Commenting Media

Kindergarten, Kirche, Geld

In Esslingen überlegt die Kirche, Kindergärten an die Stadt abzugeben. Das ist natürlich ein tolles Thema für die Krakeeleatheisten vom Atheist Media Blog. Natürlich wird wieder nur ein Medienprodukt zitiert, die Einschätzung des Ganzen überläßt man dem Kommentarbereich.

Nun hab ich aufgrund der im verlinkten Artikel gefundenen Angaben (und weiteren im Netz recherchierten Angaben) dort auch mal wieder nen Kommentar geschrieben, den ich hier zitieren will, weil dort wahrscheinlich eh keine zivilisierte Diskussion dazu möglich ist. Außerdem lesen hier eher Leute mit (hoffe ich zumindest), die vielleicht klären können, wieso die Beispielrechnung nicht paßt (falls ich mich nicht verrechnet habe), zumal das Thema Geld und Kirche ja grad beim Blog der Pfälzer Kirche dran war (und in den Kommentaren auch ein Betrag genannt wurde, den die Kirche allein pro Kindergartengruppe zahlt, der deutlich über dem liegt, was aus dem Artikel zu Esslingen hervorgeht). Also, wenn jemand etwas Erhellendes beitragen kann, her damit. Und hier kommt die Kopie des Kommentars:

17.000€ sind nichts nichts. Oder hast Du so viel, daß das für Dich in den Bereich der Peanuts fällt? Was hier eingespart wird, sind ja lediglich diejenigen Kindergartenplätze, die über den evangelischen Bedarf mitbetrieben werden. Das heißt die Kirche hat hier nicht nur den Staat, sondern auch die Nichtlandeskirchler unterstützt, indem sie aus eigener Tasche Kindergartenplätze mitfinanziert hat, die für ihre Mitgleider nicht benötigt wurden. Das soll jetzt zurückgefahren werden. Was nicht zurückgefahren wird sind die 17.000€ für die eigenen Kinder, die ohne die Kirche die Allgemeinheit allein zahlen müßte, also der Staat.
Und die 17.000 € sind nur die Zuschüsse aus dem Landeskirchenamt. Ob darüber hinaus die Gemeinde oder der Kirchenkreis Gelder aufbringt, steht da nicht.
Wenn die 17.000 das Geld für 20 Gruppen im Jahr sind und der Staat 91% (wie im Artikel angegeben) davon trägt und die 17.000 die restlichen 9% sind, dann kostet eine Gruppe pro Jahr 9444,44€ (oder hab ich mich verrechnet?).
Wenn ich jetzt pro Erzieher die 1200€ brutto im Monat nehme, die hier als Einstiegsgehalt für Erzieher genommen wird, dann sind das bei einem Erzieher pro Gruppe im Jahr alleine schon 14.400 Euro pro Gruppe! Und das beim niedrigsten angegebenen Einsteigsgehalt, nur einem Erzieher pro Gruppe (der dann weder Urlaub hat noch krank werden darf). Und davon sind dann noch keine Heizkosten, keine Bastelunterlagen, rein gar nichts bezahlt. Außer dem Erziehergehalt. Und der Arbeitgeberteil der Sozialversicherung ist da auch noch nicht drauf.
Wenn man sich jetzt die Entgeltordnung der Stadt Esslingen ansieht (hier), dann sieht man, daß für die Eltern im ungünstigsten Fall nochmal 146€ pro Kind im Monat anfallen (ab 2014, aber nehmen wir ruhig die Zahlen).
Wenn wir uns jetzt den Betreuungsschlüssel für Kindergärten im Land Baden Württemberg ansehen (hier) dann steht da beim Landkreis Esslingen für Kinder von 2 bis 8 Jahren 8 Kinder pro Betreuer. Nehmen wir also an, wir haben eine Gruppe, die nur einen Betreuer hat und aus lauter 2 jährigen Kindern besteht und deshalb in die Gruppe von 8 Kindern pro Betreuer fällt, bei den Preisen von nächstem Jahr, und nehmen wir ruhig 10 Kinder pro Gruppe an, weil die Kirche ja angeblich ihre Mitarbeiter so ausbeutet etc, dann kommen nochmal 1460 € zu den Gruppenkosten von 9444,44€ dazu, macht 10.904,44€, die pro Gruppe und Jahr zur Verfügug stehen. Da sind wir immer noch nicht beim Jahresgehalt der Erzieherin für diese Gruppe!

Dazu bräuchte man dann schon 34 Kinder für die eine Betreuerin (und dann wär immer noch nichts bezahlt außer die Betreuerin, die allein mit 34 Kindern wäre, keinen Urlaub hätte, nie krank würde, und auch schwarz arbeiten müßte, weil die Sozialleistungen der Arbeitgeberseite fehlen auch).

Wollte man von 8 Kindern ausgehen in der Gruppe, und den Lohn der Erzieherin anpassen, dann müßte man auf 884,37€ pro Monat runter. Und wie gesagt, inklusive aller Kosten, nicht nur dem Lohn, der am Ende für die Erzieherin rausspringt. Und es wären immer noch keine Bastelunterlagen, keine Spielsachen, kein gar nix bezahlt, nur die Erzieherin der Gruppe (ja nicht mal die Gebäudekosten: Heizung, Strom, Wartung…). Und diese hätte weder Urlaub noch könnte sie krank werden.

Falls ich da jetzt keinen Rechenfehler drin hab, was immer passieren kann (aber Ihr werdet mich drauf stoßen), dann erscheint mir das Ganze doch sehr unrealistisch (auch wenn man der Kirche große Bösartigkeit vorwirft, wie Ihr es gerne tut). Ergo gehe ich davon aus, daß die Zahlen entweder nicht stimmen oder zumindest irgendwelche Zahlungen nicht genannt wurden.

Nichtsdestoweniger fließen jährlich 17.000 € von der Kirche an eine Aufgabe, die normal dem Staat obliegt. Um diesen Betrag mindestens entlastet die Kirche den Staat tatsächlich!

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Freitag, 23.03.2012

Beim Ärzteblatt kommen Kirchenvertreter zum Wort. Es geht um den Bluttest auf Trisomie-21und die negativen Folgen. Die Problematik ist ja keine Neue. Das gleiche Problem steht ja auch hinter der ganzen PID Geschichte: Das Kind als Produkt.

Carsten Neumann unterstellt der katholischen Kirche vorsätzliches Verletzen der Menschenrechte. Worum geht es? Eine Kindergärtnerin hat einen neuen Mann. In katholischen Kindergärten kann sowas schon einmal die Kündigung zur Folge haben. So auch hier. Allerdings hat in diesem Fall die Stadt Königswinter dies zum Anlaß genommen, der Kirche die Trägerschaft des Kindergartens zu entziehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist das neu, und man darf gespannt sein, wie die Katholische Kirche in Zukunft agiert, wenn nun der Verlust der Trägerschaft zu befürchten ist. Aber zurück zu den Menschenrechten. Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, daß eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt. Irgendwie fühl ich mich hier an die Godwin Thematik erinnert. Unter „Menschenrechtsverstoß“ scheint Kirchenkritik nicht möglich zu sein, immer gleich die größte Keule, auch wenn sie unberechtigt gentzt wird. Die Kathollische Kirche hat sich immerhin schuldig gemacht, also braucht ja keiner kommen…

Update: Carsten Neumann hat seinen Artikel geupdatet. Meine Kritik wird damit quasi gegenstandslos. Der Text bleibt trotzdem stehen, wegen der Nachvollziehbarkeit.

Benjamin Lebsanft hat auf Abgeordnetenwatch eine Frage an Dr. Günter Krings gestellt. Es geht um die Kosten der Vorratsdatenspeicherung. Ich bin gespannt auf die Antwort, falls eine kommt.

Mechthild Werner hat sich mit Gauck, dem Präsidentenamt und den Sünden befasst. Außerdem geht es darum, ob wir nun in einer Pfarrerrepublik leben bzw wie es sich auswirkt, daß die Kanzlerin Pfarrerstochter ist und der Präsident selbst Pfarrer.

Mit Gauck befasst sich auch Jacob Jung. In seinem Artikel geht es um die verschiedenen Sozialsysteme, die es gibt.

Im Film Hellbound, auf den ich durch peregrinatio aufmerksam gemacht wurde, geht es um die Hölle und die damit verbundene Angstmacherei. Der Teaser Trailer macht echt nen guten Eindruck.

Auf dem youtube Kanal zum Film gibt es noch ein paar Videos.

Andreas Meißner befasst sich mit einem recht frühen „Blogger“: Habakuk.

Thomas Steinschneid hat was geschrieben zu den kulturellen Unterschieden beim Autofahren. Es sieht danach aus, daß bald eine Fortsetzung kommt zm Thema U-Bahn.

Ein interessanter Blog, den ich entdeckt habe, ist Erhard Eutebachs Kinderlesen Blog. Bald ist Ostern, und wer noch Geschenke für Kinder sucht, könnte dort vielleicht fündig werden.

Ein weiterer interessanter Blog ist Muslim Essay. Er stellt den Anspruch, muslimische Stimmen zu Gesellschaft und Zeitgeschehen zu Gehör zu bringen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck bekommen, daß es sich vorwiegend (oder nur?) um schiitische Autoren handelt. Wie auch immer, der erste Schritt zur Integration ist es, einander zuzuhören, und da kann der Blog ein Medium sein.

Auf evangelisch.de las ich von der Problematik, daß der islamische Religionsunterricht, der jetzt in verschiedenen Ländern startet, nicht von den Religionsgemeinschaften, sondern vom Staat verantwortet werden. Ich halte das wirklich für ein Problem. Was islamisch ist, kann letztendlich nur eine islamische Religionsgemeinschaft festlegen, und nicht ein weltanschalich neutraler Staat. Hoffentlich kommt es bald dazu, daß solche Religionsgemeinschaften gegründet werden, die dann den Religionsunterricht verantworten können. Ansonsten dürfte es über kurz oder lang mau aussehen mit der Akzeptanz.

Da wir es gerade vom Islam haben, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Uri Avnery. Er befasst sich mit der „jüdischen Seele“ eines arabischen Richters, bzw. deren Nichtvorhandensein, und die Folgen für die israelische Nationalhymne.

Und jetzt noch den Bogen zur eigenen Religion zurückschlagen: Bei Brot für die Welt gibt es einen Fürbittenvorschlag für den Weltwassertag am Sonntag.

Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal.

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Kultur & Advent

Ich bin im Moment etwas unkreativ, was eigene Artikel angeht. Deshalb möchte ich die inhaltsleere Zeit überbrücken mit dem Hinweis auf mehrere (genau 3)… nun, kulturelle Projekte, allesamt von den Musikpiraten und zwei davon mit Bezug zum Advent.

Als erstes wäre da das CC-Weihnachtsliederbuch. Aus der Not, daß Kindergärten von der GEMA für Kopien von Weihnachtsliederblättern zur Kasse gebeten werden, haben die Musikpiraten eine Tugend gemacht, indem sie für 26 Advents- und Weihnachtslieder, die frei (CC-Lizenz) kopiert werden dürfen (weil alt genug), die Notenblätter zusammengestellt haben und nun zum freien Download anbieten. Wer sich also fragt, wie er in seinem Kindergarten Geld sparen kann: Das wäre eine Möglichkeit.

Das nächste Projekt ist der CC Adventskalender. Jeden Tag ein anderes (Weihnachts-)Lied. Türchen öffnen und anhören. Auch hier: CC-Lizenzen. Inklusive Downloadlink für das jeweilige Stück, wenn ich das richtig sehe (bei geöffnetem Fensterchen).

Ein bißchen weniger Weihnachtlich vielleicht, dafür immer noch musikalisch und CC-lizenziert: Der Sampler zum Free Music Contest 2010. Ein ganzer Sampler voller kostenlos legal zu beziehender Musik.

Ja, es wird wohl Weihnachten, bei so vielen Geschenken 😉