Glaube

Ungefragt geantwortet

Man soll ja nicht ungefragt irgendwo reinreden, aber mir juckt es in den Fingern, auf einige Äußerungen im Kommentarbereich bei Mandy zu antworten:

Hans-Peter:

Bin neu hier und muss mich erst orientieren. Es wird ziemlich oft aus der Bibel zitiert. Erste Frage: sind wir uns einig, dass auch eine Menge Unmoralisches in der Bibel steht? Wenn ja – zweite Frage: nach welchen Kriterien wählt ihr aus was “wertvoll” ist?

Wertvoll ist die Bibel als Zeugnis, nicht als Steinbruch. „Wertvoll“ ist nicht das ein oder andere Wort, oder der fünfte Buchstabe auf der siebten Seite, sondern wichtig ist, was die Geschichten uns sagen, wie sie uns berühren und inwiefern sie uns weiterbringen, im Denken, im Glauben, im Leben. Auch aus Unmoralischem kann man lernen, wenn man etwa lernt es als solches zu erkennen, und aus Moralischem kann man Schaden nehmen, nämlich dann, wenn es stur ohne Nachdenken durchgesetzt wird gegen alle Widerstände. So ist es zum Beispiel moralisch, wenn Tiere nicht in Versuchsanlagen gequält werden. Trotzdem ist es Unsinn, deshalb nun Tiere befreien zu wollen, die hierzulande nicht überleben können. Oder Tiere in die freie Natur zu bringen, die nie gelernt haben, dort zu überleben. Andersrum könnte man es als unmoralisch ansehen, einem Süchtigen Drogen zu besorgen. Wenn man allerdings Drogen besorgt, die nicht durch irgendwelche noch gefährlicheren Stoffe gestreckt sind, kann das ein Fortschritt sein. Den Transfer auf die Bibel überlaß ich Dir 😉

Ich meine die Stellen in der Bibel, die nach unserer heutigen Ethik nicht akzeptabel sind: Ungehorsame oder fluchende Kinder töten, Todesstrafe auch für Homosexuelle oder Andersgläubige, Anleitungen zur Sklavenhaltung, etc.
Sind diese Stellen ungültig oder müssen sie interpretiert werden oder sind sie weniger wichtig oder…?
Also ein Kriterium (gibt es noch weitere?) ist „von Jesus gesagt“. Gilt für von Jesus Gesagtem, dass alles davon wichtig und wertvoll ist, oder muss man da auch unterscheiden?

Was das Töten ungehorsamer Kinder angeht handelt es sich um einen Gesetzestext. Gesetze ändern sich. So war es vor ein paar Jahren noch nicht strafbar, seine Kinder zu schlagen. Heute ist es strafbar. Und wenn man weiter zurückgeht in der Geschichte, dann konnten die Eltern (genauer: Der Vater) eben auch über Leben und Tod entscheiden. Heutzutage kommt das in einem anderen Kontext wieder zurück: So entscheiden die Eltern sich bei einer Abtreibung gegen das Leben des Kindes, nicht wegen Ungehorsam oder Fluchen, sondern weil es krank ist oder grad ungelegen kommt. Ähnliche Überlegungen spielen eine Rolle bei der Diskussion um die Euthanasie. Die Gründe für das Töten ändern sich anscheinend mit der Kultur, der Sachverhalt an sich nicht. Was den Bibeltext angeht könnte man sich überlegen, ob die Aussageintention ist, daß da jemand getötet werden soll, oder daß jemand ein bestimmtes Handeln (Ungehorsam, Fluchen) unterlassen soll. Heute scheint das Nebensächliches zu sein, wenn man aber bedenkt, daß zum Ungehorsam auch gehörte, seine alten Eltern verhungern zu lassen, wenn sie zu alt sind noch für sich selbst zu sorgen, dann bekommt das Ganze vielleicht eine andere Richtung. Zum Fluchen weiß ich jetzt gar keine Bibelstelle, aber das könnte damit zusammenhängen, daß der Fluch gegen die Religionsregeln war und die Religion quasi den Bestand der Gesellschaft garantierte (wenn jeder tut, was er will hat man kiene Gesellschaft mehr, sondern lauter Individuen und der Stärkste setzt sich zum Übel aller anderen durch – will auch keiner, außer der Stärkste selbst), war man bei Angriffen darauf empfindlich. Ebenso wie später die Römer, als sie die Christen zum Götzenopfer zwingen wollten, damit der Staatskult nicht geschädigt wurde, weil es sonst nicht viel gab, was das Reich ideell zusammenhielt.

Was die Homosexuellen angeht, fällt mir da nur eine Stelle ein, die die Todesstrafe fordert, und ob es dabei um Homosexuelle geht, ist IMHO mindestens unklar. Es geht womöglich tatsächlich um Analsex, was aber eben keine Homosexualität ist, sondern ein Handeln, daß auch Heteros zur Erniedrigung anderer vollziehen können (soll in Gefängnisduschen öfter vorkommen).

Die Todesforderung gegen Andersgläubige kommt in einem Kommentar weiter unten nochmal, also warte ich erst einmal mit der Antwort darauf.

Allgemein kann man sagen, daß es sich bei den meisten Regelungen um Sachverhalte handelt, die man heute womöglich auch ahnden würde, oder die Ähnlichkeiten mit heutigen Straftaten haben. Die Strafen sind milder geworden, wobei das auch nur für Westeuropa gilt. Woanders gibt es Todesstrafen noch. Wir Westeuropäer lehnen sie inzwischen wohl mehrheitlich ab. Geht mir auch so. Wollte man die Gesetze in der Bibel in unsere Kultur übertragen, müßte man die Strafen entsprechend unserem Verständnis abmildern. Wollte man sie in die laizistischen USA übertragen, müßte man wohl nicht so viel abmildern. Dort gibt es ja auch noch die Todesstrafe. Was die geahndeten Straftaten angeht kann man überlegen, was man damals damit verhindern wollte, daß man es verfolgte und sich überlegen, inwiefern das heute ebenso erstrebenswert wäre. Ich denke, daß der gesellschaftliche Zusammenhalt auch heute noch ein hohes und schützenswertes Gut ist. Gleiches gilt für die Versorgung der Alten udn Schwachen.

Und ganz egal, ob man sich nicht mehr mit ungehorsamen Söhnen rumärgern will oder ob es nur in letzter Konsequenz ist um die Familie zu schützen – es ist in unserer Zeit unmoralisch und würde auch strafrechtlich geahndet.

Was ist unmoralisch? Die Familie zu schützen? Doch wohl kaum! Oder die Todesstrafe? Das ist, wie ich oben bereits schrieb, weltweit noch umstritten. Und wenn man überlegt, wie oft Todesstrafen für Kinderschänder gefordert wird, ist es wohl auch hier noch nicht ganz aus den Köpfen verschwunden. Ich glaube nicht, daß es heute strafrechtlich geahndet werden würde, wenn jemand in einem anderen Land nach den dort gütligen Gesetzen (und um nichts anderes handelt es sich doch wohl!) hingerichtet wird. Es gibt hier zwar allenthalben emotionale Aufschreie, wenn in den USA jemand hingerichtet wird (bei chinesischen oder Saudischen Dissidenten ruft man so laut nicht…), aber es wurde noch kein US Henker bei einem Urlaub in Europa strafrechtlich verfolgt für seinen Job zu Hause.

Andersgläubige töten: Deuteronomium 13, 7 – 16

Sehen wir uns den Text an:

Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, oder dein Sohn oder deine Tochter oder deine Frau in deinen Armen oder dein Freund, der dir so lieb ist wie dein Leben, heimlich überreden würde und sagen: Lass uns hingehen und andern Göttern dienen, die du nicht kennst noch deine Väter, von den Göttern der Völker, die um euch her sind, sie seien dir nah oder fern, von einem Ende der Erde bis ans andere, so willige nicht ein und gehorche ihm nicht. Auch soll dein Auge ihn nicht schonen, und du sollst dich seiner nicht erbarmen und seine Schuld nicht verheimlichen, sondern sollst ihn zum Tode bringen. Deine Hand soll die erste wider ihn sein, ihn zu töten, und danach die Hand des ganzen Volks. Man soll ihn zu Tode steinigen, denn er hat dich abbringen wollen von dem HERRN, deinem Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt hat, auf dass ganz Israel aufhorche und sich fürchte und man nicht mehr solch Böses tue unter euch. Wenn du von irgendeiner Stadt, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat, darin zu wohnen, sagen hörst: Es sind etliche heillose Leute aufgetreten aus deiner Mitte und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Lasst uns hingehen und andern Göttern dienen, die ihr nicht kennt, so sollst du gründlich suchen, forschen und fragen. Und wenn sich findet, dass es gewiss ist, dass solch ein Gräuel unter euch geschehen ist, so sollst du die Bürger dieser Stadt erschlagen mit der Schärfe des Schwerts und an ihr den Bann vollstrecken, an allem, was darin ist, auch an ihrem Vieh, mit der Schärfe des Schwerts.

Ich hab das Relevante einmal hervorgehoben. Es handelt sich mitnichten um schlichte Andersgläubige, sondern um Menschen, die der eigenen, nichtheidnischen Kultur angehören und zum Brechen der Regeln aufrufen. Ich hatte oben auf die Bedeutung der Religion für das damalige Gemeinwesen schon hingewiesen. Wer die Religion verließ, verließ auch das Allgemeinwesen, entzog sich seinen Pflichten in der Gemeinschaft und schwächte sie. In einer Situation der Bedrohung, die wohl als geschichtlicher Hintergrund angenommen werden muß, gleicht der Aufruf zum Götzendienst eher dem Hochverrat. Das modernistisch als freie Religionsausübung mißzuverstehen ist das größte Problem bei der Sache. Bei Hochverrat, zumal im Kriegsfall, sind die Strafen auch bei uns noch recht hoch, selbst für diejenigen, die davon Wind bekommen und es nicht anzeigen. Klar, Todesstrafe gibt es in der BRD nicht mehr, in anderen Ländern aber schon. So unmoralisch wie Du es darstellst, ist die Sache daher nicht.

Natürlich haben wir heute Religionsfreiheit (zum Glück, sonst würden einige Idioten schon lange dran arbeiten, Religion ganz zu verbieten), wir sehen den Religionswechsel nicht mehr als Hochverrat an, weil unsere Gesellschaft sich nicht mehr über die Religion definiert, sondern über die freiheitlich-demokratische Grundordnung etc. Wer darauf Anschläge vorhat und zu ein bißchen Folter oder ein bißchen Diktatur aufruft, wird ebenfalls scharf bestraft.

Später im Text ist auch die Rede davon, daß in einer Stadt Götzendienst aufgetreten ist. Das sind dann aber immer noch keine alteingesessenen Heiden. Die gibt es nach der biblischen Erzähllogik in den Städten ursprünglich nicht. Was also an Götzendienst aufkommt, muß im Rahmen von hochverräterischen Tätigkeiten entstanden sein.

Sklaverei: glaubst du dass Jesus nicht auch schon vor 2000 Jahren davon überzeugt war, dass Sklaverei menschenrechtswidrig ist? Warum hat er nicht einfach gesagt: Schluss damit! Er hat doch auch andere revolutionäre Ideen eingebracht.

Jesus lebte vor 2000 Jahren, da gab es noch keine Menschenrechte, und das Konzept an sich dürfte den Menschen auch recht fremd gewesen sein. Was wäre geschehen, wenn die Sklaven mit einem Schlag freigelassen worden wären? Sie wären mit einem Schlag zur Klientel ihrer bisherigen Herren geworden, wären immer noch von ihnen abhängig gewesen, kurz: Die Vorteile wären überschaubar gewesen. Womöglich deshalb hat Jesus etwas ganz anderes getan: Das Evangelium verkündet und die Nächstenliebe gelehrt, was auf lange Sicht dazu führte, daß die Sklaverei trotzdem abgeschafft wurde und was noch das Potential zu viel mehr hat. Davon, de jure frei zu sein, hat ein Mensch noch nicht viel. Er muß auch die Möglichkeit haben, mit seiner Freiheit etwas anzufangen. Jesu Verkündigung ermöglichte selbst den Unfreien, frei zu sein, ihre restliche Freiheit stärker zu nutzen, als die meisten Freien das konnten.

Einerseits ist es für mich eine völlig absurde Vorstellung dass sich ein Offenbarungs-Gott so missverständlich oder unklar ausdrückt, dass man 2000 Jahre später noch diskutieren muss, was er eigentlich gemeint hat.

Wenn die Merkel heute etwas sagt, dann fängt sofort danach die Diskussion an, was sie damit meint. Durch den zeitlichen Abstand wird das sicherlich nicht besser. Wieso sollte das bei Gott anders sein. Das Problem ist hier nicht Gott, es sind die Menschen. Find Dich damit ab, Menschen sind so.

Ein Gott, der sich uns offenbaren will macht das so, dass wir das alle unmissverständlich verstehen – und zwar für alle Zeiten – ein Gott kann das!

Klar kann Gott das. Tut Er auch. Ich denke schon, Mandy hat Ihn verstanden, soweit Er sich ihr offenbart hat. gleiches gilt für mich. Was Du nicht tun darst ist der Fehler zu mienen, Du hättest mitder Bibel die Offenbarung in der Tasche. Gott kann sich durch die Bibel offenbaren, aber nicht so, daß Du das mit Dir herumtragen könntest. Offenbarung ist ein Ereignis, das in den meisten Fällen sehr privat ist. Wenn Gott sich Dir offenbaren will, wird Er das tun. Und dann wirst Du, was das betrifft, auch keine Fragen mehr haben. Das bedeutet nicht, daß Du dann Seinen Masterplan kennst. Er sagt Dir grad immer so viel, wie Du brauchst.

Und andererseits verstehe ich nicht woher du die Gewissheit nimmst, dass du etwas Bestimmtes von Gott verstehst und was anderes nicht? Du schreibst du akzeptierst, dass du Gott nie komplett verstehen wirst. Woher weisst du dann dass du nicht die Bergpredigt völlig falsch verstanden hast und mein Zitat eh richtig? Mir scheint das nicht schlüssig.

Es geht nicht um Schlüssigkeit. Schlüssig wäre objektiv nachvollziehbar. Ich schreib schon, Offenbarung geschieht individuell, persönlich, subjektiv. Objektiv ist da nicht viel zu holen. Gott läßt sich nicht in dei Karten sehen, zumindest nicht bisher. Vielleicht ändert Er das ja mal. Kannst ja dafür beten, wenn Dir was dran liegt.

Ich denke, damit habe ich alle Deine Fragen aus dem Kommentarstrang bei Mandy behandelt.

Michael:

Unserer menschlicher Verstand ist nunmal das einzige Werkzeug, das wir haben, um die Welt zu verstehen.

Nein, es gibt noch die Offenbarung. Das leuchtet dann plötzlich ein und ergibt Sinn, ist aber schwer zu vermitteln. Es ist mit dem Verstand nachvollziehbar, aber nicht herleitbar.

Wenn wir diesen nicht nutzen können, um zu entscheiden, ob es gut/ schlecht ist, wie Gott hier gehandelt hat, wie sollen wir es dann beurteilen?

Willst Du die Bibel beurteilen oder Gott? Für die Bibel benutze Deinen Verstand, benutze, was Dir offenbart wurde, benutze, was Du hast. Für Gott? Laß das. Was soll es Dir bringen, Gott zu beurteilen? Wieso sollte Dir das zustehen? Wieso erachtest Du Dich überhaupt als kompetent dazu? Nee, die Sache läuft andersrum. Er beurteilt uns. Er kann das auch, weil Er uns kennt und weiß, wie wir so drauf sind und all das. Umgekehrt ist das nicht gegeben.

„Hey, du kannst deinen Verstand nicht nutzen, um zu entscheiden, ob wir die richtige Religion sind. Du MUSST uns glauben, auch wenn sehr vieles im Widerspruch zu anderen Dingen steht. Aber eine kleine Warnung noch: Wenn du uns nicht glaubst, werden wir dich ganz schrecklich bestrafen und leiden lassen. Daher glaub uns einfach und wir belohnen dich sogar.“

Das klingt für mich ziemlich stark nach Erpressung mit Gewaltandrohung und ist so ziemlich das Verhalten, was Diktatoren auf diesem Planeten im Laufe der Geschichte immer wieder demonstriert haben.

„Wehe du gehorchst mir nicht, dann wird das ganz üble Folgen für dich haben. Ich lasse dir zwar die Option dich zu entscheiden, ob du mir gehorchen willst oder nicht, aber wenn du es nicht machst, dann heisst es ab in die Folterkammer.“

Nicht, daß ich so denken würde, aber was, wenn es so wäre? Was könntest Du tun, außer meckern? Nix, Du müßtest Dich fügen, oder mit den Konsequenzen leben. Böse Welt. Und was war jetzt Dein Argument?

Die wichtige Frage lautet daher immer: Wie wahrscheinlich ist es, dass ich hiermit recht habe?

Beobachtung, eh? Dann mal los: Ich beobachte, daß es rund 2 Milliarden Christen gibt auf der Welt, etwa 1,5 Milliarden Muslime, rund eine Milliarde Hindus und dann noch eine nicht geringe Zahl anderer religiöser Menschen. Die meisten kennen sich offenbarende Gottheiten und viele berichten selbst von entsprechenden Erlebnissen. Dem steht eine verschwindend geringe Anzahl an Menschen gegenüber, die sowas rudn heraus ablehnt und negiert. Wie wahrscheinlich ist, daß deren ausbleibende Beobachtung die Realität besser abbildet als die Beobachtungen der vielen vielen Gläubigen?

Bei mir hat das Lesen der Bibel genau das Gegenteil bewirkt. Ich bin als Christ aufgewachsen und erzogen worden, Sonntagschule, Jungschar,… und das volle Programm, aber die Bibel von der ersten Seite bis zur letzten zu lesen und die vielen Widersprüche und Greueltaten zu entdecken, hat dazu geführt, dass ich diesen Glauben abgelegt habe.

Ich weiss, dass viele Christen denken, dass sie mit einer „guten Nachricht“ kommen, wenn sie jemandem von Jesus erzählen. Aber sie können sich nicht vorstellen, wie die Geschichte auf nicht-Gläubige wirkt.

Wie jetzt? Erst schreibst Du, Du hättest den Glauben nach dem Lesen abgelegt, und dann schreibst Du davon, wie das Buch auf Nichtgläubige wirkt. Entweder es wirkte auf Dich als Gläubigen, oder Du sagst, daß Dein Glaube auf irgend eine Weise nicht „echt“ war. Was denn nun? Und vor allem: Was hast Du erwartet zu finden, als Du die Bibel gelesen hast?

So wirkt die Erlösungsgeschichte für Personen, die nicht an die Bibel glauben, bzw. nie davon gehört haben.

Mir ist schon klar, daß manche Christen das wirklich so rüberbringen. Ist Dir klar, daß das ne ganz üble Verdrehung der Sache ist, und daß es viele geben, die da nen anderen Ansatz haben? Schon mal was von Derek Flood gehört? Der schreibt da auch nen Blog drüber.

Ihr habt euch nicht für die friedlichste und fürsorglichste Religion entschieden, welches der Jainismus ist (zwar auch absoluter Quatsch, aber mit Sicherheit um Welten friedlicher als das Christentum).

Mißt man das in Litern oder in Pascal, die Friedlichkeit einer Religion?

Ich schätze bei den meisten hiess das Kriterium: Meine Eltern haben mich von klein auf indoktriniert und ich habe es nie wirklich hinterfragt (die Bibel lehrt uns ja auch, wie schlecht natürlicher menschlicher Zweifel ist, gell Thomas).

Wird der Zweifel des Thomas kritisiert? Es wird lediglich festgestellt, daß er glaubt, weil er gesehen hat und dann werden diejenigen selig gepriesen, die nicht sehen und doch glauben. Das bedeutet aber nicht, daß diejenigen, die nicht ohne zu sehen glauben verflucht würden, das stünde dann da. Nein, Jesus kam ja extra nochmal, um auch Thomas zu überzeugen. Was den Zweifel sonst angeht: Paulus schreibt: Prüfet alles, und das Gute behaltet. Hast Du alles geprüft, oder erwägst Du nur die contra Seite zum Glauben?

Und um einen englischen Biologen zu zitieren:

„Der biblische Gott ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober, rassistischer, Kinder und Völker mordender, größenwahnsinniger, sadomasochistischer, launisch-boshafter Tyrann.“

Und ja, ich kann für jede Eigenschaft eine passende Bibelstelle liefern.

Jaja, der Dawkins… hoffentlich hat er in Bio mehr drauf… Klar kannst Du zu jeder Eigenschaft ne passende Bibelstelle finden. Und ich für die Gegenteile. Was mich wundert ist ja, daß Leute wie Dawkins evangelikale Christen für ihre Art, die Bibel zu lesen (nämlich wortwörtlich) kritisieren und es selbst keinen Deut anders machen. Und dann wundern sie sich, wenn man sie genau so ernst nimmt, wie die anderen Biblizisten, nämlich gar nicht.

Wie würde eine Erde aussehen, auf der es keinen Gott geben würde?

Nun ja, in der DDR galt der wissenschaftliche Humanismus als Leitidee, in der BRD gab es noch freie Kirchen. Wo war es besser? Auf die ganze Welt gesehen: Schwer vorstellbar, selbst die DDR hatte ja noch Kirchen, und der Sozialismus hatte auch seine Heilslehre. Der Mensch kann nicht ohne Gott. Ob er ihn so nennt, steht auf einem anderen Blatt. Selbst Dawkins und Konsorten haben mit ihrer Spielart des Atheismus ne eigene Religion inklusive Heilslehre. Die kommt sogar recht fundamentalistisch rüber…

Aber wie erwähnt, ich bin bereit sofort meine Meinung zu ändern und für einen allmächtigen Gott wäre es ein einfaches mir solche Hinweise zu geben.

Wie fies, daß Er nicht nach Deiner Pfeife tanzt…

Wenn Christen in der Geschichte nicht gegen Personen anderer Religionen gekämpft haben (von Juden über Moslems zu südamerikanischen und afrikanischen Stämmen), dann haben sie sich gegenseitig die Köpfe eingehauen, wessen Interpretation des gleichen Buches wohl die richtige ist.

Und als es keine Christen waren, sondern ägyptische, keltische oder römische Polytheisten, schlugen sie einander auch die Köppe ein. Liegt wohl mehr an den Menschen als an den Christen. Sogar Atheisten sollen schon in Kriegen angetroffen worden sein. Also liegt es wohl auch nicht am Phänomen der Religion.

Deshalb haben sich die damiligen Kirchenoberhäupter zusammengesetzt und beschlossen, was in diesen Teil der Bibel reinkommt, wie gesagt, 400 Jahre nach Jesu Tod.

Nein. Der Bibelkanon hat sich entwickelt. In mehreren Schritten. Klar hatten Bischöfe da mitgemischt, aber kein Bischof konnte ein Buch reinbringen, einfach weil er es toll fand. Und die Schriften im NT sind allesamt älter als von 400 nach Christus, die Schriften, die es nicht in die Bibel schafften, sind mehrheitlich jünger als die Schriften im NT.

Soweit erst mal.

Theologie

Der Dekalog

Es ist schon ein paar Tage her, da hatte Muriel einen Artikel über die 10 Gebote geschrieben, der mich ein wenig ärgerte. Ich hatte wenig bis gar nicht argumentiert in meinen Kommentaren, weil ich keine große Diskussion wollte, nur auf andere Sichtweisen hinweisen. Muriel hat das (zu Recht) kritisiert, daher möchte ich mir jetzt die Zeit nehmen, etwas ausführlicher auf seinen Artikel einzugehen.

Für Muriel sind die 10 Gebote „ganz fürchterlicher Unfug“. Er trifft auf Unverständnis, wenn er das äußert und hat deshalb besagten Artikel geschrieben, um in Zukunft darauf verweisen zu können, falls er mal wider in so eine Situation kommt.

Im Artikel geht er dann an den Geboten entlang und schreibt jeweils, was daran für ihn Unfug ist. Mein Probem damit, weshalb ich dann kommentierte war, daß Muriel so mit dem Text umging, als handle es sich um einen Text des 21. Jahrhunderts für Menschen des 21. Jahrhunderts, statt auf die Situation der historischen Verfasser und Adressaten einzugehen. Insofern Muriel ein Problem mit der Biblizistik hat, geht es mir nicht anders. Darum soll es hier nicht gehen. Ursprünglich schrieb Muriel auch folgendes:

Ich diskutiere Texte nicht im Kontext der Zeit ihrer Entstehung, weil er mich nicht interessiert.

Damit wäre eigentlich alle Diskussion beendet gewesen. Will man die 10 Gebote als heutigen Text, der an heutige Menschen gerichtet ist, verstehen, gibt es durchaus einige wichtige Kritikpunkte. Aber, ohne das jetzt nochmal überprüft zu haben, gehe ich davon aus, daß Gleiches auch für die Deklaration der Menschenrechte, die US Unabhängigkeitserklärung und was man sonst noch so als modernere „gute“ Texte in Anschlag bringen will. Selbst unser Grundgesetz hat mit seinem Gottesbezug nicht nur Freunde…

Nun hat Muriel aber später folgendes geschrieben:

Ich weiß, ich hatte geschrieben, dass der mich nicht interessiert, und eigentlich weiß ich ja auch schon, dass wir in Bezug auf deine Religion argumentativ völlig inkompatibel sind, aber du hast mich jetzt doch neugierig gemacht, wie du es für dich hinbekommst, auch nur eines dieser Gebote in ihrem historischen Kontext für ein Musterbeispiel weiser und guter Gesetzfindung zu halten.

Ob man jetzt von weiser und guter Gesetzfindung sprechen sollte, naja. Die wurden laut Text ja nicht gefunden, sondern offenbart. Aber sie sind zumindest, aus ihrer Situation verstanden, kein Unfug.

Ein wenig Hintergrund und Kontext: Die Zehn Gebote ergehen laut Exodusbuch als direkte Gottesrede an das Volk Israel, das grad aus Ägypten geflohen und am Schilfmeer dem Pharao und seinen Truppen entkommen war. In dieser Situation nun kamen sie am Berg Sinai an und wurden von Gott gefragt, ob sie Ihm weiterhin folgen wollen, was die Ältesten (als Vertreter de Volkes) bejahen (steht alles in Ex 19). Erst danach spricht Gott zum Volk die „10 Worte“. Diese sind Konsequenz aus der Zustimmung Israels, Gottes Eigentum (sic!) zu sein und von Ihm zum Volk von Priestern gemacht zu werden. In spanischen Bibelübersetzungen kann man das auch daran ablesen, daß die zehn Gebote im Futur stehen (no matarás etc.), also „Du wirst nicht…“. Das entspricht dem Hebräischen Urtext nicht weniger als die deutsche Übersetzung mit „Du sollst nicht“. Das Hebräische benutzt die Präformativkonjugation unter anderem für die Zukunft und für den Jussiv. Die griechische Bibel (Septuaginta) hat übrigens auch das Futur, nicht den Jussiv.

Geht man nun von der erzählten Geschichte weg und sieht in die historisch-kritische Forschung, so geht man heute davon aus, daß die 10 Gebote eine Zusammenfassung der später genannten Gesetzeskorpora sind. Diese Gesetzeskorpora stammen aus verschiedenen Zeiten und stehen einfach so nebeneinander. Diese Gesete sollten die Rechtsordnung sein, in der dann nach dem Exil das Volk Gottes mit diesem Gott leben sollte, um nicht nocheinmal eine solche Katastrophe wie das Exil zu erleben. Das Exil wurde dabei als Konsequenz aus dem als „gottlos“ empfundenen Handeln der Israeliten und Judäer vor dem Exil angesehen.

Diesen Hintergrund erachte ich als nicht unwichtig bei der Beurteilung der 10 Gebote. Ich will nun Muriels Argumentation Schritt für Schritt durchgehen und alternative Ansichten aufzeigen:

Das erste Gebot […] sagt uns also, dass wir Jahwe Elohim als unseren HERRN zu akzeptieren und keinen anderen zu haben haben. Warum das Unfug ist für einen Atheisten muss ich nicht erklären, oder? Und sogar aus Sicht von jemandem, der an die Existenz dieses Gottes glaubt, sollte zumindest prinzipiell einleuchten, dass unbedingter Gehorsam gegenüber einer besonderen Autorität nicht unbedingt eine besonders gut entwickelte Moral demonstriert.

Wie gesagt richten sich die 10 Gebote an Menschen, die sich vorher zu Gott bekannt haben. Atheisten sind nicht im Blick und wer sich hier als Atheist angesprochen fühlt, ist selbst schuld. Hier wird der Monotheismus deklariert, der die Grundlage bildet für die weitere biblische Erzählung, der aber auch Grundlage für die Gesellschaft nach dem Exil sein sollte. Als einer der Gründe für die Zertörung Samarias und Jerusalems wurde der Polytheismus angesehen. Das sollte nun anders werden. Unfug ist das nicht, höchstens irrelevant für jene, die dem ersten Satz (ich bin der Herr, Dein Gott) nicht zustimmen können. Diese Irrelevanz kann man natürlich für Nichtjahweverehrer immer in Anschlag bringen. Sie bedeutet aber noch keinen Unfug.

Was den unbedingten Gehorsam angeht: Wer irgendwelchen „objektiv wahren Prinzipien“ folgt oder zu folgen sucht tut letztlich auch nichts anderes. Alles was hier gesagt wird ist: Wenn Jahwe Gott ist, dann will Er auch alleine verantwortlich sein. Er ist kein Teamspieler. Er behauptet zumindest zu wissen, was gut ist und was nicht. Dem kann man folgen, dann trifft zu, daß Er Herr und Gott ist, folgt man dem nicht, sind die Gebote als Gebote dieses Gottes komplett irrelevant so wie für mich irendweche Forderungen Thors, Allahs oder des Gesetzbuches der Russischen Föderation irrelevant ist.

Ähm … Aha. Ich soll also keiner Bilder und keine Gleichnisse herstellen von irgendwas. Wohlgemerkt, es geht hier keineswegs nur um Jahwe selbst oder irgendwelchen besonders heiligen Kram, was schon albern genug wäre. Es ist uns ausnahmslos verboten, überhaupt Bildnisse zu erstellen. Wieso? Siehe Gebot 1.

Nochmal kurz den Hintergrund: Bildnis bedeuet hier Götterstatue. Man soll also nicht ne Stierstatue aus Gold machen und sagen: Das ist mein Gott. Wie gesagt: Bedingung ist das soeben genannte: Wenn Jahwe der Gott und Herr ist. Stimmt man dem nicht zu, kann man sich so viele Insekten und Vögel als Statuen aufstellen und sich tagtäglich davor niederwerfen und von ihnen Heil und Hoffnung erflehen. Hat dann aber mit Jahwe nicht mehr viel zu tun. Darum geht es hier.

Ähh… Wäre ich jetzt nie drauf gekommen. Ich soll also keine anderen Götter neben Jahwe haben, und ich soll keine Bildnisse machen. Und außerdem soll ich aber auch keine Bildnisse als Götter haben. Gut, dass er uns das noch mal erklärt hat. Ist ja nicht so, dass er den Platz auf den Tafeln für andere Sachen hätte gebrauchen können, zum Beispiel sowas wie “Du sollst übrigens bitte auch keine anderen Menschen versklaven, wenn’s sich irgendwie vermeiden lässt.” oder “Ach so, Vergewaltigung ist auch nicht cool.”, oder auch nur “Hab ich schon erwähnt, dass deine Kinder nicht dein Eigentum sind und du nicht das Recht hast, sie zu schlagen, Teile von ihnen abzuschneiden, sie ohne ihre Zustimmung zu verheiraten oder sie sonstwie zu misshandeln?”

Offenkundig wurde der Platz dafür nicht gebraucht, sonst hätte es ne dritte Tafel gegeben 😉 Ich sehe jetzt einmal die Frage nach dem Götterstatuen haben und diese anbeten als abgehandelt an. Wie ist es nun mit Vergewaltigung, Sklaverei und Eigentum an Kindern? Sicher, ein allmächtiger, allgütiger und allwissender Gott hätte all das problematisieren können. Ebenso, daß Homosexuele auch Menschen mit Rechten sind, daß es Hexen nicht gibt und auch wenn man das meint sie nicht verbrennen darf, und daß man keine Steuern hinterziehen soll oder Optionsgeschäfte mit Nahrungsmitteln machen… Um alles aufzuschreiben bräuchte man dann wohl wirklich ein ganzes Gebirge. Wie waren denn die Lebensverhältnisse damals? Der Vater der Familie hatte tatsächlich das Eigentum an Frau und Kindern. So gesehen gab es in der Ehe erst einmal gar keine Vergewaltigung, übrigens auch bei uns bis vor kurzem nicht, das ist noch nicht lange strafbar und das Bewußtsein, daß es sich dabei um etwas Schlimmes handeln könnte dürfte auch nur wenig älter sein.

Wurde eine Frau vergewaltigt, so war der leidtragende nach damaligem Verständnis eben der Vater oder Ehemann, weil sein Besitz geschädigt wurde, so pervers es sich für heutige Ohren anhört. Das Thema Vergewaltigung dürfte also, soweit es sich nicht um Vergewaltigung innerhalb der Ehe handelt, unter „Du sollst nicht stehlen“ oder „Du sollst nicht ehebrechen“ oder „Du sollst nicht begehren“ subsummiert sein. Häte Gott das anders tun können? Sicher, aber wer sagt, daß Gott die Bibel selbst geschrieben hätte?

Wie ist es mit der Sklaverei? An sich ne furchtbare Sache, aber was ist der gesellschaftliche Hintergrund, bzw. was ist die Alternative? Alle Sklaven freilassen? In den USA war das geschehen, und 100 Jahre später war ihre Situation realiter nicht viel besser, auch wenn sie de jure frei waren. Da tut das Sabbathgebot mehr, denn am Sabbath soll auch der Sklave nicht arbeiten, seine Last wird gemildert. Natürlich wäre es besser, wenn alle Sklaven frei wären und Land hätten, um für sich selbst zu sorgen. Sie hatten es jedoch nicht. Daneben muß man natürlich bedenken, daß die Sklaven nicht minder Eigentum des Familienvaters waren als Frauen und Kinder, also die gesellschaftlichen Verhältnisse andere waren, als wir sie heute voraussetzen. Gut war das sicher nicht, aber was hätte eine Freiheitsproklamation für Sklaven gebracht damals? Und ja, auch hier war wie sonst auch Gott nicht Autor der Bibel. Es waren damalige Menschen, die an Gott glaubten. Daß es keine Sklaverei geben soll ist eine recht moderne Ansicht, auch wenn schon in der Genesis zu lesen ist, daß der Mensch an sich gottebenbildlich ist…

Misshandlung ist auch so ein Problem. Was ist Misshandlung? Wir werden in vielen Puntken absolut übereinstimmen, in anderen nicht. Manche halten religiöse Erziehung für Misshandlung, andere die Benutzung von Stoffwindeln statt moderner Platikwindeln. Mancher sieht kein Problem bei nem Klaps auf den Hintern, andere rufen das Jugendamt. Viel hängt von der jeweiligen Zeit ab, anderes vom jeweiligen Individuum. Hier wird es immer Streit geben. Aber alles das sind eigentlich Punkte, die zur zweiten Tafel gehören, während wir uns noch auf der ersten Tafel befinden.

Reizend. Wenn jemand also unseren HERRN nicht ausreichend lieb hat, dann rächt er sich nicht nur an ihren Kindern (die natürlich nichts dafür können), sondern auch noch an deren Kindern, und den Kindern von diesen Kindern, also an Leuten, die die Leute nicht mal kannten, die ihm irgendwas getan haben, indem sie ihn nicht genug verehrt haben.

Das ist wieder so ein Übersetzungsproblem (Luther allgemein und dan noch die 1912er Revision ist jetzt nicht unbedingt besonders wortgetreu). Ich hab grad ne Predigt dazu schreiben müssen, deshalb ist mir das noch etwas präsent: „Heimsuchen“ bedeutet hier „untersuchen“. Sprich: Wenn die Eltern was verbocken, überprüft Gott, ob die Kinder das auch tun. Und nach ein paar Generationen kommt dann die „Strafe“. Also wenn wir im 19. Jhd. angefangen haben, Kohlendioxid in Massen in die Atmosphäre zu blasen, dann wird es irgendwann zur Katastrophe kommen. Die Kinder haben also etwas getan, und zwar genau das Gleiche, was die Eltern taten. Den Autoren geht es hier um die Götzenverehrung. Die war ja nach damaligem Verständnis das Problem, wieso man ins Exil kam, weil schon damals alle Könige immer wieder den Götzendienst geschehen ließen und Gott prüfte und prüfte und irgendwann dann das Gane beendete.

Hier ist zum Beispiel ein Prinzip, dem man etwas abgewinnen kann, auch heute noch: Wenn man immer nur das tut, was die Elterngeneration tat, ohne selbst nachzudenken, was gut ist und was nicht, dann schaufelt man sich unter Umständen sein eigenes Grab. Ob jetzt über die Luftverschmutzung oder über die Atomkraft oder über den Kapitalismus tut sich letztlich nicht viel.

Soso. Wenn wir ihn lieben und uns an seine Regeln halten, dann ist er barmherzig. Sonst nicht. Wie ich sagte: Reizend.

Wenn ich mich recht entsinne ist eine andere Übersetzung „Treue“. Gott hält zu denen, die zu Ihm halten. Alle anderen haben sich selbst außerhalb Seines Segens gestellt. Muriel wird wohl kaum Gott, an den er nicht gaubt, die Schud dafr geben, wenn ihm etwas Schlimmes passiert. Außerdem: Es wird nicht gesagt, daß Gott den anderen nciht treu wäre. Kann durchaus passieren. Aber dennen die selbst treu sind, wird Treue versprochen.

total fuchsteufelswild wird, wenn jemand Jehova sagt

Es geht wohl eher um Beschwörungen udn andere magische Praktiken mit Hilfe des Namens eines Gottes. Namen wurde damals ja auch ine spezielle Kraft zugesprochen. Solche Praktiken sollten aufhören. Wie ein Atheist damit ein Problem haben kann, erschließt sich mir nicht ganz.

Zweitens wird das Gebot nicht rational begründet, sondern so, wie liebende und perfekte und allwissende und weise Väter es eben machen: “Tu was ich dir sage, weil sonst schaller ich dir eine!”

Um was es dabei ght kann man als bekannt voraussetzen. So ist das ja auch bei den „ich schaller Dir eine“ oft der Fall. Das Kind weiß genau, wieso es nicht mit dem Feuer spielen soll, oder wieso es sein Geschwisterchen nicht piesaken soll. Felt die Einsicht, kommt die Gewalt. Die verstehen alle. Man kann nun überlegen, ob es nicht doch noch ne Möglichkeit gegeben hätte, Einsicht zu erzeugen, aber manchmal ist es doch besser, dem Kind das Feuer aus der Hand zu schlagen als die Sache über dem brennenden Vorhang auszudiskutieren. Und diese ganzen Beschwörungsgeschichten sind ja auch nicht ganz ungefährlich, so psycholoisch gesehen und so weiter…

Sie lehren keine Moral, sie sind kein vernünftiges Gesetz, sie sind eine Sammlung von Vorschriften eines bekloppten eifersüchtigen Monsters, die man aus Angst vor dessen grausamer Strafe befolgen soll.

Sie lehren die Bedingungen für die von den Israeliten gewünschte Zuwendung Jahwes, um sie zum Priestervolk zu machen. Gott muß und will nicht überzeugen. Die Angesprochenen sind schon überzeugt, wie oben ausgeführt. Ja, argumentiert wird nicht, aber bisher ist alles auch recht gut aus dem Monotheismus heraus erklärbar, da braucht es keine große Erklärung.

Jede Menge Leute missbrauchen jeden Tag den Namen des HERRN, und niemand glaubt meines Wissens auch nur ernsthaft, dass die bestraft werden. Nicht mal die großen Kirchen.

Beschwörungen im Namen Jahwes kommen so häufig wohl nicht vor, aber ich bin auch nicht so in okkulte Zirkel eingebunden. Ob Okkultismus jetzt so positiv für die eigene Psyche ist, also ob diejenigen, die den Namen mißbrauchen, wirklich ohne Probleme davonkommen, das könnte man durchaus einmal eingehender überlegen.

Man darf am Sabbat nicht arbeiten, weil … der HERR es halt gerne so hätte.

Dem Verbot der Feiertagsarbeit kann ich durchaus was abgewinnen, ganz unabhängig von Gott ud der Bibel. Den Gewerkschafte scheint es ähnlich zu gehen, bei aller Kritik, die sie sonst so an den Kirchen leisten… 😉 Und ja, da wird nicht argumentiert. In dem Zusammenhang ist Gott das beste Argument, das wie mehrmals geschrieben nur dann gilt, wenn man diesen Gott anerkannt hat.

ob eine solche Höflichkeitsfaustregel in die Top Ten der wichtigsten moralischen Regeln gehört.

Nochmal Zeitkontext: Damals gab es keine Rentenkassen. Beim ehren ging es nicht darum, den Omas über die Straße zu helfen. Es ging ganz krass um das tägliche Brot. Die Eltern nicht zu ehren bedeutet in dem Zusammenhang, die armen Leute verhungern zu lassen, weil die ja schon zu alt sind, noch zu arbeiten. Es geht nicht um Höflichkeit, und es betrifft irgendwann so ziemlich jeden. IMHO gehört das durchaus in die Top Ten.

Das Konsensgebot, dem kaum mal jemand ernsthaft widerspricht, dabei ist es auch kein gutes.

Seh ich anders [sc. es geht um das töten/morden]. Es gibt genug Menschen, die widersprechen würden, sonst würde niemand niemanden töten. Selbst wenn man es als „morden“ auffasst, was ich für zutreffender halte. Was „morden“ bedeutet ist recht klar, das kann man im jeweiligen Gesetzbuch nachschlagen. Die Zehn Gebote sind ja kein ausführliches Gesetz sondern eher sowas wie die Prinzipien der folgenden Gesetze. Was „Mord“ ist, wäre dort nachzuschlagen. Und ein Gesetz deshab für überflüssig zu halten, weil eh alle zustimmen würden, ist durchaus blauäugig. So gesehen bräuchte man quasi gar keine Gesetze mehr.

Pfff… Joa, klar, wenn ich einem anderen Menschen was verspreche, sollte ich es im Allgemeinen wohl halten. Wie das fünfte Gebot eine nicht ganz abwegige Faustregel, aber ich hätte halt sowas wie “Du sollst andere Leute nicht abschlachten, nur weil sie ein anderes Buch für heilig halten als du.” oder “Hey, Sklaven halten ist doch keine so gute Idee, jetzt wo ich nochmal drüber nachgedacht habe.” schon für wichtiger gehalten.

Die Ehe konstituiert die Familie. Und die ist in Zeiten, in denen die Staatlichkeit verloren ging (Exil!) und wohl auch die Sippen nicht mehr funktionieren die letzte Struktur, die Sicherheit gibt. Wird diese nun etwa durch Ehebrch auch noch aufgelöst, stehen die Menschen alleine da. Das „Abschlachten“ wurde ja vorher schon verhandelt und die Sklaverei ist zwar schlimm, betrifft aber keine so zentrale Institution wie die Ehe.

Wie “Du sollst nicht morden.” Das Gebot setzt für seine Verständlichkeit bereits die Einsicht in das Unrecht der verbotenen Handlung voraus und enthält damit keine Information.

Wer sagt denn, daß das Wörtchen „stehlen“ schon impliziert, daß es sich um etwas Unrechtes handelt? Ich meine, das ist nicht gegeben, und daher ist das Gebot sinnvoll. Durchaus auch in Kontexten, die mit Gott nicht viel zu tun haben. Diebstahl untergräbt der Vertrauen der Menschen zueinander, und das schwächt eine Gruppe, worunter schließlich alle wieder leiden.

Wenn ich Angst habe, dass Landau sonst mich und meine ganze Familie hinrichten lässt, ist das was anderes, aber ich glaube, darum gehts Jahwe hier nicht.

Seh ich auch so. Es geht nicht ums „Lügen“, sondern um das falsche Zeugnis. Und wo bezeugt man etwas? Vor Gericht! Falsch Zeugnis wider den Nächsten bedeutete also: Meineid. Und auch hier gilt: Auch wenn uns allen klar ist, daß das ganz pöhse ist ist es trotzdem nicht verkehrt, das festzuschreiben und klarzustellen. Denn auch das ist zentral. Unrecht im größeren Rahmen stützt sich immer wieder auf Falschaussagen vor Gericht. So höhlt man Rechtsstaaten aus. Falschaussagen vor Gericht haben nie etwas Gutes, während Sklaverei, wenn die Sklaven nicht als solche, sondern als gleichberechtige Mitmenschen behandelt werden, durchaus besser ist als sonst. Falschaussagen sind nie besser, weil sie das System an sich in Frage stellen.

Erstens: Warum nicht? Es schadet niemandem, wenn ich nach irgendwas gelüste, außer vielleicht mir selbst, weil es mich vielleicht frustriert, wenn ichs nicht kriege, aber die Gebote sind ja meines Wissens nicht als Ratschläge für Wohlbefinden gedacht, sondern als Gesetze, deren Nichtbefolgen harte Strafen nach sich zieht.

Weil es die Gemeinschaft untergräbt. Wenn Du neidisch auf Deinen Nachbarn bist, dann wirst Du ihm nicht auf gleicher Augenhöhe begegnen können. Oder, um es mit Meister Yoda zu sagen: Erforsche Deine Gefühle.

Zweitens: Ich kann mir sowieso nicht aussuchen, wonach es mich gelüstet. Das Ding ist also ähnlich sinnvoll wie ein Verbot von … was können wir mal als möglichst abwegiges Beispiel nehmen? Ach ja: Sagen wir, ein Verbot bestimmter sexueller Vorlieben. Hihi. Albern, oder?

Es gibt in der Bibel auch so alberne Forderungen wie die nach der Liebe. Gefühle und ihre Konzeptionen im AT werden im Moment grad genauer erforscht. Es sieht jedenfalls so aus, als ob das alles nicht so ist, wie wir das heute sehen. Da ist beim Lieben ein Tun mit gemeint. Wenn man jemanden lieben soll, dann soll man nicht einfach irgendwelche netten Gefühle haben, ohne etwas zu tun. Gleiches dürfte für das Begehren gelten. Du kannst natürlich nichts dazu wenn Du siehst, daß Dein Nachbar ne neue Playstation hat und Du denkst: Die hätt ich auch gern! Du kannst aber davon abstrahieren und Dir klarmachen, daß Du nicht genau die willst, die er im Wohnzimmer stehen hat, sondern eine andere, und daß Du die legal im Geschäft beziehen willst, und nicht per Stein durch Scheibe – einstecken – wegrennen.

Das sind die Dinger, von denen viele, auch Atheisten, uns immer wieder einzureden versuchen, sei seien die Basis unserer Moral, unserer modernen Gesetze, unserer Kultur, unserer Ethik und von Wasweißichwassonstnoch.

Das sid se, ja, und ich kann denen in ihrer Situation durchaus etwas abgewinnen. Ich meine, daß damit ganz gute Regeln zusammengestellt sind (wenn auch nicht begründet außer im behaupteten Willen Gottes), die für eine Gesellschaft auch zentral sind. Auf der einen Seite ist dies ein gemeisames Prinzip, an dem sich alle ausrichten sollen. Bei den Zehn Geboten ist das Gott. Im modernen Staat kann Gott das nicht sein, weil auch Andersreligiöse (inklusive Atheisten und Agnostiker) im Staat wohnen, also braucht man nen gemeinsamen Nenner. Aber die Absicherung dieser Prinzipien durch bestimmte Regeln, die gegen andere Prinzipien sprechen, ist sicherlich nicht verkehrt. Dann braucht es noch ein paar Regeln für das Zusammenleben: Nicht morden, nicht stehlen, kein Meineid, Schutz der gesellschaftlichen Grundstruktur (hier Familie) durch Schutz der Ehe und der Alten und am Ende noch der Hinweis, nicht seinen Begierden in Bezug auf den Besitz anderer einfach so nachzugeben. Darauf kann man ne Gesellschaft aufbauen. Natürlich sieht unsere Verfassung heute etwas anders aus. Aber ne Analyse, inwieweit diese Prinzipien auch dort Beachtung finden, dürfte durchaus etwas zu Tage fördern. Ich hab für die Analyse leider keine Zeit, aber vielleicht fühlt sich wer anders berufen? Einfach in den Kommentaren reinschreiben oder verlinken 😉

Glaube

Meditation zur Karfreitagsandacht

Die heutige Andacht endete im Chaos. Der Tod Christi, als Gottes, stürzt die Welt ins Chaos, und zwar unbedingt und auf jeden Fall.

Da es sicher nicht wenige Menschen gibt, die dem widersprechen möchten, will ich kurz klarstellen, wie ich das meine.

Denn freilich kann angeführt werden, und das wird es ja auch immer wieder, daß es zum christlichen Glauben auch Konkurrenzprodukte gibt, daß auch Nichtchristen eine Moral haben können und gut sind.

Dem will ich gar nicht widersprechen. Atheisten, Muslime, Pastafaris: Sie alle können Gutes tun und tun es auch. Doch das ist hier nicht die Frage. Es geht nicht um einen Vergleich zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften nach dem Motto „Deutschland sucht den Supersaubermann“. Denn würden Nichtchristen per se amoralisch handeln, müßte nicht erst Gott sterben, damit es zum Chaos kommt. Dann müßten die Nichtchristen allein schon zu Gottes Lebzeiten für Chaos sorgen.

Statt dessen geht es um eine Innenperspektive, und die hat jeder. Der Christ, dessen Gott stirbt, an dem er alles ausgerichtet hatte, der verliert die Orientierung, für den wird alles relativ. Das gilt übertragen für alle anderen Gruppen auch, selbst für Atheisten, doch in der Karfreitagsandacht geht es in erster Linie um die Christen, ist j auch ein chritlicher Feiertag.

Stirbt der Orientierungspunkt in der Welt, geht dieser verloren, so geht notwendig die Orientierung verloren, und das Chaos kommt durch, auch wenn man sich noch ne Weile an bestimmte Konventionen hält, die eigentlich leer sind, da der Orientierungspunkt fehlt.

Eine Welt bricht zusammen. Buchstäblich. Und viele Menschen werden über kurz oder lang – denn keiner hält es im relativistischen Chaos lange aus – in eine andere Welt einziehen, andere Orientierungspunkte suchen. Dann sind sie eben keine Christen mehr, sondern Muslime, Atheisten oder was auch immer.

An dem Punkt, wo die Welt zusammenbricht, standen die Jünger Karfreitag. Und das vergegenwärtigen sich Christen jedes Jahr an diesem Tag. Und dann kommt Ostern, aber soweit sind wir noch nicht.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 10. April 2012

Ostern ist vorbei, ich bin noch etwas müde, morgen geht es zurück an den Studienort, bleibt noch etwas Zeit, die liegengebliebenen Netzfunde der letzten Tage zu bringen.

Eric Djebe hat zum leeren Grab geschrieben, und sein Punkt mit den Frauen hat durchaus etwas für sich.

Der Geier schreibt zum palästinensichen Volk und meint, dies existiere nicht. Dazu will ich selbst nicht viel sagen, sondern Uri Avnerys Entgegnung zur Thematik verlinken.

Mandy hat über die Auferstehung, die Scheidung und die Frage, was nach dem Tod passiert, geschrieben.

Auf dem Hellbound Blog gibt’s nen Artikel über die Sünde. Es geht darum, daß die Sünde unser Problem ist, und nicht Gottes Problem. Wert zu lesen. Im nächsten Artikel soll es darum gehen, was uns zum Sündigen antreibt. Man darf gespannt sein.

Der Herr Alipius schreibt von seinem ersten Ostern als Priester.

Michael Blume schreibt über Judas Iskariot und die Wissenschaftlichkeit von Jura. Er bringt einen interessanten Punkt (auch für die Theologie), indem er von Orietierungswissenschaften spricht.

Nick Baines schreibt davon, wie Jesus die Sache mit der Macht anscheinend ganz falsch verstand. Die Betonung liegt auf „anscheinend“. Und er hat seine Osternachtspredigt veröffentlicht.

Bei peregrinatio gibt’s ein „Politbarometer“ zur Popularität Jesu zwischen Palmsonntag und Karfreitag. Viel interessanter ist noch der dortige Artikel über den Fundamentalismus und seine Beheimatung in der Moderne.

Christian Spließ schreibt über die Aktionen gegen das Tanzverbot am Karfreitag, wobei ich rauszulesen meine, daß er weniger ein Problem mit der (offenen) Diskussion über die Abschaffung des Tanzverbots hat, als mit der Art, in der die Sache beworben wird…

Wolfgang Vögele macht auf eien NZZ Artikel aufmerksam und die Tatsache, daß Vorentscheidungen Einfluß auf Konsequenzen haben. Auch beim Thema Gott und Glauben. Außerdem schreibt er über Gerechtigkeit und Nächstenliebe.

Zoe hat beim Gehn-Test über den Unterschied zwischen dem Oberflächlichen und dem Inneren geschrieben, und daß die meisten Menschen leider nur letzteres sehen.

Walter Jungbauer schreibt über das römisch-katholische Nein zur Priesterinnenweihe und das grundsätzliche Problem der päpstlichen Unfehlbarkeit.

Melissa hat eine neue Serie gestartet, und im ersten inhaltlichen Teil geht es um Transsexualität, die Unkenntnis darüber in fundamentalistischen Kreisen und die daraus entspringenden Fürchte. Ich bin gespannt auf die weiteren Teile, und ich habe größte Hochachtung vor Melissas Offenheit.

Muriel setzt sich mit der Frage einer nach römisch-katholischem Verständnis moralisch vertretbaren Fruchtbarkeitsuntersuchung auseinander.

Und zum Schluß hab ich noch nen Artikel von Stefan Schleim über Kreditkrise, Wirtschaftsboom, Unsicherheit und Flexibilität.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Vierten

Das ist der vierte Teil (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil) der Reihe zum glaubereal-Artikel über schwule Pfarrer.

Im ersten Teil ging es um Vorüberlegungen.

Im zweiten Teil stand im Mittelpunkt, in wie weit ein Pfarrer eine herausragende Position oder Verantwortung hat. Ergebnis war hier, daß der Pfarrer in der Tat eine höhere Verantwortng hat aufgrund seiner Position, daß er aber auch normaler Mensch ist, der wie alle anderen Fehler machen kann. Zu dieser Frage kam es dann noch zu einem weiteren Artikel über Paulus, als Spin-Off sozusagen.

Im dritten Teil stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gott zu „sexuellen Sünden“ steht. Ergebis war, daß zumindest die Andeutungen im glaubereal-Artikel sich weniger auf das Sexuelle der Sünden bezogen, sondern darauf, daß es sich um Götzendienste handelte. Der Götzendienst, also der Verstoß gegen das erste Gebot, ist seinerseits aber durchaus eine besonders schlimme Sünde, weil sie Grundlage aller anderen Sünden ist.

Nach all diesen Klärungen können wir uns nun dem Hauptthema zuwenden, der Homosexualität. Ich halte es für wichtig, zwei Ebenen hier auseinanderzuhalten.

  1. Die Frage, ob es eine Sünde ist, überhaupt homosexuell zu sein.
  2. Die Frage, ob es eine Sünde ist, homosexuelle Handlungen auszuführen
    a) in jedem Fall.
    b) wenn sie zum Spaß (also aus hedonistischen Gründen ohne Bindung) getan werden.
  3. Die Frage, ob nur bestimmte homosexuelle Handlungen sündig sind, andere jedoch nicht.

Ich denke Punkt 1 läßt sich relativ frei beantworten. Mir ist kein Bibeltext bekannt, noch irgend eine Kirche, die allein das Empfinden, also das sich hingezogen fühlen zu einer Person gleichen Geschlechts, als Sünde deklarieren würde. Die konservativsten Positionen die ich kenne, haben kein Problem damit, wenn der (oder die) homosexuell empfindende zölibatär lebt. Eine „Heilung“, wie sie mancherorts angeboten werden, richtet sich an diejenigen, die kein zölibatäres Leben führen können oder wollen.

Auch wichtig ist mir hier festzuhalten, daß die Liebe zwischen zwei Menschen nicht an ein Geschlecht gebunden ist. Als Jonathan stirbt, sagt David, seine Liebe hätte ihm mehr bedeutet als Frauenliebe (2. Sam 1, 26). Es ist also nichts Verkehrtes daran, als Mann einen Mann zu lieben. Selbst David tat das, ohne daß es kritisiert wurde (im Gegensatz zu seiner „Liebe“ zur Frau des Uria).

Ich halte diesen Punkt für wichtig, festzuhalten. Er führt nämlich weiter zu der Frage, wie eine Beziehung zwischen zwei Männern zu bezeichnen ist, die auf gegenseitiger Liebe aufbaut, aber nciht sexuell ist. Was wäre, wenn ein Pfarrer mit einem Mann zusammenwohnen würde, ihn lieben würde, aber eben jeder in seinem Bett schliefe?

Ich will diesen Gedanken nur ansprechen und jedem zm eigenen Überdenken empfehlen. Denn wenn an den homosexuellen Gefühlen nichts Falsches ist, wenn auch David, der ja als heterosexuell gelten muß (oder höchstens Bi, sonst würde ja die Szene mit Batseba nicht stattgefunden haben), die Liebe eines Mannes über die der Frauen schätzte, dann wäre gegen ein zölibatär zusammenlebendes Paar Männer (oder Frauen) im Pfarrhaus nichts einzuwenden.

Punkt 2 hat zwei Unterpunkte. Ich möchte doch zuerst einmal den Textbefund klären, af den die Ablehnung der Homosexalität aufgebaut wird. Im glaubereal-Artikel werden folgende Bibeltexte genannt:

  • 3. Mose 18, 22 & 20, 13 (beide Stellen sind ziemlich identisch)
  • Röm 1, 26-27

Und ich bin der Meinung, damit sind alle auch nur in Frage kommenden Stellen genannt. Alle Stellen, die sonst noch vorkommen, haben recht wenig mit Homosexualität zu tun. Bei der Geschichte von Sodom und Gomorrah wird immer wieder ein derartiger Zusammenhang hergestellt, weil die Menschen von Lot verlangten, die Boten rauszugeben, damit sie „erkannt“ würden. Nun bedeutet „erkennen“ ja bekanntlich durchaus „Sex haben“ im AT, es bedeutet aber eben auch erkennen. Und wenn da Unbekannte in eine Stadt kommen und bei einem Zugezogenen einkehren, dann kann es durchaus ein Interesse daran geben, diejenigen zu erkennen, also herauszufinden, um wen es sich handelt und ob es vielleicht feindliche Spione sind.

Auch werden oft Passagen aus den Briefen genannt, die sich gegen Knabenschänder und Lustknaben richten. Aber auch hier geht es um etwas anderes. Die Lustknaben waren junge Männer, die bei älteren Männern in die Schule gingen und etwa in Philosophie, aber ach Kampf unterrichtet wrden. Also alles was man damals so als junger Grieche zu wissen hatte. Die älteren Männer hatten so ihre Lustobjekte. Auch spielten Geschenke von den alten an die junge Männer eine gewisse Rolle. Es waren also Abhängigkeitsverhältnisse, es war Sex gegen Bezahlung, eigentlich Prostitution. Daß das in der Bibel verurteilt wird, hat mit Homosexualität nichts zu tun.

Allerdings gab es in der Antike auch kaum homosexuelle Beziehungen, wie wir sie heute haben. Also Beziehungen auf Augenhöhe, die in der Liebe zueinander gründen, und nicht in Geschenken, Unterricht oder Lustgewinn.

In Rom war es beispielsweise für einen freien Mann verpönt, eine homosexuelle Beziehung zu einem anderen Freien zu haben. Beziehungen zu Sklaven waren kein Problem.

Das führt uns zur Römerbriefstelle:

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen17 haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,

Deswegen hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr in den unnatürlichen verwandelt,
und ebenso haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen, sind in ihrer Begierde zueinander entbrannt, indem die Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.

Zuerst fällt einmal auf, daß der Text mit „deswegen“ beginnt. Eigentlich geht es los in V22: „Da sie sich für Weise hielten…“. Was wird also gesagt? Paulus schreibt, daß die Menschen Gott durchaus erkennen konnten, aber Gott den Schöpfer mit dem Geschöpf vertauscht haben und statt Gott nun lieber Bildnisse angebetet haben. Und darauf folgt dann, daß Gott sie straft, indem sie Mann mit Mann und Fra mit Frau Schande treiben läßt etc. Hier ist also die homosexuelle Handlung eine Strafe Gottes. Sie taten, was nciht recht ist (V 28) und waren voll von Ungerechtigkeit nd Schlechtigkeit etc… (V 29ff).

Wichtig scheint mir, das Wort Begierde zu sein, bzw. Leidenschaften. Ich frage mich, was hat Paulus vor Augen? Ich denke wieder an die Beziehungen zwischen dem jungen und dem alten Mann in der griechischen Welt. Möglicherweise standen Erzählungen über Sappho Pate für den Teil, wo es um die Frauen geht.

Und damit hat Palus in Rom sicherlich Erfolg, ist der Verkehr zwischen zwei Freien doch dort verpönt. Wie dem auch sei, Paulus setzt hier jedenfalls voraus, daß das, was beschrieben wird, negativ ist, nicht nach Gottes Willen. Er argumentiert damit, in Rom denkt man ähnlich wie im zeitgenössischen Judentum über homosexuelle Praktiken, also kann er auf Zustimmung hoffen.

Trotzdem geht es eben um Begierde, und nicht um den Sex in einer auf Dauer angelegten Beziehung. Es geht um Lustgewinn, und dieser ist als Grundlage für Sex eben auch bei Heterosexuellen nicht ausreichend. Für unser Problem trägt diese Stelle also recht wenig aus. Sie bestätigt uns, daß Sex aus reiner Begierde zwischen Gleichgeschlechtlichen verkehrt ist.

Ein wenig anders sieht es aus bei den Levitikusstellen:

Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

So steht es in Lev 18, 22. Krasser noch Lev 20, 13:

Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.

Es geht also darum, beim Manne zu liegen wie bei einer Frau. Festzuhalten ist zuerst einmal: Hier geht es um eine bestimmte Form des geschlechtlichen Verkehrs, der verboten wird. Es geht nicht um die Liebe zwischen zwei Männern oder zwischen zwei Frauen, die verboten werden soll. Das entspricht dem, was ich oben schon schrieb.

Die Frage stellt sich nun, was denn genau gemeint ist mit „beim Mann liegen wie bei einer Frau“? Im Hebräischen ist es dann noch unklarer, da ist nämlich davon die Rede, daß man nicht bei Männlichem liegen soll. Es ist also nicht die Rede von einem Mann, sondern von etwas Männlichem. Wieso diese Unterscheidung? Wieso steht da nicht zweimal Mann? Wieso einmal „Männliches“? Handelt es sich etwa um keinen richtigen Mann? Das muß dunkel bleiben.

Eine andere Frage taucht auf: „wie mit einer Frau“. Im Hebräischen (und auch in der griechischen Übersetzung) steht genauer „Bettlager der Frau“ oder auch „Geschlechtsverkehr der Frau“. Das Wort für Bettlager kann auch Geschlechtsverkehr heißen (wobei es mir scheint, als ob im Hebräischen die Bedeutung „Lager“ häufiger ist, im Griechischen die Bedeutung Geschlechtsverkehr). Wieso diese Beschreibung?

Eine weitere Frage taucht auf: In der Geschichte von Sodom und Gomorrah ist die Rede davon, daß die Männer der Stadt die Fremden „erkennen“ wollen. Wieso, wenn es um ein generelles Verbot de sexuellen Verkehrs mit Männern geht, wird dieser Begriff hier nicht gebraucht?

Auch an anderen Stellen, wo Mann und Frau Sex miteinander haben, ist die Rede vom Hinlegen. Aber nicht die besondere Betonungs des Bettlagers oder Geschlechtsverkehrs der Frau. So stellt sich mir die Frage, ob hier vielleicht auch gemeint sein könnte, daß man nicht im Ehebett mit einem Mann schlafen soll, also quasi die Frau betrügen mit einem Mann, und ihr damit die Chance auf ein Kind nehmen.

Was genau gemeint ist, bleibt im Dunkeln. Jedenfalls sieht alles danach aus, als ob es sich um eine bestimmte Situation oder eine bestimmte Art des Verkehrs handelt. Nicht verboten wird die Liebe zwischen zwei Männern. Nicht verboten wird der Kontakt, soweit er nicht „Geschlchtsverkehr der Frau“ ist. Verboten ist alleine das, was unter diesen dunklen Begriff fällt, der nicht mit dem allgemeinen „erkennen“ ausgedrückt wird und ach nicht nur mit „beieinander liegen“. Will man die Bibel ernst nehmen, muß man diese Abweichungen ernst nehmen.

Sieht man sich den Kontext an, so geht es bei all den Fragen im Umfeld sowieso nicht um irgend eine Moral, sondern um die Reinheit. Die Völker, die vorher im Land waren, haben all das getan, und haben sich damit kultisch unrein gemacht. Das Land sollte aber rein sein, deshalb mußte auch das Volk, das einwanderte, also die Israeliten, rein sein. Es geht also um einen kultischen Kontext. Darauf weist auch der Begriff Greul hin.

Wer sich also an diese Gesetze hält, der muß logischerweise auch all die anderen Reinheitsgebote halten, denn das eine macht so unrein wie das andere. Dies steht aber widerm im Widerspruch zum NT, in dem gesagt wird, daß Heidenchristen, also wir alle, nicht an das Gesetz der Juden gebunden sind. Paulus hatte sogar Tischgemeinschaft mit den unreinen Heidenchristen, obwohl er selbst ein Judenchrist war.

Abschließend läßt sich also sagen, daß es Paulus im Römerbrief nicht darum geht, über die Homosexualität eine Aussage zu machen, sondern sie als Beispiel nahm für etwas (zumindest) zum damaligen Zeitpunkt bei ihm sowie den Adressaten als negativ Verstandenes. Darüber hinaus spricht er von Begierden und Leidenschaften, die auch bei heterosexuellen Menschen nicht Grund für Sex sein können, solange keine Übernahme von Verantwortung dazukommt.

Im AT gibt es eine Stelle, die in zwei Versen vorkommt, einmal noch mit einer Todesdrohung. Was mit der Formlierung gena gemeint ist muß für uns heute dunkel bleiben. Jedenfalls wird eine bestimmte Praxis genauer benannt, denn anders sind die speziellen Wörter kaum zu erklären.

Darüber hinaus geht es um Reinheit, also ein kultisches und nicht um ein moralisches Ideal. Wer daran festhält, muß am ganzen Gesetz festhalten. Uns Heidenchristen ist das jüdische Gesetz aber laut NT nicht auferlegt. Demnach haben diese Gesetze für uns keine Relevanz. Genasowenig wie Paulus es für sich als relevant erachtete, keinen Umgang mit den Heiden zu haben. Er hatte ihn, er aß mit ihnen, er kritisierte sogar Petrus, als der mal so mal so tat (Gal 2). Es handelt sich um ein Gebot für die Israeliten für das Land.

Für uns hier und heute, die wir Beziehungen von Homosexellen auf Augenhöhe kennen, richtet es nicht viel aus. Für Homosexuelle gilt wie für Heterosexuelle, daß eine sexuelle Beziehung in Verantwortung geführt sein muß. Das leitet sich aus der Nächstenliebe her. Spaß einfach so ist nicht zu haben, dabei bleibt immer jemand auf der Strecke auf lange Sicht. Liebe kann jedoch nicht verkehrt sein. Egal, wer nun wen liebt.

Das einzige, was man vielleicht mutmaßen könnte, wäre der Verbot bestimmter sexueller Handlungen (und dann auch nur für die, die das ganze Gesetz halten, inklusive Beschneidung und Schweinefleischverbot!). Es ist jedoch fraglich, welche Praxis gemeint ist und selbst wenn man es wüßte, würde wohl niemand auf die Idee kommen, Kameras im Schlafzimmer installieren zu wollen, um zu sehen, ob sich auch alle schön an das Verbot halten.

Und aus all den dargelegten Gründen seh ich kein Problem darin, wenn zwei Menschen, die einander lieben und füreinander Verantwortng übernehmen, Sex miteinander haben. Egal welchen Geschlechtes sie sind.

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Ehe

Angesichts der verbissenen Kämpfe (vor allem in den USA, aber das kommt hier auch noch) um die Ehe zwischen religiösen Traditionalisten („between one man and one woman“) und liberalen Gruppen stellt sich mir immer mehr die Frage, wie geht man damit um. Dabei geht es mir hier vorerst nur um die Ehe vor dem Staat, die Zivilehe also. Wie die Religionsgemeinschaften dazu stehen und damit mgehen, ist eine andere Sache. Vielleicht werde ich mich zum Bereich der evangelischen Kirchen auch noch einmal dazu äußern, wer weiß.

Die Zivilehe jedenfalls scheint mir immer weniger Sinn zu ergeben, in Zeiten wo immer mehr Menschen keine lebenslange Partnerschaft eingehen wollen oder können, in der eine Partnerschaft nicht unbedingt bedeutet, Kinder haben zu wollen, in der moderne Formen der Aufgabenverteilung im Haushalt praktiziert werden und nicht zuletzt auch bisher marginalisierte Formen der Partnerbeziehung auf immer breitere Akzeptanz stoßen. Vor allem denke ich hier an homosexuelle Paare, aber auch etwa an polygam lebende Menschen, immerhin haben wir eine starke muslimische Minderheit in Deutschland, man hört aber auch von nichtreligiösen Menschen, die Polygamie praktizieren.

Angesichts dieser Breite an Partnerschaften in der Gesellschaft frage ich mich: Wozu Zivilehe? Wozu soll eine Form des Zusammenlebens (oder auch der Sexualität?) vom Staat bevorzugt werden?

Zwei Gründe fallen mir ein, beide recht altbacken:

  1. Zum Schutz der Kinder aus einer Partnerschaft bedarf es einer staatlich geschützten Form des Zusammenlebens der Eltern, durch Steuervorteile und andere finanzielle Rechtsansprüche bevorzugt.
  2. Zum Schutz der Frau, die zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert, soll der arbeitende Ehemann verpflichtet sein, ach nach einer Trennung für den Unterhalt zumindest mit aufzukommen.

Beide Gründe passen recht wenig in unsere Zeit. Die Kinder können durch andere Rechtsformen geschützt werden als durch die Zivilehe. Ehen werden geschieden und es kommt zu immer mehr Patchworkfamilien. Kinder werden aufgezogen von Alleinerziehenden oder auch dem Partner eines Elternteils. Es gibt unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Wozu eine herausheben und staatlich fördern? Auch die Frau, die zu Hause bleibt, während der Mann das Mammut jagt das Geld verdient ist eine aussterbende Art. Einerseits aufgrund der immer schlechteren Job- und Lohnsituation in Deutschland, andererseits auch aufgrund der Emanzipation. Frauen bleiben nicht zu Hause bei Herd und Kindern sondern machen erfolgreich in der Wirtschaft Karriere. Die Aufgaben im Haushalt sind nicht mehr verteilt nach Geschlechterrollen, sondern werden von den Partnern immer freier ausgehandelt.

Ich denke, angesichts all dieser Veränderungen zu „früher“, gibt es keinen Grund mehr, an der Zivilehe festzuhalten. All das, was durch die Ehe früher rechtlich geregelt war, kann in anderem Rahmen geregelt werden. Ein Zusammenleben von Paaren kann durch Verträge geregelt werden. Wenn einer zu Hause bleibt und der andere die Karriere macht, kann durch Vertrag geregelt werden, wie und unter welchen Umständen Unterhaltszahlungen fällig werden oder ähnliches. Ich vertraue da auf die Kreativität der Anwälte.

Nebenher wäre dann solch ein „Ehevertrag“ (der wohl durchaus auch zwischen Menschen gleichen Geschlechts geschlossen werden oder auf die Bedürfnisse von polygam lebenden Menschen zugeschnitten werden kann – ohne irgendwelche moralischen Beigeschmäcker) das Dokument, das die Partnerschaft besiegelt, man hätte also mit dem Gang zum Notar (oder wo unterschreibt man sowas, ich kenn mich da nicht aus?) auch sowas wie einen Zeitpunkt, den man privat dann auch durch Feiern ausgestalten kann. Nebenbei würde der Vertrag mehr und mehr zur Normalform, was auch der Sicherheit beider dient, wenn man vernünftig an die Sache ran geht. Heute gilt das Verlangen, einen Ehevertrag zu unterschreiben, doch eher als mindestens unromantisch, wenn nicht als Mißtrauensbeweis. Religiöse und andere Gruppen könnten Musterverträge anbieten, die ihrer Vorstellung von Partnerschaft entsprechen. So könnten ach Ordensleute und Priester durch ähnliche Verträge abgesichert werden und könnten auch sagen, sie sind mit Gott verheiratet wie andere mit ihrem Partner.

Bleibt noch eine Sache zu bedenken: Artikel 6 GG schreibt den Schutz von Ehe und Familie fest. Doch laut Wikipedia handelt es sich hier vor allem um einen Reflex auf die Ehegesetze der Nazis, die in der Umsetzung ihres Rassenwahns sogenannte „Mischehen“ auflösten und verboten. Es geht also um den Schutz der Partnerschaft vor staatlichen Eingriffen. Das geht auch ziemlich deutlich aus dem Text des Art. 6 GG hervor. Ohne Zivilehe gäbe es jedoch auch weniger Möglichkeiten zumindest formaljuristischer Eingriffe. Absatz 5 würde gar gegenstandslos, da es ohne (Zivil-) Ehe auch keine „außerehelichen Kinder“ mehr gibt.

Ich habe sicher einige Punkte übersehen und manches nicht ganz zu Ende gedacht. Vieles muß sicher noch im Detail betrachtet werden. Aber der Gedanke, die Zivilehe als Relikt einer vergangenen Zeit abzuschaffen, scheint mir denkens- und veröffentlichungswert, deshalb freue ich mich auch über Kommentare dazu.