Commenting Media, Theologie

Der mitleidende Gott

Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0
Quelle: http://jesusandmo.net

Ein Jesus & Mo Comic, für die Nichtenglischsprecher unter Euch, hiernochmal eine Übersetzung der Konversation:

Bild 1:
Jesus: Ich gebe zu, daß grauenhafte Ereignisse uns manchmal dazu bringen können, die Existenz Gottes anzuzweifeln, aber nach den Anschlägen in Paris habe ich gebetet.

Bild 2:
Jesus: Ich fragte Gott: „Wo bist Du in alledem?“ Und Gott sprach zu mir. Er sagte: …
Barmädchen: Warte!

Bild 3:

Barmädchen: Laß mich raten … sagte er etwas darüber, irgendwo „da“ zu sein in der Mitte von alledem und dann irgendwelche Platitüden darüber, unser Leid zu teilen?

Bild 4:
Jesus: Wie macht sie das?Mo: Gott ist unaussprechlich, aber vorhersehbar.

Es gibt viele von diesen Comics und sie wollen alle den Eindruck erwecken, besonders intelligent Religionskritik zu üben. Manchmal schaffen sie es auch, Mißstände aufs Korn zu nehmen, nur schießen sie dann oft zu weit übers Ziel hinaus und verlieren dadurch.

Wie dem auch sei, dieses Comic nimmt einen Punkt aufs Korn, der mich selbst oft ärgerte. Mir war als Jugendlicher nie eingeleuchtet, was ich davon haben sollte, daß Gott mit mir in irgend einem Leid ist, wenn er mir nicht helfen kann. Wozu jemanden, der mitleidet? Reicht es nicht, wenn es einem dreckig geht?

Ich habe über die Jahre (hört sich wahnsinnig lange an, so alt bin ich gar nicht) zwei ganz verschiedene Zugänge zu dieser Frage gefunden, bzw selbst erlebt.

Gott ist wirklich da

Im Leben bleibt es nicht aus, auch manchmal ziemlich nach unten zu kommen. Und manchmal steht man richtig am Abgrund, und weiß nicht mehr weiter, ist verzweifelt. Ich blieb davon auch nicht verschont und habe erlebt, daß es eine enorme Erleichterung sein kann, nicht auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, sondern jemanden zu haben, dem man sein Leid klagen kann und zwar so oft und so ausführlich, wie kein Mensch es ertragen könnte, zuzuhören. Schon alleine aus zeitlichen Gründen.

Ob und inwieweit Gott mitlitt kann ich nicht sagen, aber es war mir eine Hilfe, daß Er da war, bis ich mich irgendwann gefangen hatte und aus der Verzweiflung raus kam. Womöglich hat es eine Rolle gepielt, daß ich weiß, daß Gott das Leid nicht fremd ist, ging Er doch selbst ans Kreuz. Aber alleine daß ich wußte, es gibt einen Gott, alleine daß ich wußte, Er steht mir bei und läßt mich nicht verloren gehn, komme was wolle, half mir.

Gott leidet nicht nur passiv mit

Jeder Versuch, die Theodizee-Frage, die Frage wieso Gott Leid zuläßt, zu beantworten, wird unweigerlich zynisch. Es ist unsagbar zynisch, wenn man vebsucht, in den Geschehnissen einen tieferen Sinn zu finden. Die Menschen sind tot. Viele andere sind verletzt, physisch und psychisch. Solch schwer zu ertragendes Leid darf man nicht mit irgendwelchen Spekulationen über einen tieferen Sinn wegwischen. Das wäre unanständig und auch unehrlich: Keiner von uns kennt Gottes Plan.

Die Theodizee Frage ist ja auch falsch gestellt. Die Frage ist ja nicht, wieso Schlimme Dinge geschehen, sondern, wieso überhaupt gute Dinge geschehen. Was ist der Grundzustand der Welt? Gehen wir davon aus, daß eigentlich alles gut sein müßte? Oder kommtalles Gute, was uns widerfährt, von Gott? Ist letzteres der Fall,dann war Gott durchaus da bei den Anschlägen und hat konkret geholfen. Keiner der Attentäter kam ins Stadion, der Bataclan wurde relativ schnell gestürmt, die Ärzte waren durch eine kurz vorher abgehaltene Notfallübung ideal vorbereitet.

Sicher kann man jetzt sagen,das war nicht Gott, das war das vorausschauende Handeln der Menschen. Die Sicherheitsvorkehrungen haben geholfen, nicht Gott. So wie das Tischgebet Bart Simpsons:

Lieber Gott, wir danken dir für gar nichts, wir haben alles selbst bezahlt.

Nur ist es dann nicht billig, ausgerechnet das Negative Gott anzulasten? Wenn gute Sicherheitsvorkehrungen für den vergleichsweise glimpflichen Ausgang verantwortlich waren, sind dann nicht auch Menschen für die Anschläge, für das Leid verantwortlich? Schließlich waren es Menschen, die Bomben zündeten, die andere Menschen ermordeten.

Entweder man gesteht Gott zu geholfen zu haben, oder man braucht ihm auch das Negative nicht zuzurechnen.

Freilich, wenn man sich nun dafür entscheidet, Gott das Positive zuzurechnen, woher kommt dann das Negative? Entweder die Menschen haben eine hinreichende Freiheit, unabhängig von Gott Böses zu tun, oder aber es kommt doch von Gott her.

Viele apologetisch schreibende christliche Blogger, so ist mein Eindruck, ziehen als Erklärung die Freiheit des Menschen heran. Sie schreiben, der Mensch sei frei, Gutes und Böses zu tun, um Gott zu entschuldigen.

Ich halte das für nicht zutreffend. Mir ist ein Punkt sehr wichtig, und zwar daß Gott unbedingt über alles souverän ist. Wir sind Ihm letztendlich ausgeliefert, im Guten wie im Bösen.

Und diese Böse Seite müssen wir aushalten, wenn wir uns nicht in den schon erwähnten Sinnfindungen verlieren wollen. Wir können nicht alles Leid erklären, und das müssenwir auch nicht. Als Christen können wir trotz allem hoffen. Und wer kein Christ ist, wer nicht an Gott glaubt, der stellt auch nicht die Frage, ob Gott nun gut oder böse ist.

Womit sich nun die Frage nach dem obigen Comic stellt. Wenn der Autor nicht gläubig ist, wieso gibt er sich überhaupt mit dem Thema ab. Ich weiß es nicht, aber vielleicht kennt ja jemand von Euch die Antwort.

Netzfunde

Netzfunde, 8. Dezember 2013

Wahlen gibt es erst mal keine, der Ausgang der letzten ist ja immer noch nicht ganz klar, aber ähnlich wie der Wahl-o-mat gibt es jetzt einen Cred-o-mat, und zwar beim Bayrischen Rundfunk aufm woran-glauben Blog. Allerdings ist das kein Tool zur Auswahlhilfe eines Glaubens, sondern dient eher der Vergegenwärtigung dessen, was man glaubt. Es gibt ja keinen Menschen, der gar nicht glauben würde, auch wenn es immer wieder Leute gibt, die meinen, sie könnten ihre Kinder „neutral“ aufziehen, damit die sich dann später „frei entscheiden“ könnten.

Heute hab ichs im Evangelischen Kirchenboten (Druckerzeugnis, daher kein Link diesmal) gelesen und fand es recht krass, wenn auch erfrischen. Michael Diener, der Präses des Gnaudauer Gemeinschaftsverbandes und ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz hat dem pro Medienmagazin ein Interview gegeben. Das Interview hab ich nicht gelesen, das ist hinter einer Paywall, aber was ich in der Berichtserstattung darüber gelesen habe bzw was man bei youtube zu sehen bekommt… er hat sehr deutliche Worte gefunden. So warf er den Evangelikalen vor, eine Sündenhierarchie aufgebaut zu haben, bei der Fragen der Sexualität wichtiger seien als die Frage etwa nach den Flüchtlingen und ihrer Not. Das Interview gibt es in Ausschnitten bei youtube.
Ich bin selbst kein Evangelikaler, aber da sehe ich einen, der nach meinem Empfinden wichtige Probleme anspricht, die ich mit der evangelikalen Bewegung habe.

Eine andere Sache, die vor allem Evangelikalen, so mein Empfinden, wichtig ist, ist die Satisfaktionstheorie. Also die Theorie, daß Gott-Vater Seinen Sohn totschlagen mußte, um den Menschen ihre Sünden vergeben zu können, weil Er sonst Seine Ehre zu verletzt wäre, als daß Er vergeben könnte. Wer hier öfter liest weiß, daß ich damit auch meine Probleme hab. Ist halt ne recht späte Erfindung aus dem Hochmittelalter (genau: Thomas von Aquin). Peter hat sich dazu nun auch zu Wort gemeldet. Ich neige ja der von Aulen vorgeschlagenen Christus Victor Theorie zu, und letztens hab ich etwas über Abaelard gelesen das hörte sich auch ganz vernünftig an.Früher hoffte ich mal, Im Studium die Zeit zu finden, solche Fragen für mich zu klären. Es kam nicht dazu und wird es auch nicht mehr. Vielleicht später mal…

In Amerika gibt es ja so nen Slogan: Put the „Christ“ back in Christmas“, zu deutsch in etwa: Bringt Christus wieder ins Christfest. Es geht dabei wohl vor allem um „Probleme“ wie die Schreibweise Xmas, die wohl als säkular verstanden wird, wobei es sich bei dem X durchaus um ein Rho handeln könnte, also den Anfangsbuchstaben des Griechischen Christos, was dem deutschen CH entspricht, naja…
und dann gibt es ja auch das Problem mit „Happy Holidays“ was ja auch verschweigt, was wir diese Tage feiern – ganz böse. Wie kann man nur! Die Warrioress hat das ganze mal ziemlich treffend kommentiert:

How about putting Christ back in Christian?

Zu deutsch etwa:

Wie wärs, Christus zurückzubringen ins Christsein?

Die Stoßrichtung ähnelt vielleicht der Michael Dieners. Als Fazit steht bei der Warrioress: Wir haben den Kampf um Weihnachten in dem Moment verloren, als wir überzeugt waren, daß es ums Habenwollen geht.

Dann geraten nämlich diejenigen außer Sichtweite, die nichts haben. Die sind dann ja wie wir, wollen auch nur, und sind nicht besonders zu berücksichtigen…

Und noch zwei Artikel hab ich zu Armut und Reichtum, und zwar vom Tall Skinny Kiwi. Vorwürfen wie der, daß Arme Leute nur den ganzen Tag auf der faulen Haut lägenbegegnet er mit diesem Artikel, in dem er aus seinem Leben erzählt, das er in selbstgewählter relativer Armut führt.

In diesem Artikel schreibt er nochmal allgemein von Stereotypen.

Und dann ist ja Mandela gestorben. Bei der SZ gibt es nen interessanten Artikel zum Internet auf Halbmast. Demnach ist immer auch ein bißchen Selbstdarstellung bei den ganzen Tweets und Statusmeldungen bei Facebook et al, in denen es um den Tod bekannter Persönlichkeiten geht. Ich frag mich, ob das schlimm sein muß. Irgendwie betrifft der Tod ja auch einen selbst, auch wenn man denjenigen nicht kannte, er kann durchaus als Vorbild dienen und so auf einen wirken.

Nick Baines nimmt das zur Kenntnis und äußert die Hoffnung, daß die Leute Mandela nicht nur verehren, sondern ihm nachfolgen.

Und Markus Eichler hat auf seinem Blog nen Text aus der Bild-Zeitung, wo es um 7 Botschaften Mandelas geht, die bleiben werden. Ich bin skeptisch, ob die alle bleiben, ist wohl eher fromme Hoffnung. Wenn sein Einsatz für Versöhnung nach so viel Haß und Gewalt in Erinnerung bleibt (und hier und da vielleicht auch nachgeahmt wird), ist schon viel – sehr viel gewonnen.