Gesellschaft

An jeder Ecke steht ein Elefant…

… mit dieser Zeile besagen die Ärzte vor einigen Jahren Schweden, sie nennten es auch „wunderbares Land“.

Dem kann ich nur zustimmen, wenn ich daran denke, was ich grad bei der taz gelesen hab: Die Schweden schicken keine Soldaten nach Syrien, um dem Assad mal zu zeigen wo der Bartel den Most holt, sondern sie holen die Syrer zu sich nach Hause.

Womöglich günstiger und erfolgreicher in Bezug auf en Schutz der Zivilisten, als es ein Krieg ist.

In Deutschland ist man nicht so weit. Schade. Denn wenn unsere Wirtschaft wirklich so galoppiert, wie die Kanzlerin mir weismachen will, dann dürften wir die Syrer wohl eher versorgen können als Schweden es kann (das übrigens nicht mal die Hälfte der Einwohnerzahl Syriens hat, während Deutschland viermal so viele Menschen beherbergt).

Ich wünsche mir, daß auch wir unsere Grenzen öffnen für diejenigen Menschen, die alles verloren haben und um ihr Leben bangen müssen. Wegkucken und Waffen liefern ist feige.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 23.03.2012 (2. Chr 14, 10)

Da Bonifatz auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub (nennt man das so? Darf ich sagen, wo Du hinfährst?), versuch ich mich mal ein wenig beim Wort zum Tag. Ich hoffe, ich kann der Aufgabe gerecht werden.

Der heutige Losungstext steht in 2. Chr 14, 10:

HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

„Steht in“ ist wörtlich zu verstehen. Der Vers ist eigentlich länger. Doch möchte ich auch den Lehrtext mitbenutzen, den die Herrnhuter den Losungen hinzfügen. Dieser steht heute in Philipper 4, 19:

Gott, dem ich diene, wird euch alles geben, was ihr braucht, so gewiss er euch durch Jesus Christus am Reichtum seiner Herrlichkeit teilhaben lässt.

Ja, das ist kein Luthertext, das ist Gute Nachricht. Irgendwie versteh ich nicht ganz, wieso  die den zweiten Halbsatz so übersetzen. Macht nix, hier noch einmal den Luthertext:

Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

Traditionell gesehen

Traditionell ist es ja so, daß der Lehrtext die Losung auslegen soll. Während der Losungstext tatsächlich gelost wird, ist der Lehrtext dazu eine bewußte Auslegung. Und wenn man den AT Satz alleine hat, braucht man die vielleicht auch. So viel gibt der alleine nicht her. Gut, wir wissen daraus, daß Gott dem Schwachen gegen den Starken helfen kann, daß es Ihm nicht schwer fällt.

Aber sonst? Sonst gar nix. Kein Wort dazu, ob Gott das überhaupt vorhat, oder ob Er vielleicht das Gegenteil verfolgt, ob es Gott egal ist und erst motiviert werden soll, z dem Schwachen zu stehen.

Durch den Lehrtext erfahren wir: Gott wird uns geben, was wir brachen. Er wird unserem Mangel abhelfen.

Den Blick weiten

Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn Verse so as dem Zusammenhang gerissen werden. Wie ist das nochmal beim Kontext vom Losungsvers?

Es geht um den König Asa von Juda. Er gehört zu denjenigen, die gelobt werden, weil sie die Verehrung anderer Götter unterbinden. Zumindest am Anfang seiner Regierungszeit (das blieb nicht immer so, aber darm geht es heute nicht) gehört er klar zu den gottgefälligen Königen Judas. Er lebt ruhig im Lande, es gibt keinen Krieg, und er nutzt die Zeit, um die Verteidigungsanlagen auszubauen.

Dann bricht Krieg aus. Die Kuschiter unter Serach fallen ins Land ein. Es ist die Rede von einer Million Soldaten und dreihundert Streitwagen. Dem gegenüber sehen die 580.000 Mann Asas recht mickrig aus.

Sicher sind diese Zahlen übertrieben (welche moderne Armee hat schon 1 Mio Soldaten? Nicht viele!), aber klar wird: Da kommen jede Menge Feinde und man hat nr etwa die Hälfte an Männern entgegenzusetzen. Eigentlich eine ausweglose Situation. Was tut Asa? Er zieht dem feindlichen Heer entgegen, ruft Gott an, und dann kommt der Losngstext: Es ist Dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

Es geht hier nicht um irgend eine theoretische Aussage über Gottes Möglichkeiten. Es handelt sich um die Einleitung zu einem Hilferuf an Gott in der Bedrängung. Denn der Vers geht weiter:

Hilf uns, HERR, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich, und in deinem Namen sind wir gekommen gegen diese Menge. HERR, du bist unser Gott, gegen dich vermag kein Mensch etwas.

Darum geht es im Grunde: Du bist stark genug zu helfen, also hilf! Und was passiert? Die Kschiter werden vernichtend geschlagen. Keiner überlebt, die Judäer plündern und machen große Beute.

Das ist zwar jetzt nicht politisch korrekt, aber darum geht es gar nicht. Der Punkt ist: Asa wird bedroht, Asa vertraut auf Gott, das Unmögliche geschieht, die Gefahr wird in einen Segen verwandelt für Asa und die Judäer: Sie machen reichlich Beute.

Wie stand noch bei Philipper? „Mein Gott wird all Eurem Mangel abhelfen“.

Und was ist der Kontext dieses Textes? Paulus beschriebt, wie er von den Philippern finanziell unterstützt wurde. Er habe keinen Mangel gehabt, aber es sei gut gewesen, daß sie ihm etwas schickten, da er nun Überfluß habe. Und dann kommt der Lehrtext: Der Mangel, der durch die Gaben an Paulus entstanden wird durch Gott ausgeglichen werden.

So hängen beide Texte durchaus miteinander zusammen, denn beide thematisieren Gottes Hilfe für den, der Mangel leidet (ob finanziell oder an Soldaten), aber es gibt auch Unterschiede. Denn während Asas Sieg über die Kuschiter berichtet wird, also Gottes Hilfe konkret beschrieben wird, spricht Paulus nur davon, daß das Ausgleichen des Mengels geschehen wird. Berichtet wird es uns hier nicht.

Insofern ist der Lehrtext zwar ein Hinweis für das Verständnis, das Lesen der ganzen Geschichte von Asa dient dem Verständnis aber mehr.

Es ist also durchaus sinnvoll, wenn Bonifatz die Lehrtexte wegläßt, und lediglich die Losungstexte behandelt.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 20.2.2012 (Jos 8, 1)

Fürchte dich nicht und verzage nicht!

Es ist ein Satz, der Mut machen soll – und merkwürdig ist. Wenn ich früher mal eine Spritze bekam oder mir Blut abgenommen wurde, wurde mir gesagt: „Hab keine Angst.“ Da ich dennoch Angst hatte, bin ich einer solchen Aufforderung gegenüber sehr skeptisch. Vielleicht geht es euch ähnlich. Denn Angst ist ja nichts, was ich mir aussuche, die kommt einfach. Doch um Angst geht es hier nicht, sondern um Furcht. Man kann Furcht von Angst dadurch unterscheiden, dass die Furcht rational begründet und auf ein konkretes Gegenüber gerichtet ist.  Man kann sicher darüber streiten, ob die Menschen damals bereits diese Unterscheidung gemacht haben. Auffallend ist jedoch, dass die Formulierung „Fürchte dich nicht und verzage nicht(Luther übersetzt: Lass dir nicht grauen)“ nie ohne einen konkreten Anlass zur Furcht auftaucht, z.B.  im Kontext mit unmittelbar bevorstehenden Kampfhandlungen (z.B. Dtn 1, 21) (z.B. Dtn 1, 21), bezogen auf zukünftige Befreiung Israels uns Jakobs (Jer 30, 10Jer 46, 27) .Situationen, in denen Menschen andere dazu angesichts großer Aufgaben auffordern sind z.B. 1. Chr 22, 13 1. Chr 28, 20  .  Sowohl wenn Gott als auch wenn Menschen sagen: „Fürchte dich nicht und erschrecke nicht“ ist das nie grundloser Befehl, sondern immer verbunden mit Unterstützung angesichts konkreter Gefahren oder Herausforderungen. Wenn wir also den Satz „Fürchte dich nicht und erschrecke dich nicht“ auf uns heute beziehen, so kann man ihn vielleicht so verstehen:

„Rechne angesichts ganz realer Gefahren und Herausforderungen damit, dass du Grund zur Annahme hast, mit dieser Gefahr und Herausforderung nicht allein gelassen zu werden“. Und so verstanden wird mir zumindest dieser Satz tatsächlich zu dem, was er sein soll: Ein mutmachender Satz.

Noch einmal zurück zu den Israeliten. Es wird ihnen also gesagt: „Fürchtet euch nicht vor dem, was vor euch liegt“. Was vor ihnen liegt, ist ein Kampf gegen die Bewohner von Ai. Wenn es uns (oder zumindest mich) heute befremdet, Gott als Berater so unmittelbar in Kampfhandlungen eingebunden zu sehen, muss die damalige Zeit berücksichtigt werden, in denen die Einbindung von Göttern in Kampfhandlungen völlig selbstverständlich war. Und so sehr mich die Einbindung von Gott in Kampfhandlungen befremdet, so freut es mich doch, dass Gott eben auch da ist, wo ich ihn mir nur schwer vorstellen kann. In der ESG gab es einmal einen Abend zur Militärseelsorge in der Bundeswehr. Und es wurde auch die Frage gestellt, wie sich die Kirche am Krieg beteiligen könne. Ich bin der Meinung, die Kirche darf sich nicht an Krieg beteiligen. Sie muss aber für die Menschen vor Ort ansprechbar sein, denn sie dient eben einem Gott, der auch da ist, wo wir ihn uns nicht vorstellen können. (Weitere Infos zur Militärseelsorge: (evangelisch katholisch EKD-Hintergrundinfo)

Nur das Vertrauen darauf, dass Gott eben auch da ist, wo wir ihn uns nicht vorstellen können, macht ein Satz wie „Fürchte dich nicht und verzage nicht“ überhaupt nachvollziehbar.