie des Todes ist die Hoffnungslosigkeit, die Isolierung der Menschen, das Leid. Das soll erreicht werden. Das versuchen auch alle Terroristen und alle Diktaturen zu erreichen: Die Menschen kontrollieren, indem man sie voneinander trennt, Mißtrauen sät, und möglichst alle Hoffnung auf eine Besserung nimmt.

Wo diese Ideologie erfolgreich ist, muckt keiner mehr auf, weil er gar nicht die Hoffnung hat, daß sich irgend etwas bessern könnte.

Wo diese Ideologie erfolgreich ist, werden Menschen zu Mitläufern, die selbst Zwietracht säen, die selbst versuchen, andere zu kontrollieren und ihnen die Hoffnung zu nehmen.

Sie meinen, so hätten sie Macht, so hätten sie die Kontrolle und damit ein wenig Freiheit. Doch in Wirklichkeit sind auch sie Gefangene.

So wie die Terroristen von Daesh und Al Qaida. Sie meinen, sie würden Gott einen Gefallen tun, indem sie Haß und Leid verbreiten. Und diesen Gott, der ihrer Meinung nach sich über Terror und Gewalt freut, nennen sie dann noch barmherzig! Sie sind Gefangene ihrer eigenen Ideologie. Wie groß ihre Freiheit ist können sie selbst in dem Moment erkennen, wo sie sagen: Nein, ich werde mich nicht in die Luft sprengen. Ich will lieber mit meiner Familie heute mittag picknicken, oder wandern gehen. Ich will lieber nach meinen alten Eltern sehen. Ich will lieber im Garten arbeiten, damit wir im Sommer mit Freunden und Verwandten seine Früchte genießen können.

Wer als Terrorist sich so äußert wird schnell merken, welche Kontrolle, welche Macht, welche Freiheit er wirklich hat. Nicht einmal Bin Laden hätte sich so äußern können. Ihm hätte das Schicksal gedroht wie jedem Aussteiger aus organisierter Kriminalität und anderen Haßgruppen. Solche Menschen müssen damit rechnen, ermordet zu werden. Und oft gelangen auch ihre Familien ins Kreuzfeuern.

Wahre Freiheit ist das nicht.

Doch welche Macht hat diese Ideologie von Sünde, Tod und Teufel, wenn es eine Auferstehung gibt? Welchen Druck kann man mit Morddrohungen auf jemanden auswirken, der daran glaubt, daß er wieder aufstehen wird?

Der Glaube an die Auferstehung ist das Subversivste, was es gibt. Dieser Glaube reißt letztendlich alle Macht- und Kontrollsysteme ein, weil sie ihre Druckmittel verlieren. Wer den Tod nicht zu fürchten braucht, weil er weiß, daß er überwunden ist, der ist nicht mehr zu kontrollieren. Der ist frei.

Frei Gutes zu tun, weil ihn keiner hindern kann. Frei Gutes zu tun, weil er es kann und keinen Grund mehr hat, Böses zu tun. Wieso niederträchtig sein und Menschen bedrücken, wenn man ihnen auch eine Freude tun kann?

Um das zu verhindern, versucht der Teufel – oder das Böse, wenn man nicht so altmodisch vom Teufel sprechen will, immer, die Hoffnung auf die Auferstehung zu nehmen. Sie zu erschüttern, mit welchen Mitteln auch immer.

Dann wäre es das für die Menschen, deren Leiber in Lahore zerfetzt wurden, gewesen. Dann würde das Leid gewinnen.

Aber Christus ist auferstanden! Lassen wir uns da nicht beirren.

Im Predigttext gestern wurde die Liste der Zeugen genannt: Petrus, Jakobus, die Jünger und Apostel und viele viele mehr, sie alle hatten den Auferstandenen gesehen!

Und dieses Ereignis hat die Welt verändert! So weit, daß es heute rund 2 Milliarden Christen gibt auf der Welt – und die Zahl steigt! Hätten die ersten Christen den Glauben so verbreiten können, wenn sie nicht voll und ganz selbst überzeugt gewesen wären, daß das, was sie erzählten, auch stimmt? Auch ihnen drohte Folter und Tod!

Trotzdem haben sie die Nachricht verbreitet. Auch Paulus. Und der hat in unserem Predigttext heute noch einmal vehement klar gemacht, daß ohne die Auferstehung alles umsonst ist. Wenn es keine Auferstehung gibt, wie einige der Korinther meinten – und so weit weg sind sie da ja nicht vom modernen Denekn unserer Zeit – dann ist alles umsonst, dann ist der Glaube umsonst, dann ist keiner gerettet.

Unser Glaube steht und fällt mit dem Glauben an die Auferstehung. Aber Christus ist auferstanden, deshalb steht der Glaube – und fällt nicht!

Und das gibt Hoffnung, ganz konkret hier und jetzt. Das gibt Kraft zur Subversion, gegen die Mächte des Bösen.
Jesus ist für seine Verfolger und Mörder ans Kreuz gegangen. Und wie gehen wir mit unseren Feinden um?
Gewalt läßt sich nicht mit Gewalt überwinden. Nur Liebe, in der Hoffnung auf die Auferstehung zum Äußersten bereite Liebe, überwindet den Haß.
Die zerfetzten Leiber von Lahore sind nich der Endpunkt. Sie sind nur ein Tiefpunkt, wie das Kreuz im Leben Jesu. Nach dem Tod kommt die Auferstehung.

So bin ich auch irgendwann über meine Wut hinweggekommen. Und ich bekam nun auch Mitleid mit den Terroristen.

Was sind die Terroristen doch für arme Menschen! Die ermordeten Christen auch, doch die haben Ostern gefeiert. Die wußten – und in den Bedrängten Kirchen des Mittleren Ostens ist das Bewußtsein der Auferstehung aufgrund der Bedrohung präsenter als bei uns – daß sie auferstehen würden. Daß die Gewalt der Terroristen nur eine zeitliche Trennung bedeuten kann, so schmerzlich diese auch ist.

Aber die Terroristen? Auch sie glauben an eine Ewigkeit bei Gott, von dem sie in ihrer Verblendung meinen, er würde gut heißen, was sie tun. Und trotzdem müssen sie ihre Familien zurücklassen, und kann sich einer von Ihnen vorstellen, daß eine Mutter oder ein Vater bei ihren Kindern solche terroristischen Handlungen gutheißen könnte? Die Terroristen wissen das, und sie wissen um den Schmerz, den sie ihren Lieben zufügen – zufügen müssen, weil sie gefangen sind.

Was sind das doch für arme Menschen! Und wenn es ganz schlimm kommt, dann kennen sie nicht nur die haßerfüllte Propaganda ihrer Führer, sondern auch den Koranvers, nach dem jeder, der einen Menschen tötet so ist, als hätte er die ganze Menschheit getötet. Und dann können sie sich denken, was in dieser Ewigkeit, an die auch sie glauben, auf sie wartet.

Was sind das doch für arme, bemitleidenswerte Menschen, die die Ewigkeit verbringen müssen mit dem Wissen um all das Leid, das sie den Menschen zugefügt haben!

Meine Hoffnung ist, daß sie in der Ewigkeit Christus treffen, und er sie wie alle Menschen mit Gott versöhnt und mit ihren Opfern. Und daß der Heilige Geist den Angehörigen der Opfer wie der Täter beisteht in ihrem Schmerz, damit alle Kinder Gottes, auch die verlorenen, mit ihm die Ewigkeit in inträchtiger Liebe zusammen verbringen können.

Amen.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Freitag, den 22. März 2013

Tageslosung der Herrenhuter Brüdergemeine vom 22.3.2013 Audio

HERR, du bist Gott, und deine Worte sind Wahrheit.
2.Samuel 7,28

So spricht König David, als Gott ihm durch den Propheten Nathan mitteilen ließ, daß seine Dynastie bestand haben wird.

Gott, unser Heiland, will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
1.Timotheus 2,4

So schreibt Paulus an Timotheus, nachdem er auf die Notwendigkeit des Gebets für alle Menschen hinweist (wobei am Ende von Kapitel 1 noch die Rede davon ist, daß er zwei Männer – Hymenäus und Alexander – „dem Satan übergeben“ hat; für sie zu beten geht wohl trotzdem noch).

Hier freut sich David über die Heilszusage Gottes und drückt aus, daß er daran nicht zweifelt. Dort weist Paulus darauf hin, daß Gott allen Menschen helfen will und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen sollen; deshalb sollen wir für andere beten.

Den Zusammenhang zu sehen ist nicht leicht. Die Herrnhuter Losungen funktionieren ja so, daß dem Losungstext aus dem AT ein Lehrtext aus dem NT beigefügt wird. Der Paulusvers soll also den Davidvers erläutern.

Man muß die Kreise des Gedankens schon etwas weiter ziehen, um beide Verse in einen Zusammenhang zu bringen. Tut man es aber, so kann man auf den Gedanken kommen, daß vielleicht die wahren Worte, von denen David spricht, sich nicht nur auf Israels Geschichte und Davids Dynastie beziehen, sondern auch darauf, was Paulus von Gott behauptet: Daß allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Spricht Paulus hier nicht aus sich, sondern aus Gott (und das kann man bei einem Bibelvers zumindest einmal annehmen), so handelt es sich tatsächlich um Wahrheit. Dann betrifft mich und Dich diese Zusage, daß Gott will, daß wir zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und daß Gott uns helfen will, genauso wie David die Zusage des Bestands seiner Dynastie. Und nicht nur mich und Dich, sondern auch alle unsere Nächsten, inklusive derjenigen, die wir nicht besonders mögen und vielleicht auch dem Satan übergeben würden – wenn wir wüßten wie das geht. (Man wünscht ja öfters mal jemandem gern die Pest an den Hals)

Trotz allen Pestwünschen sollen wir dann aber trotzdem für sie beten, so wie Paulus es schreibt (1. Tim 2, 1),

damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.

Wenn wir und diejenigen, die uns Böses wollen, beide zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, dann können wir nicht mehr Feind sein, dann haben alle Pestwünsche ein Ende. Und dann ist uns beiden geholfen. Also laßt uns für andere beten, und laßt auch andere für uns beten.

 

Auslegung der Tageslosung vom 22.3.2013

Theologie

Jesus, Mo und der Erste Korintherbrief

Zuerst mal die rechtliche Seite: Folgendes Comic steht unter einer Creative Commons 3.0 Lizenz, wie hier angegeben.

Ich versuche mal, zu übersetzen:

Jesus: Wenn die Evolution wahr wäre, dann hätte es Adam und Eva nicht gegeben, es gäbe keinen Sündenfall und damit keinen Grund für mein Opfer. Das Christentum wäre unwahr!

Mo: Und ohne Adam und Eva wäre der Koran nicht wörtlich wahr und könnte daher nicht das perfekte Wort Gottes sein. Der Isalm würde auf einem von Menschen gemachten Buch basieren.

Barmaid: Ich stimme zu.

Mo: Wirklich?

Barmaid: Absolut.

Jesus: Wow, das war einfacher, als ich dachte.

Mo: Ich denke, wir machen Fortschritte.

Wer die Jesus und Mo Comics nicht kennt: Es geht oft darum, daß Jesus und Mo in der Bar sitzen und mit der Barmaid über Glauben und Religion sprechen, wobei die beiden Herren stets versuchen, die Barmaid vom Glauben zu überzeugen und meist auf ziemlichen Widerstand treffen. Unnötig zu sagen, daß ihre Argumente manchmal recht platt sind, aber es geht in den Comics immer auch darum, den Gottesglauben zu diskreditieren, und das geht halt besser, wenn man Religion vor alem auf die Fundamentalisten beschränkt, aber sei’s drumm. Interesant finde ich, daß es zwischen Jesus und Mo eigentlich ie wirklich zum Streit kommt. Fast schon utopische Zustände. Manchml taucht auch Abraham auf, aber dann sind die beiden meist nicht in der Bar.

Egal, die Pointe dieses Comics sollte recht klar sein: Jesus un Mo gehen davon aus, daß Bibel respektive Koran ja stimmen müssen, und daher muß der Fehler wohl bei der Evolution liegen (auch interessant: niemand stellt in Frage, daß die Nichtexistenz von Adam und Eva das Ende des Christentums bedeuten sollte, aber so funktioniert der Comic nun mal: Es werden fundamentalistische Ansichten zu Grunde gelegt). Natürlich stimmt die Barmaid der Argumentation der beiden zu, ohne jedoch die Voraussetzung zu teilen, daß die jeweilige Heilige Schrift wahr ist, und kann den beiden zustimmen, was die beiden natürlich (sie sind halt auch immer ein Stück weit naiv in dem Comic) nicht kapieren.

Jetzt hat mich ein Kommentar auf der Comicseite etwas zum Nachdenken gebracht: Herm schreibt, daß Paulus auch mal an dem Punkt ar, und die Kurve nicht gekrigt hat, nämlich bei 1. Korinter 15,  13-16:

Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich. Wir würden dann auch als falsche Zeugen Gottes befunden, weil wir gegen Gott bezeugt hätten, er habe Christus auferweckt, den er nicht auferweckt hätte, wenn doch die Toten nicht auferstehen. Denn wenn die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden.

Sieht analog aus: Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferstanden. Paulus führt ein paar Verse später aus, daß wir dann alle verloren sind, weil unser Glaube dann nichtig wäre un wir folglich verloren wären. Düstere Sache. Paulus argumentiert hier gegen die Auffassung in Korinth, daß es keine Auferstehung der Toten geben könnte. Was Herm aber übersieht ist, daß Paulus doch etwas anders argumentiert:

Während bei der Diskussion zwischen Jesus & Mo und der Barmaid lediglich die Argumentation (wenn Evolution, dann nicht Religion und umgekehrt) von beiden Seiten  anerkannt wird, und dadurch noch niemand gezwungen wird, seine Position aufzugeben (auch wenn Jesus & Mo das nicht kapieren), geht Paulus davon aus, daß sowohl seine Argumentation wie auch die Auferstehung Christi von allen anerkannt wird. Daraus läßt sich dann in der Tat folgern, daß es auch eine Auferstehung der Toten geben kann. Paulus sagt also: EntwederIhr glaubt, oder Ihr tut es nicht. Ihr könnt Euch nicht einige Punkte rauspicken und andere auslassen. Das käme dann in die Nähe des Vorwurfes moderner Atheisten an die Gläubigen heutzutage: Es wäre intellektuell unredlich. Paulus sucht nicht, mit der Argumentation Nichtchristen zu überzeugen, wie Jesus & Mo. Er richtet sich an Christen, die mit ihm die Voraussetung teilen (oder teilen sollten) und erklärt ihnen, wieso seine Schußfolgerung, daß es eine Auferstehung der Toten gibt, logisch aus der gemeinsamen Voraussetzung abzuleiten ist. Paulus verpasst also keine Kurven, Herm verpasst aber womöglich den Kontext der Paulus Verse, die er anführt.

Theologie

Der Ertrag der Erlösung

Manchmal braucht man etwas länger. Über einen Blogartikel zu den Sühnetheorien bei peregrinatio kam ich auf einen älteren Artikel dort, in dem es um ähnliche Gedanken geht. Dort hab ich neben Kommentaren von mir (was man alles so im Netz findet) auch einen Kommentar von Eric Djebe gefunden, der mir damals entweder durch die Lappen ging oder der mir einfach zu dem Zeitpunkt nichts sagte. Jetzt wurde ich vor kürzerem im Forum mit der gleichen Frage (?) nochmals konfrontiert, ebenfalls von Eric Djebe, und all dies zusammen führt nun dazu, daß ich meine zu verstehen, auf was er hinauswill. Manchmal brauch ich alt länger. Er formuliert seine Frage so:

Was passiert im Menschen, in seinem Leben, durch diese Erlösung?

Wo versucht jemand zu beschreiben, was mit ihm passiert, was diese „Erlösung“ mit ihm macht?

Die erste Formulierung ist aus dem peregrinatio Kommentar und die letzte aus dem Forum. Mir scheint, als gibt er im Kommentar danach die Antwort auf die Frage aus dem Forum:

[…] man überlässt das Thema mitsamt Röm 8, dem Schlüsseltext dazu, den ‘wiedergeborenen’ Christen.
[…] Wer sich aber wirklich darauf einlässt, spürt sehr genau, dass Paulus hier fast verzweifelt versucht., irgend etwas auf den Punkt zu bringen. Und wenn wir dieses Etwas erkennen würden, würden wir wohl die meisten Kreuzestheologien als mehr oder weniger gelungene Umschreibungen eben dieses existenziellen Geschehens begreifen.

Wenn wir also Römer 8 richtig verstehen, dann haben wir die Antwort auf die erste Frage. Gleichzeitig haben wir soweit von den verschiedenen Kreuzestheologien abstrahiert, um sie alle mehr oder weniger zusammenbringen zu können, indem wir sie als unterschiedliche Beschreibungen des gleichen Geschehens begreifen. Das wäre in der Tat ne tolle Sache, denn ehrlich gesagt komm ich mit Anselms Ansatz nicht wirklich klar und mir begegnen andere, die damit nicht klarkommen, daß ich damit nicht klarkomme, bzw die meine Alternativgedanken ebenso verwerfen wie ich Anselm. Wenn es hier die Möglichkeit eines Ausgleichs gibt, wär das wirklich ein Fortschritt, für mich, für andere, die unter dieser und anderen Trennnugen in der Gemeinschaft der Gläubigen leiden und vielleicht auch für alle anderen Menschen, da so vielleicht ein Ansatz entstehen könnte, wie christlicher Glaube wieder besser verständlich und annehmbar wird. Fast ne eierlegende Wollmilchsau, und ich mein das ausnahmsweise mal positiv.

Also Römer 8. Ich fand den Text immer etwas bis sehr schwierig zu verstehen. aber die Idee, daß Paulus hier verzweifelt versucht, etwas auf den Punkt zu bringen, funktioniert als Schlüssel erst mal recht gut (danke Eric Djebe!).

Pualus spricht von Fleisch und Geist, Tod und Leben, und zu all diesen Begriffen gibt es schon ganze Bibliotheken, die ich jetzt einfach mal außer Acht lasse (abgesehen von dem, was unbewußt doch reinrutscht, weil das ein oder andere dazu hab ich schon mal gelesen). Es ist, so hab ich es im Proseminar gelernt, immer eine gute Idee, sich erst einmal selbst Gedanken zu machen (diese Weisheit wird zwar durch Begebenheiten der letzten Zeit Lügen gestraft – wer die Anspielung versteht, weiß was ich meine) und dann die Sekundärliteratur zu konsultieren. Und da das hier keine theologische Arbeit werden soll (ich bin schließlich kein Sceince-Blogger), sondern ein Blogartikel, überlaß ich Euch diese Konsultation.

In Kapitel 7 schreibt Paulus davon, daß wir einst dem Fleisch verfallen waren. Zu dieser Zeit erregte das Gesetz „sündige Leidenschaften“ in uns (Vers 5). Später betont er dann noch einmal, daß es nicht das Gesetz sei, das eigentlich Sünde ist, sondern die Sünde selbst. Wie dem auch sei sind wir – solange wir dem Fleisch verfallen sind – vom Gesetz gefangen (Vers 6). Das würde den Begriff „Erlösung“ verständlich machen, denn er setzt ja eine Bindung, also eine Gefangenschaft, voraus.

Diese Gefangenschaft ist aber nur so lange effektiv, wie wir am Leben sind, denn Tote sind nicht an das Gesetz gebunden (Vers 1). Bis dahin ist es jedenfalls so, daß man zwar das Gte will aber sieht, daß man immer das Böse tut. Paulus spricht hier vom Gesetz des Fleisches/der Sünde und dem Gesetz des Geistes. Dann, am Ende von Kapitel 7 stellt Paulus die Frage, wer ihn erlöst von sienem todverfallenen Leib (Vers 24). Denn sein Gemüt ist kein Problem, das dient Gottes Gesetz, während das Fleisch, also der Leib, der Körper, dem Gesetz der Sünde dient und darin gefangen ist. Die Lösung, nein, die Erlösng für Paulus ist es also, den Leib und damit das Fleisch und dessen Neigung zur Sünde hinter sich lassen zu können.

Kapitel 8 beginnt nun mit der Feststellung, daß diejenigen, die in Christus sind, keine Verdammnis kennen, weil sie durch das Gesetz des Geistes frei gemacht (erlöst) wurden vom Gesetz der Sünde (Vers 2). Diese Freiheit scheint nicht darin zu bestehen, daß man die Taten des sündigen Fleisches, die man nicht will, loswird (Vers 10):

Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen.

Es lebt der Geist, tot ist der Leib. Weiterhin. Aber das scheint nicht so zu bleiben (Vers 11):

Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Es wird also eine Veränderung ach der Leiber hin zum Leben geben. Das macht den Eindruck, als ob Paulus aus Kreuzigung und Auferstehung die Hoffnung schöpft, nun bald auch dem Leib nach das Gesetz erfüllen zu können. Das ist es ja, was er in Kapitel 7 beklagte, daß er zwar das Gute tun will, aber das Schlechte tut, daß er es nicht schafft dem Fleisch nach das zu tun, was sein Geist als richtig erkannt hat. Er wollte vom todverfallenen Leib erlöst werden und hier sieht er den Ausweg: Gott macht den todverfallenen Leib lebendig durch Seinen Geist. Interessant finde ich die folgenden zwei Verse:

So sind wir nun, liebe Brüder, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben.
Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.

Mir stellt sich die Frage, wieso wir dem Fleisch etwas schuldig sein sollten. Offenbar sah Paulus das so, sonst hätte er es nicht erwähnt und gleich verneint. Auch interessant finde ich, daß nicht die Rede davon ist, die Taten des Fleisches einfach zu lassen, sondern davon, diese Taten dann zu töten. Dieser Geist in uns jedenfalls sagt uns laut Paulus, daß wir Kinder Gottes sind und damit auch Erben, die mit in die Herlichkeit erhoben werden. Das geht wohl nicht mit dem sündigen Fleischleib. Aus dem Geist heraus weiß Paulus aber, daß die Herrlichkeit trotzdem kommt. Ergo, so verstehe ich ihn, müssen wir diesen Fleischleib, der Paulus so stört, loswerden, von ihm erlöst werden. Dann wäre der sündige Fleischleib das Gefängnis, in das uns die Sünde eingesperrt hat durch das Gesetz.

Dann macht Paulus den Kreis weiter. Die ganze Schöpfung änstigt sich und auch wir ängstigen uns und sehnen uns nach der Erlösung unseres Leibes (Verse 22+23). Dann bringt er aber ein, daß diejenigen, die zu Gott gehören, keine Angst zu haben brauchen, denn sie werden jedenfalls dann auch gerecht gemacht und verherrlicht werden. Gott selbst kümmert sich um sie, und daraus zieht Paulus dann eine überschwengliche Freude (ab Vers 31): Wenn Gott mit uns ist (und das ist Er offenkundig, wenn Er uns gerecht macht und verherrlicht), kann uns eigentlich sonst keiner mehr was. Angst, Hunger, Schwert, Gefahr, alles keine Bedrohung mehr. Niemand kann uns mehr verdammen, wenn Gott uns schon gerecht gesprochen hat. So wie Bundesrecht Landesrecht bricht, bricht Gottes Recht jedes andere Recht. Er ist die letzte Instanz. Abgeschlossen wird das Ganze mit den berühmten Versen 38 und 39:

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

In Römer 9 geht es dann um Israel und damit um ein anderes Thema. Zusammengefasst war das Problem des Paulus also vor der Erlösung, daß sein Gemüt zwar Gott folgen wollte, sein Leib es aber nicht tat und wohl auch nie dazu in der Lage war. Paulus muß davor große Angst gehabt haben, wenn man bedenkt, was er später in Anschlag bringt, was uns nichts mehr anhaben kann: Keine Verdammung, kein Schwert und keine Gefahr, kein Hunger, kein Tod kann Angst machen. Ich denke es ist wichtig zu sehen, daß es sich dabei um wirklich angstmachende Faktoren handelt und nicht um eingeredete. Vielleicht könnte man Paulus so übersetzen, daß es ihm um die Verfangenheit des Menschen in der Vergänglichkeit, in der Unsicherheit dieser Welt geht. Denn die Welt ist ja nsicher, und wir kriegen sie nicht unter Kontrolle. Was wir auch tun, wir sind nicht perfekt, wir können uns vor Kriegsangst, Angst ums Überleben etc nicht gänzlich schützen. Die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrhundetre hat hier zwar einiges geleistet, aber auch heute verhungern noch Menschen, und Arbeitslosigkeit ist auch nichts, das man einfach so hinnimmt, wenn schon nicht der Hungertod droht. Wie dem auch sei, der Leib kommt da nicht raus, auch wenn wir dem Gemüt nach gerne anders tun würden wie wir können.

Paulus hat nun den Ausweg entdeckt der darin liegt, Gottes Liebe zu finden, die ihm zwar den Hungertod nicht zwangsläufig erspart (der Tradition nach ist Paulus ja nicht verhungert, aber af andere unschöne Weise zu Tode gekommen), aber Hoffnung auf ein Danach gibt, das so viel schöner und wunderbarer ist als es alles sein kann, was wir hier auf Erden möglicherweise erleiden müssen. Ich denke das ist es, wovon Paulus schreibt. Daß die Gewißheit zu Gott zu gehören zu der Gewißheit führt, daß einem nichts mehr passieren kann, das einen im Innersten bedroht. Denn nach allem, was kommt, und sei es ein furchtbarer Tod, kommt garantiert Gottes Herrlichkeit.

Der Text wurde jetzt sehr lang, hoffentlich nicht zu lang zum Lesen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich nicht einfach nur ne neue Theorie gebracht (oder wohl eher ne alte Theorie aufgewärmt) habe oder tatsächlich ein Stück weit hinter die Theorien zum existentiellen Geschehen vorstoßen konnte. Mir hat es jedenfalls viel gebracht, den Artikel zu schreiben, und ich bin wie immer an Euren Kommentaren interessiert.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Mittwoch, 26. September 2012

Bei takeover.beta schreibt Zweisamkeit über sexuelle Manipulation in der Beziehung. Tenor des (im bekannt schwer leslichen Genderdeutsch verfassten) Artikels ist, daß ein Partner (hier geht es wohl vor allem um Männer), der ein Nein nicht akzeptiert, sondern Umstimmungen versucht, auch sonst nicht auf die Wünsche des anderen Partners hört, und auch dort ebenso veruschen wird, zu manipulieren. Den Lösungsvorschlag, der Fragliche sollte es sich statt dessen einfach selbst besorgen, halte ich jedoch für keinen. Was muß der unwillige Partner (also gedacht im Artikel wohl die Frau) denken und fühlen, wenn der Mann, nachdem er abgewiesen wurde, sich einen runterholt. Es dürfte wohl in die Richtung gehen, daß man sich als Objekt vorkommt, das, wenn es nicht wie gewünscht funktioniert, auch ersetzt werden kann. Denkt man etwas weiter, dann könnte man in der gleichen Logik vorschlagen, der Mann könnte ja statt dessen auch ins Puff gehen, hauptsache er manipuliert die Frau nicht. Ich glaube, das funktioniet so nicht. Es reicht nicht, die Manipulation zu lassen. Wenn die Partnerin nein sagt, ist die Zeit der Enthaltsamkeit (es soll ja Menschen geben, die das ein ganzes Leben lang durchhalten). Denn eine Manipulation an den eigenen Genitalien entweder selbst, oder durch willigere andere Objekte kommt einer Manipulation durchaus gleich. Hier finde ich auch Paulus sehr erhellend, der schreibt, daß der eigene Körper eigentlich dem jeweiligen Partner gehört (1.Kor 7,4). Demnach hat man in der Partnerschaft also gar kein Recht mehr daran. Macht auch nichts, wenn die Partner einander lieben. Dann tun sie dem anderen Körper auch nichts an, sondern halten sich an des Partners Wünsche (inklusive eines Nein). Ist dies nicht der Fall, sollte man vielleicht die Partnerschaft überdenken. Inwieweit das jetzt zu „modernen“ Partnerschaftsverständnissen à la Lebensabschnittsgefährte paßt, steht auf einem anderen Blatt. Ich finde die Ehe als Konzept (unabhängig vom Trauschein, mir geht um um das, was man lebt) eh überzeugender.

Um Liebe und Partnerschaft geht es auch in Christian Hoppes Artikel zum Film „Liebe“. Es geht um ein altes Ehepaar, um Pflege und schließlich Sterbhilfe, bzw ist das nicht so klar. Der Artikel geht auf die Deutung, die wohl dem Marketing zu Grunde liegt ein und schlägt eine andere Deutung vor, die nicht von einem „Triumph der Humanität“, sondern von einem Scheitern der Liebe ausgeht. Ohne selbst den Film gesehen zu haben scheint mir Christians eigene Deutung durchaus berechtigt zu sein.

Über die Auswüchse der modernen Gesellschaft hat der Herr Alipius etwas, der sich am Ende fragt, wofür Ludwig XVI sterben mußte. Sicherlich eine provokante Frage aber angesichts des Dargestellten womöglich nicht ganz verkehrt. Vielleicht sollte man auch hier mal ganz konkret mit dem Verantwortungsbegriff durchbuchstabieren, was wir gut finden und was nicht. Aber Verantwortung ist heutzutage eh nicht mehr so in Mode. Mein Reilehrer lehrte mich noch, daß die Freiheit der Verantwortung entsprechen müsse. Gebe es eine Diskrepanz, so entspreche die Differenz zwischen beiden der Größe der Sünde. Sünde ist demnach, wenn man sich Freiheiten rausnimmt, ohne die Verantwortung zu übernehmen. Ob das nun noch auf den Wiener Klub anzuwenden ist, wäre vielleicht auch mal ne interessante Frage, die ich hier aber nicht beantworte (falls jemand nen Ansatz hat, es gibt ja die Kommentarfunktion).

Eric Djebe hat die Frage gestellt, ob das Christentum eine Chance hätte, wenn es heute bei Null anfangen würde. Er hat Zweifel, sucht aber auch nach den Gründen für den damaligen Erfolg.

Peter schreibt über die Soteriologie von Narnia und sieht dainter das Christus-Victor-Motiv. Daß ich selbst dieses Motiv mag und viel für meinen eigenen Glauben daraus ziehe, könnte dem regelmäßigen Blogleser schon aufgefallen sein. Interessant finde ich Peters Kritik daran, daß Lewis Alsan nicht trinitarisch angelegt hat. In der Tat kommt er damit dann in die Schwierigkeit, auf eine uralte Magie verweisen zu müssen. Allerdings finde ich das für Kinder noch etwas nachvollziehbarer, als noch eine ausgewachsene Trinitätslehre im Buch unterzubringen. Das ist ja das schöne bei Kindern: Sie können gut vertrauen, ohne ganz zu verstehen. Ich denke, deshalb sollen wir auch wie die Kinder glauben, wie Jesus sagt. Ich gehe stark davon aus, daß die alte Magie den Kindern vollkommen als Erklärung reicht. Die ausgewachsene Trinitätslehre kann man nachreichen, wenn die Kinder durchs Erwachsenwerden das Vertrauen langsam schwerer fällt, es ist ja nicht so, daß es keine Trinitätslehre gäbe.

Der Morgenländer schreibt von Elefanten in Räumen und V-Männern (also vom Staat bezahlten Menschen, aber eigentlich ist es nur einer), dem vorgeworfen wird, die Logistik dr NSU gestellt zu haben, inklusive Besorgung der Waffen. Jetzt frage ich mich, wieso die Geheimdienste nichts davon wußten, wenn der eigene V-Mann womöglich involviert war, und das an entscheidender Stelle. Wenn V-Leute nicht so funktionieren wie sie sollen, daß sie also eben keine Informationen liefern, jedenfalls nicht diejenigen, die wichtig sind, stellt man sich die Frage nach dieser Einrichtung überhaupt.

Alternativ könnte man überlegen, ob der V-Mann doch berichtet hat und die Geheimnisse doch über den NSU Bescheid wußten. Wie man es dreht, schön ist es nicht.

Bei Kirche 2.0 gibts ne pdf mit 20 Tipps für Facebook Beiträge von Kirchengemeinden.

Bei Sojourners gibts nen Artikel zu atheistischem Schmuck, also für all die Leute, die sich weder Kreuz noch Davidstern um den Hals hängen wollen.

Mandy weist auf ein Online-Bibelkundeseminar hin. Das Ganze wird von ERF und Bibelseminar Bonn veranstaltet und beginnt im Oktober. Ich hab ja meine Bibelkunde schon, und inwieweit solche Bibelschul-Kurse von Universitäten und Kirchen anerkannt werden, steht in den Sternen. Das muß jedoch nicht bedeuten, daß sie qualitativ schlecht wären. Wer Interesse, Zeit und das nötige Kleingeld hat, kann unter Umständen durchaus mit Gewinn an so einem Seminar teilnehmen, auch wenn er sich nicht zum evangelikalen Christentum rechnet (oder vielleicht gar kein Christ ist).

Und zum Schluß hab ich noch nen Artikel von Charles Halton über das Jesus und seine Frau Papyrus aus Harvard. Recht hatter.

glaube

Bibel statt Gewissen?

So zieh nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel. (1. Sam 15, 3)

Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns angetan hast! Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert! (Ps 137, 8-9)

Was mich oft ärgert, im Gespräch mit Atheisten über meinen Glauben, ist die Unterstellung, die meist implizit kommt, daß wir Christen eine Bibel hätten, wo andere ein Gewissen haben.

Derek Flood hat zu dem Thema vor längerem einen Artikel geschrieben, der zu gut ist, um ihn nicht wenigstens auf deutsch zusammenzufassen.

Er stellt nämlich genau die Frage, wie solche Verse etwa zum Feindesliebegebot passen. Und er erinnert zerst an einen Mechanismus, in den auch ich immer wieder gerate, nämlich daß versucht wird, die Gewalt runterzspielen und zu rechtfertigen, was natürlich falsch ist. Er führt als Beleg zwei Kommentare an. Ich kenne es wie gesagt aus eigener Erfahrung an mir selbst: Die Bibelstelle wird angegriffen und oftmals gleich der Glaube und die eigene Person mit, nd da verfällt man leider viel zu schnell in den Verteidigungsmodus. Und um sich selbst zu verteidigen, verteidigt man auch – eigentlich gegen besseres Wissen! – die Gewalt gegen Säuglinge in Ps 137. Mir ist dies mehrfach passiert, und oft haben meine Gesprächspartner frohlockt, weil sie mich nun in die Monsterecke stellen konnten. Ich war in die Falle getappt.

Derek Flood macht es klar: Das Zerschmettern von Babyköpfen auch nur als annehmbar zu erwägen geht nur, wenn man von vorne herein davon ausgeht, daß biblische Befehle über dem Gewissen stehen. Wie ich eingangs schrieb: Ne Bibel, wo andere das Gewissen haben.

Er schlägt eine andere Lesart der Bibel vor, und er illustriert es an Jesus, Paulus und Martin Luther King Jr. Während Jesus noch betonte, er sei nur zu den Kindern Israels gekommen, öffnet Paulus das Evangelium auch und gerade den Heiden. Während Paulus die Sklaverei als Institution nicht anrührte, kämpfte King für die Beseitigung der letzten Spren der Sklaverei, und zwar in der Überzegung, daß er sich damit in Übereinstimmung mit der Bibel befindet. Und Jesus? Für ihn war die Begrenzung auf die Kinder Israels ja auch nicht Hauptinhalt seines Tuns. Auch er weitete den Kreis des Heils, in die sozialen Randgruppen. Es handelt sich um eine Geschite immer weiter greifender Integration. Erst die frommen Juden, dann die sozialen Randgruppen unter den Juden, dann die Heiden, und dann selbst die versklavten Randgrppen unter den Heiden.

Geht man nun den Weg hinter Jesus zurück, dann dürfte es nicht verwundern, daß auch die Texte hinter die Feindesliebe zurückfallen. Und ehrlich gesagt, auch die Johannesoffenbarung scheint mir da eher nen Schritt zrück zu gehen, was das angeht.

Derek Flood plädiert also dafür, die Bibel nicht als Belegtext für allerlei Handlungen (die im Zweifel mit dem Gewissen kollidieren müssen) zu lesen, sondern auf die Bewegung weg von Gewalt, Unterdrückung und Entmenschlichung zu achten und darin eine Aufforderung zu sehen, den Weg weiterzugehen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; (Joh 14, 12)

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 23.03.2012 (2. Chr 14, 10)

Da Bonifatz auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub (nennt man das so? Darf ich sagen, wo Du hinfährst?), versuch ich mich mal ein wenig beim Wort zum Tag. Ich hoffe, ich kann der Aufgabe gerecht werden.

Der heutige Losungstext steht in 2. Chr 14, 10:

HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

„Steht in“ ist wörtlich zu verstehen. Der Vers ist eigentlich länger. Doch möchte ich auch den Lehrtext mitbenutzen, den die Herrnhuter den Losungen hinzfügen. Dieser steht heute in Philipper 4, 19:

Gott, dem ich diene, wird euch alles geben, was ihr braucht, so gewiss er euch durch Jesus Christus am Reichtum seiner Herrlichkeit teilhaben lässt.

Ja, das ist kein Luthertext, das ist Gute Nachricht. Irgendwie versteh ich nicht ganz, wieso  die den zweiten Halbsatz so übersetzen. Macht nix, hier noch einmal den Luthertext:

Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

Traditionell gesehen

Traditionell ist es ja so, daß der Lehrtext die Losung auslegen soll. Während der Losungstext tatsächlich gelost wird, ist der Lehrtext dazu eine bewußte Auslegung. Und wenn man den AT Satz alleine hat, braucht man die vielleicht auch. So viel gibt der alleine nicht her. Gut, wir wissen daraus, daß Gott dem Schwachen gegen den Starken helfen kann, daß es Ihm nicht schwer fällt.

Aber sonst? Sonst gar nix. Kein Wort dazu, ob Gott das überhaupt vorhat, oder ob Er vielleicht das Gegenteil verfolgt, ob es Gott egal ist und erst motiviert werden soll, z dem Schwachen zu stehen.

Durch den Lehrtext erfahren wir: Gott wird uns geben, was wir brachen. Er wird unserem Mangel abhelfen.

Den Blick weiten

Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn Verse so as dem Zusammenhang gerissen werden. Wie ist das nochmal beim Kontext vom Losungsvers?

Es geht um den König Asa von Juda. Er gehört zu denjenigen, die gelobt werden, weil sie die Verehrung anderer Götter unterbinden. Zumindest am Anfang seiner Regierungszeit (das blieb nicht immer so, aber darm geht es heute nicht) gehört er klar zu den gottgefälligen Königen Judas. Er lebt ruhig im Lande, es gibt keinen Krieg, und er nutzt die Zeit, um die Verteidigungsanlagen auszubauen.

Dann bricht Krieg aus. Die Kuschiter unter Serach fallen ins Land ein. Es ist die Rede von einer Million Soldaten und dreihundert Streitwagen. Dem gegenüber sehen die 580.000 Mann Asas recht mickrig aus.

Sicher sind diese Zahlen übertrieben (welche moderne Armee hat schon 1 Mio Soldaten? Nicht viele!), aber klar wird: Da kommen jede Menge Feinde und man hat nr etwa die Hälfte an Männern entgegenzusetzen. Eigentlich eine ausweglose Situation. Was tut Asa? Er zieht dem feindlichen Heer entgegen, ruft Gott an, und dann kommt der Losngstext: Es ist Dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

Es geht hier nicht um irgend eine theoretische Aussage über Gottes Möglichkeiten. Es handelt sich um die Einleitung zu einem Hilferuf an Gott in der Bedrängung. Denn der Vers geht weiter:

Hilf uns, HERR, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich, und in deinem Namen sind wir gekommen gegen diese Menge. HERR, du bist unser Gott, gegen dich vermag kein Mensch etwas.

Darum geht es im Grunde: Du bist stark genug zu helfen, also hilf! Und was passiert? Die Kschiter werden vernichtend geschlagen. Keiner überlebt, die Judäer plündern und machen große Beute.

Das ist zwar jetzt nicht politisch korrekt, aber darum geht es gar nicht. Der Punkt ist: Asa wird bedroht, Asa vertraut auf Gott, das Unmögliche geschieht, die Gefahr wird in einen Segen verwandelt für Asa und die Judäer: Sie machen reichlich Beute.

Wie stand noch bei Philipper? „Mein Gott wird all Eurem Mangel abhelfen“.

Und was ist der Kontext dieses Textes? Paulus beschriebt, wie er von den Philippern finanziell unterstützt wurde. Er habe keinen Mangel gehabt, aber es sei gut gewesen, daß sie ihm etwas schickten, da er nun Überfluß habe. Und dann kommt der Lehrtext: Der Mangel, der durch die Gaben an Paulus entstanden wird durch Gott ausgeglichen werden.

So hängen beide Texte durchaus miteinander zusammen, denn beide thematisieren Gottes Hilfe für den, der Mangel leidet (ob finanziell oder an Soldaten), aber es gibt auch Unterschiede. Denn während Asas Sieg über die Kuschiter berichtet wird, also Gottes Hilfe konkret beschrieben wird, spricht Paulus nur davon, daß das Ausgleichen des Mengels geschehen wird. Berichtet wird es uns hier nicht.

Insofern ist der Lehrtext zwar ein Hinweis für das Verständnis, das Lesen der ganzen Geschichte von Asa dient dem Verständnis aber mehr.

Es ist also durchaus sinnvoll, wenn Bonifatz die Lehrtexte wegläßt, und lediglich die Losungstexte behandelt.

glaube

Römer 7 und die Sünden

Rainer Braendlein hat in einem Kommentar zum zweiten Artikel der Schwule Pfarrer Reihe bzw in einem eigenen Blogpost (beide Texte sind identisch, soweit ich das sehe) sich mit der Frage befasst, ob Paulus denn „in Sünde gelebt“ habe.

Ausgangspunkt war eine Formulierung im genannten zweiten Schwule Pfarrer Artikel:

Muß man mit der Übernahme eines Amtes quasi zum Übermensch werden, der nie mehr sündigt? Dazu Paulus:

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Paulus ging nicht davon aus, daß er, als Apostel, nur Gutes tun könnte. Und trotzdem predigte er, und ich will meinen nicht mit wenig Erfolg. Wir dürfen also von unseren Pfarrern auch nicht erwarten, daß sie immer alles richtig tun.

Meine These war nun, daß es sich hier um eine Aussage Pauli handelt, die sich auf sein Leben zur Zeit der Verfassung des Briefes bezieht, Rainer Braendlein will es als Rückblende auf das frühere Leben verstehen.

Nun sind nach meiner Lektüre der Erwiderung Rainer Braendleins in seinem Artikel sowie dem wiederholten Lesen der gesamten Auseinandersetzung meiner Meinung nach 3 Dinge festzhalten:

  1. Es handelt sich wohl um ein Mißverständnis. Denn Rainer Braendlein zielt in seinem Artikel vor allem darauf ab, daß Paulus nicht „in Sünde gelebt“ habe. Man müßte vielleicht nochmal genau klären, was damit gemeint sein soll. Meine Absicht war es jedoch nie zu sagen, Paulus sei als Apostel verloren gewesen. Ich spreche mich auch nicht für eine billige Gnade aus. Was ich in meinem Artikel sage ist, daß man von einem Pfarrer nicht verlangen darf, perfekt zu sein. Man darf aber schon von ihm erwarten, daß er die Sünde zu vermeiden sucht. Ich denke hier hat mich Rainer Braendlein nicht ganz verstanden und ich ihn auch nicht, aber eigentlich haben wir die gleiche Ansicht.
  2. Meine ich nicht, daß der fragliche Abschnitt ein verlorenes, unerlöstes Leben (so verstehe ich das „Leben in Sünde“, bin mir aber nicht sicher) bedeten muß. Denn was sagt Paulus? Er sagt, daß in seinem Fleisch das Böse wohnt, und er es auch tut, obwohl er nicht will. Nach meinem Verständnis ist das aber nichts anderes als das, was Rainer Braendlein schreibt:

    Röm 7, 25 ist nicht etwa so gemeint, daß Paulus in Sünde gelebt hätte, sondern er meint, daß er bedauerlichesweise einen Leib mit sich herumschleppen muß, der völlig der Sünde unterworfen ist.

    Paulus hatte bedauerlicherweise, wie wir alle, den Leib aus Fleisch, weil der Geistleib eben erst kommt. Und wie wir auch mußte er kämpfen. Aber ebenso wie auch wir, hat er Anteil an der Gnade Gottes. Daß heißt, auch wenn das Fleisch einmal gewinnt (und wenn wir ehrlich sind, tut es das oft genug, wie fromm wir auch sind und wie ernsthaft wir unseren Weg mit dem Herrn auch gehen), dürfen wir trotzdem Buße tun und auf Gnade hoffen (hier würde nun Luthers „sündige tapfer“ passen). Das gilt für Paulus wie für uns.

  3. Ich denke, genau davon spricht Paulus hier. Er schreibt in Kapitel 6 erst von der Taufe, dann in Kapitel 7 erst von der Freiheit vom Gesetz und kommt dann daz den Menschen unter dem Gesetz zu beschreiben. Und da unterscheidet sich erst einmal nicht viel zwischen Christen und Nichtchristen. Paulus stellt die Situation dar, wie sie ist: Das Fleisch ist schwach, und das Gesetz zeigt an, was eigentlich gut ist, treibt dabei aber umso mehr zum Sündigen an. Paulus betont, daß er (und damit ach jeder andere Mensch) das Gute tun will aber trotzdem das Böse tut und kommt schließlich zu der Formulierung (V24):

    Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe?

    Das ist erst einmal die Situation des Nichtchristen. Aber eben auch die Situation des getauften Christen, wie wir dann im Folgenden sehen (V25):

    Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

    Denn der Nichtchrist dient nicht mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, das tut der Christ. Denn Er lobt erst Gott und sagt danach, daß er nun, also nach der Bekehrung, dem Gemüt (im Griechischen steht νοῦς, also ist das Denken gemeint, keine Emotion) nach dem Gesetz Gottes dient und dem Fleisch, also dem Körper nach dem Gesetz der Sünde. In Kapitel 8 schreibt Paulus dann, daß durch den Geist die Taten des Fleisches kontrolliert werden können also der νοῦς, der Verstand, der Gott folgt, herrscht über den Körper, der der Sünde folgt. Da sind wir wieder einer Meinung.

Doch halte ich weiterhin daran fest, daß Menschen bei allem Wollen nicht immer auch ein Können haben. Es geht hier nicht um „ein Fehler und Du bist raus“. Wenn ein Mensch von seinem Körper überwunden wird, kann er über den Weg der Buße bzw. Reue (μετανοῖα; vgl. 2. Kor 7,9f; 12, 21; 2. Ti 2, 25f) wieder dahin kommen, daß der Gott folgende Verstand wieder das Ruder übernimmt. Und das sollte man jedem Menschen zugestehen, denn kein Mensch wird von der Bekehrung bis zum Tod alles richtig machen und ganz ohne Buße auskommen.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Zweiten

Nachdem es im 1. Teil der Auseinandersetzung mit dem glaubereal-Artikel „Schwule Pfarrer???“ um die Frage nach der Bibel ging, geht es heute um die Stellung des Pfarrers.

Anfangen möchte ich mit einem Zitat:

Zunächst sei festgestellt, daß es in diesem Artikel nicht um gewöhnliche Menschen geht, die ein Laster haben, sondern um Pfarrer. Worin besteht das Amt des Pfarrers? Das Amt des Pfarrers ist es, sich um das Seelenheil der Glieder seiner Kirche zu kümmern. Der Pfarrer soll predigen: “Jesus Christus will und kann uns aus der Sklaverei jeder Sünde befreien” (Matth. 1, 21),  hört das Evangelium: “Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh. 3, 16).

Die Frage ist also: Ist der Pfarrrer etwas besonderes, oder ist er es nicht? Ohne mschweife zustimmen kann man, wenn es darum geht, ob es zum Amt des Pfarrers gehört, zu predigen. Es hat auch Seelsorge und einiges mehr zur Aufgabe (häufig auch jede Menge Papierkram), aber das Predigen ist eine sehr wichtige Aufgabe des Pfarrers. Bei der Aussage, der Pfarrer habe die Aufgabe, „sich um das Seelenheil der Glieder seiner Kirche zu kümmern“ stutze ich und muß nachfragen:

Ist der Pfarrer für das Seelenheil der Gemeindegleider verantwortlich? Ist die Aussage so gemeint? Soll er vielleicht gar qua Predigt dafür sorgen, daß die Gemeindeglieder ihr Seelenheil erlangen? Oder ist damit lediglich das gemeint, was ich schon sagte: Seelsorge. Sich kümmern um diejenigen in der Gemeinde, die schwer zu tragen haben, in welcher Weise auch immer. Das kann dann durchaus auch Fragen des Glaubens betreffen, in denen der Pfarrer raten kann. Das kann auch unbewußt durch eine Predigt geschehen, wenn das entsprechende Gemeindeglied die Predigt als Wort Gottes erlebt, das ihn direkt anspricht und in seiner Situation aufhilft. Wie der Autor diese Aussage nun versteht, bleibt vorerst im Dunkeln. Sie scheint für ihn nur betonende Funktion zu haben. Betont werden soll: Nicht jeder kann Pfarrer werden, mit dem Amt des Pfarrers geht eine bestimmte Verantwortung einher.

Ein Stück weiter unten werden dann zwei Schriftstellen zitiert. Ich will sie hier übernehmen:

1 Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe.
2 Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren,
3 kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig,
4 einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit.
5 Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen?
6 Er soll kein Neugetaufter sein, damit er sich nicht aufblase und dem Urteil des Teufels verfalle.
7 Er muss aber auch einen guten Ruf haben bei denen, die draußen sind, damit er nicht geschmäht werde und sich nicht fange in der Schlinge des Teufels.
8 Desgleichen sollen die Diakone ehrbar sein, nicht doppelzüngig, keine Säufer, nicht schändlichen Gewinn suchen;
9 sie sollen das Geheimnis des Glaubens mit reinem Gewissen bewahren.
10 Und man soll sie zuvor prüfen und wenn sie untadelig sind, sollen sie den Dienst versehen.
11 Desgleichen sollen ihre Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch, nüchtern, treu in allen Dingen.
12 Die Diakone sollen ein jeder der Mann einer einzigen Frau sein und ihren Kindern und ihrem eigenen Haus gut vorstehen.
13 Welche aber ihren Dienst gut versehen, die erwerben sich selbst ein gutes Ansehen und große Zuversicht im Glauben an Christus Jesus.

Es geht um Bischöfe und Diakone, also Ämter, die mit der Gemeindeführung zu tun haben. Diese Bibelstelle gibt uns sicherlich einen Anhalt um zu verstehen, wie ein guter Gemeindeleiter sein soll.

Dabei gelten für den Bischof schärfere Regeln als für den Diakon, wohl auch deshalb, weil in der Situation, in die der Brief geschrieben wird, eine solche ist, in der der Bischof eine höhere Verantwortung trägt als der Diakon. Abgesehen von dem, was auch vom Diakon erwartet wird (Ehrbarkeit, kein Säufer, nicht geldgierig, nur eine Ehefrau, guter Haushaltsvorstand) wird vom Bischof noch verlangt, geschickt im Lehren zu sein, was wohl das Predigen meint, gastfrei zu sein, was wohl darauf hinweist, daß Gäste der Gemeinde vor allem beim Bischof wohnten, er sollte kein Neugetaufter sein (wohl auch, um nicht im ersten Enthusiasmus alles einzureißen, was ihm persönlich nicht ganz recht dünkt) und dann sind noch Attribute genannt, die einen gutherzigen aber würdevollen Menschen ausmachen, dem man sich gerne anvertraut, weil er auch ohne das Amt etwas gilt. Hierher gehört auch der gute Ruf.

Interessant ist die Doppelzüngigkeit, bzw das Verbot derselben beim Diakon, aber nicht beim Bischof. Ich würde auch nicht zu viel da hineinlegen. Denn wir sehen ja aus der Geschichte der Kirche, daß auch Menschen Pfarrer wurden, und gute Pfarrer, auf die nicht alles zutraf. So hatte Bonhoeffer gar keine Frau. Auch Luther war lange unverheiratet. Infolgedessen war auch kein Haushalt da, dem vorzustehen war. Von Luther wird gar berichtet, daß er einem guten Bier nicht abgeneigt war, obgleich ich zögere, ihn deshlb gleich als Säufer hinzustellen. Und was ist mit all den weiblichen Pfarrern? Davon gibt es jede Menge, die einen verdammt guten Job machen. Eine beispielsweise in meiner Heimatgemeinde. Sie predigen, machen Seelsorge, kümmern sich um die Gemeinde so gut wie es auch jeder Mann tut. Die meisten haben aber wie Bonhoeffer keine Frau. (und ich bezweifle stark, daß das irgendwer als Manko ansieht)

Wie dem auch sei ist es doch verständlich, wenn gewisse Regeln aufgestellt werden für die Person des Pfarrers. So geschah es im 1. Timotheusbrief und so ist es ach heute noch sinnvoll. Aus dem Brief kann man auch erkennen, was wohl ein besonderes Problem war: Geldgier, Gewalttätigkeit, Streitsucht, aber auch ein schlechter Ruf, selbst wenn man nichts dafür konnte. Die Gemeinde sollte nicht schlecht dastehen, nur weil sie die Leitung einem Menschen anvertraut hatte, der einen schlechten Ruf „in der Welt“ hatte, welcher nun auf die gesamte Gemeinde abfärben konnte. Da organisierte man sich lieber anders, um die Ausbreitung des Evangeliums nicht durch die Vorurteile der (noch) Ungläubigen zu hindern. Andernorts wurde das in anderem Kontext wunderbar beschrieben. Mir fällt spontan noch ein, wie Paulus schreibt, daß man keine langen Haare haben soll als Mann (1. Kor 11, 14), weil es die Natur lehrt. Die Natur steht hier aber im Gegensatz zu älteren Traditionen im Judentum. So hatte Simson bekanntlich lange Haare, ohne daß es ein Problem gewesen wäre. Das Problem trat erst auf, als sie ihm geschnitten wurden. Und Simson hatte lange Haare, weil Menschen, die Gott geweiht waren, allgemein lange Haare hatten (vgl. auch Lev 19, 27).

Der Begriff der Natur ist allgemein interessant. Wir können hier jedenfalls festhalten, daß er nichts mit einem etwa ewigen Willen Gottes zu tun hat, sondern mehr mit den Dingen, wie sie gerade sind. Weil es die Norm ist in der Gesellschaft, sollen Fraen ihren Kopf bedecken beim Gebet, Männer sollen dies nicht tun. Aus dem gleichen Grund sollen Männer keine langen Haare haben, Frauen aber schon. Aus dem gleichen Grund soll ein Bischof einen guten Ruf haben. Das Evangelium soll nicht durch Rufmord gefährdet werden.

Freilich gibt es Punkte, die für die Gemeinde wichtig sind. Dazu gehört zweifelsohne, daß der Bischof nicht geldgierig sein soll. Dies gilt umso mehr, wenn er das Vermögen der Gemeinde verwaltet. Und auch lehren soll er können, also predigen (aber auch Katechese gehört hierzu).

Damit ist dem glaubereal-Artikel hier zuzustimmen: Ein Pfarrer (oder Bischof oder Diakon) hat eine bestimmte Verantwortung. Was er tut, wirkt sich aus. Deshalb sollte die Kirche sich genau überlegen, wen sie zum Pfarrer beruft, und welche Regeln sie aufstellt.

Ich stimme dem Autor auch zu, daß es nicht sein kann, daß der Pfarrer eins predigt und das andere tut. Das würde die Predigt unglaubwürdig machen. Ich will noch nicht darauf eingehen, wie das nun mit dem schwulen Pfarrer ist. Diese Frage wird später noch ausreichend Raum finden. Viel wichtiger finde ich die Frage:

Muß man mit der Übernahme eines Amtes quasi zum Übermensch werden, der nie mehr sündigt? Dazu Paulus:

Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.

Paulus ging nicht davon aus, daß er, als Apostel, nur Gutes tun könnte. Und trotzdem predigte er, und ich will meinen nicht mit wenig Erfolg. Wir dürfen also von unseren Pfarrern auch nicht erwarten, daß sie immer alles richtig tun. Ein Unterschied ist es freilich, wenn jemand seine Verfehlungen nicht als solche ansieht. Wenn also ein Pfarrer etwa lügt oder stiehlt dies auch offen zugibt, aber nciht als Problem ansieht. Und dann vielleicht noch allsonntäglich predigt, daß man nicht lügen und nicht stehlen soll.

Dann wird der Pfarrer unglabwürdig. Wenn er lügt, und er sieht es selbst als Verfehlung an, und er kehrt um und tut Buße und steht wie Paulus zu seiner Verfehlung, liegt die Sache anders.

Die Serie geht weiter. Nach derzeitigem Stand befaßt sich der nächste Artikel mit den „sexuellen Sünden“, was immer damit gemeint sein mag.