Gesellschaft, Religion

Koran ruft in mind. 109 Versen Moslems zum Krieg gegen Ungläubige auf

Die Überschrift ist dem Bild oben entnommen. Dieses Bild begegnete mir mehrmals auf Twitter beim Austausch mit „besorgten Bürgern“, welche mir offenbar „beweisen“ wollten, wie grausam doch der Islam ist.

Versuche meinerseits zu erklären, daß es DEN Islam nicht gibt, genausowenig wie DAS Christentum, fruchten nicht – wie üblich. Ebenso, daß Scharia verschieden ausgelegt wird.

„Besorgte Bürger“ lesen den Koran so wie Neuatheisten die Bibel: Sie richten sich nach den jeweiligen Fundamentalisten – und teilweise auch schlechten Übersetzungen.

Für diejenigen, die bereit sind, ihr Hirn einzuschalten, und sich andere Ansichten anzusehen, möchte ich hier versuchen, auf die obgen Behauptungen Schritt für Schritt einzugehen.

Ich bin kein islamischer, sondern evangelischer Theologe. Daher sind meine Kenntnisse vergleichsweise begrenzt. Mir ist allerdings (im Gegensatz zu Fundamentalisten und „besorgten Bürgern“) bewußt, was ein Text ist, und wie verschieden Texte ausgelegt werden können. Mir ist ebenso bewußt, daß es neben den Fundamentalisten auch andere Vertreter der Religion gibt, die ebenso (bzw wahrscheinlich viel mehr) echte Gläubige sind und deren Schriftauslegung mindestens so korrekt ist wie die der „besorgten Bürger“ oder Islamisten, die beide von den Traditionen des Islam relativ wenig wissen.

Von den Traditionen weiß ich selbst fast nichts, aber wie gesagt: Ich habe gelernt, mit Texten umzugehen, auch mit religiösen Texten. Ich habe gelernt, daß die Sklaverei in der Bibel zwar vorkommt und nicht kritisiert wird, daß aber trotzdem christliche Aktivisten sich auf ihren Glauben beriefen, als sie die Abschaffung der Sklaverei betrieben.

Für den Anfang möchte ich es bei ein paar Feststellungen belassen:

  1. Die ersten beiden Homepages, die unten angegeben sind und wohl die Quellen angeben sollen, sind dezidiert islamfeindlich eingestellt, wie man spätestens auf den zweiten Blick erkennen wird. Die dritte Homepage enthält eine Koranübersetzung in mir unbekannter Qualität.
  2. Auf dem Bild sind 13 Koranverse aufgelistet, die, wenn man sie mit der genannten Koranübersetzung vergleicht, nicht so lauten wie oben abgedruckt. Es handelt sich also um Auslagungen auf dem Bild.
    Man darf also getrost bezweifeln, daß es 109 Verse im Koran gibt, die zum Krieg gegen die Ungläubigen aufrufen.
  3. Dazu, daß angeblich Lügen gegenüber Ungläubigen im Islam erlaubt wären, habe ich nichts gefunden. Allerdings gibt es in verschiedenen schiitischen Gruppen (also nicht DEM Islam, sondern einzelnen kleinen Gruppierungen) das Konzept der Taqiya. Diese bezieht sich darauf, den Glauben verleugnen und religiöse Pflichten unterlassen zu dürfen, wenn dies eine Gefahr für Leib und Besitz bedeutet. „Gelogen“ werden darf also nur in Bezug auf das eigene Bekenntnis (das sowieso niemanden etwas angeht) und nur bei Gefahr. Ich möhte den „besorgten Bürger“ sehen, der in so einer Situation nicht zumindest daran denkt, den Glauben zu verleugnen. Es braucht sich jetzt auch keiner selbst zu rühmen, ihm würde dies nie passieren: Man denke nur an Petrus, der das ebenso behauptete und dann den Herrn dreimal in einer Nacht verriet!

Ab dem nächsten Artikel geht es dann um die einzelnen Verse.