Gesellschaft, Glaube, Kirche

Nachhilfe in Nächstenliebe?

Im aktuellen Kirchenboten steht ein Kommentar von Charlotte Lisador, der auch online zu lesen ist. Sie befasst sich damit, wie in sozialen Medien immer wieder Einzelfälle aufgegriffen werden, um angebliche Allgemeinheiten zu verkünden. Etwa straffällige Migranten, die dann als Alibi für latenten Faschismus Hiergeborener herhalten müssen.

Was mich angesprochen hat, war der letzte Absatz ihres Textes:

Glücklicherweise sind die meisten, die sich an dieser eigentlich sinnlosen Debatte beteiligen, vernünftige Menschen, die sich gegen solche hirnlosen Parolen auflehnen. Doch sollten sich vor allem auch die Kirchen, die sich auf die Fahnen schreiben, für Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit einzutreten, am öffentlichen Diskurs der sozialen Medien stärker beteiligen. Vielleicht wäre das eine passende Aufgabe für die evangelische Jugend, die mit Facebook, Twitter und Co. ­vertraut ist und sich solchen Themen unmittelbar nähern kann. Nachhilfe in Sachen Toleranz und Nächstenliebe würde einigen Facebook-Nutzern ­sicher nicht schaden.

Mir schwebt da immer vor, daß man Fakten sammelt und diese Spinner widerlegt. Allerdings sind die oft beratungsresistent, und Fakten müssen ja auch erst einmal als solche anerkannt werden. Um das zu verhindern, gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien, auf die man zurückgreifen kann.

Aber von Widerlegungen oder dergleichen schreibt Frau Lisador auch nichts. Sie schreibt von Nachhilfe in Sachen Nächstenliebe. Und die geht nicht rein intellektuell, vor allem da, wo es offenbar keine intelligiblen Gründe sind, die den Ausländerhaß (nein, es sind keine verständlichen Bedenken unbescholtener Bürger, was wir die letzten Tage erlebt haben) verursachen.

Man müßte es schaffen, gleichzeitig die eigene Ablehnung gegen die dummen Parolen klar zu machen, und den Menschen zuzuhören um herauszufinden, wieso sie so denken, wie sie denken. Meine Vermutung ist, daß ganz reale Ängste dahinter stecken. Und dann muß man wohl versuchen, diese Ängste zu bearbeiten, und gleichzeitig dafür sorgen, daß die Leute gegenüber den Flüchtlingen empathiefähig werden.

Das wäre in der Tat eine Monsteraugabe nicht nur für die Evangelische Jugend, sondern für die Kirche insgesamt, zumal viele der Hetzer oder zumindest der Mitläufer selbst Kirchenglieder sein dürften.

Was meint Ihr? Wie stellt man so etwas auf die Beine? Wo fängt man an, in welche Richtung soll es dann gehen? Wie findet man Mitstreiter? Wie vernetzt man sich?

Allgemein

Mission

Die Mission ist ja so ein Thema, das heutzutage kaum Popularität besitzt in landeskirchlichen Kreisen. Wobei, das stimmt nicht ganz, es gab vor ner Weile mal ein paar offizielle Verlautbarungen zur Mission, daß man die als wichtig ansieht und so fort. Aber daß davon groß etwas in den Gemeinden angekommen wäre kann ich jetzt nicht sagen. Oder es ging an mir vorbei.

Das liegt wohl einerseits an der unsäglichen Geschichte der Mission. So kam es immer wieder dazu, daß Menschen zur Taufe gezwungen wurden, man spricht da auch von Schwertmission. Die Vermischung mit der politischen Ebene spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle, so hat etwa Kaiser Karl, genannt „der Große“, von den vom ihm unterworfenen Sachsen die Taufe verlangt. In dem Fall spiele eine große Rolle, daß dies die Unterwerfung unter eben jenen Kaiser bedeutete, und seine Kirche. Karl hatte übrigens einen Hoftheologen, Alkuin, der Kritik äußerte. Aber wer hört schon auf die Theologen, wenn wichtigere Interessen auf dem Spiel stehen?

Ein anderer Grund, wieso die Landeskirchen beim Thema Mission nicht ganz so im Vordergrund stehen liegt vielleicht an der Abgrenzung gegenüber evangelikaleren Richtungen. Dort führt man die Mission zumindest gefühlt ständig im Munde, und wendet es auch auf Konzepte an, die man schwerlich unterstützen würde, als Landeskirchler. Man hält sich also lieber zurück. Nichts desto trotz gibt es Missionsgesellschaften, die den Landeskirchen nahe stehen. Man schickt dort aber selten Missionare aus, um „die Heiden“ in fremden Weldteilen zu bekehren (wir haben ja auch genug Nichtchristen hierzuland), sondern betreibt eher Entwicklungshilfe.

Aber zurück zu den evangelikaleren Gruppierungen. Dort werden durchaus Missionare ausgesendet, mitunter auch mal in arabische Länder, wo diese dann zu Tode kommen, und hinter allem steht das Ziel, Jünger zu machen, also Nichtchristen (manchmal werden von den fraglichen Gruppen auch Katholiken und Orthodoxe dazugezählt) zu Christen zu machen.

Von den Konzepten solcher Gruppen las ich gerade kürlich wieder in zwei Artikeln englischer Blogs, deren Autorinnen selbst als Missionarinnen nach Südostasien gingen. Sie kennen also das Terrain. Bei Laura geht es darum, wie Missionare versuchen, an die Kinder der Leute heranzukommen, indem man ihnen eine bessere Zukunft verspricht und sie in eigene Schulen bringt, freilich ohne daß es die Eltern etwas kostet, wo die Kinder dann zu Christen erzogen werden. Lana berichtet davon, daß die Menschen Material für den Hausbau bekamen und eine Schulbildung für die Kinder, nur daß sie dafür einmal pro Woche eine einstündige Predigt hören mußten. (für alle die Englisch können sind beide Blogs übrigens sehr zu empfehlen)

Es entspann sich vor allem bei Laura eine Diskussion darüber, ob und inwieweit das okay sei, sich so auf die Kinder einzuschießen.

Die eine Seite (zu der auch ich gehöre) hatte ein Problem damit, daß die Kinder indoktriniert werden und die Eltern entmündigt. Und daß das Evangelium quasi Handelsware, ja noch schlimmer, Bürde wurde. Das Evangelium wurde zu dem Frosch, den die Leute schlucken mußten, wenn sie Hilfe bekommen wollten.

Die andere Seite pochte auf den Missionsbefehl und daß die Menschen verloren wären, wenn sie nicht das Evangelium hörten und sich bekehrten. Stünde doch ganz klar in der Bibel.

In der Diskussion habe ich mich zum ersten Mal seit längerem mit dem Thema Mission auseinandergesetzt und reflektiert, wie ich Mission gut fände.

Ausgehend von der Situation, die in den Artikeln beschrieben wird: Arme Menschen, die teilweise hungern und um Hilfe bitten, bin ich der Meinung, daß das erste, was ein Christenmensch tun sollte ist, Hilfe zu bieten.

Die Hungrigen speisen, die Kranken pflegen. Diese Dinge, also alles, was wir unter Diakonie fassen würden, aber nicht nur institutionalisiert wie hier in Deutschland, sondern auch konkret dem gegenüber, der an die Tür klopft.

Das geschieht nach Aussage von Lana und Laura auch. Aber: Ich denke, das sollte man tun, ohne darauf zu schlielen, wann man jetzt seinen Sermon von der Heilstat Jesu ablassen kann um den Hilfesuchenden vor die Wahl zu stellen: Bekennst Du nun Christum als Deinen Herrn?

Was würde der Hilfesuchende wohl tun? Mit den Lippen bekennen, weil man vielleicht irgendwann wieder Hunger hat und sich nicht die Chance verbauen will, noch einmal Hilfe zu bekommen? Wohl möglich. Oder ehrlich sein sich zum Buddhismus bekennen? Was sollte das nützen? (Womöglich sieht man das mit der Verleugnung der eigenen Religion im Buddhismus auch gar nicht als so schlimm an wie wir im Christentum, aber das weiß ich nicht)

Es besteht also eine wunderbar hohe Chance, daß die Angesprochenen, alleine um konform zu sein und nicht anzuecken, mitspielen. Zumindest, so lange sie sich davon etwas versprechen.

Eien Kommentatorin mit Namen Anna hat bei Laura davon berichtet, daß Jugendprojekte ganz schnell wieder einbrechen und Lana berichtete wo anders davon, daß in Südostasien die Gemeinden oftmals praktisch aufhören zu existieren, wenn die westlichen Missionare wieder verschwinden und das Christentum keinen materiellen Vorteil mehr bringt.

Deshalb denke ich, auch wenn mir mehrfach entgegengehalten wurde, daß wir das Evangelium verkünden müssen, daß in den Situationen, wo jemand zu uns kommt und um Hilfe bittet, es unsere Pflicht und Schuldigkeit als Christen ist, diesem Kind Gottes zu helfen so gut wir können, ohne zu versuchen einen Profit für uns dabei rauszuschlagen, indem wir anfangen zu evangelisieren. Denn damit ziehen wir die Liebe in Zweifel, die wir eigentlich zeigen wollen und sollen. Sie verkommt zum Lockangebot in einem Kuhhandel: Ich geb Dir essen und Du singst meine Kirchenlieder. Nein! Wer Hilfe sucht soll Hilfe bekommen, ohne seien Religion wechseln zu müssen oder auch nur mit der Frage danach konfrontiert zu werden!

Das bedeutet nicht, daß man nicht verkündigen soll. Was spricht dagegen, jeden Tag einen Gottesdienst zu feiern und jeden, der sich interessiert, zu empfangen? Was spricht dagegen, wenn der Hilfesuchende danach fragt, wieso man diese Hilfe gewährt (vielleicht auch schon über längere Zeit), auf Christus zu verweisen? Steht nicht Christus und Seine Liebe hinter jeder Hilfe, die wir Christen geben? Aber eben: Kein langer Sermon, einfache Antworten auf einfache Fragen. Die Fragen werden kommen, man muß geduldig sein. Und dann liegt es an Gott, einem die richtigen, kurzen Antworten zu geben und das Interesse zu wecken, daß der Betreffende vielleicht irgendwann auch im Gottesdienst oder einer Bibelstunde erscheint. Nicht, weil er irgendwleche Konformitäten erfüllen will oder gar genötigt wurde, sondern weil er selbst es will und sich selbst interessiert.

Das bedeutet sicherlich viel mehr Aufwand. Und viel mehr Unsicherheit. Aber wie viel Sicherheit hat man denn, wenn man jedem gleich das Evangelium um die Ohren haut, der nicht schnell genug davonkam? Man kann sich vielleicht einreden, alles getan zu haben, was man konnte. So nach dem Motto: Gott kann mir nichts vorwerfen, ich hab getan was geht, um Jünger zu machen. Das wäre erstens ein werkgerechter Ansatz (was schon per se wenig evangelisch und damit wohl auch nicht evangelikal wäre) und zweitens erinnert es ein wenig an den Pharisäer im Tempel, der meint, er sei nicht so schlecht wie der Zöllner, der ja gar kein guter Mensch sein könnte…

Christus sagte uns, wir sollten Jünger machen, Er sagte nicht, daß wir dazu kurz das Evangelium umreißen sollen und dann hoffen, daß das schon irgendwie genug sei. Was er aber auch forderte war Liebe für den Nächsten und selbst für den Feind. Das tut sonst keiner und wird auch immer wieder in Gesprächen mit Atheisten als Punkt vorgebracht, der absolut unsinnig sei. Ja, für Atheisten muß das wohl so aussehen. Aber genau deshalb wird es auch irgendwann Fragen provozieren.

Wenn man ein Stück Land bearbeiten will, kann man ja auch nicht einfach die Samenkörner zwischen die Hecken werfen. Das heißt, man kann schon, aber der Ertrag wird geringer sein, als wenn man das Land erst einmal rohdet, die Steine entfernt, pflügt, also quasi: Es urbar macht. Ich denke so muß man auch die Menschen erst einmal auf das Evangelium vorbereiten. Und meine Überzeugung ist, daß dies eben durch Liebesdienste geschieht, die eben nicht danach fragen, wie die Situation nun ausgenutzt werden kann, um das Evangelium anzubringen (vordergründig, um Gott einen Gefallen zu tun, hintergründig dann vielleicht doch eher: um sich selbst besser zu fühlen. Als ob Gott unter Zeitdruck stünde udn Ihm nicht andere Personen zur Verfügung stünden, um dem Menschen das Evangelium zu bringen).

Man muß dabei ein wenig mehr Spannugn aushalten. Denn wenn man möglichst früh den Sermon abläßt, steht es danach eben bei Gott, man hat selbst erst einmal seinen Teil getan. Wenn man auf Fragen wartet, dann muß man sich so lange auch zurückhalten, muß darauf warten, daß Gott in dem Menschen das Interesse weckt. So lange kann man „die Sache“ auch nicht abhaken und zum nächsten gehen. Das ist sicher anstrengender. Aber ich vermute, es ist erfolgversprechender. Und es nähme der Mission vielleicht auch nach und nach ihr negatives Image, was dann bedeuten würde, daß auch mehr Menschen diese Anstrengungen unterstützen.

Glaube

Entkehrung

Da lese ich mich so durch die Blogs, die ich abonniert habe, und bleibe beim „Der Sieger Blog“ hängen. Da geht es um „Entkehrung“. „Entkehrung“ meint hier das Gegenteil von Bekehrung, also sozusagen der Abfall vom Glauben. Dazu hat er auch ein Interview verlinkt, das wie ich meine unbedingt lesenswert ist.

Darin berichtet Tobias Faix von seinen Untersuchungen auf dem Gebiet der Entkehrungen, zu dem er auch ein Buch geschrieben hat (näheres dazu im Interview). Faix benennt bestimmte Gemeindestrukturen als möglichen Grund für Entkehrungen:

Wir haben festgestellt, dass es in Gemeinden Strukturen gibt, die Dekonversionen fördern.

Weiter führt er aus:

Man muss gemeinsam überlegen und darüber reden: Wie verstehen wir einzelne Aussagen der Bibel? Warum verstehe ich sie so? Was ist unverständlich? Es ist wichtig, dass es dafür Kommunikationsräume gibt. Wir sollten die Angst davor ablegen, dass der ganze Glaube einer Person zusammenfällt, wenn sie einen bestimmten Aspekt nicht glaubt. So etwas macht es schwierig, auch Zweifel zuzulassen und auszusprechen.

Beim „Sieger Blog“ schwebt dem Autor Viktor eine bestimmte Lösungsrichtung vor: Die Alten in den Gemeinden sollen sich nicht über die Formen beschweren, die den Jungen eher zusagen:

ich habe auch beobachtet wie die jungen Leute, wenn sie heranwachsen, die Gemeinde verlassen und vollkommen andere Wege einschlagen. Die ältere Geschwister sagen dann: “Wir beten dafür, dass Gott sie zurück holt.” Aber sie tun meistens nichts dafür. Im Gegenteil, sie meckern wenn die Musik im Gottesdienst zu laut ist oder das Programm nicht stimmt… Die Liste könnte man fortsetzen.

Außerdem spricht er davon, daß Mentoren benötigt werden

die sie ermutigen, mutig ihren Glauben im Alltag auszuleben und sich mehr mit dem Wort Gottes zu beschäftigen […] und ihnen nicht ihre Ideologie, Theologie oder ähnliche …logien aufzwingen.

Ich denke nicht, daß ein Programm in einer Gemeinde dazu führen, kann, den Glauben ganz aufzugeben. Man ärgert sich vielleicht über den Gottesdienst, über die Form, die einem nicht entspricht, aber das ist ein Konflikt mit Menschen, nicht mit Gott. Daher kann er meiner Meinung nach vielleicht zur Trennung von Menschen führen, man geht vielleicht in eine andere Gemeinde, die einem mehr entspricht, aber deshalb trennt man sich nicht von Gott. Und ein Gemeindewechsel ist keine Entkehrung, es sei denn, man hängt dem Glauben an, daß nur die eigene Gemeinde die Wahrheit erkannt hat.

Das ist übrigens auch ein interessanter Punkt bei dem Interview: Es wird nie gesagt, was genau mit Entkehrung gemeint ist. Was ist mit den Entkehrten? Sind sie jetzt Atheisten? Sind sie Agnostiker? Suchen sie eine neue Gemeinde?

Irgendwie bekomme ich vom Interview und noch mehr bei Viktor den Eindruck, daß es hier nicht um Menschen gibt, die zu einem eigenen festen Glauben an Gott gekommen sind, sondern um Menschen, die vielleicht Gott suchten, in eine Gemeinde kamen, die vielleicht ein oder zwei interessante Dinge über diesen Gott zu sagen hatte, aber deren Gott dann am Ende doch enttäuscht hat. Es ist immer gefährlich, solche Behauptungen aufzustellen, letztlich weiß ich es nicht und kein Mensch kann in eines anderen Menschen Herz sehen. Trotzdem möchte ich auf diese Möglichkeit hinweisen, denn es scheint mir viel dafür zu sprechen.

Wie gesagt wundert es mich, dass vor allem äußerliche Gründe genannt werden: Bei Viktor die Formen des Gottesdienstes und bei Faix, schon etwas tiefer gehend, die Akzeptanz eigener, abweichender Glaubensüberzeugungen. Aber auch bei Faix frage ich mich: Was, wenn eine Gemeinde mit den abweichenden Meinungen ein Problem hat und Druck ausübt. Gibt man deshalb den Glauben auf, oder ist es nicht auch eine Möglichkeit, eine Gemeinde zu suchen, die dem eigenen Glauben eher entspricht? Ist es nicht so, daß nur wenn man die Frömmigkeit der Gemeinde für die einzig gültige hält ein Bruch mit der Gemeinde auch ein Bruch mit Gott bedeutet? Ansonsten verläßt man die Gemeinde und bleibt Gott treu.

Und das wäre, falls ich richtig liege, auch ein Kritikpunkt in solchen Gemeinden: Da wird vielleicht nicht nur Gott verkündet, sondern die eigene Kultur, der eigene Zeitgeist. Und da hat Viktor dann auch Recht, wenn er nach Mentoren verlangt, die nicht die eigenen Ideologien verbreiten.

In den letzten Tagen kam ich über einen Artikel bei Lana Hope zu nem Artikel bei Laura Parker, in dem es um Mission und Kinder geht. Beide schreiben auf Englisch, also sind die Artikel womöglich nicht für alle lesbar. Es geht grob darum, wie Missionare in Südostasien (wo beide als Missionarinnen arbeiteten bzw. arbeiten) Essen und Schulunterricht als Gegenleistung für Predigthören etc anbieten. Vor allem die Kommentare bei Laura, wo ich ein wenig mitdiskutiert habe, brachten mir ein wenig mehr Einsicht.

Es war da zum Beispiel die Rede von Jugendprogrammen (diesmal in Amerika), die kurzfristige Erfolge brachten, aber auf lange Sicht kaum jemanden zum Glauben bringen konnten. Vor längerem, ich glaube auch bei Lana, laß ich von Gemeinden, wieder in Südostasien, die sprühten vor Aktivität, jede Menge neuer Gläubiger und alles, bis die Missionare gingen. Dann waren die Kirchen verlassen und die Gemeinden hörten auf, zu existieren.

Während der Diskussion bei Laura ging es mir erst darum zu sagen, daß man das Evangelium nicht verkaufen kann, also Brot für Evangelium hören wird kaum Gläubige machen. Dann kam auf einmal die Frage auf, ab wann man den Kindern denn von Jesus erzählen kann, die nach Brot fragen. Und in mir wuchs die Sicherheit, daß das der falsche Ansatz ist. Die Kinder werden von Jesus erfahren. Man kann ihnen auf Fragen antworten, aber eben keine vorgefertigten Vorlesungen zu Kreuz und Auferstehung, sondern eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Und in der Zwischenzeit, bis alle Fragen gestellt sind, hält man sich an das Liebesgebot: Die Hungrigen ernähren, die Nackten kleiden, solche Dinge.

Ansonsten wird man wahrscheinlich eher Konformität erzeugen, als echten, tiefgehenden Glauben. Die Menschen, egal ob Kinder in Südostasien oder Erwachsene hier, werden vielleicht so lange nach den Regeln der Gruppe handeln, wie sie davon Vorteile für sich erhoffen. Aber eben nicht, weil sie es als Wahrheit erkannt haben. Und sobald die Vorteile weg sind, werden sie auch aufhören mit der Konformität.

Konformität ist aber kein Glaube, sie ist oberflächlich, sieht wie Glaube aus. Vielleicht spricht man dann von „Entkehrung“, wenn ein Mensch der Gemeinde den Rücken kehrt. Weil er in dem Fall tatsächlich auch Gott den Rücken kehrt, jedenfalls dem Gott, der in der Gemeinde vermittelt wurde: Der, der Konformität.

Das bedeutet auch nicht, daß die in der Gemeinde tätigen Geschwister keinen echten Glauben hätten oder nicht ganz bei der Sache wären. Sie sind vielleicht zu sehr bei der Sache und vergessen, daß sie keinen Glauben erzeugen können, denn Glaube ist eine Gnade Gottes, die nur Gott gibt.

Was sie aber tun können, was wir alle tun können in den Gemeinden, ist Liebe üben. Nicht, um damit irgendwelche Taufzahlen zu erreichen, sondern weil die Liebe der Wahrheit entspricht, die Gott uns offenbart hat. Das geht dann in Richtung der Mentoren, die Viktor fordert, und es geht in Richtung des mündigen Glaubens, den Faix anmahnt. Und es macht ernst mit der Erkenntnis, daß alles in Gottes Hand liegt und wir keinen Menschen zum Glauben bringen können, sondern nur das, was unser Herr uns aufgetragen hat: Zu lieben. Die Geschwister, den Nächsten und auch den Feind.

Gesellschaft, kirche

Von Werken und Gemeindewachstum

Peter hat eine Erfahrung im Zusammenhang mit der Betriebswirtschaft in einem Artikel gebracht:

Ein Dozent berichtete vor kurzem, er habe in einem Seminar mit BWL-Studenten gefragt, was der Zweck eines Unternehmens sei. 90% antworteten “Geld verdienen”. Er sei versucht gewesen, “setzen, Sechs.” zu antworten, habe dann aber etwas behutsamer erklärt, dass Gewinne zwar zum Überleben des Unternehmens wichtig seien, aber eben kein Selbstzweck.

Das erinnert mich ein wenig an meine erste BWL Vorlesung, damals 2001, bei einem gewissen Herrn Pampel, der durchaus verschiedene Ziele eines Unternehmens aufzählte, dann aber alles unter „Gewinn machen“ subsumierte, da man alle weiteren Ziele über Geld erreichen könnte.

Dies war der einzige Satz, der von dem Pflicht-BWL, das ich als Student der Softwaresystemtechnik belegen mußte, hängen blieb (ich wrde mit dem Fach nicht besonders warm und meine Noten waren unterirdisch. Später belegte ich in Mainz als Theologiestudent noch einmal „VWL für Nichtökonomen“, das vom Dozenten nach meiner subjektiven Meinungbesser aufgebaut war nd mir mit einer 2 auch ne erheblich bessere Note bescherte, Wirtschaft an sich find ich schon spannend, aber naja…).

Jedenfalls hab ich mich oft über diese Engführung der Unternehmensziele geärgert, weil eben Gewinnmaximierung einigen Zielen zuwiderlaufen kann, auch wenn man sie dann nachträglich per Geldinvestition verfolgt. Wenn man so am Ende zu einem gewissen Ausgleich zwischen Gewinn und eigentlichem Ziel kommt, kann man froh sein, in den seltensten Fällen kommt man dem eigentlichen Ziel so viel näher, nach meiner Überzegung.

Genug WiWi-Gebashe! Peter bezieht das Ganze dann auf die Kirche, und zwar nicht auf die Kosten- nd Spardebatten, die in den Landeskirchen allenthalben toben (das wäre nochmal ein eigenes Thema!), sondern auf die Wachstumszentrierung, die es so häufig gibt.

Er setzt dem Streben nach vielen Mitgliedern (oder geretteten Seelen) das „suchet der Stadt bestes“ entgegen. Ebenso wenig wie Gewinnmaximierung alleiniger Zweck des Unternehmens ist, ist Mitgliederwachstum alleiniger Zweck der Kirche:

In dem Moment, wo sich irgendeine Organisation als Selbstzweck definiert, verhält sie sich ihrer Umgebung gegenüber parasitär. Denn selbst der gesündeste Organismus wächst nicht grenzenlos vor sich hin. Und wenn Zellen im Körper nichts anderes mehr im Sinn haben, als möglichst schnell zu wachsen, dann ist das ein Tumor.

Ich meine, Zweck der Kirche ist es, zu Verkünden, sicher, und für diejenigen, die angesprochen werden, auch Gemeinschaft zu sein. Aber eine Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen ist doch etwas kurz. Was soll man in der Gemeinschaft tun, außer mal so richtig gemeinschaftlich zu sein und noch mehr Gemeinschafter zu werben?

Ich meine, da kommt dann ganz schnell das Nächstenliebegebot zum Tragen. Wir sollen ja auch Salz der Erde sein. Das schlägt sich dann wohl in entsprechenden Taten (Werken) nieder. Diese sind vielleicht nicht nötig, um sich das Heil zu erwerben (als ob man als Mensch das selbst tn könnte!) und sich selbst zu retten, wohl aber werden gute Werke als Beleg des rechten Glaubens genannt (Glaube ohne Werke ist tot). Und ich meine, es ist durchaus zu kurz gegriffen, wenn man unter den Werken dann nur Evangelisierung versteht. Das hat dann auch ne recht schwache Außenwirkung. Wenn wir unseren Glauben bewerben, dann ist das nachvollziehbar, aber nur normal. Jeder wirbt für die eigene Gruppe, das eigene Produkt. Wenn sonst nichts (oder nicht viel) kommt, ist der Vorwurf bestimmter Atheisten schnell gemacht, daß es uns nur ums Geld ginge, das wir von Neumitgliedern abgreifen könnten.

Andersrum ist aber Handeln in Nächstenliebe ebenfalls gute Werbung und Provokation zum Nachfragen: Wieso tun die das? Damit hat man dann auch einen Anknüpfungspnkt zur Verkündigung. Vielleicht wächst man nicht so schnell, aber man hat einen Zweck, der außerhalb der Kirche selbst liegt. Das Salz ist nicht dazu da, salzig zu sein, sondern um andere Speisen zu würzen. Es hat keinen Selbstzweck.

Das Wachstum allerdings liegt nicht in unseren Händen. Die Bibel gibt uns auch nirgends den Auftrag, ne gewisse Wachstumsrate zu erfüllen, oder eine bestimmte Taufrate. Der Glaube, und damit der Wunsch zur Taufe und die Mitgliedschaft, kommen von Gott. Es liegt in Seiner Hand. In unserer Hand liegt es, zu sähen, also zu verkündigen und Liebe zu üben untereinander und zu allen. Vielleicht sollten wir, bevor wir uns um Gottes Job kümmern, unseren eigenen machen.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 27. März 2012

Mandy hat sich Gedanken dazu gemacht, ob Tiere eigentlich in den Himmel kommen. Und dann hat sie noch einen wunderbaren Artikel zu Behinderungen geschrieben. Ich hab mal den Satz afgeschnappt: Behindert ist man nicht, behindert wird man. Ich denke das kommt in ihrem Text gut raus. Einschränkungen hat jeder af die ein oder andere Art, aber zur Behinderung werden sie erst, wenn andere darauf keine Rücksicht nehmen.

Ich bin auf ein tolles Video von Joshua Tongol gestoßen (via):

Es geht um die Frage, was der Kreuzestod Jesu bedeutet,also ob Gott seinen Sohn ermordete, weil er Blut sehen mußte, oder ob es noch andere Deutungen gibt. Sehr sehenswert, leider in Englisch.

Über die scoop.it Seite von Kirche 2.0 fand ich ein paar interessante Artikel: Ralpe schreibt zu Luthers „pecca fortiter“ und Bentzerfreundlichkeit, bei RTL gibt’s ein Video zu QR Codes auf Grabsteinen und überhaupt, Keith Anderson schreibt über das Problem, daß Erfolg auch bei Kirchens in Zahlen gemessen werden soll und erinnert mich damit ein wenig an den Reformprozess der EKD, mit seiner Fixierung auf Taufzahlen et al und Jörn Brien schreibt über den Umgang mit dem Tod im Social Web.

Bei idea wird gemeldet, daß der Arabische Frühling auch zu einem Anstieg der Zahl der Neuchristen im arabischen Raum geführt hätte. Im Libanon hätten die Missionare dabei mehr Probleme mit den traditionellen Christen wie Maroniten als mit den Muslimen. Wenn man jetzt schon öfters mal was aus diesem Missionsgebiet gelesen hat wundert das nicht. Mir ist es schon mehrfach begegnet, daß die Konversion von traditionellen Christen zu evangelikalen Gruppen als Missionserfolg verbucht wurde und von Neuchristen gesprochen wird. Allerdings ist auch die Rede davon, daß es sich diesmal bei den Neuchristen vorwiegend um ehemalige Muslime handelt…

Ich hab noch ein Video, auch Englisch, aber etwas schwerer, weil irisches Mädchen:

[Das Video ist auf Youtube leider nicht mehr verfügbar]

Gefunden bei peregrinatio. Es geht um St. Patrick. Ebenfalls bei peregrinatio gibt es einen Artikel zum Führungsstil des scheidenden Erzbischofs von Canterbury.

Und noch was britisches: Ein Artikel von Bischof Nick Baines über die Deutschen und die Rolle, die das 3. Reich noch in unserem Denken spielt.

Herrmann Aichele hat einen Artikel über „Glauben“ geschrieben und das Problem, wenn man den Begriff erkenntnistheoretisch einengt. Dürfte für Atheisten interessant sein, die den (religiösen oder christlichen) Glauben wirklich verstehen wollen.

Ne neue Runde lusitge Kirchenschilder gibts bei sojo.net.

Bei geiernotizen lernt man die neuesten Schutzzauber gegen Nazis und deren Gedankengut kennen.

Und dann natürlich der Aufreger des Wahlabends. Die Piraten sind ins Saarbrücker Parlament eingezogen und Patrick Döring von der grandios gescheiterten FDP ließ sich dazu hinreißen, von einer Tyrannei der Masse zu sprechen und einen Klarnamenzwang zu fordern. Das gibt es auch als Video:

[Der entsprechende Youtube Kanal wurde inzwischen gelöscht]

Dazu passt dann wunderbar der Artikel über Kritik und Bashing von Michael Blume, in dem er die Piraten als positives Beispiel für Politikkritik hervorhebt und (meiner Meinung nach treffend) Fußball-Hooligans mit Bashern vergleicht.

Dann hab ich noch ne Horrormeldung: Google will nun auch die Hintergrundgeräsche bei Telefongesprächen zur besseren Werbeplatzierung erschließen. Prost Mahlzeit, die werden dann natürlich mit den Suchanfragen, den E-Mails und den youtube-Videos, die man so guckt gekoppelt und ras kommt… ich will es mir nicht vorstellen.

Und weil wir es von youtube hatten, noch ein Video (via).

Ich bin ja echt versucht, den „netten Nazi“ als armes Opfer anzusehen. Freilich, er hat ein politisches Mandat und nutzt es im Sinne der NPD, aber ich denke das Problem liegt hier weniger darin, daß es sich um einen gemeingefährlichen Menschen handelt (er wird ja von allen als „nett“ bezeichnet), sondern daß er einfach zu dumm (sorry, aber ist doch so) ist um zu begreifen, wo er da mitmacht. Er liest nur noch die eine Zeitung und hält sich daran, was da drin steht. Und nur, weil es nicht die BILD ist, ist sein unreflektiertes Wiederholen der Parolen nicht mehrheits- und gesellschaftstauglich.

Eigentlich müßte man sich mit dem Mann einmal befassen. Zeit mit ihm verbringen, mit ihm reden, ihm andere Möglichkeiten erschließen, die Welt zu sehen. Auf mich jedenfalls macht der Herr den Eindruck, den auch viele Sektenmitglieder machen: Allein und ohne die Sekte auch orientierungslos. Aber nimmt man sich die Zeit und bietet eine Alternativorientierung an, dürften die Chancen gut stehen, ihn aus dem Sumpf rauszuholen. Das macht seine Partei und deren Parolen freilich nicht weniger gefährlich, aber so könnte man ihnen vielleicht wirklich das Wasser abgraben, indem man sich Zeit nimmt für die Menschen.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 25.03.2012 (Jes 49, 10)

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Das Wetter wurde in den letzten Tagen besser. Und vor allem wärmer. Der Frühling kommt. Nach der Kälte des Winters freue ich mich richtig darauf, bald ohne Jacke rausgehen zu können. In solchen Zeiten ist ein Satz wie der obige, der von Schutz vor Sonne und Hitze spricht, nicht ganz so wirkend wie im Sommer bei annähernd 40°C (okay, nicht hier in Greifswald, aber zu Hause in der Pfalz gibt es das schonmal).

Im meiner Heimat der Pfalz nicht ganz fernen Saarland gibt es eine Redewendung, die den ersten Teil des Satzes gut aufnimmt:

Hauptsach gut gess‘!

Und damit kann ich mich auch identifizieren. Und daß man nicht dürsten wird spricht mich als Pfälzer sowieso an. Aber um was geht es eigentlich?

Im Kapitel 49 des Jesajabuches geht es um den Gottesknecht, der in der Tradition auf Jesus Christus gedeutet wurde. In Vers 6 sagt Gott, es sei zu wenig, daß der Gottesknecht die Stämme Jakobs – also die Israeliten – aus der Zerstreuung holt. Er soll darüber hinaus noch das Licht der Heiden sein.

Es handelt sich um eine Heilszusage an die Israeliten, die sich zu der Zeit im Exil befinden, aber das Übliche reicht hier nicht. Es ist zu wenig, nur das Exil der Israeliten zu beenden, sie wieder ins Land zurückzuführen, sondern auch die Heiden sollen gewonnen werden.

Der Gottesknecht soll sagen „Geht heraus“ (Vers 9), und dann foögt eine Wanderng aus dem Exil, heim ins gelobte Land. Um diese Wanderung geht es. Gott verspricht, die Wege gerade zu machen, Berge einzuebnen, und eben auch die Versorgung auf dem Weg:

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Der Erbarmer, das ist Gott selbst. Er vergleicht sich in Vers 15 mit einer Mutter, die ihrem Sohn nicht im Stich lassen kann. Das ganze Kapitel atmet die Liebe und Fürsorge Gottes zu Seinem Volk.

Doch, ich habe es schon erwähnt, auch die Heiden sind mit im Boot. Die Heiden, das sind alle Nichtisraeliten. Dazu gehören streng genommen auch wir alle. In der Zeit der alten Kirche wurde noch zwischen Heidenchristen und Judenchristen unterschieden. Heide zu sein bedeutete nicht, kein Christ sein zu können. Ein Heide war ein Mensch mit einer anderen Nationalität. Ein Angehöriger eines anderen Volkes.

Gott war aber der Nationalgott der Israeliten. Also eigentlich gar nicht zuständig für uns Heiden. Trotzdem wandte Er sich auch uns zu, übernahm auch für uns Verantwortung, wenn man so will.

Wir gehen auf Karfreitag zu, dem höchsten Feiertag des Protestantismus. Der Tag, an dem Christus für die Schuld der Menschen ans Kreuz ging. Nicht nur für sein eigenes Volk, nicht nur für die Frommen, sondern für alle Menschen, ob sie Ihn kannten oder nicht.

Gott, der als Nationalgott der Israeliten anfing, und doch Gott der ganzen Welt ist, hat Verantwortung übernommen für Seine Welt, und starb für uns.

Vielleicht sollten wir überlegen, ob wir, als Verehrer dieses Gottes nicht auch auf gleiche Weise Verantwortung übernehmen über das hinaus, was uns als Bereich zugesprochen wird. So wie Gott die Grenzen Seines Volkes überschritt, um uns allen das Heil zu bringen, können auch wir Grenzen überschreiten, zum Wohle aller Menschen.

Das Stichwort der Nationalität kann uns hier ein erster Anhalt sein. Wenn Gott sich nicht um die Nationalität derer scherte, die Ihn verehrten, wieso sollten wir noch Menschen nach Nationalität unterscheiden und Hilfesuchende an unseren Grenzen abwehren, nur weil sie Geld kosten? Wieso sollten wir Menschen, die hier wohnen abschieben, nur weil sie Geld kosten?

Kreuzigungsdarstellung in der Kathedrale von Jeju-Si, Jeju-Do, Republik Korea

Man kann weiter gehen und fragen wieso Menschen andernorts verhungern sollen, nur weil es dort nichts zu essen gibt. Heil bedeutet im ersten Moment auch immer weltliches Heil, gutes Leben. Im zweiten Schritt – den sollte man nicht vergessen – darf man dann aber auch das ewige Heil nicht vergessen werden. Es ist eins die Nackten zu kleiden und den Hungrigen zu essen zu geben. Doch wollen die Verlorenen auch gerettet werden. Dazu ging Gott ans Kreuz. Und dazu hat Er uns dann ausgesandt.

Anthropologie

Suche nach Wahrheit

Wahrheit ist ein Begriff, der schwer mit Inhalt zu füllen ist. Wo früher Religionen Wahrheit vermittelten, scheinen es heute die Wissenschaften zu sein. Doch das ist ein Trugschluß. Wir haben die Wahrheit verloren.

Wahrheit bezeichnet eigentlich etwas Absolutes, auf das man sich stützen kann. Auf diese Art verstehen auch Religionen die von ihnen verkündigte Wahrheit. Etwa „Jesus ist für uns am Kreuz gestorben und nach drei Tagen auferstanden“.

Heute werden solche Aussagen oftmals abgelehnt. Ob Jesus am Kreuz starb, ist objektiv nicht mehr nachvollziehbar. Daß Er nach drei Tagen auferstanden ist, geradezu unglablich. Und daß das alles etwas mit uns – mit mir zu tun hätte: Eine krasse Grenzüberschreitung und Vereinnahmung meiner Person.

Objektiv – und darauf kommt es seit der Aufklärung an – ist das alles nicht haltbar.

Die alten Wahrheiten haben ausgesorgt. Doch was haben wir statt dessen? Gibt es eine neue Wahrheit? Hat die Aufklärung ein alternatives Wahrheitskonzept gebracht?

Ja und nein. Ja, wir haben heute etwas anderes, auf das wir uns stützen in unserem Denken und Tun. Es geht um das Objektive. Alle objektiven Aussagen sind derart beschaffen, daß wir uns so darauf stützen, wie wir uns früher auf religiöse Wahrheiten stützten.

Nein, wir haben nichts Absolutes mehr, auf das wir uns stützen könnten. Denn alle Aussagen, die auf objektivem Wege durch die Wissenschaftliche Methode erarbeitet werden, sind relativ. Sie gelten so lange, bis es bessere Theorien und Modelle gibt. Das Objektive ist nur insofern objektiv, als daß seine Subjektivität noch nicht nachgewiesen wurde.

Alles Objektive ist damit vorläufig, nichts steht fest, und das soll auch nicht so sein. Es wäre keine Weiterentwicklung mehr möglich, dürfte eine Sache nicht hinterfragt werden.

So leben wir in einem Zwiespalt: Einerseits sollen wir objektiv sein, andererseits können wir keine echte Objektivität zu Stande bringen, dann alles steht in der Gefahr, doch noch als subjektive Ansicht enttarnt zu werden.

Wenn wir ehrlich sind, rechnen wir auch damit, müssen wir damit rechnen.

Das Objektive an sich gibt es nicht, auch wenn man es immer sucht, wir können nur versuchen, ihm subjektiv näher zu kommen. Aber alle diese Schritte bleiben letztlich subjekitv, wie nahe wir dem Objektiven auch damit kommen.

Gleichzeitig aber ist der Weg, mit dem wir uns dem Objektiven nähern, die moderne wissenschaftliche Methode, recht un-menschlich. Es fördert zwar einerseits die intellektuelle Seite des Menschen, und ist damit auch ein Stück weit menschlich, blendet aber alles andere aus.

Das ist nicht per se schlecht, wir verdanken dieser Methode viele Fortschritte (wenn nicht gar die große Mehrheit der Fortschritte, die der Mensch erreicht hat).

Mit dem Erstarken streng naturwissenschaftlichen Denkens scheint in letzter Zeit jedoch auch dezidiert subjektive Formen der Wahrheitsfindung zu boomen. Man denke an Esoterik und AstroTV, aber ach schon die Begeisterung für sinnlichere Gottesdienstformen in den Großkirchen gehören hierher.

Was immer die objektive Wissenschaft an Ergebnissen bringt, der Mensch scheint damit nicht zufrieden zu sein. Es fehlen die subjektiven Anteile.

Es fehlt das, was die alte, überholte Wahrheit ausmachte: Die Sinngebung, das Absolte.

Diese absolte Wahrheit kann sich der Mensch nicht selbst schaffen. Entweder er geht den Weg des Objektiven, mit dem er nie zum Ziel kommen wird, nie zum Ziel kommen kann, sich immer nur annähert, oder er behauptet lediglich etwas und versucht dieses dann irgendwie zu halten, gegen jeden Fortschritt der „objektiven“ Forschung. Das führt dann in Zwangssysteme, die neue Erkenntnisse verfolgen.

Dennoch braucht der Mensch die absoute Wahrheit. Er muß sich auf etwas stützen können, er braucht einen Sinn im Leben, zur Orientierung. Doch diese Wahrheit kann der Mensch nur von außen bekommen, womit wir bei Gott wären, und mit Ihm wieder bei der religiösen Wahrheit.

Echte Wahrheit kann es nur hier geben: Im Glauben an Gott

Und so kommt es dann auch, daß der ganze notwendige Relativismus der Wissenschaften, die über Wahrscheinlichkeiten nicht hinauskommen können, nicht dazu führt, daß alles egal wäre, weil man eh nichts mit Sicherheit sagen könnte. In Gottes Offenbarung, wenn sie einen erreicht, hat man einen festen Punkt. So könnte man sagen, die Objektivität ist die Subjektivität Gottes.

Und die Erfahrung von der Offenbarung ist vermittelbar. Das führt dann zwar auch zu keinen wirklich objektiven und absolut wahren Aussagen, da diese ebenfalls lediglich Gott möglich sind, aber es reicht, um Gemeinschaften zu gründen, die auf intersubjektiven Überzeugungen berhen, wie eben, daß Gott Mensch wurde, für uns am Krez starb und nach drei Tagen vom Tode auferstand.

Das ist eine Wahrheit denen, die glauben. Alle Nichtgläubigen haben keine Wahrheit, die darüber hinaus gehen würde. Sie können aber mit dieser Wahrheit erreicht werden, so daß sie nach eigenen Offenbarungserfahrungen Teil der Gruppe werden können.

Und deshalb ist Mission wichtig: Gott kann sich den Menschen offenbaren. Aber wenn wir als Menschen dann nicht miteinander darüber sprechen, haben wir noch lange keine Gemeinschaft.

Kirche & Web 2.0

Gelesen werden und Internet-Evangelisation

Vor ein paar Tagen war noch einiges los, inzwischen ist es wieder etwas ruhig geworden hier aufm Blog. Durch regelmäßiges Veröffentlichen, so scheint es, kann man einen größeren Verkehr auf dem Blog generieren.

Diesen Gedanken dachte ich heute mittag, und noch einen dazu. Den Gedanken der Evangelisation.

Heute wollen ja alle Kirchen evangelisieren (oder missionieren, halt das, was der Muslim Dawa nennt – oder Einladung zum Glauben). Man will die Menschen mit der eigenen Botschaft erreichen. Und wenn ich mir ansehe, wie die erfolgreichsten Blogs auf wordpress.com gestrickt sind, dann deutet sich ein Muster an (wenn jemand bei blogspot oder ähnlichen Seiten ist kann er das vielleicht für den Bereich auch bestätigen):

  1. Erfolgreiche Blogs (also die unter Top Blogs gelisteten) veröffentlichen täglich, viele regelmäßig mehrere Artikel.
  2. Erfolgreiche Blogs tendieren dazu, ein Thema immer wieder zu bringen, eine Geschichte immer wieder zu erzählen. Als Beispiel fallen mir einerseits die antiislamischen Vertreter ein (oder allgemein rechtslastige Angebote, ich nenn jetzt keine mit Namen, die sind unter den Top Blogs verlinkt) oder auch der Atheist Media Blog, wo ich schon seit Jahren kommentiere. Diese Blogs haben ein klares Feindbild: Muslime bei den einen, Religiöse Menschen allgemein bei den anderen, und arbeiten sich an diesem Feindbild ab. Die einen, indem sie die Muslime und den Islam verteufeln, die anderen, indem sie zwischen sich-lustig-machen und Vertefeln hin un herschwenken.
    Auf der anderen Seite stehen die regelmäßigen Geschichten aus dem eigenen Leben, in letzter Zeit fiel mir hier zum Beispiel ein Artzblog und ein Lehrerblog auf. Auch hier ein klar umrissenes Gebiet, von dem geschrieben wird, allerdings ohne den agitatorischen Hintergrund anderer Blogs.

Was ließe sich daraus jetzt für eine kirchliche Internet-Evangelisation ableiten? Zuerst einmal, daß es nicht so einfach nebenher geht. Täglich neue Artikel zu bringen, und dann noch zum immer gleichen Thema, ohne langweilig zu werden, ist eine Herausforderung.

Dann aber vor allem, daß man sein eigenes Thema eingrenzen muß, bestimmen muß, was dazugehört und was nicht. Man muß die Botschaft, das Evangelium, in eine Form bringen, die auf immer neue Art kommunizierbar ist. Ich sehe hier Verbesserungsbedarf, denn Vieles erscheint zumindest mir schwammig. Da ich selbst zur Kirche gehöre, ergibt alles einen Sinn, aber ich sehe ehrlich gesagt immer noch nicht, wie man das Evangelium einigermaßen auf den Punkt bringen sollte, wenn man jetzt direkt danach gefragt wird, und zwar so, daß man nicht nur in prall gefüllten aber allgemein eher unverständlichen Begriffen spricht. Verständlich muß man schon sein.

Und dann muß man sich beschränken, denke ich. Gleichzeitig mehrere Themen darüber hinaus zu behandeln (Tagespolitik, Kirchenmusik, Kochrezepte) dürfte sich eher negativ auf die Reichweite auswirken. Da wäre dann wohl ein neuer Blog für jedes dieser Themen sinnvoll. Man kann ja eine Verlinkung in einer Blogroll bringen.

Ich sehe und weiß, daß ich all dies auf meinem Blog nicht tue, allerdings ist der Zweck dieses Blogs nicht die Internet-Evangelisation. Ich möchte mir hier lieber Gedanken machen und zur Diskussion stellen, so wie in diesem Artikel.

Und dann kommt mir noch eine Idee für eine Grundstrktur der Evangelisationsblog-Artikel: Verkündigung von Heil und Unheil. Hier kann man auf aktuelle Entwicklungen eingehen, was dann auch dazu führt, sich doch nicht nur wiederholen zu müssen und langweilig zu werden.

Fehlt nur noch der Katechismus, der die aktuellen Vorgänge mit dem Wort Gottes in Beziehung setzt. So ein Katechismus müßte wohl (ökumenisch?) noch geschireben werden, also ein Textstück, das das Evangelium auf den Punkt bringt und gleichzeitig Anknüpfungspunkte zum täglichen Leben und zu täglichen Problemen und Problemchen bietet, damit es genügend Stoff für eine regelmäßige Veröffentlichng gibt. Womöglich entsteht so etwas ähnliches drüben bei Eric Djebe, der hat nämlich einen Basisdiskurs Religion gestartet, auf dessen Ergebnisse ich gespannt bin und dessen zweiten Teil ich mir jetzt durchlesen werde.

EKD, kirche, Religion

Den Islam zurechtschneidern?

Ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, was ich vom Vorsitzenden des Rates der EKD halten soll. Es geht um Nikolaus Schneider, der Hauptberuflich Präses der evangelischen Kirche im Rheinland ist.

Diese Woche hat er sich (wieder) zum Islam geäußert, und wurde vom Zentralrat der Muslime, einer der kleinen Splittergruppen, die Muslime in Deutschland vertreten, kritisiert. Und die Kritik ist verständlich, doch um was geht es?

Schneider meinte, der Islam trete „von Aufklärung nd Religionskritik kam irritiert in unserer Gesellschaft auf“. Das mag stimmen, gilt auch für bestimmte christliche Gruppierungen (meist jedoch nicht für Landeskirchler), braucht aber einen evangelischen Präses als Präses nicht zu interessieren. Vielleicht ärgert es ihn als Bürger, aber dieser Ärger ist der Tribut, den es zu zahlen gibt in einer freien Gesellschaft für die Freiheitsrechte auch der anderen. Wenn die Muslime sich ohne Aufklärung und Religionskritik wohler fühlen (falls das überhaupt stimmt), ist es ihr gutes Recht. Eine andere Sache wäre es, wenn Schneider eine bestimmte Position aufgreift und diese auf Grundlage islamischer Vorstellungen kritisiert, wenn er einem Muslim also aufzeigt, warum die Aufklärung etwa in Einklang mit dem Koran steht und Mohammed Religionskritiker war (falls es so gewesen sein sollte). Ansonsten können nur Muslime den Islam von innen verändern (in welche Richtung ach immer). Das ist dann aber nicht Sache Schneiders, sondern der Muslime.

So weist der Zentralrat der Muslime darauf hin, daß man es nicht gut findet, wenn jemand belehrend auftritt (wobei ich mich in dem Kontext wundere, daß nicht von Scheider die Rede ist, sondern von der evangelischen Kirche, die ja nicht mit Schneider identisch ist, sein Posten ist ja in keinster Weise mit dem des Papstes zu vergleichen, aber das nur nebenbei).

Auch kann ich der folgenden Aussage des Zentralrates nicht ganz folgen:

Niemandem steht es zu, eine Religion zu kritisieren und zu bewerten, ob sie eine Aufklärung nötig
hat oder nicht

Ich denke, es steht dem Anhänger der Religion sehr wohl zu. Ich kann als Christ innerhalb der Kirche und des Christentums durchaus kritisieren und bewerten, ob es ein zu viel oder zu wenig an Aufklärung gibt. Und zwar immer in dem Maße, wie ich mich den jewilig Kritisierten selbst zugehörig fühle. So kritisiere ich die Katholiken etwa bei ihrem Amtsverständnis, weil ich es biblisch und historisch nicht als begründet ansehe, aber ich kritisiere nicht den Zölibat, das ist Sache der katholischen Kirche und das sollten die unter sich ausmachen. Als Christ aber bin ich der Meinung, beim Amtsverständnis (etwa) mitreden zu können und zu dürfen.

So habe ich auch kein Problem damit, wenn Schneider als Mitglied unserer Gesellschaft andere Mitglieder auf den Grundlagen der Gesellschaft kritisiert, etwa wenn er sich zur Gefahr äußert, die von multinationalen Unternehmen für unsere demokratischen Strukturen ausgeht.

Daß der Islam „lauter und aggressiver“ auftritt mag stimmen, die Frage ist aber doch dann, warum man die Kirche nicht hört, bzw. nur hört, wenn es um Zwangsarbeit und Mißbrach geht, bzw. die Entschuldigungen nd Erklärngen daz etc…

Ja, der Islam missioniert in Deutschland, wie auch seit neuestem Atheisten aktiv Mission betreiben. Niemand hindert die Kirche, da auch mal wieder mitzuspielen und so spricht Schneider ach davon, „von der Heiligen Schrift inspirierte Lebenskonzepte zu vertreten“. Dazu gehört aber mehr, als immer wieder von Mission zu reden, irgendwas muß man auch tun, denn über Presseerklärungen und Reden af Synoden finden die wenigsten Menschen zu Christus.

Was mich etwas geärgert hat ist, daß Schneider meinte, ein akademischer Islam sei nötig. Ich mag ja auch die Idee von islamisch-theologischen Fakultäten an den Unis, am Besten auch da, wo es christliche Theologen gibt, um den Austausch zu fördern und einander besser kennen zu lernen. Was der Islam jedoch nötig hat, ist Sache des Islams und der Mslime, und wenn der Islam sich dadurch ins Abseits stellt, ist das auch Sache des Islams und der Muslime.

Eine islamische Aufklärung wird man nicht gezielt initiieren können, so wie ach die europäische Aufklärung nicht gezielt initiiert wurde, sondern sich ergab. Wenn es also irgendwanne einmal so weit kommt, daß die Muslime sich tatsächlich soweit organisieren, daß sie Islamisch-theologische Fakultäten erstellen und mitunterhalten können (niemand kann sie dazu verpflichten, Imame in Deutschland auszubilden und Religionsnterricht an den Schlen anzubieten), dann können sie auch selbst entscheiden, inwieweit dort die Aufklärung überhaupt behandelt wird. Sicher wäre es sinnvoll, um die Gesellschaft in Europa zu verstehen, aber wie gesagt: Niemand kann den Muslimen verbieten, nicht sinnvolle Dinge zu tun, und keiner sollte es ihnen afzwängen wollen. Auch die Kirchen haben viel nsinniges getan in ihrer Geschichte und würden Äßerungen von außen, was in der Kirche nötig wäre, zurückweisen, so wie Schneider auch die Mischreligion (mit Recht) zurückweist.

Recht geben muß ich Schneider, wenn er sich für die verfolgten Christen in islamischen Ländern ausspricht. Ertsens sind es Gläubensgeschwister, die in Alexandria umkamen (und im Irak und anderen Ländern), und zweitens wird von islamischer Seite immer wieder betont, der Islam sei eine Religion des Friedens und der Toleranz. In der Sitation die Muslime beim Wort zu nehmen, kann ihm keiner vorwerfen.

Leider hört man sehr wenig davon, daß Muslime etwa in der Türkei sich für Christen einsetzen, für ein Recht, Kirchen zu bauen und ihren Glauben zu lehren. Entweder es findet nicht statt oder wird in den Medien nicht gebracht, und das ist schade, in beiden Fällen. Herasragend finde ich in diesem Kontext eine Meldung wie die, daß Mslime in Ägypten dazu aufgerufen ahben die Weihnachtsmessen der Kopten zu besuchen, um die Solidarität zu zeigen und als menschliche Schutzschilde gegen mögliche weitere Attentate zu helfen. Ein bewundernswerter Mut!

Die innere Verfassung des Islams jedoch, und das ist mein eigentlicher Punkt, ist nicht Sache eines evangelischen Präses. Dieser kann lediglich anfragen bei Muslimen, oder diese beim Wort nehmen, er hat aber keine ungefragten Äußerungen darüber zu machen, was die Muslime brauchen und tun müssen. Die können tun was sie wollen und legal ist, so wie auch die Kirchen.

Uncategorized

Die Ethik

Früher, als noch alles besser war und schwarzweiß, da stand die Dogmatik im Mittelpunkt des religiösen Interesses: Wer ist Christus? Wieso ist er gestorben? Was bringt mir das? etc etc…

Aus dieser Dogmatik, die durchaus in verschiedenen Zeiten und Konfessionen sehr unterschiedlich gefasst und akzentuiert wurde, hat man dann Regeln für das Miteinander, die Ethik, abgeleitet. So entstand aus den Dogmen, daß Gott gut ist und die Bibel seinen Willen ausdrückt die ethische Forderung, die biblischen Gebote zu halten. Platt ausgedrückt.

Weitere ethische Forderungen wurden weiterhin aus Bibel und Dogmatik abgeleitet, bzw wurden gewisse Praktiken zu rechtfertigen gesucht, unter anderem auch Sklaverei und Antisemitismus, auch wenn diese Rechtfertigungen bei genauem Hinsehen doch sehr hahnebüchen wirken (so spricht Paulus im Philemonbrief nicht gegen die Sklaverei, deutet sie aber derart um, daß nicht mehr viel davon übrigbleibt, und die ständige Betonung des Vorrangs der Juden lässt den Antisemitismus späterer Zeit doch sehr schlecht durch die Bibel begründet verstehen)…

Mit der Zeit kam es dazu, daß andere Grundlagen für die Ausbildung der Ethik gesucht und gefunden wurden. Die Vernunft, das Sittliche etwa, die in der Aufklärung behauptete Güte aller Menschen, wenn sie nur recht unterrichtet wären (das gäbe noch einmal einen Artikel für sich). Ausgehend von diesen Dogmen der Neuzeit hat man dann Schritt für Schritt die alten Dogmen und damit die christliche Religion hinter sich gelassen. So konnten die ersten Aufklärer vielleicht noch anerkennen, daß durch die Religion Sittlichkeit gelehrt wird, aber nach und nach setzte sich die Ansicht durch, zumindest bei einigen Menschen, daß die Kirche mit ihren Dogmen überflüssig sei.

Interessanterweise aber werden viele ethische Aussagen immer noch in weiten Teilen der Bevölkerung anerkannt. Am bekanntesten ist wohl die Bergpredigt, sie wird immer wieder ach von Nichtchristen hervorgehoben und gelobt.

Auch in anderen Gebieten wird immer wieder auf ethische Positionen der Kirche verwiesen, etwa bei bioethischen Diskussionen. So hat also, auch wenn die Dogmatik der Kirche als überholt und nicht mehr zeitgemäß gilt, die Ethik immer noch einen gewissen Stellenwert.

Mir stellt sich nun die Frage: Kann man auch ausgehend von der Ethik die Dogmatik rückerschließen? Die christliche Ethik scheint ja in vielen Punkten mit den Dogmen der Moderne zusammen zu gehen. Sie geht aber auch zusammen mit den alten Dogmen des Christentums, ist sie doch aus diesen entwickelt worden.

Eine Verkündigung müßte also in der Lage sein, ausgehend von einer allgemein anerkannten Ethik auf die Dogmatik des christlichen Glaubens zu sprechen zu kommen, und somit die Möglichkeit einer erneuten Würdigung alter Überzeugungen von Evangelium und Erlösung bieten können.

Ich frage mich: Gibt es das schon? Werden Predigten geschrieben und gehalten, die nicht die Bibel (und die darin enthaltene Lehre) auslegen und zu einer Umsetzung in der Ethik kommen, sondern die umgekehrt von einem allgemein als gut anerkannten ethischen Handeln (ob es sowas wirklich gibt, wäre eine weitere Frage) auf Bibel und Lehre zurückkommen, nicht um diese als wahr zu erweisen (denn einen strengen Beweis kann es nicht geben), aber doch um eine gewisse Plausibilität der biblischen Botschaft herauszuheben und ihre Relevanz.

Über die Möglichkeiten und Gefahren einer solchen Methode bin ich mir noch nicht ganz im Klaren. Vor allem ob und wie eine solche Predigt das Evangelium verkündigen könnte, statt nur die Schrift als lesenswert darzustellen, ist mir noch nicht ganz klar.

Aber vielleicht liest das hier der eine oder die andere und hat dazu eine Meinung, und es kommt zu einer Diskussion des Ganzen. Um Kommentare wird gebeten.