Kirchentag, Technik

Kirchentags-App

Im Juni ist wieder Kirchentag. Wieder in Stuttgart, so wie damals, als ich zum ersten Mal einen Kirchentag besuchte, 1999 in der Woche vorm mündlichen Abi (Religion – ich bekam 8 Punkte). Dieses Jahr liegt er genau nach dem Schulpraktikum und vor dem Gemeindepraktikum. Das heißt, obwohl ich nicht mehr studiere, sondern im Vikariat bin, kann ich ohne Problem zum Kirchentag fahren – vielleicht zum letzten Mal als Privatperson ohne Verantwortung für irgendwelche Jugendgruppen. Und wenn man dann noch den Streß im Schulpraktikum berücksichtigt – ich tu mir ziemlich schwer und bald ist Prüfung – dann freu ich mich gleich doppelt drauf.

Letztes Mal gab es ja schon eine Kirchentags-App, mit der man das Programm durchsuchen konnte, einen Plan machen etc. Auf jeden Fall etwas, das ich mir ansehen wollte. Nur letztes Mal war es an mir vorbei gegangen, nur konnte ich im Nachhinein sehen, daß die App nur über google playstore bzw. Apple Store zu beziehen war. Aus diesem Grund hatte ich den Kirchentag angeschrieben und darauf hingewiesen, daß das alle diejenigen ausschließt, die kein entsprechendes Konto haben wollten und angeregt, die App auf der Kirchentagsseite zum Download anzubieten.

Macht doch Sinn, oder? Ich bekam auch eine Rückmeldung, daß man sich das überlegen würde. Jetzt seh ich die letzten Tage immer wieder auf die Kirchentags-Seite, um zu sehen, wann die App rauskommt, und ob sie auch ohne Apple- oder gogle Konto zu beziehen sind.

Heute sah ich zum ersten Mal die Downloadlinks. Einer in den google playstore, einer in den Apple Store. Früher, so meine ich mich zu erinnern, konnte man die Dateien bei google ja zumindest mit dem PC ohne Konto runterladen. Dem ist nicht mehr so.

Kurz gesagt: Ich bin enttäuscht.

Gut, ich komme mit dem Programm in Printform klar, und ich weiß nicht, ob ich mich mit der App würde anfreunden können – ich hab sie ja noch gar nicht testen können!

Ganz ehrlich frage ich mich, was die Beweggründe dahinter sind, die App nur denjenigen zur Verfügung zu stellen, die ihre Privatsphäre an US Konzerne verkaufen. Der Kirchentag kann selbst ja kein Interesse daran haben, die Privatsphäre seiner Besucher zu verletzen, ob direkt oder indirekt.

Ich vermute, die App wurde in Auftrag gegeben. Was spricht dagegen, nachdem die Entwicklerfirma bezahlt wurde, den Quellcode vielleicht sogar zu veröffentlichen? Die Community würde vielleicht noch ganz neue Features einbauen, an die die Kirchentagsverantwortlichen gar nicht denken. Beim nächsten Kirchentag könnte man ja, wenn man sich nicht sicher ist, ob der Code vielleicht durch die Veränderungen irgendwie verschlechtert wurde, wieder eine Firma beauftragen, die da mal drübersieht, für die offizielle Version. Alles denkbar, aber was machen sie? Closed Source und nur zugänglich mit Zugangskonten für die großen Stores.

Dabei ist der Kirchentag eigentlich sehr sensibel, wenn es um Verantwortung und die Folgen des eigenen Handelns geht: Fair Trade Verpflegung, Zertifizierung der CO2-Neuralität, Barrierefreiheit für Menschen mit Handicap… alles Standard.

Vielleicht sind die zuständigen Leute einfach zu alt. Vielleicht muß man sie einfach nur nachhaltig auf die Problematik hinweisen. Ich hab nochmal ne Mail geschrieben, mal sehen ob was passiert. Vielleicht wollt Ihr ja auch ne Mail schreiben?

Kirchentag

Der Kirchentag – persönliche Nachgedanken von Benny

Nun ist er also um, der Kirchentag. Und nachdem ich gestern erst mal Erholung brauchte (ich hab mich in Hamburg ziemlich übel erkältet), wollte ich noch ein paar Gedankenanstöße festhalten, die ich vom Kirchentag mitgenommen habe.

Das vielleicht für die Zukunft interessanteste, was ich auf dem Kirchentag gelernt habe, ist die Existenz der sogenannten 66er Ausbildung. Es gibt da wohl einen Paragraphen 66 im Berufsbildungsgesetz, der den Rahmen für die Ausbildung von Menschen mit Behinderung regelt. Und dabei geht es offenbar nicht nur um körperliche Behinderungen. Für die Inklusion ist das ein guter Ansatzpunkt. Aber da muß seitens der „Schwerstmehrfachormalen“ auch umgelernt werden. Nicht jede geistige Behinderung muß in die Behindertenwerkstatt führen, man muß einfach mal darauf achten, was die Menschen können, statt sich darauf zu konzentrieren, was sie, verglichen mit der Norm, nicht können. Bei einer Veranstaltung berichtete ein gut ausgebildeter junger Mann, der vor kurzem erbindet war, von seinen Problemen mit dem Arbeitsamt. Aufgrund seiner Blindheit bot man ihm fast nichts an. Er hat studiert, er kann mit Texten umgehen, aber allein die Tatsache, daß er sie an einem Computer nicht über den Monitor, sondern über den Screenreader rezipiert, sorgte wohl dafür, daß ihm entsprechende Jobs gar nicht angeboten wurden. Komischerweise wurde er aber immer wieder nach seinem Führerschein gefragt, und ob dieser Anhänger mit einschließe (den Führerschein hatte er von vorher, inklusive Anhänger, weil alter 3er Führerschein, aber daß sein fehlendes Augenlicht ihm Autofahren nicht mehr ermöglichte, wurde ebenfalls weitgehend ignoriert).

Trotzdem. Diese 66er Ausbildung sollte bekannter werden. Zur Zeit werden noch zu viele Hürden, vielleicht auch aus Unkenntnis aufgeworfen. Ein Politiker saß auf dem Podium (seinen Namen hab ich vergessen, ein Hinterbänker aus dem Bundestag), der einen behinderten Sohn hat. Dieser hatte nun die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu machen, also einer „richtigen“ Arbeit nachzukommen, und nicht auf die Behindertenwerkstätten angewiesen zu sein. Das Problem war, obwohl der Arbeitgeber dem zugestimmt hatte, mußten noch diverse amtliche Stellen dem Ganzen zustimmen, so um die 5. Wenn eine Stelle nein sagt, wieso auch immer, war es das. Diese Stellen hatten nun alle zugestimmt. Und dann fiel der Berufsschule ein, daß sie kein barrierefreies Gebäude hat. Geht also doch nicht.

Und hier stand ein Politiker im Hintergund, der durchaus mehr Einfluß haben dürfte, als „normale“ Menschen (was „normal“ allesbedeuten kann!). Wie sieht es in anderen Fällen aus?

Der gleiche Politiker sprach auch davon, daß man eingentlich darangehen müßte, die Förderschulen abzuschaffen (wenn auch nicht ganz), um die Inklusion voranzubringen, weil sie einfach die Trennung er Gesellschaft zementieren. Aber wie es aussieht haben die Betreiber hier auch ein Interesse daran, ihre Pfründe zu sichern, und betreiben Lobbyarbeit hin zu einer Bewahrung des status quo, so schädlich er auch ist. So werden inzwischen wohl vermehrt lernbehinderte Jugendliche als geistig behindert eingestuft, weil sie dann die Chance haben, in eine Behindertenwerkstatt zu kommen und nicht von Hartz IV leben zu müssen, nachdem sie die Förderschule verlassen. Wer stellt schon einen Förderschüler ein? Auf dem Kirchentag wurden einige vorgestellt, die das tun. Aber man muß sie suchen.

Wenn es uns als Gesellschat gelingt, die Inklusion umzusetzen, dann kommt es vielleicht auch dazu, daß Behinderungen nicht mehr als so schlimm wahrgenommen werden, wie wir Schwerstmehrfachnormale es heute meist noch tun. Nur wei ich mir ein Leben ohne Augenlicht nicht vorstellen kann, heißt es nicht, daß der Blinde unter seiner Blindheit mehr leidet als ich unter meinem Asthma. Der kann im Zweifel viele Dinge tun, die ich nicht tun kann. Ich erinnere mich an eine Unterhaltug mit einer Freundin, die an Neurodermitis leidet: Sie meinte, meine Kurzatmigkeit, das wäre für sie die Hölle, wie ich das denn aushalten könne. Für mich ist das aber kein größeres Problem, da macht man halt mal langsam und atmet tiefer und langsamer, bis es besser wird. Ist normal so, auch wenn’s manchmal nervt. Ich meinte im gleichen Gespräch, die Neurodermitis, dieses ständige Jucken auf der Haut, dieses nässende Gefühl, ständig eincremen müssen, das wäre für mich die Hölle. Das sah sie wiederum nicht so. Ich weiß nicht, vielleicht fänd ich es auch nicht so schlimm, wäre ich in der Situation. Trotzdem: Aus meiner persönlichen Warte sieht es immer noch aus wie die Hölle.

Ich vermute, daß behinderte Menschen ihre Behinderungen ebenfalls ihre Behinderungen nicht so negativ erleben, wie wir uns das vorstellen. Wenn wir einander besser kennenlernten, etwa weil wir gemeinsam zur Schule gehen, ist Behinderung vielleicht nicht mehr ganz so beängstigend. Und man treibt vielleicht auch seltener ab. Es käme wohl kaum jemand auf die Idee, Asthmatiker oder zukünftige Brillenträger abzutreiben, könnte man es schon im Mutterleib feststellen.

Bei der gleichen Veranstaltung zur Inklusion wurde ich auch auf Barner 16 aufmerksam. Auf youtube beschrieben sie sich so:

barner 16 erklärt die Welt ist eine neue Videoreihe der barner 16, ein inklusives Netzwerk professioneller Kulturproduktionen von Künstlern mit und ohne Handicaps.

Eine kleine Kostprobe.

Bei der Bibelarbeit von Andrew Jones, dem „Long Tall Kiwi“, ging es unter anderem um Gärtnern. Und dabei wies Andrew auf die Urban Farming Guys hin. Auch hier ne Kostprobe.

Überhaupt treffe ich in letzter Zeit und dann verstärkt auf dem Kirchentag immer wieder auf Tipps, wie man Dinge selbst herstellt, oder zumindest auf Hinweise zu Gruppen oder Firmen, die lokal herstellen unter sozial verträglichen Bedingungen. So wurde zum Beispiel bei einer Veranstaltung Werbung für freie Software gemacht, auch wenn die Leute auf der Bühne dort augenscheinlich nicht zu tief in der Szene steckten. Es wurde als gut anerkannt und gewürdigt, zusammen mit dem Menschen, der eine Maschine zum Selberbauen von Möbeln entwickelt hat und die Pläne für non-profit Zwecke gerne weitergibt und dem Schuhersteller aus Österreich, der es schafft nur in Österreich zu produzieren und trotzdem gute, reparierbare Lederschuhe herstellt für 150€ das Paar. Im Gegensatz zu den Global Playern macht er keine Werbung und zahlt sich selbst auch nur 1000€ im Monat aus. Aber er sagt: Das reicht ihm. Den Namen hab ich vergessen, aber all diese Projekte findet man auch bei futurzwei.org. Nachteil dort ist, daß nur Schwörer alles gezeigt kriegen: Man muß versprechen, die Ideen nicht nur zu konsumieren, sondern auch weiterzuerzählen. Hab ich hiermit erledigt 😉

Die Seite hat auch viele andere interessante Inhalte, wie die „Nachrichten aus der Zukunft“ (oder Vergangenheit?) Ganz lustig, wie Sarazin Klage erhebt, weil sein Körper überfremdet ist von Millionnen körperfremder Mikroorgamismen und es als blauäugig und weltfremd bezeichnet wenn gesagt wird, daß man ohne diese Mikroorganismen gar nicht leben kann…

Natürlich gibt es auch immer viele Möglichkeiten, beim Kirchentag zu diskutieren. So laufen immer wieder Leute mit Schildern rum. Darauf steht dann „Jesus rettet“ oder „Wer nicht glaubt kommt in die Hölle“ oder Ähnliches. Diesmal hab ich bei drei Gelegenheiten ein bißchen diskutiert. Da war der ältere Herr mit dem Fahrrad am Samstag. Am Rathausplatz stand er da mit seinem Fahrrad und den Schildern drauf. Diskutieren war nicht wirklich möglich, da er sich in endlosen Monologen erging. Manches fand ich auch gar nicht so verkehrt, aber diese elende Satisfaktionslehre… Wie dem auch sei: Für ihn schienen die negativen Seiten der Satisfaktionslehre, diese Sündenangst und all das, was einem die Sicherheit der Errettung doch noch nehmen könnte, nicht zuzutreffen. Er war tatsächlich voll der Freude (oder er hat gut geschauspielrt), nur ein bißchen arg stur. Da er nach eigenen Worten an Krebs erkrankt ist hoffe ich, daß er diese Freude beibehalten kann, trotz Satisfaktionslehre.

Das zweite Beispiel war gleich am Mittwochabend in der Nähe der Binnenalster. Ein paar Fundamentalisten mit Schildern diskutierten mit Jugendlichen. Ich kam nicht dazu, meine eigenen Einwände und Fragen vorzutragen, da erscheinen auch schon ein paar junge Muslime. Die hatten Anfangs ganz interessante Sprachen, aber bald ging es nur noch darum, ob nun Christentum oder Islam die echte Religion ist. Es war schon lustig, danebenzustehen und zuzuhören, wobei ich auch manchmal ins Gespräch eingriff, um die christlichen Fundis in Schutz zu nehmen, wenn die Muslime gar zu argen Unsinn erzählten (Jesus kein Gott, so ein Quatsch…). Übrigens, nochmal zu Andrew Jones. Der hatte in seiner Bibelarbeit den Text der Speisung der 5000 nach der Version von Johannes 6. Muslimische Missionare wollen ja öfters mal Mohammed in die Bibel bringen, indem sie auf das Johannesevangelium rekurrieren. In Johannes 1, 19-21 wird der Täufer nacheinander gefragt, ob er der Christus, Elia oder „der Prophet“ sei. Muslime schließen daraus, daß es neben dem Christus noch einen Propheten geben müsse, und beziehen das auf 5. Mose 18,15, wo von einem Propheten wie Moses geredet wird. Dieser Prophet müsse also von Christus verschieden und wie Moses sein, natürlich deuten die Muslime das auf Mohammed. In Joh 6,14 steht aber nun:

Da nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.

Sorry, liebe Muslime.

Und noch eine kurze Diskussion hatte ich. Wir gingen gerade am Elbufer entlang, als mir wieder mal (bei Kirchentagen passiert das dauernd) eine Broschüre entgegengestreckt wurde. Es ging um den Humanistentag. Der humanistische Werber wies insbesondere auf die beigefügte Literaturliste hin: Artikel in Wochenzeitschriften aus den letzten Jahrzehnten, die in irgend einer Weise gegen Kirche oder Bibel oder Glaube oder ale drei sprechen sollten. Auf den Hinweis, daß ich dieser Liste nicht bedürfte, da ich Theologie studiere und mir die Quellen eher zugänglich sind als diese Tertiärliteratur, wies er mich erst einmal darauf hin: Er sei der viel größere Experte in diesen Dingen. Aha. Dagegen kommt man natürlich nicht an. Er fuhr fort, mir irgendwelche Zitate aus dem katholischen Katechismus (ja genau, evangelischer Kirchentag, aber welcher vernunftbegabte, wissenschaftlich denkende Nichtreligiot versteht da schon den Unterschied?) an den Kopf zu werfen und zu behaupten, daß der 2. Petrusbrief die Sklaverei und den Antisemitismus rechtfertigen würde. Mein Hinweis, daß er da aber etwas gewaltig verdrehe quittierte er wie eine beleidigte Leberwurst: Er winkte ab, drehte sich um und ging seines Weges. Wieso ist es immer so schwer, mit Leuten, die nur die Vernunft gelten lassen, vernünftig zu sprechen…?

Manche Sachen haben mich auch geärgert. Daß die App nur über den google app store zu beziehen ist zum Beispiel. Ich hab kein google Konto und ich plane auch nicht, mir eins zuzulegen. Und irgendwie kam es mir so vor, als ob die Teilnehmer immer weniger in die Diskussionen einbezogen würden (vielleicht war ich auch in den falschen Veranstaltungen) und irgendwie lagen die interessanten Themen alle parallel. Ich hatte irgendwie auf der einen Seite viel Freizeit, auf der anderen Seite aber auch viel verpasst wegen interessanterer Parallelveranstaltungen. Ist aber nur ne subjektive Sache.

Alles in allem 5 schöne, wenn auch anstrengende Tage. Was ich hoffe ist, daß in Stuttgart dann auch endlich mal die Piraten bei einem Kirchentag anzutreffen sind. Parteien trifft man dort von CSU bis KPD so ziemlich alle. Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, als verspielen die Piraten aufgrund der dort stark anzutreffenden antikirchlichen Reflexe (der Kirchentag hat mit der Kirche übrigens recht wenig zu tun, organisatorisch) wunderbare Vernetzungsmöglichkeiten. Die Grünen hatten und haben in Teilen immer noch große Vorbehalte gegen die Kirchen, trozdem waren sie über die Friedensbewegung auch stark mit der Kirche verbandelt, auch wenn es andernorts Differenzen gab. Gleiches gilt für die Gewerkschaften. Ver.di hat mit den Kirchen nen langjährigen Rechtsstreit wegen dem dritten Weg, trotzdem tritt Bsirske auf jedem Kirchentag auf und beim Sonntagsschutz zieht man an einem Strang. Es wird Zeit, daß die Piraten es schaffen, die Mauern in ihren Köpfen zu überwinden. Vielleicht trifft man sie ja dann endlich in Stuttgart auf dem Markt der Möglichkeiten. Ich hoffte ja schon in Bremen darauf, und bisher: Nix. Trotz den Christen in der Piratenpartei…

So, das war es jetzt aber.

Netzfunde

Netzfunde vom Samstag, den 27. April 2013

Bald ist Kirchentag, und die Leute, die da die Organisation machen sind inzwischen so modern, auch ne Wall gestartet zu haben. Die läuft schon.

Was auch schon läuft sind Fernseh- und Radiobeiträge zum Kirchentag. Ich hab da mal versucht, eine nach Zeit sortierte Liste zu erstellen.

Knuuut hat verschiedene Online Ressourcen zum Kirchentag aufgelistet.

Auf dem Pfälzer Landeskirchenblog geht es diese Woche ums Steuernzahlen.

Peter meint, daß Sünde überbewertet ist. Und hat IMHO Recht damit.

Der Bikerpfarrer weist auf ne Rezeptsammlung für den kleinen Geldbeutel hin. Find ich super, so ne Sache. Schade, daß es bei google plus ist. Da kann ich nicht mitmachen…

Theodred hat einen langen, aber lesenswerten Artikel über das Mittelalter, Spanien und die angebliche Toleranz zu dessen muslimischer Zeit zur angeblichen Intoleranz nach der Reconquista geschrieben.

Lynn schreibt davon, daß gute Absichten nicht Falsches richtig machen. Es geht um das purity movement.

Matthias Jung schreibt über Kirche und Politik.

Wir Protestanten nehmen ja selten ein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Kirche von Rom für suboptimale Theologie (um es mal so zu umschreiben) zu kritisieren. Dann müssen wir auch mit der Retourkutsche klarkommen: Einer DEK Version des Apostolikums (auf der verlinkten Seite fälschlich als „Gebet des Herrn“ tituliert).

Bei Haltungsturnen geht es um, Verzeihung, „Arschlöcher“. Und zwar solche, die nach Gutsherrenart ihr Geld verteilen wollen, statt solidarisch mit anderen eine Last zu tragen, ohne selbst in jedem Fall entscheiden zu können, wem das jetzt zu Gute kommt. Die Verbindung zu „selbst Gott sein wollen“ halte ich für durchaus treffend.

Sheldon C. Good schreibt über die Bomben in Boston, Terrorismus und Folter. Absolut lesenswerter Artikel, wenn auch nicht an uns gerichtet, sondern an amerikanische Leser. Ansatzweise gilt das Ganze auch für Deutschland.

Bei Michael Blume gibt es nen Artikel zu Martin Luther Kings Letter from Birmingham Jail und die Frage, wann ein Gesetz gerecht und zu befolgen ist, und wann ein Gesetz ungerecht ist und Widerstand verlangt.

Bei GetReligion gibt es einen Artikel über Pädophilie, Daniel Cohn-Bendit und die 68er Bewegung. Und wieder kommt mir der Satz in den Sinn, nach dem gute Absichten (Befreiung) nicht Falsches richtig machen – in dem Fall Pädophilie.

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Zu Dokumentationszwecken

Ein Video aus der religionsfreien Zone während des Kirchentags, wenn ich es recht verstehe handelt es sich um eine Messe der Pastafari:

http://www.youtube.com/watch?v=mEmTDCZ55p4&feature=youtu.be

Leider ist der Ton nicht immer gut zu verstehen. Aber ich denke es wird für einige, die nicht in Dresden waren oder in Dresden nicht dazu kamen, die religionsfreieh Zone einmal zu besuchen, interessant sein könnte, was man da verpasst hat.

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Wider Matusseks Polemik

Letzte Woche war Kirchentag, und ja, ich war auch in Dresden. Seit ich wieder zu Hause bin, lese ich immer wieder in der Presse vom Gutmenschentum, der Weltferne, Naivität etc, die auf dem Kirchentag vorherrsche. Und immer wieder ist ein Name damit verbunden: Käßmann.

Matthias Matussek vom Boulevardmagazin SPIEGEL hat nun einen Artikel geschrieben, in dem er sich an Käßman abarbeitet, ihr Polemik vorwirft und ja: Weltfremdheit. Das Übliche halt.

Bei Licht betrachtet ist es aber auch nicht mehr als Polemik, er reißt Zitate aus dem Zusammenhang und verdreht die Dinge. Und wozu? Weil es so leicht ist und en vogue, auf Käßmann zu schimpfen, weil sie sich ideal als Feindbild eignet?

Ich stehe Käßmann ja durchaus auch kritisch gegenüber, doch finde ich sollte eine Kritik mindestens auf gleichem Niveau stattfinden. Das scheint mir bei Matussek nicht der Fall zu sein.

1. Vorwurf: Käßmann sagt, man solle mit den Taliban beten, statt sie zu bombardieren. So Matussek. Sieht man sich den Text der fraglichen Bibelarbeit Käßmanns an (da steht „es gilt das gesprochene Wort“, ich war anwesend nd kann bestätigen, daß es keine Diskrepanz zwischen der Rede nd dem Druck gibt), hört sich das Ganze schon wieder anders an:

Der damalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe, hat mir im vergangenen Jahr gesagt, ich
solle mich doch in ein Zelt setzen und mit den Taliban bei Kerzenlicht beten. Offen
gestanden finde ich, das ist eine wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von
Tanklastwagen in Kunduz. Wir wissen doch, dass Frieden letzten Endes nur durch
mühselige, oft schmerzhafte und riskante Versöhnungsprozesse wachsen kann, in denen die
Opfer gehört werden und die Täter Schuld bekennen.

Es war also nicht Käßmann, die auf die Idee mit dem Beten kam, sondern Robbe. Käßmann sagte einzig, daß die Idee besser sei als den Tanklaster in Kunduz zu bombardieren. Daraus abzuleiten, daß Käßmann nun tatsächlich dazu aufriefe, alles im gemeinsamen Gebet mit den Taliban zu lösen, ist dumme Polemik.

Der Tanklastwagen führt mich zum 2. Vorwurf:

Margot Käßmanns indes setzte auf Demagogie. Sie glänzt mit frommem Augenaufschlag vor Tausenden. Sie führte aus, es sei besser zu beten, als Tanklastwagen zu bombardieren. Ach ja? Alles ist besser!

Jeder weiß doch mittlerweile, dass jenes tragische Bombardement ein Versehen war, und dass die Entscheidung dazu getroffen wurde, um einen größeren Anschlag zu verhindern. Käßmann aber behauptet implizit, die irrtümliche Bombardierung von Zivilisten sei in Wahrheit Absicht gewesen und in einer so hellsichtigen Weise getroffen worden, wie man es tut, wenn man sich zum Beten hinsetzt.

Das tragische Bombardement mag ein Versehen gewesen sein, liegt jedoch innerhalb der Logik der Gewalt im Krieg. Dagegen richtet sich Käßmann, nicht daß hier mit Absicht Leid erzeugt wurde. Denn begibt man sich erst einmal in die Logik der Gewalt, in den Krieg, dann ist das Leid schon Folge, egal wie man es dreht und wendet nd wie „sauber“ der Krieg auch geführt wird.

Matussek wendet sich der Frage nach dem gerechten Krieg zu, nachdem er feststellt, daß man sehr wohl für die Taliban beten und sie gleichzeitig bombardieren kann. Hier kann ich gerade noch so mitgehen mit seinem Gedanken. Ja, ich würde sogar soweit gehen, es als christliche Pflicht zu erachten für denjenigen zu beten, den man gerade tötet, wenn man denn schon so weit gekommen ist.

Doch Matussek gleitet ab in eine Pose des gerechten Racheengels:

Es gibt den bellum iustum, den gerechten Krieg. Seit dem heiligen Augustinus dürfen Christen Krieg führen, wenn er dem Frieden dient. Und das Gebet für die Feinde?

An jedem zweiten Sonntag beten auch wir Katholiken in den Fürbitten dafür, dass der Herr uneinsichtige Politiker auf den rechten Weg führe, damit sie für größere Gerechtigkeit sorgen mögen. Das heißt aber nicht, dass wir uns das Wählen schenken sollten. Ganz grundsätzlich: Ich kann für Stalin beten, dass er seine Fehler einsieht, und ihn trotzdem töten, wenn dadurch weitere Gulags verhindert werden. Ich kann für Hitler beten, und dafür, dass er seine Sünden bereut und von Untaten absieht.

Zu der Frage nach dem bellum iustum gibt es nicht nur bei Käßmann, sondern auch bei anderen protestantischen Pfarrern (in diesem Gespräch mit Renke Brahms und Martin Dutzmann, das auch sonst sehr interessant ist beispielsweise) durchaus die Meinung, daß es den gerade nicht gibt, weil Krieg immer schon bedeutet, daß man vorher schon auf ganzer Linie versagt hat und nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann, die aber nie per se gerecht ist sondern schon innerhalb der Ungerechtigkeit stattfindet. Um den Frieden zu erhalten, muß vorher gehandelt werden, das wäre gerecht. Kriegerische Gewalt ist nur noch Einschränken der Ungerechtigkeit, kann sie aber nicht aus der Welt schaffen.

Konsequenterweise verkürzt Matussek auch Bonhoeffer geradezu grausam:

Darf ich Hitler trotzdem umbringen, falls er uneinsichtig bleibt? Darf ich das fünfte Gebot brechen, das Tötungsverbot? Der evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer hat sich inständig und tief mit diesem Problem auseinandergesetzt, und zwar nicht auf der schick ausgetrommelten Messias-Veranstaltung eines Kirchentages, sondern in der Nazihaft.

Zuerst ist anzumerken, daß Bonhoeffer schon vor seiner Haft im Widerstand war. Die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Tyrannenmord kam bei ihm also vorher. Aber das ist hier unwichtiges Detail (wenn es auch auf die Recherchequalität von Matussek schließen läßt).

Bonhoeffer kam zwar zu der Überzeugung, sich am Tyrannenmord zu beteiligen, aber auch Bonhoeffer war sich bewußt, daß er damit Schuld auf sich laden würde, es also keinesfalls eine gerechte Sache wäre, sondern lediglich eine Einschränkung der Ungerechtigkeit gegen andere, während er dabei Schuld auf sich lädt. Dieser Gedanke ist meiner Meinung nach wichtig. Es gibt hier keine generelle Rechtfertigng für ein gewaltsames Handeln. Also ach keinen bellum iustum.

Matussek kürzt dies ab, um Käßmann eins auszuwischen und sie als Demagogin des „Gutmenschentums“ darzustellen, und ist doch selbst demagogisch, denn Bonhoeffer kam eben nicht zum gleichen Ergebnis wie Augustinus und Thomas von Aquin:

Bonhoeffer ist zu dem gleichen Schluss gekommen wie vor ihm Augustinus oder Thomas von Aquin. Es gibt den gerechten Krieg, und es gibt die moralische Rechtfertigung des Tyrannenmordes.

Es gibt nie eine moralische Rechtfertigung dafür, einem Menschen das Leben zu nehmen, ihm Gewalt anzutun, weil Gewalt moralisch eben nicht Recht ist, osndern höchstens in bestimmten Sitationen geboten, um nicht noch mehr Unrecht aufkommen zu lassen.

Und darum geht es, so denke ich auch Käßmann: Auch wenn wir Soldaten nach Afghanistan schicken, so erreichen wir damit doch keinen Frieden. Den Frieden, den gerechten Frieden, erreichen wir mit ziviler Aufbauarbeit. Dem würde wohl auch ein de Mezière zustimmen. Und in Afghanistan läuft die Lage aus dem Ruder, weil scheinbar nicht genügend zivil aufgebaut wird, so jedenfalls verstehe ich Käßmann, wenn sie sagt: Nichts ist gut in Afghanistan.

Sie macht nicht aus den Soldaten kaltkütige Täter, wie Matussek in einem weiteren Vorwurf sagt, vielmehr macht sie aus dem Souverän Deutschlands, also uns allen, die wir den Bundestag gewählt haben, der dem Mandat zugestimmt hat, wirre Planer. Und ich finde, das kann man sich sagen lassen, wenn es stimmt.

Gab es nicht jahrelang überhaupt keine richtige Strategie zum zivilen Aufbau des Landes? Gibt es die jetzt? Wo und wie findet der zivile Aufbau statt? Wie erfolgreich ist er? Was könnte besser gehen? Wo hakt es? Darüber hört man nichts. Statt dessen: Fokussierung auf den militärischen Teil, auf die toten Soldaten, kontrollierte Gebiete. Was in den Gebieten, die kontrolliert werden, geschieht, hört man kaum. Abgesehen von einigen Meldungen über Drogenanbau.