Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Montag, 26. März 2012

Eigentlich sind es ja die Netzfunde vom Sonntag, aber ich hatte noch ein paar Texte für die Uni zu lesen und bin erst jetzt fertig.

Schon seit vorgestern online ist ein Artikel bei evangelisch.de zur Katholizität der evangelischen Kirche. Interessant vor allem die Kommentare, die es als Manko erleben, daß die protestantischen Kirchen nicht römisch-katholisch sind. Also ich weiß ja nicht wie Ihr das seht, aber war es nicht die römisch-katholische Kirche, die sich beim Tridentinum abgespalten hat? Ich bin immer wieder überrascht über die Sichtweise, wir Protestanten hätten uns abgespalten… 😉

Thomas hat den zweiten Teil der kulturellen Differenzen bei Verkehrsmitteln eingestellt.

Und weil wir es gerade von Kultur und der römischen Kirche haben: Gestern war Sonntag, und die Sonntage zählen nicht zur Fastenzeit. Deshalb konnte der Blog-fastende Herr Alipius wieder ein wenig bloggen.

Zuvörderst zu nennen wäre eine neue Ausgabe von Schwester Robusta.

Dann gibt es da nen längeren Artikel zum Kirchenbashing, Geschmacksrichtung anti-Rom, im Internet. Dabie sagt er viele richtige und wichtige Dinge, aber mein Highlight bei dem Artikel war der Link zu Get Religion.

Dabei handelt es sich um einen Blog, der antikirchliche Meldungen von einer anderen Seite zu beleuchten versucht. Bei diesem Link geht es gerade um die vor Jahrzehnten in den Niederlanden kastrierten Mißbrauchsopfer. Kastrationen wurden damals wie es aussieht wohl vom niederländischen Staat in größerem Rahmen durchgeführt.

Und da ich diesen Blog so gut fand, hab ich da gleich mal den RSS Feed abonniert. War ne gute Sache. Kurz danach kam da nämlich dieser Artikel zu Pussy Riot und der orthodoxen Kirche in Rußland. Bei der Sache hatte ich auch schon andernorts mal skeptisch angefragt.

A propos skeptisch: Es gibt da ja solche pseudoskeptischen Zeitgenossen im Netz, die sich darin gefallen, die Kirchen (allen voran die römische, aber nicht nur) und den Gottesglauben als größte Geisel der Menschheit und mindestens als Ursache für alles Leid dieser Welt darzustellen. Da fand ich es ganz witzig, über den Herrn Alipius nen Blogartikel zu finden, der die selbe dumme-Propaganda-Methode auf die Atheisten anwendet. Ich weiß, liebe Atheisten, Ihr findet das jetzt alles ganz fies und gar nicht fair. Werdet damit fertig.

Der Text ist auch eine Antwort auf die Frage, die ich mir bei diesem Video stellte.

Gibt es irgend eine Möglichkeit, den Inhalt des Videos so zu persiflieren, daß die Sympathisanten der Macher merken, wie dumm das alles ist? Der Text bezieht sich zwar nicht auf das Video, aber er dürfte die Dummheit der kirchenkritischen Methode, die sowohl solchen Texten als auch dem Video zu Grunde liegt, asreichend illustrieren.

So, und nach der ganzen Kirchenkritik noch was Schönes. Von Ameleo

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Tut Buße und glaubt an das Evangelium

Mal wieder befasse ich mich mit den Mißbräuchen durch katholische Geistliche. Genauer geht es mir um den Umgang der Kirchenoberen mit den Vorwürfen, denn Mißbrauch ist kein katholisches Alleinstelungsmerkmal und hat mit Zölibat, Kondomverbot und ähnlichen in der heutigen Gesellschaft anstößigen Lehren und Praktiken der Kirche Roms nichts zu tun.

Was allerdings etwas mit der Kirche Roms zu tun hat, ist der Umgang ihrer Bischöfe und Priester mit dem Thema. Bei Maischberger, so schreibt der SPIEGEL (via), kam es einmal wieder zu einem Aufeinandertreffen von Klerikern, Opfern und anderen mehr oder minder dem Thema nahe stehenden Personen. Natürlich schafft es der SPIEGEL wieder prima, vom Thema abzukommen und den Zölibat ins Spiel zu bringen, der so viel mit sexuellem Mißbrauch zu tun hat wie „Killerspiele“ mit Amokläufen.

Mir geht es aber um die Kleriker, von denen ich so langsam annehme, sie glauben das nicht mehr, was sie selbst verkünden. Buße tun, also umkehren. Wenn etwas schief läuft, wenn etwas nicht nach dem Willen Gottes läuft, dann wird der Christ aufgerufen, Buße zu tun, also umzukehren, und wieder auf den „rechten“ Weg zurückzukehren.

Nun sagen die Katholiken, alle anderen seien genau so von Mißbrauch betroffen wie ihre Kirche. Ich nehme einmal an, das stimmt, denn wieso sollte ein nichtkatholischer Lehrer immun sein gegen Pädophilie? Es wird auch gesagt, es gäbe kein System zur Vertuschung. Nehmen wir mal an, auch das stimmt, dann it aber doch die Frage: Gibt es ein System zur Aufdeckung?

Und da muß ich sagen: Falls es das gibt, so läuft es ziemlich im Geheimen ab. Und auch wenn kein Bischof schuld ist an den Verfehlungen seiner Priester, so ist er doch Schuld, wenn er als Vorgesetzter nichts oder nicht ausreichend tut oder getan hat. Durch das Vertuschen, das zumindest in der Vergangenheit geschehen ist, aus welchen Gründen auch immer, haben die zuständigen Personen Schuld auf sich geladen, und damit auch Schuld auf die Institution, für die sie stehen.

Wenn ein Bischof in apostolischer Sukzession wirklich Träger des Heiligen Geistes ist, dann verleugnet er den Heiligen Geist in dem Moment, wo er Verbrechen vertuscht und Priester in Schutz nimmt. Und er tut es weiterhin, wenn er damit ablenkt, daß die anderen das auch tun. Die anderen haben im Zweifel den Heiligen Geist nie erlebt und sind damit entschuldigt. Es ist für mich als Christen eine ungeheure Frechheit, wenn ein Christ sich hinstellt und sagt: Die anderen sind auch nicht besser als ich. Stimmt, sind sie nicht. Alle Menschen sind Sünder. Aber es gibt einen Unterschied: Der Christ weiß darum und kann etwas dagegen tun, unabhängig davon, wie sehr es hilft. Das kann der ungläubige Mensch nicht. Deshalb sind solche Vergleiche als Verteidigung eine Unglaublichkeit, ja geradezu Gotteslästerung.

Statt immer weiter zu tun, was man schon immer getan hat und zu sagen: Wir tun was wir können und die anderen sind auch nicht besser, wäre es wichtig, inne zu halten, sich zu besinnen, Buße zu tun und umzukehren.

Buße tun bedeutet, die innere Haltung ändern. Wer auf die Schuld der anderen verweist hat sich seine eigene Schuld noch nicht eingestanden. Wer immer noch auf andere sieht, sieht noch nicht genug auf sich selbst (das gilt übrigens umgekehrt auch für die Kirchenbasher, die jetzt die römische Kirche als Ursprung alles Bösen zu entdecken meinen). Tut Buße, liebe Bischöfe und Priester, kehrt um, glaubt an das Evangelium, das Christus gepredigt hat, von der Liebe Gottes zum Sünder. Ihr verliert nichts, wenn Ihr Eure Schuld eingesteht, Ihr fallt nicht tiefer als in Gottes Hand.

Aber gesteht Euch die Schuld ein, die auf Euch lastet, ob selbstverursacht oder von anderen ererbt, und seht zu, wie ihr dem ein Ende bereiten könnt.

Versöhnung geht nicht ohne vorherige Buße, aber ohne Versöhnung bleibt als Perspektive nur die Verdammnis. Weltlich wie auch coram Deo.

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Das Letzte zuerst…

Die römische Kirche hat zur Zeit ein mittleres Imageproblem, das ist bekannt. Durch das Thema Kindesmißbrauch durch Kirchenmänner (und Frauen? ach nee, geht ja nicht…) ist die Kirche in einer Art in den Medien präsent, die sie in keinem guten Licht dastehen läßt.

Natürlich fehlt es nicht an „Kirchenkritikern“ (ich würd eher sagen Kirchenbashern, weil Kritik hat was mit Abwägen und Bewerten zu tun), die nun die Gelegenheit beim Schopfe packen und mal so richtig abziehen über Sexualmoral der römischen Kirche, über Zölibat und was weiß ich noch. Es scheint da irgend so einen Reflex im Menschen zu geben, der auf diese Art funktioniert und somit den Fokus vom eigentlichen Thema nimmt: Es geht nicht um Zölibat oder Sexualmoral. Es geht um sexuelle Gewalt an Schutzbefohlenen.

All das wäre mir keinen Artikel wert, da ich mich zu dem Thema schon mehrfach geäußert habe und auch nicht sehe, daß die Kirchenbasher sich durch irgend etwas beeindrucken ließen, um zum Thema zurückzukommen. Nun habe ich aber bei einem Kirchenbasher, dessen Blog ich hin und wieder lese (fällt das jetzt unter know your enemy? als Feind würd ich ihn nicht bezeichnen) eine Verlinkung gefunden zu einer Äußerung des Bischofs von Regensburg, Herrn Prof. Dr. Müller. Und auch wenn es mich in den Fingern kribbelt, den betreffenden Artikel zu kommentieren, weil er wieder – typisch Kirchenbasher – Die Aussagen des Bischofs so verdreht, daß es in sein Weltbild passt. Ich denke, das führt zu nichts, deshalb lasse ich es hier.

Was ich aber tun möchte ist, mich mit den Äußerungen von Herrn Müller auseinander zu setzen. Diese sind zwar zum Großteil richtig (aus römischer Perspektive wohl alle, aber ich bin kein römischer Christ), aber ich frage mich nach den Beweggründen für solch eine Äußerung gerade zu dieser Zeit.

Bischof Müller geht nämlich nur am Anfang seines Textes auf den Kindesmißbrauch ein und fasst kurz zusammen, wie dieser aus christlicher so wie aus staatlicher Sicht zu beurteilen und zu verurteilen ist. Das ist jedoch nur der Einstieg in ein anderes Thema, der Auseinandersetzung mit den Kritikern. Da wird dann breit erläutert, daß viele Kirchenbasher nun die Möglichkeit ergreifen, auf die Kirche einzudreschen etc, naja, ich geb ihm ja im Grunde Recht. Auch die römische Sexualmoral ist mir nicht so fremd, auch wenn ich sie nicht in allen Punkten nachvollziehe, aber darum geht es mir im Moment nicht.

Er geht noch weiter auf das Thema ein und stellt eine christliche Anthropologie gegen die Atheistische, wie gesagt, viele der Aussagen würde ich so (oder ähnlich) mittragen.

Was ich mich allerdings frage ist: Wieso ist der Bischof so sehr damit beschäftigt, seine Kirche zu verteidigen? Und seine Lehre? Wieso kümmert er sich nicht zuerst um die Opfer? Wahrscheinlich hat er seine Gremien beauftragt, dies zu tun und vielleicht tun sie es auch mit Nachdruck. Aber es gab in letzter Zeit Berichte aus seinem Bistum, daß da einiges im Argen liegt. Und es gibt Hinweise, daß das auch noch vertuscht werden soll.

Angesichts dieser Umstände erwarte ich von einem Bischof, egal welcher Konfession, sich um Aufklärung zu kümmern. Alles hat seine Zeit, aber jetzt ist nicht die Zeit der dogmatischen Auseinandersetzung. Alles hat seine Zeit, aber jetzt muß erst einmal dafür gesorgt werden, daß aufgeklärt wird.

Es ist aus meiner Sicht eine grobe Fehlleistung, Anwälte zu beauftragen, damit Ruhe einkehrt. Und falls die Anwälte von Priestern und nicht dem Bistum angeheuert werden, dann erwarte ich, daß das Bistum dafür sorgt, daß aufgeklärt wird. Im Zweifel dadurch, daß es auf eingene Kosten den Anwalt der Gegenseite stellt. Man muß sich mal denken, was hier vorgeht: Jemand weist auf einen Mißbrauch hin und wird platt gemacht. Und sowas von christlicher Seite, ja von der Instanz, über die es in der Bibel heißt (Tit 1, 7-9):

Denn ein Bischof muss unbescholten sein, weil er das Haus Gottes verwaltet; er darf nicht überheblich und jähzornig sein, kein Trinker, nicht gewalttätig oder habgierig. Er soll vielmehr das Gute lieben, er soll gastfreundlich sein, besonnen, gerecht, fromm und beherrscht. Er muss ein Mann sein, der sich an das wahre Wort der Lehre hält; dann kann er mit der gesunden Lehre die Gemeinde ermahnen und die Gegner widerlegen.

Besonnen, beherrscht… erst mit gesunder Lehre die Gemeinde ermahnen (dazu gehören auch die Priester) und dann erst die Gegner widerlegen.

Wie beherrscht sind Abmahnungen gegen Kritiker? Inwiefern passen sie zur Maxime Jesu in der Bergpredigt (Mt 5, 38-41):

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

In der bisherigen Umgangsform der römischen Kirche mit dem Bekanntwerden der Mißbrauchsfälle habe ich nicht viel bemerkt vom andere Wange hinschlagen. Oder Hemd geben. Oder zwei Meilen gehen. Man verteidigt sich, was verständlich ist, aber eben nicht weiterführt. Die Verteidigung kann warten, bis die Opfer versorgt sind, bis alle Opfer sich trauen, zu reden, und bis man einen Weg gefunden hat, mit den Schuldigen in der Kirche umzugehen (wie der Staat damit umgeht ist erst einmal Sache des Staates). Sicher gibt es Kirchengerichte, die sich damit befassen, und sicher gilt auch da erst einmal die Unschuldsvermutung. Aber es muß in der Kirche doch auch gelten, daß man den Armen und Entrechteten, den Geschundenen beisteht. Und es kann doch nicht sein, daß die Geschundenen sich nicht trauen, sich zu offenbaren, weil diejenigen, die ihnen helfen sollten, sie bedrohen.

Der Bischof kämpft gegen die atheistischen Anfeindungen des Glaubens, oder der speziellen römischen Ausformungen in diesem Fall. Dabei vergißt er den anderen Gegner innerhalb seiner eigenen Kirche. Zumindest wird es nicht klar, wie mit den Betroffenen innerkirchlich umgegangen wird. Es gibt Instrumente, damit umzugehen. Was aber noch schlimmer ist: Diejenigen, die der Kirche nicht ganz so nahe stehen, können nur eine Lieblosigkeit gegenüber den Opfern feststellen, denn wenn der Bischof „nur“ betet für die Opfer, dann sieht das keiner und weiß es keiner. Ich würde mir wünschen, man verhielte sich mehr nach Sprüche 27, 5:

Besser offener Tadel als Liebe, die sich nicht zeigt.

Damit ist nicht Tadel an denen gemeint, die gegen die Kirche aussagen, für die gilt weiterhin der Spruch mit der anderen Wange. Und das ist wohl auch der Grund, warum so viele Menschen auf die Kirchenbasher in den Medien hören: Weil die Liebe der Kirchlichen zu den Menschen und besonders den Opfern ihres Klerus nicht erkennbar ist.

Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.

So steht es in 1. Joh 4,8. Und welche Relevanz hätte eine Kirche, die Gott nicht erkannt hätte? Das fühlen die Menschen, denn das Gesetz Gottes ist ihnen ins Herz geschrieben (Röm 2,15). Umgekehrt ist es aber doch auch so, daß

Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind (Röm 8, 28)

Nimmt man das ernst, dann kann der römischen Kirche, wenn sie die Mißbrauchsfälle mit Liebe zu den Opfern und nicht mit Selbstliebe und Angst um ihr Bild in der Öffentlichkeit behandelt, gestärkt aus der Geschichte hervorgehen. Indem sie sich, wie es sich für Kirche gebührt, an die Seite der Opfer stellt. Nicht indem sie zeigt, welche Macht sie medial oder in den Gerichten der Welt entfalten kann. So fordert es auch der Apostel Paulus im Brief an die Galater Kapitel 6, 9.10:

Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist. Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind.

Die Opfer wären nicht Opfer geworden, wenn es nicht eine Verbindung im Glauben gegeben hätte, zumindest über die Eltern. Und die Täter stellen durch ihr Tun ihren Glauben in Frage, weil sie sich nicht an der Liebe orientieren. Ich will nicht sagen, daß sie ungläubige sind, aber allemal Sünder, die natürlich auch der Vergebung bedürfen, wie alle Sünder, die aber zuerst einmal umkehren, Buße tun müssen.

Die Opfer hingegen, die von der Kirche scheinbar bedrängt werden, haben keine Schuld auf sich geladen durch die Verbrechen, die ihnen widerfahren sind. Diese Binsenweisheiten muß man sich ins Gedächtnis rufen um zu begreifen, was die Kirche tut, indem sie sich auf das Spiel der Medien einläßt in der Diskussion um den Zölibat und die Sexualmoral. Dies zu tun bedeutet, das Letzte zuerst tun. Erst die wahre Lehre vertreten, und dann danach handeln. Dabei täte es Not, danach zu handeln, und dann, im Nachgang, vielleicht gar nur auf Anfrage hin, zu erklären, warum man so gehandelt hat und nicht anders.

Das würde den Opfern gerecht werden, das würde den Medien die Munition nehmen, und vor allem: Es stünde im Einklang mit dem Evangelium.