Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Montag, 26. März 2012

Eigentlich sind es ja die Netzfunde vom Sonntag, aber ich hatte noch ein paar Texte für die Uni zu lesen und bin erst jetzt fertig.

Schon seit vorgestern online ist ein Artikel bei evangelisch.de zur Katholizität der evangelischen Kirche. Interessant vor allem die Kommentare, die es als Manko erleben, daß die protestantischen Kirchen nicht römisch-katholisch sind. Also ich weiß ja nicht wie Ihr das seht, aber war es nicht die römisch-katholische Kirche, die sich beim Tridentinum abgespalten hat? Ich bin immer wieder überrascht über die Sichtweise, wir Protestanten hätten uns abgespalten… 😉

Thomas hat den zweiten Teil der kulturellen Differenzen bei Verkehrsmitteln eingestellt.

Und weil wir es gerade von Kultur und der römischen Kirche haben: Gestern war Sonntag, und die Sonntage zählen nicht zur Fastenzeit. Deshalb konnte der Blog-fastende Herr Alipius wieder ein wenig bloggen.

Zuvörderst zu nennen wäre eine neue Ausgabe von Schwester Robusta.

Dann gibt es da nen längeren Artikel zum Kirchenbashing, Geschmacksrichtung anti-Rom, im Internet. Dabie sagt er viele richtige und wichtige Dinge, aber mein Highlight bei dem Artikel war der Link zu Get Religion.

Dabei handelt es sich um einen Blog, der antikirchliche Meldungen von einer anderen Seite zu beleuchten versucht. Bei diesem Link geht es gerade um die vor Jahrzehnten in den Niederlanden kastrierten Mißbrauchsopfer. Kastrationen wurden damals wie es aussieht wohl vom niederländischen Staat in größerem Rahmen durchgeführt.

Und da ich diesen Blog so gut fand, hab ich da gleich mal den RSS Feed abonniert. War ne gute Sache. Kurz danach kam da nämlich dieser Artikel zu Pussy Riot und der orthodoxen Kirche in Rußland. Bei der Sache hatte ich auch schon andernorts mal skeptisch angefragt.

A propos skeptisch: Es gibt da ja solche pseudoskeptischen Zeitgenossen im Netz, die sich darin gefallen, die Kirchen (allen voran die römische, aber nicht nur) und den Gottesglauben als größte Geisel der Menschheit und mindestens als Ursache für alles Leid dieser Welt darzustellen. Da fand ich es ganz witzig, über den Herrn Alipius nen Blogartikel zu finden, der die selbe dumme-Propaganda-Methode auf die Atheisten anwendet. Ich weiß, liebe Atheisten, Ihr findet das jetzt alles ganz fies und gar nicht fair. Werdet damit fertig.

Der Text ist auch eine Antwort auf die Frage, die ich mir bei diesem Video stellte.

Gibt es irgend eine Möglichkeit, den Inhalt des Videos so zu persiflieren, daß die Sympathisanten der Macher merken, wie dumm das alles ist? Der Text bezieht sich zwar nicht auf das Video, aber er dürfte die Dummheit der kirchenkritischen Methode, die sowohl solchen Texten als auch dem Video zu Grunde liegt, asreichend illustrieren.

So, und nach der ganzen Kirchenkritik noch was Schönes. Von Ameleo

kirche

Von Scheidung und Kindesmißbrauch

Gestern ging es in den Netzfunden ja schon um die geschiedenen Kindergärtnerin in Königswinter, die ihren Job im katholischen Kindergarten verlor. Heute nun lese ich bei Volker Schnitzler über das Glaubwürdigskeitsproblem der Katholischen Kirche, das auftritt, da Kindergärtnerinnen wegen einer Scheidung ihren Job verlieren, während Priester, die Kinder mißbracht haben, weiter im Dienst bleiben können.

Gut und wichtig finde ich, daß er hervorhebt, daß das Problem nicht ist, daß man mit den Priestern barmherzig ist, sondern ungleiche Maß:

Das Skandalöse ist dabei nicht der zugewandte und begleitende Umgang der Kirche mit Priestern, die sich an Kindern vergriffen haben, skandalös ist tatsächlich das ungleiche Maß, mit dem hier gemessen wird.

Also Nichtkatholik und Beobachter von außen meine ich, die Ursache liegt in der Verschiedenartigkeit der Vergehen: Während der Kindesmißbrauch ein zeitlich begrenzter Akt ist, den man im Nachhinein bereuen kann, ohne groß etwas tun zu müssen, geht es bei einer Trennung oder neuen Partnerschaft um einen anhaltenden Zustand.

Der Priester kann sagen „es tut mir Leid ich tu es nicht wieder“, kann sich meinetwegen dem Gerichtsverfahren stellen etc, aber er befindet sich nicht derart in einem sichtbaren Zustand der Trennung vom Ideal Roms. Der Geschiedene allerdings kann die Scheidung tausendmal bereuen, so lange er sie lebt, also vom alten Partner getrennt ist oder  gar mit einem neuen Partner zusammenlebt, negiert er seine „Verfehlung“ nicht in der Art, wie es der Priester mit einem einfachen „es tut mir Leid“ tun kann.

Das liegt weniger darin, daß ein Unterschied zwischen Priestern und anderen Katholiken gemacht würde, sondern ganz einfach in der Art der Verfehlung.

Um hier zu einem gleichen Maß zu kommen, könnte es hilfreich sein zu reflektieren, ob man die Scheidung anders interpretiert. Das Problem ist ja wie gesehen, daß die Verfhelung hier in dem Zustand der Trennung gesehen wird. Solange dieser Zstand anhält, ist das Problem nicht vom Tisch. Vielliecht sollte man sich dazu durchringen, nicht das getrennt sein als den Knackpunkt zu sehen, sondern den Akt der Trennung.

Verwerflich wäre dann nicht, daß man eien neuen Partner hat oder auch nur getrennt lebt, sondern daß man sich getrennt hat. Dieses Faktum kann man dann auch bereuen. Man kann auch für die Zukunft sich vornehmen, sich nie wieder von einem Partner zu trennen, so wie der Priester nach dem Bereuen sich ebenfalls vornehmen muß, keine Kinder mehr zu mißbrauchen.

Aber ebenso wie die Kinder nun mißbraucht sind, der Schaden angerichtet und nicht mehr aus der Welt zu schaffen ist, so könnte man auch davon ausgehen, daß, obwohl der Mensch nicht scheiden soll, was Gott zusammengefügt hat, mit der Trennung der Schaden eben auch angerichtet ist, und der Schaden nicht im getrennt sein besteht.

Wenn ich es mir recht überlegen ist dies sogar recht unbarmherzig. Man verlangt, eine Beziehung zu leben, die kaputt ist. Man verlangt also vom Betroffenen, daß das, was geschehen ist, ungeschehen sein muß. Da könnte man von den Kinderschändern auch gleich verlangen, daß der Mißbrauch ungeschehen gemacht wird.

Beides geht nicht. Leben müssen wir mit unseren Fehlern. Man kann verlangen, daß Fehler bereut werde Aber niemand kann Geschehenes ungeschehen machen.

Doch wie gesagt: Ich gehöre nicht zur Kirche von Rom, und beobachte das Ganze nur von außen.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Freitag, 23.03.2012

Beim Ärzteblatt kommen Kirchenvertreter zum Wort. Es geht um den Bluttest auf Trisomie-21und die negativen Folgen. Die Problematik ist ja keine Neue. Das gleiche Problem steht ja auch hinter der ganzen PID Geschichte: Das Kind als Produkt.

Carsten Neumann unterstellt der katholischen Kirche vorsätzliches Verletzen der Menschenrechte. Worum geht es? Eine Kindergärtnerin hat einen neuen Mann. In katholischen Kindergärten kann sowas schon einmal die Kündigung zur Folge haben. So auch hier. Allerdings hat in diesem Fall die Stadt Königswinter dies zum Anlaß genommen, der Kirche die Trägerschaft des Kindergartens zu entziehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist das neu, und man darf gespannt sein, wie die Katholische Kirche in Zukunft agiert, wenn nun der Verlust der Trägerschaft zu befürchten ist. Aber zurück zu den Menschenrechten. Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, daß eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt. Irgendwie fühl ich mich hier an die Godwin Thematik erinnert. Unter „Menschenrechtsverstoß“ scheint Kirchenkritik nicht möglich zu sein, immer gleich die größte Keule, auch wenn sie unberechtigt gentzt wird. Die Kathollische Kirche hat sich immerhin schuldig gemacht, also braucht ja keiner kommen…

Update: Carsten Neumann hat seinen Artikel geupdatet. Meine Kritik wird damit quasi gegenstandslos. Der Text bleibt trotzdem stehen, wegen der Nachvollziehbarkeit.

Benjamin Lebsanft hat auf Abgeordnetenwatch eine Frage an Dr. Günter Krings gestellt. Es geht um die Kosten der Vorratsdatenspeicherung. Ich bin gespannt auf die Antwort, falls eine kommt.

Mechthild Werner hat sich mit Gauck, dem Präsidentenamt und den Sünden befasst. Außerdem geht es darum, ob wir nun in einer Pfarrerrepublik leben bzw wie es sich auswirkt, daß die Kanzlerin Pfarrerstochter ist und der Präsident selbst Pfarrer.

Mit Gauck befasst sich auch Jacob Jung. In seinem Artikel geht es um die verschiedenen Sozialsysteme, die es gibt.

Im Film Hellbound, auf den ich durch peregrinatio aufmerksam gemacht wurde, geht es um die Hölle und die damit verbundene Angstmacherei. Der Teaser Trailer macht echt nen guten Eindruck.

Auf dem youtube Kanal zum Film gibt es noch ein paar Videos.

Andreas Meißner befasst sich mit einem recht frühen „Blogger“: Habakuk.

Thomas Steinschneid hat was geschrieben zu den kulturellen Unterschieden beim Autofahren. Es sieht danach aus, daß bald eine Fortsetzung kommt zm Thema U-Bahn.

Ein interessanter Blog, den ich entdeckt habe, ist Erhard Eutebachs Kinderlesen Blog. Bald ist Ostern, und wer noch Geschenke für Kinder sucht, könnte dort vielleicht fündig werden.

Ein weiterer interessanter Blog ist Muslim Essay. Er stellt den Anspruch, muslimische Stimmen zu Gesellschaft und Zeitgeschehen zu Gehör zu bringen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck bekommen, daß es sich vorwiegend (oder nur?) um schiitische Autoren handelt. Wie auch immer, der erste Schritt zur Integration ist es, einander zuzuhören, und da kann der Blog ein Medium sein.

Auf evangelisch.de las ich von der Problematik, daß der islamische Religionsunterricht, der jetzt in verschiedenen Ländern startet, nicht von den Religionsgemeinschaften, sondern vom Staat verantwortet werden. Ich halte das wirklich für ein Problem. Was islamisch ist, kann letztendlich nur eine islamische Religionsgemeinschaft festlegen, und nicht ein weltanschalich neutraler Staat. Hoffentlich kommt es bald dazu, daß solche Religionsgemeinschaften gegründet werden, die dann den Religionsunterricht verantworten können. Ansonsten dürfte es über kurz oder lang mau aussehen mit der Akzeptanz.

Da wir es gerade vom Islam haben, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Uri Avnery. Er befasst sich mit der „jüdischen Seele“ eines arabischen Richters, bzw. deren Nichtvorhandensein, und die Folgen für die israelische Nationalhymne.

Und jetzt noch den Bogen zur eigenen Religion zurückschlagen: Bei Brot für die Welt gibt es einen Fürbittenvorschlag für den Weltwassertag am Sonntag.

Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Donnerstag, 22. März 2012

Melissa hat nach einer längeren Pause und einem mzug von Kanada nach USA wieder etwas geschrieben. Es geht um Schönheitsideale, die Liebe zum eigenen Körper und Kindererziehung.

Ameleo hat in zwei Artikeln gestern und heute dargelegt, warum sie lieber in der Katholischen Kirche Kritik übt als in eine andere Kirche zu konvertieren.

Alex Schnapper hat über die OB Wahl in Frankfurt geschrieben und einen Fragebogen der Piraten verlinkt, der beiden Stichwahl Kandidaten zuging aber nur vom SPD Mann beantwortet wurde (in den Kommentaren ist die Rede von „nach dem Mund reden“).

Bei Peregrinatio gibt’s nen Artikel, der kurz die von Alberto Giublini und Francesca Minerva zur Debatte gestellte postnatale Abtreibung (vulgo: Mord – die beiden stellen die These auf, es sei in Ordnung Neugeborene unter den Umständen zu töten, die auch Abtreibungen zulassen) anreißt, um dann zur gezielten Abtreibung von Mädchen zu kommen.

So gibt es Hinweise darauf, daß nicht archaische Religionen am Femizid in Ländern wie Indien und China (aber wohl auch Albanien, Georgien und Armenien) schld sind, sondern die moderne, säkulare Kultur. Das Ideal heißt Kleinfamilie mit Haus, die ideale Kinderzahl ist eins, und das muß der Stammhalter sein.

Beim Lesen des Artikels zur postnatalen Abtreibung kam mir ein ganz anderer Gedanke: Es stimmt einfach nicht, daß es in bioethischen Fragen keinen Dammbruch gäbe. Erst wurde die Abtreibung ermöglicht (in Deutschland ist sie zwar verboten, abe straffrei), was dazu führte, daß dies als Argument für die Zulassung von PID führte. Nun stützen sich Gublini und Minerva ebenfalls auf die Abtreibung, wenn sie die Grenze ein Stück weiter verschieben wollen, um den Infantizid wieder zu ermöglichen. Man darf gespannt sein, was der nächste Schritt sein wird.

Jedenfalls läßt bestärkt mich das Ganze in meinem Zweifel daran, daß alles Unmenschliche nd Barbarische von den Religionen, und alles Menschliche von einem modern-religionslosen Denken kommt. Sowohl beim Kindermord als auch bei den Abtreibungen von Mädchen stehen Christentum und andere Religionen auf Seiten der Opfer. Von religionslosen Abtreibungsgegnern hab ich noch nichts gehört.

Das war’s für heute von den Netzfunden. Bis zum nächsten Mal.

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Merkel und der Papst

Auf dem Blasphemieblog (wo sich auch ne Diskussion entwickelt hat) wird auf einen offenen Brief der Giordano Bruno Stiftung (GBS) an Bundeskanzlerin Merkel hingewiesen.

Es folgen Briefauszüge samt Kommentierung meinerseits:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
am 22. September 2011 werden Sie von Papst Benedikt XVI. zu einem Gespräch am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin empfangen. Normalerweise achten wir nicht penibel auf das Protokoll, aber die Wahl dieses Ortes hat uns doch befremdet: Denn seit wann empfängt der Gast die Gastgeberin?! Der Vorgang erinnert uns fatal an jene düsteren Zeiten, als weltliche Herrscher dem „Stellvertreter Christi“ ihre Aufwartung machen mussten, um politisch nicht unter die Räder zu geraten. Dass dem Papst eine solche Assoziation angenehm sein mag, können wir uns denken, aber warum sollten Sie die Würde Ihres Amtes beschädigen, indem Sie einem solch durchsichtigen Machtmanöver auf den Leim gehen?

Die GBS nimmt Anstoß daran, daß der Papst Merkel empfängt und fragt, wer Gastgeber und wer Gastgeberin sei? Nun, hätte sich die GBS die Mühe gemacht, nachzudenken, so wäre ihr aufgegangen, daß der Ort des Treffens der Sitz der Bischofskonferenz ist. Wie kann da die evangelische Merkel Gastgeberin sein?

Oder höre ich aus den Worten der GBS eine Kritik daran, daß das Treffen bei der Bischofskonferenz stattfindet und nicht im Kanzleramt, wo andere Staatschefs empfangen werden?

Was die Machtfrage und die Würde des Amtes angeht meine ich mich zu erinnern, daß die Kanzlerin auch schon Unternehmer besuchte und nicht nur empfing. War auch dies eine Beschädigung des Amtes? Was ist dann aber das Idealbild eines Bundeskanzlers für die GBS? Ein Kanzler, der im Kanzleramt residiert und sich nicht dort weg bewegt, sondern alle und jeden zu sich kommen läßt. Mich würde das viel eher an vergangene Zeiten erinnern, als alles dem Willen der Landesfürsten zu folgen hatte…

Führen Sie sich in diesem Zusammenhang bitte vor Augen, dass die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen der Politik des Vatikans kritisch, wenn nicht sogar ablehnend gegenübersteht.

Als ob der Papst kein Deutsch verstünde und sich nicht deutscher Medien bedienen könnte. Was ich mich allerdings frage ist, welche Politik die GBS meint. Und woher sie die Gewissheit nimmt, für „die Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen“ sprechen zu können. Ich meine mich zu erinnern, daß die Kanzlerin im Gegensatz zur GBS demokratisch legitimiert ist und daher wohl eher für die in Deutschland lebenden Menschen sprechen kann als die GBS.

Wahren Sie daher beim Treffen mit Benedikt XVI. die gebührende Distanz und vermeiden Sie
es, ihn als „Heiligen Vater“ anzusprechen!

Ich frage mich, ob die GBS auch Distanz fordert bei einem Treffen mit Obama und von der Kanzlerin fordert, sie sole diesen nicht Mr. President oder Herr Präsident nennen, da dies die Distanz vermissen liese, da ihr Präsident ja Wulff sei. Oder ist es der GBS nicht bewußt, daß „Heiliger Vater“ ein Titel des Papstes ist? Was die GBS nicht sagt ist, wie der Papst denn sonst anzusprechen sei, wo er doch „Herr Ratzinger“ genausowenig ist wie Willy Brandt „Herr Frahm“ war, die Anrede mit „Benedikt“ noch viel eher die Distanz vermissen läßt und auch das Wort „Papst“ nichts anderes als „Vater“ bedeutet. Womöglich ist es der Mangel an Alternativen der die GBS dazu bewogen hat, keinen Vorschlag für die Anrede zu machen.

Wir erwarten von Ihnen, dass Sie im Gespräch mit dem Papst den Standpunkt einer offenen, demokratischen Gesellschaft vertreten und von dieser Warte aus die Menschenrechtsverletzungen der Katholischen Kirche in aller gebotenen Deutlichkeit kritisieren.

Was soll sie denn sonst vertreten? Und was unterstellt die GBS dem ebenfalls deutschen und in einer offenen, demokratischen Gesellschaft aufgewachsenen Papst für einen Standpunkt?

Es ist von Menschenrechtsverletzungen der „katholischen Kirche“ die Rede. Das wirft die Frage auf, was damit gemeint sein soll. Die Antwort folgt auf dem Fuß, da sie aufgezählt werden.

Fordern Sie den Papst zu einer lückenlosen Aufklärung der von Priestern und Ordensleuten begangenen Verbrechen an Heim- und Internatskindern auf!

Aha. Mißbrauchsskandal. Hier wurden elementare Menschenrechte aufs gröbste verletzt. Durch die Kirche? Das könnte man lediglich sagen, wenn die Täter in ihren Straftaten nach den Regeln und Gesetzen der Kirche gehandelt hätten. Das wage ich zu bezweifeln, bis mir das Gegenteil bewiesen wird, nämlich daß die Katholische Kirche den Kindesmißbrauch fordert. Bis dahin bin ich der Überzeugung, daß von Menschenrechtsverletzungen in der katholischen Kirche die Rede sein kann, ebenso wie von Menschenrechtsverletzungen etwa in Schulen oder in der Jugendarbeit. Es würde aber keiner auf die Idee kommen, von Menschenrechtsverletzungen der Jugendarbeit zu sprechen, wenn es in der Jugendarbeit zu Mißbrauch kommt.

Hierzu müssen nicht nur die Bistümer und Orden ihre Archive öffnen, auch der Vatikan, bei dem ein Großteil der kircheninternen Verfahren aufliefen, muss bereit sein, Einblick in die entsprechenden Dokumente zu geben!

Es hilft den Ermittlungsbehörden sicherlich, wenn die Bistümer und der Vatikan ihre Archive öffnen. Allerdings stellt sich dabei ach die Frage, inwieweit die Dokumente auch Inhalte enthalten, die die Ermittlungsbehörden nichts angehen. Mir ist zum Beispiel nicht bewußt, inwieweit für die Dokumente das Seelsorgegeheimnis gilt, das ja auch der deutsche Staat schützt. Sicherlich ist es jedoch nicht verkehrt, die Möglichkeit einer engeren Zusammenarbeit anzusprechen. Ob eine Formulierung der Art „sie müssen“ zum Ziel führt, ist jedoch schon aus psychologischen Gründen fraglich. Für den Bereich der deutschen Bistümer kann die Kanzlerin per Gesetz agieren, so sie die nötigen Mehrheiten findet und nicht die Verfassung bricht. Für den Vatikan muß sie jedoch anerkennen, daß es sich dabei um einen souveränen Staat handelt, der erst einmal gar nichts muß, genausowenig wie Rußland oder China.

Machen Sie dem Papst unmissverständlich klar, dass die europäischen Antidiskriminierungsvorschriften auch für kirchliche Betriebe in Deutschland gelten müssen!

Auch hier: Keine Menschenrechtsverletzungen. Die Antidiskriminierungsvorschriften gelten für die europäischen Staaten, die allesamt den Austritt aus einer Religion, auch der katholischen Kirche erlauben und ermöglichen. Niemand ist gezwungen, in der Kirche zu sein, und niemand ist gezwungen, für die Kirche zu arbeiten.

Darüber hinas ist der Papst hier deutlich dr falsche Ansprechpartner, weil es sich hier um deutsche Gesetze handelt, die der Papst nicht ändern kann. Merkel könnte allerdings selbst versuchen, die nötigen Mehrheiten im Bundestag zu bekommen und Gesetzesänderungen herbeiführen. Womöglich will sie das nicht (dafür gibt es ja auch gute Gründe). Den Papst aber damit zu konfrontieren ist so, als bitte man Putin, sich für Mindestlöhne in Deutschland einzusetzen. Sicherlich hat der Papst Einfluß auf die Bichöfe, so daß diese unter Umständen dafür sorgen, daß die rechtlichen Möglichkeiten nicht ausgeschöpt werden, die die krichlichen Betriebe haben (ich geh mal davon aus, daß da die Bischöfe Einfluß nehmen können), rein rechtlich ändert sich dann aber an der Möglichkeit nichts. Ich verstehe nicht, wieso die GBS so demokratievergessen ist, daß sie dem Papst mehr Einfluß af die deutschen Gesetze zuspricht als der Kanzlerin.

Machen Sie dem Papst klar, dass eine derartige weltanschauliche Diskriminierung nicht ins 21. Jahrhundert gehört.

Ich frage mich, wieso hier die Zeit als Argument gelten soll. Waren Diskriminierungen u anderen Zeiten okay? Nein? Werden sie irgendwann in Ordnung sein? Nein? Warum bleibt die GBS dann niht dabei Gründe als Argumente anzuführen, statt eine Zeitbedingtheit zu suggerieren?

Es widerspricht entschieden den Prinzipien des modernen Rechtsstaats, dass Menschen faktisch zur Kirchenmitgliedschaft gezwungen werden, bloß weil sie der Arbeitslosigkeit entgehen wollen!

Niemand wird gezwungen, in gerade diesen Betrieben zu arbeiten. Insofern sehe ich den Widerspruch zum Rechtsstaat nicht. Widerspricht es auch dem Rechtsstaat, wenn die CDU Sarrazin keinen Job gibt, damit dieser der Arbeitslosigkeit entgehen kann?

Wie dem auch sei, bei dieser Frage geht es jedenfalls nicht um Menschenrechte.

Überzeugen Sie Benedikt XVI. davon, dass es eine Geschmacklosigkeit sondergleichen wäre, wenn ausgerechnet er als „deutscher Papst“ die Seligsprechung von Pius XII. vornehmen würde! […] Erklären Sie dem Papst, dass Sie statt der Seligsprechung eines Steigbügelhalters des Faschismus ein klares Schuldbekenntnis der Katholischen Kirche erwarten!

Zuerst die Frage nach den Menschenrechten: Werden Menschenrechte verletzt, wenn der Papst Pius XII selig spricht? Ich denke nicht. Ob dieser nun ein guter oder schlechter Mensch war, ist eine andere Frage. Die Seligsprechung ist kein nach den Kriterien einer atheistisch-humanistischen Ethik orientierter Preis. Sie hat ihre eigenen Regeln, die von den jeweiligen Institutionen der Kirche angewendet werden und am Ende steht die Seligsprechung. Was würde die GBS sagen, wenn jemand die Vergabe des Physiknobelpreises kritisieren würde, weil der Preisträger eine fragwürdige Ethik vertritt?

Was den „Steigbügelhalter des Faschismus“ angeht, da sollen sich Historiker drum streiten. Die Art der Aussage an sich jedenfalls läßt vermuten, daß es sich hierbei um die hauseigene Meinung der GBS handelt.

Erarbeiten Sie mit dem Papst ein Konzept zur Aufhebung der Privilegien, die sich die Kirche vor allem in vor- und antidemokratischen Zeiten gesichert hat!

Hier wäre der Ansprechpartner (wieder einmal) der Bundestag, im Zweifel noch die deutschen Bischöfe. Wieso sollte sich der Papst so stark in die Geschäfte einzelner deutscher Diözesen einmischen? Es kommt doch auch keiner auf die Idee, mit Ban Ki Moon die Gemeindeordnungen der Gemeinden im Taunuskreis zu besprechen.

So ist es allein dem Naziregime zu verdanken, dass auf der Lohnsteuerkarte die Konfessionszugehörigkeit eingetragen wurde, was noch heute den automatischen Einzug der Kirchensteuer ermöglicht.

Der Eintrag ist eine Oberflächlichkeit, die sich leicht per Gesetz abschaffen liese. Steuern könnten trotzdem erhoben werden. Diese sind auch keine Privilegien der katholischen Bistümer, sondern sind humanistischen Gruppierungen genauso zugänglich wie den Zeugen Jehovas.

unter diesen Bedingungen wäre es kirchlichen Betrieben kaum mehr möglich, die bislang geförderte Diskriminierung von Anders- bzw. Nichtgläubigen fortzuführen.

Das ist natürlich absoluter Quatsch. Die Betriebe würden den Nachweis der Kirchenmitgliedschaft fordern, auszustellen vom zuständigen Pfarramt. Die „Diskriminierung“ würde damit nicht im geringsten tangiert. Diese Diskriminierung basiert allerdings auf den Zusagen des gleichen Grundgesetzes, das die GBS andernorts hochhält:

Diese Regelung […] steht in krassem Widerspruch zum Grundgesetz, das in Artikel 140 besagt…

Grundgesetz nur, wenn es den eigenen Zielen dient? Muß man sich Sorgen um die Verfassungstreue der GBS machen?

Nicht zuletzt sorgte der zivilisatorische Einbruch des Nazi-Regimes auch dafür, dass die bereits in der Weimarer Verfassung verankerte Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen niemals realisiert wurde.

Wenn ich mich recht entsinne zeigten die Kirchen Gesprächsbereitschaft, als das Thema vor längerem auftauchte (Sommerloch letztes Jahr?). Das Ganze scheitert bis heute daran, daß die Politik nicht zur Ablösung bereit ist. Auch da wäre der Ansprechpartner wieder die Bundeskanzlerin bzw. die Ministerpräsidenten und die jeweiligen Parlamente, nicht der Papst.

Auch bei den angeblichen Privilegien sehe ich nicht, wo Menschenrechte verletzt würden. Die GBS führt dies auch nicht aus.

Machen Sie dem Papst klar, dass er seine unzeitgemäße, verantwortungslose Sexualpolitik aufgeben sollte! Damit meinen wir nicht nur, dass der Vatikan selbstverständlich die sexuellen Selbstbestimmungsrechte des Individuums anerkennen muss, wenn er in ethischer Hinsicht ernstgenommen werden will. Es geht vor allem auch um die Frage der Empfängnisverhütung und des Schutzes vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Erklären Sie dem Papst, dass seine Positionen angesichts von Überbevölkerung und Aidsepidemien objektiv unverantwortlich sind.

„Zeitgemäß“ kann kein Kriterium sein, lediglich Verantwortungslosigkeit könnte man dem Papst (und auch der katholischen Kirche) vorwerfen. Die GBS geht davon aus schon die Wahrheit diesbezüglich zu verkünden, ohne zu argumentieren. Ich bin da etwas anderer Meinung als die GBS, und der Papst wie die übrigen Bischöfe haben nochmal eine andere Meinung.

Wie dem auch sei sind drei Dinge festzuhalten:

  1. Wieso sollte sich die Kanzlerin einmischen in die katholische Sexualethik? Sie ist weder katholische Theologin, nicht mal Katholikin. Die katholische Sexualethik ist eine Angelegenheit der Katholiken.
  2. Niemand wird zu einer Kirchenmitgliedschaft gezwungen. Somit ist auch die Einhaltung der römischen Sexualethik durch keinen Zwang gekennzeichnet. Viele Katholiken halten sich ihrerseits nicht an die Regelungen, manche haben Sex vor der Ehe, andere verhüten mit Pille oder Kondom und bleiben trotzdem Mitglieder der Kirche. Eine Kausalität zwischen HIV Epidemie und römischer Sexualethik zu behaupten ist damit höchst zweifelhaft.
  3. Da kein Zwang in Bezug auf die Sexualethik ausgeübt wird, da die Kirchenmitgliedschaft freiwillig ist, kann auch nicht von Menschenrechtsverletzungen die Rede sein.

jedoch ein Mann, der Abermillionen von Menschen weltweit zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Todesfolge anstiftet

Und genau das tut der Papst nicht. Sex gehört nach der katholischen Lehre in die Ehe, und nur dorthin. Und innerhalb der Ehe ist die Benutzung eines Kondoms erlaubt, falls ein Partner HIV positiv ist. Die GBS betreibt üble Nachrede.

Dass die Vatikanstadt heute als „souveräner Staat“ gilt, verdankt die Kirche neben der (selbstverständlich gefälschten) „Konstantinischen Schenkung“ in erster Linie den Lateranverträgen mit dem faschistischen Diktator Benito Mussolini.

Die Frage nach der Unabhängigkeit des Vatikan ist nicht die Angelegenheit der deutschen Bundeskanzlerin oder des deutschen Staates, sondern wenn überhaupt dann eine Frage, die zwischen Italien und dem Vatikan zu klären ist. Mir sind keine Ansprüche seitens Italien auf den Vatikan bekannt.

Anders wäre es natürlich, falls die GBS die Meinung vertritt, Deutschland sollte (warum auch immer) Anspruch auf Vermögen und Territorium des Vatikan stellen. Dies ist jedoch, soweit ich es sehe, nicht der Fall.

Als Völkerrechtssubjekt hat der Heilige Stuhl den Rang eines permanenten Beobachters in der UN und kann dort aktiv in Debatten eingreifen, was eine nicht zu rechtfertigende Bevorzugung der Katholischen Kirche gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen bedeutet.

Sicherlich kann man das in Frage stellen. Allerdings wäre Ansprechpartner in diesem Fall nicht Frau Merkel, sondern erst einmal die UN Mitglieder insgesamt. Falls es dort keine derartigen Forderungen gibt, stellt sich die Frage, wieso gerade Deutschland sich damit hervortun sollte, so ganz ohne Not. Aus dem Vatikan kamen häufig Aufrufe zum Frieden. Diese durch die Aberkennung des Völkerrechtsstatus zu schwächen kann auch nicht im Sinne der Vereinten Nationen sein. Meine Meinung ist, daß solch ein historisch gewachsener Status nicht ohne Not abgeschafft werden sollte, zumal kaum Anstoß daran genommen wird.

 Zudem verhindert die staatliche Souveränität der Vatikanstadt, dass illegale Machenschaften unter kirchlichem Deckmantel juristisch verfolgt werden können.

Den selben Effekt hätte die Abschaffung der Souveränität jedes anderen Staates. Kriminelle Strukturen gibt es überall, sie können kein Grund sein für die Abschaffung nationaler Souveränität.

scheiterte die Strafverfolgung allzu häufig daran, dass der Vatikan auf seine staatliche Souveränität pochte. Dies kann und darf nicht hingenommen werden! Die Katholische Kirche sollte die gleichen Rechte und Pflichten besitzen wie andere Nichtregierungsorganisationen auch.

Ein geschickter rhetorischer Trick, Dinge zusammenzuwerfen, die nicht zusammen gehören, und dann aus der Ungleichheit zu schließen, daß gleiche Rechte gelten müssen.

Die katholische Kirche ist eben nicht eine NGO. Es ist zuerst eine Kirche. Diese bildet sich in Institutionen ab, die verschiedene Rechtsgestalt haben. Unter anderen gehört dazu auch ein souveräner Staat mitten in Rom. Jede dieser Rechtsgestalten hat nun die ihr entsprechenden Rechte, und die sind eben nicht immer mit einer NGO identisch, weil es nicht immer eine NGO ist. Die Deutsche Bank ist auch „non government“, aber sie ist eben eine AG, deshalb unterliegt sie teils anderen Gesetzen als Greenpeace.

Aber kommen wir nicht vom Thema ab: Es geht um die Menschenrechtsverletzungen der katholischen Kirche. Und auch hier muß ich sagen: Die Souveränität eines Staates verletzt niemandes Menschenrecht.

Am Ende liest die GBS dann noch im Kaffeesatz:

Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes werden es auf Dauer nicht dulden, dass ihr Staat Jahr für Jahr Milliarden von Steuergeldern in eine Institution investiert, die nicht nur eine verheerende Geschichte zu verantworten hat, sondern auch in der Gegenwart alles tut, um gesellschaftlichen Fortschritt zu verhindern.

Den „gesellschaftlichen Fortschritt“ hat die GBS wohl gepachtet, der kann nur von ihr kommen. Ganz am Schluß wird dann auch angedeutet, wie dieser Fortschritt auszusehen hat.Natürlich spielen die GBS und ihre Ziele dabei eine zentrale Rolle:

Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass das alte, patriarchale, autoritäre Denken, für das die Kirche wie kaum eine andere Organisation weltweit steht, überwunden wird! Denn nur so kann – hier in Deutschland wie auch in anderen Ländern der Welt – eine wahrhaft freie und humane Gesellschaft entstehen, die in der Lage ist, die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern.

 

Bei Licht betrachtet geht es aso einzig und allein um einen Aufruf, den Laizismus einzuführen. Dies aber unter falscher Flagge, um Aufmerksamkeit zu erheischen.

So geht es in keiner der Forderungen um Menschenrechte oder deren Verletzung. Einzig beim Thema Mißbrauchsskandal spielen Menschenrechte überhaupt eine Rolle. Diese wurden in der Tat verletzt, aber die GBS führt nicht aus, inwieweit die Kirche dafür verantwortlich zu machen wäre. Wahrscheinlich, weil sie es nicht kann.

Die (katholische) Kirche und das Reizwort Menschenrechtsverletzung dienen hierbei lediglich als Speck, mit dem Mäuse gefangen werden sollen. Die GBS offenbart dabei, daß sie nicht von einem reflektierten mündigen Menschen als Leser ausgeht, sondern von unreflektierten Lesern irgendwo knapp unter BILD Niveau.

Bundeskanzlerin und Papst sind in den meisen Fällen nicht Ansprechpartner für die Forderungen. Häufig ist es die Bundeskanzlerin allein (sowie ihre Regierung und der Bundestag), auch andere politische Ebenen sind involviert. Der Papst hat meist nur mittelbar bis weitläufig mit den Themen zu tun.

Allerdings erfüllt er neben dem Anlaßgeber (ohne Papstbesuch kein offener Brief) noch eine andere Funktion:

Die GBS fordert anfangs, daß die Menschenrechtsverletzungen der katholischen Kirche kritisiert werden. Der Papst steht für diese katholische Kirche. Wer sonst sollte etwas ändern können an Mißständen als er?

Dieses Denken ist so realistisch wie daß die Kanzlerin die lokalen Probleme einer Stadt lösen kann. Trotzdem ist es weit verbreitet, wie man etwa sieht, wenn Themen der Bundespolitik sich etwa auf Kommunalwahlen oder auch Landtagswahlen auswirken (umgekehrt scheint dies weniger der Fall zu sein).

Unter Voraussetzung dieses Denkens wird nun mit der katholischen Kirche eine Strohpuppe aufgebaut, auf die erst einmal die ganzen Probleme projiziert werden: Ohne katholische Kirche kein Mißbrauch, keine HIV Epidemie, keine Arbeitslosigkeit, alle fröhlich und vergnügt. Der Papst nun als unwilliger Helfer, der erst angeleihert werden muß durch die Kanzlerin (daß oftmals weder sie noch er der Ansprechpartner bei den Problemen sind, wird nicht erwähnt), und alles mit dem Ziel, einen Rahmen zu haben für eine Auflistung der Punkte, in der man die Kirche angreifen zu können meint. Am Ende dann, ganz kurz und schwammig, wird das neue Utopia beschrieben, oder besser nicht beschrieben, nur angedeutet. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Diese Strohpuppe samt Papst (das „alte, patriarchale, autoritäre Denken“) soll es da nicht mehr geben, statt dessen soll „eine wahrhaft freie und humane Gesellschaft entstehen“, wobei frei wohl „frei von unliebsamer Konkrrenz“ bedeutet und human für alles steht, was die GBS als gut befindet.

Damit leistet die GBS, ich habe es schon einmal gesgat, einem unreflektierten und unmündigen Denken Vorschub, das seinerseits ebenfalls patriarchale Züge hat. Patriarch ist dabei nicht mehr die Religion, sondern die GBS.

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Donum Vitae

Ich bin ja nicht römisch-katholisch. Und ich denke, die Interna der Römisch-Katholischen Kirche sind erst mal deren Probleme, die sie untereinander klären und lösen müssen. Wenn jemandem etwas nicht passt, kann er ja zu uns Protestanten kommen.

Doch es gibt Situationen, in denen ich die Äußerungen und Bestimmungen unserer Glaubensbrüder nicht unkommentiert lassen kann. Etwa, wenn ich sehe, wie grundlegende christliche Werte verlassen werden, etwa zu Gunsten eines formal korrekten aber unmenschlichen Dogmatismus. Deshalb kann ich zu den jüngsten Äußerungen des Bischofs von Limburg (via), Herrn Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht schweigen.

Er sprach sich gegen den Beratungsverein Donum Vitae aus, der mit vorwiegend katholischen Mitgliedern unter anderem die Schwangerenkonfliktberatung anbietet. Frauen, die mit dem Gedanken spielen, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, können bei Donum Vitae nach einer Beratung eine Bescheinigung erhalten, die nach dreitägiger Bedenkzeit nach der Beratung eine straffreie Abtreibung in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft erlaubt.

Die Gründe, die der Bischof vorbringt, sind so klar wie polemisch:

Die Katholische Kirche setzt sich bedingungslos für ein Ja zum Leben ein. Sie ermutigt werdende Mütter und Väter, ihr Kind anzunehmen und an der Verantwortung für das von Gott geschenkte und ihnen anvertraute Leben zu wachsen. Deshalb kommt für katholische Christen der Weg, den Donum Vitae beschreitet, nicht in Frage.

Der Verein beschreitet nach Bischof Tebartz-van Elst also einen Weg, der nicht für ein bedingngsloses Ja zum Leben steht, der werdende Eltern nicht ermutigt, ihr Kind anzunehmen und an der Verantwortung für das von Gott geschenkte und ihnen anvertraute Leben zu wachsen. Im Gegensatz zur (Römisch-) Katholischen Kirche.

Weiter begründet der Bischof:

Gerade in der Rückschau auf die letzten Jahre wird deutlich, welcher Bewusstseinswandel stattfindet, wenn die Tötung ungeborenen Lebens rechtliche Deckung erfährt. Ein Mitwirken daran stellt der Weg dar, den Donum Vitae geht.

Der Weg von Donum Vitae stellt also nach dem höchsten Geistlichen in Limburg eine Mitwirkung an der Tötung ungeborenen Lebens dar, schlicht und einfach, weil der Verein die für eine Abtreibung benötigten Beratungsscheine auf Wunsch ausstellt. Die kircheneigene Beratung ist natürlich um Welten besser:

Im Unterschied dazu unterstützen die Beratungsstellen der Katholischen Kirche werdende Eltern aus der tiefen Überzeugung, dass ein empfangenes Kind immer ein Segen ist. […] Weil für uns als Katholische Kirche das Ja zum Leben ohne Alternative ist, können wir uns nicht an einem System beteiligen, das durch das Ausstellen eines Scheines den Anschein erweckt, jede Entscheidung sei rechtmäßig und damit gleich gültig.

Klare Linie: Das System Konfliktberatung mit Beratungsschein ermöglicht die Abtreibung und damit die Tötung eines ungeborenen Menschen. Die katholische Schwangerenberatung unterstützen die Eltern in der Schwangerschaft. Deshalb sind die katholischen Beratungsstellen die Guten, während Donum Vitae von Katholiken gemieden werden soll. Und damit sind nicht nur schwangere Katholikinnen gemeint, die nach Beratung suchen, sondern die sich im Verein engagierenden Katholiken:

Die Deutschen Bischöfe haben sich mit ihrer Erklärung vom 20. Juni 2006 klar positioniert. Danach ist der private Verein Donum Vitae e.V. eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche. Aus diesem Grund sind institutionelle und personelle Kooperationen sowie ein Engagement im Verein parallel zum kirchlichen Dienst nicht möglich.

Mir ist noch nicht ganz klar, was mit „kirchlichem Dienst“ gemeint ist. Jedenfalls wird hier Priestern untersagt, sich im Verein zu engagieren. Unter Umständen auch anderen Menschen, die im Bistum Limburg die katholische Kirche als Arbeitgeber haben. Der Verein, der vorwiegend von katholischen Christen getragen wird, soll im Bistum Limburg also scheinbar die Basis entzogen bekommen. Wenn an des Bischofs Vorwürfen etwas dran ist, wäre dies ja gerechtfertigt, doch wie sieht es aus?

Donum Vitae berät zwar ergebnisoffen, aber eben doch mit dem klaren Ziel, das ungeborene Leben zu schützen (Broschüre, S. 5f):

Beratung hat in dieser Situation [Anm: der konfliktbeladenen Schwangerschaft] zunächst die Aufgabe, die Not der Frau zu verstehen, mit ihr gemeinsam nach Hilfsmöglichkeiten zu suchen, die Frau in ihrer reflektierten Entscheidungsfindung zu begleiten und in diesem Zusammenhang die Würde des Ungeborenen und sein Recht auf Leben ins Bewusstsein zu rufen. Dies geschieht in der Absicht, dass die Frau die Möglichkeit zulässt, sich ein Leben mit dem Kind vorzustellen und entsprechende Hilfsangebote wahrzunehmen.

Es stimmt also nicht, daß Donum Vitae den Eindruck vermitteln würde, jede Entscheidung sei gleich richtig. Es wird mit dem klaren Ziel des Schutzes des ungeborenen Lebens beraten. Doch so hat der Bischof auch nicht formuliert. In seiner Formulierung

nicht an einem System beteiligen, das durch das Ausstellen eines Scheines den Anschein erweckt, jede Entscheidung sei rechtmäßig und damit gleich gültig

verbindet er die Ausstellung des Beratungsscheines mit der Erweckung des Anscheins, jede Entscheidung sei rechtmäßig. Er tut so, als hätte die Beratung keinen Inhalt und alleine der Schein sei ausschlaggebend für die Beratung. Damit verkürzt er die Sache in verantwortungsloser Weise, um besser argumentieren zu können.

Es mag zwar so sein, daß durch die Beratung von Donum Vitae Abtreibungen ermöglicht wurden, doch stellt sich die Frage, ob diese Frauen ohne Donum Vitae nicht abgetrieben hätten. Der Bischof verkennt völlig, daß sich schwangere Frauen, die unentschieden sind, ob sie abtreiben werden oder nicht, sicherlich keine Beratungsstelle aufsuchen werden, die ihnen keine Wahl läßt. Wieso sollten sie die Zeit in einer Einrichtung der katholischen Kirche „verschwenden“, wenn sie andernorts eine Beratung erhalten könnten, in der sie beide Optionen nochmals durchdenken könnte und im Zweifel eben doch den Schein, der die Abtreibung ermöglicht, erhalten könnte?

So gut die Beratungsstellen der katholischen Kirche auch seien, sie richten sich lediglich an schwangere Katholikinnen, die fest im Glauben stehen und sich sicher sind, daß sie nicht abtreiben werden. Damit ist kein Leben gerettet, denn diese Frauen haben schon entschieden, ihr Kind zu gebären.

Die anderen Frauen jedoch, die Unentschlossenen und Unsicheren werden von der katholischen Kirche alleine gelassen. Die Kirche ist hier kein Licht in der Finsternis, keine Hilfe in der Not, und sie geht ach nicht in die Welt und erklärt den Menschen die Würde des ungeborenen Lebens. Aus Angst, etwas falsch zu machen, tut sie gar nichts und macht alles falsch. Aus Feigheit vor dem Satan läßt sie es gleich ganz bleiben, den Satan zu bekämpfen.

Donum Vitae hat in dieser Situation als Laienorganisation eingegriffen und sich den Menschen zugewandt, die unsicher waren und sind und bietet ergebnisoffene Beratung, die aber klar für das ungeborene Leben eintritt. Die Ausstellung des Beratungsscheines ist der Preis, der gezahlt werden muß, um mit den Menschen überhaupt ins Gespräch zu kommen. Es mögen ungeborene Kinder aufgrund der Beratung von Donum Vitae getötet worden sein, aber Donum Vitae hat durch sein Ansprechen der unentschlossenen Menschen sicherlich viel mehr Leben gerettet als die Beratung der katholischen Kirche, die sich eh nur an die Mütter wendet, die ihre Kinder schon gebären wollen.

Ein uneingeschränktes „Ja zum Leben“ wird also bei Donum Vitae eher gelebt als in der katholischen Schwangerenberatung. Diese bejaht offenkundig nur das Leben der Kinder ihrer engsten Anhänger. Die Aussage es sei unvereinbar für katholische Christen sich bei Donum Vitae zu engagieren würde also nach der vorgetragenen Logik eher auf die Beratung der eigenen Kirche zutreffen.

Nun muß man dem Bischof zu Gute halten, daß aus Rom die klare Order kam, daß die Kirche keine Beratungsscheine ausstellen darf. Dagegen kann der Bischof nichts tun. Er kann aber seinen Schäfchen erlauben, sich bei Laienorganisationen wie Donum Vitae zu engagieren, und damit Menschen anzusprechen, die sonst von der Kirche nie erreichbar wären, und ihnen Hilfe bieten, die diese sonst nie angenommen hätten. Damit wäre den Menschen geholfen gewesen.

Er entschied sich dagegen. Für eine klare dogmatisierende Line, ohne Links und Rechts zu gucken, ohne die Unschlüssigen in den Blick zu nehmen, deren Not auch sicher größer ist als die derer, die ihre Entscheidung für das Leben schon getroffen haben. Er läßt damit die Menschen im Stich, aus Angst, nein, aus Feigheit, vielleicht etwas falsch zu machen und indirekt für den Tod des ein oder anderen Embryos mit Schuld zu sein. So macht er sich im Falle eines Erfolgs bei der Bekämpfung Donum Vitaes direkt schuldig am Tod aller Embryonen, die durch Donum Vitae hätten gerettet werden können.

Rudolf Alexander Schröder sagte:

Wer nicht sündigen will, will auch nicht erlöst werden. Der vollkommen Heilige würde des Teufels sein.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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Sex & Papst & Zölibat

Seit in den letzten Tagen die Kindesmißbrauchsfälle bei Jesuiten und anderen katholischen Schulen (oder waren auch schon evangelische dabei?) durch die Medien gingen, hört man immer wieder interessante Vorwürfe gegen die katholische Kirche, ihre Sexualmoral und den Zölibat.

Irgendwo scheint vieles davon nicht ganz zusammenzupassen. Ich meine damit nicht Vorwürfe wie: Die Mißbrauchsfälle wurden vertuscht bzw. auffällig gewordene Priester wurden einfach versetzt ohne die neuen Vorgesetzten über das Vorgefallene zu informieren. Die Vertuschungen sind unverzeihlich, normal hätte sofort die Polizei eingeschaltet werden müssen. Es bleibt zu hoffen, das Opfer nun und in Zukunft sich gleich an die Polizei wenden, damit die Fälle aufgeklärt werden.

Was ich aber nicht ganz nachvollziehen kann ist der Vorwurf, daß die Täter sich aufgrund des Zölibats an den Kindern vergriffen haben sollen. Klar, asexuelles Leben wird heute als anormal, vielleicht sogar pervers wahrgenommen. Wer es „sich durch die Rippen schwitzen“ muß, steht wohl unter einem besonderen Druck, der sich dann dort entlädt, wo die Opfer am schwächsten sind.

Nur: Wieso vergreifen sich die Täter scheinbar immer an Kindern? Warum werden keine Fälle von Vergewaltigung erwachsener Frauen (Heterosexualität sollte in der Gesellschaft – und damit auch unter Priestern –  wohl am Meisten verbreitet sein)? Oder kennt man die Fälle noch nicht? Und was ist mit den Menschen, die keinem Zölibat unterliegen, aber trotzdem keinen Sexualpartner haben? Sind Menschen ohne Partner, die keine One-Night-Stands haben (soll es geben) auch alle potentielle Pädophile?

Und wie sieht es eigentlich mit den Zahlen aus? Wie hoch ist der Prozentsatz der durch Kindesmißbrauch auffällig gewordenen Menschen im Priesterstand, und wie ist es in der Gesamtbevölkerung? Sind es vielleicht wirklich nur Einzelfälle, die den Prozentsatz der Täter in der Gesamtbevölkerung nicht übersteigen? Das würde die katholische Kirche nicht vom Vorwurf der Vertuschung entlasten. Aber der Zölibat müßte eventuell rehabilitiert werden. Vielleicht müßte man die katholische Sexualmoral (abgesehen von der latenten Homophobie, da komm ich schlecht klar mit) insgesamt noch einmal bewerten.

Es ist immer einfach, auf das Andere einzuschlagen, doch haßt man am Anderen meist das am Meisten, was man an sich selbst nicht ausstehen kann…

Update: Ich hab grad eine Äußerung des Bistums Rottenburg-Stuttgart zu den Täterzahlen und dem Verhältnis zu der Gesamtzahl der für das Bistum Arbeitenden gefunden.