Gesellschaft, Theologie

Fachkräftemangel

Wenn es stimmt, daß Deutschland durch den Zuzug vieler Muslime islamisiert wird, dann ist der Fachkräftemangel ganz leicht zu lösen:

Da alle muslimisch werden durch die Anwesenheit von Muslimen, werden doch sicher auch alle zu Akademikern durch die Anwesenheit von Akademikern.

Die Lösung ist also ganz leicht: Man schickt einfach alle Leute für 10 Minuten in die nächste Hochschule, die Anwesenheit der Akademiker färbt ab und schon haben wir lauter Akademiker. Problem gelöst.

Wenn die rechtskonservativen Parteien das mal umsetzen würden, stat immer nur Angst vor den Asylanten zu haben, dann könnten die in Deutschland echt noch etwas reißen. Man kann das übrigens noch weiter treiben: Man schickt alle Asylanten für 10 Minuten in ein Parlament und hat dann lauten lupenreine Demokraten. Nix mehr Terrorismus, nix mehr Scharia…

Und wenn man sie dann in die Kirche schickt…

Das geht natürlich nicht in einem weltanschaulich neutralen Staat, dennoch hat Käsmann recht, wenn sie sagt:

Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben.

So wenig, wie man zum Akademiker wird, wenn man sich in einem Unigebäude aufhält, so wenig wird man zum Muslim, wenn man einen auf der Straße trifft. Islam ist keine ansteckende Krankheit.

Wenn jemand „christliches Abendland“ schreit, also für sich selbst den christlichen Glauben in Anspruch nimmt, dann kann ich diese Angst vor den Mulsimen schon dreimal nicht verstehen, denn erstens steht gefühlte tausend Mal in der Bibel „fürchte Dich nicht“, zweitens steht in der Bibel, daß die Kirche, also die Gemeinschaft der Heiligen, nicht überwunden werden wird, und drittens fordert Jesus darin das Ausharren, falls es doch einmal zu Verfolgungen kommt.

Sprich: Selbst wenn das jetzt alles Terroristen wären, die da kommen, müßten wir als Christen (und ich sprech jetzt wirklich nur von den Christen) denen helfen (Nächsten- und Feindesliebe!), und wenn sie die Scharia einführen sollten (was sie nicht tun werden, sie fliehen ja vor ISIS und Taliban), können wir nichts anderes tun als die andere Wange hinzuhalten. Wenn wir Christen sind und das „christliche Abendland“ im Munde führen.

 

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Letzten

Dies ist der letzte Teil der Reihe „Schwule Pfarrer“ (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil, 4. Teil).

Alles wesentliche ist bereits gesagt, hier soll es sich um eine Zusammenfassung der Ergebnisse handeln. Dazu noch ein kleiner Ausblick, was all das nun eigentlich bedeutet.

Der Artikel, der zu dieser Reihe geführt hat, „argumentierte“ grob so, daß Pfarrer besondere Verantwortung haben, daß Gott sexuelle Sünden besonders hasse, daß (praktizierte) Homosexualität eine solche Sünde ist und daß deshalb (praktizierende) Homosexuelle niemals Pfarrer werden dürften, weil sie der Verantwortung nicht gerecht werden würden und so das Evangelium verfälschten.

Die Verantwortung der Pfarrer

Im zweiten Artikel der Reihe sahen wir, daß Pfarrr tatsächlich eine besondere Verantwortung haben in der Ausübung ihres Amtes. Ihre Verantwortung liegt darin, daß sie Gottes Willen nicht verfälschen dürfen. Also keine billige Gnade, um mit Bonhoeffers Worten zu sprechen. Damit ist gemeint, daß sie nicht sagen dürfen, daß es kein Problem sei, wenn jemand etwas Schlechtes tut. Etwas Schechtes muß etwas Schechtes bleiben. Der Täter ist von Gott angenommen, nicht die Tat, und dadurch hat der Täter auch die moralische Verpflichtung sich anzustrengen, die Tat nicht zu wiederholen. Er muß ein Einsehen in die Schlechtheit der Tat haben.

Würde ein Pfarrer Schlechtes tun, also etwas, das Gottes Willen widerspricht, und würde er daran festhalten, daß dies nicht schlecht wäre, dann wäre er ein schlechtes Vorbild und würde seiner Verantwortung nicht gerecht.

Das bedeutet aber nicht, daß man von einem Pfarrer erwarten soll, daß dieser nie etwas Falsches täte. Dann müßten die Kanzeln leer bleiben. Jeder Mensch macht Fehler, auch ein Pfarrer ist davor nicht gefeit. Wichtig ist hier, wie er mit seinen Fehlern umgeht, ob er sie so wie Wulff dann einräumt, wenn nix anderes mehr geht, oder ob er sie wie Käßmann eingesteht, Buße tut und die Konsequenzen zieht.

Nicht die Konsequenzen zu ziehen, bzw. den Fehler kleinzureden oder zu relativieren, das schadet dem Amt, und der Verkündigung des Evangeliums. Denn es begründet eine Doppelmoral, in der der Pfarrer für sich Dinge rausnimmt, die für andere nicht gelten.

Sexuelle Sünden

Im dritten Teil sahen ir, daß es so etwas wie sexuelle Sünden eigentlich gar nicht gibt. Jedenfalls spielen sie keine große Rolle. Was eine Rolle spielt, eine große Rolle sogar, ist der Götzendienst, also die Verehrung eines anderen Gottes, eines anderen Ideals, als Gott selbst. Solche Götzendienste werden dann häufig mit sexuellen Vokabeln umschrieben.

Das schlimme am Götzendienst ist immer, daß man damit nicht Gott folgt, sondern menschengemachten Größen, seien es Holzbilder, die mit Gold überzogen sind, oder Ideologien wie der Kommunismus. Der Mensch hängt sich dabei immer an seine eigene Macht, vertraut auf das Selbstgemachte, und nicht auf Gott.

Beispielsweise, wenn er, also der Mensch, dem Zeitgeist anhängt. Dann ist alles gut, was zu dieser Zeit bzw. in dieser Kultur als gut gilt. Die Kultur ist geprägt vom Menschen, der sich seine Gedanken dazu machte. So ist in den USA etwa die Todesstrafe gut, in Europa wird sie als schlecht angesehen. Gleiches könnte man mit zig Beispielen durchspielen. Was in einer Kultur gut ist, muß in einer anderen Kultur nicht auch gut sein. Der Zeitgeist, die Kultur, funktioniert nur schlecht als dauerhafter Maßstab. Und daß es schlecht ist, anderen nach unserer Kultur beibiegen zu wollen, was gut ist und was nicht, wissen wir spätestens, seit wir den Kolonialismus kritisch reflektiert haben.

Das darf man nun nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlecht, eine Kultur zu haben. Jeder Mensch hat eine Kultur und lebt in mindestens einer Kultur. Aber es ist kritisch zu sehen, wenn man unreflektiert an einer Kultur festhält und sie quasi als das Evangelium ausgibt. Das Evangelium ist keine Kultur, auch wenn es Kulturen seit 2 Jahrtausenden positiv beeinflußt. Und keine Kultur setzt das Evangelium perfekt um, denn jede Kultur ist menschengemacht und somit zeitlich, also fehleranfällig. An der Kultur, dem Zeitgeist festzuhalten ist somit nichts anderes, als an Menschlichem festzuhalten, als Götzendienst zu treiben.

Und ein solcher Zeitgeist ist die Sache mit der Beziehung der Sünde auf die Sexualität: die Leibfeindlichkeit. Die Bibe ist nicht so leibfeindlich, wie es viele Christen heute sind. Die Bibel macht sich keine Gedanken darüber, ob auch jeder brav nur Sex zur Fortpflanzung hat, ob auch jeder die Lust zu meinden sucht. Die Bibel vergötzt die Lust auch nicht, aber sie sieht sie als zum normalen Leben gehörig an. Sie ist nicht per se schlecht. Sex ist nicht per se schlecht. Zärtlichkeit ist nicht per se schlecht. Wie diese Gedanken ins Christentum gekommen sind – ich würde mal vorschtig vermuten, die Gnosis hat damit etas zu tun – kann ich nicht sagen. Ich bin mir aber recht sicher, daß es mit dem Evangelium von Jesus Christus nichts zu tun hat, wer mit wem ins Bett geht. Denn das Evangelium sagt, daß Gott den Sünder annimmt. Durchaus nicht die Sünde, aber den Sünder. Und es verlangt vom Sünder die Nächsten-, Feindes- und Gottesliebe. Jesus sagt, die Nächsten- und die Gottesliebe sei das ganze Gesetz und die Propheten. Demnach müßte sich alles daraus ableiten. Ich kann verstehen, wie sich das Götzendienstverbot darauf ableitet. Ich kann verstehen, wie sich der Ehebruch daraus ableitet, wie Diebstahl- und Mordverbot. Wie aber das Vorbot einer bestimmten Art der Sexualität, dei auf Augenhöhe geschieht, daraus abgeleitet werden sollte, erschließt sich mir nicht. Und keiner der Anti-Schwulen-Christen, die ich bisher traf, konnte diesen Zusammenhang herstellen.

Diese ganze Ablehnung bestimmter Arten gleichberechtigter Beziehungen sehe ich daher ganz in der Nähe des Götzendienstes. Hier wird versucht, eine Ordnung aufrecht zu erhalten, die doch selbst vom Menschen gemacht ist, die Kultur ist, und eben nicht identisch it dem Evangelium, und die deshal vor dem Evangelium zurückweicen müßte, wenn sie eine christliche Kultur wäre.

Homosexuelle Praktiken

Wir sahen im vierten Teil, daß es nur zwei Bibelstellen gibt, die für die Beurteilug der Homosexualität in Frage kommen, und daß es sich im einen Fall um eine rhetorische Figur handelt (in der es im Hintergrund wohl auch nicht um gleichberechtigte homosexuelle Beziehungen handelt) und im anderen Fall um eine ganz dunkle Formulierung, die so heute icht mehr entschlüsselt werden kann, und die nicht zwingend gegen homosexuelle Praktiken gerichtet sein muß. Sie gilt außerdem für Israel, das ins Land Kanaan einzieht, und nach dem Apostelkonzil dezidiert nicht für Heidenchristen wie uns.

Ob praktizierte Homosexualität ein Problem für Gott ist, muß also stark angezweifelt werden. Jedenfalls stärker, als das Verbot, Schweinefleisch zu essen oder milchige und fleischige Speisen zu mischen.

Vielmehr sieht alles danach aus, daß eine in Liebe geführte homosexuelle Beziehung, die von gegenseitiger Liebe und Verantwortung getragen ist, genauso wenig ein Problem ist, wie eine gleiche heterosexuelle Beziehung.

Schluß

Es gibt also keinen Grund, schwul Pfarrer für ungeeignet zu halten. Ungeeignet sind selbstherrliche Pfarrer, ohne Liebe, ohne Demut, ohne Reue. Pfarrer die alles schon wissen und daher auf Gott verzichten können, weil Er ihnen eh nix Neues mehr sagen kann. Ungeeignet sind Götzendiener-Pfarrer, die sich auf menschlichen Zeitgeist stützen und an ihm stärker festhalten als am Evangelium, denen das es-war-schon-immer-so wichtiger ist als der Mensch, dem sie eigentlich Nächsteniebe erweisen sollten.

Wenn es einen schwulen Pfarrer gibt, auf den all das zutrifft, dann stimme ich dem zu, daß er nicht geeignet ist für das Pfarramt. Aber das liegt dann nicht an seiner sexuellen Orientierung.

Sollte es aber wirklich so sein, daß ich die Bibel falsch interpretiere, und daß schwule Pfarrer wirklich ein Problem sind, dann ist das Problem eigentlich viel größer. Denn dann stelen die Kirchen aktuell Pfarrer ein, die ungeeignet sind. Dann ist die Auswahl der Bewerber vielleicht prinzipiell ungeeignet. Dann gibt es womöglich auch zig andere Pfarrer, die als Heterosexuelle ungeeignet sind. Die Kritiker sollten sich also nicht so ehr auf die Schwulen unter den Ungeeigneten einschießen, sondern analysieren und herausarbeiten, wie man geeignete Pfarrer ermitteln kann. Und dabei sollte nicht auf die Sexualität geachtet werden, denn der richtige Galube ist von der Sexualität unabhängig. Jedenfalls wird das ständig behauptet, wenn gesagt wird, daß ein nicht praktizierender Homosexueller kein Problem wäre.

Gesellschaft

Dann halt doch noch etwas zum bisherigen Bundespräsidenten

Eigentlich ist ja alles gesagt: Ins Amt gehievt als Merkels Kandidat, der wohl einerseits Verbündeter sein sollte, andererseits ihr so innerparteilich nicht mehr gefährlich werden konnte, Privatkredite, Urlaub bei Freunden, Flugmeilen etc etc.

Und vorher immer schön in der Bunten et. al. inklusive Spekulationen über die Tätowierungen von Gattin Nr. 2.

Tausendmal aufgewärmt, tausendmal wiedergekäut, und inzwischen etwas langweilig. Deshalb wollte ich eigentlich auch nichts zu ihm schreiben. Eigentlich.

Doch ich hab mal ein bißchen in den älteren Artikeln hier im Blog geblättert und stieß auf einen anderen Rücktritt. Wie Wulff zu Ministerpräsidentenzeiten hatte auch diese Rücktreterin ihren Wirkungsort in Hannover (hmm, der Schröder hat seine 2. Amtszeit ja ach nicht ganz zu Ende bringen können. Hat Hannover einen karriereschädigenden Einfluß?). Nur war bei ihr das Problem, daß sie bei Freunden übernachtet hätte oder an günstige Kredite gekommen wär, sondern daß sie besoffen Auto fuhr.

Damals hatte ich schon gemutmaßt, daß sie nicht weg sein wird vom Fenster. Und auch wenn es ruhiger um sie geworden ist, ist sie doch nicht ganz verschwunden. Beim Kirchentag ist ihre Popularität ungebrochen, und ach wenn sie immer wieder bei Interviews auf ihre Alkoholfahrt angesprochen wird, kann sie auch nach dieser die Zustände in Afghanistan kritisieren, um mal ein Beispiel zu nennen.

Indem sie Konsequenzen gezogen hat aus ihrem Fehler, hat sie sich die Glaubwürdigkeit erhalten.

Und nun Wulff. Er hatte ja als Kanzlerpräsident von Anfang an einen schweren Stand, was Glaubwürdigkeit anging. Er setzte einen sehr positiven Akzent, das mit dem Islam, der zu Deutschland gehöre, aber dann kam erst mal jede Menge Boulevard, abgerundet duch die ganzen Affären, die ihn jetzt zu Fall brachten.

Und beim Rücktritt? Kein Wort der Schuldeingeständnis. Er fühlt sich im Recht. Gut, wird man sagen, ein Schuldeingeständnis könnte vielleicht juristisch relevant sein, immerhin ist er jetzt seine Immunität los. Was ihm da droht dürfte ne Nummer größer sein als das, was Käßmann drohte (ich vermute mal Führerscheinentzug, weiß da jemand mehr?). Ich rechne mal mit Strafzahlungen (oder sollte wirklich Gefängnis drohen?). Trotzdem bleibt das Bild, daß hier jemand, als es nicht mehr anders ging, das preisgegeben hat, was er nicht mehr halten konnte. Mehr nicht. Weil er dran hängt.

Eigentlich (schon wieder!) wollte ich viel stärker auf die Buße hinaus in dem Artikel. Nun soll sie wenigstens am Schluß eingebracht werden. Buße bedeutet, von einem falschen Weg, den man eingeschlagen hat, umzukehren. Von vorne zu beginnen. Man muß Erreichtes fahrenlassen. Man hat vielleicht schon eine lange Strecke hinter sich gebracht auf diesem Weg, deshalb ärgert es, wenn man nun ganz zurück muß. All die Anstrengung umsonst. Hier ist kein Weiterkommen.

Allerdings muß man einsehen, daß der Weg falsch war. Anders gibt es keine Buße, keine Umkehr. Man geht lieber querfeldein, als daß man zurückgeht. Hofft, irgendwo wieder auf einen besseren Weg zu treffen, so daß nicht alle Anstrengung umsonst war. Lieber kurz eine erhöhte Anstrengung, als all die Errungenschaften, die man auf dem falschen Weg erworben hat, fahren zu lassen.

Es ist anstrengend, zurück zu gehen und neu anzufangen. Es ist sicherlich ein Stück weit auch demütigend, wenn einem nun alle Welt seine Fehler vorhält (allerdings ist Demut auch nicht per se schlecht). Aber wenn man sich nicht im Geäst verirren will, ist es der beste Weg, den man gehen kann.

Käßmann ging zurück und fing ne an. Wulff sucht noch nach der verpassten Abzweigung und geht nur soweit zurück, wie er unbedingt muß. So scheint es mir. Und ich halte es für fraglich, ob Wulff noch einmal irgendwo eine Rolle spielen wird.

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Wider Matusseks Polemik

Letzte Woche war Kirchentag, und ja, ich war auch in Dresden. Seit ich wieder zu Hause bin, lese ich immer wieder in der Presse vom Gutmenschentum, der Weltferne, Naivität etc, die auf dem Kirchentag vorherrsche. Und immer wieder ist ein Name damit verbunden: Käßmann.

Matthias Matussek vom Boulevardmagazin SPIEGEL hat nun einen Artikel geschrieben, in dem er sich an Käßman abarbeitet, ihr Polemik vorwirft und ja: Weltfremdheit. Das Übliche halt.

Bei Licht betrachtet ist es aber auch nicht mehr als Polemik, er reißt Zitate aus dem Zusammenhang und verdreht die Dinge. Und wozu? Weil es so leicht ist und en vogue, auf Käßmann zu schimpfen, weil sie sich ideal als Feindbild eignet?

Ich stehe Käßmann ja durchaus auch kritisch gegenüber, doch finde ich sollte eine Kritik mindestens auf gleichem Niveau stattfinden. Das scheint mir bei Matussek nicht der Fall zu sein.

1. Vorwurf: Käßmann sagt, man solle mit den Taliban beten, statt sie zu bombardieren. So Matussek. Sieht man sich den Text der fraglichen Bibelarbeit Käßmanns an (da steht „es gilt das gesprochene Wort“, ich war anwesend nd kann bestätigen, daß es keine Diskrepanz zwischen der Rede nd dem Druck gibt), hört sich das Ganze schon wieder anders an:

Der damalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe, hat mir im vergangenen Jahr gesagt, ich
solle mich doch in ein Zelt setzen und mit den Taliban bei Kerzenlicht beten. Offen
gestanden finde ich, das ist eine wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von
Tanklastwagen in Kunduz. Wir wissen doch, dass Frieden letzten Endes nur durch
mühselige, oft schmerzhafte und riskante Versöhnungsprozesse wachsen kann, in denen die
Opfer gehört werden und die Täter Schuld bekennen.

Es war also nicht Käßmann, die auf die Idee mit dem Beten kam, sondern Robbe. Käßmann sagte einzig, daß die Idee besser sei als den Tanklaster in Kunduz zu bombardieren. Daraus abzuleiten, daß Käßmann nun tatsächlich dazu aufriefe, alles im gemeinsamen Gebet mit den Taliban zu lösen, ist dumme Polemik.

Der Tanklastwagen führt mich zum 2. Vorwurf:

Margot Käßmanns indes setzte auf Demagogie. Sie glänzt mit frommem Augenaufschlag vor Tausenden. Sie führte aus, es sei besser zu beten, als Tanklastwagen zu bombardieren. Ach ja? Alles ist besser!

Jeder weiß doch mittlerweile, dass jenes tragische Bombardement ein Versehen war, und dass die Entscheidung dazu getroffen wurde, um einen größeren Anschlag zu verhindern. Käßmann aber behauptet implizit, die irrtümliche Bombardierung von Zivilisten sei in Wahrheit Absicht gewesen und in einer so hellsichtigen Weise getroffen worden, wie man es tut, wenn man sich zum Beten hinsetzt.

Das tragische Bombardement mag ein Versehen gewesen sein, liegt jedoch innerhalb der Logik der Gewalt im Krieg. Dagegen richtet sich Käßmann, nicht daß hier mit Absicht Leid erzeugt wurde. Denn begibt man sich erst einmal in die Logik der Gewalt, in den Krieg, dann ist das Leid schon Folge, egal wie man es dreht und wendet nd wie „sauber“ der Krieg auch geführt wird.

Matussek wendet sich der Frage nach dem gerechten Krieg zu, nachdem er feststellt, daß man sehr wohl für die Taliban beten und sie gleichzeitig bombardieren kann. Hier kann ich gerade noch so mitgehen mit seinem Gedanken. Ja, ich würde sogar soweit gehen, es als christliche Pflicht zu erachten für denjenigen zu beten, den man gerade tötet, wenn man denn schon so weit gekommen ist.

Doch Matussek gleitet ab in eine Pose des gerechten Racheengels:

Es gibt den bellum iustum, den gerechten Krieg. Seit dem heiligen Augustinus dürfen Christen Krieg führen, wenn er dem Frieden dient. Und das Gebet für die Feinde?

An jedem zweiten Sonntag beten auch wir Katholiken in den Fürbitten dafür, dass der Herr uneinsichtige Politiker auf den rechten Weg führe, damit sie für größere Gerechtigkeit sorgen mögen. Das heißt aber nicht, dass wir uns das Wählen schenken sollten. Ganz grundsätzlich: Ich kann für Stalin beten, dass er seine Fehler einsieht, und ihn trotzdem töten, wenn dadurch weitere Gulags verhindert werden. Ich kann für Hitler beten, und dafür, dass er seine Sünden bereut und von Untaten absieht.

Zu der Frage nach dem bellum iustum gibt es nicht nur bei Käßmann, sondern auch bei anderen protestantischen Pfarrern (in diesem Gespräch mit Renke Brahms und Martin Dutzmann, das auch sonst sehr interessant ist beispielsweise) durchaus die Meinung, daß es den gerade nicht gibt, weil Krieg immer schon bedeutet, daß man vorher schon auf ganzer Linie versagt hat und nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann, die aber nie per se gerecht ist sondern schon innerhalb der Ungerechtigkeit stattfindet. Um den Frieden zu erhalten, muß vorher gehandelt werden, das wäre gerecht. Kriegerische Gewalt ist nur noch Einschränken der Ungerechtigkeit, kann sie aber nicht aus der Welt schaffen.

Konsequenterweise verkürzt Matussek auch Bonhoeffer geradezu grausam:

Darf ich Hitler trotzdem umbringen, falls er uneinsichtig bleibt? Darf ich das fünfte Gebot brechen, das Tötungsverbot? Der evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer hat sich inständig und tief mit diesem Problem auseinandergesetzt, und zwar nicht auf der schick ausgetrommelten Messias-Veranstaltung eines Kirchentages, sondern in der Nazihaft.

Zuerst ist anzumerken, daß Bonhoeffer schon vor seiner Haft im Widerstand war. Die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Tyrannenmord kam bei ihm also vorher. Aber das ist hier unwichtiges Detail (wenn es auch auf die Recherchequalität von Matussek schließen läßt).

Bonhoeffer kam zwar zu der Überzeugung, sich am Tyrannenmord zu beteiligen, aber auch Bonhoeffer war sich bewußt, daß er damit Schuld auf sich laden würde, es also keinesfalls eine gerechte Sache wäre, sondern lediglich eine Einschränkung der Ungerechtigkeit gegen andere, während er dabei Schuld auf sich lädt. Dieser Gedanke ist meiner Meinung nach wichtig. Es gibt hier keine generelle Rechtfertigng für ein gewaltsames Handeln. Also ach keinen bellum iustum.

Matussek kürzt dies ab, um Käßmann eins auszuwischen und sie als Demagogin des „Gutmenschentums“ darzustellen, und ist doch selbst demagogisch, denn Bonhoeffer kam eben nicht zum gleichen Ergebnis wie Augustinus und Thomas von Aquin:

Bonhoeffer ist zu dem gleichen Schluss gekommen wie vor ihm Augustinus oder Thomas von Aquin. Es gibt den gerechten Krieg, und es gibt die moralische Rechtfertigung des Tyrannenmordes.

Es gibt nie eine moralische Rechtfertigung dafür, einem Menschen das Leben zu nehmen, ihm Gewalt anzutun, weil Gewalt moralisch eben nicht Recht ist, osndern höchstens in bestimmten Sitationen geboten, um nicht noch mehr Unrecht aufkommen zu lassen.

Und darum geht es, so denke ich auch Käßmann: Auch wenn wir Soldaten nach Afghanistan schicken, so erreichen wir damit doch keinen Frieden. Den Frieden, den gerechten Frieden, erreichen wir mit ziviler Aufbauarbeit. Dem würde wohl auch ein de Mezière zustimmen. Und in Afghanistan läuft die Lage aus dem Ruder, weil scheinbar nicht genügend zivil aufgebaut wird, so jedenfalls verstehe ich Käßmann, wenn sie sagt: Nichts ist gut in Afghanistan.

Sie macht nicht aus den Soldaten kaltkütige Täter, wie Matussek in einem weiteren Vorwurf sagt, vielmehr macht sie aus dem Souverän Deutschlands, also uns allen, die wir den Bundestag gewählt haben, der dem Mandat zugestimmt hat, wirre Planer. Und ich finde, das kann man sich sagen lassen, wenn es stimmt.

Gab es nicht jahrelang überhaupt keine richtige Strategie zum zivilen Aufbau des Landes? Gibt es die jetzt? Wo und wie findet der zivile Aufbau statt? Wie erfolgreich ist er? Was könnte besser gehen? Wo hakt es? Darüber hört man nichts. Statt dessen: Fokussierung auf den militärischen Teil, auf die toten Soldaten, kontrollierte Gebiete. Was in den Gebieten, die kontrolliert werden, geschieht, hört man kaum. Abgesehen von einigen Meldungen über Drogenanbau.

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Der Bischöfin Rücktritt

Jetzt ist sie also zurückgetreten. Frau Bischöfin Käßmann ist keine Bischöfin mehr, keine EKD-Ratsvorsitzende, nur noch Pfarrerin. Sie stolperte über eine Fahrt unter Alkoholeinfluß, und zwar erheblich viel Alkohol, jedenfalls so viel, daß man nach menschlichem Ermessen hätte wissen können, daß man nicht mehr fahrtüchtig ist.

Auch wenn Frau Käßmann viel Zuspruch erfahren hat in dieser Situation, und auch noch erfährt, so gab und gibt es doch auch sehr kritische und moralinsaure Stimmen. Also Kritiker, die sich so verhalten, wie sie es ihr gerade noch vorwarfen. Man liest von der Hoffnung, daß nun endlich nicht mehr so viel in die Politik hineingeredet wird wie dies bei Käßmann der Fall war. Denn Käßmann sei ja nun weg, moralisch nicht mehr in der Lage, irgend etwas zu kritisieren. Und überhaupt sei die Kirche keine Institution, die sich zur Politik äußern solle. Seelsorge, ein bißchen Halleluja singen, das solle die Kirche tun.

Zuerst ist anzumerken, daß die Kirche sehr wohl auch zu Politik reden kann und muß. Denn die Kirche hat den Auftrag, das Evangelium zu verkünden, die frohe Botschaft von der Liebe Gottes trotz der Fehler der Menschen. Dazu ist es jedoch nötig, auch die Fehler zu benennen, die begangen werden, und diese werden nicht nur beim Halleluja-Singen begangen, sondern auch in der Politik, auf die jeder Christenmensch in einer Demokratie auch Einfluß hat. Wie Frau Käßmann zur Buße angesichts ihrer Alkoholfahrt gerufen wurde, so muß eben auch die Gesellschaft zur Buße, also zur Umkehr gerufen werden, wenn sie in eine falsche Richtung marschiert. Und so rief Bischöfin Käßmann zur Umkehr angesichts Afghanistan. Sie rief dazu auf, wahrzunehmen, was dort passiert und nicht einfach alles schön zu reden.

Zum Zweiten ist anzumerken, daß gerade jetzt Käßmann nicht weg ist vom Fenster. Vielmehr wäre eine Bischöfin Käßmann weg gewesen, denn niemand hätte mehr auf sie geachtet, immer hätte man sich auf ihre Alkoholfahrt und ihr Verbleiben im Amt bezogen. Nun aber ist sie nicht mehr die Bischöfin, nicht mehr die EKD-Ratsvorsitzende. Sie hat die Konsequenzen gezogen, hart und geradlinig.

Es ist eben nicht so, daß sie keine andere Wahl gehabt hätte. Ihre Verfehlung betraf eine weltliche Angelegenheit, sie wird vor weltlichen Gerichten stehen müssen und sich verantworten im Rahmen des deutschen Gesetzes. Es gibt jedoch keinen formalen Grund, der einen Bischof wegen einer Alkoholfahrt zum Rücktritt zwingt. Sicher ist es unschön, bei dem Rückhalt Käßmanns beim Kirchenvolk und auch in den Gremien, der EKD Rat sprach ihr ja das Vertrauen aus, hätte sie sich aber ohne weiteres im Amt halten können. Hätte sie es gewollt, hätte auch die BILD sie nicht zurückhalten können.

Sie ist trotzdem gegangen und hat damit bewiesen, daß es ihr nicht darum geht, am Amt zu hängen. Sie hat geradlinig die Konsequenz aus ihrem Fehler gezogen und ist aus dem Amt ausgeschieden.

Sie ist nicht weg vom Fenster, weil sie ihre Moral, die man ihr immer vorwarf, durchgezogen hat. Ich denke nicht, daß sie von irgend jemandem verlangt hätte, moralisch perfekt zu sein (man liefere mir entsprechende Links). Das wäre unchristlich. Jedoch hat sie verlangt, den Kurs bei erkanntem Fehler zu korrigieren, bzw. Fehler auch erst einmal zu sehen.

In ihrem Fall hat sie das nun getan: Sie hat gesehen, daß sie einen Fehler gemacht hatte. Durchaus auch einen großen Fehler. Und sie hat ihren Kurs korrigiert, hat nicht stur durchgezogen, sondern ist zurückgetreten.

Nun ist sie frei, weiterhin die Moral zu fordern, die sie selbst vorgelebt hat. Als Bischöfin hätte sie das nicht gekonnt, als Pfarrerin hat sie diese Freiheit neu erworben. Sicher ist sie jetzt nicht mehr in der Position, in der man leicht gehört wird. Ein Bischof hat mehr Publikum als ein Pfarrer. Aber Käßmann wird die Medien finden und die Medien werden Käßmann finden. Ich glaube nicht, daß dies das Letzte war, was wir von ihr hörten. Und ich hoffe es auch nicht, auch wenn ich ihr inhaltlich sicherlich nicht immer 100% zustimmen konnte.

Ihre Kritiker allerdings haben es nun schwerer. Denn sie müssen sich nun auch an der Meßlatte messen lassen, die Käßmann vorgegeben hat. Und die ist nun relativ hoch. Alles in allem also doch ein Sieg für Käßmann?

Für mich ist der ganze Vorgang ein Beleg für die Aussage, daß Gott in den Schwachen mächtig ist, und daß die Schwäche die Kraft Gottes ist. Durch Käßmanns Rücktritt, der Schwächung ihrer Position, hat sie die Stärke, die sie durch die Alkoholfahrt verloren hat, zurückbekommen. Sie ist nun frei, freier als sie es bisher war.

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Margot, nein Danke?

Ich bin grad über einen Blog namens Maria Magdalena gestolpert, wohl von einer römischen Katholikin betrieben mit kirchenbezogenen Inhalten.

Darunter auch ein Beitrag zur EKD Ratsvorsitzenden und Bischöfin von Hannover Margot Käßmann. Frau Käßmann ist ja nicht unumstritten, und ihre Äußerungen zu allen möglichen Themen mögen ja auch durchaus kritikfähig sein.

Der genannte Beitrag hat mich dann aber doch etwas traurig gestimmt, vor allem wegen folgenden Sätzen:

Es ist eigentlich ein Trauerspiel: Das Bild von „Kirchens“, das diese Frau in der Öffentlichkeit vermittelt, wird dann gern auch gleich auf alle anderen ausgeweitet. Und mir tut es weh, wenn die una sancta in die Deppenriege eingereiht wird.

Diese Frau ist die gewählte Repräsentantin der landeskirchlich organisierten Protestanten in Deutschland. Die Una Sancta besteht eben nicht nur aus Rom, sondern aus allen Gläubigen, der Gemeinschaft der Heiligen, die die Una Sancta erst konstituieren. Ohne Gläubige keine Kirche.

Wenn nun Anhänger eines Bischofs (z.B. dessen von Rom) über eine andere Bischöfin (okay, keine Sukzession, eine Frau, also aus römischer Sicht nicht Bischöfin aber trotzdem Gläubige und damit Schwester im Glauben ALLER Christen) reden als von einer Deppin, dann tut das mir weh und ich frage mich, wo da die christliche Geschwisterliebe bleibt und ob die Ökumene wirklich am Ende ist.

Und ärgerlich stimmt es mich auch, wenn ich genauer darüber nachdenke. Natürlich werden die Römer nun mit der Käßmann in einen Topf geworfen, sie stehen in der gleichen „Deppenriege“. So wie wir alle bei manchen Leuten zu der „Deppenriege“ eines George Bush Jr. gezählt werden, nur weil er eben auch Christ ist.

Umgekehrt werden protestantische Christen seit Jahren wegen verschiedener Päpste und deren Entscheidungen von undifferenzierten Leuten in die „Deppenriege“ aus Rom eingereiht. Menschen treten aus der evangelischen Kirche aus wegen der Haltung des Vatikan zu Kondomen, Jungfrauengeburt oder was auch immer…

Wir, als Christen, als Gläubige, als Geschwister im Glauben sitzen doch alle in der gleichen „Deppenriege“, die man manchmal Una Sancta nennt, manchmal Weltkirche, Gemeinschaft der Gläubigen, weltweite Christenheit. Wir sitzen in einem Boot. Natürlich stehen ir manchmal blöd da wegen dem Verhalten unserer Geschwister. Oft genug stehen wir aber auch gut da.

Ich hätte von Maria Magdalena wenigstens erwartet, sich mit den Argumenten von Margot Käßmann auseinanderzusetzen und diese anzugreifen, anstatt die Person. Ich schieß ja auch manchmal über das Ziel hinaus, deshalb möchte ich es auch dabei bewenden lassen darauf hingewiesen zu haben, mit der Hoffnung, in Zukunft um die Sache streiten zu können und nicht um Personen.

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Kondome und Krieg

Bei der FAZ gibt es ein Video. Darin stellt sich ein Mann mit dem Namen Martin Luther vor und referiert einerseits über die Neujahrsansprache der Hannoveraner Bischöfin, andererseits über Aussagen Luthers zum Krieg.

Quintessenz seiner Ausführungen ist, daß es keinen Unterschied mehr gibt zwischen katholischer und evangelischer Kirche, weil die Kathliken gegen die Kondome anpredigen, die in der „wirklichen Welt“ benutzt werden, genauso wie die Protestanten gegen den Krieg anpredigen, den es in der wirklichen Welt gibt.

Ob der Video-Luther nun lustig sein will, oder einfach nur auch mal Kritik an Käßmann üben ist mir nicht so ganz klar. Der Vergleich mit dem Kondom blieb allerdings hängen. Ich frag mich: Ist da was dran? Sind wir Protestanten genauso rückwärts gewandt, wie man es dem Vatican vorwirft?

Erst möchte ich sagen: Nein! Krieg ist schlecht, Kondome nicht. Sie verhindern ungewollte Schwangerschaften und damit auch unter Umständen soziale Konflikte, außerdem verhindern sie die Übertragung verschiedener Krankheiten. Eigentlich eine gute Sache. Und dagegen der Krieg? Tod und Zerstörung! Aber Vorsicht! Was, wenn die Amis in den 1940er Jahren nicht nach Europa gekommen wären? Was, wenn die NATO nicht in Ex-Jugoslawien aktiv geworden wäre? Wie viele Mädchen würden eie Schulbildung in Afghanistan bekommen, wenn nicht auch wieder Amis und NATO was getan hätten? Was haben sie getan? Krieg!

Man kann den einzelnen Kriegen oder „friedenserhaltenden Maßnahmen“, wie man in der Vergangenheit euphemistisch sagte, ablehnend gegenüberstehen, ohne Frage. Ich möchte hier keinesfalls alles loben, was westliche Armeen in Afghanistan, Kosovo oder im Zweiten Weltkrieg über Dresden und Hiroshima getan haben. Mir geht es um das militärische Eingreifen an sich.

In alter Zeit hat die Lehre vom gerechten Krieg versucht, den Krieg in Grenzen zu halten. Denn Krieg würde es immer geben, das folgt schon aus dem Sünderstatus des Menschen. Man wird nie alle Menschen so ändern können, daß keiner mehr gewalttätig wird. Also suchte man, die Gewalt einzuschränken und möglichst keine Unbeteiligten zu Schaden kommen zu lassen.

So positiv die Intention, so negativ auch die Umsetzung, wenn man von Umsetzung sprechen kann. Auch wenn es ein immer ausgefeilteres Kriegsvölkerrecht gab, so haben sich die Kriegsparteien immer wieder darüber hinweggesetzt, und immer wieder kam es zu zivilen Opfern.

Daneben wurde der Terminus des gerechten Krieges auch mißbraucht, um Kriege zu rechtfertigen. Kriege gegen „Ungläubige“, „Tyrannen“ etc. Wer könnte etwas dagegen haben, einen Tyrannen zu stürzen? Oder eine Gefahr für die Menschheit zu bannen?

Hitler, Hussein, und dann?

Die evangelische Kirche hat in den letzten Jahren versucht, statt auf den Krieg, wieder auf den Frieden als Perspektive zu schauen. Man sprach fortan vom gerechten Frieden statt vom gerechten Krieg. So wichtig die Fokussierung auf den Frieden ist, um vom Krieg wegzukommen, so wichtig ist es auch, den Krieg nicht aus dem Auge zu verlieren, denn es ist die Wirkichkeit dieser Welt, ob man nun von Krieg spricht oder friedenserhaltenden Maßnahmen.

Ich wünsche mir, neben einer Beschäftigung mit dem Ziel des gerechten Friedens, eie erneute Zuwendung zur Thematik Krieg. Das ist nötig, um nicht den Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren, so wie es die katholische Kirche im Bereich der Sexualethik getan hat. Menschen werden Verhütungsmittel benutzen. Es geht um den verantwortlichen Umgang, nicht die Mittel nutzen, um durch die Betten zu hüpfen und selbst Schaden daran zu nehmen.

Genauso beim Krieg. Es gibt den Krieg, es wird ihn immer geben. Statt weltfremd in einer Kriegssituation den Abzug von Soldaten zu verlangen, sollte sich die Kirche meiner Meinung nach damit auseinandersetzen, wie dieses Faktum des Krieges gewendet werden kann, um größtmögliches Heil zu bekommen, eben den gerechten Frieden. Ein Verhindern aller Sünden kann nicht sein, denn der Mensch ist ein Sünder. Simul iustus et peccator.

es ist Zeit, daß sich die Kirche Gedanken macht, welche Konfliktziele vertretbar sind. Demokratischer Staat? Stabile Strukturen, wenn auch nicht demokratisch? Grundversorgung für alle? Und welche Mittel will sie, wenn nicht zulassen, so doch wenigstens im Rahmen des Sünderseins anerkennen? Wer geht heute in Deutschland noch hin und sagt, es war ein moralischer Fehler, daß die Amerikaner gegen Hitler gekämpft haben? Und trotzdem haben sie viele Menschen getötet, es kam zu Vergewaltigungen und Ermordungen durch die GIs.

Die Frage ist: Huldigt man weltfremd einem Ideal und verhindert alles Tun, das diesem nicht entspricht? Oder versucht man, das Tun, das ohnehin stattfindet in eine Richtung zu lenken, die dem Ideal näher kommt?

Im Klartext: Ist man für Stagnation oder für Veränderung zum Besseren?