Theologie

Von Wundern und Wirklichkeit

Christina hat mir in nem Kommentar bei nem anderen Artikel ne Frage gestellt, die ich hier beantworten möchte.

@ Benny: Nochmal eine Frage an dich, nur neugierigkeitshalber. :) Du hast das ja oben nicht so direkt gesagt und deshalb besteht bei mir da immer noch Unklarheit drüber. Und ich wüßte es gerne. Glaubst du nun, dass Jesus die Wunder im NT (Sturmstillung, übers Wasser laufen, Brotvermehrung usw.) getan hat? Also ich meine damit konkret, damit wir uns nicht mißverstehen: Haben sie wirklich so stattgefunden wie geschildert? Oder sind das in deinen Augen auch Methapern, Mythen o. ä. ? Und ich würde mich über eine klare Aussage in diesem Punkte freuen.

Die Frage ist also: Sind die Wundergeschichten des NT historisch zutreffend? Haben sie historisch stattgefunden?Bzw, wie sehe ich das.

Die Frage, ob sie historisch stattgefunden haben, ist nicht mehr zu beantworten, denn es gibt keine belastbaren Zeugenaussagen dazu. Wir haben ein paar Evangelien, die entsprechendes behaupten, jedoch muß davon ausgegangen werden, daß die Evangelisten selbst nicht dabei waren (sie behaupten es in den Evangelien jedenfalls nicht) und Paulus, der zeitlich näher dran war (und Jesus auch niemals selbst traf) erwähnt überhaupt keine Wunder.

Eine andere Frage ist, ob ich der Meinung bin, daß der Sohn Gottes, der göttliche Logos, der die Welt schuf, in der Lage ist (oder wäre), Wunder zu tun, also Dinge, die den Naturgesetzen widersprechen. Da lautet die Antwort: Ja, ich denke, daß er es könnte, ja können müßte. Das ist aber eine prinzipielle Frage, keine historische.

Wieder eine andere Frage wäre, ob diese Wundergeschichten innerhalb des Evangeliums eine bestimmte Rolle spielen, ob sie wichtig sind für den Fortgang der Geschichten, ob die Evangelisten sie also nicht in erster Linie schrieben, um sie als historisches Faktum zu erzählen (dazu würde ja reichen: Montag, 3.6.30, Jesus läuft auf See Genezareth) sondern um damit etwas anderes auszudrücken. Da würde ich sagen: ja, davon bin ich überzeugt. Die Evangelien wurden nicht Logbuch Jesu geschrieben, die einfach nur Seine Taten auflisten, sondern um Ihn als den Messias und Erlöser Gottes vorzustellen. Und da passen Wundergeschichten ganz gut in die Motivation der Evangelisten.

Also denke ich persönlich, daß diese Geschichten, die ich für möglich halte, die aber weder historisch beweisbar sind und auch als literarische „Erfindung“ der Evangelisten allein Sinn ergeben, tatsächlich geschehen sind?

Ich halte es für egal, wieso sollte ich dazu eine Meinung haben? Was ändert es an meinem Leben? Vielleicht sind sie geschehen vielleicht nicht, vielleicht regnet es morgen, vielleicht nicht. Muß ich sie für historisch halten, um glauben zu können? Nein. Gibt es einen Grund, daß ich mich jetzt für irgend eine Option entscheiden müßte? Ich kenne keinen. Vielleicht werden mich einige konservative Christen deshalb schief ansehen, aber das tun sie eh. Vielleicht werden mich irgendwelche „aufgeklärte“ Menschen jetzt schief ansehen, aber auch das geschieht so schon.

Es tangiert meinen Glauben nicht, ob Christus übers Wasser ging oder den Sturm stillte. Falls Er es nicht tat und es Erfindungen der Evangelisten sind, ändert das nichts daran, daß Er für uns alle am Kreuz starb. Das ist relevant. Und daran glaube ich.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 27. März 2012

Mandy hat sich Gedanken dazu gemacht, ob Tiere eigentlich in den Himmel kommen. Und dann hat sie noch einen wunderbaren Artikel zu Behinderungen geschrieben. Ich hab mal den Satz afgeschnappt: Behindert ist man nicht, behindert wird man. Ich denke das kommt in ihrem Text gut raus. Einschränkungen hat jeder af die ein oder andere Art, aber zur Behinderung werden sie erst, wenn andere darauf keine Rücksicht nehmen.

Ich bin auf ein tolles Video von Joshua Tongol gestoßen (via):

Es geht um die Frage, was der Kreuzestod Jesu bedeutet,also ob Gott seinen Sohn ermordete, weil er Blut sehen mußte, oder ob es noch andere Deutungen gibt. Sehr sehenswert, leider in Englisch.

Über die scoop.it Seite von Kirche 2.0 fand ich ein paar interessante Artikel: Ralpe schreibt zu Luthers „pecca fortiter“ und Bentzerfreundlichkeit, bei RTL gibt’s ein Video zu QR Codes auf Grabsteinen und überhaupt, Keith Anderson schreibt über das Problem, daß Erfolg auch bei Kirchens in Zahlen gemessen werden soll und erinnert mich damit ein wenig an den Reformprozess der EKD, mit seiner Fixierung auf Taufzahlen et al und Jörn Brien schreibt über den Umgang mit dem Tod im Social Web.

Bei idea wird gemeldet, daß der Arabische Frühling auch zu einem Anstieg der Zahl der Neuchristen im arabischen Raum geführt hätte. Im Libanon hätten die Missionare dabei mehr Probleme mit den traditionellen Christen wie Maroniten als mit den Muslimen. Wenn man jetzt schon öfters mal was aus diesem Missionsgebiet gelesen hat wundert das nicht. Mir ist es schon mehrfach begegnet, daß die Konversion von traditionellen Christen zu evangelikalen Gruppen als Missionserfolg verbucht wurde und von Neuchristen gesprochen wird. Allerdings ist auch die Rede davon, daß es sich diesmal bei den Neuchristen vorwiegend um ehemalige Muslime handelt…

Ich hab noch ein Video, auch Englisch, aber etwas schwerer, weil irisches Mädchen:

[Das Video ist auf Youtube leider nicht mehr verfügbar]

Gefunden bei peregrinatio. Es geht um St. Patrick. Ebenfalls bei peregrinatio gibt es einen Artikel zum Führungsstil des scheidenden Erzbischofs von Canterbury.

Und noch was britisches: Ein Artikel von Bischof Nick Baines über die Deutschen und die Rolle, die das 3. Reich noch in unserem Denken spielt.

Herrmann Aichele hat einen Artikel über „Glauben“ geschrieben und das Problem, wenn man den Begriff erkenntnistheoretisch einengt. Dürfte für Atheisten interessant sein, die den (religiösen oder christlichen) Glauben wirklich verstehen wollen.

Ne neue Runde lusitge Kirchenschilder gibts bei sojo.net.

Bei geiernotizen lernt man die neuesten Schutzzauber gegen Nazis und deren Gedankengut kennen.

Und dann natürlich der Aufreger des Wahlabends. Die Piraten sind ins Saarbrücker Parlament eingezogen und Patrick Döring von der grandios gescheiterten FDP ließ sich dazu hinreißen, von einer Tyrannei der Masse zu sprechen und einen Klarnamenzwang zu fordern. Das gibt es auch als Video:

[Der entsprechende Youtube Kanal wurde inzwischen gelöscht]

Dazu passt dann wunderbar der Artikel über Kritik und Bashing von Michael Blume, in dem er die Piraten als positives Beispiel für Politikkritik hervorhebt und (meiner Meinung nach treffend) Fußball-Hooligans mit Bashern vergleicht.

Dann hab ich noch ne Horrormeldung: Google will nun auch die Hintergrundgeräsche bei Telefongesprächen zur besseren Werbeplatzierung erschließen. Prost Mahlzeit, die werden dann natürlich mit den Suchanfragen, den E-Mails und den youtube-Videos, die man so guckt gekoppelt und ras kommt… ich will es mir nicht vorstellen.

Und weil wir es von youtube hatten, noch ein Video (via).

Ich bin ja echt versucht, den „netten Nazi“ als armes Opfer anzusehen. Freilich, er hat ein politisches Mandat und nutzt es im Sinne der NPD, aber ich denke das Problem liegt hier weniger darin, daß es sich um einen gemeingefährlichen Menschen handelt (er wird ja von allen als „nett“ bezeichnet), sondern daß er einfach zu dumm (sorry, aber ist doch so) ist um zu begreifen, wo er da mitmacht. Er liest nur noch die eine Zeitung und hält sich daran, was da drin steht. Und nur, weil es nicht die BILD ist, ist sein unreflektiertes Wiederholen der Parolen nicht mehrheits- und gesellschaftstauglich.

Eigentlich müßte man sich mit dem Mann einmal befassen. Zeit mit ihm verbringen, mit ihm reden, ihm andere Möglichkeiten erschließen, die Welt zu sehen. Auf mich jedenfalls macht der Herr den Eindruck, den auch viele Sektenmitglieder machen: Allein und ohne die Sekte auch orientierungslos. Aber nimmt man sich die Zeit und bietet eine Alternativorientierung an, dürften die Chancen gut stehen, ihn aus dem Sumpf rauszuholen. Das macht seine Partei und deren Parolen freilich nicht weniger gefährlich, aber so könnte man ihnen vielleicht wirklich das Wasser abgraben, indem man sich Zeit nimmt für die Menschen.

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Wie Gott uns erlöst hat

Dieser Artikel ist mehr zur Selbstvergewisserung gedacht. In letzter Zeit hab ich mir öfter Mal Gedanken zur Versöhnungslehre gemacht, dazu auch in Foren diskutiert und mich dabei vielleicht etwas verrannt und weit aus dem Fenster gelehnt.

Es ging mir um die Satisfaktionslehre, nach der Gott ein perfektes Opfer gebraucht hätte, um die Sünden der Menschen vergeben zu können, aufgrund Seiner Gerechtigkeit.

Diese Interpretation ist mir sehr fern, ich spüre starke innere Widerstände beim Gedanken, daß Gott ein Opfer nötig hat. Zwar ist mir klar, daß wegen der Trinität kein Unterschied zwischen Gott und Jesus besteht, ich erhebe also nicht die Anklage, daß Gott einen unschuldigen Dritten zum Leid verdammt, trotzdem fühle ich mich unwohl bei dieser Deutung.

Ich bin mehr ein Freund der Christus Victor Theologie, nach der der Tod Christi am Kreuz und Seine Auferstehung den Sieg über Tod und Teufel bedeuten. Ich denke mir Jesu Tod als Lösegeldzahlung an den Teufel für die Menschheit, an der sich der Teufel übernahm und die schließlich seine Niederlage bedeutete.

Daneben gibt es weitere Theorien zum Tod Christi, und in letzter Zeit habe ich mir wie gesagt Gedenken gemacht, wie alles zusammen paßt und was jetzt genau stimmt, begleitet von einer inneren Unruhe.

Jetzt bin ich auf einen Blogeintrag gestoßen, in dessen Kommentaren der Autor noch einmal etwas hervorhebt, was für mich nochmal die Dinge ein Stück weit gerade rückt:

Und doch bin ich überzeugt, dass ohne die Auflehnung des Menschen gegen Gott zu verstehen, auch das Evangelium von der Gnade nicht verstanden werden kann.

Da hat er Recht. Und mir wurde bewußt: Im Moment, als mir die Bedeutung des Kreuzestodes Christi für mich klar wurde, war es nicht das genaue „wie“ der Erlösung am Kreuz, das mich traf, es war einerseits eben die Erkenntnis der Auflehnung gegen Gott, also der Erlösungsbedürftigkeit, sowie das „daß“ der Erlösung.

Das „wie“ mag immer wieder interessant sein für theologische Debatten, und ich werde mir wohl immer wieder die Zähne daran ausbeißen und ausbeißen müssen, wichtig bleibt aber das „daß“. Wir sind Sünder, wir bedürfen der Erlösung, Gott hat uns erlöst, Halleluja!

Wie genau Er das getan hat, wäre zwar interessant zu wissen, aber nicht zwingend notwendig, und ich bin Ihm nicht böse, wenn Er es als Betriebsgeheimnis von der Öffentlichkeit zurückhält.