Netzfunde

Netzfunde vom Donnerstag, den 6. Juni 2013

Zuerst mal der Hinweis auf den Bog von Uwe Hermann. Uwe ist Pfarrer und schreibt schon ne Weile auf seinem Blog „lechajim“ (oder לחיים). Gestern hat er nen Artikel zum Bibelverständnis geschrieben, bei dem er auch einige der Artikel der letzten Tage zu Bergers neuem Buch auflistete. In Zukunft will er dazu auch noch aus eigner Perspektive schreiben, und sammelt noch Fragen, also schreibt ihm, je besser der Input desto besser der Output 😉

Doro schreibt über den (angeblichen?) Fachkräftemangel, und zwar aus einer mir bisher unbekanten Persoektive. Und zwar ist es wohl so, daß transsexuele Menschen bei der Geschlechtsumwandlung auch ihre Arbeitsplätze verlieren, was mir bisher nicht bewußt war, und was ich etwas irrsinnig finde. Aber lest selbst.

Früher, als die Welt noch in Ordnung war und jeder wußte, daß Religion das Problem und nicht die Lösung ist, war es durchaus chic und galt als wahnsinnig subversiv, wenn man Religion auf welchem Weg auch immer angriff. Keine Diffamierung war zu dumm. Manche ewig Gestirgen haben sich da bis heute kein Stück weit weiterentwickelt. Auf der anderen Seite des großen Wassers ist man da schon weiter. Dort wird inzwischen schon der religionsfeindliche kritisiert, Rebell ist nicht der Atheist, der gegen die Massenvernichtungswaffe Vaterunser vorgeht, sondern wer vorgegebene Bahnen verläßt und trotz allem ein Gebet spricht. Ich kann mich dem Herrn Alipius nur anschließen in seiner Freude über Roy.

Stellt sich noch die Frage, wie man das mit diesem Dunk dem Herrn Video denn werten soll. Krisrennt spricht von Zensur, weil der Sender das Video nun doch nicht ausstrahlen will. Der Sender spricht von Verunglimpfung religiöser Symbole. Ich denke nicht, daß man Fundamentalist sein muß, um solch ein Video abzulehnen. Ich mein, meinetwegen können die tausendmal ne Jesusfigur ablecken und auf nem „Altar“ das Röckchen lüpfen. Iss n freies Land. Aber das heißt nicht, daß jeder verpflichtet wäre, das dann auszustrahlen, oder das man das jetzt ganz toll finden müßte. Ehrlich gesgat verstehe ich auch nichtwie man dadurch Kritik am Zölibat oder dem angeblichen Ideal der Jungfräulichkeit lesten sollte? Ohne Erklärung würd ich da wohl nicht drauf kommen. Ich mein, wenn ich ein Video dreh und darin auf ein Judengrab pinkle, dann kann ich auch kaum hingehen und sagen, es ginge mir um die Freiheit Tibets. Da fehlt einfach der Zusammenhang ud was ich da täte, wär einfach pietätlos. Nun, ich sehe den Zusammenhang zwischen Jesuslutschen und Zölibat auch nicht. Zumal keiner zum Zölibat gezwungen wird und diejenigen, die sich dagegen aussprechen, meist selbst nicht im Zölibat leben müssen. Und Ideal der Jungfräulichkeit? Also ich verstand die RKK immer so, daß das Ideal ist, zu heiraten und viele viele Kinder zu kriegen, die man dann auch römisch-katholisch zu erziehen hat. Jungfräulichkeit ist diesem Ziel eher abträglich, aber ich kann mich irren…

Nein, ich hab vielmehr den Eindruck, es geht darum, auf die Scheiße zu hauen und Quote zu machen, weil es eben ziemlich mainstreamig ist, au alles was nach Kirche aussieht, einzudreschen. Und das find ich einfach nur billig, deshalb verlink ich das Video hier auch nicht direkt. Wer abseits vom Mainstream wirklich mal coole subversive Kritik leisten wil, der mache mal ein Video über die Vorzüge von Zölibat und Jungfräulichkeit (wenn man denn nciht von diesem Thema lassen will). DAS wäre doch mal ein Schocker. Das würde den Mainstream herausfordern. Das wäre dann auch wenigstens vergleichbar mit den Aktionen eher religionskritischer Künstler, die sich damals gegen den kirchlich geprägten Mainstream auflehnen wollten. Aber den Arsch dazu hat mal wieder keiner in der Hose.

We are in bondage of a book.

So schreibt Erzbischof Lazar Puhalo. Zu deutsch etwa: „Wir sind Gefangene eines Buches.“ Und weiter:

Ultimately, too many people worship The Book, rather than the deity they proclaim to be great.

Zu viele Menschen beten ein Buch an anstatt der Gottheit, die sie als „groß“ verkünden. Puhalo bezieht das auf alle Buchreligionen und beschreibt, wie all dies zu religiöser Gewalt führt. Mandy hat vor kurzem in ne ähnliche Richtung sich ausgedrückt, als sie schrieb, sie folge Jesus und nicht der Bibel (seht nach beim Artikel vom Uwe Hermann, den ich ganz oben verlinkt hab). Uwe, wenn Du das hier liest, Puhalos Text wär für Deinen nächsten Artikel vielleicht auch interessant 😉

Adam Ericksen hat nen wahnsinnig guten Artikel über den neuen Star Trek Film „Into Darkness“, dessen Bezüge zum Evangelium und zum Krieg gegen den Terror geschrieben. Einer der wenigen Artikel, die einen richtig von den Socken hauen. Und am Beispiel von Krik sieht man, daß ein Schuldbekenntnis nicht unbedingt mit Zerknirschung einhergehen muß, und trotzdem wirksam ist.

Nochmal Mandy: Sie hat ne wichtige Nachricht geschrieben über ne Frau, die ziemlichen Müll verzapft hat und nun wohl die Geister nicht mehr loswird, die sie rief. Ich bin ja nicht mehr bei Facebook und kann den Shitstorm nicht verfolgen, aber wir sollten echt drüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft die Medienkompetenz der Leute um ein paar Kilometer (oder mißt man das in Tonnen?) erhöhen!Das Problem ist halt, daß es sehr schnell zu Mobbildungen kommen kann und Facebook seine Verantwortung, hier regelnd einzugreifen wohl nicht ganz so ernst nimmt. Ist ja auch nur ne moralische Verantwortung, keine gesetzlich festgeschriebene.

Theodred hat einen weiteren Teil seiner Auseinandersetzung mit Deschners Kriminalgeschichte abgeliefert.In dem Zusammenhang verlinkt er auch einen Artikel der Legal Tribune, wo dann auch ne Magisterarbeit zu den Kinderhexen aus dem Kongo verlinkt wird.

Ach, noch ein wenig Bluckupy. Wie viele Demokraten müssen eigentlich noch von den Polizisten zusammengeschlagen werden, bevor Polizeibeamte bei solchen Demos identifizierbar werden? Und wenn der Staat Demonstranten so einschüchtert, wieso gestattet er uns dann noch ein Versammlungsrecht? So ist das nichts Halbes und nichts Ganzes!

Das Ehegattensplitting gilt auch für eingetragene Lebenspartnerschaften, und zwar ab jetzt seit 2001 (nein, das ist nicht widersprüchlich ;)). Find ich gut, daß es hier zu einer Gleichbehandlung kommt. Ich find ja Ehegattensplitting sowieso irrsinnig, weil Ehe bedeutet nicht, daß es Kinder gibt, und wenn immer vom Nutzen der Ehe für die Gesellschaf die Rede ist, dann geht es doch vor allem um die zu erwartenden Kinder; die Zukunft der Gesellschaft. Aber ich hab zu dem Themenkomplex sowieso nen anderen Ansatz.

Daß es ein guter Ansatz ist, die Person und ihre Taten voneinander getrennt zu sehen und zu bewerten, kann man dieser Tage in Torgau beobachten. Die dortigen Häftlinge haben zwar durchaus schlechtes getan – auch Mörder sind unter ihnen – aber deshalb müssen sie nicht selbst abgrundtief schlecht sein:

Wir sind Knackis, aber wir können damit zeigen, dass wir keine schlechten Menschen sind

sagt einer der Insassen, die mit blutigen Schwielen an den Händen Sandsäcke füllen für die Menschen, die vom Hochwasser bedroht sind. In der Not rücken die Menschen zusammen. Alle Menschen. Beim Film Full Metal Jacket, der im Vietnam Krieg spielt, sagt ein Soldat über einen Kameraden, der anderen sehr ruppig begegnet und ihnen droht, dieser sei unter Feuer der beste Freund, den man sich wünschen könne, er brauche einfach nur einen, der ständig mit Granaten auf ihn wirft. In der Not rücken die Menschen zusammen…

 

Theologie

Historizität

Nchmal zum Thema Berger. Bei idea gabs nen Artikel dazu, und darunter ienen Kommentar von einem „Hinweis77″(vom 3.6. um 14:09 Uhr). Er oder sie schreibt:

Sie sagen es kommt nicht auf die „Historizität“ an. Genau das ist die Lüge, man möchte Gottes Handeln aus der Geschichte radieren.

Was ist Gottes Handeln und was ist Geschichte? Ist Geschichte das, was wirklich passiert ist, oder ist Geschichte das, was wir uns vom wirkich passierten rekonstruieren?

Lesen wir Geschichtsbücher, so lesen wir darin immer nur Ausschnitte dessen, was passierte, und zwar in der Deutung bestimmter Menschen. Nimmt man ein geschichtliches Ereignis und sieht dazu in ein Geschichtsbuch von heute, eins aus der DDR und eins aus dem Dritten Reich, dann werden wir ganz unterschiedliche Dinge lesen. Und das sind dann auch nur drei Darstellungen, neben denen es noch Milliarden andere geben kann. Wenn ich in die nächste größere Stadt fahre, dann ist es für den einen Geschichtsschreiber vielleicht interessant, wie die Stadt heißt, weil er wissen will, wo ich wohne, und über den Namen der Stadt auf den Namen meines Wohnortes schließen könnte. Der nächste würde wissen wollen ob ich mit dem Fahrrad, Motorrad, Trecker oder einem Auto fahre, und welches Modell. Der nächste würde sich für den Kraftstoffverbrauch interessieren, wieder einer, was ich unterwegs gesehen habe, welche Straße ich benutzt habe etc etc. Komplizierter wird es nun, wenn es nicht heißt „in die nächste Stadt“, sondern nur „in die Stadt“. Denn es hat sich in meinem mfeld eingebürgert zu sagen, man gehe in die Stadt, wenn man runter ins Dorf geht. Ist nun eine Stadt gemeint, oder das Dorf? Das Spiel könnte man noch unendlich fortführen.

Worauf ich hinaus will: Das, was wir als Geschichte verstehen, ist ein Konstrukt. Es ist eine Auswahl dessen, was passiert ist. Genauer gesagt dessen, was wir meinen, was pasiert ist. Und zwar in der Auswahl, die wir treffen.

Es gibt Gründe dafür, was wir als wichtig auswählen. Die wenigsten Menschen werden wirklich ein Interesse daran haben, wann ich wohin mit welchem Auto gefahren bin. Wenn es am gleichen Tag irgendwelche wichtigen politischen Entscheidungen gab, wird man sich die eher merken. Es sei denn, jemand hat kein Interesse an Politik, aber eben daran, daß ich in die Stadt komme. Vielleicht ein Freund, mein Chef oder ein Kunde, egal.

Es gibt auch Gründe dafür, was wir meinen, daß passiert ist. Wir gucken in den Himmel und sehen irgendwas, das wir nicht zuorden können und meinen, es war ein UFO. War es nun eins oder nicht? Wir sagen ja, andere Menschen glauben das nicht, und sagen nein. Was denn nun? Wir haben natürlich Grund zur Annahme, daß wir wissen, was wir sehen. Andere sehen das anders. Wieder andere meinen, wir hätten uns lediglich geirrt und es war ein Düsenflieger, kein UFO.

Wenn ich nun sage, es war ein UFO, ist es eine Lüge? Und wenn jemand anders sagt, es war keins, lügt der dann?

Ist Gottes Handeln als geschichtliches Faktum wichtig? Ist uns wichtig, daß in den Geschichtsbüchern steht, Gott habe an dm und dem Tag um die und die Uhrzeit Maria geschwängert? Oder Sodom und Gomorra zerstört? Oder mit Jakob gerungen?

Das sind Dinge, die als historische Fakten durchaus ach von Nichtchristen angenommen werden könnten, wenn es Beweise dafür gäbe. Das würde die Nichtchristen aber nciht plötzlich zu Christen machen, oder? Spricht nicht Christus, daß selbst die Dämonen an Gott glauben – und zittern? Simples für-wahr-halten bringt nix. Wenn ich aufzählen kann, wann Gott was gemacht hat, dann bringt mir das überhaupt nichts, außer daß ich vielleicht mal als Telefonjoker bei „Wer wird Millionär“ angerufen werde. Wenn das Handeln Gottes für mich keine weitere Bedeutung hat, wenn es so wichtig ist für mich wie die Einigung Chinas durch Zhao Zheng, dann macht mich das nicht zum Christen. Wichtig ist, was das Handeln Gottes für mich bedeutet. Das begründet Beziehung. Zu Gott. Und ich kann an einen Gott, der so handelt auch glauben, wenn ich Sein Handeln historisch nicht nachweisen kann. Ich kann an einen solchen Gott sogar glauben, ohne die Bibel überhaupt als historischen Bericht zu verstehen. Was ich aus der Bibel entnehme ist, daß es Menschen gab, die Grund dazu hatten, Gott all dies zuzutrauen. Wieso sollte ich das anders sehen? Und zwar unabhängig davon, was die Bibelautoren, wer auch immer sie waren, meinten erlebt und gesehen zu haben? Wenn das Handeln Gottes völlig aus der Geschichte gelöscht ist, habe ich immer noch die Berichte derjenigen Menschen, die selbst, subjektiv ein Handeln Gottes erfuhren. Diese Menschen glaubten an Gott, sie hielten Ihn nicht nur für wahr. as ist für mich Grund genug, es ebenso zu tun, weil meine subjektiven persönlichen Erfahrungen sich damit decken. Und hätte ich keien Bibel, so habe ich doch Freunde und Familie, die an Gott glauben und von derartigen Erfahrungen berichten. Wieso sollte ich ihnen nicht glauben? Mehr brauch ich nicht. Wenn jetzt Menschen kommen, die meinen, ich würde damit der Irrlehre Tür und Tor öffnen, wie Hinweis77 meint, dann seh ich nicht, inwieweit ich das eher tue als andere, die sich auf Historizitäten versteifen und nicht mehr fragen, was Gott für sie persönlich bedeuet, die sich am Buchstaben der Bibel festhalten, damit der Geist sie ja nicht wegweht. Irrlehren gibt es nicht erst seit der historisch.kritischen Methode, und die Konzentration auf die Bedeutung Gottes Handelns für einen persönlich, anstatt auf historische Faktenpostulationen, sehe ich jetzt auch nicht als die schlimmere Alternative an…

Theologie

Etsi deus non daretur

Im Zusammenhang mit dem neuen Berger-Buch über die historisch kritische Methode kam es zu einigen Reaktionen, vor allem katholischer Blogger (was mich etwas verwundert, daß so wenige Protestanten sich dazu äußern, aber gut, einige seiner Vorwürfe kommen ziemlich hahnebüchen daher). Ziemlich deutlich hat sich Gerd Häfner geäußert (den ich in meinem letzten Artikel zum Thema eigentlich verlinken wollte, nun das ist jetzt nachgeholt).

Jetzt hab ich aber nicht nur gute Artikel pro historisch-kritische Methode gelesen, sondern auch ein paar bedenkenswerte Anfragen an die historische Kritik.

Zuerst sei MC von „Demut Jetzt“ genannt. Er gesteht ein, daß eine Katharsis, also eine Reinigung als Ziel des Studiums durchaus sinnvoll sein könnte. Eine Katharsis, hervorgerufen durch die Zweifel, die im Studium aufkommen können. MC lehtn es jedoch ab, eine solche Katharsis selbst herbeiführen zu wollen. Sie kann natürlich, wenn sie die richtigen Menschen zur richtigen Zeit erreicht – und das wäre dann Gottes Werk und Aufgabe – dem Wachsen des Glaubens zuträglich sein. Wenn aber im Studium jeder Student systematisch dahin geführt und sich selbst überlassen wird, ist dies zu kritisieren.

Ein anderer Kritikpunkt MCs ist die Prämisse der Wissenschaft, daß es Gott nicht gäbe. (Und wenn ich es recht verstehe, stimmt ihm Damian hier zu) Mir stellt sich hier die Frage, wie denn eine Exegese etsi deus daretur (als ob Gott nicht gegeben wäre) aussehen sollte. Denn wenn Gott in die Sache hineinkomm, dann wird alles unberechenbar, denn Gott ist unberechenbar. Ist Jesus von einer Jungfrau geboren? Durchaus möglich, Gott kann alles. Aber Er kann uns auch auf die Probe stellen. Man muß schon eine ganz gewisse Vorstellung von Gott haben, damit man überhaupt etwas damit anfangen kann. Damit hat man aber ein Gottesbild und keinen Gott. Also etsi Gottesbild daretur? Wenn ich eine Vorstellung von Gott habe, dann kann ich natürlich dem Ganzen einen Sinn zuweisen. Oder ganz verschiedene Sinne, je nach Gottesbild. Aber was soll ich dann herausfinden? Ich weiß ja schon alles vorher. Dann kann ich auch aufhören mit der Forschung, Bibel lesen, beten und ein gutes, frommes Leben führen. Das ist nichts schlechtes, man kann durchaus darüber nachdenken, wozu man überhaupt Theologie betreibt. Mit der historischen Kritik könnte man zumindest herausfinden (mit einer bestimmen Wahrscheinlichkeit, nichts ist absolut sicher in der Wissenschaft), welche Gottesbilder eine Rolle spielten bei Verfassung der heiligen Texte. Was man daraus dann für sich und den eigenen Glauben herauszieht, ist eine andere Frage und hat mit der historischen Kritik auch nichts mehr zu tun.

Was das gezielte Herbeiführen der Katharsis angeht, fällt mir zuerst ein, daß diese ja nicht bei jedem vorkommt beim Studium der Theologie. Manch einer kommt ach ganz ohne größere Krisen durch. Ich hatte in meinem Studium zwar auch einige Punkte, wo ich erst einmal schluckte, und gehörig umdenken mußte, aber alles in allem warfen sie mich nicht sonderlich aus der Bahn. Dagegen erinnere ich mich daran, wie einige Erkenntnisse aus dem historisch-kritischen Methoden mir durchaus den Glauben gestärkt haben. Vielleicht hatte ich auch Glück, jedenfalls gibt es das: Theologiestudium ohne größere Glaubenskrise. Dann muß natürlich auch niemand ein Theologiestudium aufnehmen. Man studiert ja nicht mit dem Ziel, ein besserer Gläubiger zu werden oder auch nur um im Glauben zu wachsen. Man kriegt aber im Studium einiges zugemutet, was im Idealfall zu einem Wachsen im Glauben führen kann, damit man dann auch in der Lage ist, als Pfarrer zu arbeiten. Wie sollte man sonst Pfarrer werden auch für Menschen, die schon seit Jahrzehnten länger im Glauben ihren Weg gehen und schon viel mehr erlebt und gesehen haben? Man muß im Glauben reifen, um Pfarrer zu werden. Nicht jedem gelingt das im Theologiestudium, aber es muß auch nicht jeder Pfarrer werden. Problematisch ist es, wenn Menschen im Theologiestudium den Glauben verlieren, was leider auch vorkommt, aber unter all meinen Kommilitonen fällt mir keiner ein – es ist wohl auch nicht gar so häufig – und diese Menschen dann das Studium trotzdem abschließen und trotzdem Pfarrer werden, einfach um einen Beruf zu haben. Aber wie gesagt, die Zahl derer schätze ich aus meinen eigenen Beobachtungen als recht klein ein.

 

Netzfunde

Netzfunde – Klaus Berger Edition

Klaus Berger, emeritierter Professor für Neues Tesament in Heidelberg, hat ein neues Buch geschrieben: Die Bibelfälscher. Gelesen habe ich es nicht, doch aus dem, was ich bisher über das Buch gelesen habe, geht es darin um einen ziemlichen Zerriß der hsitorisch-kritischen Methode. Was genau das ist, hat Ameleo in diesem Zusammenhang noch einmal ausgebreitet.

In einem anderen Artikel verlinkt sie weitere Stimmen zu Bergers Buch und nimmt auch selbst Stellung. Dabei gefallen mir vor allem ihre Überlegungen zum schlichten Glauben. Denn wenn Voker Schnitzler in seinem Artikel über das Berger-Buch den kritischen Glauben stark macht, könnte man auf die Idee kommen, der schlichte Glaube unserer Omas sei irgendwie minderwertig, nicht ganz so gut. Volker Schnitzler schreibt dann auch gleich in einem Kommentar bei Ameleo, daß er der Meinung ist, solch schlichter Glaube käme auch recht sicher durchs Theologiestudium.

Der schlichte Glaube ist also kein naiver Glaube, kein Kinderglaube. Er ist erwachsen geworden und hat sich am Leben bewährt, während sich ein naiver Glaube der Bewährung verweigert. Jedenfalls würde ich das so deuten. Man will an seinem Kuschelgott, wie Volker Schnitzler den Gott der naiv Gläubigen nennt, festhalten, und greift daher alles an, was diesen Kuschelgott gefährden könnte.

Wenn ich nun einen Vergleich zwischen dem schlichten erwachsenen Glauben und dem durch ein Theologiestudium gegangenen Glauben versuchen will, dann haben diese beiden gemeinsam, daß sie sich bewährt haben, der eine am Leben, der andere am Studium. Das ist natürlich nicht das gleiche, aber beides wirkt sich so aus, daß der Glaube reift, daß man nicht am Kuschelgott festhalten muß, dem gezähmten Gott, der sich wunderbar ins eigene Weltbild einfügt, der greifbar ist, sei es im Bibeltext oder sonstwie. Der naive, unerwachsene Glaube meint, man kann Gott durch eigene Anstrengung, wie frommes Leben oder dergleichen mehr, kontrollieren, so wie kleine Kinder meinen, ihre Eltern entweder durch Artigkeit oder durch Geschrei kontrollieren zu können. Bei den Eltern klappt das sogar oft. Beim Kuschelgott klappt das auch, denn der Kuschelgott will immer genau das, was man in der Bibel zu lesen meint…

Der erwachsene Glaube weiß, daß es so einfach nicht ist. Daß auch der frömmste Leid erfahren kann und die Ferne Gottes, das nichts Gott beeinflussen kann, daß der Zweifel zum Glauben dazugehört.Der erwachsen Glaubende, sei er nun durchs Leben oder das Studium erwachsen geworden, hat gelernt, und vielleicht auch lernen müssen, damit umzugehen. Der naiv Glaubende ist nicht oder noch nicht so weit, Zweifel und Scheitern in den eigenen Glaubensweg zu integrieren. Dieser Weg liegt noch vor ihm, und es ist seine Sache, ob er ihn geht.

Am Schluß will ich noch auf einen Artikel bei „Demut Jetzt“ hinweisen, der dem Buch Bergers mehr abgewinnen kann und auch auf weitere Artikel verlinkt, die das Buch positiver sehen.