Netzfunde

Netzfunde vom Freitag, den 18. Oktober 2013

Ja, es sind die Netzfunde vom Freitag, trotzdem erscheinen sie Samstag, weil am Freitag gab es ja schon einen Artikel und am Samstag bin ich nicht da…

Also los geht’s…

Ich hatte vor kurzem ja über Lampedusa und die Flüchtlinge geschrieben. Auf evangelisch.de gibt es ein Interview mit Thorsten Leiser, theologischer Referent für Menschenrechte und Migration des Kirchenamts der EKD. Der hat viel mehr Ahnung als ich und benennt auch klar, wo sich etwas ändern muß.

Theodred hat einen Artikel geschrieben über die Kirchensteuer und die angebliche brandmordschatzende Aneignung der Kirchenvermögen durch die Kirchen, weshalb ja Staatsleistungen und Kirchensteuer eigentlich abgeschafft gehören, nach Meinung besonders „kritischer“ Geister… wer sich informiert und wirklich nachdenkt, kommt vielleicht zu anderen Ansichten.

Daß die Kirchen auch manchmal ganz konkret der Gemeinschaft helfen und nicht nur Geld abgreifen, wie man immer öfter gesagt kriegt, kann man bei evangelisch.de nachlesen. In Sachsen-Anhalt haben die dortigen Landeskirchen beschlossen, insgesamt 2 Millionen Euro an das Land zu zahlen, damit dieses seine Schulden los wird, aufgeteilt auf mehrere Jahre. Und das ausgerechnet in einem Bundesland, in dem die Mehrheit der Bewohner keiner Kirche angehören. Ob man das in nichtkirchlichen Medien hören wird? Man wird sehen.

Und noch was hab ich zum Thema Kirche und Finanzen: Just Wondering schreibt über den Limburger Bischof und wieso der vom Prunkfaktor her ein eher kleines Licht ist im internationalen Vergleich, und zum Glück noch für eine vergleichsweise gute Theologie steht (hier leg ich auf das „vergleichsweise“ Wert!). Aber Tebartz-van Elst kann ich auch als Christ ansehen, während ich da bei den Protagonisten des prosperity gospel ziemliche Schwierigkeiten hab.

Weg von der Kirche, hin zu den alltäglichen Problemen. Etwa jugendliche Gewalttäter. Was hilft wohl mehr? Den Jugendlichen zu sagen, daß Gewalt keien Lösung ist, oder ihnen zu erklären, wie sie als Opfer von Gewalt überlegen können, mit nem Messer in der Seite oder ner Schußwunde in der Brust. Bei idealist.org gibt es nen Artikel über einen Erste-Hilfe-Kurs der anderen Art. Sicher ist es besser, wenn es gar nicht erst zur Gewalt kommt. Aber wenn es doch zur Gewalt kommt, ist es besser, man weiß, wie man hilft.

Idealist.org ist übrigens eine Webseite, die offene Stellen bei Freiwilligendiensten weltweit anzeigt. Da gibt es ja heutzutage ne Menge, und viele findet man dort. Unter anderem auch nen Artikel, der einige Möglichkeiten zusammenfasst. Und wenn man eine Stelle gefunden hat, für die man sich bewerben will, gibt es auch gleich noch Bewerberinfos dazu.

Ach, einmal Kirche hab ich noch: Und zwar in Pirmasens, dort werden Kirchenpräsident Christian Schad und sein persönlicher Referent Alexander Ebel (der hier) am 30. Oktober um 19 Uhr zu den Zukunftsvisionen der Kirche, und zwar on- und offline referieren. In der Johanneskirche am Exerzierplatz. Und davon gibt es dann einen Live-Videostream im Netz sowie die Möglichkeit, selbst Kommentare zu hinterlassen bzw sich über Twitter zum Thema auszutauschen und so. Aber lest selbst.

Gesellschaft

Lampedusa

Vor unseren Küsten ersaufen Männer, Frauen und Kinder und was tun wir? Lange reden und am Ende kommt doch nix raus!

Und das ist so entmutigend, so lähmend. Da sterben Menschen und nix passiert, man nimmt sich nicht mal vor, wirklich etwas zu tun.

Statt dessen wird raisoniert, ob es nicht sinnvoller wäre, in den Ursprungsländern etwas zu tun, um das Elend der Flüchtlinge zu beenden. Klar, es hilft den Ertrinkenden ja auch wahnsinnig viel, wenn wir ein wenig Entwicklungshilfe nach Eritrea schicken. Oder nach Somalia, Ihr wißt schon, alle diese wunderbaren afrikanischen Staaten mit funktionierender Infrastruktur und Staatssystem… sorry, ich werd grad zynisch, aber es zerreißt mir das Herz!

Da sind Menschen in Not. Punkt. Nochmal lesen, setzen lassen, durchatmen. Wenn ein Kind im Begriff ist, von einem Auto überfahren zu werden, raisoniert man dann darüber, daß die Eltern ihm vielleicht hätten besser beibringen sollen, auf der Straße aufzupassen? Leihert man dann halbherzige Elterninformationsveranstaltungen an zum Thema Straßenverkehrserziehung? Oder sieht man zu, das Kind von der Straße zu kriegen oder den Autofahrer zu stoppen? Eben. Man hilft erst mal in der konkreten Notsituation. Alles andere wäre menschenverachtend! Und als ebenso menschenverachtend empfinde ich es, wenn man Opfer an unseren Küsten hinnimmt, weil man Angst um seine Pfründe hat, weil man sagt, das sind ja eh alles Moslems, die von den muslimischen Staaten aufgenommen werden müßten, oder wenn man darauf hinweist, daß es ja die Mittelschicht der armen Länder ist, die da flieht, und die sind ja eh nur geldgeil oder wollen sich nen lauen Lenz machen…

Andernorts liest man dann auch mal davon, daß man ja schon Flüchtlinge reinlassen könne, aber doch bitte nur solche, die verwertbare Abschlüsse vorzuweisen haben. Hier wird der Mensch zur Ware. Da kommt die Sklaverei durch die Hintertür wieder rein (manche behaupten ja auch, wir hätten die Sklaverei eh schon mit den präkären Arbeitsverhältnissen).

Man rettet das Kind doch nicht vorm Überfahrenwerden nur dann, wenn es gute Noten hat! Oder sonstwie „verwertbar“ ist.

Die Flüchtlinge können so wenig dafür in den armen Ländern geboren worden zu sein wie wir etwas dazu können, hier geboren zu sein. Wir haben also keinen Grund, uns erhaben zu fühlen.

Auch glaube ich nicht, daß das Boot voll ist, wie man auch manchmal hört. Belgien ist ein Land, das durchaus nicht nur aus Elendsvierteln besteht, hat aber eine Bevölkerungsdichte von 362 Einwohnern pro Quadratkilometer – laut Wikipedia. Um auf diese Bevölkerungsdichte zu kommen, könnten wir in Deutschland noch gut 48 Millionen Menschen aufnehmen! Eritrea hat um die 5 Millionen Einwohner und Somalia 7,5 bis 12,9 Millionen. Wir könnten die Einwohner dieser beiden Länder hier also komplett aufnehmen, dazu noch alle Einwohner Syriens (20 Mio.) und hätten immer noch Platz für weitere 10 Mio. bevor (!) wir die Bevölkerungsdichte Belgiens erreichen!

Würde man die Bevölkerungsdichte Belgiens für die ganze EU annehmen, so hätten wir noch Platz für rund eine Milliarde Menschen. Oder ganz Afrika! Angesichts dieser Beispielrechnung (Zahlen stammen alle aus der Wikipedia) frage ich mich, ob es lediglich Phantasielosigkeit ist, wenn man sagt, man könne nicht alle Afrikaner aufnehmen. Vom Platz her ginge es.

Und vom Geld her? Das kommt sicherlich drauf an. Wenn man davon ausgeht, daß uns die Flüchtlinge alle „auf der Tasche liegen“ werden, wird es freilich eng. Aber: Die meisten wollen arbeiten, da sProblem ist ja gerade, daß wir unsere Asylanten nicht arbeiten lassen. Also eröffnen wir ihnen eine Lebensperspektive, lassen wir sie arbeiten, lassen wir sie ihre Kenntnisse einbringen in Europa und Geld damit verdienen, was wiederum zu Steuereinnahmen führt.

In der Zeit des Konfessionalismus kam es immer wieder dazu, daß Glaubensflüchtlinge ihre Heimat verlassen mußten und in anderen Ländern eine neue Heimat fanden, die das mit der Religion entweder liberaler sahen, oder wo die Religion der Flüchtlinge die Mehrheit stellte.

Preußen wurde so groß, und auch die USA. Die Flüchtlinge siedelten sich dort an und schufen sich und der neuen Heimat Wohlstand. Wieso sollte das nicht wieder gelingen? Auch wenn diesmal nicht die Religion der Grund für die Flucht ist (wobei das nicht ganz stimmt, man denke an die Kopten aus Ägypten oder die syrischen Christen!).

Die Ideologie, nach der diese Menschen hier fremd wären und deshalb nicht hergehörten kann ich nur als dumm bezeichnen. Wir alle gehören nicht hierher. Europa hat schon so viele Völkerwanderungen erlebt, so viele kulturelle Veränderungen, daß es auf eine mehr oder weniger nicht ankommt. Worauf es ankommen wird, nach einer Meinung, ist, daß wir es schaffen, die Einwanderung zu gestalten zum Wohle aller. Denn aufhalten werden wir die Völkerwanderung nicht können.

Die Römer hatten versagt, als immer mehr Germanen nach Süden drängten. Sie schafften es nicht, diese zu integrieren, was letztendlich im Untergang des römischen Reiches endete. Und dann kam: Das Mittelalter!

Sage ich, man solle nichts in den Heimatländern der Flüchtlinge machen? Nein, natürlich ist es sinnvoll und erstrebenswert, auch dort auf lebenswerte Bedingungen hinzuarbeiten. Aber das kann kein Alibi dafür sein, die akute Not nicht zu beachten! Man läßt kein Kind in die Steckdose langen mit der Ausrede, daß man ja morgen eine Gruppe anderer Kinder darüber aufklären wird, daß das lebensgefährlich ist und sie das lieber lassen sollten.