Allgemein

Mission

Die Mission ist ja so ein Thema, das heutzutage kaum Popularität besitzt in landeskirchlichen Kreisen. Wobei, das stimmt nicht ganz, es gab vor ner Weile mal ein paar offizielle Verlautbarungen zur Mission, daß man die als wichtig ansieht und so fort. Aber daß davon groß etwas in den Gemeinden angekommen wäre kann ich jetzt nicht sagen. Oder es ging an mir vorbei.

Das liegt wohl einerseits an der unsäglichen Geschichte der Mission. So kam es immer wieder dazu, daß Menschen zur Taufe gezwungen wurden, man spricht da auch von Schwertmission. Die Vermischung mit der politischen Ebene spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle, so hat etwa Kaiser Karl, genannt „der Große“, von den vom ihm unterworfenen Sachsen die Taufe verlangt. In dem Fall spiele eine große Rolle, daß dies die Unterwerfung unter eben jenen Kaiser bedeutete, und seine Kirche. Karl hatte übrigens einen Hoftheologen, Alkuin, der Kritik äußerte. Aber wer hört schon auf die Theologen, wenn wichtigere Interessen auf dem Spiel stehen?

Ein anderer Grund, wieso die Landeskirchen beim Thema Mission nicht ganz so im Vordergrund stehen liegt vielleicht an der Abgrenzung gegenüber evangelikaleren Richtungen. Dort führt man die Mission zumindest gefühlt ständig im Munde, und wendet es auch auf Konzepte an, die man schwerlich unterstützen würde, als Landeskirchler. Man hält sich also lieber zurück. Nichts desto trotz gibt es Missionsgesellschaften, die den Landeskirchen nahe stehen. Man schickt dort aber selten Missionare aus, um „die Heiden“ in fremden Weldteilen zu bekehren (wir haben ja auch genug Nichtchristen hierzuland), sondern betreibt eher Entwicklungshilfe.

Aber zurück zu den evangelikaleren Gruppierungen. Dort werden durchaus Missionare ausgesendet, mitunter auch mal in arabische Länder, wo diese dann zu Tode kommen, und hinter allem steht das Ziel, Jünger zu machen, also Nichtchristen (manchmal werden von den fraglichen Gruppen auch Katholiken und Orthodoxe dazugezählt) zu Christen zu machen.

Von den Konzepten solcher Gruppen las ich gerade kürlich wieder in zwei Artikeln englischer Blogs, deren Autorinnen selbst als Missionarinnen nach Südostasien gingen. Sie kennen also das Terrain. Bei Laura geht es darum, wie Missionare versuchen, an die Kinder der Leute heranzukommen, indem man ihnen eine bessere Zukunft verspricht und sie in eigene Schulen bringt, freilich ohne daß es die Eltern etwas kostet, wo die Kinder dann zu Christen erzogen werden. Lana berichtet davon, daß die Menschen Material für den Hausbau bekamen und eine Schulbildung für die Kinder, nur daß sie dafür einmal pro Woche eine einstündige Predigt hören mußten. (für alle die Englisch können sind beide Blogs übrigens sehr zu empfehlen)

Es entspann sich vor allem bei Laura eine Diskussion darüber, ob und inwieweit das okay sei, sich so auf die Kinder einzuschießen.

Die eine Seite (zu der auch ich gehöre) hatte ein Problem damit, daß die Kinder indoktriniert werden und die Eltern entmündigt. Und daß das Evangelium quasi Handelsware, ja noch schlimmer, Bürde wurde. Das Evangelium wurde zu dem Frosch, den die Leute schlucken mußten, wenn sie Hilfe bekommen wollten.

Die andere Seite pochte auf den Missionsbefehl und daß die Menschen verloren wären, wenn sie nicht das Evangelium hörten und sich bekehrten. Stünde doch ganz klar in der Bibel.

In der Diskussion habe ich mich zum ersten Mal seit längerem mit dem Thema Mission auseinandergesetzt und reflektiert, wie ich Mission gut fände.

Ausgehend von der Situation, die in den Artikeln beschrieben wird: Arme Menschen, die teilweise hungern und um Hilfe bitten, bin ich der Meinung, daß das erste, was ein Christenmensch tun sollte ist, Hilfe zu bieten.

Die Hungrigen speisen, die Kranken pflegen. Diese Dinge, also alles, was wir unter Diakonie fassen würden, aber nicht nur institutionalisiert wie hier in Deutschland, sondern auch konkret dem gegenüber, der an die Tür klopft.

Das geschieht nach Aussage von Lana und Laura auch. Aber: Ich denke, das sollte man tun, ohne darauf zu schlielen, wann man jetzt seinen Sermon von der Heilstat Jesu ablassen kann um den Hilfesuchenden vor die Wahl zu stellen: Bekennst Du nun Christum als Deinen Herrn?

Was würde der Hilfesuchende wohl tun? Mit den Lippen bekennen, weil man vielleicht irgendwann wieder Hunger hat und sich nicht die Chance verbauen will, noch einmal Hilfe zu bekommen? Wohl möglich. Oder ehrlich sein sich zum Buddhismus bekennen? Was sollte das nützen? (Womöglich sieht man das mit der Verleugnung der eigenen Religion im Buddhismus auch gar nicht als so schlimm an wie wir im Christentum, aber das weiß ich nicht)

Es besteht also eine wunderbar hohe Chance, daß die Angesprochenen, alleine um konform zu sein und nicht anzuecken, mitspielen. Zumindest, so lange sie sich davon etwas versprechen.

Eien Kommentatorin mit Namen Anna hat bei Laura davon berichtet, daß Jugendprojekte ganz schnell wieder einbrechen und Lana berichtete wo anders davon, daß in Südostasien die Gemeinden oftmals praktisch aufhören zu existieren, wenn die westlichen Missionare wieder verschwinden und das Christentum keinen materiellen Vorteil mehr bringt.

Deshalb denke ich, auch wenn mir mehrfach entgegengehalten wurde, daß wir das Evangelium verkünden müssen, daß in den Situationen, wo jemand zu uns kommt und um Hilfe bittet, es unsere Pflicht und Schuldigkeit als Christen ist, diesem Kind Gottes zu helfen so gut wir können, ohne zu versuchen einen Profit für uns dabei rauszuschlagen, indem wir anfangen zu evangelisieren. Denn damit ziehen wir die Liebe in Zweifel, die wir eigentlich zeigen wollen und sollen. Sie verkommt zum Lockangebot in einem Kuhhandel: Ich geb Dir essen und Du singst meine Kirchenlieder. Nein! Wer Hilfe sucht soll Hilfe bekommen, ohne seien Religion wechseln zu müssen oder auch nur mit der Frage danach konfrontiert zu werden!

Das bedeutet nicht, daß man nicht verkündigen soll. Was spricht dagegen, jeden Tag einen Gottesdienst zu feiern und jeden, der sich interessiert, zu empfangen? Was spricht dagegen, wenn der Hilfesuchende danach fragt, wieso man diese Hilfe gewährt (vielleicht auch schon über längere Zeit), auf Christus zu verweisen? Steht nicht Christus und Seine Liebe hinter jeder Hilfe, die wir Christen geben? Aber eben: Kein langer Sermon, einfache Antworten auf einfache Fragen. Die Fragen werden kommen, man muß geduldig sein. Und dann liegt es an Gott, einem die richtigen, kurzen Antworten zu geben und das Interesse zu wecken, daß der Betreffende vielleicht irgendwann auch im Gottesdienst oder einer Bibelstunde erscheint. Nicht, weil er irgendwleche Konformitäten erfüllen will oder gar genötigt wurde, sondern weil er selbst es will und sich selbst interessiert.

Das bedeutet sicherlich viel mehr Aufwand. Und viel mehr Unsicherheit. Aber wie viel Sicherheit hat man denn, wenn man jedem gleich das Evangelium um die Ohren haut, der nicht schnell genug davonkam? Man kann sich vielleicht einreden, alles getan zu haben, was man konnte. So nach dem Motto: Gott kann mir nichts vorwerfen, ich hab getan was geht, um Jünger zu machen. Das wäre erstens ein werkgerechter Ansatz (was schon per se wenig evangelisch und damit wohl auch nicht evangelikal wäre) und zweitens erinnert es ein wenig an den Pharisäer im Tempel, der meint, er sei nicht so schlecht wie der Zöllner, der ja gar kein guter Mensch sein könnte…

Christus sagte uns, wir sollten Jünger machen, Er sagte nicht, daß wir dazu kurz das Evangelium umreißen sollen und dann hoffen, daß das schon irgendwie genug sei. Was er aber auch forderte war Liebe für den Nächsten und selbst für den Feind. Das tut sonst keiner und wird auch immer wieder in Gesprächen mit Atheisten als Punkt vorgebracht, der absolut unsinnig sei. Ja, für Atheisten muß das wohl so aussehen. Aber genau deshalb wird es auch irgendwann Fragen provozieren.

Wenn man ein Stück Land bearbeiten will, kann man ja auch nicht einfach die Samenkörner zwischen die Hecken werfen. Das heißt, man kann schon, aber der Ertrag wird geringer sein, als wenn man das Land erst einmal rohdet, die Steine entfernt, pflügt, also quasi: Es urbar macht. Ich denke so muß man auch die Menschen erst einmal auf das Evangelium vorbereiten. Und meine Überzeugung ist, daß dies eben durch Liebesdienste geschieht, die eben nicht danach fragen, wie die Situation nun ausgenutzt werden kann, um das Evangelium anzubringen (vordergründig, um Gott einen Gefallen zu tun, hintergründig dann vielleicht doch eher: um sich selbst besser zu fühlen. Als ob Gott unter Zeitdruck stünde udn Ihm nicht andere Personen zur Verfügung stünden, um dem Menschen das Evangelium zu bringen).

Man muß dabei ein wenig mehr Spannugn aushalten. Denn wenn man möglichst früh den Sermon abläßt, steht es danach eben bei Gott, man hat selbst erst einmal seinen Teil getan. Wenn man auf Fragen wartet, dann muß man sich so lange auch zurückhalten, muß darauf warten, daß Gott in dem Menschen das Interesse weckt. So lange kann man „die Sache“ auch nicht abhaken und zum nächsten gehen. Das ist sicher anstrengender. Aber ich vermute, es ist erfolgversprechender. Und es nähme der Mission vielleicht auch nach und nach ihr negatives Image, was dann bedeuten würde, daß auch mehr Menschen diese Anstrengungen unterstützen.

Netzfunde

Netzfunde, Montag, 6. Januar 2014

Den Anfang macht heute Morgen Guyton. Der hat sich des Themas „gay marriage“ angenommen und einen Vergleich zur Forderung „Frauen an den Herd“ gezogen. Ganz interessant, und Recht hat er auch. Früher sagte man, die Bibel fordere, daß Frauen zu Hause bleiben und die Kinder erziehen. Heute fordert das keiner mehr, weil das Einkommen der Frau gebraucht wird. Ginge es wirklich um die Bibel und wären deren „Wahrheiten“ ewig… naja, Ihr versteht was er meint. Und mit der Homoehe könnte es genauso sein, warten wir mal 30 Jahre ab.

In Bremen kommt ne Solaranlage auf ein Kirchendach. An sich nichts besonderes, das passiert öfter mal, nicht nur in Bremen (zumindest so lange der Denkmalschutz mitspielt). In dem Fall handelt es sich aber um das „Projekt des Monats“ der Aktion „Kirche im Aufbruch“. Daher gibt es auch einen Artikel bei der EKD darüber. Das Besondere hier ist wohl, daß es sich nicht um ein Kircheneigenes Projekt handelt, sondern alle möglichen Leute mitmachen können, die Kirche lediglich das Dach und einen Teil der Finanzierung beisteuert und das Ganze dann ein Renditeprojekt für diejenigen wird, die sich beteiligen. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und die Rendite kommt allen zu Gute. Solange es der Kirche nur darum geht, sich einzubringen beim Klimawandel und nicht alles selbst zu kontrollieren, ist das sicherlich ein interessantes Projekt.

Es gibt eine neue Handreichung zum Thema Kirchenasyl von den Landeskirchen Rheinland, Lippe und Westfalen sowie der Diakonie der drei Landeskirchen. Das ganze heißt „Wenn ein Fremdling bei Euch wohnt…“ und ist kann hier heruntergeladen werden. Hier gibt es noch ein Interview mit Kirchenrat Nikodemus zur Handreichung.

Antje Schrupp ärgert sich über die Werbung eines Frankfurter Museums. Ob man den „lüsternen männlichen Blick“ tatsächlich als solchen ansehen muß, da bin ich etwas skeptisch, und was die Telefonnummer der Venus von Willendorf angeht: Ich weiß ja nicht, welchen Zweck solche Figurinen damals hatten (echt nicht, ich kenn mich da nicht aus!), aber für meinen Laienverstand ist durchaus denkbar, daß Sex da durchaus auch eine Rolle gepielt haben kann. Wie bei heutigen Callgirls. Falls ich da richtig liegen sollte, würde es sich in beiden Fällen um eine Objektivierung des weiblichen Körpers handeln (was IMHO abzulehnen wäre). Dann wäre die Parallelisierung allerdings nicht falsch. Falsch wäre dann eher eine Verbrämung dessen als „Kunst“. Wer weiß, wie Museen der Zukunft mit heutigen Pornozeitschriften umgehen werden… allerdings kann es durchaus sein, daß ich hier komplett falsch liege. Man berichtige mich.

Thomas hat seine Gedanken zur diesjährigen Jahreslosung aufgeschrieben. Andere haben wohl – nach seinen Worten – eher Probleme mit ihr, er mag sie. Und ich kann auch irgendwie nachvollziehen, wieso und was er meint mit der „Gottesgeburt in der Seele“.

Zu guter Letzt: Gerd Häfner hat nen kurzen Text geschrieben, wieso die Heiligen Drei Könige „heilig“ und „Könige“ genannt werden und woher die Dreizahl kommt. Steht zwar so nicht in der Bibel, ist aber auch alles nicht ganz unbiblisch.

Kirche & Web 2.0

Es läßt mich ja nicht los…

… diese ganze Kirche und Internet Geschichte. Zu vier Ansätzen, vielleicht möglichen Projekten, möchte ich nochmal meinen Senf geben. Es sind dies

  • die von Alexander Ebel angeregte Neue Atheisten FAQ,
  • das angeregte freie Gesangbuch
    (irgendwie fänd ich Open Xangbuch als Projekttitel lustig, aber das ist vielleicht nur für Pfälzer sofort verständlich),
  • ein Gedanken zur Onlinegottesdiensttechnik,
  • schließlich möchte ich die Frage anreißen, ob und wie Real-Life Kircheninstitutionen im Netz vertreten sein müssen/sollen.

Atheisten-FAQ

Alexander Ebel hat seine Folien vom Vortrag zu den Neuen Atheisten online gestellt:

Auf Folie 8 schlägt er verschiedenes vor: Neben einem koordinierten apologetischen Handeln in der Social Media unter anderen auch ein Wiki oder eine FAQ mit den Klischees der Neuen Atheisten und einer Entgegnung darauf, die das Ganze ins rechte Licht rücken soll. Im Teil zwei seines Rückblicks auf das Barcamp spricht er auch von einem Buch.

Auch wenn das Buch gemeinsam geschrieben werden könnte denke ich doch, daß es nicht der primäre Präsentationsmodus sein sollte für die Entgegnung auf die Klischees.

Ich denke, daß hier eine Knappe aber präzise Darstellung besser geeignet wäre, zumindest zur Präsentation für ein größeres Punlikum. Wenige Menschen wollen gerne lange Texte durchlesen. Das muß jedoch nicht gegen ein Buch sprechen, das aus der Arbeit ebenso hervorgehen kann.

Eine derartige Homepage könnte auch unterstützend wirken bei einem koordinierten Handeln in der Social Media, man müßte nicht immer wieder das Gleiche erklären, sondern könnte zumindest für die plattesten Vorwürfe und Klischees auf die FAQ verweisen.

Möglicherweise könnte man es auch so einrichten, daß auf der Seite der FAQ die Möglichkeit zum Kommentieren gegeben ist. So kann man neue Vorwürfe und Klischees die dort auftauchen gleich mit aufnehmen. Es wäre darüber hinaus die Möglichkeit gegeben, überhaupt ins Gespräch zu kommen mit Menschen, die sich ne eigene Meinung bilden wollen.

Es gäbe dann natürlich die Frage, wer überhaupt zu den Autoren gehören soll, wie man gleichzeitig offen ist und für ne gewisse Qualität sorgt. Ich kann mir vorstellen, daß ein Autorenteam mit verschiedenen Frömmigkeitshintergründen bei der Apologie durchaus verschiedene Wege gehen würde.

Open Xangbuch

Im schon genannten Artikel von Alexander Ebel reißt er auch das Thema Copyright und Online-Gottesdienst an. Viele Liedtexte unterliegen dem Urheberschutz und es dürfte mindestens fraglich sein, inwieweit ihre Benutzung bei Internet-Gottesdiensten (wie auch immer diese gestaltet sein sollten) eine Urheberrechtsverletzung darstellen.

Alexander Ebel verweißt auf das Weihnachtsliederheft der Musikpiraten und regt an, wie auch bei der Offenen Bibel ne freie Variante des Gesangbuches zu schaffen, durch Sammlung und Neusetzung der schon gemeinfreien Lieder. Ein Problem stellt sicherlich dar, daß es durchaus nicht einfach ist zu entscheiden, in welcher Text- und Satzversion ein Lied nun frei ist oder nicht. Es gab ja auch bei alten Liedern über die Jahre immer wieder Veränderungen am Text und auch der Melodie. Hier müßte man sehr aufpassen, weshalb ich dafür plädieren würde, wenn sowas umgesetzt wird, bei jeder Ablieferung auch eine Angabe zu machen, warum man das Werk für allgemeinfrei hält. So könnte es nochmals überprüft werden.

Ansonsten wäre es vielleicht auch sinnvoll, Texte und Melodien (die ja oft von unterschiedlichen Autoren stammen) getrennt zu sammeln. So könnten auch Neudichtungen und -kompositionen mit aufgenommen werden. Bei Bonhoeffers „Von guten Mächten“ ist es zum Beipspiel so, daß in 4 Jahren der Text frei wird (wenn ich die 70 Jahre Regel richtig verstanden habe), die Musik ist jedoch jünger. Will man den Text also singen, braucht man eine neue Melodie, wenn man nicht auf geschützte Kompositionen zurückgreifen will oder kann…

Teamspeak-Gemeindegesang?

Jetzt mal angenommen, man hat ein gemeinfreies Gesangbuch und will nen Gottesdienst online feiern: Sitzt jeder singend vor seinem Rechner und das war’s? Oder gibt es die Möglichkeit, bzw wäre es sinnvoll, einander auch zu hören?

Auf dem Blog von Michael Blume les ich immer wieder davon, daß Religiosität und Musikalität korrelieren. Das macht auf jeden Fall für mich Sinn. Gottesdienst ganz ohne Musik kann ich mir schlecht vorstellen, die Frage ist nur: Ist es möglich und wenn ja: Wie?

Man bräuchte wohl einen gemeinsamen Audiokanal. Irgendwie kam ich dabei auf Teamspeak. Das ist ein Server, über den mehrere Menschen gleichzeitig übers Netz miteinander reden können (Gamer benutzen das beispielsweise beim Spielen in Teams, aber wahrscheinlich kennt sich da eh jeder besser aus als ich).

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, für wie viele Leute so ein Teamspeak Kanal ausgelegt ist oder sein kann: Was passiert, wenn man mal einen Online-Gottesdienst von sagen wir 30 Leuten haben, und die jetzt gemeinsam „Ein feste Burg“ (tolles Lied!) singen wollen.

Wahrscheinlich wird der Service ab einer bestimmten Anzahl an Teilnehmern in die Knie gehen. Ich befürchte, man wird nur eine sehr kleine Anzahl an Leuten zusammenkriegen können. Leider bin ich aus der IT schon zu lange weg (und hatte damals wenig Ahnung) um sagen zu können, ob eine verteilte Softwarearchitektur hier helfen könnte.

Ein weiteres Problem wären die Latenzzeiten, wobei die auch ganz extrem beim Kirchentag am Abschlußgottesdienst auftreten. Zumindest dort scheinen sie weniger ein Problem zu sein (auch wenn es irritiert, daß die vorne schneller mit dem Lied fertig sind).

Landeskirche bei Facebook etc.

Als Nichtteilnehmer ist das Thema aus meiner Sicht nur ein Randthema gewesen. Trotzdem will ich ein paar Worte dazu loswerden. Die Frage war, inwieweit Kirchengemeinden, Dekanate, die Landeskirche an sich etc sich bei Facebook oder sonstigen Diensten vernetzen soll.

Ich bin da etwas krass, mag sein, aber mein Ansatz wäre: Gar nicht nutzen!

Prämissen

Ich gehe dabei von folgendem aus: Wir, also jeder einzelne von uns zusammen mit den anderen, sind die Kirche. Die Ortsgemeinde, die Landeskirche, oder was auch immer so an Institution im Real Life existiert, ist nicht Kirche an sich, sondern eine Organisationsform von Kirche, eben für das Umfeld vor Ort.

Sie IST aber an sich nicht Kirche, jedenfalls nicht über ihre einzelnen Glieder hinaus. Wenn nun die einzelnen Kirchenglieder bei Facebook sind oder bei sonstigen sozialen Diensten, so kann es dort sicher auch zu organisatorischen Formen von Kirchesein kommen. Wieso auch nicht?

Was geht

Aber ich denke, das ist nichts, wo die verfaßte Landeskirche oder ihre Gemeinden etc. viel mit zu tun hätten. Sie können das Internet durchaus nutzen: Als Medium zur Kommunikation und Information. Etwa durch Zugänglichmachung von Arbeitsbereichen, Pressemeldungen und was es sonst noch so gibt auf Gemeinde- oder Landeskirchenseite. Es ist durchaus auch möglich, daß man sich des Internets bedient, um ein Feedback der Gemeindeglieder zu bestimmten Themen zu bekommen. Aber ich denke, dazu gibt es die jeweilige Internetpräsenz der jeweiligen Institution.

Die sozialen Netzwerke

In den sozialen Netzen, so scheint mir, geschieht Vernetzung von Menschen mit gleichen Interessen. Diese Vernetzung ist auf Augenhöhe, ein Landeskirchenprofil wäre also nicht das Dach unter dem alles geschieht, sondern ein gleichberechtigter Teilnehmer am Geschehen. Nur hat dieser Teilnehmer an sich keine Substanz, da er nicht echt ist, keine Person dahinter steht.

Natürlich gibt es eine Person, die zuständig ist für das Profil, die Freunde anklickt (nach welchen Kriterien eigentlich?) oder bestätigt. Aber zu welchem Zweck? Sie wird nicht mehr tun können, als das, was sie auch auf der normalen Internetpräsenz kann. Ja eigentlich kann sie bei Facebook viel weniger tun. Dagegen gehört ihr bei der eigenen Präsenz der Server selbst und sie wird nur durch die Technik begrenzt.

Jedenfalls wäre es nach meiner Meinung sinnvoller, wenn der betreffende landeskirchliche Mitarbeiter sich selbst in solchen Diensten vernetzt. Meinetwegen mit einem vom Privatprofil getrennten dienstlichen Profil. So kann er da dann teilnehmen, wenn er will, und auch sich selbst einbringen. Er müßte sich dann auch nicht als Vertreter der Kirche fühlen, sondern eben als Kirchenglied XY. Wie alle anderen auch.

Oder kurz: Landeskirchliche Einrichtungen sind – wie Facebook-Seiten – Struktur für kirchliches Leben im jeweiligen Umfeld. Und die Struktur wird durch die Kirchenglieder geschaffen. Im RL ist es die Landeskirche, in sozialen Onlinenetzen sind es andere Formen. Wobei natürlich die Landeskirchen weiterhin prägend bleiben. Kein Mensch lebt nur online. Aber wo es verständlich ist, daß ein Greifswalder nicht jeden Sonntag in nen Lörracher Gottesdienst geht, wegen der Entfernung, ist es nicht mehr ganz so begreiflich, warum dies noch eine Rolle spielen soll, wenn es um ein kirchliches Onlineangebot geht. Denn da ist der Weg nicht weiter als für jeden sonst auch.

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Straßenmission

Der Zug fährt ne Stunde später, also ist noch Zeit für nen Schwank as meinem Leben (gerade passiert):

Pfingstlerin: Haben Sie Jesus Christus schon als Ihren persönlichen Herrn und Retter angenommen.

Ich: Ja, ich studier Theologie und werd Pfarrer.

Sie: Kennen Sie Johannes 3 Vers 3?

Ich: Nicht ausm Kopf…

Da hat sie schon ihre Bibel in der Hand und liest vor. Gut vorbereitet. Es geht um die Geschichte mit Nikodemus und darum, daß man aus Wasser und Geist ne geboren werden muß. Soweit kein Problem, ich lese auch Bibel, kenne die Stelle auch (auch wenn ich nicht auswendig weiß, wo sie genau steht, Johannes am Anfang hätt ich so ungefähr noch gewußt)…

Sie: Wasser bedeutet Wort Gottes.

Ich: Häh?!?!?!

Sie: Überall in der Bibel wo von Wasser die Rede ist, ist das Wort Gottes gemeint.

Ich: Nee, Wort Gottes steht offen da, Wasser meint hier die Taufe.

Sie: Das ist doch Quatsch…

Dann referiert sie über die Stelle, in der Jesus sich mit der Samaritanerin unterhält (sie wußte wo’s steht, ich bin zu faul nachzusehen und hab’s schon wieder vergessen, ich glaub aber Johannes weiter hinten) und weißt darauf hin, daß Jesus davon spricht, ihr Wasser zu geben nach dessen Genuß einem nie wieder dürstet. Das ist der Pfingstlerin Beleg für „Wasser heißt immer Wort Gottes“.

Ich meine daraufhin: Nene, hier ist das Evangelium gemeint.

Was soll ich sagen, sie wurde langsam säuerlich. Sie verstand nicht, daß das Evangelium etwas anderes ist, als das, was in der Bibel steht. Als ich von den 4 Versionen (ich hätte genauer „Fassungen“ sagen sollen, aber das hätt ach nicht geholfen) des Evangeliums in der Bibel sprach, war’s ganz aus: Sie sprach mir ab, wirklich gerettet zu sein und den Heiligen Geist zu haben nd dergleichen mehr. Aßerdem habe die Landeskirche die Botschaft ja verfälscht (wir können gern über Fehlentwicklungen reden, aber so pauschal ist das einfach dumm und anmaßend).

Was tut man also, wenn man nicht den ganzen Mittag Zeit hat zum Diskutieren? Ich hab ihr die Einladung in den Gottesdienst wieder in die Hand gedrückt, hab ihr Gottes Segen gewünscht und mich verabschiedet, mit ebenfalls angepisstem Ton.

Was bleibt zurück? Bei ihr wohl die Überzeugung, daß die Landeskirchler alle verloren sind und bei mir? Nun, daß ich bedeutend mehr Zeit brauch, um mich mit den Straßenmissionaren auseinandersetzen zu können. Und daß sie ein (verzeihung) beschissenes Missionskonzept haben. Also, liebe Straßenmissionare:

  1. Gebt Eurem Gegenüber die Chance, zu reagieren (kaum hatte ich die Einladung in der Hand ging’s auch schon los mit Johannes 3,3; ich wollt mir eigentlich erst die Einladung mal ansehen und dann mit ihr reden, weil den Sonntag bin ich nicht hier).
  2. Hört zu, was Euer Gegenüber sagt, und geht darauf ein (und zwar nicht mit allgemeinen Parolen, sondern erzählt von Eurem persönlichen Glauben, wie Ihr das seht. Zeugnis geben sagt man auch.)
  3. Überhaupt: Hört auf, festgefahrene Diskussionswege zu verfolgen. Mir war klar, die Dame war geschult darauf, mit Johannes 3,3 anzufangen und damit irgendwie nen Argumentationspfad zu beschreiten, der darauf hinausläuft, daß sie Recht hat. Da hat es natürlich gestört, daß ich den Weg nicht mitgehen wollte und NEIN sagte. Verlasst Euch nicht so sehr auf vorgefertigte Diskussionswege, redet frei von Eurem Glauben. Das ist gut genug, ja das ist besser und echter als alles andere. Sollen wir als Christen nicht sogar uns keine Gedanken machen, was wir sagen werden, sondern auf den Heiligen Geist vertrauen, der für uns spricht?

Ach wenn mir die Pfingstler in Bibelverständnis und Frömmigkeit sehr fern stehen, wir glauben doch alle an einen Gott, und sollten uns wie Geschwister begegnen. Ich hatte das Gefühl, als hielte sich die Dame für meine Lehrerin, die mir mal erklären müsse, wo das so ist.

Das will keiner! Ich find’s zwar irgendwo auch lustig und interessant, rein aus fachlichem Interesse, aber ich wage zu bezweifeln, daß Besserwisserei eine der Gaben des Heiligen Geistes ist…

Man soll ja immer was Positives sagen, wenn man Kritik übt: Ich find’s gut, daß die Leute ihre Zeit dafür einsetzen, anderen vom Glauben zu erzählen. Aber ein wenig weniger Verbissenheit und mehr Gottvertrauen brächte mehr Früchte. Zwingen kann man eh keinen.