Gesellschaft, Theologie

Fernstenliebe?

Ich habe ein neues Blog entdeckt. Es nennt sich „Christliches Forum“ und versteht unter „christlich“ offenbar römisch-katholisch, wie dem auch sei, eine scheinbare Wortneuschöpfung dort hat mich etwas befremdet: Das Wort „Fernstenliebe“.

Der Begriff kommt in dem Artikel „Nächstenliebe kommt vor Fernstenliebe: Zuerst den verfolgten Christen helfen“ vor, der mich in vielen Punkten befremdet, so etwa auch darin, dass offenbar selbst dem „Herrgott“ nicht so recht über den Weg getraut wird, hat er doch auch Kriege und Revolutionen zugelassen. Schimmern hier Folgen der Werkgerechtigkeit durch? Steht hier die Ansicht im Hintergrund, man müsse Gott helfen, weil der seinen Job alleine nicht schaffen kann oder schaffen will?

Auch befremdet mich, dass gefordert wird, einen Unterschied zu machen bei den Flüchtlingen hinsichtlich ihrer Religion. Beziehungsweise wird andersherum den (katholischen) Bischöfen vorgeworfen, diesen Unterschied nicht machen zu wollen (schön, daß die EKD im Allgemeinen und Käßmann im Besonderen nicht immer auf der Abschußliste stehen). Der Artikel greift dabei, fast möchte man meinen in protestantischer Manier (erstens weil gerade dieser Apostel gewählt wurde und zweitens, weil mit der Schrift gegen die Inhaber des Lehramtes Lehramt argumentiert wird), auf den Apostel Paulus zurück und dessen Forderung, zuerst den Brüdern zu helfen.

Nun, man könnte Paulus auch so verstehen, dass ihm wichtig ist, die Bürder nicht zu vergessen, dass es ihm weniger um eine zeitliche oder generelle Präferenz geht. „Liebe Deinen Nächsten“ (jetzt mal nicht Paulus sondern Mose und in dessen Folge die Evangelien), so wie es präzisiert wurde im Lukasevangelium, kennt ja auch keine Einschränkung.

Was mich zur Fernstenliebe bringt. Ich dachte ja, das Wort existiere gar nicht, bis ich danach gegoogelt habe. Offenbar hat es Hans Jonas schon einmal verwendet, indem er forderte, die Nächstenliebe aufgrund der technischen Entwicklung zu einer Fernstenliebe weiterzuentwickeln.

Ich habe das Buch von Jonas nicht gelesen, halte aber die Unterscheidung zwischen Nächsten- und Fernstenliebe für überflüssig, da Jesus im Lukasevangelium den Nächsten schon als einen ziemlich fernen bezeichnet. Und zwar im Gleichnis vom armherzigen Samariter:

Das Gleichnis ist bekannt, ein Mann fällt unter die Räuber und die religiöse Elite Israels läßt ihn liegen, während ein Samaritaner sich um den Verletzten kümmert, ihn in eine Herberge bringt und Unterkunft und Pflege bezahlt.

Jesus erzählt die Geschichte auf die Frage hin, wer denn der Nächste sei, und die Zielrichtung der Frage ist klar, oder kann zumindest so aufgefasst werden: Wem muss ich helfen, und wen kann ich übergehen?

Jesus erzählt daraufhin das Gleichnis und stellt am Ende die Frage: Wer ist der Nächste dessen, der überfallen wurde. Und die Antwort lautet: Der Samaritaner.

Man muss sich vergegenwärtigen, wer die Samaritaner waren: Sie gehörten einer anderen Religion an, man hatte als Jude keinen Kontakt zu ihnen und als Samaritaner hatte man auch keinen Kontakt zu den Juden. Man lebte in direkter Nachbarschaft, Samaria liegt zwischen Judäa und Galiläa, beides Gebiete wo Juden wohnten, also konnte man einander nicht ganz vermeiden.

Und jetzt heißt es, dieser Samaritaner ist der Nächste, einer der fernsten Menschen für einen Juden. Die Römer und Griechen standen ja schon fern, als Ausländer und noch dazu Polytheisten. Die Samaritaner verehren einen Gott, den Gott Moses, Isaaks und Jakobs. Aber sie verehren ihn auf dem Garizim und nicht in Jerusalem. Wir kennen es, wie Religionen, die sich sehr nahe stehen, vor allem größere Spannungen bedeuten zwischen ihren Anhängern. Deshalb ist der Samaritaner auch ferner als ein Römer. Und deshalb distanzieren wir uns so viel mehr vom Islam als zum Beispiel vom Buddhismus. Der Dalai Lama ist viel beliebter hierzulande, als irgend ein islamischer Geistlicher. Dabei kennt die Mehrheit der Menschen weder den Islam noch den Buddhismus sonderlich gut.

Wenn Nächstenliebe bedeutet, selbst den Samaritaner zu lieben, dann ist jede Rede von Fernstenliebe überflüssig, dann ist der Fernste der Nächste.

Das bedeutet nicht, daß man sich nicht um die Brüder (und Schwestern) kümmern soll. Man kann das eine tun und das andere nicht lassen, deshalb ärgert mich am verlinkten Artikel vor allem die falsche Dichothomie, die er aufmacht: Als müsse man sich entscheiden, entweder Christen oder allen anderen zu helfen. Das ist Unsinn.

Leider kann ich den Autor nicht für einen unsinnigen Menschen halten, sondern ich befürchte, dass er genau weiß, was er tut. Er beschwört Ängste herauf, und Ängste sind immer schlechte Ratgeber. Man kan sie aber gut nutzbar machen für allerlei Dinge. Und diese Dinge haben alle eines gemeinsam: Sie sind unchristlich.

Denn Angst muß kein Christ mehr haben, seit der Herr an Ostern auferstand. Er soll sie auch nicht verbreiten, sondern das Evangelium, das ebenfalls genau das Gegenteil von Angst ist, es ist eien Freude für die Menschen.

Meine Hoffnun ist, dass die Menschen das erkennen. Meine Befürchtung ist, dass dies kaum geschehen wird.

Glaube, Kirche, Religion, Theologie

Oh Osterhas‘, oh Osterhas‘, wie lang sind deine Ohren!

Hast Du Dich auch schon einml darüber gewundert? Es gibt jede Menge Kinderlieder zu Weihnachten, und man kann von vielen zumindest die erste Strophe auswendig mitsingen.

Jedenfalls geht mir das so. Ich bin seit Oktober als Vikr in der Grundschule und erlebe zum ersten Mal seit Jahren wieder viel bewußter die Vorweihnachtszeit. Im Studium war anderes wichtiger, der Alltagsstreß hatte mich, Weihnachten kam ganz plötzlich, nämlich wenn ich gegen den 24. nach Hause zu meinen Eltern fuhr, und war dann nach ein paar Tagen auch wieder um.

Das Vikariat ist nicht unbedingt unstressiger als das Studium, aber man ht von Berufs Wegen mehr mit Weihnachten zu tun. In der Grundschule basteln wir seit Ende November Weihnachtsschmuck und singen Weihnachtslieder.

Vor Jahren, ich war wohl selbst fast noch ein Kind, stellte ich mir die Frage schon einmal: Wieso gibt es so viele Weihnachtslieder, aber kein einziges Osterlied?

Raphael [Public domain], via Wikimedia Commons

Halt! werden einige sagen: Osterlieder gibt es doch! Man braucht nur ins Gesangbuch zu gucken. Das stimmt, aber die meine ich nicht. Mir geht es um Kinderlieder, und kein Kind singt „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Christ ist erstanden“ (Kinder singen auch selten „Macht hoch die Tür“ oder „Tochter Zion“).

Ich meine Lieder von der Art wie „Stille Nacht“ oder „Süßer die Glocken“ oder „Vom Himmel hoch“. Stimmt, manche davon sind unglaublich verkitscht und haben vielleicht mehr mit einem Harmoniesuchenden Bürgertum zu tun als mit der Geburt des Herrn der Welt, aber es gibt auch welche, die recht kitschlos daherkommen.

Bei Ostern gibt es das alles nicht, geschweige denn bei Pfingsten oder Karfreitag.

Liegt darin vielleicht der Grund, daß Weihnachten als so viel wichtiger als die eigentlich wichtigen christlichen Feste wahrgenommen wird? Hält man Karfreitag, Ostern udn Pfingten für zu kompliziert, um dafür Kinderlieder zu schreiben? Oder zu wichtig, als daß man sie Kinderreimen aussetzen wollte? Oder – im Falle von Karfreitag – für zu brutal?

Kann vielleicht in der Dichtung von geeigneten Oster- und Pfingstliedern eine missionarische Chance liegen?

Man müßte es vielleicht wirklich darauf ankommen lassen. Wenn ich nur eine Begabung auf dem Feld hätte, ich komm nur auf sowas:

…hurra, hurra, Jesus ist wieder da…

…erst wurd Er tot ins Grab gelegt, jetzt ist der Stein hinweggefegt…

…sie wollten Ihn besiegen, doch blieb Er nicht liegen, stand auf am dritten Tage, Jesus Christus der Starke…

…lies sich auslachen und bespucken, das konnte Ihn nicht jucken, ertrug Folter und Kerker, den Christus war stärker…

… die Schwachen verteilen Hiebe, doch viel stärker ist die Liebe…

Hat jemand von Euch weitergehende Ideen?

Gesellschaft

Chuck Norris, die Heilsgewißheit und das Ökumenische Konzil

Da war doch so ein Stöckchen… ach, da isses ja. Alexander hat mir ein Stöckchen zugeworfen, es sind drei Fragen zu beantworten, die Alexander beantwortete und dann nochmal 5 von Mechthild. Also frisch ans Werk:

1. Dein schönstes Kindergebet und der schlimmste Vers im Glaubensbekenntnis.

Heute bet ich ja mehr so freestyle, was grad anliegt. Als Kind gab es noch die vorformulierten Gebete, jeden Abend vor dem Schlafengehen, und zwar den Evergreen, den auch Alexander schon nannte: „Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein“. Das andere: „Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm“ kannte ich nur von katholischen Bekannten. Und es kam mir früher schon komisch vor. Erstens verstand ich nicht, was „fromm“ eigentlich heißt und dann hatte ich so ein komisches Gefühl beim Gedanken, daß das in den Himmel kommen in Frage gestellt sein sollte. Ich wurde zwar nicht besonders kirchen- oder religionsnah erzogen, aber von der Heilsgewißheit bin ich damals wohl schon unbewußt ausgegangen, fällt mir gerade auf…

Glaubensbekenntnis: Hmm, eigentlich hab ich damit weniger Probleme. Auch nicht mit der Jungfrauschaft (man muß ja nicht alles historizistisch sehen). Schade find ich, daß Jesus in der aktuellen Fassung nicht mehr „in die Hölle“ „niederfahren“ darf, sondern „in das Reich des Todes“ „hinabsteigen“ muß. Erstens mag ich solche Archaismen, und zweitens gefällt mir die Vorstellung der Höllenfahrt Christi (auch wenn sie biblisch schwach belegt ist) samt der Befreiung aller durch den Tod Gebundenen. Da könnte man auch toll nen Actionfilm draus machen. Vielleicht mit Chuck Norris in der Rolle des Todes/Teufels und, ja wer würde dann Jesus spielen? Mit „Jesus ist sogar stärker als Chuck Norris“ hätte man dann auch fast aktuelle Jugendkultur aufgenommen (naja, Chuck Norris Facts sind auch schon was her).

2. Was würdest Du als Päpstin oder Kirchenpräsident als erstes tun?

Das ist ne Scherzfrage, richtig? Also antworte ich im Scherz: Als Papst würde ich mich erstmal auf die cathedra setzen und ne unfehlbare Verlautbahrung ablassen. Und zwar würde ich die Institutio Christianae Religionis des Herrn Jean Calvin verlesen. Dann würde ich ein ökumenisches Konzil einberufen und den Bischöfen sagen: So, bringt das mal alles mit der restlichen Lehre in Einklang, ich bin dann mal so lange in Urlaub…

Nee, wahrscheinlich würde ich das nicht tun, aber was antwortet man auf solche Fragen? Und als Kirchenpräsident? Noch schwieriger, weil da fallen mir dann auch keine Witze mehr ein. Und so viel kann ein Kirchenpräsident ja auch nicht entscheiden, wenn ich das richtig verstehe, aber was weiß ich schon. Dann lieber als „richtiger“ Pfarrer irgendwo in ne Gemeinde, da ist man näher an den Menschen und muß auch nicht so viel repräsentieren… Ihr wollt ja noch ne Antwort. Womöglich würde ich mich für mehr Transparenz einsetzen und versuchen, darüber dann alle Ebenen der Kirche ins Gespräch zu bringen. Vielleicht hat ja jemand von der Basis ganz gute Ideen zu dem ein oder anderen Problem der Kirche. Aber das sind ja alles keine Sachen, die der Kirchenpräsident im Alleingang durchsetzen könnte, und Synode kann man als EInzelner ja nicht werden…

3. Sollte sich die Kirche in der Tat mehr „Beulen“ holen?

Was sind denn „Beulen“? Eher sowas, wenn sie schlechte Presse kriegt wegen Mißbrauch oder Geldverschwendung, oder eher sowas, wenn sie sich mal aus dem Glauben klar für etwas einsetzt wie die Asylsuchenden, und dafür dann auch von den politisch andersdenkenden kritisiert wird? Und wer ist eigentlich „die Kirche“? Die Institution oder die sanctorum communio. Auch nicht ganz das Gleiche. Ich finde, man sollte bestrebt sein, möglichst wenig auf die Beulen zu achten und möglichst oft sich für das einzusetzen, was man aus dem Glauben heraus als Wahrheit begriffen hat. Was das ist, ist in einer pluralen Kirche natürlich umstritten. Aber Streit ist manchmal besser, als etwas totzuschweigen, und so lange man am Sonntag immer noch gemeinsam singen, beten und das Abendmahl empfangen kann, ist IMHO alles im grünen Bereich.

Das waren die Fragen von Alexander, jetzt noch die von Mechthild:

1. Wer hat Dir zuerst von Gott oder dem Göttlichen erzählt?

Schwere Frage, weil das ist soo lange her. Solange ich mich zurückerinnern kann, hat meine Mutter mit mir beim in Bett gehen gebetet. Ansonsten erinnere ich mich an den Kindergarten, wo Geschichten von Jesus vorgelesen wurden (und wohl auch Abraham und Noah etc, an Einzelheiten erinnere ich mich nicht).

Daß es Gott gibt war eigentlich immer recht unumstritten bei uns daheim, das lief so mit. Lustigerweise kann ich mich daran erinnern, als ich zum ersten Mal von Adam und Eva hörte. Und zwar von Opa, der mir erklärte, daß das die ersten Menschen waren. Was mich etwas verwirrte, denn zu dem Zeitpunkt lief im Fernsehen auch schon „Es war einmal… der Mensch“ und ich wußte um die Evolution, wenn auch nicht unter dem Namen. Ein ähnliches Verwirrspiel gab es dann auch mit dem Klapperstorch und der Tatsache, daß Babies aus dem Bauch der Mutter kommen (ich hab ja ne kleinere Schwester und meine Eltern haben auch immer gesagt, daß sie aus dem Bauch kam/kommt, aber in den Zeichentrickfilmen waren es immer die Störche, die die Kinder brachten). Aber das ist ne ganz andere Geschichte.

2. Dein liebster Satz aus der Bibel?

Röm 8,38f fällt mir grad ein, aber es gibt viele andere, die mir grad nicht einfallen…

3. Betest Du? Und wenn ja: wie und zu wem?

Ja. Wie? Hmm, manchmal falte ich die Hände, manchmal nicht, manchmal bete ich in einer ruhigen Minute oder nachts im Bett, manchmal ohne daß man mir was ansieht in der Straßenbahn. Und zu wem? Gott. Ja ich find das immer komisch, wenn in gewissen Gemeinden Jesus mehr in den Fokus rückt und zu Ihm gebetet wird. Ich halt das theologisch nicht für falsch, aber es ist mir und meiner „Frömmigkeit“ fremd. Und zu Gott zu beten ist ja auch nicht falsch 😉

4. Welches Fest im Kirchenjahr entspricht am meisten Deiner Art zu glauben?

Ostern. Ganz klar. Niedergefahren zur Hölle, auferstanden von den Toten (hatten wir schonmal, oder?), all Seine Feind gefangen Er führt… die ganze Dramatik, erst die scheinbare Niederlage an Karfreitag, dann der Triumph und damit zusammenhängend ja auch immer die Befreiung von Sünde, Tod und Teufel. Spricht mich unglaublich an, intellektuell wie emotional.

5. Findest Du es sinnvoll, Mitglied der Kirche zu sein?

Und wieder stellt sich die Frage: Was ist Kirche? Zur communio sanctorum gehör ich qua Glauben dazu, ob ich will oder nicht. Mitglied einer Institution zu sein ist schon wieder etwas anderes. Aber die Gemeinschaft ist ja durch den Glauben gegeben, und eine Gemeinschaft wird sich immer irgendwie organisieren. Deshalb kommt man auch aufs Ganze gesehen an der Institution nicht vorbei. Sowas wird es immer wieder geben. Ob man jetzt selbst Mitglied einer bestimmten Institution sein will oder muß… ich seh zumindest keine sinnvolle Alternative zu „meiner“ Kirche. Ich fühl mich da wohl und hab auch keine größeren theologischen Differenzen, wieso also wechseln?

 

So, das ist jetzt der Punkt, an dem ich ein paar Fragen formulieren soll und diese als Stöckchen weiterwerfen:

1. Oben sprach ich von ner Verfilmung der Höllenfahrt Christi mit Chuck Norris als Teufel. Wem würdest Du die Rolle von Jesus geben und wieso?

2. Das Evangelium, die frohe Botschaft. In drei (gerne längeren) Sätzen.

3. Abwandlung der obigen Frage: Wenn Du Pfarrer wärst, was würdest Du tun?

Und das Stöckchen geht an meinen Mitautor Nordlicht, Thomas und Eric Djebe.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 31. März 2013

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4

Die Engel sprachen zu den Frauen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Lukas 24,5-6

Ostern, endlich! Das Fest der Auferstehung! Wenn wir uns an Karfreitag erinnern, dann stand dort die Verzweiflung im Mittelpunkt, das Zusammenbrechen einer Welt und das daraus sich entwickelnde Chaos. Die Tageslosung sprach davon Gottes Angesicht zu suchen, und das Angesicht Gottes war das des Gefolterten und bald toten Jesus von Nazareth.

Der Tod Jesu am Kreuz schließlich war der Schlußpunkt, spätestens hier endet nach menschlichen Maßstäben alle Hoffnung, die man vieleicht noch auf Ihn gesetzt hatte. Nach menschlichem Ermessen war dort Schluß, die Hoffnung zu Ende, und jeder war zuerst sich selbst der Nächste.

Doch Karfreitag ist nicht die ganze Wahrheit. Das menschliche Ermessen ist nicht alles. Christus ist auferstanden, das Undenkbare geschehen. Er hat den Tod bezwungen, hat die Hoffnung gerettet.

Die heutige Tageslosung spricht davon, daß Gottes Wahrheit, nicht die menschliche, die Karfreitag alle Hoffnung verlieren muß, Schirm und Schild ist.

Wenn Christus auferstanden ist, dann besteht Hoffnung, auch in der hoffnungslosesten Situation. Wenn Er durch den Tod hindurch gehen konnte, so kann Er uns auch hindurch führen, so kann auch für uns noch Hoffnung bestehen, wo nach menschlichem Ermessen alle Hoffnung zu Ende ist.

Der Lehrtext weist darauf hin, wie die Rede von der Wahrheit zu verstehen ist. Wahrheit ist: Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten, Er ist auferstanden.

Ostern ist ein Fest des Triumphes, der großen, ja größten Freude. Ostern ist der Tag, an dem Gott den Tod besiegte, an dem Gott die Hoffnungslosigkeit besiegte. Dieses Ereignis gibt uns Christen Hoffnung auch dort, wo eigentlich keine Hoffnung mehr sein kann. Und diese Hoffnung gibt Kraft aus der Freiheit erwächst.

Wir müssen auf Weltliches nicht mehr so viel Rücksicht nehmen, eigentlich gar nicht mehr. Was immer uns widerfahren mag, was immer uns drohen mag, was kann uns schon passieren? Im schlimmsten Fall müssen wir sterben. Und dann stehen wir wieder auf.

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg? Sünde, Tod und Teufel habe mit Ostern endgültig verloren, haben endgültig ihre Macht über die Menschen verloren, haben kein Argument mehr für die Angst, durch die sie Macht ausüben.

Denn der Herr ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Glaube

Meditation zur Karfreitagsandacht

Die heutige Andacht endete im Chaos. Der Tod Christi, als Gottes, stürzt die Welt ins Chaos, und zwar unbedingt und auf jeden Fall.

Da es sicher nicht wenige Menschen gibt, die dem widersprechen möchten, will ich kurz klarstellen, wie ich das meine.

Denn freilich kann angeführt werden, und das wird es ja auch immer wieder, daß es zum christlichen Glauben auch Konkurrenzprodukte gibt, daß auch Nichtchristen eine Moral haben können und gut sind.

Dem will ich gar nicht widersprechen. Atheisten, Muslime, Pastafaris: Sie alle können Gutes tun und tun es auch. Doch das ist hier nicht die Frage. Es geht nicht um einen Vergleich zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften nach dem Motto „Deutschland sucht den Supersaubermann“. Denn würden Nichtchristen per se amoralisch handeln, müßte nicht erst Gott sterben, damit es zum Chaos kommt. Dann müßten die Nichtchristen allein schon zu Gottes Lebzeiten für Chaos sorgen.

Statt dessen geht es um eine Innenperspektive, und die hat jeder. Der Christ, dessen Gott stirbt, an dem er alles ausgerichtet hatte, der verliert die Orientierung, für den wird alles relativ. Das gilt übertragen für alle anderen Gruppen auch, selbst für Atheisten, doch in der Karfreitagsandacht geht es in erster Linie um die Christen, ist j auch ein chritlicher Feiertag.

Stirbt der Orientierungspunkt in der Welt, geht dieser verloren, so geht notwendig die Orientierung verloren, und das Chaos kommt durch, auch wenn man sich noch ne Weile an bestimmte Konventionen hält, die eigentlich leer sind, da der Orientierungspunkt fehlt.

Eine Welt bricht zusammen. Buchstäblich. Und viele Menschen werden über kurz oder lang – denn keiner hält es im relativistischen Chaos lange aus – in eine andere Welt einziehen, andere Orientierungspunkte suchen. Dann sind sie eben keine Christen mehr, sondern Muslime, Atheisten oder was auch immer.

An dem Punkt, wo die Welt zusammenbricht, standen die Jünger Karfreitag. Und das vergegenwärtigen sich Christen jedes Jahr an diesem Tag. Und dann kommt Ostern, aber soweit sind wir noch nicht.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 10. April 2012

Ostern ist vorbei, ich bin noch etwas müde, morgen geht es zurück an den Studienort, bleibt noch etwas Zeit, die liegengebliebenen Netzfunde der letzten Tage zu bringen.

Eric Djebe hat zum leeren Grab geschrieben, und sein Punkt mit den Frauen hat durchaus etwas für sich.

Der Geier schreibt zum palästinensichen Volk und meint, dies existiere nicht. Dazu will ich selbst nicht viel sagen, sondern Uri Avnerys Entgegnung zur Thematik verlinken.

Mandy hat über die Auferstehung, die Scheidung und die Frage, was nach dem Tod passiert, geschrieben.

Auf dem Hellbound Blog gibt’s nen Artikel über die Sünde. Es geht darum, daß die Sünde unser Problem ist, und nicht Gottes Problem. Wert zu lesen. Im nächsten Artikel soll es darum gehen, was uns zum Sündigen antreibt. Man darf gespannt sein.

Der Herr Alipius schreibt von seinem ersten Ostern als Priester.

Michael Blume schreibt über Judas Iskariot und die Wissenschaftlichkeit von Jura. Er bringt einen interessanten Punkt (auch für die Theologie), indem er von Orietierungswissenschaften spricht.

Nick Baines schreibt davon, wie Jesus die Sache mit der Macht anscheinend ganz falsch verstand. Die Betonung liegt auf „anscheinend“. Und er hat seine Osternachtspredigt veröffentlicht.

Bei peregrinatio gibt’s ein „Politbarometer“ zur Popularität Jesu zwischen Palmsonntag und Karfreitag. Viel interessanter ist noch der dortige Artikel über den Fundamentalismus und seine Beheimatung in der Moderne.

Christian Spließ schreibt über die Aktionen gegen das Tanzverbot am Karfreitag, wobei ich rauszulesen meine, daß er weniger ein Problem mit der (offenen) Diskussion über die Abschaffung des Tanzverbots hat, als mit der Art, in der die Sache beworben wird…

Wolfgang Vögele macht auf eien NZZ Artikel aufmerksam und die Tatsache, daß Vorentscheidungen Einfluß auf Konsequenzen haben. Auch beim Thema Gott und Glauben. Außerdem schreibt er über Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Zoe hat beim Gehn-Test über den Unterschied zwischen dem Oberflächlichen und dem Inneren geschrieben, und daß die meisten Menschen leider nur letzteres sehen.

Walter Jungbauer schreibt über das römisch-katholische Nein zur Priesterinnenweihe und das grundsätzliche Problem der päpstlichen Unfehlbarkeit.

Melissa hat eine neue Serie gestartet, und im ersten inhaltlichen Teil geht es um Transsexualität, die Unkenntnis darüber in fundamentalistischen Kreisen und die daraus entspringenden Fürchte. Ich bin gespannt auf die weiteren Teile, und ich habe größte Hochachtung vor Melissas Offenheit.

Muriel setzt sich mit der Frage einer nach römisch-katholischem Verständnis moralisch vertretbaren Fruchtbarkeitsuntersuchung auseinander.

Und zum Schluß hab ich noch nen Artikel von Stefan Schleim über Kreditkrise, Wirtschaftsboom, Unsicherheit und Flexibilität.

glaube, kirche

Was bringt mir das?

Ostern! In diesen Tagen werden auch die Kritiker von Kirche und Glauben aktiv, und schreiben etwa auf, wie sie das alles so sehen. Und ich will das gar nicht groß kritisieren (obwohl ich schon mehrfach schrieb, daß man das alles auch anders verstehen kann). Solche Kritik ist wichtig, um uns Kirchengliedern und Gläubigen zu zeigen, wie gut wir unseren Glauben nach außen darstellen.

Und wenn ich mir das so durchlese: Nicht gut.

Klar kann man jetzt meckern über polemische Vereinfachung und Konzentration auf gewisse amerikanische Strömungen bei der Kritik, auf einseitige Wahrnehmung etc etc etc. Geschenkt.

Statt dessen, finde ich, sollte man dem das Eigene entgegenstellen.

Der verlinkte Artikel geht ja sehr von der Frage „Was bringt mir das?“ aus. Wieso sollte ich an Gott glauben, wenn…?

Der Glaube an Gott wird so zum Wellness-Tool. Wenn es mir mit besser geht, wieso dann nicht? Wenn es mir ohne genausogut geht, wieso damit befassen?

Wieso damit befassen?

Darin könnte ein Knackpunkt liegen. Das setzt voraus, daß man zum Glauben als Glaubender ein distanziertes Verhältnis hat, sich damit befaßt, ohne daß es einen erfaßt. Aber wie soll das gehen?

Sicher kann ein Erfaßter sich auch mit dem Glauben, der ihn erfaßt hat, befassen. Ebenso kann man auch als nicht Erfaßter sich mit dem Glauben befassen, aber es ist ebe nicht das Gleiche!

So wie jemand, der nur distanziert-sachlich über seinen Fußballverein spricht und denkt, schwerlich als „Fan“ durchgeht. Gleichwohl müssen Fragen beantwortbar sein. Der Glaube kann kein widersinniges System stützen, wie in der oben verlinkten Kritik. Das mit ihm verbundene System muß mindestens so viel Sinn ergeben, wie alle konkurrierenden Systeme. Jemand der sieht, daß in einem bestimmten Verein objektiv sehr guter Fußball gespielt wird, kann dies anerkennen, auch ohne selbst zum Fan zu werden. Etwa, weil er sich mehr für Synchronschwimmen interessiert, was auch nicht verwerflich ist.

Aber der ergleich hinkt, denn beim Glauben geht es nicht nur um einen persönlichen Geschmack. Glaube an Gott, zumindest der christliche Glaube, erhebt den Anspruch – meiner Meinung nach zu Recht – die Wahrheit zum Inhalt zu haben.

Glaube hat etwas mit Wahrheit zu tun, etwas mit der Überzeugung von einer Wahrheit. Man ist davon überzeugt, daß das, was man da glaubt, an den man da glaubt, wahr ist.

Insofern ist die Frage nach dem Nutzen vielleicht etwas zu kurz gegriffen. Die eigentliche Frage ist: Stimmt es, oder stimmt es nicht?

Aber wie findet man so etwas raus? Und um was geht es eigentlich genau? Was ist der Inhalt, der wahr oder unwahr ist? Schöpfungsgeschite im Sinne der Kreation? Anzahl und Namen der Söhne Israels? Korrektes Feiern der Liturgie nach Agende? Genaue Kenntnis aller Dogmen und Konzilsbeschlüsse sowie unkritisches Für-wahr-halten derselben? Ich meine – ich hoffe – er Glaube läßt sich konkretisieren auf wenige Punkte, aus welchen sich dann alles andere ableitet. Oder auch nicht, dann sollte man drüber reden.

Einen ersten Schritt bei der Fassung dieser Konkretion des Inhalts des Glaubens will ich hier versuchen. Es soll um Freiheit und Unterordnung gehen.

Freiheit wird von vielen wenn nicht allen Menschen angestrebt. Dem entspricht auf den ersten Blick, daß die Unterordnung unter einen Gott für viele Glaubenskritiker einer der Hauptgründe gegen den Glauben ist. Gibt man damit nicht seine Freiheit auf? Wird man nicht zum unkritisch-dummen Nachbeter der ewig selben Pseudowahrheiten, die nebenher als Vorwand benutzt wurden, um viele weitere Menschen in Unfreiheit zu halten?

Der Vorwurf ist historisch sicherlich nicht unberechtigt. Es gab und gibt Menschen, die sich auf Dogmen zurückziehen, die diese als wahr betrachten ohne sie begründen zu können, abgesehen etwa von Autoritätsargumenten.

Aber der Vorwurf ist gleichzeitig auch unwahr, da es zu allen Zeiten Menschen gab, die gleichzeitig äußerst fromm waren und trotzdem den eigenen Gauben kritisch hinterfragten, ehrlich nach Begründungen suchten und gerade nicht auf die Nutzbarmachung von Dogmen zur Unterdrückung anderer schielten.

Trotzdem ordneten sie sich unter. Unter Gott, wie sie Ihn verstanden, und wie sie es für vernünftig hielten.

Andere Menschen halten anderes für vernünftig, und hier wird die Sache schwierig. Denn nach welchen Kriterien sollte man ermessen, wer sich jetzt der Wahrheit unterordnet?

Aber zuerst eine andere Sache: Der Wahrheit unterordnen! Wäre eine Unterordnung in diesem Fall auch eine Aufgabe der Selbständigkeit? EIn Freiheitsverlust? Da größte zu vermeidende Übel?

Ich meine, eine Unterordnung unter die Regeln der Wahrheit bedeutet nicht Knechtschaft, vielmehr wird von allen Menschen angestrebt, den Regeln der Wahrheit zu folgen. Damit könnte man auf die Idee kommen, daß die Unterordnung unter die Wahrheit Freiheit bedeutet. Unterordnung wäre also nicht in jedem Fall schecht.

Ich gehe sogar soweit, daß es hier die größte Freiheit gibt und daß jede Freiheit (auch die eingeschränkten Varianten) immer auch einer gewissen Ordnung (und damit Unterordnung, und sei es unter den eigenen egoistischen Willen) bedarf. Die Ordnung gibt den Rahmen vor, in dem man frei handeln kann. Ohne solche Ordnung, kann einem jede mögliche Freiheit bestritten werden. Manche Ordnungen geben einem mehr Freiheit, andere Ordnungen weniger.

Wir haben nun also verschiedene Systeme im Vergleich: Die einen ordnen sich Gott unter, andere anderen Idealen, vom säkularen Humanismus über all die verschiedenen Religionen bis hin zu menschenverachtenden Systemen und persönlichem Egoismus, die Freiheit nur für einige wenige bereit halten (und diese dann wiederum unfrei machen, weil sie an ihrer Macht hängen und dadurch unfrei werden in ihrem Handeln: Was die Macht mindert liegt außerhalb der Möglichkeiten).

Die Frage, was wahr ist, entspricht also wohl der Frage, unter wen oder was man sich unterordnen muß, um die größtmögliche Freiheit zu erfahren.

Dies halte ich für eine Kernfrage, die, falls überzeugend beantwortet, dem entsprechenden System viel Zustimmung bringen würde.

Ich meine weiter, daß es im Christentum um nichts anderes geht als um eben diese größte Freiheit:

Zentral im Christentum sind Karfreitag und Ostern, also Tod und Auferstehung Jesu. Versteht an diese nicht so, wie in der oben verlinkten Kritik, sondern eher im Rahmen der ebenfalls verlinkten alternativen Betrachtungsweise, dann hat das Ganze viel mit Freiheit zu tun. In Kürze kann man es so fassen:

Der Teufel hält die Welt gefangen und versucht über alles die Kontrolle zu bekommen, sich alles unterzuordnen. Den Teufel kann man hier als Chiffre für all das bezeichnen, was man als böse ansieht (man kann es sicher auch objektiver fassen aber für den Anfang reicht diese subjektive Sichtweise). Gegenspieler ist Gott, der die Welt befreien möchte.

Der Teufel geht auf folgende Weise vor: Er bringt den Menschen (jeden einzeln) dazu, etwas zu tun, das Unrecht ist. Dann benutzt er dies gegen den Menschen, um ihn immer tiefer in unrechten Taten zu verwickeln, indem er die erste Tat zu decken versucht. Ziel ist es, den Menschen zu isolieren, ihm keine Entwicklungsmöglichkeit zum Guten hin zu geben und ihn im Netz aus Unrecht und Lüge, das er um sich gesponnen hat zu ersticken. Dabei setze dann die einen Menschen auch die anderen unter Druck, in einer gewissen unrechten Weise zu handeln. Ziel des Teufels bleibt die Kontrolle. Wer stirbt, kommt ebenfalls in seinen Machtbereich, den Tod, die Hölle.

Gott kann nicht viel machen. Schließlich wird er Mensch, und gleich fängt der Teufel an und verucht, Ihn zum Bösen zu verleiten. Gott-als-Mensch (Jesus) läßt sich jedoch nicht darauf ein, also setzt der Teufen Ihn durch andere unter Druck, bis hin zu Seiner Ermordung. Denn so käme Gott-als-Mensch ebenfalls in den Tod ud wäre unter des Teufels Gewalt. Sowohl die Toten als auch die lebend-isolierten sind im Grunde ohne Beziehung und damit tot.

Doch der Einsatz Gottes für die Menschen befreit diese aus Tod und Hölle. Gott ist größer als der Teufel, das Gute größer als das Böse, und so werden Beziehungen wieder möglich. Gott besiegt Tod und Teufel und überwindet damit die Hölle.

Damit eröffnet Gott neue Möglichkeiten für diejenigen, die schon ziemlich verstrickt sind in ihr eigenes Unrechttun. Sie kriegen wieder Hoffnung, weil Gott in Seinem Tun quasi sagt: Das Unrecht das Ihr tut, rechne ich Euch nicht an (wiewol es trotzdem Unrecht bleibt!), gehet hin und sündigt fortan nicht mehr.

Er befreit die Menschen aus den Verstrickungen der Hölle, indem Er sie annimmt, sie liebt, trotz aller Taten, mit denen der Teufel sie zu kontrollieren sucht. Damit ist die Macht des Teufels gebrochen, oder etwas weniger mystisch ausgedrückt: Die Macht, die unsere unrechten Taten über uns haben.

Und das halte ich für eine unglaublich befreiende Wahrheit. Denn es erlaubt einem, alles zu tun, was einen Gut dünkt (≠wozu man gerade Lust hat) und hält einen nicht in äußeren Zwängen gefangen, wie das Tun unrechter Taten. Während man untergeordnet unter Gott sowohl Gutes als auch Böses tun kann, ist man bei anderen Unterordnungen in Sachzwängen gefangen und damit in seinem Handeln auf die Sachzwänge eingeschränkt.

Wenn jetzt jemand meint, daß auch er nicht von Sachzwängen eingeschränkt sei und eben so eine Freiheit habe, wie der sich Gott unterordnende Christ, dann habe ich zweierlei dazu zu sagen:

  1. Ich freue mich aufrichtig für Dich, und daß Du diese Freiheit erlebst.
  2. Womöglich sind wir beide näher beieinander als es den Anschein hat.

Übrigens würde ich für mich nicht in Anspruch nehmen, mich gar nicht mehr durch Sachzwänge beeinflussen zu lassen. Daher bedarf ich immer wieder der Vergebung Gottes. Dieser kann ich jedoch gewiß sein, und so kann ich es immer wieder aufs Neue versuchen, ohne Sachzwänge zu leben und nur noch Gutes zu tun. Dies zu erreichen ist mein sehnliches Ziel.

Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Karfreitag, 6. April 2012

Antje Schrupp befasst sich auf ihrem Blog mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und der Frage, wer dann die Drecksarbeit macht. Der Artikel wirft eine wichtige Frage auf, auch wenn mich als Mann die Suggestion, die „Dreckarbeit“ würde vor allem an den Frauen hängen bleiben, annervt, aber das ist ne andere Diskussion. Ich würde ja die weitergehende Frage stellen, was die Folge wäre, wenn die Drecksarbeit nicht erledigt würde. Riefe man nicht nach dem Staat? Es könnte auf Steuerfinanzierung rauslaufen…

Thomas hat einen Artikel über Zombie-Filme geschrieben, und der ist interessanter, als es sich anhört. Vielleicht gerade auch für diejenigen, die nicht zu den Fans des Genres gehören. Beim Lesen kam mir der Gedanke, ob man wohl auch die Passion als Zombie-Film drehen könnte, oder als Monster-Film mit Zombies, Vampiren, Mumien und Werwölfen, wobei mir noch nicht ganz klar ist, wer für was steht.

Mandy schrieb, passend zur kommenden Osterzeit, über Jonathans Ei. Dabei geht es um einen Jungen mit Behinderung, der eine Regelschule besucht. Und das ist jetzt die Überleitung zu einem Bloghinweis, den ich schon länger unterbringen wollte, der aber nei richtig reinpasste: Der Blog Inklusion ist Menschenrecht. Es ist ja in der Tat so, daß die BRD ein UNO Papier ratifiziert hat, das sich für die Inklusion in der Schue ausspricht. Die Aufnahme in Regelschulen ist also Bundesrecht und muß umgesetzt werden. Insofern ist eine Auseinandersetzung mit der Thematik sicherlich nicht verkehrt.

Gerd Häfner stellt anhand der Frage nach dem Todestag Jesu dar, auf welchen Ebenen man einen Bibeltext lesen kann, und wieso das Nebeneinander von vier Evangelien in der Bibel durchaus sinnvoll ist.

Alien59 schreibt Bedrückendes über Wegwerfmenschen. Am Ende stellt sie die Frage nach dem Menschenbild. Ich meine, daß in diesen Fällen der Mensch nicht als Mensch, sondern als Produkt, als Gegenstand betrachtet wird, der eintauschbar ist bei Nichtgefallen oder Defekt. Eigentlich ein krasser Verstoß gegen Art. 1 GG. Und auch bei Peter scheint mir der Gedanke vom Menschen als Produkt im Hintergrund zu stehen, wenn er von der neuen Scham schreibt, die sich nicht auf die Nacktheit bezieht, sondern auf Armut und Unattraktivität.

Und ein dritter Artikel zum Thema, mit dem Titel „Das Weib als Volkseigentum“ ist bei Geiernotitzen zu lesen, mit einer bedenkenswerten und kreativen Ausdeutung des Ehebruchs.

Beim Hellbound-Blog kommen immer wieder recht gute Artikel, ich dachte ja erst, da würde nur der Film beworben. Weit gefehlt. So gibt es da den Artikel zur Frage, wie es denn nun ist mit der Liebe im Christentum, und wie mit den Werken.

Um Liebe in Form von gegenseitigem Dienst (Fußwaschung!) geht es auch in der Gründonnerstagspredigt von Nick Baines, und die Bemerkung, daß er in dem Jahr, wo er jetzt Bischof von Bradford ist, viele Leute getroffen habe, die gute Arbeit in der Diözese leisteten, dachte ich ein wenig an Heikos Artikel bei evangelisch.de. Dort geht es um die Facebook Seite des bayrischen Landesbischofs, der ja durchaus auch Projekte in seiner Kirche (und anderswo) besucht, die hoffentlich auch alle gute Arbeit leisten. Ne entsprechende Medienpräsenz der „Reisen des Bischofs“ (der Name ist verbesserungsfähig), auf der die guten Projekte in der Kirche kurz umrissen werden (evtl. mit Link zur Projektseite im Internet), vllt. vom Bischöf persönlich in ein paar kuren Worten, würde diesen Besuchen nicht nur den Aspekt des „die Landeskirche nimmt die gute Arbeit hier wahr und schätzt sie“ für die dort arbeitenden geben, sondern sie ebenfalls in Bezug auf „Außenwerbung“ erschließen. Wo jemand sagen würde „Die Kirche macht eh nix für die Menschen“ könnte man beiläufig auf die Internetpräsenz des Bischofs (oder Kirchenpräsidenten oder Präses oder oder) verweisen…

Über den Facebook-Gottesdinest aus dem Maternushaus Köln gibt es einen Artikel bei FrischFischen. Dabei wird auch die Frage nach der zukünftigen Rolle der Ministranten aufgeworfen.

Andrea hat einen Artikel zur Vorratsdatenspeicherung geschrieben. Diese läuft in Österreich im Gegensatz zu Deutschland seit letztem Jahr. Interessant fand ich, daß die evangelische Kirche in Österreich klar Stellung dazu bezogen hat (die EKD war mein ich eher verschwiegen, oder hab ich was übersehen?), gerade auch wegen der Seelsorge. Wären die Piraten, die sich ja hierzuland den Kampf gegen die VDS auf die Fahnen geschrieben haben, nicht so religionsskeptisch eingestellt, hätten sie hiermit vielleicht ein Argument, das sogar einen gestandenen CSUler vom Schaden dr VDS überzeugt. Aber da gibt es wohl leider ideologische Grenzen.

Zu den Piraten hat auch Muriel geschrieben. Lesenswert.

Euch allen einen gesegneten Karfreitag.

glaube

Wer starb am Kreuz?

Die Frage mag komisch klingen. Jesus natürlich, zumindest wenn man nicht dem Doketismus anhängt. Aber von vorn:

sicDaniel, ein Kommentator beim Blasphemieblog, stellte in den Kommentaren zu einem Artikel die Frage danach, wie das denn sein könnte, daß einerseits Jesus Gott ist und andererseits Jesus am Kreuz gestorben ist. Dann wäre ja Gott gestorben, und Gott könne nicht sterben, das widerspräche Gott.

Es wurden ein paar Sätze gewechselt, bis jemand darauf hinwies, daß dies doch eine seltsame Debatte für ein atheistisches Blog sei. Stimmt auch irgendwie, deshalb möchte ich hier jetzt eine Antwort versuchen, und die Debatte kann dann ja auch hier weitergehen, um nicht weiter die Atheisten zu belästigen.

Vorab möchte ich noch sagen, daß ich weder Sprachrohr irgend einer christlichen Gruppierung bin noch dies eine wissenschaftliche Abhandlung darstellt. Hinweise darüber, wo ich mit irgendwelchen Theologen, Bekenntnisschriften oder sonstigem nicht konform gehe sind willkommen, aber gehen insofern am Ziel vorbei, als daß ich hier keine offizielle Meinung repräsentiere, sondern von meinem Glauben Zeugnis ablege. Ich bin sowieso skeptisch, was darüber hinausgehende kirchliche Äußerungen auf protestantischer Seite angeht.

Tod

Am Anfang muß die Frage nach dem Tod stehen. Was ist Tod? Was macht ihn aus? Was ist er nicht?

Unter Tod verstehe ich das Ende des biologischen Lebens: Das Herz hört auf zu schlagen, die Atmung hört auf, die Hirnfunktionen und nach einer Weile auch die biochemischen Prozesse in den einzelnen Körperzellen. Der Zerfall, die Verwesung des Körpers setzt ein.

Tod ist jedoch nicht ein Ende des Seins, in dem Sinn, daß nichts mehr da wäre. Ich denke dabei nicht etwa an eine Seele. Die unsterbliche Seele wie man sie sich heute vorstellt ist eine platonische Vorstellung, die erst sekundär vom Christentum rezipiert wurde, und die ich für nicht hilfreich erachte.

Mir geht es um das, was sonst übrig bleibt von einem Menschen. Da wären erst einmal die Auswirkungen seiner Taten zu Lebzeiten, oder die Dinge, die er gemacht hat, ob Häuser oder Gedichtbände, und die Erinnerung an ihn. Mit dem Tod eines Menschen geht nicht alles Wissen über ihn verloren. Durch Zugriff auf private Schriften lernt man ihn vielleicht sogar besser kennen als vorher. Dies ist nichts Materielles, das übrig bleibt, und der Mensch hat da nichts mehr von. Es erscheint mir jedoch wichtig, darauf hinzuweisen.

Trinität

Der christliche Gott wird als Dreifaltigkeit gedacht: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Alle sind verschieden, alle sind Gott, und Gott ist nur einer. Ein scheinbarer Widerspruch, doch denke ich, daß man das nicht so als Mysterion stehen lassen muß. Auch wenn vielleicht nicht alle Aspekte geklärt werden können, gibt es doch Möglichkeiten, sich die Denkbarkeit der Trinität zu erleichtern.

Mein Religionslehrer, von dem ich viel gelernt habe, hat es einmal mit den Rollen verglichen, die ein Mensch inne haben kann: So kann ich zum Beispiel gleichzeitig Freund meiner Freundin, Student meines Studienfachs und Einwohner meiner Stadt sein. In allen drei Rollen verhalte ich mich anders, und manchmal ist es schwierig, sie voneinander zu trennen. Doch kann man vielleicht grob sagen, daß wenn ich den Stadtrat mitwähle, dies weniger als Freund meiner Freundin tue denn als Bürger der Stadt. Und wenn ich sie küsse tue ich das nicht als Student. Genausowenig bin ich in erster Linie Bürger, wenn ich für’s Examen lerne. Und trotzdem bin ich der selbe.

Der Sohn

Jesus ist der Sohn Gottes und trotzdem selbst auch Gott. Und zwar nicht in abgestufter Weise, sondern eben vollkommen Gott. Aber Er ist nicht der einzige Aspekt von Gott. Er ist aber nicht nur vollkommen Gott, sondern eben auch vollkommen Mensch. Und als Mensch Sohn Gottes. In der Antike stellte man es sich ja so vor, daß der Samen des Mannes in die Frau gepflanzt wird, und das Kind heranwächst ohne daß die Fra da noch ein paar Chromosomen beisteuert. So denke ich, ist auch die Gottessohnschaft Jesu zu verstehen. Er ist Sohn des Vaters, eben weil der Same als vom Vater kommend gedacht war. Das macht Ihn dann aber nicht zu weniger Gott, oder zu einem Juniorgott. Es ist der selbe.

Tod revisted

Unser Verständnis von Tod ist sicherlich nicht das, was man sich früher darunter vorgestellt hat. Luther benutzte oft Sünde, Tod und Teufel als Synonyme, die das gleiche bezeichneten: Die Trennung von Gott. Man stellte sich ein Totenreich vor, wo die Verstorbene hinkommen und gefangen sind, in absoluter Gottesferne. Wo Tod heute als biologisches Ende verstanden wird, wurde es damals vor allem als Ende aller Beziehungen verstanden. Nicht einmal mehr die Beziehung zu Gott konnte über den Tod hinaus aufrecht erhalten werden.

Kreuzigung

Nun kam es also zur Kreuzigung. Jesus wurde ans Kreuz genagelt, und starb. Und da Gott Jesus war und Jesus Gott war, starb Gott und kam ins Totenreich, in die absolute Trennung von Gott. Jesus wurde beziehungslos und ging an den Ort, wo Beziehung nicht mehr möglich war.

Doch ist dadurch, daß Gott an den Ort kommt, wo es keinen Gott gibt, der Ort der Getrenntheit von Gott zum Ort der Nähe Gottes geworden. Wenn Gott in die Gottesferne kommt, ist Gott nicht mehr fern, und besiegt die Gottesferne, also die Hölle oder den Tod. Darin liegt auch der vielleicht etwas hämisch klingende Osterjubel begründet:

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg?

Ein Aufhören der biologischen Prozesse ist also nicht im Fokus, wenn es um den Tod und die Auferstehung Christi geht. Ich habe Schwierigkeiten, mir Gott mit biochemischen Zellprozessen vorzustellen, die aufhörten in dem Moment, wo Gott am Kreuz starb.

Alles alter Käse?

Wenn sich nun die Vorstellung in Bezug auf den Tod gewandelt haben, hat die ganze Kreuzigungsgeschichte uns heute nichts mehr zu sagen? Ist es ein veralteter Mythos, der in alten Büchern steht und keine Relevanz mehr für das heutige Leben hat? Was passierte wirklich damals?

Ich denke, die historischen Details des damaligen Geschehens können wir heute nicht mehr greifen, und nachweisen schon gar nicht. Die Bibel ist ja schon recht wortkarg, was die Auferstehung angeht. Viel mehr als das „daß“ der Auferstehung wird nicht berichtet. Aber es ist ja doch möglich, anzunehmen, daß ein gekreuzigter Mensch durchaus in Folge von Folter und Kreuzigung starb, und zwar in dem Sinne, wie wir heute Tod verstehen.

Die Hölle, gedacht als absolute Beziehungslosigkeit, als Ort, von dem man nicht Gott und auch sonst niemanden mehr erreichen kann, ist durchaus auch denkbar. Mangelndes Vertrauen erschwert auch heute Beziehungen, macht sie teilweise unmöglich. Und das mangelnde Vertrauen kommt aus Verletzungen, die man erlebt hat.

Durchbrechen kann man das nur durch Zuwendung, durch Liebe, indem man auch mal Angriffe aushält. So wird die Beziehungslosigkeit durchbrochen und besiegt, der Hölle die Macht genommen.

Was spricht dagegen, daß Jesus genau das gemacht hat? Indem er trotz Schuldlosigkeit in den Tod ging? Und was spricht dagegen, daß er danach wieder aufstand? Wenn es Gott gibt, und ich sehe keinen Grund daran zu zweifeln, kann man Ihm durchaus auch die Macht zutrauen, sich das Leben wieder zu nehmen, wenn Er es gelassen hat. Damit hätten die Menschen damals dann auch gesehen, daß es tatsächlich Gott war, der da alles erduldete und sich trotz Möglichkeiten nicht wehrte. Gott, der sich den Menschen zuwendet und auch ärgste Angriffe wegsteckt, und dadurch eben auch Beziehung wieder ermöglicht. Und wo die Beziehung ist, ist nicht Hölle, nicht Tod, nicht Teufel.