Glaube, Religion, Theologie

Die Nacht ist vorgedrungen

Stolperstein von Jochen KLepper, dem Autor von "Die Nacht ist vorgedrungen" - Beschriftung: "Hier wohnte Jochen Klepper Jg 1903 gedemütigt / entrechtet Flucht in den Tod 11.12.1942"
Stolperstein von Jochen Klepper
Lizenz: OTFW, Berlin [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Röm 13, 11-12

Diese Verse stellt Jochen Klepper 1938 seinem Weihnachtslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ voran.

Die Zeitumstände

Wenn man an Jochen Kleppers Leben denkt, so kommt einem vielleicht der Gedanke, daß die Nacht die Naziherrschaft bezeichnen könnte, und der Anbruch des Tages vielleicht auf den 8. Mai 1945 zu legen wäre. Den Tag, als die Wehrmacht kapitulierte und Hitlerdeutschland endgültig zusammengebrochen war.

Jochen Klepper war es nicht vergönnt, diesen Tagesanbruch zu erleben. Er starb inmitten der Nacht, am 11. Dezember 1942, zusammen mit seiner Frau und seiner jüngeren Stieftochter – die ältere Stieftochter konnte noch rechtzeitig vor dem Krieg nach England auswandern – das Leben. So entgingen die Frauen der Deportation in die Vernichtungslager und Klepper der Zwangsscheidung seiner Ehe.

Nicht nur wegen seiner jüdischstämmigen Frau (ihre Taufe 1938 spielte für die Nazis keine Rolle) geriet Klepper in Konflikt mit dem Nazistaat. Auch seine frühere Mitgliedschaft in der SPD war ein Problem. 1937 wurde er aus er Reichsschrifttumkammer ausgeschlossen und stand praktisch ohne Beruf da. 1938 konnte er noch einmal einen Gedichtband herausbringen, mit einer Sondergenehmigung. Der Name des Bandes war „Kyrie“, und er enthält auch „Die Nacht ist vorgedrungen“.

Das Lied

Der dem Lied vorangestellte Bibelvers drückt Optimismus aus: Nicht mehr lange, dann wird es besser, nicht mehr lange, dann wird es Tag. Dann kommt das Heil. Und deshalb laßt uns so leben, als sei es schon soweit, laßt uns die Waffen des Lichts schon am Ende der Nacht aufnehmen.

Optimismus

Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Die erste Strophe atmet den selben Optimismus: Die Nacht ist so gut wie vorbei, der Morgenstern, der Angst und Pein bescheint, ist schon da und kann, soll, ja muß gelobt werden. Wer der Morgenstern ist, bleibt noch unklar. Man kann Gott dahinter vermuten, da zum Lob aufgerufen wird, aber ist Gottes Handeln mit der bloßen Bescheinung von Angst und Pein gut umschrieben?

Weihnachtszeit

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll’ nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

Die zweite Strophe wechselt vom Bild des bald anbrechenden Tages zur Weihnachtsgeschichte: Gott wird Kind und Knecht und leistet Sühne. Als Folge daraus müssen die Schuldigen sich nicht mehr verhüllen, können offen und aufrecht dastehen. Sie können auf Rettung hoffen.

Heil im Stall

Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

Die Rettung, so erfahren wir in Strophe drei, ist im Stall zu finden, dem Geburtsort Gottes als Jesuskind. Dieses Heil, so lernen wir, wurde schon immer verkündet, nun aber geschieht es, daß derjenige, den Gott ausersah, gemeint ist Jesus, und damit Gott selbst, sich mit uns, den Schuldigen, verbündet.

Kein Dunkel mehr

Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

In Strophe vier geht es nun nicht mehr um die Weihnachtsgeschichte, und die Nacht ist auch nicht mehr dieses große Übel, das durch die Geburt Jesu gebrochen wird, es ist plötzlich die Rede von vielen Nächten. Die Nacht ist hier nicht mehr die Gottesferne der Menschen, in der sie mit ihrer Schuld ohne Hoffnung alleine gelassen sind, sondern es sind einzelne schlimme Zeiten, wozu Klepper sicher auch die Nazizeit zählte.

Der Unterschied zum Zustand vor Weihnachten, bevor Jesus Christus in die Welt kam, um als unser Verbündeter für unsere Rettung zu sorgen, liegt darin, daß Jesus Christus sein Werk vollendet hat. Nun wandert der Stern der Gotteshuld mit uns. Wir sind in der Huld Gottes, also im Einflußbereich Seiner Gnade, stehen in Seiner Gunst. Unsere Angst un Pein sind beschienen durch den Stern, wie Strophe eins aussagt. Und dieser Schein sorgt dafür, daß wir nicht vom Dunkel gefangen sind, das Dunkel hält uns nicht mehr, weil Gott mit uns ist. Von Ihm her kam die Rettung.

Es werde Licht

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt!
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt!
Der sich den Erdkreis baute,
der läßt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht!

Die Nacht hat freilich ein Problem mit ihrer Dunkelheit, wenn Gott sie aufsucht, und durch Seine Gegenwart Licht in die Nacht kommt. Das Dunkel wird erhellt, dadurch, daß Gott denjenigen, der im Dunkel ist, den schuldigen Sünder, nicht einfach dort läßt, sondern ihn so richtet, als ob er belohnt werden soll.

Hoffnung

Meiner Meinung nach geht es im Zentrum von „Die Nacht ist vorgedrungen“ um die Hoffnung. Und wahrscheinlich ist das Lied deshalb auch so stark. Hier schreibt einer von Hoffnung, der in der dunkelsten Zeit für seine Familie und sich die Hoffnung nicht verlor. Klepper beging Selbstmord, aber auch das in der hoffenden Zuversicht auf Gott. Die letzte Eintragung in seinem Tagebuch lautet:

Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.

Klepper hält trotz allem an der Hoffnung fest. Die Hoffnung, daß die Nacht dereinst, bald zu Ende sein wird, ist für ihn Grund, schon Gott für das Ende der Nacht zu loben. Er weiß sich von Gott auch in finsterster Nacht beschienen, die Nacht ist keine, und das kann man auch deutlich sagen. Man kann Christus loben, ihm die Ehre geben, auch wenn man in den Tod geht.

Und nochmals Hoffnung – auch im Angesicht des Todes und darüber hinaus

Angesichts der damals verbreiteten Ansicht, daß Selbstmörder sicher in die Hölle kommen, ein durchaus starkes Stück Hoffnung. Und so ist Klepper auch derjenige, der zumindest im evangelischen Bereich für ein Umdenken sorgte, was die Bewertung des Selbstmordes angeht.

Auch wenn die Melodie von „Die Nacht ist vorgedrungen“ eher gedeckt und die Worte nicht so triumphierend sind wie manche Osterlieder kann man es nach meinem Empfinden doch nicht als zurückhaltend beschreiben. Klar ist, daß es Hoffnung gibt, klar ist, das liegt an Jesus Christus und klar ist, daß diese Hoffnung auch in dunkelster Zeit und auch angesichts des Todes trägt.

kirche

Rap den Heidelberger

Was ist dein einiger Trost im Leben und im Sterben?

Dass ich mit Leib und Seele,
beides, im Leben und im Sterben,
nicht mein, sondern meines getreuen
Heilands Jesu Christi eigen bin,

der mit seinem teuren Blut
für alle meine Sünden vollkömmlich bezahlt
und mich aus aller Gewalt des Teufels
erlöst hat und also bewahrt,
dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel
kein Haar von meinem Haupt kann fallen,
ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.

Darum er mich auch durch seinen
Heiligen Geist
des ewigen Lebens versichert
und ihm forthin zu leben
von Herzen willig und bereit macht.

Frage 1 und Antwort des Heidelberger Katechismus

Vor langer langer Zeit war Heidelberg die Hauptstadt der Kurpfalz, eine der wichtigesten protestantischen Mächte im Reich. Wichtig wurde auch der dort geschriebene Katechismus, der Heidelberger Katechismus, der in den meisten reformierten Kirchen zu den Bekenntnisschriften zählt.

Nun habe ich gerade entdeckt, daß der Reformierte Bund einen Wettberwerb ausgeschrieben hat, einen Liederwettbewerb sozusagen. Denn dieses Jahr wird besagter Katechismus 450 Jahre alt.

Es winken bis zu 600€ als Preis, teilnehmen kann man mit einem bisher unveröffentlichten Rap. Einzusenden sind der Text als pdf sowie eine Audio- oder Videoaufnahme.

Ach ja, der Rap soll entweder einen Teil des Textes des Heidelberger enthalten, oder er soll sich darauf beziehen. Eine Kombination aus beidem ist ebenfalls möglich.

Vielleicht ist ja jemand unter den Lesern, der musikalisch kreativ ist 😉

Einsendeschluß ist der 1.10.2012

kirche, Kirche & Web 2.0

Webfish und so

Bald wird wieder der Webfish verliehen. Was das ist und wer dahinter steht, liest man am Besten daselbst nach, weil mich das hier weniger interessiert.

Mir geht es darum, auf zwei nominierte Angebote hinzuweisen.

Das erste wär soziale-berufe.com

Dort hat man einen Überblick über die verschiednene Berufe im sozialen Bereich. Ganz nett gemacht und mit ganz vielen offiziellen Machern im Rücken. Das ist zwar nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, aber die Seite ist ganz übersichtlich gestaltet (im Gegensatz zu der von der EKD, die den Webfish ja vergibt) und lenkt den Fokus auf ein Berufefeld, das immer wichtiger wird.

Das zweite ist Lieder vom Glauben

Einfache Idee, schön umgesetzt. Das Wochenlied, jede Woche von einem Chor eingesungen, mit Video dazu. Für Freunde des Kirchengesangs. Eine einfache Idee, schön umgesetzt, ohne durch zu viele Extras und „weiteres“ zsätzlich punkten zu wollen. Das Projekt ist von der Württembergischen Kirche, die wird verlinkt, macht sich af der Seite aber nicht weiters breit.

Kirche & Web 2.0

OpenXangbuch

… oder Xanxbuch oder Xanxbux oder Xanxboox… wir hatten da mehrere Versionen im Gespräch. Jedenfalls hab ich, weil ich grad Eloquent installier, weil ich die Sword Module der Offenen Bibel testen will, weil… Moment, wo war ich?

Also beim Module durchsuchen bin ich unter anderem auf das Open Hymnal Project gestoßen, das nebenher eben auch ein Sword Modul anbietet. Beim ersten Überfliegen macht die Seite den Eindruck, als ob „Open Hymnal Project“ die englische Übersetzung für „Open Xangbuch“ (oder die diversen Dialektvarianten) ist. Es scheint ein Ein-Mann-Projekt zu sein, es scheint auf englische Lieder beschränkt zu sein und der Verantwortliche spricht explizit davon, daß er Hilfe gut brauchen kann.

glaube, kirche

Nous avons vu les pas de notre Dieu

Ich war ja in der Schule in Französisch nie besser als 5. In letzter Zeit merke ich jedoch oft, daß ich mehr verstehe als diese Note aussagt und da seitdem schon viel Wasser den Rhein runtergeflossen ist, hat sich ach meine Aversion gegen die Sprache inzwischen gelegt. Und so kann ich dann auch französisches Liedgut schätzen inzwischen.

Viele kennen vielleicht das Kirchenlid „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“. Im Evangelischen Gesangbuch (und damit meine ich DAS evangelische Gesangbuch, also das mit dem pfälzischen Regionalteil, den auch die Badener, Elsässer und Lothringer haben ;)) steht dieses Lied unter der Nmmer 665 im Regionalteil, und weil wir den gleichen Regionalteil wie Elsässer und Lothringer haben, ist das Lied auch auf französisch abgedruckt.

Und da ich in Mathe etwas besser war als in Französisch fiel mir sofort auf, daß 6≠3 ist und also die französische Version viel länger ist als die Deutsche. Und ich finde, auch schöner, gerade der Schluß mit der Zusage von Gottes wiederkehr:

1. Nous avons vu les pas de notre Dieu
Croiser les pas des hommes,
Nous avons vu brûler comme un grand feu
Pour la joie de tous les pauvres.

Ref: Reviendra t il marcher sur nos chemins,
Changer nos cœurs de pierre?
Reviendra t il semer au creux des mains
L’amour et la lumière?

2. Nous avons vu fleurir dans nos déserts
Les fleurs de la tendresse;
Nous avons vu briller sur l’univers
L’aube d’une paix nouvelle.

Refrain

3. Nous avons vu danser les malheureux
Comme aux jours de la fête,
Nous avons vu renaître au fond des yeux
L’espérance déjà morte.

Refrain

4. Nous avons vu le riche s’en aller
Le cœur et les mains vides,
Nous avons vu le pauvre se lever,
Le regard plein de lumière.

Refrain

5. Nous avons vu se rassasier de pain
Les affamés du monde,
Nous avons vu entrer pour le festin
Les mendiants de notre terre.

Refrain

6. Nous avons vu s’ouvrir les bras de Dieu
Devant le fils prodigue,
Nous avons vu jaillir du cœur de Dieu
La fontaine de la vie.

Ref: Il reviendra au terme du chemin
Nous prendre en sa lumière.
Il reviendra nous prendre par la main
Pour vivre auprès du Père.

Auch wenn ich in französisch nie gut war, reitet mich gerade der Übermut, und ich will einmal versuchen, ob ich eine Übersetzung zu Wege kriege. Ich hoffe auf fleißiges Korrigieren in den Kommentaren 😉 Und wenn jemand ganz motiviert ist, kann er die Übersetzng ja in eine Versform überführen oder sogar eine Melodie dazu schreiben (das kann ich nun überhapt nicht).

  1. Wir haben die Schritte unseres Gottes die Schritte der Menschen kreuzen gesehen.
    Wir haben für die Freude aller Armen wie ein großes Feuer brennen gesehen.Refrain:
    Wird er wiederkommen, marschieren auf unseren Wegen, unsere Herzen aus Stein verändern?
    Wird er wiederkommen, die Liebe und das Licht in unsere hohlen Hände säen?
  2. Wir haben die Blumen der Zärtlichkeit in unseren Wüsten blühen gesehen.
    Wir haben die Morgendämmerung eines neuen Friedens im Weltall funkeln gesehen.
  3. Wir haben die UNglücklichen wie am Tag des Festes tanzen gesehen.
    Wir haben im Hintergrund der Agen die schon tote Hoffnung ne erwachen gesehen.
  4. Wir haben den Reichen mit leeren Herz und Händen davongehen gesehen.
    Wir haben den Armen – den Blick voller Licht – sich erheben gesehen.
  5. Wir haben die Verhungernden der Welt von Brot satt werden gesehen.
    Wir haben die Bettler der Erde zm Festmahl eintreten gesehen.
  6. Wir haben die Arme Gottes sich vor dem verlorenen (treulosen) Sohn öffnen gesehen.
    Wir haben die Quelle des Lebsn aus dem Herzen Gottes entspringen gesehen.Refrain:
    Er wird am Ende des Weges wiederkommen, uns in sein Licht nehmen.
    Er wird wiederkommen, uns an der Hand nehmen, um beim Vater zu leben.

Und hier noch ein Video zm Karaoke singen.