Allgemein

Solidarität

Ich habe grade diesen Artikel gelesen. Landesbischof Meister spricht sich dort in erfreulicher Schärfe dafür aus, gegen Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylbewerberheime vorzugehen. Das finde ich gut.

Außerdem schreibt er, dass Solidarität mit den Schwächsten für Christen etwas Elementares sei. Auch das findet meine vollste Zustimmung.

Er schreibt, dass Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, nicht unter das Asylrecht fallen. So weit, so (leider) richtig. Dann schreibt er, dass das nicht bedeute, dass sie hier nicht willkommen sind. Bis hierhin habe ich mich gefreut über eine (aus meiner Sicht) gute Stellungnahme.

Doch bei den folgenden Sätzen ist mir übel geworden….

Deutschland sei vielmehr auf qualifizierte und motivierte Menschen angewiesen. „Anders können wir den Fachkräftemangel in ganz vielen Branchen nicht annähernd auffangen“.

Ja, es stimmt, wir sind tatsächlich auf Menschen angewiesen. Doch Solidarität mit den Schwächsten kann doch wohl nicht so aussehen, das „Willkommen“ an die Leistungsfähigkeit der Flüchtlinge zu koppeln. Um es ganz deutlich zu sagen: grade diejenigen, die (noch?) nicht qualifiziert sind oder Fachkräfte sind, sind die Schwächsten. Wobei es mir schon wieder komisch vorkommt, jemanden, der genug Kraft für eine Flucht unter übelsten Bedingungen zu wagen, für schwach zu halten…. Aber ich vermute jetzt mal, es geht da um andere Schwäche…  Solidarität mit den Schwächsten, mit denen, die auf Hilfe für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind, zeigt sich nicht darin, dass wir darauf hinweisen, dass wir ja gute Arbeitskräfte brauchen. Solidarität mit den Schwächsten zeigt sich darin, sie aufzunehmen, obwohl sie diese Hilfe benötigen und obwohl sie nach dem asozialen Asylgesetz Deutschland kein Recht auf Asyl haben.

Kurz: Solidarität mit den Schwächsten darf nicht nach dem Vorteil fragen, den ihre Aufnahme bietet. Denn dann ist es keine Solidarität, sondern schlichtes Befolgen kapitalistischer Denkstrukturen.

Theologie

Schnelle Kohle

Wer irgendwo Geld investiert, will dafür einen Gewinn haben. Wozu Aufwand treiben und Risiken eingehen, wenn man am Ende nichts davn hat, oder sogar leer ausgeht. Dabei gilt, daß die Wahrscheinlichkeit zu investieren fällt, wenn die Risiken steigen oder der zu erwartende Gewinn abnimmt.

Nehmen wir eine alltägliche Situation: Du bist in einer dunklen Nebenstraße und ein Mensch mit einem großen Messer greift Dich an und macht den kaum zu widerlegenden Eindruck, der will Dich jetzt umbringen (okay, nicht ganz so alltäglich, ich hab eindeutig zu viele schlechte Actionfilme gesehen). Du bist bei weitem nicht so stark wie er, kriegst aber sein Messer zu fassen, was tust Du?

Selbst wenn Du Gewalt ablehnst dürfte die Chance steigen, daß Du das Messer einsetzt, um Dich selbst in Sicherheit zu bringen. Die Cance, daß der Angreifer sich plötzlich brav wie ein Chorknabe verhält tendiert gegen Null, das Risikoe, daß er Dich, wenn Du das Messer nicht einsetzt, schwer verletzen wird, ist eindeutig gegeben und als hoch einzuschätzen. Da sind die Investitionen in Deeskalation gering.

Ein anderes, weniger krasses Beispiel: Bei der Arbeit setzt Dir ein Kollege ständig zu, mah Dich vorm Chef schlecht und dergleichen. Und dann, ienes Tages, ist er auf Deine Hilfe angewiesen. Du hilfst ihm und merkst, daß er sich nen Lauen gemacht hat auf Deine Kosten. Je öfter sich das wiederholt, desto geringer wird Deine Lust sein, imein weiteres Mal zu helfen.

Jetzt kommt Jesus ins Spiel. Der verlangte mal Feindesliebe von uns. Das rt sih so schön kuschelig an, wenn alle einander lieb haben. Die beiden Beispiele oben zeigen vielleicht, daß das so kuschelig gar nicht ist.

Trotzdem steht die Forderung im Raum. Feindesliebe: Investierin den Kerl, der Dich ohne Grund mit einem Messer angegriffn hat, in den Kollegen, der Dir das Leben schwer macht, und Dich ausnutzt.

Kaum zu schaffen, ich weiß… und so unrentabel, diese Investition. So gesehen, denkt Gott wohl nicht kapitalistisch…

Gott gibt, ohne entsprechend zu empfangen. Er segnet uns, mit allem, was wir haben, und wir können Ihm nichts zurückgeben, außer Lob und Dank. Und wir können uns dranmachen, Seine Forderungen umzusetzen. Also auch Feindesliebe, investieren ohne angemessenen Gewinn.

Das mit dem Segen Gottes ist ein Kreislauf. Gott segnet uns, mit Leben, Essen und Trinken, manchmal sogar ein wenig Wohlstand. Weil Er es kann, weil Er uns Leben geben will. Und wir können mit Ihm in Beziehung treten, indem wir Ihn segnen (ja, wirklich!). Das hebräische Wort ברך bedeutet sowohl „segnen“ als auch „preisen“, beschreibt also das, was Gott den Menschen gibt und das, was die Menschen Gott geben.

Das Preisen schließt korrektes ethisches Verhalten wie Feindesliebe, Hilfe für Unterdrückte etc. ein, man muß sich nur mal Texte wie den hier lesen, dann wird das klar.

Damit tritt man mit Gott in Beziehung: Gott segnet uns mit allem, was wir zum Leben brauchen, und wir segnen Gott mit allem, was Er fordert. Zumindest soweit wir dazu in der Lage sind.

Damit bauen wir an Seinem Reich mit, in dem der umfassende Frieden gegenwärtig ist. Frieden vor allen irdischen Bedrückungen und Gefahren, vor Messerangreifern und üblen Kollegen.

Und dieses Reich ist es, das laut Jesus schon jetzt angebrochen ist. Eben weil wir schon daran arbeiten, weil hier und da sich dieser Friede Bahn bricht und kurz aufleuchtet. Das sind die unrentablen Investitionen!

Got segnet uns und wir sollen ein Segen sein. Davon haben wir nichts, denn unsere Feinde werden nicht plötzlich unsere Freunde, doch steter Tropfen höhlt den Stein. Viellicht werden wir diese Feinde auch niemals auf unsere Seite ziehen, aber andere inspirieren mitzumachen. Und schon wirft die Investition eine kleine Rendite ab. Aber eben icht zwangsläufig füruns, vielleicht für nochmal ganz andere Personen. Aber alle diese Personen werden in den Kreislauf des Segens mt Gott hineingezogen, Er gibt ihnen, was sie brauchen zum Leben – und zwar immer nach Seinem Maß und so lange Er ihr Leben bemißt, da kriegt keiner Ein Fleißbildchen oder sonstige Vorteile – und sie geben Ihm zurück soweit sie können, indem sie für andere zum Segen werden.

Und alle, die mitmachen, geben wieder zurück, indem sie anderen zum Segen werden, Gott hat da persönlich erst einmal nichts davon, während wir Menschen immer das haben, was wir zum Leben brauchen. So groß ist unser Verlust also gar nicht, bei Licht betrachtet.

Aber Gott macht eine gigantische Investition, und schiebt immer mehr nach, ohne daß etwas zu Ihm zurückkäme. Er braucht auch ichts, aber Er will etwas: Nämlich daß alle Menschen einst in diesen Kreislauf eingebunden werden. Dann hat ist Seine Friedensordnung etabliert.

Das wird hienieden whl nie der Fall sein, denn zu jeder Zeit könnenwir Sünder ja gar nicht teilnehmen, wenn wir ehrlich sind klinken wir uns immer wieder aus, wie heilig wir auch sein mögen, und geben den Segen nicht weiter, drehen den Hahn zu.

Aber es gibt ja nch ein Eschaton, wo das, was wir hier als Vorgeschmack erleben vollständig erreicht sein wird. Ich freu mich drauf.

Gesellschaft

Che ohne Knarre

Vom der Erwähnung eines Artikels über Kennzeichenspeicherung in Bayern bei diaspora* kam es in den Kommentaren bald zur Diskussion über die Notwendigkeit einer Revolution. Ja, diaspora* (oder zumindest viele der Leute, mti denen ich verbunden bin) ist sehr revolutionär geprägt.

Wie dem auch sei: Ich wandte ein, daß ich auf ne Revolution wenig Bock hätte, weil das ja auch immer Leid bedeutet. Und wenn man Leid in Kauf nimmt, um ein anderes Leid abzuschaffen, dann sollte man ne Kosten-Nutzen Aufstellung (schon wieder so ein kapitalistischer Begriff ;)) machen und sich das Ganze nochmal überlegen, denk ich.

„Rasier Klinge“ hat daraufhin einen Kommentar geschrieben, in dem sie auch Bezug auf Jesus nimmt und auf den ich hier etwas ausführlicher reagieren will. Doch zuerst nochmal Rasier Klinge’s Kommentar:

Nun, mir wären unblutige Revolutionen auch lieber. Trotzdem nützen nur Worte nichts. Egal wie gehaltvoll sie auch sind. Mächtige sind höchst ungern ohne Macht. Dann sind sie sinnentleert. Die Erkenntnis, ohne Macht nichts zu sein, ist unangenehm. Sogar Jesus hatte göttlichen Beistand, sogar er musste was tun, heilen, Wasser in Wein, spektakulär sterben,was auch immer..nur predigen beeindruckt selten die Massen. Es spaltet sie höchstens. Und da das Bodenpersonal der diversen Götter nichts taugt, sieht man daran, dass sie nicht heilen, sondern Waffen segnen. Wenn ich also keinen Gott zur Hand habe, und auch sonst meinen Lebenssinn in etwas anderem sehe als in Macht ausüben, bis nur noch die Macht da ist, ich dafür verschwunden…was soll und kann ich tun um den gegenwärtigen Zustand zu ändern?
(Hervorhebungen von mir)

Das erinnerte mich an eine Bezeichnugn für Che Guevara, ich weiß gar nicht, wo ich sie zuerst gehört hatte:

Jesus mit ner Knarre.

Die Parallele zwischen Jesus und Guevara, die hier aufgemacht wird, liegt wohl darin, daß über beide von den jeweiligen Anhängern berichtet wird, daß es ihnen um eine Befreiung ging, nur daß Guevara eben so konsequent gewesen sei, zur Waffe zu greifen und den Versuch unternommen hat, etwas zu ändern, während Jesus lediglich die andere Wange hingehalten habe. Gestorben sind dann beide: Guevara, weil er an nen Stärkeren kam, und Jesus, weil Er einmal zu oft die Wange hingehalten hatte, statt sich zu wehren.

Doch während für Guevara sein Tod die ultimative Niederlage war – die Revolution in Bolivien blieb aus, er war tot und wurde am Ende noch kapitalistisch vermarktet – war der Tod Jesu Sein großer Triumph. Denn im Gegensatz zu Guevara hatte Er damit Seinen Feind besiegt, indem Er dessen Bösartigkeit offensichtlich machte. Damit war das Kreuz Jesu ein sichtbares Zeichen für die Gewalt des Systems (oder des Bösen, wenn man es mythologischer ausdrücken will). Guevaras Tod war höchstens ein Zeichen dafür, daß seine Gewalt der seiner Gegner unterlegen war. Er offenbarte in seinem Tod kein Unrecht, denn er selbst griff zur Waffe und hat sich damit moralisch auf die Ebene seiner Gegner begeben.

Nun sagt Rasier Klinge einerseits, nur predigen helfe nichts und auch Jesus habe das nicht getan. Stimmt. Aber wenn jemand etwas Gutes tut, dann wird das nicht unkommentiert bleiben, also hier oder da wird immer „gepredigt“ werden, oder „verkündigt“ oder wie man vielleicht moderner sagt: berichtet, gedeutet, erklärt.

Wenn ich Rasier Klinge richtig verstehe, wäre ihr die gewaltlose Alternative lieber, aber sie sieht diese nicht und fragt deshalb am Ende, was sie tun kann. Ich denke, eine Antwort könnte durchaus bei Jesus zu finden sein. Und zwar ganz ohne dabei an Gott glauben zu müssen (oder doch? ich wäre hierzu an Rückmeldungen interessiert).

Und zwar ganz einfach, indem man Jesu Beispiel folgt: Gutes tun, und die Retourkutschen des Systems wegstecken. Damit ändert man nicht den Gesamtzustand. Aber den kriegen wir wahrscheinlich eh nie in den Griff (der Christ kann hier auf die Hoffnugn auf Gott zurückgreifen, aber Gott wollten wir hier ja rauslassen).

Das System lebt ja davon, daß wir alle in einer wie auch immer gearteten Ordnung stecken und uns dementsprechend verhalten. Jeder von uns steht unter Druck von oben, gibt aber auf irgend eine Weise auch Druck nach unten ab. Und den haben wir im Griff, das ist unsere Macht. Und wenn wir hier den Druck rausnehmen und gleichzeitig den von oben aushalten, schaffen wir in unserem Machtbereich ein Stückchen Freiheit.

Das ist verdammt schwer, kaum zu 100% durchzuhalten und wird auch nicht das ganze System ändern. Denn selbst wenn es Nachahmer finden wird, ist und bleibt es ein Kampf gegen Windmühlen.

Bei diaspora* liest man dann häufig, daß eben nicht nur einzelne den Konsumismus ablegen sollten, sondern am Besten alle im Kollektiv. Mit dem Kollektivismus haben wir nicht wirklich bessere Erfahrungen gemacht als mit dem Kapitalismus, nur so nebenbei. Die Welt ist nun einmal so, daß die Leute nicht so sind, wie wir sie uns wünschen, und daß jeder Druck, den wir auf sie ausüben, um sie so zu machen, wie wir sie haben wollen

  1. nur dann ausgeübt werden kann, wenn wir die Macht haben, Druck aufzubauen
  2. dazu  führt, daß bei diesen Menschen dann neue Unfreiheiten entstehen, die der Keim für die nächste Revolution sind.

Wobei dann wieder neue Freiheiten erkämpft und andere unterdrückt werden. Die Welt ist so, wie sie ist, und deshalb werden wir das absolut gerechte System nicht erschaffen.

Schlußendlich bedeutet das, daß wir den Druck, den wir von oben kriegen, nur unter der Prämisse abschaffen können, daß wir neuen Druck anderswo aufbauen. Oder anders ausgedrückt: Wir können nicht uns selbst befreien, sondern immer nur die, deren Freiheit in unserer Hand liegt, weil wir nach dem gängigen System die Macht über sie haben.

Das ist es mehr oder weniger, was Jesus tat. Er heilte die Kranken udn siechen und scherte sich einen Kehrricht um die Machtstrukturen des Systems, indem er den Randsiedlern (Zöllner, Huren, Sünder im Allgemeinen) auf Augenhöhe begegnete, also nicht Macht über die ausübte, die nach den Regeln des Systems unter Ihm standen. Das reizte die über Ihm stehenden im System, den Druck zu erhören bis zu Seiner Hinrichtung. In Mt 12 etwa lesen wir erst, wie Jesus den Phrisäern aus der Schrift darlegt, wieso die Regeln, die sie zur Stützung ihres Systems herangezogen haben, bei Ihm nicht ziehen. Und zwar in Bezug aufs Ährenrauffen am Sabbath. Und dann ist die Geschichte vom Heilen am Sabbath, wo Jesus dann auch noch sagt, sie würden nicht anders handeln als Er. Er beugte sich nicht der Macht, mit der sie über Ihn auf die von Ihm Abhängigen „durchregieren“ wollten. Und Er machte sich damit zum Ziel. In Vers 14 steht dann:

Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten Rat über ihn, wie sie ihn umbrächten.

Sprich: Man kann etwas tun. Aber das bedeutet, Opfer bringen. Und in der Konsequenz wie Jesus, ist kaum einer dazu bereit. Auch Guevara war es nicht, er suchte nach dem großen Wurf, die absolute Freiheit zu erreichen (als ob wir mit dem Absolutismus gute Erfahrungen gemacht hätten!) und schuf damit neue Unfreiheiten und mit den Kriegen, in denen er kämpfte, auch jede Menge Leid.

Und Jesus? Er schuf vor allem sich selbst Leid. Er änderte auch das System nicht, aber ermöglichte im Rahmen Seiner Möglichkeiten als Mensch, was möglich war, indem Er denen Freiheit gab, denen Er sie als Mensch geben konnte.

Der große Systemumsturtz wird von den Christen erst am Ende der Zeit erwartet, und darauf liegt unsere Hoffnung. Bis dahin geht es uns, wie auch den Nichtchristen: Freiheit können wir nur denen schaffen, die unter unserer Macht stehen. Und es ist ein entbehrungsreicher Kampf gegen Windmühlen, ohne Aussicht darauf, je einen Sieg in der Weise zu erringen, daß wir die absolute Freiheit umgesetzt hätten und der Kampf zu Ende wäre.

Aber, wir haben gute Voraussetzungen für diesen Kampf. Wir leben in einer Demokratie, wodurch unsere Macht auf die gesamte Gesellschaft so groß ist wie selten zuvor. Die immer noch recht freie Kommunikation übers Internet spielt da auch noch rein. Ebenso, daß wir in einem der reichsten Länder der Erde wohnen. Alles das sind Machtfaktoren oder Faktoren, die unsere je individuelle Macht sehr hoch ansetzen. Wir können vielleicht nicht das ganze System ändern (weil sich nur die Leidtragenden ändern würden), aber wir können dadurch vielen Menschen mehr Freiheit geben. Wir selbst aber werden mit den Konsequenzen daraus leben müssen, denn uns selbst können wir nur Freiheit verschaffen, indem wir andere unterjochen.

Netzfunde

Netzfunde vom Montag, den 13. Mai 2013

Antje Schrupp hat über die moderne Geschechterselektion geschrieben und auf verbreitete Vorurteile hingewiesen. So verortet sie (bzw. Mara Hvistendahl, die sie in dem Artikel rezipiert) die Herkunft nicht in Kulturen wie denen Süd- und Ostasiens, sondern etwa im westlichen Machbarkeitsdenken. Eine Sache, die mir nicht bewußt war ist, daß etwa in den USA per PID vor allem Mädchen Jungs vorgezogen werden:

Als Grund für die Bevorzugung von Mädchen wird nämlich genannt, dass man sie so hübsch anziehen kann, dass sie fleißig und unproblematisch sind.

Um schön angezogene Mädchen, genauer gesagt, um Schönheitswettbewerbe, geht es beim Herrn Alipius. Dieser kann zwar solchen Wettbewerben nichts abgewinnen, ärgert sich aber darüber, daß man schön nicht mehr schön nennen dürfe. Die Menschen sind nun einmal verschieden, zum Glück, und deshalb auch von ganz unterschiedlicher Schönheit, Klugheit, und was einem sonst noch so als Prädikat einfällt. Mir persönlich fällt es immer schwer, Schönheit auf eine Metrik zu bringen die schöner-als-Aussagen erlaubt. Nach welchen Kriterien wollte man das bemessen? Es können nur subjektiv-willkürliche Kriterien sein. Wenn nun dieser Subjektivismus noch aus Gründen politischer Korrektheit genormt werden soll, wird es spätestens lächerlich. Denn diese Norm von oben kann ja auch nur subjektiv sein. Es bekommt also eine subjetive Norm für Schönheit eine Verbesserung/Veränderung ducrch eine andere subjektive Norm. Und während die erste schon den Anschein von Objektivität erheben wollte (so nehm ich das jedenfalls wahr), müßte die zweite ja noch objektiver (sic!) sein und hätte auch noch den Gütesiegel der Politik. Ich will mir von niemandem vorschreiben lassen, wen ich als schön anzusehen habe. Pamela Anderson zum Beispiel, das Sexsymbol der 90er (also meiner Jugendzeit) fand ich nie sonderlich ansprechend. Und überhaupt, wenn es sowas wie objektive Kriterien zur Bewertung der Schönheit geben sollte, könnten die nur zu dem Ergebnis kommen, daß meine Frau die schönste Frau der Welt ist. Was irgendwie auch allen Schönheitskonkurrenzen die Spannung nehmen würde.

Und dann ha der Herr Alipius noch nen Artikel zu Süßigkeiten, Werbung und Kindererziehung oder so ähnlich. Fazit ist:

Lieber volle Geldbörsen in Chefetagen und Marketingagenturen, als Kinder, die sich gesund ernähren!

Überrascht mich jetzt wenig. Aber vielleicht bin ich auch schon zu zynisch… ist IMHO Folge des Kapitalismus, aber das ist wieder ne ganz andere DIskussion…

A propos Kapitalismus: Bei futurzwei.org hab ich mal wieder von Leuten gelesen, die diesem Paradigma in ihrem Handeln nicht ganz folgen. Da wären einerseits die Damen, die aus Abfall Mahlzeiten für 30 bis 40 Menschen zaubern und sich dagegen verwehren, daß das jetzt revolutionär sei. Oma hat ja auch kein Essen weggeschmissen. Andererseits die Milchbäuerin, die an althergebrachter Wirtschaftsweise festhält und ihre Kühe mit Heu statt mit Silage füttert. Ich hab ja schon öfters geschrieben, daß ich Sympathie für kleinere Einheiten hab. Großindustrie ist Monokultur und Monokultur ist anfällig.

Achja, manche Menschen sind einfach asozial. Oder wie soll man das einordnen?

Bei Ey Lou Flynn gibt’s nen Wettbewerb. Es geht darum zu sagen, warum man Hippiepunk mag. Viel Spaß und viel Erfolg.

Stephen Mattson schreibt darüber, daß man als Christ auch ruhig mal seine Ansichten ändern kann. Eigentlich klar, aber in manchen Kreisen wird man da wohl schnell als Häretiker gebrandmarkt. Soviel zur christlichen Nächstenliebe…

Bei Peter geht es um die Seele und das Leben nach dem Tod. Interessant auch die Kommentare uner dem Artikel.

Was hält der moderne Mensch eigentlich von Rache? Und inweiweit will er Blut sehen? Inwieweit kann er vergeben und wo sind die Grenzen? Morf Morford schreibt über Ariel Castro. Ariel Castro ist derjenige Mann, der in Cleveland drei junge Frauen jahrelang gefangen hielt. Wie soll man ihn bestrafen? Die Todesstrafe scheint zu gut zu sein für so einen. Menschen neigen dazu, in theoretischen Erörterungen liberalere Ansichten zu haben, als wenn es hart auf hart kommt. Und manche reflektieren das noch nicht einmal. So sah ich in einem sozialen Netzwerk einmal ein Profil von einer Person, die gleichzeitig in den Gruppen „Todesstrafe abschaffen“ und „Todesstrafe für Kinderschänder“ war. Selbst als ich sie darauf ansprach, wurde ihr der Widerspruch nicht bewußt, in den sie sich da stellte. Morf Morford weist darauf hin, daß eigentlich, aus christlicher Perspektive gesehen, niemand für sich in Anspruch nehmen kann, ein besserer Mensch zu sein, denn Sünder sind wir alle. Das bedeutet freilich nicht, daß wir Castro nicht bestrafen sollten, daß wir ihn nicht wegschließen sollten. Aber es erinnert uns daran, daß er eben kein Monster ist, weil kein Mensch ein Monster ist, auch wenn er Unaussprechliches getan hat, unsagbar großes Leid für die Opfer und deren Angehörige zu verantworten hat. Er hat es zu verantworten, daran kann, daran darf nicht gerüttelt werden. Aber er hat sich als Mensch zu verantworten, nicht als Monster. Das würde es auch ihm zu einfach machen. Denn was erwartet man von einem Monster, als daß es monströse Dinge tut?

Es sieht so aus als ob demnächst Opfer islamistischer Gewalt heiliggesprochen werden sollen. NBC findet das wohl nicht so toll, weil das könnte ja die Mulsime provozieren. Der Herr Alipius hat dazu ne eigene Meinung. Und ganz im Ernst: Wenn wir uns durch den Terror dazu bringen lassen, anders zu handeln, dann hat der Terror gewonnen. Und ja, ich würde hier lieber von Terroristen statt von Muslimen sprechen, denn Muslime gibt es auch andere, Terroristen werden aber immer jede Gelegenheit wahrnehmen, sich provoziert zu fühlen um ihre feigen Anschläge zu rechtfertigen, diese Hunde!

So, das war’s für heute.

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Wo sind wir denn?

Jean-Claude Junker, langjähriger Ministerpräsident von Luxemburg und Vorsitzender der Euro-Gruppe hat heute interessantes gesagt. Es ist die Rede von einer Einschränkung der Soveränität Griechenlands.

Moment – durchatem- setzenlassen. Einschränkung der Souveränität! Wegen der Schulden soll also das Volk entmachtet werden, und die Souveränität in Teilen an europäische Institutionen übergehen. Das heißt, es geschieht nichts anderes, als daß im Mutterland der Demokratie die Demokratie abgeschafft wird. Der Demos wird entmachtet, an seine Stelle treten Verwaltungen in Brüssel, Straßburg, Luxemburg oder sonstwo.

Und warum das Ganze? Um des schnöden Mammons Willen. Weil die Griechen, bzw ihre demokratisch gewählten Regierungen, schlecht gewirtschaftet haben, werden sie nn entmachtet. Wer kein Geld hat, ja Geld benötigt, ist nicht mehr auf Augenhöhe in der Europäischen Union. Da können auch schon einmal grundsätzliche Bürgerrechte über Bord gehen.

Das Recht eines Volkes, die Geschicke seines Staates selbst zu lenken, war bisher allgemein anerkannt im freien Europa. Seit Junckers Äußerung weiß ich nun, daß dies nicht mehr gilt. Statt dessen kann zukünftig nur noch derjenige Rechte geltend machen, der über genügend Barmittel verfügt. Das Kapital hat das Recht abgelöst als Orientierungsgröße!

Nun fällt mir ein: War es nicht so, daß Griechenland vor allem gestützt wird, weil eropäische Banken Kredite gewährt haben und diese nun auf ihrem Geld sitzen bleiben würden, ginge Griechenland bankrott? Und damit wären dann wir Resteuropäer betroffen, und zwar (zumindest in erster Linie) nicht, weil unsere Politiker falsch gewirtschaftet hätten, sondern weil der private Bankensektor Geld in ein Land gepumpt hat, das nicht kreditwürdig war.

Klartext: Wir in Deutschland (und anderen Staaten der EU) haben Regierungen gewählt, die die Banken nicht dahingehend reguliert haben, daß diese keine Kredite an nicht kreditwürdige Großgläubiger (etwa Griechenland) vergeben. Daher haben die Banken diese Kredite vergeben. Da sie „too big to fail“ waren, konnten sie sich immer darauf verlassen, daß der Steuerzahler sie raushaut. Das hat bisher geklappt und klappt auch weiterhin. Allerdings stellt der Steuerzahler irgendwann Fragen und will Schuldige sehen. Und schuldig sind erst mal die, die das Geld durchgebracht haben: die Griechen. Und die sollen jetzt bezahlen, wenn nciht mit Geld, dann eben mit Abgabe der Souveränität.

Nur: Was haben die Griechen anderes gemacht als wir? Sie haben Regierungen gewählt, die Geld verschleudert haben. Und wir? Wir haben Regierungen gewählt, die wegen neoliberaler Dogmatik sich in die Lage brachten, Geld verschledern zu müssen.

Und gelöst werden soll es dadurch, daß nun unsere Politiker in Griechenland mehr, und die Griechen im eigenen Land weniger zu sagen haben (früher sprach man da von Kolonialismus).

Wie wäre es mit einer anderen Lösung? Die Banken an die Leine nehmen, so daß der Untergang einiger schlecht geführter Banken nicht mehr den Kollaps eines ganzen Wirtschaftsraums bedeutet? Oder wir lassen Griechenland eben gegen die Wand fahren und stürzen uns damit selbst in die Krise: Da wären die Lasten wenigstens gleich verteilt!

Was ich jedenfalls überhaupt nicht kapiere ist, wieso diejenigen, die ihre Banken nicht kontrolliert kriegen, nun auch noch Griechenland kontrollieren sollten.