Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Freitag, 21. Dezember 2012

Also mit dem Weltuntergang wurde scheint’s mal wieder nix (die durchaus einleuchtende Erklärung habe ich bei Ameleo gefunden). Also habt Ihr sicherlich Zeit, Euch die heutigen Netzfunde anzusehen, vielleicht ist ja auch für Euch etwas Interessantes dabei.

Erinnert Ihr Euch noch an Terry Jones? Genau, das war der US-Pfarrer, der vor längerem mal nen Koran verbrennen wollte. Den gibt es wohl immer noch. Wie man ihm und seinen kruden Ansichten am Besten begegnet, schreibt Christian Piatt. Die Methode hilft nach dem Artikel auch gegen die Jünger von Fred „God hates fags“ Phelps und seinen Westboro Baptist Verein.

Ebenfalls von Piatt kommt ein Artikel über eine Äußerung von Richard Land. Dieser hatte wohl in einem Interview geäußert, daß das Nächstenliebegebot binhalte, seinen Nächsten im Zweifel mit Waffengewalt zu verteidigen (das Ganze steht inhaltlich wohl in Verbindung zum Amoklauf in Newtown). Nun kann ich Piatt durchaus verstehen, wenn er sagt, daß Gewalt prinzipiell falsch ist. Andererseits kann ich aber auch nicht leugnen, daß Land einen Punkt hat, wenn er sagt, daß man nicht einfach mit ansehen kann, wie sein Nächster ermordet wird und ich neige fast dahin, Land eher Recht zu geben als Piatt. Das Problem, so meine ich zu erkennen, kommt genau dann ins Spiel, wenn die Sache unreflektiert als Rechtfertigungshammer genutzt wird. So nach dem Motto: Ich habe nichts falsch gemacht, ich mußte den erschießen, aus Nächstenliebe zu meinen Nächsten. Als Bonhoeffer sich entschied, sich einer Verschwörung gegen Hitler anzuschließen, war ihm auch bewußt, daß er eigentlich Böses tut, daß jedoch die Alternative noch Übler gewesen wäre. Dieses Bewußtsein, selbst Böses zu tun, halte ich für wichtig, um ein Abrutschen in einen Mißbrauch des Nächstenliebegebots durch Gewalttäter auszuschließen. Freilich läßt sich das nicht von außen erkennen, inwieweit sich jemand schuldig fühlt. Der Mensch ist jedoch mündig und weiß es selbst gut genug, und Gott kann in die Herzen sehen.Mehr Leute müssen auch nicht wissen, was wirklich dahinter steht.

Was den Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule angeht hat Julian DeShazier bei Sojourners nen guten Artikel geschrieben, in dem er argumentiert, daß wir so geworden sind wie die Freunde Hiobs: Wir suchen nach Erklärungen und verlieren die Opfer aus dem Blick. Vielleicht ist das ein weiterer Ansatz zum Umgang mit der Theodizeefrage. Wohl gemerkt: Umgang! Nicht deren Lösung. Aber was hülfe uns deren Lösung, wenn die Opfer weiterhin mit ihrer Not alleine sind?

Ebenfalls bei Sojourners hat Jim Wallis höchst selbst nen Artikel zur aktuellen Finanzpolitik vor allem der US-Republikaner geschrieben. Wer hierzuland immer noch der Meinung ist, daß christlicher Glaube allgemein und speziell in den USA mit Steuervergünstigungen für die Reichen und ausbleibender Fürsorge für die Bedürftigen zusammengeht, sei die Lektüre empfohlen. Es gibt auch die anderen.

Nochmal zurück zu Bonhoeffer: Zu dem hat Thomas Jakob was. Der scheint in jüngeren Jahren auch etwas Fundi-mäßiger draufgewesen zu sein, als man heute wahrhaben will. Ich muß mich endlich mal näher mit seiner Theologie auseinandersetzen…

Derek Flood hat schon länger eine Serie zu Nonviolence gestartet. Absolut lesenswert!

Bei Eric Djebe gibt es Kulturkritik unter dem Titel „Postchristentum“. Es scheint hier auch eine Serie zu werden.

Der Landpfarrer hat was schönes geschrieben zum Unterschied zwischen erwarten und abwarten.

Beim Israel Palästina Blog des ARD Studios Tel Aviv geht es um 15 Kilometer und wie diese die Sicherheitspolitik Israels bzw. eines möglichen zukünftigen Staates Palästina tangieren.

Muriel schrieb über Humor, Herzogin Kate und das, was auszuhalten ist.

Bei Ergo Sumus geht es um die Bekenntnisschulen, speziell um die in NRW, und deren Rechtfertigung. Offensichtlich ist es so, daß es in einige Städten NRWs für Nichtchristen, teilweise auch für Nichtkatholiken unmöglich ist eine Grundschule zu besuchen, in der sie nicht mit fremden Glaubensinhalten konfrontiert werden, und zwar gezwungener Maßen.

Das kann so nicht sein, wobei sich mir zwei Fragen stellen:

  1. Was sind die Argumente der Kirchenvertreter pro Bekenntnisschule?
  2. Falls die Kirchen besondere Rechte auf diese Schulen haben (was ich annehme, sonst gäbe es sie wohl nicht mehr), wäre es nicht bedenkenswert, mehr freie Grundschulen einzurichten, statt die Bekenntnisschulen umwidmen zu wollen?

Beim Thema Kirche und Staat kochen in letzter Zeit die Wogen immer besonders schnell hoch, und ich habe oftmals den Eindruck, als würden wichtige Punkte ausgeblendet, weil sie vielleicht gar nicht verstanden werden. Deshalb möchte ich verstehen. Meine ermutung ist, daß die Schulen ursprünglich samt deren finanzieller Grundlage vom Staat den Kirchen entzogen wurde, da der Staat die Aufgaben selbst wahrnehmen wollte. Woöglich wurde dabei festgeschrieben, daß die Bekenntnisbindung erhalten bleibt. Dann könnten die Kirchen durchaus bestimmte Rechte innehaben, und es kann nicht genügen, die Schulen den Kirchen zu übertragen (ohne gleichzeitig die angenommene Finanzierungsgrundlage zurückzugeben) oder die Schulen einfach in konfessionsfreie Schulen umwandeln. Vor diesem Hintergrund würden mich dann auch die Details der Umwandlung in anderen Bundesländern interessieren. Wie gesagt, beim ersten Lesen habe ich durchaus Verständnis für die Ansichten des Autors, aber bei derartigen Themen bin ich in letzter Zeit sehr vorsichtig geworden, es fehtl oft die Hälfte der Geschichte…

Bei Geiernotizen stieß ich zum ersten Mal drauf und hab es seitdem schon öfter gelesen. Die Qumran Schriften werden online verfügbar gemacht, und zwar in richtig guter Qualität. Das ist doch mal ein Weihnachtsgeschenk!

Und zu guter letzt noch ein Hinweis auf ein Forum, das ich eingerichtet hab. Es soll vor allem um religiöse und politische Themen gehen (vielleicht auch um die Bekenntnisschulen), und vor allem auch möglich sein ohne restriktive Forenregeln zu diskutieren. Hier auf dem Blog werden die Themen ja von Bonifatz und mir vorgegeben, und es wird ja durchaus auch kommentiert. Im Forum könnte nun jeder ien Thema anschneiden. Viele haben sich noch nicht angemeldet, aber wenn Ihr alle mitmacht, sind wir schon ein paar mehr.

Falls ich nicht mehr zum Bloggen kommen sollte, wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Uncategorized

Wer gegen wen?

Heute morgen hat die israelische Marine die Schiffe der Gaza-Solidaritätsflotte in internationalen Gewässern gekapert und entführt. Dabei kam es zu Toten und Verletzten, und wie immer im Nahostkonflikt, gibt es mal wieder nur Opfer:

Hier die Israelis mit einer der stärksten Armeen in der Region, die trotz ihrer Stärke Opfer des Terrorismus der Hamas sind.

Dort die Palästinenser, die nachdem sie in einer freien Wahl für Extremisten gestimmt haben, welche das Existenzrecht Israels ablehnen, sich darüber wundern, daß es zum bewaffneten Konflikt zwischen Israel und ihrer neu gewählten Führung kommt, dessen Leidtragende sie nun sind, neben den zivilen Opfern der Raketenangriffe auf israelischer Seite.

Und nun haben wir auch noch die internationalen Opfer, die das bekannt leicht reizbare israelische Militär provozierten (Provokation ist nicht per se schlecht) mit der Solidaritätsflotte, und die sich dann scheinbar noch gegen die absehbare Kaperung ihrer Schiffe zur Wehr setzten (ich hab grad in der Tagesschau Filmaufnahmen gesehen in denen ein Passagier mit einer Stange auf einen Soldaten einschlug, insofern ist wohl nicht alles israelische Propaganda) und Tote und Verletzte z beklagen haben.

Die Frage, die sich nun stellt ist: Wer ist denn der Täter, wenn alle Opfer sind? Die anderen natürlich. Und diese Anderen sind je nachdem Israel oder die Palästinenser, im Zweifel auch mal differenzierter die israelischen Soldaten, und spätestens seit hete auch die internationalen „Provokateure“ und „Waffenlieferer“.

Die diplomatische Schlacht hat begonnen, und es ist noch nicht abzusehen, wer genau am Ende als Gewinner dastehen wird. Wahrscheinlich wird es so enden, daß Israel ein böses dudu kriegt, gleichzeitig aber auch auf die Gewaltbereitschaft der Anderen hingewiesen wird und den Extremismus der Hamas im Besonderen.

Es ändert sich also wahrscheinlich nicht viel. Weder wird es auch nur ein Gramm Coriander nach Gaza schaffen, noch wird Israel seinen Kurs überdenken. Wahrscheinlich wird die Arabische Liga wieder ien wenig Säbelrasseln veranstalten, aber doch nichts tun (oder warum ist die Grenze zu Gaza auch von ägyptischer Seite geschlossen?).

Ich denke, man sollte die Feindbilder überdenken. Und man sollte sich überlegen, wie man etwas ändern will und was man bereit ist, dafür aufzugeben.

Es bringt nichts wenn die Palästinenser auf die „Zionisten“ schimpfen, die Israelis auf die „Terroristen“ und beide sich gegenseitig immer weiter abknallen. Kein Mensch hat Interesse an einem ständigen Konflikt, keine Mutter will sehen, wie ihr Kind im Krieg umkommt, und wenn die Sache tausendmal irgendwie „gerechtfertigt“ ist. Ergo: Beide Seiten wollen eigentlich Frieden. Nur, was sind sie bereit dafür zu geben?

Israel sieht vor allem das, was es erleiden mußte: Krieg seit Gründung des Staates, Feindschaft rundherum, und viele israelische Neubürger hatten zu dem Zeitpunkt schon jahrelange extremste Feindschaft in Europa hinter sich gebracht. Sie haben Angst, sie wollen nicht leiden, und sie suchen ihr Heil in der militärischen Stärke. Dabei ist es erst einmal uninteressant, wer sie militärisch unterstützt. Aus Angst klammern sie sich an die militärische Methode, und die Politiker der entsprechenden Parteien scheinen diese Angst gezielt ausnutzen zu können. Es ist ein stabiles System: Bombe die Palästinenser aus, so werden sie sich rächen wollen, was die Angst in der Bevölkerung erhöht und den Ruf nach einem „Durchgreifen“ verstärkt, was wiederum die Scharfmacher in die Ämter bringt, die dann wieder bomben, was ihre Position festigt…

Palästina sieht auch sein Leid: Vertreibung, Besatzung, Unterdrückung, immer wieder, immer mehr. Dann kommen die palästinensichen Scharfmacher und bieten die terroristische Option als Lösungsweg an. Wir beschießen die Israelis, dann rufen wir den panarabischen Krieg aus und werden sie ins Meer drängen. Dies ist ach ein stabiles System, denn die Nachbarstaaten Israels haben überhaupt kein Interesse daran, sich ne blutige Nase zu holen beim Versuch, Israel ins Meer zu drängen. Der letzte Versuch 1967, bzw die Ägypter habens in den 70ern nochmal versucht, endete für die arabischen Staaten im Desaster. Also können auch die palästinensischen Scharfmacher das Volk aufstacheln: Raketen auf Israel, Israel schlägt zurück (getrieben von ihrer Angst mit voller Wucht) und die Scharfmacher sitzen um so fester im Sattel, denn sie wollen Israel zerstören.

Eigentlich könnten sich israelische und Hamasregierung blendend verstehen. Man schießt ein bißchen aufeinander, was kümmert einen das Leid des eigenen Volks, und man bleibt an der Macht.

Diese Situation ist es, die es mir unmöglich macht eine Seite zu unterstützen. Denn ich bin gegen beide. Ich bin für beide. Ich bin gegen die Scharfmacher und für die einfachen Menschen, die schon zu viele Verwandte, Eltern und Kinder verloren haben, egal ob sie zu Allah, Adonai oder Christus (ja es gibt dort auch Christen – auf beiden Seiten!) beten.

Deshalb muß meiner Meinung nach eine Protestaktion auch derart sein, daß sie die wahren Feinde des Friedens angreift.

Dazu gehört sicherlich die Regierung in Jerusalem, die den Tod von mindestens 10 Menschen auf offener See zu verantworten hat. Dazu gehört aber auch die Führung in Gaza, die die Raketen auf Israel zugelassen und somit den letzten Krieg heraufbeschworen hat. Es ist nicht einer unschuldig und der andere schuldig. Beide tragen ihren Anteil. Nur so lange sich beide als Opfer begreifen und keiner seine Schuld zugeben kann, aus Angst, der andere würde dies für die Stärkung der eigenen Position ausnutzen, ist von dieser Seite keine Beendung der Gewalt zu erwarten.

Wie aber greife ich die Feinde des Friedens auf beiden Seiten an? Nun, ein Schritt wäre, klar zu stellen, daß man keine Konfliktpartei bevorzugt. Neutralität. Dazu gehört auch, Päckchen für den von der Hamas verschleppten IDF Soldaten mitzunehmen auf dem Weg nach Gaza. Man könnte es ja schaffen, und der Mann kann ein wenig Zuspruch aus der Heimat sicher gut gebrauchen. Auch Soldaten sind Menschen, und dort unten gibt es keinen Zivildienst. man ist dabei, ob man will, oder nicht. Gestern habe ich gelesen, es mag auch wieder Propaganda gewesen sein, daß die Solidaritätsflotte ein solches Päckchen nicht mitnehmen wollte. Ich verstehe nicht ganz, warum.

Ein weiterer Punkt wäre, sich klar zu machen, was man will, wofür man kämpft und was die Waffen sind, die man einsetzt. Kann man mit Eisenstangen etwas gegen Elitesoldaten unternehmen? Nein. Warum dann die Gegenwehr? Das gibt den Soldaten doch nur Grund, das Feuer zu eröffnen und schädigt am Ende die eigenen Leute. Die Waffe des Protests ist die Öffentlichkeit und der eigene Körper. Wenn es m militärische Lösungen ginge, wenn dies möglich wäre, wär Israel schon lange besiegt. Ist es aber nicht, und es ist wie gesagt auch nicht Israel, das der Feind ist. Es sind die Scharfmacher, diejenigen, die Gewalt als Mittel wählen.

Der einzige Weg, das zu durchbrechen ist, es öffentlich zu machen. Dazu muß man sich dann aber eben auch niederschlagen lassen. Ohne Gegenwehr. Dann ist die Öffentlichkeit entsetzt. Wenn jemand nichts tut und trotzdem blutet. Das ist keine Methode für Weicheier, aber Gandhi hat so Indien befreit und Martin Luther King Jr. hat die Methode erfolgreich beim Kampf für die Bürgerrechte der Afroamerikaner eingesetzt. Diese Methode verlangt aber Mut und Überzeugung. Und beides ist nicht vorhanden, wenn ein Zivilist mit einer Eisenstange auf einen vollbewaffneten Elitesoldaten losgeht. Das ist kein Mut, sondern Übermut, vielleicht gepaart mit Wut (die man in solchen Situationen unter Kontrolle halten mß) und es ist erst recht keine Überzeugung, daß Gewalt der falsche Weg ist, osnst würde man den Weg nicht selbst wählen.

Ich sage nicht, daß es nicht verständlich wäre, man hat sich vielleicht Hoffnungen gemacht, es nach Gaza zu schaffen und ist wütend darüber, daß Israel internationales Recht nicht beachtet. Trotzdem, das kam mit Ansage. Man hätte es wissen können, auch wenn es Unrecht ist. Man hätte sich darauf vorbereiten können, und die Eisenstange liegen lassen können. Dann wäre man überzeugend gewesen. Dann würden solche Aktionen auch zum Erfolg führen, Gaza tatsächlich einmal zu erreichen. Und dort müßte man dann auch konsequent sein und darauf achten, daß die Bevölkerung profitiert, und nicht die Propaganda der Hamas. denn die haben den Mut nicht aufgebracht, ihre Köpfe hinzuhalten, sie haben schon immer ihre Waffen hingehalten und abgedrückt, während die Zeche dafür alle zahlen mußten, auch diejenigen, die keinen Krieg wollten, wie auch heute morgen unter Umständen Menschen erschossen wurden, die keine Eisenstangen in die Hand genommen hatten. Nur starben diese umsonst, weil sich einige nicht im Griff hatten und das Ansehen der Flotille gelitten hat.

PS: Ich habe absichtlich keine Links gesetzt. Wer Suchmaschinen bedienen kann, findet genügend Meldungen zum Thema auf dem Blog/Newsanbieter seiner Wahl. Stichworte wären wohl: Gaza, Flotilla, Solidaritätsflotte, israelische Marine und Ähnliches.

Update: Ich hab grad nen Artikel gefunden, den ich ganz gut finde, vor allem zum Ende hin. Deshalb sei er hier mal verlinkt.

Uncategorized

Urlaub in Gaza

Wenn man bestimmten Artikeln bei der Achse des Guten glauben schenken will, dürfte dem nächsten Urlaub in Gaza nichts im Wege stehn: Hotels, Pools, Edelrestaurants, alles steht bereit. Nun frage ich mich, inwieweit das stimmen kann und komme nach ein bißchen Recherche zu dem Ergebnis, daß hier wohl bestimmte Informationen gezielt gestreut (via) werden.

Warum eigentlich? Wer die verlinkten Artikel aufmerksam gelesen hat, wird es sich schon denken: Es geht wohl um die Gaza Flotille (hier erfuhr ich zum ersten Mal davon), oder wie sie sich auch immer genau nennt, jene 8 Schiffe voll mit Aktivisten und Hilfsgütern, die den Hafen Gazas anlaufen wollen anstatt die Güter nach Israel zu liefern und von dort über Land nach Gaza zu schaffen. Dabei würden die israelischen Behörden dann wohl das Baumaterial zum Beispiel nicht ausliefern, mit dem die im Krieg zerstörten Häuser repariert werden könnten. Andererseits könnte man behaupten, es gehe um den Effekt, wenn die Schiffe von der Israelischen Marine aufgebracht werden. Gibt sicher tolle Bilder in den Abendnachrichten, allein: Ich hab in den Nachrichten im Fernsehen bisher noch nichts zu der Aktion gesehen.

Wie dem auch sei, ich befinde mich in einem Dilemma. Einerseits finde ich es abstoßend, wie Israel mit den Palästinensern umgeht. Es herrscht eine Haltung der starken Hand, und diese Hand verkrampft vor Angst immer mehr.

Auf der anderen Seite machen es mir aber auch die Palästinenser nicht leicht, denn die Haltung der Hamas finde ich mindestens genau so abstoßend wie die israelische Politik des Einsperrens, Aushungerns und Draufhauens. Nun ist es so, daß ich von israelisch-jüdischer Seite einige Stimmen hören kann, die die eigene Regierung kritisieren und die freie Durchfahrt der Schiffe verlangen. Von palästinensisch-muslimischer Seite höre ich davon bisher nichts, bzw es fiel mir noch nichts auf. Einzig von Pfarrern wie Jadallah Shihadeh aus Beit Jala kamen mir bisher Friedensaktivitäten zu Ohren, vielleicht höre ich in die falsche Richtung. Bisher jedoch ist mein Eindruck, daß es keinen großen Widerstand gegen die Scharfmacher in der palästinensischen Führung gibt (was auch durch den Bürgerkrieg zwischen Hamas und Fatah bedingt sein kann).

Und so bin ich mir immer noch nicht sicher, wie ich die ganze Sache einstufen soll. Als Propagandaveranstaltung, hinter der die Hamas steht (vor deren Wagen ich mich nicht spannen lassen will) und auf die Gutmenschen aus dem Westen reingefallen sind, oder ob es wirklich um eine Verbesserung der Lage geht und Propaganda nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Die EU hat derweil scheinbar zur Beendigung der Absperrung Gazas aufgerufen, was unabhängig vom Hintergedanken der Flotilla erst mal positiv ist.

Das grundlegende Problem wird dadurch aber nur offenkundiger werden, daß in beiden Gesellschaften die Scharfmacher an der Regierung sind und sich dadurch, daß sie sich immer tiefer in die Scheiße reinreiten, auch an der Regierung halten können.

Nun geht es mir wie jedesmal, wenn ich mir Gedanken zu Israel-Palästina mache und nachdenke, wie eine Lösung des Konfliktes aussehen könnte: Ich bin überfordert, verzweifelt und sehe kein Ende. Der Haß, so scheint es, hat beide Gesellschaften fest im Griff, und die Angst davor, der erste zu sein, der auf den Anderen zugeht. Denn dieser könnte sofort schießen, die Situation ausnutzen. Im Moment leiden vor allem die Palästinenser, wendet sich das Blatt, dann ist zu erwarten daß auch israelische Friedensaktivisten, die sich für die Palästinenser einsetzen, um ihr Leben fürchten müßten, denn die aufgestaute Wut bei den Palästinensern ist sicherlich groß. Trotzdem hoffe und bete ich, daß der Konflikt gelöst wird und es Frieden gibt, für beide Seiten, und zwar bald.