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Freies WLAN in Berlins Kirchen – meine Kritik am GodSpot

Ein gängiges Vorurteil ist, daß „der Deutsche“ an sich eine gewisse Neigung zum Meckern hat. Das mag zum Teil stimmen, denn diese Nationalitätsbezeichnung findet sich auch auf meinen Ausweispapieren und ja, ich stehe im Begriff einen Blogartikel zu schreiben, in dem ich die Berliner Landeskirche zu kritisieren gedenke.

Wobei: „Kritik“, so versuche ich meinen populistisch und biblizistisch geprägten Gesprächspartnern immer wieder zu erklären, bedeutet ja nicht zwingend zu meckern. Vielmehr kommt es aus dem Griechischen, mein eigentlich ein Gewichten verschiedener Optionen und die begründete Entscheidung für eine eigene Meinung…

Gute Sache

Wie dem auch sei. Viele haben es vor längerem schon gelesen: Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz hat beschlossen, in ihren Gotteshäusern freien WLAN Zugang zu ermöglichen. Nähere Infos gibt es auf der entsprechenden Homepage.

Daran gibt es eigentlich nix zu meckern. Vielmehr ist es eigentlich sogar ne ganz gute Sache, daß nun in den Kirchengebäuden jeder mit entsprechendem Endgerät ins Internet kommt, denn Zugang zum Internet bedeutet heutzutage Teilhabe am öffentlichen Leben. Viele Bereiche unseres Lebens sind so vom Netz durchdrungen, daß man ohne Internet Zugang deutliche Abstriche machen muß.

Also ist es doch eine gute Sache, daß die Kirche hier freien Zugang ermöglicht.

Ja und nein. Gut ist, daß sie unabhängig vom Geldbeuteln allen den Zugang ermöglicht.

Was will die Kirche erreichen?

So genau weiß ich das nicht. Meine Vermutungen gehen in die Richtung, daß man sich einerseits als cool und modern ins Gespräch bringen will – was offenbar auch klappt – und daß man andererseits versuchen will, eigene Inhalte zu pushen – etwa durch die vorgeschaltete Einstiegsseite mit Infos zum jeweilgen Kirchengebäude o. Ä.

Wenn ich es richtig einschätze, werden das alles recht kurzfristige Effekte sein. Mir drängt sich der Vergleich mit einem Strohfeuer auf. Sicherlich, im Moment ist die Kirche vielleicht modern und hipp und alle sind froh über kostenloses WLAN.

Und wie lange? So lange, wie das WLAN funktioniert. Irgendwann wird die Geschwindigkeit vielleicht nicht mehr auf dem Stand der Entwicklung sein. Wer die Kirchen kennt weiß, daß das mit Neuinvestitionen so ne Sache ist. Man sehe sich nur die maroden Kirchengebäude an. Das gilt übrigens auch für so manches Pfarrhaus. Und dann soll man noch die Technik erneuern? Was das wieder kostet!

Nein, meine Befürchtung ist, der aktuelle Ansatz wird zwar im Moment viel positive publicity bringen, vielleicht auch die Kirchenbänke füllen, wenn auch nicht unbedingt mit Gläubigen, sondern mit Netzkonsumenten, aber auf lange Sicht ist das eher mau. Mit etwas Glück bleiben vielleicht einige der Netzkonsumenten hängen, finden Anschluß an den Kirchenchor oder die Pfadfindergruppe. Aber mehr ist nicht zu erhoffen.

Genausogut könnte man Freibier verteilen, so vom Konzept her. Ist sicherlich auch wahnsinnig populär, bloß was hat man davon? Und ist es wirklich das, was unser Auftrag ist als Kirche Jesu Christi? Ist es wirklich das, wozu wir berufen sind? Ist es wirklich das, wozu wir unsere Steuermittel und Staatsleistungen einsetzen wollen?

Die positivere Alternative

EIn Freund von mir sagte einmal: Zum Frieden gibt es keine positive Alternative. Ich mag diese Denkweise: Alles darauf prüfen, ob es nicht noch bessere, positivere Alternativen gibt, an die man sich halten könnte.

Daß Krieg negativ ist, ist klar, aber wenn etwas positiv ist, kann es ja trotzdem noch bessere Lösungen geben. Was wäre also die positive Alternative zu GodSpot?

Ich will dabei in zwei Richtungen gehen – eine technische und eine gesellschaftliche. Beide sind womöglich sogar teilweise mit GodSpot schon umgesetzt oder könnten umgesetzt werden – über Infos hierzu wär ich dankbar.

Technisch gesehen

Soweit ich GodSpot verstanden habe, besteht es aus der Zur-Verfügung-Stellung eines kircheneigenen DSL Zugangs. Und Schluß. Man kann von dort ins Internet, sitzt hinter nem Router, den man nicht konfigurieren kann. Das heißt, man ist auch darauf angewiesen, daß die richtigen Ports offen für die eigenen Anwendungen sind. Womöglich werden auch nur bestimmte Ports geöffnet, so daß meinetwegen das Web und E-Mail funktionieren, andere Dienste aber nicht.

Das wäre das gute Recht der Kirche, denn sie stellt ja die Technik. Schränkt aber den Nutzen weiter ein und drängt den GodSpot Nutzer nur noch weiter in die Rolle des Konsumenten.

Aber das Internet, Computernetze überhaupt, ist ja kein Fernsehen. Es stellt nicht nur eine one-to-many Infrastruktur bereit, mit wenigen Inhaltsproduzenten und vielen Konsumenten. Es ermöglicht die gleichberechtigte Teilnahme an Kommunikation. Jeder Teilnehmer, nicht nur die Priviligierten, kann zum Sender werden. Somit stellt das Internet eigentlich eine Demokratisierung der Kommunikation dar (man könnte jetzt lange Vergleiche ziehen mit der Demokratisierung der Gottesbeziehung im AT, Gen 1, 28 und so, aber lassen wir das hier mal sein).

Diese grundsätzliche Demokratisierung der Kommunikation ist freilich nicht absolut, denn die Infrastruktur ist im Besitz bestimmter Firmen. Es kommt also im Endeffekt auf den Geldbeutel an, inwieweit der eigene Zugang demokratisiert ist.

GodSpot bietet hier nicht mehr Möglichkeiten an, als ein Internetzugang zur Verfügung stellt. Der Demokratisierungsgrad entspricht dem, was die Kirchengemeinde vor Ort sich leistet. Das ist wie gesagt immerhin etwas, aber es geht besser.

Ich habe da Freifunk im Sinn. Gerade in Berlin, aber auch in anderen Gebieten, sind da viele engagierte Menschen unterwegs. Übrigens auch in Kontakt mit verschiedenen Kirchengemeinden. Da werden die Kirchtürme dann als Funktürme genutzt.

Würde die Landeskirche sich hier einbringen mit ihrer ganzen Wucht, könnte sie einerseits auf versierte ehrenamtliche Freifunker zurückgreifen beim Aufbau des Netzes, andererseits wird mit Freifunk eben nicht nur freies Internet angeboten, sondern ein flächendeckendes Netz aufgebaut, mit einer Infrastruktur in Bürgerhand. Mithin wird die Demokratisierung der Infrastruktur dadurch vorangebracht. Es würde nicht nur jedem ermöglicht, internetbasiere Dienste zu konsumieren, sondern selbst zu recht geringen Kosten welche anzubieten. Man müßte keine Server mehr mieten, sondern könnte seine eigenen alten Rechner, oder einen Raspberry Pi, oder ein altes Smartphone, als Sevrer benutzen.

Die Landeskirche hätte damit in guter christlicher Tradition gehandelt. Wie durch die Kirchen Bildung und Fürsorge in der Fläche zugänglich gemacht wurden, würde sie hier die bessere Teilhabe an der Kommunikation voranbringen.

Meiner Meinung nach ein klarer Vorteil gegenüber der GodSpot-Lösung. Freilich könnte man sich nicht mehr allein als cool und modern anpreisen, sondern müßte den Ruhm mit den (weitgehend kirchenfernen?) Freifunkern teilen.

Gesellschaftlich gesehen

Durch die Möglichkeiten, sich an der Kommunikation als eigener Anbieter zu beteiligen, bieten sich plötzlich viele neue Möglichkeiten. Man könnte informationstechnische Schwerpunkte in der Jugendarbeit bilden. Wieso eigentlich immer nur Bands und Pfadfinder (ich vereinfache hier gnadenlos, schon klar)?

Damit könnte man ganz neue Millieus ansprechen, die bisher wohl eher (es wurde schon erwähnt) kirchenfern sind. Die Möglichkeit zur Mitarbeit bringt dabei ganz natürlich eine stärkere Bindung mit sich als der Kontakt über den bloßen Konsum am Ort der Kirche.

Technisch interessierte (junge?) Menschen würden mit den Realitäten einer Kirchengemeinde in Kontakt kommen. Washaben die eigentlich für Probleme, wie lösen die die, und was haben die immer mit diesem gefolterten Zimmermann?

Womöglich – ich lehne mich hier jetzt mal aus dem Fenster – gäbe es sogar das Potential für Bildungsprojekte. Durch den (zumindest im Prinzip) egalitären Ansatz der Kirchen, für alle gesellschaftlichen Gruppen zugänglich zu sein, könnten hier Jugendliche aus Problemfamilien Chancen erhalten, sich auf dem Gebiet der IT fortzubilden und sich eine finanziell bessere Zukunft zu erschließen. Man könnte da eine Analogie zu den Klosterschulen des Mittelalters ziehen – ohne die Verpflichtungen des Zölibats!

Fazit

Freilich kann man auch ohne Freifunk-Netz und nur im Internet entsprechende Gemeindearbeit machen. Aber die Möglichkeiten sind eingeschränkt, und ob es tatsächlich gemacht wird, ist noch nicht klar. Mit Freifunk hätte man zumindest Kontakt zu entsprechend interessierten Menschen, die sich selbst auch ehrenamtlich engagieren. Man hätte Ansprechpartner, wollte man sowas aufbauen.

Ich mache mir natürlich keine Illusionen, daß ich die EKBO da irgendwie beeinflussen könnte. Aber wenn ich jetzt lese, daß man in Mitteldeutschland auch in diese Richtung geht, möchte ich doch auf die positivere Alternative des Freifunkes hinweisen. Wer weiß, vielleicht lesen hier ja Kirchenleute mit, die das in ihrer Kirche anders umsetzen werden.

Bis dahin ist es schon ein Fortschritt, daß durch die Berliner das Thema zumindest mal auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

Netzfunde

Netzfunde vom Freitag, den 18. Oktober 2013

Ja, es sind die Netzfunde vom Freitag, trotzdem erscheinen sie Samstag, weil am Freitag gab es ja schon einen Artikel und am Samstag bin ich nicht da…

Also los geht’s…

Ich hatte vor kurzem ja über Lampedusa und die Flüchtlinge geschrieben. Auf evangelisch.de gibt es ein Interview mit Thorsten Leiser, theologischer Referent für Menschenrechte und Migration des Kirchenamts der EKD. Der hat viel mehr Ahnung als ich und benennt auch klar, wo sich etwas ändern muß.

Theodred hat einen Artikel geschrieben über die Kirchensteuer und die angebliche brandmordschatzende Aneignung der Kirchenvermögen durch die Kirchen, weshalb ja Staatsleistungen und Kirchensteuer eigentlich abgeschafft gehören, nach Meinung besonders „kritischer“ Geister… wer sich informiert und wirklich nachdenkt, kommt vielleicht zu anderen Ansichten.

Daß die Kirchen auch manchmal ganz konkret der Gemeinschaft helfen und nicht nur Geld abgreifen, wie man immer öfter gesagt kriegt, kann man bei evangelisch.de nachlesen. In Sachsen-Anhalt haben die dortigen Landeskirchen beschlossen, insgesamt 2 Millionen Euro an das Land zu zahlen, damit dieses seine Schulden los wird, aufgeteilt auf mehrere Jahre. Und das ausgerechnet in einem Bundesland, in dem die Mehrheit der Bewohner keiner Kirche angehören. Ob man das in nichtkirchlichen Medien hören wird? Man wird sehen.

Und noch was hab ich zum Thema Kirche und Finanzen: Just Wondering schreibt über den Limburger Bischof und wieso der vom Prunkfaktor her ein eher kleines Licht ist im internationalen Vergleich, und zum Glück noch für eine vergleichsweise gute Theologie steht (hier leg ich auf das „vergleichsweise“ Wert!). Aber Tebartz-van Elst kann ich auch als Christ ansehen, während ich da bei den Protagonisten des prosperity gospel ziemliche Schwierigkeiten hab.

Weg von der Kirche, hin zu den alltäglichen Problemen. Etwa jugendliche Gewalttäter. Was hilft wohl mehr? Den Jugendlichen zu sagen, daß Gewalt keien Lösung ist, oder ihnen zu erklären, wie sie als Opfer von Gewalt überlegen können, mit nem Messer in der Seite oder ner Schußwunde in der Brust. Bei idealist.org gibt es nen Artikel über einen Erste-Hilfe-Kurs der anderen Art. Sicher ist es besser, wenn es gar nicht erst zur Gewalt kommt. Aber wenn es doch zur Gewalt kommt, ist es besser, man weiß, wie man hilft.

Idealist.org ist übrigens eine Webseite, die offene Stellen bei Freiwilligendiensten weltweit anzeigt. Da gibt es ja heutzutage ne Menge, und viele findet man dort. Unter anderem auch nen Artikel, der einige Möglichkeiten zusammenfasst. Und wenn man eine Stelle gefunden hat, für die man sich bewerben will, gibt es auch gleich noch Bewerberinfos dazu.

Ach, einmal Kirche hab ich noch: Und zwar in Pirmasens, dort werden Kirchenpräsident Christian Schad und sein persönlicher Referent Alexander Ebel (der hier) am 30. Oktober um 19 Uhr zu den Zukunftsvisionen der Kirche, und zwar on- und offline referieren. In der Johanneskirche am Exerzierplatz. Und davon gibt es dann einen Live-Videostream im Netz sowie die Möglichkeit, selbst Kommentare zu hinterlassen bzw sich über Twitter zum Thema auszutauschen und so. Aber lest selbst.

Netzfunde

Netzfunde für Mittwoch, den 5. Juni 2013

Michael Blume hat was geschrieben über Frauen, Seifenopern und die Reproduktionsrate. Und wie Väter entwertet werden.

Eric Djebe hat den Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten recht gut dargestellt, wie ich meine.

Alexander Ebel macht sich Gedanken zur liturgischen Sprache.

Stephan Mattson schreibt darüber, was es kostet, Christ zu sein. In den USA ist das wohl nicht unbedingt wenig. Bei all den Nachteilen, die unser Kirchensteuersystem so hat finde ich, daß es doch einige der Probleme, die sie in Amiland haben, löst.

Alex Schnapper schreibt von der Blockupy Demo in Frankfurt und hat einiges an Material zu Provokationen und Gewalt von Seiten der Polizei gesammelt.

Innenminister Friedrich will eine Wiedereinreisesperre. Und zwar für EU-Bürger, die wegen der Armut anderswo nach Deutschland einreisen wollen. Er spricht von Mißbrauch der Freizügigkeit. Ich frage mich ja, wie man die Freizügigkeit korrekt gebrauchen kann. Indem man ohne größeren Kontrollen im Süden Urlaub machen kann? Oder sich auf den Kanaren oder Malle ansiedeln kann, wenn man sich nach langen Jahren in der Politik seinen Lebensabend als Rentier genießen will? Ich mein, wer will schon im kalten Deutschland rentnern, wenn er genausogut nach Spanien gehen kann? Wenn aber umgekehrt Spanier (oder Bürger anderer EU Staaten) nach Deutschland kommen, weil sie Arbeit suchen, weil sie etwas leisten wollen und auch ein Stück vom Wohlstand abkriegen, dann ist das ein Mißbrauch. Ich verstand Europa bisher immer als eine Gemeinschaft. Und für mich beinhaltet das Augenhöhe. Wenn also der eine in die eine Richtung wandern kann, wieso der andere nicht in die andere Richtung? Und vor allem: Wäre es dann nicht auch ein Mißbrauch, wenn deutsche Firmen ihre Produktionsstätten ins günstigere Ausland verlegen? Wenn schon die Rumänen nicht rein dürfen, wieso lassen wir unsere Formen raus? Vielleicht könnten wir das EInwandern in ie Sozialsysteme viel besser wegstecken, wenn diejenigen, die hineinzahlen auch hierbleiben müßten? Wenn schon, denn schon!

Oder aber, wir nehmen die Freizügigkeit ernst, lassen unsere Firen nach Polen, Bulgarien und Finnland auswandern und lassen dafür Griechen, Engländer und Slowenen hier einwandern. Den einzigen Mißbrauch, den ich hier feststellen kann, ist der von Seiten eines Bundesministers, der seine Position ausnutzt, um wegen ein paar Wählerstimmen vom rechten Rand mit etwas Panikmache die europäische Idee untergräbt und das Zusammenwachsen verhindert statt fördert. Und dieser Politiker ist aus einer Partei, die sich sowohl christlich als auch sozial und dann noch Union nennt. Union wäre da falsch, denn das würde bedeuten, daß man einsieht, daß man eine Gruppe ist und nicht Partikularinteressen gegen andere durchsetzt. Sozial ist Quatsch, denn den einen die Tür vor der Nase zuzuhauen während man es sich in ihrem Hinterhof bequem macht, ist asozial. Und christlich ist grottenfalsch, denn Christus warnte nicht vor einem Einwandern in die Sozialsysteme, sondern sagte, man solle dem, der den Mantel verlangt, auch noch das Hemd geben. Der Parteiname ist als komplett Lüge. Und wenn ich bedenke, daß „Friedrich“ mit Frieden zusammenhängt, er hier aber vor allem Polemik (gr. polemos – Krieg) betreibt, dann paßt das voll ins Bild.

Und dann war da noch so ein Brief von Militärbischof Dutzmann. Es geht um die Trauerfeiern für die gefallenen Soldaten in Auslandseinsätzen. Bei diesen sollten, da Störungen zu befürchten seien, die Presbyter bzw der Kirchenvorstand (oder wie es snst noch so in den verschiedenen Landeskirchen heißt, es geht um das Ortsparlament der Kirchengemeinde) das Hausrecht an die Feldjäger abgeben, da die besser auf solche Situationen vorbereitet sind, oder so ähnlich. Ich würde den Brief ja gerne mal im Original lesen, um mir ein Bild machen zu können. Aus praktischer Sicht ist dies sicher auch ne Überlegung wert: Man denke sich eine Kirche voll mit trauernden Angehörigen und dann kommen noch irgendwelche Störer, die dumme Parolen von wegen Soldaten sind Mörder oder sowas krakeelen. Daß man sowas unterbinden will, um der Angehörigen willen, kann wohl jeder nachvollziehen. Ich frage mich jedoch, wieso man überhaupt einen wie auch immer gearteten staatlichen Akt für die Gefallenen braucht. Ich bin der Meinung, mit ihrem Tod sind sie aus der Bundeswehr ausgeschieden und haben ein Recht auf Privatsphäre. Ich find es um Beispiel immer ganz furchtbar wenn ich sehe, wie gefallene US Soldaten in Arlington beerdigt werden, wo ihre Angehörigen kaum ihr Grab besuchen können, wenn sie etwa im Westen oder Süden der USA wohnen. Ich häng ein Stck weit immer noch dem Gedanken an, daß ich miene toten Angehörigen in der Nähe haben will, damit ich immer hingehen kann, wenn mir danach ist. Und wenn es doch einen staatlichen Akt braucht, wieso man den nicht unabhängig von einem Gottesdienst durchführen kann. Da können dann auch die Feldjäger kontrollieren, während die Kirche von all diesen Problemen unbehelligt bliebe. Dort würde dann der Gefallene beerdigt werden können wie jeder andere Mensch auch, unabhängig davon, ob er das war, was man ienen guten Menschen nennt, oder das, was man einen schlechten Menschen nennt. Vor Gott sind wir alle gleich.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde von Donnerstag, dem 4. Oktober 2012

Es sind wieder viele Artikel erschienen in den letzten Tagen, und einige davon möchte ich wieder mit Euch teilen:

Da wär zum Beispiel der Artikel vom „nicht überfrom, nicht allzu weise“ Blog über sittengefährdendes Verhalten. Ich weiß nun, daß sich das sowohl auf Reisen ohne Ehemann nach Saudi Arabien als auch auf Reisen ohne Ehefrau nach Jamaika (Thailand wohl auch, wurde aber nicht genannt) beziehen kann. Und daß man den Unterschied ohne ausreichend Kaffee vielleicht gar nicht mitkriegt. Bleibt nur die Frage: Wenn in Saudi Arabien Frauen diskriminiert werden, wenn sie nicht ohne Mann reisen dürfen, werden dann in westlichen Ländern Männer diskriminiert, wenn sie als Schutz gegen Sexskandale nicht mehr alleine reisen dürfen? Und regen wir uns darüber ebenso auf, wie über die Saudischen Behörden? Nebenbei: Es muß ja eine nicht geringe Zahl an muslimischen Frauen gegeben haben, die sich alleine auf die Hadsch machten. Paßt irgendwie nicht ganz zu dem Vorurteil, daß muslimische Frauen eingesperrt und unselbständig gehalten würden etc.

Zum Thema Papyrus Fragment zu Jesu Frau hat Stephan Witeschek von der Kath. Theol. Fakultät der Uni München bei lectio brevior ein paar Argumente beleuchtet, die für eine Fälschung sprechen.

Ein anderer katholischer Theologe, Bernhard Lang, hat in der NZZ derweil die These wiederholt, nach der der Lieblingsjünger des Johannesevangeliums Maria Magdalena, die „Gefährtin“ (also nicht verheiratet) gewesen sei (via). Ich wundere mich beim besprochenen Johannesevangelium bzw der Episode am Kreuz, auf die sich Lang bezieht, wieso die Mutter Jesu eine Schwester mit Namen Maria hatte. Zwei Schwestern mit dem gleichen Namen?

Der Herr Alipius macht sich Gedanken zur Gefährlichkeit des Internets. Während ich ihm zustimme, daß es durchaus bedenklich ist, wenn Behauptungen und unkritisches Übernehmen von Vorurteilen etc keinen guten Einfluß auf die Gesellschaft haben können, denke ich jedoch nicht, daß „das Internet“ ursächlich Schuld daran ist, sondern wahrscheinlich nur der „Ort“, an dem wir die gesellschaftliche Entwicklung in ihren negativeren Auswirkungen zeitweise relativ ungefiltert vor Augen geführt bekommt.

Aber Bildung tut not, echt jetzt, und damit komme ich zum Artikel von Alex über das hessische Bildungsprogramm und die dortigen Piraten. Das Busgespräch am Ende des Artikels zeigt deutlich, wie nötig Bildung ist.

Nochmal zum Herrn Alipius: Der hat auch noch was geschrieben zum Kirchensteuerurteil mit durchaus kritischen Anteilen. Mir kommt es so vor, als ob auch innerhalb der Landeskirchen die Kirchensteuer aus verschiedenen Gründen immer kritischer gesehen wird. Ein Aspekt, den ich kritisch sehe, ist zum Beispiel die Auslieferung an den Staat. Die Kirchen wissen selbst nicht, wer ihre Mitglieder sind, sondern bekommen das vom Staat gemeldet, mit Verspätungen. Außerdem kommen auch Fehler vor, so daß Ausgetretene auf einmal nachweisen müssen, wirklich ausgetreten zu sein. Darunter leidet das Image der Kirche, auch wenn der Fehler beim Staat lag, denn wie gesagt: Die Kirche weiß nicht, wer dazu gehört. Vielleicht wird es Zeit, darüber nachzudenken, welche Form der Finanzierung für katholische und evangelische Kirchen eine Alternative wäre. Die Überlegungen von berlinjc, so redlich sie auch sein mögen, bieten IMHO noch keine Lösung, aber können womöglich Richtungen andeuten, in die man denken kann. Eine interessante Frage dürfte sein, ob man das Geld hat und überlegt, was man damit anstellt, oder ob man ein (oder mehrere) Projekt(e) hat und zusieht, woher man das Geld dafür nimmt, oder besser gesagt: Wie man es umsetzt. Dann könnten auch die handwerklichen Leistungen „verrechnet“ werden, die Gemeindeglieder einbringen könnten.

Auf dem Uckerlandkirchenblog ist nachzulesen, inwiefern facebook doch ganz gut von Nutzen sein kann für die Kirche, wenn man ein wenig flexibel ist und darüber nachdenkt, was wo gebraucht werden könnte – vernetzt denken eben (via).

Als ich „Taufen per skype“ las, war ich doch etwas überrascht, was da im Uckerland läuft. Es geht aber „nur“ um die Taufgespräche. Eine Problematik, an die ich noch wenig gedacht habe. In Brandenburg – und auch sonst in Ostdeutschland – gibt es riesige Gebiete, die von nur einem Pfarrer versorgt werden. Da sind Treffen zu Kasualgesprächen schon schwierig zu managen. Wenn dann ein Partner kirchlich nicht gebunden ist, will man es diesem auch nicht so umständlich machen. Da sind Kasualgespräche per skype (oder anderer Alternativen? Wieso nicht Chat?) sicher eine Möglichkeit, falls die Leitung stark genug ist.

Beim Hellbound Blog geht es um das Lamb of God Lied „Walk with me in hell“. Ich finde den Gedanken sehr denkenswert, daß der Himmel leer sein müßte, wenn es eine Hölle gäbe, weil Jesus und all die Heiligen nichts dringenderes zu tun hätten, als den armen Verdammten Erleichterung zu verschaffen, ihnen beizustehen in der Höllenqual.

Ebenfalls bei den Jungs von Hellbound aufm Blog findet man ein Zitat von Erzbischof Lazar Puhalo bezüglich Glauben und Furcht. Und bei dem, was er sagt, kann ich ihm nur zustimmen.

In New York gab es wohl in der U-Bahn ziemlich üble Plakate, die dazu aufriefen, im Kampf zwischen zivilisierten Menschen und „Wilden“ Israel zu unterstützen und den Dschihad, also die religiöse Anstrengung im Islam, zu vernichten. Klar, man will hier mit dem Wörtchen Dschihad, das immer als Krieg gegen alles Ungläubige aufgefasst wird, und Krieg ist böse, da stimmen alle zu, Diskriminierung der Muslime möglich machen. Denn ebenso klar ist, jeder weiß, wer gemeint ist mit „Wilder“: Der Muslim, also alle Muslime. Um dies nicht für Hetze zu halten, muß man schon recht abgestumpft sein. Aber dnn gibt es noch diejenigen, die angegriffen werden, weil sie an der Anzeigenkampagne Kritik äußern. Alles zu lesen bei Sojourners.

Ebenfalls bei Sojourners nachlesen kann man, wie man Naziaufmärsche so richtig vereiteln kann. Allerdings habe ich Zweifel, daß die Antifa hierzulande über genügend Humor verfügt, das umzusetzen.

Nochmals Sojourners, und diesmal geht es darum, wie man (römisch-) katholisch sein kann, und zwar überzeugter Katholik, und trotzdem anderer Ansicht als die Kirchenführung. Hört sich einerseits sehr nach den Leuten vom Dialogprozess an, und auf der anderen Seite erfrischend anders. Und irgendwie reizt es mich jetzt auch, mit ner Nonne  nen Roadtrip zu machen.

Mandy hatte über Dirk Bachs Tod geschrieben und ziemlich üble Mails erhalten, worüber sie wiederum schrieb. Ich frage mich, inwieweit ein Christ es noch für christlich halten kann, derartige Haßmails zu schreiben, wie sie erhielt. Von Liebesgebot keine Spur! Und auch mich befällt da so ein Abgrenzungswunsch. Nich von „der Welt“, sondern von solchen homophoben Spinnern. Und dann denke ich wieder an das Zitat vom Erzbischof Puhalo, und wie Recht er doch hat…

Bei God didn’t say that geht es dann ganz passend um die entsprechenden Stellen zur Homosexualität im AT. Die Deutung, daß hier tatsächlich homosexueller Sex verboten wird, kann man teilen, muß man aber nicht. Ich habe schon zweifel, was das „Liegen mit einem Mann“ angeht, weil sonst für Sex eher „erkennen“ benutzt wird. Wichtig finde ich aber die Frage, was man mit solchen Aussagen anfängt, gegen Ende des Artikels. Denn Schweinefleischverbot und dergleichen belastet uns überhaupt nicht, während es beim Thema Homosexualität immer noch große Kontroversen gibt.

Nochmal Mandy, nochmal im Doppelpack. Sie hat nämlich auch geschrieben über Gebete, und darüber, daß sie oft unbeantwortet bleiben. Lesenswert.

So, jetzt hab ich zwar noch jede Menge Artikel, die ich gerne verlinken würde, es wird mir aber einfach zu viel. Also: Pech gehabt. Nächstes Mal vielleicht wieder.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde: Dienstag, 15. Mai 2012

Ich hab ja schon ne Weile nix mehr geschrieben, bin auch immer noch recht unkreativ, aber ne Runde Netzfunde ist heute drin.

Peter schreibt über kranke Helden und meint damit die Spitzenmanager, die einst Popstar-Status hatten und von denen man inzwischen weiß, daß auch sie nur mit Wasser kochen.

Helmut Creutz betrachtet das System, in dem sich die Manager bewegen, unsere Wirtschaft und das Geldsystem, und schreibt, wieso die Krise kam beziehungsweise der Crash kommen muß.

Auch um Geld geht es bei Alexander Ebel, genauer: Es geht um die Kirchensteuer (und die damit zusammenhängende atheistische Propaganda). Lesenswert ist in dem Zusammenhang auch die Antwort auf den ersten Kommentar dort.

Noch mehr Kirche, jetzt aber um unsere katholischen Geschwister: Der Mai scheint im Katholizismus mit Maria in Zusammenhang gebracht zu werden (wußte ich bis jetzt auch noch nicht). Heute bin ich auf zwei sehr gegensätzliche Annäherungen an Maria gestoßen: Einmal ein Brief an Maria, den Ameleo letztes Jahr schrieb und dieses Jahr noch einmal verlinkte, und dann die Erklärung der Bezeichnung Mariens als „Goldenes Haus“ beim Herrn Alipius. Man sieht: Auch im Katholizismus gibt es Pluralität, nicht nur bei uns.

A propos Herr Alipius: Der hat heute wieder (wie fast jeden Tag) nen neuen Schwester Robusta Comic veröffentlicht. Es geht um den Katholikentag in Mannheim. Von hier aus allen, die hinfahren, ein paar wunderschöne Tage.

Michael Blume hat etwas zur Bedeutung der Pflege in der Evolution des Menschen geschrieben und dort seinen Beitrag in der EKD Veröffentlichng „Geistesgegenwärtig pflegen“ verlinkt. Auch dort scheint sich wieder eine interessante Diskussion zu entwickeln.

Bleibt noch der Artikel von Ralpe zum nötigen Wandel in Unternehmenskultur und Organisation, um Social Media sinnvoll einsetzen zu können. Und dann stellt er die Frage, wie das in der Kirche aussieht. Ein Gedanke, der mir da kommt, ist, wie „Kirche“ gemeint ist: Ob als Institution oder als „Gemeinschaft der Gläubigen“. Bei ersterem hat Social Media wohl am ehesten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit ne Rolle, bei letzterem wird es schon umfangreicher.

Ach ja, damit ich es nicht auslasse: Am Wochenende war Relicamp in Frankfurt. Ich war nicht dort (mal wieder), aber Wolfgang hat da zum Beispiel drüber geschrieben (viele andere auch) und weiteres verlinkt.

kirche

Taufe und Streikrecht

Beim Artikel zur muslimischen Erzieherin im protestantischen Kindergarten in Ludwigshafen kam es bei den Kommentaren dazu, daß das Problem angesprochen wurde, wenn Menschen sich taufen lassen, nur damit sie einen Job in der Kirche annehmen können.

Das Thema beschäftigt mich seit einer Weile immer mal wieder. Erstmals richtig bewußt wurde es mir bei einem Gastvortrag von Ekkehardt Thiesler von der KD Bank an der KiHo Bethel (2007 glaub ich, bin mir aber nicht mehr ganz sicher). Die KD Bank ist eine Kirchenbank, damit ist die Mitgliedschaft in einer ACK Kirche, und damit die Taufe, Voraussetzung für ein Beschäftigungsverhältnis. Jedenfalls war dies damals noch der Fall.

Und Thiesler erzählte auch davon, daß sich geeignete Bewerber dann halt noch taufen lassen, um die Stelle zu bekommen. Gerade im Osten käme dies oft vor, aufgrund der Kirchenferne weiter Teile der Bevölkerung dort.

Diese Situation ist natürlich unbefriedigend. Unbefriedigend für die Bank, die vielleicht ein paar ethische Standards einhält, aber ansonsten inhaltlich mehr mit anderen Banken als der Kirche zu tun hat (Prof. Erne fragte damals etwa nach, ob vor Sitzungen gebetet würde, was Thiesler verneinte), weil sie von Bewerbern die Kirchenmitgliedschaft verlangen muß, obwohl kein Grund dafür ersichtlich ist, unbefriedigend für die Bewerber, weil sie sich gezwungen sehen, ohne innere Überzeugung in eine Kirche einzutreten und im Zweifel Kirchensteuern zu zahlen, nur um den Job zu bekommen, und unbefriedigend für die Kirche, weil sie nun entscheiden muß, ob sie die Bewerber tauft, ob sie die Taufe verweigern kann, oder ob überhaupt eine Prüfung der Ernsthaftigkeit möglich ist.

Das gleiche Problem gibt es natürlich in allen kirchlichen Einrichtungen. Dazu kommen dann solche Probleme wie der „Dritte Weg“ bei den Lohnverhandlungen und dem Streikverbot für Kirchenangestellte.

Ich frage mich: Wieso nicht einfach alles lassen? Als Kirche.

Hört sich erst einmal übel an. Ist es vielleicht auch, trotzdem möchte ich den Gedanken etwas ausführen. Nehmen wir die Krankenpflege. Sie entwickelte sich stark unter den Bedingungen des Diakonissenwesens, hier bot Kirche Möglichkeiten, die es bei Vater Staat nicht gab, Hilfe für Bedürftige. Freilich war hier nicht nur die Kirche aktiv, aber sie spielte eine Rolle, wie sie auch heute noch viele Krankenhäuser betreibt.

Die Frage ist nun, was der Unterschied zwischen einem kirchlichen Krankenhaus und einem nichtkirchlichen Krankenhaus ist. Viel gibt es da nicht. Die andere Frage ist, wieso die Kirche sich hier engagiert. War Krankenpflege anfangs ein Gebiet, das vom Staat vernachlässigt wurde, ist es nun ein ganz normales Wirtschaftsfeld, das von einer Vielzahl von Betrieben bevölkert wird, darunter auch viele Private. Wieso also nicht zurückziehen aus der Geschichte, und dort handeln, wo keiner sonst handelt? So wie früher? Mehr Besuchsdienst, weniger professionelle Pflege, die vom „Markt“ erledigt werden kann. Dann können die Schwestern und Ärzte auch jeden x-beliebigen Glauben oder Unglauben haben und auch streiken (wobei ich durchaus auch welche kenn die sagen, sie würden nicht streiken, weil sich ja jemand um die Menschen kümmern muß). Gleiches könnte man bei der Bank machen: Da das Bankgeschäft eben normales Bankgeschäft ist, kann man auch Muslime, Atheisten und Hindus einstellen. Die ethische Ausrichtung könnte man durch ein weisungsbefugtes Gremium sicherstellen. Dann wären die eigentlichen Banker von der Kirche unabhängig, und doch drch das Gremium gebunden, das dann wiederum aus Kirchenethikern bestünde. Mehr Verbindung wäre IMHO nicht nötig, der Taufschein unerheblich.

Damit ginge auch einher, daß die Arbeiten, die von Getauften zu erledigen wären, etwa die Besuchsdienste, ehrenamtlich sein könnten, und so an sich nicht erstrebenswert für Menschen, die dies nicht freiwillig aus christlicher Nächstenliebe tun. Das Ethikgremium bei der Bank würde wohl von studierten (und promovierten?) Theologen besetzt, also nicht von Leuten, die sich „mal eben“ taufen lassen, um den Job zu bekommen.

Auch im Kindergarten könnte man die allgemeine Arbeit mit den Kindern von der religiösen Arbeit trennen, und so den religiösen Part ins Ehrenamt verfrachten. Dazu braucht es dann freilich kompetente Ehrenamtliche. Vielleicht könnten sich so auch neue Berufsgruppen entwickeln, wenn man den Ehrenamtlichen Aufwandsentschädigungen zahlt. Je mehr dies geschieht, desto mehr bekommt das Ganze dann wieder einen Jobstatus, und desto mehr werden auch Menschen in den Job drängen, die sich dann eben einmal taufen lassen, und desto mehr wird es zu einem Wirtschaftsfeld, was wiederum den Rückzug der Kirchen und die Konzentration auf das, was nicht getan wird, provoziert, was immer das dann sein mag.

Jedenfalls wäre dies eine Antwort auf die Frage, wieso die Kirche sich in Feldern engagiert, die auch von anderen in identischer Weise versorgt werden.

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Merkel und der Papst

Auf dem Blasphemieblog (wo sich auch ne Diskussion entwickelt hat) wird auf einen offenen Brief der Giordano Bruno Stiftung (GBS) an Bundeskanzlerin Merkel hingewiesen.

Es folgen Briefauszüge samt Kommentierung meinerseits:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
am 22. September 2011 werden Sie von Papst Benedikt XVI. zu einem Gespräch am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin empfangen. Normalerweise achten wir nicht penibel auf das Protokoll, aber die Wahl dieses Ortes hat uns doch befremdet: Denn seit wann empfängt der Gast die Gastgeberin?! Der Vorgang erinnert uns fatal an jene düsteren Zeiten, als weltliche Herrscher dem „Stellvertreter Christi“ ihre Aufwartung machen mussten, um politisch nicht unter die Räder zu geraten. Dass dem Papst eine solche Assoziation angenehm sein mag, können wir uns denken, aber warum sollten Sie die Würde Ihres Amtes beschädigen, indem Sie einem solch durchsichtigen Machtmanöver auf den Leim gehen?

Die GBS nimmt Anstoß daran, daß der Papst Merkel empfängt und fragt, wer Gastgeber und wer Gastgeberin sei? Nun, hätte sich die GBS die Mühe gemacht, nachzudenken, so wäre ihr aufgegangen, daß der Ort des Treffens der Sitz der Bischofskonferenz ist. Wie kann da die evangelische Merkel Gastgeberin sein?

Oder höre ich aus den Worten der GBS eine Kritik daran, daß das Treffen bei der Bischofskonferenz stattfindet und nicht im Kanzleramt, wo andere Staatschefs empfangen werden?

Was die Machtfrage und die Würde des Amtes angeht meine ich mich zu erinnern, daß die Kanzlerin auch schon Unternehmer besuchte und nicht nur empfing. War auch dies eine Beschädigung des Amtes? Was ist dann aber das Idealbild eines Bundeskanzlers für die GBS? Ein Kanzler, der im Kanzleramt residiert und sich nicht dort weg bewegt, sondern alle und jeden zu sich kommen läßt. Mich würde das viel eher an vergangene Zeiten erinnern, als alles dem Willen der Landesfürsten zu folgen hatte…

Führen Sie sich in diesem Zusammenhang bitte vor Augen, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen der Politik des Vatikans kritisch, wenn nicht sogar ablehnend gegenübersteht.

Als ob der Papst kein Deutsch verstünde und sich nicht deutscher Medien bedienen könnte. Was ich mich allerdings frage ist, welche Politik die GBS meint. Und woher sie die Gewissheit nimmt, für „die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen“ sprechen zu können. Ich meine mich zu erinnern, daß die Kanzlerin im Gegensatz zur GBS demokratisch legitimiert ist und daher wohl eher für die in Deutschland lebenden Menschen sprechen kann als die GBS.

Wahren Sie daher beim Treffen mit Benedikt XVI. die gebührende Distanz und vermeiden Sie
es, ihn als „Heiligen Vater“ anzusprechen!

Ich frage mich, ob die GBS auch Distanz fordert bei einem Treffen mit Obama und von der Kanzlerin fordert, sie sole diesen nicht Mr. President oder Herr Präsident nennen, da dies die Distanz vermissen liese, da ihr Präsident ja Wulff sei. Oder ist es der GBS nicht bewußt, daß „Heiliger Vater“ ein Titel des Papstes ist? Was die GBS nicht sagt ist, wie der Papst denn sonst anzusprechen sei, wo er doch „Herr Ratzinger“ genausowenig ist wie Willy Brandt „Herr Frahm“ war, die Anrede mit „Benedikt“ noch viel eher die Distanz vermissen läßt und auch das Wort „Papst“ nichts anderes als „Vater“ bedeutet. Womöglich ist es der Mangel an Alternativen der die GBS dazu bewogen hat, keinen Vorschlag für die Anrede zu machen.

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie im Gespräch mit dem Papst den Standpunkt einer offenen, demokratischen Gesellschaft vertreten und von dieser Warte aus die Menschenrechtsverletzungen der Katholischen Kirche in aller gebotenen Deutlichkeit kritisieren.

Was soll sie denn sonst vertreten? Und was unterstellt die GBS dem ebenfalls deutschen und in einer offenen, demokratischen Gesellschaft aufgewachsenen Papst für einen Standpunkt?

Es ist von Menschenrechtsverletzungen der „katholischen Kirche“ die Rede. Das wirft die Frage auf, was damit gemeint sein soll. Die Antwort folgt auf dem Fuß, da sie aufgezählt werden.

Fordern Sie den Papst zu einer lückenlosen Aufklärung der von Priestern und Ordensleuten begangenen Verbrechen an Heim- und Internatskindern auf!

Aha. Mißbrauchsskandal. Hier wurden elementare Menschenrechte aufs gröbste verletzt. Durch die Kirche? Das könnte man lediglich sagen, wenn die Täter in ihren Straftaten nach den Regeln und Gesetzen der Kirche gehandelt hätten. Das wage ich zu bezweifeln, bis mir das Gegenteil bewiesen wird, nämlich daß die Katholische Kirche den Kindesmißbrauch fordert. Bis dahin bin ich der Überzeugung, daß von Menschenrechtsverletzungen in der katholischen Kirche die Rede sein kann, ebenso wie von Menschenrechtsverletzungen etwa in Schulen oder in der Jugendarbeit. Es würde aber keiner auf die Idee kommen, von Menschenrechtsverletzungen der Jugendarbeit zu sprechen, wenn es in der Jugendarbeit zu Mißbrauch kommt.

Hierzu müssen nicht nur die Bistümer und Orden ihre Archive öffnen, auch der Vatikan, bei dem ein Großteil der kircheninternen Verfahren aufliefen, muss bereit sein, Einblick in die entsprechenden Dokumente zu geben!

Es hilft den Ermittlungsbehörden sicherlich, wenn die Bistümer und der Vatikan ihre Archive öffnen. Allerdings stellt sich dabei ach die Frage, inwieweit die Dokumente auch Inhalte enthalten, die die Ermittlungsbehörden nichts angehen. Mir ist zum Beispiel nicht bewußt, inwieweit für die Dokumente das Seelsorgegeheimnis gilt, das ja auch der deutsche Staat schützt. Sicherlich ist es jedoch nicht verkehrt, die Möglichkeit einer engeren Zusammenarbeit anzusprechen. Ob eine Formulierung der Art „sie müssen“ zum Ziel führt, ist jedoch schon aus psychologischen Gründen fraglich. Für den Bereich der deutschen Bistümer kann die Kanzlerin per Gesetz agieren, so sie die nötigen Mehrheiten findet und nicht die Verfassung bricht. Für den Vatikan muß sie jedoch anerkennen, daß es sich dabei um einen souveränen Staat handelt, der erst einmal gar nichts muß, genausowenig wie Rußland oder China.

Machen Sie dem Papst unmissverständlich klar, dass die europäischen Antidiskriminierungsvorschriften auch für kirchliche Betriebe in Deutschland gelten müssen!

Auch hier: Keine Menschenrechtsverletzungen. Die Antidiskriminierungsvorschriften gelten für die europäischen Staaten, die allesamt den Austritt aus einer Religion, auch der katholischen Kirche erlauben und ermöglichen. Niemand ist gezwungen, in der Kirche zu sein, und niemand ist gezwungen, für die Kirche zu arbeiten.

Darüber hinas ist der Papst hier deutlich dr falsche Ansprechpartner, weil es sich hier um deutsche Gesetze handelt, die der Papst nicht ändern kann. Merkel könnte allerdings selbst versuchen, die nötigen Mehrheiten im Bundestag zu bekommen und Gesetzesänderungen herbeiführen. Womöglich will sie das nicht (dafür gibt es ja auch gute Gründe). Den Papst aber damit zu konfrontieren ist so, als bitte man Putin, sich für Mindestlöhne in Deutschland einzusetzen. Sicherlich hat der Papst Einfluß auf die Bichöfe, so daß diese unter Umständen dafür sorgen, daß die rechtlichen Möglichkeiten nicht ausgeschöpt werden, die die krichlichen Betriebe haben (ich geh mal davon aus, daß da die Bischöfe Einfluß nehmen können), rein rechtlich ändert sich dann aber an der Möglichkeit nichts. Ich verstehe nicht, wieso die GBS so demokratievergessen ist, daß sie dem Papst mehr Einfluß af die deutschen Gesetze zuspricht als der Kanzlerin.

Machen Sie dem Papst klar, dass eine derartige weltanschauliche Diskriminierung nicht ins 21. Jahrhundert gehört.

Ich frage mich, wieso hier die Zeit als Argument gelten soll. Waren Diskriminierungen u anderen Zeiten okay? Nein? Werden sie irgendwann in Ordnung sein? Nein? Warum bleibt die GBS dann niht dabei Gründe als Argumente anzuführen, statt eine Zeitbedingtheit zu suggerieren?

Es widerspricht entschieden den Prinzipien des modernen Rechtsstaats, dass Menschen faktisch zur Kirchenmitgliedschaft gezwungen werden, bloß weil sie der Arbeitslosigkeit entgehen wollen!

Niemand wird gezwungen, in gerade diesen Betrieben zu arbeiten. Insofern sehe ich den Widerspruch zum Rechtsstaat nicht. Widerspricht es auch dem Rechtsstaat, wenn die CDU Sarrazin keinen Job gibt, damit dieser der Arbeitslosigkeit entgehen kann?

Wie dem auch sei, bei dieser Frage geht es jedenfalls nicht um Menschenrechte.

Überzeugen Sie Benedikt XVI. davon, dass es eine Geschmacklosigkeit sondergleichen wäre, wenn ausgerechnet er als „deutscher Papst“ die Seligsprechung von Pius XII. vornehmen würde! […] Erklären Sie dem Papst, dass Sie statt der Seligsprechung eines Steigbügelhalters des Faschismus ein klares Schuldbekenntnis der Katholischen Kirche erwarten!

Zuerst die Frage nach den Menschenrechten: Werden Menschenrechte verletzt, wenn der Papst Pius XII selig spricht? Ich denke nicht. Ob dieser nun ein guter oder schlechter Mensch war, ist eine andere Frage. Die Seligsprechung ist kein nach den Kriterien einer atheistisch-humanistischen Ethik orientierter Preis. Sie hat ihre eigenen Regeln, die von den jeweiligen Institutionen der Kirche angewendet werden und am Ende steht die Seligsprechung. Was würde die GBS sagen, wenn jemand die Vergabe des Physiknobelpreises kritisieren würde, weil der Preisträger eine fragwürdige Ethik vertritt?

Was den „Steigbügelhalter des Faschismus“ angeht, da sollen sich Historiker drum streiten. Die Art der Aussage an sich jedenfalls läßt vermuten, daß es sich hierbei um die hauseigene Meinung der GBS handelt.

Erarbeiten Sie mit dem Papst ein Konzept zur Aufhebung der Privilegien, die sich die Kirche vor allem in vor- und antidemokratischen Zeiten gesichert hat!

Hier wäre der Ansprechpartner (wieder einmal) der Bundestag, im Zweifel noch die deutschen Bischöfe. Wieso sollte sich der Papst so stark in die Geschäfte einzelner deutscher Diözesen einmischen? Es kommt doch auch keiner auf die Idee, mit Ban Ki Moon die Gemeindeordnungen der Gemeinden im Taunuskreis zu besprechen.

So ist es allein dem Naziregime zu verdanken, dass auf der Lohnsteuerkarte die Konfessionszugehörigkeit eingetragen wurde, was noch heute den automatischen Einzug der Kirchensteuer ermöglicht.

Der Eintrag ist eine Oberflächlichkeit, die sich leicht per Gesetz abschaffen liese. Steuern könnten trotzdem erhoben werden. Diese sind auch keine Privilegien der katholischen Bistümer, sondern sind humanistischen Gruppierungen genauso zugänglich wie den Zeugen Jehovas.

unter diesen Bedingungen wäre es kirchlichen Betrieben kaum mehr möglich, die bislang geförderte Diskriminierung von Anders- bzw. Nichtgläubigen fortzuführen.

Das ist natürlich absoluter Quatsch. Die Betriebe würden den Nachweis der Kirchenmitgliedschaft fordern, auszustellen vom zuständigen Pfarramt. Die „Diskriminierung“ würde damit nicht im geringsten tangiert. Diese Diskriminierung basiert allerdings auf den Zusagen des gleichen Grundgesetzes, das die GBS andernorts hochhält:

Diese Regelung […] steht in krassem Widerspruch zum Grundgesetz, das in Artikel 140 besagt…

Grundgesetz nur, wenn es den eigenen Zielen dient? Muß man sich Sorgen um die Verfassungstreue der GBS machen?

Nicht zuletzt sorgte der zivilisatorische Einbruch des Nazi-Regimes auch dafür, dass die bereits in der Weimarer Verfassung verankerte Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen niemals realisiert wurde.

Wenn ich mich recht entsinne zeigten die Kirchen Gesprächsbereitschaft, als das Thema vor längerem auftauchte (Sommerloch letztes Jahr?). Das Ganze scheitert bis heute daran, daß die Politik nicht zur Ablösung bereit ist. Auch da wäre der Ansprechpartner wieder die Bundeskanzlerin bzw. die Ministerpräsidenten und die jeweiligen Parlamente, nicht der Papst.

Auch bei den angeblichen Privilegien sehe ich nicht, wo Menschenrechte verletzt würden. Die GBS führt dies auch nicht aus.

Machen Sie dem Papst klar, dass er seine unzeitgemäße, verantwortungslose Sexualpolitik aufgeben sollte! Damit meinen wir nicht nur, dass der Vatikan selbstverständlich die sexuellen Selbstbestimmungsrechte des Individuums anerkennen muss, wenn er in ethischer Hinsicht ernstgenommen werden will. Es geht vor allem auch um die Frage der Empfängnisverhütung und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Erklären Sie dem Papst, dass seine Positionen angesichts von Überbevölkerung und Aidsepidemien objektiv unverantwortlich sind.

„Zeitgemäß“ kann kein Kriterium sein, lediglich Verantwortungslosigkeit könnte man dem Papst (und auch der katholischen Kirche) vorwerfen. Die GBS geht davon aus schon die Wahrheit diesbezüglich zu verkünden, ohne zu argumentieren. Ich bin da etwas anderer Meinung als die GBS, und der Papst wie die übrigen Bischöfe haben nochmal eine andere Meinung.

Wie dem auch sei sind drei Dinge festzuhalten:

  1. Wieso sollte sich die Kanzlerin einmischen in die katholische Sexualethik? Sie ist weder katholische Theologin, nicht mal Katholikin. Die katholische Sexualethik ist eine Angelegenheit der Katholiken.
  2. Niemand wird zu einer Kirchenmitgliedschaft gezwungen. Somit ist auch die Einhaltung der römischen Sexualethik durch keinen Zwang gekennzeichnet. Viele Katholiken halten sich ihrerseits nicht an die Regelungen, manche haben Sex vor der Ehe, andere verhüten mit Pille oder Kondom und bleiben trotzdem Mitglieder der Kirche. Eine Kausalität zwischen HIV Epidemie und römischer Sexualethik zu behaupten ist damit höchst zweifelhaft.
  3. Da kein Zwang in Bezug auf die Sexualethik ausgeübt wird, da die Kirchenmitgliedschaft freiwillig ist, kann auch nicht von Menschenrechtsverletzungen die Rede sein.

jedoch ein Mann, der Abermillionen von Menschen weltweit zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Todesfolge anstiftet

Und genau das tut der Papst nicht. Sex gehört nach der katholischen Lehre in die Ehe, und nur dorthin. Und innerhalb der Ehe ist die Benutzung eines Kondoms erlaubt, falls ein Partner HIV positiv ist. Die GBS betreibt üble Nachrede.

Dass die Vatikanstadt heute als „souveräner Staat“ gilt, verdankt die Kirche neben der (selbstverständlich gefälschten) „Konstantinischen Schenkung“ in erster Linie den Lateranverträgen mit dem faschistischen Diktator Benito Mussolini.

Die Frage nach der Unabhängigkeit des Vatikan ist nicht die Angelegenheit der deutschen Bundeskanzlerin oder des deutschen Staates, sondern wenn überhaupt dann eine Frage, die zwischen Italien und dem Vatikan zu klären ist. Mir sind keine Ansprüche seitens Italien auf den Vatikan bekannt.

Anders wäre es natürlich, falls die GBS die Meinung vertritt, Deutschland sollte (warum auch immer) Anspruch auf Vermögen und Territorium des Vatikan stellen. Dies ist jedoch, soweit ich es sehe, nicht der Fall.

Als Völkerrechtssubjekt hat der Heilige Stuhl den Rang eines permanenten Beobachters in der UN und kann dort aktiv in Debatten eingreifen, was eine nicht zu rechtfertigende Bevorzugung der Katholischen Kirche gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen bedeutet.

Sicherlich kann man das in Frage stellen. Allerdings wäre Ansprechpartner in diesem Fall nicht Frau Merkel, sondern erst einmal die UN Mitglieder insgesamt. Falls es dort keine derartigen Forderungen gibt, stellt sich die Frage, wieso gerade Deutschland sich damit hervortun sollte, so ganz ohne Not. Aus dem Vatikan kamen häufig Aufrufe zum Frieden. Diese durch die Aberkennung des Völkerrechtsstatus zu schwächen kann auch nicht im Sinne der Vereinten Nationen sein. Meine Meinung ist, daß solch ein historisch gewachsener Status nicht ohne Not abgeschafft werden sollte, zumal kaum Anstoß daran genommen wird.

 Zudem verhindert die staatliche Souveränität der Vatikanstadt, dass illegale Machenschaften unter kirchlichem Deckmantel juristisch verfolgt werden können.

Den selben Effekt hätte die Abschaffung der Souveränität jedes anderen Staates. Kriminelle Strukturen gibt es überall, sie können kein Grund sein für die Abschaffung nationaler Souveränität.

scheiterte die Strafverfolgung allzu häufig daran, dass der Vatikan auf seine staatliche Souveränität pochte. Dies kann und darf nicht hingenommen werden! Die Katholische Kirche sollte die gleichen Rechte und Pflichten besitzen wie andere Nichtregierungsorganisationen auch.

Ein geschickter rhetorischer Trick, Dinge zusammenzuwerfen, die nicht zusammen gehören, und dann aus der Ungleichheit zu schließen, daß gleiche Rechte gelten müssen.

Die katholische Kirche ist eben nicht eine NGO. Es ist zuerst eine Kirche. Diese bildet sich in Institutionen ab, die verschiedene Rechtsgestalt haben. Unter anderen gehört dazu auch ein souveräner Staat mitten in Rom. Jede dieser Rechtsgestalten hat nun die ihr entsprechenden Rechte, und die sind eben nicht immer mit einer NGO identisch, weil es nicht immer eine NGO ist. Die Deutsche Bank ist auch „non government“, aber sie ist eben eine AG, deshalb unterliegt sie teils anderen Gesetzen als Greenpeace.

Aber kommen wir nicht vom Thema ab: Es geht um die Menschenrechtsverletzungen der katholischen Kirche. Und auch hier muß ich sagen: Die Souveränität eines Staates verletzt niemandes Menschenrecht.

Am Ende liest die GBS dann noch im Kaffeesatz:

Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes werden es auf Dauer nicht dulden, dass ihr Staat Jahr für Jahr Milliarden von Steuergeldern in eine Institution investiert, die nicht nur eine verheerende Geschichte zu verantworten hat, sondern auch in der Gegenwart alles tut, um gesellschaftlichen Fortschritt zu verhindern.

Den „gesellschaftlichen Fortschritt“ hat die GBS wohl gepachtet, der kann nur von ihr kommen. Ganz am Schluß wird dann auch angedeutet, wie dieser Fortschritt auszusehen hat.Natürlich spielen die GBS und ihre Ziele dabei eine zentrale Rolle:

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass das alte, patriarchale, autoritäre Denken, für das die Kirche wie kaum eine andere Organisation weltweit steht, überwunden wird! Denn nur so kann – hier in Deutschland wie auch in anderen Ländern der Welt – eine wahrhaft freie und humane Gesellschaft entstehen, die in der Lage ist, die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern.

 

Bei Licht betrachtet geht es aso einzig und allein um einen Aufruf, den Laizismus einzuführen. Dies aber unter falscher Flagge, um Aufmerksamkeit zu erheischen.

So geht es in keiner der Forderungen um Menschenrechte oder deren Verletzung. Einzig beim Thema Mißbrauchsskandal spielen Menschenrechte überhaupt eine Rolle. Diese wurden in der Tat verletzt, aber die GBS führt nicht aus, inwieweit die Kirche dafür verantwortlich zu machen wäre. Wahrscheinlich, weil sie es nicht kann.

Die (katholische) Kirche und das Reizwort Menschenrechtsverletzung dienen hierbei lediglich als Speck, mit dem Mäuse gefangen werden sollen. Die GBS offenbart dabei, daß sie nicht von einem reflektierten mündigen Menschen als Leser ausgeht, sondern von unreflektierten Lesern irgendwo knapp unter BILD Niveau.

Bundeskanzlerin und Papst sind in den meisen Fällen nicht Ansprechpartner für die Forderungen. Häufig ist es die Bundeskanzlerin allein (sowie ihre Regierung und der Bundestag), auch andere politische Ebenen sind involviert. Der Papst hat meist nur mittelbar bis weitläufig mit den Themen zu tun.

Allerdings erfüllt er neben dem Anlaßgeber (ohne Papstbesuch kein offener Brief) noch eine andere Funktion:

Die GBS fordert anfangs, daß die Menschenrechtsverletzungen der katholischen Kirche kritisiert werden. Der Papst steht für diese katholische Kirche. Wer sonst sollte etwas ändern können an Mißständen als er?

Dieses Denken ist so realistisch wie daß die Kanzlerin die lokalen Probleme einer Stadt lösen kann. Trotzdem ist es weit verbreitet, wie man etwa sieht, wenn Themen der Bundespolitik sich etwa auf Kommunalwahlen oder auch Landtagswahlen auswirken (umgekehrt scheint dies weniger der Fall zu sein).

Unter Voraussetzung dieses Denkens wird nun mit der katholischen Kirche eine Strohpuppe aufgebaut, auf die erst einmal die ganzen Probleme projiziert werden: Ohne katholische Kirche kein Mißbrauch, keine HIV Epidemie, keine Arbeitslosigkeit, alle fröhlich und vergnügt. Der Papst nun als unwilliger Helfer, der erst angeleihert werden muß durch die Kanzlerin (daß oftmals weder sie noch er der Ansprechpartner bei den Problemen sind, wird nicht erwähnt), und alles mit dem Ziel, einen Rahmen zu haben für eine Auflistung der Punkte, in der man die Kirche angreifen zu können meint. Am Ende dann, ganz kurz und schwammig, wird das neue Utopia beschrieben, oder besser nicht beschrieben, nur angedeutet. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Diese Strohpuppe samt Papst (das „alte, patriarchale, autoritäre Denken“) soll es da nicht mehr geben, statt dessen soll „eine wahrhaft freie und humane Gesellschaft entstehen“, wobei frei wohl „frei von unliebsamer Konkrrenz“ bedeutet und human für alles steht, was die GBS als gut befindet.

Damit leistet die GBS, ich habe es schon einmal gesgat, einem unreflektierten und unmündigen Denken Vorschub, das seinerseits ebenfalls patriarchale Züge hat. Patriarch ist dabei nicht mehr die Religion, sondern die GBS.